jump to navigation

Schön anzusehen Juli 14, 2010, 17:36

Posted by Lila in Blogroll.
trackback

ist diese Blogpost von Sally. Ihr Blog, Already Pretty, beschäftigt sich mit Mode und Körpergefühl und allem, was da so drahängt. Ich habe sie auf Umwegen gefunden, als ich eine Stunde über Farbtheorien umgekrempelt habe und wild entschlosen war, das Thema diesmal von der Alltags-Seite anzupacken, also Mode. So bin ich auf Inside Out Style gestoßen, und ihre wirklich interessanten Polyvores zum Thema Mode und Farben. Ja, und irgendwann war ich bei Sally gelandet und habe mich festgelesen.

Der eingangs verlinkte Eintrag ist nicht taufrisch, aber er ist sehr schön und hat mich wirklich berührt. Sally hat ein Summer Black-Out für sich selbst erklärt: Verzicht auf die Farbe Schwarz, die ja oft die einfachste Lösung ist. Einfach mal eine Woche auf alles, alles, alles verzichten, was irgendwie schwarz ist. Mut zur Farbe! Viele Frauen haben sich angeschlossen und haben Sally ihre Bilder geschickt: große, kleine, junge, ältere (leider keine alten), dünne, schlanke, vollschlanke, dicke Frauen in allen Farben, aus vielen Orten der Welt.

Diese Bilder anzugucken macht Spaß. Jede Frau hat ihr Outfit sorgfältig gewählt. Jede von ihnen bringt damit zum Ausdruck, daß  ihr wichtig ist, wie sie aussieht, auch wenn niemand sie auf ein Vogue-Titelblatt hieven würde. Jede erzählt auch mit ihrem Outfit, wie sich selbst sieht, was ihr wichtig ist – alle auf der Suche nach einem eigenen Stil, irgendwo zwischen alten Gewohnheiten und kurzlebigen Modeerscheinungen. Keine von ihnen entschuldigt sich dafür, wie sie aussieht.

Ich dachte mir so, als ich mir die Bilder anguckte: so sehen Frauen, so sehen Menschen aus. Unendliche Variationsbreite. Jeder von uns, jede von uns, hat eine eigene Schönheit (weswegen Sally ihren Blog ja auch Already Pretty genannt hat) – und doch wird nur ein winziger Ausschnitt dieser Vielfalt in Medien, von Werbung und auch von uns Konsumenten als schön wahrgenommen und teilweise brutal propagiert. Diese Gehirnwäsche läßt sich wohl nicht mehr rückgängig machen, trotz der toxischen Wirkung, die der obsessive Kult um einen winzigen Ausschnitt aus der Glockenkurve auf unsere Töchter und auch Söhne hat.  Aber beim Angucken dieser Bilder erkenne ich, wie viel wir verlieren, wenn wir beim Ansehen von normalen Menschen nur noch Problemzonen diagnostizieren und die dann korrigieren wollen.

Ein kleiner Lichtblick, den ich meinen lieben Lesern nicht vorenthalten wollte, da ich sie doch so oft mit Unerfreulichem quäle…

Kommentare»

1. willow - Juli 14, 2010, 18:36
2. Lila - Juli 14, 2010, 18:40

Default warning:

Was nicht bedeutet, nun ins Slim-bashing zu verfallen. Manche heutigen Supermodels sind als Kinder erbarmungslos als Zahstocher oder Bohnenstange geneckt worden.Viele dünne Frauen berichten von heimlicher oder offener Feindseligkeit. Das ist nicht besser als aggressives Verhalten Dicken gegenüber.

3. Marlin - Juli 14, 2010, 21:38

Stimme zu, Lila. Sehr schön bunt. 🙂

Aber mal eine Frage, auch wenn es mir nur bei den ersten Bildern auffiel: warum kreuzen so viele Frauen die Beine auf so unnatürliche Art, wenn sie stehen? Beispiel: Terra, Bild Nr. 2. Das ist so absurd für mich, ich suche schon länger nach einer Erklärung dafür.

Gern auch an andere Wissende hier, nicht nur die arme Lila. 😀

4. Lila - Juli 14, 2010, 22:00

Ja, ist das nicht merkwürdig? Auch Sally selbst stellt ihre Beine so, als ob sie Knie aus Gummi hätte. Ich versteh es nicht ganz, was mich nicht davon abhält, eine Theorie zu haben 🙂

Ich habe ja eine Theorie zur Darstellung der weiblichen Brust in der Aktmalerei. Da ist es ja ewige Konvention, die eine Brust im Profil, die andere von vorne abzubilden (hier, hier, hier, hier auch hier und hier realistischer). Obwohl in natura auch bei Frauen mit weit auseinanderliegenden Brüsten dieselben nicht in diesem Winkel zu sehen sind (geradezu grotesk übertrieben hier). Aber meine Theorie sagt: die perfekte Brust ist rund und fest. Rund zeigt sich am besten von vorne, fest im Profil. Darum muß die perfekte Büste eben ein bißchen optisch manipuliert werden, um sich im besten Lichte zu zeigen. Und niemandem außer der Lila fällt es auf 🙂

Nun kann es sein, daß durch die verdrehten Beine die besten Eigenschaften des Beins gezeigt werden sollen. Daß das Bein gerade ist, sieht man am besten von vorne, und daß es deutliche Rundungen hat (also keine cankles), das sieht man am besten von der Seite.

Und nun versuch mal so zu stehen, daß man ein Bein von vorne, das andere von der Seite sieht…. dann sieht es aus wie X- oder O-Beine. Hm…

Also ich versteh es auch nicht! 😀

5. croco - Juli 15, 2010, 17:23

Lila, kennst du den hier?
http://anders-anziehen.blogspot.com/
Eine Kölner Kostümbildnerin fotographiert Menschen auf der Strasse, die ihr besonders auffallen, und lässt sie ein bißchen erzählen.
Sie hat schon einen künsterlischen Blick auf Kleidung und Mensch.

Gekreuzte Beine sind schwer in Mode. Sie sehen dann nicht so dick aus, denke ich mir.
Sie lenken aber extrem den Blick nach unten, so dass man glatt vergisst, sich Kopf und Kleid anzuschauen.

Das mit dem Busen ist schon merkwürdig.

6. Marlin - Juli 15, 2010, 17:50

Muha! Ich frage harmlos nach Beinen und werde mit Brüsten bombardiert! 😀

Sehr schön. Wusste ich vorher natürlich gar nicht, aber dank Dir hab ich wieder was gelernt. Zwar nicht zum eigentlichen Thema, aber trotzdem. Vielen Dank.

Das Problem bei Deiner Theorie ist ja, dass ich viele junge Frauen sehe, die eben nicht für ein Foto posieren, sondern einfach so dastehen.. Buch lesen, warten auf Zug, etc. Glaube kaum, dass die das wegen der Präsentation machen.. vielleicht unbewusst? Das gibt es auch erst seit einigen Jahren.. hm.

Auf jeden Fall ist es dämlich, sich völlig instabil hinzustellen!

*kreisch*

Danke, Lila, für eine kostenlose Kunststunde. Sollte Dich öfter sinnloses Fragen, um dafür einen Exkurs in die Kunst zu machen. 😀

Grüße aus dem heißen Berlin.

7. Lila - Juli 15, 2010, 20:24

Oh, Croco, danke, das sind aber tolle Bilder. Ach, wie schön sind Menschen doch. Tut gut, so etwas an einem Tag wie heute zu sehen, nachdem ich die Zeugenaussagen über den Tod Dominik Brunners gelesen habe und am liebsten über unser ganzes Geschlecht gekotzt und gebrüllt hätte.

Marlin, wie gesagt, eine richtige Erklärung habe ich wie gesagt nicht. Vielleicht ist es der visuelle Eindruck von krumm herumstehenden Models und Schauspielrinnen. Wenn Du noch nicht genug davon hast, hier sind die köstlichsten Beispiele von Dialog zwischen „beachtet mich!“-Kleidern und „guckt mich nicht an!“-Haltung….

8. Marlin - Juli 15, 2010, 21:07

Sheesh.. solche Seiten schaust Du Dir an? 😀 Nix für mich. Aber hier stehen die mit den Füßen parallel.. vielleicht ist das gekreuzte ja eine Verweigerungshaltung? („Don’t talk to me!“)

Naja, solange kein Soziologe kommt, und das mal untersucht, wirds wohl ein Rätsel bleim. 🙂

9. Marlin - Juli 15, 2010, 21:12

croco, schöne Seite.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s