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Ein Gelöbnis Oktober 27, 2009, 21:55

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Primus´ Sanitätskurs ist schon vorbei, heute war der feierliche Abschluß in der Basis Zrifin in Rishon le Zion (im Bahad 10, dem Ausbildungslager des Sanitätsdiensts). Wir saßen mit einer ganzen Menge sehr stolzer Eltern und sahen zu, wie in der warmen Herbst-Abendsonne unsere Söhne und Töchter feierlich einmarschierten. Ich bin ja nicht der militärische Typ, und mich erinnert die schmissige Musik immer an Colonel Hathi und die Dschungelparade. Zu meiner Freude war der Einmarsch zwar keine Dschungelparade, aber auch kein Spektakel wie in China – es wird wohl mehr Zeit mit sinnvolleren Dingen verbracht als haarscharfem Exerzieren.

Es gefiel mir besonders, daß in diesem Kurs Angehörige aller möglichen Abteilungen der Armee zusammen gelernt haben. Sie werden nun alle in ihre Einheiten zurückkehren. Am auffallendsten sind natürlich die Soldaten der Marine, in blendend weißen Uniformen. Den Fallschirmjägern mit ihren roten Baretten schenkten Y. und ich auch ein paar freundliche Blicke – sie tragen auch die rotbraunen Stiefel der Kämpfer. Ansonsten sind sie natürlich olivgrün wie die ganze Infanterie. Die Luftwaffe, inklusive Primus, trug ihre sandfarbene „beste“  Uniform A (die Ausgehuniform – denn die Alltagsuniform ist ebenfalls grün).  So war es ein schönes buntes Bild. Natürlich Mädchen und Jungens, äh, junge Männer und Frauen gemeinsam.

Wir sahen also zu, wie diese gemischte Gruppe sich geduldig mehrere Reden anhörte, wie die Besten unter ihnen ausgezeichnet wurden (50% junge Frauen, obwohl sie im Kurs deutlich weniger waren), und sangen mit ihnen die HaTikva. Dann wurden Nadeln verteilt – Primus hat schon eine ganz hübsche Sammlung davon auf dem Hemd. Heute also ein „Würmchen“, wie die Äskulap-Schlange genannt wird. Die Kursleiter nahmen jeden Teilnehmer in den Arm, jeder kriegte ein paar persönliche Worte mit. Eine sehr herzliche Atmosphäre.

Dann wurde der Eid abgelegt.

 

אני, חייל בחיל הרפואה של צבא ההגנה לישראל
נשבע היום הזה –
להושיט יד עוזרת לכל פצוע ולכל חולה,
אם נקלה ואם נכבד, אם אוהב ואם אויב –
ולכל אדם באשר הוא אדם.

אני נשבע להביא מרפא וצרי לגוף ולנפש,
לשמור סוד, אמונים וכבוד, ולשקול את מעשי
בתבונה, בתושיה, ובאהבת אנוש.
שומר אחי אהיה תמיד – אם בקרב, אם באלונקה
ואם ליד מיטת החולי.

אני נשבע כי על ליבי יהיה חרוט לעד
הדיבר העליון של ההקרבה –
לא להשאיר פצוע בשדה
בזאת אני נשבע!


Ich, Soldat im Sanitätsdienst der Armee zur Verteidigung Israels,

schwöre heute,

daß ich jedem Verletzten und Kranken helfend die Hand geben werde –

ob Gesetzesbrecher oder gesetzestreu, ob Freund oder Feind,

jedem Menschen, da er ein Mensch ist.

Ich schwöre, dem Körper und der Seele Hilfe und Heilung zu bringen,

Geheimnisse zu wahren, treu und ehrenhaft zu sein, und meine Entscheidungen mit Verstand, Klugheit und Menschenliebe zu treffen.

Ich werde immer Hüter meines Bruders sein – auf dem Schlachtfeld, mit der Tragbahre und neben dem Krankenbett.

Ich schwöre, daß in meinem Herzen

das höchste Gebot der Opferbereitschaft fest eingegraben ist –

keinen Verletzten zurückzulassen.

Das schwöre ich!

Dann wurden die vielfarbigen Barette in die Luft geworfen. Hinterher gab es noch jede Menge Umarmungen, Zeugnisse, Sanitätsausweise, Abschiede und formloses Gequassel samt Gruppenphoto.  Jetzt haben wir den Jungen für ein paar Tage zuhause, dann muß er noch einmal nach Rishon, wo er die Ausbildung gemacht hat, und dann wieder zurück zur Luftabwehr.

Mir hat das Gelöbnis gefallen. Es ist ja selbstverständlich, daß Sanitäter ohne Ansehen der Person helfen müssen – und israelische Sanitäter und Ärzte haben das auch immer wieder getan.  Ich gehe davon aus, daß deutsche, amerikanische und syrische Sanitäter und Sanitätsoffiziere denselben Eid schwören – und sich auch daran halten. Wenn jemand den Wortlaut der Gelöbnisse in anderen Sprachen weiß, würde ich mich freuen, wenn er sie in den Kommentaren dazusetzt.  (Ist das hier der amerikanische? dann habe ich mich geirrt und der Teil mit der Hilfe für Feinde und Gesetzesbrecher kommt nicht darin vor.) (Und noch eine Frage: wenn man doch sagt „ich schwöre“, ist es dann nicht eine Vereidigung, also mehr als ein Gelöbnis?)

Sikat_hovesh

אני, חייל בחיל הרפואה של צבא ההגנה לישראל
נשבע היום הזה –
להושיט יד עוזרת לכל פצוע ולכל חולה,
אם נקלה ואם נכבד, אם אוהב ואם אויב –
ולכל אדם באשר הוא אדם.
אני נשבע להביא מרפא וצרי לגוף ולנפש,
לשמור סוד, אמונים וכבוד, ולשקול את מעשי
בתבונה, בתושיה, ובאהבת אנוש.
שומר אחי אהיה תמיד – אם בקרב, אם באלונקה
ואם ליד מיטת החולי.
אני נשבע כי על ליבי יהיה חרוט לעד
הדיבר העליון של ההקרבה –
לא להשאיר פצוע בשדה
בזאת אני נשבע!
 

Kommentare»

1. Christian - Oktober 28, 2009, 1:39

Für Deutschland gilt, dass Ärzte und Sanitätspersonal nichts schwören. Weitverbreitet ist allerdings der Glaube an den Hippokratischen Eid, dazu habe ich hier schon einmal etwas geschrieben:

http://obiterdictum.wordpress.com/2009/05/29/arzte-schworen-nicht/

Zumindest im deutschen Recht hat das „Ich schwöre“ auch nur dann Bedeutung, wenn ein Richter vor Gericht den Eid abnimmt – dann droht nämlich eine Bestrafung wegen Meineides statt „nur“ uneidlicher Falschaussage. Die meisten Fachkollegen sind sich allerdings einig, dass der Eid eine überkommene, quasireligiöse Formel ist, die der Wahrheitsfindung kaum weiterhilft. Die Literatur fordert daher seit langem die Abschaffung der Vereidigung, und in der Praxis ist sie äußerst selten geworden.

In dem von Dir geschilderten Kontext ist der Eid rechtlich gesehen ebenso belanglos wie z.B. der Amtseid von Kanzlerin und Ministern. Ich kann aber wie gesagt nur für Deutschland sprechen.

2. Manfred - Oktober 28, 2009, 2:18

Bei der Bundeswehr ist es in der Tat ein Unterschied: Wehrpflichtige „geloben“, Zeit- und Berufssoldaten „schwören“. Die Eides- bzw. Gelöbnisformel ist aber für alle dieselbe:

„Ich schwöre (gelobe), der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“

Jedenfalls war das der Wortlaut vor zwanzig Jahren. Von einer besonderen Eidesformel für Sanis weiß ich nichts.

3. willow - Oktober 28, 2009, 9:40

Hast du dein „Würmchen“ mal wieder für ein paar Tage… schön! Aber alles Gute ist nie beisammen, dein Besuch schon wieder weg… die hätten dein „Kind“ bestimmt auch gerne mal wieder gesehen.

4. Lila - Oktober 28, 2009, 10:02

Er hat es geschafft, zweimal kurz vorbeizukommen, während meine Mutter und mein Bruder hier waren. Sie haben zu ihrer großen Erleichterung festgestellt, daß er unverändert ist – muskulöser und braungebrannt, aber ansonsten derselbe Primus.

5. Mirea - Oktober 28, 2009, 15:47

Und was ist mit Menschen, die keine Menschen sind? Komischer Text…

6. willow - Oktober 28, 2009, 19:57

@Mirea:

Findest du? Was genau findest du „komisch“… oder empfindest du nur den Widerspruch zum allgegenwärtigen „Israelis sind Unmenschen“ ?

7. Lila - Oktober 28, 2009, 20:08

Ich glaube, meine Übersetzung ist einfach ein bißchen verkorkst. Kol adam asher hu adam heißt wörtlich jeder Mensch, der Mensch ist, aber in der Bedeutung von WEIL er ein Mensch ist. Also es reicht, daß ein Mensch Mensch ist, damit ist er schon der Hilfe würdig.

Wie die anderen Gelöbnisse zeigen, doch vielleicht nicht so redundant und überflüssig. Ich bin nicht sicher, wenn ich es mir so überlege, daß zB syrische Sanitäter im Kriegsfalle israelischen Verletzten erste Hilfe leisten würden. Ausschließen möchte ich es nicht. Ich glaube zB, daß die Hamas Gilad Shalit ärztliche Hilfe gewährt hat, denn er war verletzt, als er verschleppt wurde.

8. Marlin - Oktober 28, 2009, 23:22

Glück auf dem Primus und seinen Kameraden.
Und allen deren Familien.

Der Eid ist wirklich besonders. Sehr schön. (Im humanistischen Sinne.)

Ich glaube aber nicht, dass die Hamas dem armen Shalit aus Freundlichkeit ärztliche Hilfe gewährt hat. Er ist einfach Kapital für sie.
Wenn man sieht, was sie schon ihrer eigenen Volksgruppe antun, sollte sich niemand Illusionen über den Umgang mit dem „Feind“ machen.

9. arabrabenna - November 9, 2009, 22:22

Habe mir den Eid kopiert und sende ihn mal an Freunde, die ihn weiter senden werden. Eid hin oder her, wer so erzogen ist, daß ein Versprechen eingelöst wird, der wird auch seinen Eid ernst nehmen!


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