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Letzthin gelesen Juni 21, 2009, 14:50

Posted by Lila in Bloggen, Presseschau.
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Manchmal fragen mich Leser oder Freunde ziemlich verzweifelt, wie sie sich gegen die vielen stereotypen Vorurteile und Vorwürfe wehren sollen, die bei jeder Diskussion über den Nahen Osten auftauchen. Landraub, Besatzer, Apartheid, Kindermörder, Expansionslust – man weiß nicht, welchen Vorwurf man zuerst entkräften soll.  Ich empfehle sensiblen Menschen meist, das Thema zu wechseln, denn sonst verkracht man sich leicht mit der ganzen Bekanntschaft.

Es gehört ja schon praktisch zum Guten Ton, für die Rechte der Palästinenser zu sein – und den meisten Menschen ist selbstverständlich, daß sie dann gegen Israel sein müssen, und damit für jeden, der gegen Israel kämpft. Ob das nun den Palästinensern dient oder nicht.

Ich rate auch dazu, Diskussionen über den Nahen Osten zu meiden, weil die glühendsten Gegner Israels oft die grundlegendsten Fakten nicht wissen – und sie auch nicht wissen wollen. Da kommt dann gern das gelangweilte  „so genau will ich das nicht wissen, Einzelheiten sind doch egal“.  Aber ohne die Wurzeln des Konflikts zu kennen, kann man nicht kompetent darüber sprechen und auch die aktuellen Ereignisse nicht beurteilen. Und man weiß auch nicht, woher die eigenen „Argumente“ und Ansichten eigentlich stammen.

Darum lohnt es sich, einmal aufzudröseln, woher die allgemein beliebten Argumente gegen Israel eigentlich kommen und was es mit ihrem Wahrheitsgehalt auf sich hat. Tilman Tarach hat diese unerfreuliche Aufgabe auf sich genommen, und das Ergebnis läßt sich in seinem Buch „Der ewige Sündenbock“ nachlesen.

Er beginnt mit einem Ereignis, das den meisten Fernsehsessel-Nahostexperten unbekannt sein dürfte: dem Massaker von Hebron 1929. Damals schon war klar, daß die arabische Bevölkerung des britischen Mandatsgebiets unter keinen Umständen eine jüdische Präsenz, geschweige denn einen jüdischen Staat, dulden würde. Egal wie mickrig und verletzlich dieser Staat auch sein würde. Der Haß gegen die Juden ist die Wurzel des Problems, und wenn man das nicht erkennt, kann man die weiteren Vorgänge nicht richtig einordnen. 1929 – das ist Jahrzehnte vor der Staatsgründung, vor der Besatzung.

Tarach stellt einige der übelsten Verzerrungen richtig, die über Israel im Umlauf sind (darunter die Geschichte des Bilds von Tuvia Grossman), nimmt sich der Rolle der USA, der UNO, der Sowjetunion, der EU an, und bringt viele Fakten – die Haare stehen einem zu Berge. Seine Verweise (in Form von Fußnoten)  auf Bücher, Zeitungsartikel und Websites laden zweifelnde Leser zum Weiterlesen und Überprüfen seiner Fakten ein.

David Harnasch resümiert seine Besprechung des Buchs so:

Die Lektüre von Tarachs Buch ist jedem zu empfehlen, der an einer kompakten Einführung in die Motivation einer pseudo-linken „Israel-Kritik“ interessiert ist, deren antimodernistischen, antiwestlichen Kern der Autor schonungslos offen legt. Bei der Parteinahme nicht nur „linker“ Feinde Israels für islamische „Freiheitskämpfer“, welche – keineswegs nur in „Palästina“ – der „eigenen“ Jugend keine anderen Perspektiven gesellschaftlicher Organisation zu bieten haben, als die der Vorbereitung auf Suizid-Attentate, handelt es sich nicht um eine verfehlte Einschätzung irgendeines internationalen Konflikts, sondern um ein offenes Bekenntnis zur Barbarei.

Tarach hat ein Hühnchen mit der Linken zu rupfen, deren Sprachregelungen und Korrektheiten von den deutschen Medien längst so nahtlos übernommen wurden, daß sie einem nicht mal mehr auffallen.  Anti-israelische Ressentiments gibt es nicht nur von links und pseudo-links. Tarach hat sich entschieden, die Heuchelei und Doppelmoral der als links verkleideten Israel“kritik“ aufs Korn zu nehmen – wenn bekennende Pazifisten für Hamas-Milizen Partei ergreifen, ohne selbst einen Widerspruch zu empfinden. Solange es gegen Israel geht, sind alle Mittel gerechtfertigt.

Ich hätte Tarachs Buch aber eine letzte kritische Runde mit der Gartenschere gewünscht und dabei alle heftigen Polemiken weggezwickt. In einen Blog mögen sie passen, aber in einem Buch stören sie mich. So zum Beispiel, wenn er auf S. 169 gegen den unglaublich naiven Georg Dürr eifert und fragt: „Hat der Typ noch alle Tassen im Schrank? Wünscht sich diese Knallcharge die israelischen Soldaten etwa als Sozialarbeiter für die Palästinenser zurück?“  Mit solchen Ausdrücken entwertet er, zumindest für mein empfindsames Gemüt, seine Argumente. Die polemische rhetorische Frage als Stilmittel kann man auch überstrapazieren – auf manchen Seiten wimmelt es von Fragezeichen.

Ich kann nicht einschätzen, wie viele anti-israelische Leser die Lektüre dieses Buchs von Anfang bis Ende durchhalten und dadurch tatsächlich Denkanstöße erhalten, um die Einstellungen der Knallchargen und Tassen-Beschränkten  mal zu hinterfragen. Ich glaube, das Buch eignet sich eher für Leute, die die anti-israelische Propaganda sowieso ablehnen und nun nach argumentativer Unterfütterung suchen.

Mir persönlich fällt es sehr schwer, solche Bücher zu lesen, und ich kann es nur in kleinen Happen tun – die Ungerechtigkeit und Verlogenheit läßt mich immer wieder schier verzweifeln, weswegen ich ja blogge… und auch Bloggen hilft nicht.  Denn dann muß ich mich ja damit auseinandersetzen, und dafür habe ich nicht immer die Kraft. Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn sicherheitsbesessene Deutsche, die hinter ihrem Jägerzaun die Welt mißtrauisch beäugen, mir erklären, daß „Mauern noch nie Probleme gelöst haben“… als ob Israel den Sicherheitszaun aus Jux und Dollerei errichtet hätte.

Ein weiteres Buch, das sich als Vorbereitung für knallharte Diskussionen mit hamas-verliebten  „Friedensfreunden“ eignet, ist Yaacov Lozowicks „Israels Existenzkampf„. Lozwick ist stärker historisch orientiert als Tarach und rollt die ganze Historie des Nahen Ostens noch einmal auf. Sein Anliegen ist nicht die Demaskierung der Linken, sondern die jüdische Ethik. Sein Buch ist sachlicher geschrieben, kleiner gedruckt, doppelt so dick  und sparsamer bebildert als Tarachs, aber nicht weniger deprimierend beim Lesen.  Ich weiß nicht, ob es einen „Israelkritiker“ mehr überzeugen könnte als Tarachs Buch – vermutlich nicht.

Es ist mir selbst unangenehm, daß ich so pessimistisch bin. Fünf Jahre bloggende Begegnungen mit immer neuen, verblendeten Israel-Hassern haben mich wohl negativ konditioniert. Nein, ich bin nicht pessimistisch, das stimmt gar nicht. Ich glaube, im persönlichen Gespräch kann man trotzdem etwas bewegen.  Wer es wagt, dem wünsche ich viel Kraft und Gelassenheit.

Kommentare»

1. Mikado - Juni 21, 2009, 15:09

„Ich hätte Tarachs Buch aber eine letzte kritische Runde mit der Gartenschere gewünscht und dabei alle heftigen Polemiken weggezwickt. In einen Blog mögen sie passen, aber in einem Buch stören sie mich.“

BINGO! Genau das habe ich auch beim lesen des Buches auch gedacht. Zuviel Schaum vor dem Mund und warum kommt der dauernd mit dem Kosovo? Das habe ich nicht verstanden.

2. charly - Juni 21, 2009, 16:56

Hallo Lila,
Lozowicks Buch zeigt meiner Meinung nach sehr gut auf, warum der durchschnittliche Israeli anders tickt als Uri Avnery.
Ich halte es deshalb zum Weitergeben an kritische Zeitgenossen, bei denen man den Eindruck hat, daß sie gerne mehr wissen und verstehen wollen für sehr empfehlenswert.
Auch weil hierzulande der Eindruck vermittelt wird, daß rechts von Avneri und Co kein friedenswilliger Israeli mehr zu finden ist.
Man bekommt das Buch übrigens auch für 4€ bei der Bundezentrale für politische Bildung. http://www.bpb.de/publikationen/97CE06,0,0,Israels_Existenzkampf.html
(Endlich wird mal was Vernünftiges mit meinen Steuern subventioniert )

Das Buch von Tarach steht auf meiner Wunschliste,
nachdem, was du geschrieben hast, rückt es vorerst nicht weiter nach oben. Schade wenn man im Eifer des Gefechts so über das Ziel hinausschiesst. Nüchterne, sachliche Argumente überzeugen mich mehr.

3. Lila - Juni 21, 2009, 17:05

Oh, das täte mir leid. Tarachs Buch ist interessant und bietet eine Menge Material, um den altlinken Alt-Kommilitonen argumentativ auszuhebeln. Daß mir die polemischeren Passagen aufgestoßen sind, sollte Dich nicht abhalten 🙂

Es gehört auf jeden Fall in den Bücherschrank des… hmmm…. wohlmeinenden Palästina-Kritikers. 😉

4. willow - Juni 21, 2009, 17:08

Danke für die Buchempfehlung, werde ich mir garantiert besorgen. Immerhin sind solche Bücher ja ein Lichtblick, in einer ansonsten doch seeeehr deprimierenden medialen Landschaft…naja, was will man erwarten, wenn selbst „Die größte juedische InterNet-Site in deutscher Sprache“ stolz ihren „Antizionismus“ vor sich herträgt und von einem späten Sieg Avnerys träumt 😉 – ja, es ist alles ziemlich unerträglich, aber was willste machen, einfach Hände in den Schoß legen?

5. willow - Juni 21, 2009, 17:15

Hah! Gleich mal bei der BPB bestellt!

6. Mr. Moe - Juni 21, 2009, 17:15

Ich weiß nicht, ob es einen “Israelkritiker” mehr überzeugen könnte als Tarachs Buch – vermutlich nicht.

Meiner Ansicht nach: Leider nicht. Denn: Lozowick ist Israeli, also nicht „neutral“ und „objektive“. So denken „Israelkritiker“ nun einmal. Dass Lozowick alles Andere als ein Hardliner ist, stört solche Leute auch nicht
(sein Buch ist aber natürlich trotzdem sehr lesenswert!)

7. jim - Juni 21, 2009, 17:22

@ willow

„…naja, was will man erwarten, wenn selbst “Die größte juedische InterNet-Site in deutscher Sprache” stolz ihren “Antizionismus” vor sich herträgt und von einem späten Sieg Avnerys träumt“

Ihr Verhalten ist inakzeptabel.

8. jim - Juni 21, 2009, 17:34

@ Mr.Moe

„Meiner Ansicht nach: Leider nicht. Denn: Lozowick ist Israeli, also nicht “neutral” und “objektive”.“

„Der ewige Sündenbock“ und „Manche Deutsche werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“ steht in permanenter Wechselwirkung jeglicher Nah-Ostdiskussion.

Abwehr und ganz offensichtlich Selbstschutz sind Ursprung und Motivation und daher undurchdringbar, kein Argument ist dem gewachsen.

Der Meinungsgegner müßte seine Identität aufgeben.

Bleibt noch die Motivation des Islamhassers zu klären, dessen Legitimation nur allzuoft eine scheinbare „Israelsolidarität“ bildet.

9. willow - Juni 21, 2009, 17:56

OT @jim:

Dort erscheinen höchst interessante Beiträge, keine Frage, schon weil Ulrich Sahm dort schreibt, auch die historischen Beiträge und die allgemeinen Texte „zum Judentum“ sind großartig – dennoch ist erschreckend, mit welcher Vehemenz dort die „aktuelle israelische Politik“, ja, die aktuelle israelische Realität angegriffen werden – und genauso erschreckend, wie vehement jede Meinung verleumdet wird, die auch nur vorsichtig Kritik an Avnery/Gush Schalom oder auch der Nahostpolitik von Expräsident Carter oder Präsident Obama übt.

Entschuldigung für das OT…

10. Lila - Juni 21, 2009, 18:19

Ist jemand mal so nett, mich aufzuklären, um welche Seite es sich dreht?

11. sabine - Juni 21, 2009, 18:25

hagalil

12. Oh wie schoen … « grenzgaenge - Juni 21, 2009, 19:04

[…] Manchmal fragen mich Leser oder Freunde ziemlich verzweifelt, wie sie sich gegen die vielen stereotypen Vorurteile und Vorwürfe wehren sollen, die bei jeder Diskussion über den Nahen Osten auftauchen. Landraub, Besatzer, Apartheid, Kindermörder, Expansionslust – man weiß nicht, welchen Vorwurf man zuerst entkräften soll.  Ich empfehle sensiblen Menschen meist, das Thema zu wechseln, denn sonst verkracht man sich leicht mit der ganzen Bekanntschaft. […]

13. Piet - Juni 21, 2009, 19:55

Dank dir, Lila, vor allem für deine zweite Buchempfehlung. Den Tarach hatte ich mir nach Lizas zweiteiligen Besprechung besorgt und häppchenweise gelesen (ich lese meistens mehrere Bücher parallel), ist mir aber auch etwas zu polemisch. Dennoch habe ich einiges erfahren, was mir nicht nur neu war, sondern was mir v.a. vorher nie als fragwürdig erschienen wäre (die Definition von Flüchtlingen, z.B.).

Ach, und ob die Bücher für „Israelkritiker“ nun geeignet sind… da die Bücher nicht deren Vorurteile bestätigen, dürfte das i.d.R. wohl vergebliche Liebesmühe sein. Um sich selbst aber Argumente kritisch zu Eigen zu machen, taugt’s allemal, und das finde ich viel wichtiger.

Zu deinen fünf (schon?!) Jahren Bloggerei: Ich freue mich sehr, dass es deinen Blog hier gibt! Es ist ein kleines, gepflegtes Fenster nach Israel, durch das ich gerne gucke. Zwar kann ich nachvollziehen, dass es ausgesprochen anstrengend ist, sich stets aufs Neue mit den immergleichen Vorurteils-Varianten herumschlagen zu müssen; andererseits hast du Menschen einen Blick auf Israel ermöglicht, den sie so vorher möglicherweise nicht hatten (zumindest, wenn sie etwas länger mitlesen). Mich hat es auf dieses kleine Land neugierig gemacht, über das „Alltagsinteresse“ (kulturell, politisch) hinaus. Vielleicht kannst du das ein wenig gegenrechnen. Auch wenn die „Israelkritiker“ viele sind, kann so ein bisschen Positives viel mehr sein. 😉

14. jim - Juni 21, 2009, 20:11

Pardon, Lila.

@ willow

wenn Ihnen daran liegt, unter Netanyahus Revolution.

15. sabine - Juni 21, 2009, 21:15

Ich habe gerade im Netz das Zitat von Georg Dürr gefunden, auf das sich Tarach bezieht:

[i]SPIEGEL ONLINE: Gibt es nicht auch positive Entwicklungen – der Abzug der Israelis aus dem Gaza-Streifen etwa?

GEORG DÜRR: Der Rückzug der Israelis wird hier als entwürdigend empfunden – aus dem einen Grund: Niemand redet mehr mit den Palästinensern.[/i]

Das ist ja nun wirklich eine ungeheuerliche Aussage nach dem Motto „was Israel auch tut, es wird dem Land so oder so vorgeworfen.“ Und manchmal denke ich, es ist eher eine Folge von Ängstlichkeit, das nicht in deutlichen (und angemessenerweise auch polemischen) Worten zu würdigen. Von daher finde ich Tarachs Stil eher mutig und erfrischend 😉

Die zitierte Besprechung hat David Harnasch auf die „Achse des Guten“ gestellt, sie stammt aber von Herrn Daniel Schikora.

16. Lila - Juni 21, 2009, 21:36

Ja, richtig, danke, daß Du es rausgesucht hast. An ungeheuerlichen Aussagen Dürrs herrscht kein Mangel. Aber ich finde, eine kühlere Reaktion von Seiten Tarachs hätte Dürrs Idiotie noch besser zur Geltung gebracht. Ich finde Formulierungen wie Knallcharge und Tassen im Schrank dafür zu schwach, zu polemisch.

Tarach schreibt auch durchaus nicht durchgehend so, deswegen fällt es dann auf. Es hat schon was von mutig und erfrischend, in einem Buch auch mal Ärger zu zeigen, aber ein bißchen beißender und geschliffener hätte er für mich schon sein können.

Daß die Argumentationsweise von Dürr typisch ist, weiß ich. Es gab ja auch mal den genialen Vorwurf an Israels Soldaten, daß sie keine Palästinenserinnen vergewaltigen – offenbar ist es der zionistische Rassismus, der sie davon abhält.

Was soll man dazu sagen? Vermutlich bleiben einem dann die Worte wirklich im Hals stecken, bis nur noch was von Tassen im Schrank rauskommt…

17. Yaacov Lozowick: Israels Existenzkampf | Manfreds politische Korrektheiten - Juni 22, 2009, 0:54

[…] Diesen Tip verdanke ich Lila: […]

18. NEB - Juni 22, 2009, 4:17

Lila:
ein kleiner Schritt fuer die Menschheit, ein grosser Schritt fuer mich:
Ich habe meinen aeltesten Bruder ueberzeugen koennen, dass es keine juedische Weltyverschwoerung gibt, keine allmaechtige juedische Loge in den USA (dadran arbeite ich noch ein wenig) aber vor allem dass die HAMAS keine Johanniter sind und die IDF keine SS fuer arme.
ohne dich und ein paar deiner bloggenden kollegen wuerde ich natuerlich auch immer noch glauben dass die armen Araber verhungern im groessten KZ der welt (oder wahlweise Freiluftgefaengnis).
gruesse

19. Janina - Juni 22, 2009, 11:02

Liebe Lila,

vor einiger Zeit hatte ich hier in der Kommentarfunktion nach Büchern über Israel und die historischen Hintergründe des Nah-Ost-Konflikts gefragt und dabei u. a. auch Lozowick genannt bekommen. Die meisten der Bücher habe ich mir bestellt, mich mühsam durchgekämpft (denn es ist wahrlich keine leichte Lektüre, die man mal eben so an einem Wochenende durchschmökert…) und bin Dir und Deinen Mitlesern hier sehr sehr dankbar für die Empfehlungen!!
Es hilft. Mir persönlich, weil ich mich besser informiert und vorbereitet fühle. Natürlich habe ich enorme Wissenslücken, aber niemand ist in irgendeiner Sache allwissend.
Mir persönlich hilft, daß ich umso ruhiger werde, je mehr sich mein Gegenüber ereifert. Desto besser kann ich mich konzentrieren und darum bitten, daß mir das Gesagte doch mal detaillierter und besser erklärt werden soll. Meist finden sich Widersprüche ziemlich schnell und dann ist die Diskussion bald beendet, weil man mit mir nicht diskutieren könnte. 😉 Was aber dazu führt, daß Umstehende sich zumindest ein paar Gedanken machen. So meine kleine Hoffnung.

Ich freue mich über jeden neuen Eintrag in Deinem Blog, es ist spannend und interessant, von Dir, Deiner Arbeit, Deinen Lieben und Deinem Land zu lesen. Herzlichen Glückwunsch zum 5. Geburtstag!

20. grenzgaenge - Juni 22, 2009, 19:23

„Meist finden sich Widersprüche ziemlich schnell und dann ist die Diskussion bald beendet, weil man mit mir nicht diskutieren könnte.“

@janina: das kenne ich doch irgendwo her. sehr erstaunlich 🙂

21. grenzgaenge - Juni 22, 2009, 20:21

das buch von tilman tarach kann ich sehr zur lektuere empfehlen. grandios geschrieben. tilman tarach schafft es die ganze verlogenheit linker israel kritik in komprimierter form darzustellen.

> Ich hätte Tarachs Buch aber eine letzte kritische Runde mit
> der Gartenschere gewünscht und dabei alle heftigen Polemiken
> weggezwickt. In einen Blog mögen sie passen, aber in einem
> Buch stören sie mich. So zum Beispiel, wenn er auf S. 169 gegen
> den unglaublich naiven Georg Dürr eifert und fragt: “Hat der Typ
> noch alle Tassen im Schrank? Wünscht sich diese Knallcharge die
> israelischen Soldaten etwa als Sozialarbeiter für die Palästinenser
> zurück?” Mit solchen Ausdrücken entwertet er, zumindest für
> mein empfindsames Gemüt, seine Argumente. Die polemische
> rhetorische Frage als Stilmittel kann man auch überstrapazieren
> – auf manchen Seiten wimmelt es von Fragezeichen.

da muss ich lila allerdings sehr deutlich widersprechen. das die sprache von tilman tarach sehr deutlich ist und das man die wut des autors nicht nur zwischen den zeilen wahrnimmt macht das buch fuer mich nur sehr viel ueberzeugender. ich habe ueberhaupt nichts gegen polemik. was ich nicht mag sind 100% glatte texte ohne jede spitze. so ein text ist das buch von tilman tarach ganz bestimmt nicht. tarach hat ein paar huehnchen mit den linken zu rupfen. das hat er mit mir gemeinsam. vielleicht ist der frust und die wut und die polemik auch einfach mit stundenlangen diskussionen zu erklaeren. diskussionen mit aalglatten linken die das gutmenschentum fuer sich gepachtet haben. die selbst ihren antizionismus fuer einen ausdruck ihrer humanen gesinnung halten. wer endlose diskussionen mit solchen leuten hinter sich hat kann kaum noch glatt und gefuehlos darueber schreiben. oder er ist inzwischen voellig abgestumpft. tilman tarach jedenfalls ist nicht abgestumpft. das ist eine grandiose leistung.

22. Lila - Juni 22, 2009, 20:37

Ich bin bestimmt nicht abgestumpft und auch nicht glatt. Das muß man auch nicht sein. Ich bin auch ausdrücklich froh, daß Tarach das nicht ist. Aber manchmal ist Sachlichkeit vernichtender als Polemik. Tarach kann beides. Mir gefallen die sachlichen Passagen einfach besser. Meine persönliche Meinung muß aber niemand teilen. Es ist wirklich nicht das Wichtigste an dem Buch.

23. grenzgaenge - Juni 22, 2009, 20:56

oh jeee, lila, ich hoffe nicht das ich dich gestern mit pingbacks zugeschuettet habe. aber irgendwie wollte wordpress meinen post nicht formatieren und ich brauchte ein paar versuche um den post endlich ordentlich zu formatieren. sorry !!

24. alex - Juni 23, 2009, 21:48

@ lila,
vielen dank fuer die buchempfehlung von lozowick.
ich weiss nicht, ob dies bereits erwaehnt wurde, aber der titel kann ueber die BpB fuer gerade mal 4 € erworben werden – eine hervorragende Geldanlage.
auch sehr zu empfehlen ist sein weblog, zu finden in deiner blogroll.

das buch von tarach ist mir persoenlich unangenehm aufgefallen. der sehr evidente „schaum vor dem mund“ ist m. E. ein ganz typisches by-product der meisten erzeugnisse „unserer“ anti-deutschen publizisten.
selbst da wo sie mal richtig liegen (eine kaputte uhr geht ja auch zwei mal am tag richtig), lassen sie durch diese
gefuehlsausbrueche ihren ideologistischen hintergrund abschreckend hervortreten.
dieses buch wird bedauerlicherweise ausser uns die aus langjaehriger ueberzeugung israel unterstuetzen, keine weiteren kreise erschliessen.

die publizstischen produkte aus anti-deutschen federn schaden dem ansehen israels in deutschland mehr als das sie ihm nutzen.
die kreise, in denen die bombardierung dresdens bejubelt wird oder die nationalfahne im klobecken als geeignete aufmachung in der webpraesenz gilt, werden wohl doch mehrheitlich als befremdend oder irritierend wahrgenommen.
ich behaupte sogar, dass ein fuer einfachere gemueter gestricktes blog wie PI deutlich mehr fuer eine positive wahrnehmung israels hier in deutschland erreicht hat, als all die anderen publikationen von der jungle world bis zu bahamas.
darueberhinaus: uns konservativen und rechten – wie man selbst bei manfred’s korrektheiten sieht, der seine standpunkte auf hohen niveau praesentiert und argumentiert – wird von diesen kreisen jedwede legitimitaet unserer sympathien fuer israel abgesprochen. schlimmer noch sie wird uns als mimikry unterstellt.

25. Popeye - Juni 25, 2009, 12:10

Mein Lozowick ist da! Lesezeit!

26. grenzgaenge - Juni 25, 2009, 20:45

viel spass, popeye. die lektuere lohnt sich 🙂

27. Pierre Sanft - Juni 26, 2009, 19:35

Meiner auch, und das ohne Zusatzkosten für Ösis.
🙂

28. KekeBauersson - Juni 30, 2009, 13:16

Danke für die Buchempfehlungen! Werde schaun, dass ich mir beide beschaffe.
Ich kann auch was empfehlen: Alan Dershovitz: „The Case for Israel“
Dershovitz widmet den geläufigsten Vorurteilen/Verunglimpfungen Israels jeweils ein Kapitel und argumentiert sehr sachlich.

Falls du (oder jemand hier) das Buch schon kennt und Kritik hat, freu ich mich natürlich ;).

lg Keke

29. Boah Ey - Juli 4, 2009, 20:48

Jetzt weiß ich nicht weiter. Kaufen oder nicht…
Aber eigentlich sind ja die Vorurteile gegen israel bekannt. Das Problem sind halt nicht die Vorurteile, sondern der Antisemitismus. Man müsste ein Buch haben, dass einem den Antisemitismus aus dem Gehirn bläst. Wer nicht antisemitsch ist, legt das Buch weg, weil es langweilig ist. Wer aber antisemitisch ist, muss von diesem Buch so gefesselt sein, dass er es erst dann beiseite legt, wenn er kuriert ist. Ob jemand sowas schreiben kann? Wohl eher nicht. Aber was bleibt uns dann? Es ist und bleibt deprimierend.


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