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Am Block Juli 1, 2009, 21:59

Posted by Lila in Persönliches.
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So, das gefürchtete Blockseminar hat angefangen. Den Studenten graut davor genauso wie mir. Sie sind Lehrer in der Fortbildung – haben also gestern ihre Klassen entlassen und Zeugnisse verteilt, wenn sie an der Grundschule arbeiten. Die Mittel- und Oberstufen sind schon seit einer Woche in Ferien. Und die Hochschule ist wie ausgestorben. Die Stühle auf dem Rasen wurden heute weggeräumt, die Urkunden sind verliehen, und nur noch eine Cafeteria ist offen. Und wir sitzen bei der Glühhitze jeden Tag fast vier Stunden und arbeiten. Na ja, ich bin fast vier Stunden mit ihnen zusammen, dann darf ich nach Hause gehen, aber die armen Studenten haben nach mir noch zwei intensive Veranstaltungen. Sie tun mir leid.

Aber es ist weniger schlimm als gefürchtet. Wir haben heute das Programm zusammengestellt, und die Gruppe ist kleiner als letztes Jahr. Wieder heterogen – Juden, Christen, Moslems, aber diesmal ohne die Drusen und Beduinen, die letztes Jahr eigentlich den richtigen Pfiff gegeben haben. Der beduinische Student wird mir ja durch seine witzige Abschlußrede unvergessen bleiben. Auch diesmal sind es besonders nette Studenten. Ach nein, auch meine anderen sind nett, aber so eine Gruppe von älteren, selbst lehr-erfahrenen Menschen ist schon was anderes. Die Stunde läuft ganz anders ab, mehr im Dialog.

Ja, ich habe es eigentlich doch ganz gut. Ich mag meine Arbeit, und ich mag die Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich unterrichte in einer Klasse, in der ich selbst gelernt habe – vor vielen Jahren. Viele Stunden hatte ich in dem Raum, und unterrichtet habe ich dort auch schon öfter. Aber unvergessen bleibt mir die erste Stunde in Raum 903. Das war nämlich die Eröffnungsstunde im Kurs „Computer – Grundkenntnisse“, und unser Lehrer war ein sanftmütiger Russe namens Boris („Baris!) aus St. Petersburg. Sein Sohn ist mit einer Deutschen verheiratet, und wir hatten sofort einen guten Draht. Das wußte ich aber in der ersten Stunde noch nicht. Ich war sehr beklommen, denn das war die einzige Veranstaltung, vor der ich Angst hatte – Angst, mich bis zu blamieren.

Ich wußte ja nicht mal, wie man einen Computer anschaltet. Ja ja, und dann hat Baris uns beigebracht, wie man Disketten formattiert (firmut diskettim). Das hätten wir uns schenken können. Meine Dateien waren immer so groß und bilderreich, daß ich sie kaum auf die Diskette quetschen konnte, und da hatte man dann so ein Progrämmchen, das einem die Datei in Häppchen zerlegte und hinterher wieder zusammensetzte.

Daran dachte ich heute, als ich im Raum 903 saß und auf die Studenten wartete. Schön, daß ich an diese Hochschule zurückgekehrt bin.  Die Atmosphäre ist so nett, die Kollegen (fast alles frühere Lehrer) so freundlich, die Studenten so bunt und interessant. Auch wenn es heute im ganzen Gebäude keinen Tropfen Wasser, geschweige denn Kaffee, gab…

Kommentare»

1. grenzgaenge - Juli 1, 2009, 22:27

das ist doch ein netter bericht. hoert sich sehr gut an. ich habe die hohen israelischen temperaturen schon in meiner israel radio toolbar bemerkt. ein nettes spielzeug fuer israel fans in der diaspora. und absolut kostenlos 🙂

http://israelradio.ourtoolbar.com/

ich hoffe nur das es bald wieder ein bisschen kuehler bei dir wird und sowohl kaffee und wasser bald wieder fliessen. ist es nicht schwierig bei so einer hitze gut zu lernen ?

2. Marlin - Juli 4, 2009, 0:02

Die Hitze ist hier auch ziemlich unangenehm. Aber teils mit verrückten Regengüssen.

Lila, alles Gute fürs neue Lehrjahr. Trotz der Hitze hört sich das alles sehr vergnüglich an, wenn man von Dir unterrichtet wird.

Man müsste echt mal einen Mitschnitt ansehen. Hören brächte ja nicht so viel.. 😉

3. Neufert - Juli 5, 2009, 21:10

Jetzt bist Du ja schon halb rum um den Block. 🙂


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