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Shana tova September 20, 2009, 0:53

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Soeben ist der erste Tishrei zu Ende gegangen, der erste Tag des Jahres 5770. Vor dem Fenster höre ich die beste Nachricht des Jahres: das Rauschen des ersten Regens. Heute nachmittag ist schon ein bißchen gefallen, und jetzt gilt es wohl als Yore, als erster Regen des Jahres. Daß er an Rosh haShana fällt, nehme ich jetzt einfach mal als gutes Zeichen. Möge es ein regenreicher Winter werden, für unsere ganze Weltgegend hier, wir brauchen es alle.

Ich kann eigentlich nur dankbar sein für das letzte Jahre. Es ist Primus´ erstes Jahr bei der Armee, und ich bin froh, daß er jetzt die Ausbildung zum Sanitäter macht. Er ist mit Begeisterung dabei und macht sich wohl sehr gut. Er hat die guten Nerven seines Vaters geerbt, eine ruhige Hand und einen klaren Kopf. Es freut mich, daß er das so ernst angeht und wieder fröhlicher ist. Zwischendurch hatte er mal ein ziemliches Tal.

Secundus´ letztes Schuljahr – er orientiert sich wieder mehr nach Hause und weniger auf die Jugendbewegung, das an die Schule angeschlosssene Internat mit all den Aktivitäten, wo er letztes Jahr ja der King war (kusson-ha-shana).  Er investiert sogar ein bißchen Arbeit in die Schule, und im Moment arbeitet er am Film über die Abschußfahrt nach Polen. Sie haben die ganze Zeit gefilmt, und er sitzt nun mit dem Rohmaterial und macht einen Film draus. Zu dem Thema aber ein andermal mehr.

Tertia ist ein braves Kind, wie sie es eigentlich immer schon war. Ihre Freundinnen kommen von Zeit zu Zeit und her, und alle gucken zusammen einen Film. Das letzte Mal war es der Vorleser, und wir hatten hinterher eine ganz gute Diskussion. Wie schön, daß Tertias Freundinnen tatsächlich Interesse daran haben, über die moralischen Probleme des Films und des Buchs zu diskutieren – sie haben das Buch auch gelesen. Alles, wie Tertia, Leseratten und nachdenkliche Mädchen. Na ja, je nach Film können sie auch ganz schön kichern, aber das gehört ja dazu.

Quarta will immer noch nicht richtig groß sein, ihr ist die Rolle als Kleinkind der Familie sehr lieb. Selbst den Sandwichtoaster kann sie angeblich nicht bedienen und verläßt sich darauf, daß sich schon jemand findet, der ihr das Brötchen toastet… und so ist es dann auch. Wir arbeiten alle daran, daß ihre Rolle im Haus endlich mal zu der aufschließt, die sie außer Haus, in der Schule, dem Nachmittags-Kinderhaus und im Reitstall, hat. Da ist sie nämlich vernünftig, verantwortungsbewußt und, ebenso wie Secundus, ungeheuer beliebt. Y. und ich waren ja nie die sozialen Löwen und wissen gar nicht, wie wir an zwei solche Mähnenschüttler kommen.

A propos Löwen: unser Leo hat sich sehr gut erholt. Er springt schon wieder draußen rum, spielt mit seinen Freundne, und die anderen Katzen haben keine Scheu mehr vor ihm. Er frißt jede halbe Stunde eine Dose Katzenfutter (Trockenfutter, das er nach der Verletzung nicht fressen konnte wegen Wunden im Maul, lehnt er jetzt mit einem arroganten Wackeln seines schwanzlosen Hinterteils ab) und legt wieder an Gewicht zu. Seine Augen und sein Fell sind blank, und er kommt ohne Schwanz immer besser zurecht. Wie froh sind wir, daß wir den Kerl behalten durften.

Ja, wir arbeiten viel, aber wir dürfen eigentlich nicht klagen. Solange alle gesund sind, nicht nur im Haus sondern auch in der weiteren Familie und Freundeskreis, und solange es überhaupt noch einen Freundeskreis gibt, der uns sogar die sträfliche Vernachlässigung verzeiht, deren wir uns in den letzten Jahren schuldig machen (Y. hat im letzten Jahr fast jedes Wochenende mindestens einen Tag gearbeitet – er hat keine Zeit für was anderes, und ich deswegen auch kaum noch) – ja da können wir nicht klagen.

Der Kibbuz feiert dieses Jahr einen runden Geburtstag, und zu Rosh HaShana sind überall Ausstellungen, Konzerte, Workshops und Aktivitäten aller Arten. Ich würde gern hingehen, aber da ich mir irgendwie ganz doof den Fuß verkackst habe und seit gestern nur noch humpeln kann, bleibe ich zuhause. Hoffentlich ist es morgen besser.

Der Regen hat aufgehört. Ich hoffe, er ist nur irgendwo anders hingezogen. Frohes Neues Jahr allerseits. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich mich an das Jüdische Neue Jahr gewöhnt habe, und es hat geholfen, daß es zeitnah mit dem Schuljahr (Anfang September) und dem akademischen Jahr (nach Sukkot, also Ende Oktober) gefeiert wird. Da ist tatsächlich ein Neubeginn in der Luft, den man spürt.

Kommentare»

1. Lienhart Müller - September 20, 2009, 2:24

Ja, hier ist ja alles mehr auf Herbst und Ende hin, aber dann ein gutes neues Jahr! Was heißt, Secundus schneidet nur noch den Film? Hat er sich Schweinsteiger live etwa entgehen lassen?

2. Ginros - September 20, 2009, 8:14

Wir warten hier auch auf den ersten richtigen Regen. Letzte Woche war es morgens einmal etwas feucht draußen, mehr aber nicht. Wenn ich mir jetzt den Himmel ansehe, dann hege ich die große Hoffnung, dass es heute noch regnet.
Auch dir und deiner Familie wünsche ich “ שנה טובה ומתוקה“

3. willow - September 20, 2009, 8:50

shana tova … ich wünsche dir, wünsche euch allen, daß das neue Jahr ein ganz besonders gutes wird…. Alles Gute!

4. kaltmamsell - September 20, 2009, 10:49

Frohes neues Jahr, du Gute!

5. zimtapfel - September 20, 2009, 12:01

Auch wenn sich das für mich jetzt irgendwie seltsam anhört, so mitten im September in einem prächtigen norddeutschen Altweibersommer mit haufenweise Supermärkten, die schon wieder Lebkuchen und Spekulatius in den Regalen stehen haben, aber natürlich wünsche auch ich euch allen ein Frohes Neues Jahr! 🙂

6. Liisa - September 20, 2009, 12:50

Schließe mich den Neujahrswünschen an und wünsche Euch allen Frieden und wie es so schön heißt viel Süßes!

7. willow - September 20, 2009, 16:32

Nun Zimtapfel, in Mitteleuropa geht die Vegetationsperiode langsam zuende, in Israel beginnt sie mit dem ersten Regen… böse Zungen behaupten, wenn bei uns der knackigste Winter ist, also im Februar, dann ist es in Israel am grünsten und schönsten! 😉

8. Marlin - September 20, 2009, 21:02

Heißt es Shana Tov oder Tova? Wenn nochmal eine Prozession jüdischer Mitbürger am Tischtennisplatz vorbeiläuft kann ich es ja mal rufen. 😀

Heute wars so. Aber war nochmal ein schöner Tag hier. Jedenfalls alles Gute Euch im Jahr 5770.

9. Lila - September 20, 2009, 21:28

shana tova.

10. yael1 - September 20, 2009, 23:38

Schana ist weiblich, daher wird das Adjektiv (tov) auch weiblich geschrieben.

11. Lila - September 21, 2009, 0:07

Wobei man sagen muß, daß Laila tov und Shana tova besonders fies für Hebräisch-Studenten sind. Weil es im Plural leilot tovim und shanim tovot heißt. Und im Plural status constructus (smichut) – shnot or

Da kann man sich schon mal die Haare raufen, so brav das Hebräische sonst auch ist. Normalerweise gilt:was auf -a endet, ist weiblich, bekommt im Plural die Endung -ot und dazugesetzte Adjektive enden analog.

Aber manchmal gibt es eben Substantive, die gegen die Regeln spielen, die sich trotz ihrer Weiblichkeit männliche Pluralendungen zulegen oder trotz ihrer Männlichkeit weibliche… cross dresser eben. Und gerade laila und shana, die man im Gruß so oft benutzt, gehören dazu. Wenn das nicht gemein ist!

12. Anne - September 21, 2009, 1:13

Viel Glück und Freude im neuen Jahr wünsche ich Euch allen auch; und ganz besonders drücke ich die Daumen für Primus!

13. Janina - September 21, 2009, 12:36

Liebe Lila,

Dir und Deiner Familie alles Gute für das neue Jahr!

14. yael1 - September 21, 2009, 13:12

Ja, Lila, die Ausnahme bestätigt die Regel. 😉

15. Marlin - September 21, 2009, 19:13

Danke für die Erklärung.. also ..tova.

Und was ist mit shavua tov? Wird doch hier auch öfter gebraucht?

Deine ausführlichere Erklärung könnte ich wohl noch öfter lesen, und würde immer noch.. ähm.., überfordert sein. 🙂

16. Lila - September 21, 2009, 19:22

Shavua tov, gute Woche, korrekt. Shavua ist maskulin, also tov.

Jedes Adjektiv kriegt, wie im Französischen, anders als im Deutschen oder Englischen, eine geschlechtsspezifische Nachsilbe.

Also:

guter Freund oder der Freund ist gut: chaver tov
gute Freundin oder die Freundin ist gut: chavera tova

Plural: chaverim tovim
chaverot tovot

Adjektive haben immer die korrekte Nachsilbe, der man anhört, ob es um Weiblein oder Männlein geht. Leider gibt es ein paar Substantive, eben cross dresser, die sich zwar die Pluralendung des anderen Geschlechts zugelegt haben, aber trotzdem bei ihrem Geschlecht bleiben.

Auch Shavua ist ein Beispiel dafür.

Shavua tov
Shavuot tovim

Entsetzlich!!! Gott sei Dank ist es nur eine Handvoll Worte, bei denen im Plural die Nachsilben nicht zusammenpassen.

Shavuot tovim, shanim tovot. Das ist doch wirklich brutal für Anfänger!

17. Marlin - September 22, 2009, 15:28

Also ist Shavua so ein Ausreißer. Verstehe. 🙂

Na dann: Shana tova. 🙂

Oder auch für die kommenden Jahre: shanim tovot? 😀 (Hab natürlich oben nachgeguckt.)


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