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Im Krankenhaus Afula, mitten in der Nacht Oktober 8, 2009, 16:57

Posted by Lila in Presseschau.
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Eine 61jährige Araberin wird wegen Schmerzen im Brustbereich von ihrer Tochter in die Ambulanz des Krankenhauses Afula gebracht. Niemand kümmert sich um die beiden, so daß die Tochter schließlich zum Ärztezimmer geht. Ein Arzt sagt zu ihr, „Nachname Arafat? Ich hoffe, Sie sind keine Verwandten“. Die Frau erklärt ihm, daß sie keine Verwandten von Yassir Arafat sind, und bittet ihn, sich um ihre Mutter zu kümmern. Doch der Arzt insistiert. „Mit dem Namen Arafat habe ich ein Problem“. Schließlich übernimmt eine andere Ärztin den Fall.

Ist es gerechtfertigt, sich über so einen Fall zu ärgern, oder ist es eine Lappalie? Dürfen Ärzte sowas? Was soll das Krankenhaus mit dem Arzt anfangen? Er selbst behauptet, daß er nur einen zynischen Witz gemacht hat, aber Tatsache: er hat die Frau nicht behandelt, und solange sie zu seinen Patienten gehörte, blieb sie unbehandelt. Und warum mußte die Tochter überhaupt versichern, nicht mit dem anstößigen Namensvetter verwandt zu sein?

Es ist eigentlich gar nicht typisch für das Krankenhaus Afula, das Terroristen behandelt hat, die in ihren eigenen Anschlägen verletzt wurden. In Afula werden auch immer wieder Kranke aus dem nahen Jenin behandelt. In Afula arbeiten Juden und Nichtjuden zusammen, wie in allen israelischen Krankenhäusern, und sie behandeln Juden und Nichtjuden ohne Ansehen der Person. Es is also wirklich verwunderlich und untypisch.

Übrigens: beeinflußt es Eure Wahrnehmung des Falls beim Lesen, ob es nun ein jüdischer Arzt ist, der eine Frau Arafat nicht behandeln will, oder, wie es wirklich war, ein arabischer Arzt, der eine Frau Kahane an seine Kollegin abgab?

Kommentare»

1. willow - Oktober 8, 2009, 18:49

Nun Lila, wenn es ein israelischer Arzt gewesen wäre, würde die Chance bestehen, daß auch deutsche Medien über den Fall berichten… jämmerlich und eines Arztes unwürdig ist es „auch“ so! 😉

2. Marlin - Oktober 8, 2009, 19:43

Willow hat wohl recht.

Peinlich. Für die Medien und den Arzt.

3. Piet - Oktober 8, 2009, 19:47

Was die Frage nach der Beurteilung des Arztes angeht, beeinflusst mich die Nationalität nicht im Geringsten: Für einen Arzt, der immerhin einen Eid abgelegt hat, ist ein solches Benehmen beschämend. Jedoch runzelte ich beim Lesen die Stirn, weil ich ein solches Verhalten in einem israelischen Krankenhaus nicht erwartet hätte. Beim letzten Satz dachte ich: Typisch Lila’sche Finte. 😉 So zurechtgerückt, wundert mich die Geschichte leider jedoch nicht.

4. Lila - Oktober 8, 2009, 19:50

Mich wundert es schon. Ich habe nie den Anflug von Kühle bei einem arabischen Arzt bemerkt. Man sagt über Ahmed Tibi, daß viele Siedlerinnen bei ihm in Behandlung waren, als er noch praktizierte, weil er ein so guter und freundlicher Arzt war (das hab ich aber nur vom Hörensagen).

Übrigens hatte ich schon Studenten mit Namen Arafat, Assad und Nasrallah. Ob die mit ihren Namen je angeeckt sind? Bei uns jedenfalls nicht.

5. arboretum - Oktober 8, 2009, 22:55

OT: Lila, Don Alphonso hat auf einen Artikel bei Bloomberg hingewiesen, den ich hiermit weiterreiche. Zitat Don:

„Im Gazastreifen wurden die Tunnels der Hamas für den Waffenschmuggel offensichtlich privatwirtschaftlich finanziert, und die Investoren wollen nach deren Schliessung nun ihr- inzwischen verpulvertes – Geld zurück.“

6. Anne - Oktober 9, 2009, 0:49

Ich muss leider sagen, dass ich solche besch… Handlungsweise grundsätzlich bei einzelnen Ärzten ALLER Völker der Erde für möglich halte – auch das gehört in meinen Augen zur menschlichen Natur, ob es uns passt oder nicht. Würdest Du die Hand dafür ins Feuer legen, dass sich ein jüdischer Israeli niemals so beknackt verhalten könnte?
Ich glaube aber genauso, dass die meisten arabischen Ärzte, zumindest in israelischen Krankenhäusern, sich bestimmt nicht so verhalten. Und außerdem bin ich der Meinung, das Krankenhaus müsste in solch einem Fall ernsthafte Konsequenzen ziehen – vollkommen egal, wer der Diskriminierende ist und wer der Diskriminierte ist. Sowas darf einfach nicht sein.

7. Karl Eduard - Oktober 9, 2009, 9:28

Gibt es da nicht diesen Ärzteeid?

8. Wolfram - Oktober 9, 2009, 12:19

Was ich menschlich noch verstehen könnte, ist in der Ausübung des Berufs (und Beruf kommt gerade bei Ärzten von Berufung, ist somit mehr vocation als metier) unerträglich. Egal, wer zu wem. Und wenn es meine Ex-Schwiegermutter wäre…

(Kahane – Cohen?)

9. cmpj - Oktober 9, 2009, 13:48

Die Variante mit Arafat im Namen würde doch zumindest für Ulrike Putz und andere einäugige Nahostkorrespondenten deutscher Zeitungen noch ein wunderbares Rührstück abgeben.

10. MartinM - Oktober 9, 2009, 14:06

Ulrike Putz – „Putzi“ – habe ich sowieso gefressen. Wobei das Schlimmste ja ist, dass sie es gut meint, und dabei wahrscheinlich erfolgreich verdängt, dass sie Antisemiten eine Steilvorlage nach der anderen liefert.

11. Mikado - Oktober 9, 2009, 22:14

„Ein kleinerer Teil der Gutmann- und Jungbunzlauer- Ausschüttungen fließt in die Karl- Kahane- Stifung, aus deren Mitteln u.a. palästinensische Fachärzte geschult werden. Firmenpatriarch Karl Kahane soll hinter den Kulissen Kreiskys Politik der Vermittlung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern mitbeeinflusst haben.“

http://www.vienna.at/news/wien/artikel/alexander-kahane—banker-und-milliardenerbe/cn/news-20090213-03180577

12. Lila - Oktober 9, 2009, 22:27

Verrückter Zufall, DEN Kahane kannte ich ja gar nicht. Kahane, Kahana, Kahn und Katz sind alles Abwandlungen des Namens Cohen, also ein wirklich sehr verbreiteter Name (wir haben auch eine Familie Kahana im Nachbarkibbutz). Wer also wegen Meir Kahana alle Namensträger ablehnt…


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