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Leo August 24, 2009, 13:59

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Am Abend, bevor wir (die Mädchen und ich)  nach Deutschland aufbrachen, verschwand unser Kater Leo. Normalerweise ist er viel zuhause, darum fiel es Y. und Secundus sofort auf. Sie suchten den ganzen Kibbutz ab, kletterten runter ins Wadi, gingen alle Straßen ab. Die Ungewißheit, wenn so eine Katze verschwindet, ist ja immer bedrückend. Hat ihn jemand mitgenommen, angefahren, ist er aus freiem Willen auf Wanderschaft gegangen, was ist mit ihm geschehen?

Auch nach unserer Rückkehr: kein Leo. Er fehlte uns sehr. Auch die Mädchen gingen nun auf die Suche, aber Leo blieb verschwunden. Quarta rief jeden Abend nach ihm, und so auch vor ein paar Tagen.  Es war schon spät – und auf einmal hörte ich Quartas atemlosen Schrei: Leo antwortet! Und aus den Gebüschen hinter dem Haus schleppte sich unser Leo über die Wiese, die Stufen hoch, ins Haus. Er war ein Gespenst seiner selbst, komplett abgemagert, humpelnd, und von seinem Schwanz war nur noch ein blutverschmierter, geschwollener Stumpf übrig. Quarta und ich fingen sofort an zu weinen, als wir ihn sahen, es war so ein schrecklicher Anblick.

Leo taumelte in Richtung Freßnapf, und Y. rief sofort unseren Tierarzt an. Der sagte sofort: bringt ihn mir. Und das taten wir. Als wir ihn anfaßten, schnurrte er, ein klägliches, aber deutliches Schnurren. Wir mußten ihn beim Tierarzt lassen, er bekam Flüssigkeit und Medikamente, und am nächsten Tag wurde er operiert. Der Schwanzstummel war schon nekrotisch, aber wir hatten Glück, die Nekrose war nicht zu weit fortgeschritten. Der Schwanz mußte aber ganz amputiert werden.

Der Kater hatte außerdem Prellungen, Wunden im Maul und an den Pfoten, und war ausgetrocknet, abgemagert, geschwächt und traumatisiert. Der Tierarzt meinte, er war nur wenige Stunden vom Tod entfernt. Hätte Quarta nicht vor dem Schlafengehen noch einmal nach ihm gerufen, hätten wir ihn wohl am Morgen tot vor der Tür gefunden. Bei der Vorstellung wird mir noch nachträglich ganz anders.

Nun, seitdem dreht sich unser Leben um Leo auf seinem Krankenbett. Er frißt, wie um sich die Plauze schnell wieder anzufuttern, die ihm wohl das Leben gerettet hat (er hatte was zuzusetzen, wie man so sagt). Der Kragen, der ihn daran hindern soll, sich seine OP-Wunde gleich wieder aufzubeißen oder -lecken, stört ihn sehr und er ist verstört und immer noch wacklig auf den Beinen. Aber insgesamt geht es ihm jeden Tag besser. Er liegt auf unserem Bett, das ist sein Lieblingsplatz. Nachts ruht er auf Y.s Brust, von jeher sein Lieblingsplatz.

Unglaublich, wie zäh so eine Katze ist. Ich bin so froh, daß er überlebt hat, daß er sich nach Hause schleppen konnte  und sich nun so gut erholt. Er wird das Ganze vergessen und hoffentlich bald wieder vergnügt sein wie vorher. Ohne Schwanz wird er schon zurechtkommen, ich habe schon Katzen gekannt, die ihren Schwanz verloren hatten, aber ganz unternehmungslustig waren.

Wer kein Tier hat, denkt vermutlich, was für ein Aufstand um eine Katze! wo doch so viele Menschen leiden. Ich denke das ja einerseits auch. Andererseits: wenn man die Verantwortung für so ein Tier übernommen hat und es gernhat, dann geht es einem ganz schön ans Gemüt, wenn dem Tier was zustößt. Nicht nur die Kinder waren bedrückt, auch Y. und ich.

Immerhin wird meine Schwiegermutter die beiden schwarzen Kater nun endlich auseinanderhalten können.

Kommentare»

1. Dror - August 24, 2009, 16:55

Ich kann dich als Hunde- und Katzenbesitzer gut verstehen. Zum Glück hatte diese Geschichte ja doch noch ein Happy End.

Habt ihr eine Erklärung weshalb Leo verschwunden ist und wer ihm das zugefügt hat?

Schöne Grüße aus Berlin,
Dror

2. Bruno - August 24, 2009, 17:06

Glückwunsch an euch und den Kater! Unserer hat Anfang des Jahres eine ähnliche Nummer abgezogen und war wochenlang weg, bei z.T. -18 Grad und wäre auch um ein Haar verhungert…

Schön v.a. auch, daß du wieder da und am bloggen bist!

3. Popeye - August 24, 2009, 17:22

Eindeutig ein israelischer Kater – hart im nehmen, zäh wie Schuhleder und der unbedingte Wille zum Überleben! (-;

4. heplev - August 24, 2009, 18:11

>>Wer kein Tier hat, denkt vermutlich, was für ein Aufstand um eine Katze!<<
Vielleicht wirklich. Aber so jemand weiß auch nicht, wie einem ein Tier ans Herz wächst. Und da ist es halt viel näher als Menschen irgendwo in der Welt. Das mag man schlimm finden, aber der Mensch ist nun mal auch ein "Gefühlstier".
Ich freu' mich für euch, dass Leo auf dem Weg der Besserung ist. Persönlich werde ich mir kein Haustier mehr zulegen – meine Katzen mussten beide eingeschläfert werden, das mag ich nicht noch einmal "riskieren". Um so mehr fühle ich mit anderen mit, die Sorgen mit ihren Lieblingen haben.

5. heplev - August 24, 2009, 18:11

PS: Schön, dass ihr gesund und munter wieder zurück seid!

6. Marlin - August 24, 2009, 20:01

Armer Leo. 😦

Hoffentlich gehts ihm bald wieder gut.

Aber ja, das warum würde mich auch interessieren.

Ich hab ja auch 2 Katzen… plus einen halben von der Nachbarin, der, egal wann er zu uns kommt, erstmal einen Haufen ins Klo setzt, ohne zuzuscharren. Und dann gehts ans Fressen, wobei der das Trockenfutter nicht verträgt und gleich wieder auskotzt.. So ein blöder Kerl. Anfassen lässt er sich auch nicht mal..

Aber meine 2 sind soooo niedlich. Solange sie gesund sind.

7. mia12 - August 24, 2009, 20:05

Oh, als Katzenliebhaberin bin ich natürlich sehr froh, dass Kater Leo auf dem Weg zur Besserung ist. Alles Gute an ihn und euch.

(Meine Eltern kümmern sich des öftern mal um einen Kater, der ebenfalls Leo heisst, und den wir sehr ins Herz geschlossen haben.)

8. yael1 - August 24, 2009, 20:52

Eine Tier ist eben auch ein Familienmitglied und es ist völlig normal, dass man mitleidet, wenn es ihm schlecht geht.
Ich hoffe, er übersteht diese schreckliche Erfahrung gut und ist bald wieder oben auf.

9. kaltmamsell - August 24, 2009, 21:45

Oh, was bin ich froh, dass Ihr ihn gefunden habt. Alles Gute!

10. Heimo - August 24, 2009, 23:35

Ich frage mich auch, was Leo wohl passiert sein mag – angefahren? – ein Kampf mit einem wilden Tier? – Katzen haben ja einen sehr unterentwickelten Instinkt, die Gesschwindigkeit eines Autos abzuschätzen, beim Überqueren einer Strasse – & uns, mir & Freunden sind auch immer wieder Katzen spurlos verschwunden – meist erfährt man nicht was passiert ist. – Vorletztes Jahr hing in der Kleinstadt Wiestheid ein Steckbrief mit mir & einer Katze auf meinem Schoß an Bäumen & Mauern aus, weil meine Freundin verzweifelt ihre vermißte Katze wiederfinden wollte & das einzige brauchbare Katzenfoto war das mit mir. – naja – ich hoffe Leo erholt sich jetzt auch gänzlich & hat dazu gelernt, künftig Situationen wie diese zu vermeiden, die ihm fast das Leben gekostet haben – natürlich ist eine Katze oder Hunde auch so eine Art Familienmitglied…

11. Lila - August 25, 2009, 6:23

Der Tierarzt meinte, laut Röntgenbild kann man davon ausgehen, daß er angefahren wurde und dann einen Abhang runtergerollt ist. Es ist vermutlich hinter unserem Haus passiert, wo die Straße um den Kibbuz verläuft und dann ein tiefes Wadi ist. Als wir ihn dort gesucht haben, muß er bewußtlos gewesen sein, oder zu schwach, um ein Zeichen zu geben.

Anfangs hat er viel miaut, wie um uns zu erzählen, was ihm passiert ist. (Er war immer schon ein Quasselkopp und hat stets ganze Arien miaut, wenn er nach Hause kam – wirklich wie ein Kind, das von der Schule nach Hause kommt und dann sofort loslegt und erzählt.) Inzwischen ist er viel entspannter und tigert schon wieder durchs ganze Haus… ich warte auf den Tag, wo wir ihm diesen Kragen abnehmen können.

12. Eva - August 25, 2009, 15:28

Mensch, hat der gute Leo Glueck gehabt. Gut, dass Quarta nochmal gerufen hat – man soll die Hoffnung nicht immer so schnell aufgeben.
Shraga hatte im Februar auch fuer eine Woche einen Kragen…sie mochte ihn genauso sehr wie Leo. Leider kann man ihnen ja nicht erklaeren, dass es etwas Gutes ist. Ich habe sie dann immer am Kragenrand besonders gekrault – da hat es naemlich immer gejuckt.
Gute Besserung!

13. grenzgaenge - August 25, 2009, 19:25

hi lila,

toll das du wieder schreibst 😉

liebe gruesse,
der grenzgaenger

14. jim - August 25, 2009, 21:40

schließ‘ mich an.

Paar Tage war die Lila krank
jetz schreibt sie wieder
Gott sei Dank!

🙂

15. lalibertine - August 25, 2009, 21:41

Meine Güte, Euer Kater hat ganz schön was mitgemacht.
Egal wie rational man an die Sache rangeht, wenn man täglich mit Tieren lebt, dann sind sie einfach irgendwann Familienmitglieder. Hoffentlich ist Leo bald wieder fit.

16. John Dean - August 26, 2009, 1:09

Die Waisen meines Volkes sagen, dass sich in der Liebe und dem Respekt zum Tier etwas Wertvolleres verbirgt, nämlich die Fähigkeit, auch Menschen respektieren und lieben zu können. Es verbirgt sich zudem der Respekt vor der Schöpfung darin, und darum kann kann kaum ein Mensch dumm genannt werden, der ein Tier liebt und um ein Tier bangt.

17. Bernd Dahlenburg - August 26, 2009, 16:43

Wer kein Tier hat, denkt vermutlich, was für ein Aufstand um eine Katze! wo doch so viele Menschen leiden. Ich denke das ja einerseits auch. Andererseits: wenn man die Verantwortung für so ein Tier übernommen hat und es gernhat, dann geht es einem ganz schön ans Gemüt, wenn dem Tier was zustößt.

Kann ich nur zustimmen!

Ich hatte ein schwarzes Brüderpaar – Castor und Pollux. Castor wurde 13 Jahre alt, Pollux 18.

Mit Pollux hatte ich ähnliche Sorgen wie du. Er musste (13-jährig) eine schwere Operation an einem Hinterlauf über sich ergehen lassen. Damals stand ich vor der Wahl, einer Amputation zuzustimmen oder das Risiko einzugehen, dass er erfolglos operiert wird. Für mich ist es heute noch wie ein Wunder, dass er wieder völlig gesund wurde und wir noch 5 weitere Jahre miteinander verbringen konnten.
http://castollux.blogspot.com/2007/10/warum-castollux.html

Danke für deine wunderbare Geschichte! Ein bisschen schwach wurde ich schon dabei….

18. Robert - August 27, 2009, 8:43

„Es verbirgt sich zudem der Respekt vor der Schöpfung darin, und darum kann kann kaum ein Mensch dumm genannt werden, der ein Tier liebt und um ein Tier bangt.“

Bei den meisten geht die Tierliebe durch den Magen 😉

19. mischpoke - August 27, 2009, 23:17

Gute Besserung für Leo, unser Simcha hat auch irgendwas, aber nichts Schlimmes denke ich. Liebe Grüsse

20. Penelope - August 30, 2009, 16:11

Ach, schrecklich! Wir mussten vor anderthalb Wochen unseren alten Kater begraben, nach zehn glücklichen Jahren. Ganz elend war er zum Schluss. Da geht mir das noch mehr an die Nieren… Bin ich froh, dass euer Leo es wieder zu euch geschafft hat und sich erholen kann. Gute Besserung!
Unser Nachfolgerkater heißt auf den Tierheimpapieren übrigens auch Leo… 🙂

21. Carl - September 1, 2009, 18:10

Hej Lila,

Ich musste im Januar meinen Hund nach 14 3/4 Jahren einschläfern lassen.
Zuletzt war er blind, halbtaub und humpelte aber er war trotzdem noch voller Lebensfreude.
Der Leo ist eben auch ein Mitglied eurer Familie.
Ich kann dich so gut verstehen…gute Besserung und *daumendrügg* für Leo.

22. Anne - September 2, 2009, 14:57

Was für ein Glück, dasss Leo was zuzusetzen hatte und so ein anhängliches Frauchen hat! Ich finde die Sorge um jedes Tier, das sich schließlich nicht selbst helfen kann und leidet, völlig berechtigt.

Als unser schwarzer Kater mit weißen Pfötchen, mein kleiner Traumkater, mal tagelang verschwunden war, bin ich jedenAbend , sobald der Verkehr abgeflaut war, losgezogen und habe überall nach ihm gesucht und ihn gerufen – und siehe da, nach einigen Tagen hörte ich ihn als Antwort miauen und habe ihn verletzt (auch angefahren) gefunden und heute ist er wieder der selbstbewusste Herr im Haus. Ich wünsche Leo und euch genau so viel Glück!


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