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Nachtrag zu Leonard Cohen September 28, 2009, 23:58

Posted by Lila in Bloggen.
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Obwohl ich es bisher aus reiner Giftigkeit vermieden habe, mich Berichten über das Konzert von Leonard Cohen auszusetzen – bei Lozowick bin ich auf einen sehr schönen gestoßen.  Besonders bewegend finde ich, daß Cohen zum Schluß von seinem Recht als Cohen, also Abkömmling der Priester des Tempels, Gebrauch machte und den Segen der Kohanim sprach (den die evangelischen Christen übernommen haben – er ist aber viel älter).

Then there was a surprise that nobody could have anticipated. Cohen, an ordained Buddhist monk, put his hands together in the special formation reserved for Cohanim, members of the Jewish priestly caste, to use when giving the Priestly Blessing in synagogue. He then pronounced the words of the blessing, which come from the Biblical book of Numbers. “May the Lord bless you and keep you. May the Lord let His face shine upon you and be gracious to you. May the Lord look kindly upon you and give you peace.”

Ich wünschte, ich wünschte, ich wäre dabeigewesen. Aber keine Chance, selbst wenn ich eine Karte gehabt hätte – wir hatten eine Hochzeit in der Familie, es war unmöglich. Aber daß ich das verpaßt hab – oh Mann.

Kommentare»

1. lindwurm - September 30, 2009, 20:49

Leonad Cohen ist übrigens nicht zum Buddhismus konvertiert, wie manche meinen. Er nutzt nur dessen strenge Meditations- und Konzentrationstechniken, um „Disziplin zu lernen“, wie er vor einigen Jahren in einem Interview sagte. Im selben Interview beantwortete er die Frage, ob er Buddhist geworden sei, so: „No, I already have a religion, and a very good one too“ 🙂

2. Reuter - Oktober 1, 2009, 10:09

Hallo Lila –

hier habe ich noch eine Besprechung des Cohen-Konzertes von Pierre Heumann in der AJWZ.
Ich weiß nicht, ob es rechtlich okay ist, den Artikel hier reinzustellen (man kann ja die AJWZ-Artikel jeweils eine Woche lang online lesen – danach verschwinden sie wieder).

Ganz fantastisch fand ich ja auch, dass Cohen sich der palästinensischen (und britischen) Aufforderung widersetzte, Israel zu boykottieren.

Hier der Artikel aus der heutigen AJWZ:

Leonard Cohen kam, sang und siegte. Am vergangenen Donnerstag eroberte der 75-jährige Kanadier mit seinen Songs und seiner Lyrik das vollgepackte Fußballstadion von Ramat Gan. Die physische Distanz von den Rängen bis zum Künstler war zwar enorm. Aber dank seiner Energie, seiner Ausstrahlung und seinem charismatischen Charme gelang es ihm, den Abstand zu überwinden. So dass jeden der 50.000 Cohen-Fans das Gefühl überkam, er würde für ihn allein singen. Das Publikum war begeistert, die Kritiker voll des Lobes.

Nicht die UN-Generalversammlung in New York oder Wahlen in Deutschland waren das Tagesthema, sondern das Konzert des Künstlers, der während des Jom-Kippur-Kriegs von 1973 das letzte Mal in Israel gesungen hatte. Mehr als drei Stunden stand er auf der Bühne, ließ sich keine Müdigkeit anmerken. Und am Ende der Show tänzelte er behände und schwungvoll, fast übermütig wie ein Teenager, davon. Cohen hat Tel Aviv in seinen Bann gezogen.

Kopien seines Borsalinohutes waren unmittelbar nach der Vorstellung der große Renner in einer Stadt, die sich doch sonst eher lässig denn elegant gibt. Er wisse nicht, ob man sich nochmals über den Weg laufen werde, sagte der Künstler am Anfang des Konzerts und versprach, »in dieser Nacht alles zu geben«. Das tat er auch. Mit der für ihn typischen Mischung aus Pathos, Melancholie und Ironie sorgte er für restlose Begeisterung unter den Zuschauern.

Dabei überrascht er bei bekannten Songs gerne mit Variationen und übertrifft Versionen, die er im Studio aufgenommen hat. »Who By Fire« zum Beispiel erhält einen orientalischen Flair und wird um Harfenklänge ergänzt. Cohen singt nicht nur, sondern er zelebriert den Segen des Hohepriesters.

Zudem solidarisiert er sich mit den israelischen und palästinensischen Familien von Terroropfern, die im Publikum sind. Er preist deren noblen Versuch, trotz der erlittenen persönlichen Tragödie den Dialog mit der anderen Seite zu leben.

Das sind keine leeren Worte. Denn der poetische Sänger lässt den Gewinn des Konzerts einer neuen Stiftung zukommen, die sich für die israelisch-palästinensische Verständigung einsetzen soll. Der von Cohen gegründete »Fonds für Versöhnung, Toleranz und Frieden« legt einen rassigen Start hin. Rund zwei Millionen Dollar stehen ihm zur Verfügung. Davon profitieren sollen Organisationen wie »The Parents Circle«, der Radiosender »Kol Hashalom« oder »Saving Children« vom Peres-Zentrum für Frieden. Denn Cohen, der Mystiker, will nicht nur ein spirituelles Erlebnis vermitteln.

Sein Konzert in Tel Aviv ist ein politisches Bekenntnis. Cohen hat dem Druck widerstanden, Israel zu boykottieren, wie das palästinensische und britische Gruppen von ihm verlangt hatten. Sein Kompromissangebot, auch in Ramallah zu singen, wurde von den Palästinensern abgelehnt. Solange er das »koloniale Apartheidregime in Israel weißwasche«, sei er in Ramallah nicht willkommen.

Die israelischen Cohen-Liebhaber haben ihm den Widerstand gegen die Boykottbewegung gedankt. Die Tickets für das Konzert im Fußballstadion, die immerhin zwischen 1.000 und 1.200 Schekel kosteten, waren innerhalb von zwölf Stunden verkauft.
Pierre Heumann

LG – Naomi

3. Barbara - Oktober 2, 2009, 14:40

Ich denke, das ist aber unter Christen – zumindest unter den echten 😉 – allgemein bekannt, dass dieser Segen aus dem Alten Testament stammt. Ein sehr schöner Segen übrigens 🙂

Ich weiß nicht, ob Leonard Cohen Buddhist ist, aber wenn er es nötig hat, buddhistische Meditationspraktiken anzuwenden, kann man zumindest bezweifeln, ob er jüdisch gläubig ist.

4. willow - Oktober 2, 2009, 19:38

Ich weiß nicht, ob Leonard Cohen Buddhist ist, aber wenn er es nötig hat, buddhistische Meditationspraktiken anzuwenden, kann man zumindest bezweifeln, ob er jüdisch gläubig ist.

Hmmm… ergibt sich die Frage, ob man dann als Jude/Christ Yoga betreiben darf, Taiji oder auch Ikebana…

Ich gestehe, ich finde nichts dabei, bestimmte „Techniken“, die bei Versenkung oder Meditation hilfreich sind, ganz selbstverständlich zu „nutzen“. So wie man die regionale Küche durch exotische Zutaten (wie z.B. Kartoffeln, Tomaten oder Paprika 😉 ) bereichert… Etwas ganz anderes ist es, wenn man sich aus den verschiedensten religiösen Bekenntnissen jeweils persönlich angenehme Bruchstücke herauspickt um seine eigene Patchwork-Religion zu bilden… schwieriges Thema, zumal manch Gläubiger ja auch in bestimmten Phasen seines Lebens an seinem Glauben verzweifelt, nach einem Neuanfang sucht, einem anderen Zugang… dann wieder zu seinem Glauben zurückzufinden empfinde ich auch als beeindruckende Leistung.

Überhaupt, vielleicht sollte man mit dem Bewerten der Religiosität vorsichtig und zurückhaltend sein… nicht so schnell mit Steinen werfen.


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