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Für Interessierte April 27, 2009, 3:54

Posted by Lila in Bloggen.
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Hier habe ich den Hinweis auf das Interview mit Mashal gefunden, hier ist das Interview selbst.

Es ließe sich viel dazu sagen, aber ich beschränke mich auf ein paar Sachen. Mein Auge fällt auf einen wichtigen Satz, den viele vermutlich überlesen.

Die Hamas ist an erster Stelle eine nationale Befreiungsbewegung. Sie führt keinen Krieg jenseits der Grenzen Palästinas.

Keinen Krieg jenseits der Grenzen Palästinas? Was ist mit dem Terror, der seit Jahren von der Hamas gegen Israel eingesetzt wird und auf dem Boden Israels stattfindet? Eindeutig Teil des Kriegs. Damit hat Mashal selbst gesagt, daß für ihn der Staat Israel – Palästina ist. Und er keineswegs darauf verzichten wird. Auch wenn er vorher gesagt hat, was der westliche Zeitungsleser hören will:

Wir reden nicht von Bedingungen, wir reden von einer Vision. Die wäre, dass Israel bereit ist, sich auf die Grenzen von 1967 zurückzuziehen und das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser anzuerkennen. Alles andere sind Details.

Das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser ist wiederholt anerkannt worden, leider besteht ihre Selbstbestimmung allzuoft darin, Terror mittels Bomben und Raketen auszuüben statt sich mal um so triviale Dinge wie Abwasserleitungen oder Schulen oder Landwirtschaft zu kümmern.

Und die Grenzen von 1967? Warum sollen wir uns in Grenzen zurückziehen, die schon 1967 so verwundbar waren, daß die Araber uns angegriffen haben? Wenn sie Israel in den Grenzen von 1967 wollten, wieso haben sie dann überhaupt angegriffen? Die hatten sie doch 1967 schon. Den Krieg wollte doch Israel nicht, den wollten die Araber. Ich hätte da mal nachgefragt. Wenn diese Grenzen 1967 so gut waren für die Araber, warum haben sie dann den Krieg angefangen?  Diese Frage drängt sich doch auf.

Das ist doch so, als würden die Deutschen, nachdem sie den Zweiten Weltkrieg angefangen und verloren haben, sich nun hinstellen und sagen: „okay, wir wollen die Ostgebiete wiederhaben. Alles andere sind Details, damit geben wir uns nicht ab“. Nein, leider ist es so, daß man für Fehler zahlen muß. Der Fehler der Araber, den Sechstagekrieg anzufangen und zu verlieren, kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden.

Ich bin seit Jahr und Tag dafür, daß sich Palästinenser und Israelis trennen und ein eigener Staat errichtet wird, aber warum die Grenzen von den Verlierern kompromißlos diktiert werden, ohne Rücksicht auf die Sicherheitsbedürfnisse des immer wieder angegriffenen Gewinners, das sehe ich nicht ein. Ich will sicher leben, Herr Mashal, und nicht eines schönen Abends Ihr Kumpel mit dem Bombengürtel bei mir im Wohnzimmer stehen haben. Oder eine Kassamrakete im Dachstuhl stecken haben. Schwer verständliche, irrationale Forderung einer durch und durch von Haß zerfressenen israelischen Familie, ohne Zweifel, aber da bin ich irgendwie nicht bereit, zurückzustecken. Ein Detail, der Terror, gewiß, ein unwichtiges Detail…

Und die anderen Details? Ist das „Recht auf Rückkehr“ etwa auch nur ein Detail? Frau Hoffmann war sehr, sehr gnädig und hat kein bißchen nachgefragt.  Entweder mußte sie vorher ihre Fragenliste einreichen oder sie war entsprechend eingeschüchtert durch die Einlaß-Zeremonie.

Das Rückkehrrecht, hier von Mashal elegant übergangen und von Hoffmann nicht nachgefragt,  ist ja der Kern der palästinensischen Forderungen. Wieder stellt sich die altbekannte Frage: wenn ihr keine Flüchtlinge sein wolltet, warum seid ihr geflohen? Die Araber, die damals geblieben sind, leben heute in Israel in Wohlstand, Demokratie und Freiheit (Diskrimination leugne ich nicht, im Gegenteil, ich engagiere mich beruflich dagegen und behaupte mal, in jedem Land wird diskriminiert – in Israel übrigens auch jahrelang  gegen orientalische Juden und heute noch gegen manche Neueinwanderer-Gruppen.) Kann man Israel wirklich für diesen Fehler der Araber verantwortlich machen? Muß Israel die Zeche für die Fehler der arabischen Führung im Unabhängigkeitskrieg wirklich zahlen? Warum? Wenn ich mal fragen darf: was haben wir davon?  Das wird man doch mal fragen dürfen.

Und wenn diese Dose Würmer aufgemacht wird – was bitte ist mit den Ansprüchen der Juden aus arabischen Ländern, die systematisch und brutal vertrieben wurden und weltweit keine Lobby haben, ja den meisten Zeitungslesern nicht mal als Fakt bekannt sind? Die Zahlen sind in etwa gleich. Wir waren bisher so diskret, keine Liste mit Forderungen einzureichen, aber irgendwann machen wir das vielleicht auch mal. Da käme schon ganz nett was zusammen.

Diese Leserkommentare sind übrigens interessant, wenn auch nicht zahlreich,  im Vergleich zu den üblicherweise üppig strömenden Israel-Kommentaren.  Einer kaut die Staatsterror! Besatzung!-Phrasen wieder, ohne kritisch nachzufragen, wie ein Staat auf Terror reagieren soll, und wie die Besatzung eigentlich zustandegekommen ist – die anderen scheinen eher ermüdet von den Palästinensern und speziell der Hamas.  Jungs, kommt zu Potte, das denke ich auch. Ihr seid mit der ganzen Welt verkracht, mit Euren eigenen Brüdern, und alle müssen sich bewegen, nur die Hamas nicht – so macht man keinen Staat. Hat Herr Mashal keine Verpflichtung seinen Wählern gegenüber?

Kompromiß, das Wort gibt es in Mashaals Wörterbuch nicht. Es gibt Forderung, und es gibt Erfüllen der Forderung. Auch da hätte ich gern mal nachgefragt: Herr Mashal, wie halten Sie´s mit dem Kompromiß? Ist es für Sie denkbar, Gebiete zu tauschen (was sich von jeher in Friedensverhandlungen bewährt hat), Juden in Ihrem Staat zu dulden (als geschützte Minderheit mit Rechten, so wie die Araber bei uns), Religionsfreiheit zu gewähren, die vertriebenen Christen wieder zurückzurufen und ihnen eine Wiederansiedlung zu ermöglichen?

Konkrete Pläne für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, wie so oft von Israel versucht und vorgeschlagen? Für einen Technologietransfer der Universitäten, für gemeinsame Industriegebiete für Arbeitsplätze, Studentenaustauschprogramme, vielleicht besonders für arabische Israelis? Was ist mit den landwirtschaftlichen Gebieten, die den Bauern weggenommen wurden, um dort Raketen zu basteln und abzuschießen? Was wird mit dem Industriegebiet Erez? Wie geht die Justiz mit Hamasniks um, die Fatah-Anhänger gefoltert und ermordet haben?  Irgendwelche konkreten Ideen, wie man das Leben erträglicher machen könnte für ein Volk, das von seiner Führung Geisel genommen wurde und sich nicht befreien kann?

Oh, ich hätte viele Fragen gehabt an den charmanten Naturwissenschaftler mit dem schönen Bart. Na ja, beim nächsten Interview (wie hat die TAZ sich da schlagen lassen? die Süddeutsche?) kommen diese Sachen bestimmt zur Sprache.  Oh, ganz sicher. So sicher, wie der Osterhase durch Ramallah hoppelt.

Kommentare»

1. Carl - April 27, 2009, 9:05

ZITAT: Wir glauben, dass einige Leute die Hamas-Charta als Vorwand benutzen. Es geht ihnen nicht darum, was wir wirklich tun. Es ist irrational, dass sich die internationale Gemeinschaft auf diese paar Sätze in der Charta fixiert, die vor zwanzig Jahren geschrieben wurden, und ignoriert, was Israel jeden Tag tut. ZITAT ENDE

Das ist der Absatz, der mich mit am meisten schockiert hat.
Die Hamas Charta ist auf einmal gar nicht so wichtig!
Es ist auf einmal nicht mehr ausschlaggebend, sogar fast unwichtig, dass dort der pure Judenhass drin steht, der unbedingt auszuführende Genozid heraus geschrien wird?
Mashal projiziert mit dieser Aussage außerdem den Genozid der Hamas Charta doch direkt auf Israel’s Selbstverteidigung!
Er kehrt es einfach um…und…kein Widerspruch , Einwand?, es hinterfragen?…gar nix von Seiten FAZ.

Dafür ein rührseliger Nachschlag, in kursiv gesetzt, der mir wohl sagen soll, dass auch ein Terrorist Gefühle hat, die nicht verletzt werden sollten – sonst schickt er „verdienterweise“ Selbstmordattentäter und Qassams nach Israel?..
Es fehlte in diesem Interview eigentlich nur noch, sozusagen zur Krönung, der eindringliche Hinweis auf die schwere und zerstörte Kindheit Mashal’s unter Israel’s „Besatzung“.

Wie du schreibst Lila: im Interview mit der nächsten Zeitung kommen „alle“ Fragen auf den Tisch…
…sicher auch die nach der schweren Kindheit…

Gruß

2. Dagny - April 27, 2009, 9:15

Die Ostgebiete? …. Nein, nein, nein – Mindestens den Stand von 1937 oder 38 incl. Osterreich, dem Sudentenland, das Memelland und eigentlich auch den „Korridor“ und die Einhaltung des Hitler-Stalin Pakts zur Teilung Polens und auch die Rückabtretung Elsass-Lothringens, welche Frankreich 1940 ja anerkannt hat und Südtirol und überhaupt….

So argumentiert doch die Hamas.

3. Die F.A.Z. im Gespräch mit Hamas Führer Khaled Meschal « Zeitung für Schland - April 27, 2009, 10:17

[…] Lila von Letters from Rungholt hat ein paar Takte mehr zu dem Interview geschrieben und sich mit einigen besonders […]

4. Karl Eduard - April 27, 2009, 12:16

Hat Israel nicht gemerkt, dass es innerhalb der Grenzen Palästinas liegt? Na also.

5. Ein Tässchen Tee mit dem charmanten Judenhasser « Freunde der offenen Gesellschaft - April 27, 2009, 19:36

[…] hier aus und Lila nimmt das Lügengebäude des Herrn mit dem „gepflegten Vollbart“ hier gekonnt auseinander. Völlig zu Recht weißt sie daraufhin, dass Hoffmann es mit schöner […]

6. planq - April 28, 2009, 0:19

Hallo Lila, das die Flüchtlinge nicht mehr in das Kerngebiet zurück kehren können ist klar, aber was kann die heutige Generation für die Flucht ihrer Großeltern? Einige sind geflohen weil Sie dachten nach ein paar Tagen wieder Siegreich zurück zu kehren, andere wiederum wurden von wem auch immer verjagt oder flohen vor dem Lynchmob. Ich finde es um es mal positiv auszudrücken sehr originell zu fragen wieso man vor Krieg flüchtet..?

7. Lila - April 28, 2009, 9:35

Lynchmob? Das sind seltene Ausnahmen gewesen und damit zu erklären, daß es noch gar keine richtige Armee und Armeeführung gab – der Staat Israel war bei Ausbruch des Kriegs einen Tag alt und die inneren Machtkämpfe zwischen verschiedenen Flügeln waren noch nichte beendet. Ohne Zweifel gab es auch Extremisten und Araberhasser. Vergiß auch nicht, daß es tatsächlich der Überlebenskampf eines Volks von Flüchtlingen und Überlebenden war. Es ging tatsächlich um Sein oder Nichtsein.

Aber systematische Vernichtung oder Ermutigung von Lynchmob war nicht die Linie des Staats Israel. Kein Vergleich mit der systematischen Vertreibung der Juden aus arabischen Staaten, die zeitgleich stattfand. Daß keine „ethnische Säuberung“ stattfand, kannst Du daran erkennen, daß heute 1,2 Millionen (hoffe, die Zahl stimmt) Araber unbehelligt in Israel leben.

Warum sind auch Leute aus Dörfern geflohen, obwohl die jüdischen Nachbarn (so wie Y.s Großeltern zum Beispiel) extra zu ihnen gekommen sind und ihnen versichert haben, sie können bleiben und ihnen wird nichts geschehen? (Du wirst Dich an die Geschichte der alten Frau erinnern, die von ihrer Familie zurückgelassen wurde und die von Kibbuzniks an die Grenze gebracht wurde, damit sie ihre Familie findet – sie hat ja meinem Schwiegervater als Kind so einen Schrecken eingejagt, als sie an den Zaun des Kibbuz kam und um Hilfe bat. Sie wußte, daß die jüdischen Nachbarn ihr helfen würden, und so war es auch.)

Und warum haben die Araber den Krieg überhaupt angezettelt? Einen Tag vorher noch hatte ihnen der neugegründete jüdische Staat ausdrücklich die Hand ausgestreckt zu Frieden und Zusammenarbeit. Seit 61 Jahren haben sich die Araber nicht überwinden können, einzuschlagen. Daß die Hand überhaupt nach wie vor ausgestreckt ist, finde ich wiederum bemerkenswert.

Dieser ganze Krieg war überflüssig wie ein Kropf. Die palästinensischen Araber hätten ohne weiteres ihren Minderheitenstatus in diesem kleinen Land akzeptieren können, die anderen, so zahl- und landreichen arabischen Staaten den kleinen jüdischen Nachbarn leben lassen.

Ich warte auf den Tag, an dem ein einflußreicher Araber mal sagt: liebe Leute, das war ein historischer Fehler, und Juden haben ein Selbstbestimmungsrecht, genau wie wir. So wie Jordanien eine postkoloniale, rechtmäßige Staatsgründung war, war es auch Israel. Wir haben einen Fehler gemacht, und jetzt gucken wir mal gemeinsam mit den Israelis, wie wir das wieder auf die Reihe kriegen.

Ich empfehle zur Lektüre den Artikel von Martha Gellhorn, den sie 1961 geschrieben hat, also noch vor dem Sechstagekrieg und der Besatzung. Sie hat damals eine Reise durch den Nahen Osten gemacht, auf der Suche nach palästinsensisch-arabischen Flüchtlingen und ihren Geschichten. Der Artikel ist lang, aber sehr lehrreich und rückt einige seither verbreitete und populäre Lügen zurecht.

http://www.theatlantic.com/doc/196110/gellhorn

8. thalassa - April 28, 2009, 20:09

ZITAT Daß keine “ethnische Säuberung” stattfand, kannst Du daran erkennen, daß heute 1,2 Millionen (hoffe, die Zahl stimmt) Araber unbehelligt in Israel leben. ZITAT ENDE

Dass eine durchaus intendierte Vertreibung der arabischen Bevölkerung aus Israel stattfand, wird heute selbst von der israelischen Historiographie anerkannt. Siehe Benny Morris, der mitlerweile wahrlich kein Linker mehr ist. Ich finde es peinlich, dass derartige Tatsachen hier geleugnet werden.

ZITAT Und die Grenzen von 1967? Warum sollen wir uns in Grenzen zurückziehen, die schon 1967 so verwundbar waren, daß die Araber uns angegriffen haben? Wenn sie Israel in den Grenzen von 1967 wollten, wieso haben sie dann überhaupt angegriffen? ZITAT ENDE

1967 haben nicht die Palästinenser angegriffen, da es zu diesem Zeitpunkt gar keinen palästinensischen Staat gab.

Weiterhin besteht der Wille der Internationalen Gemeinschaft den Palästinensern ihnen den 1948 versprochenen Staat zuzugestehen. Daraus ergibt sich, dass ein Großteil der Siedlungen aufgelöst werden muss – damit dieser Staat auch nur annähernd lebensfähig sein wird.

Ebenso werden die Palästinenser auf Ostjerusalem als Hauptstadt bestehen. Ich denke nicht, dass Israel ihnen dies abschlagen wird können.

ZITAT Juden in Ihrem Staat zu dulden (als geschützte Minderheit mit Rechten, so wie die Araber bei uns), Religionsfreiheit zu gewähren ZITAT ENDE

Darüber wird geredet werden müssen. Fraglich wird allerdings sein, ob die Siedler dort auch bleiben wollen als palästinensische Staatsbürger und ob und wie die Siedlungen in das arabische Staatswesen integriert werden können – ökonomisch, politisch und sozial.

Generell halte ich nicht viel mit dem Fingerzeigen auf Andere. Klar, die Hamas ist eine üble Organisation. Aber sie ist eben auch auf einem gewissen Nährboden gewachsen. Hätte Israel nach 1967 beizeiten für eine Lösung der Araberfrage innerhalb seiner besetzten Gebiete gesorgt, dann wären Eskalationen wie die Intifada und die Hamasherrschaft zu verhindern gewesen.

Ich denke, eine Teilverantwortung für die Gesamtmisere liegt bei Israel. In einigen Teilen der dortigen politischen Eliten wurde nie der alte zionistische Traum eines Jüdischen Staates zwischen Jordan und Mittelmeer aufgegeben. Die Palästinenser haben da immer gestört. Und sie stören noch heute – sonst würden die ja auch so glücklichen arabischen Israelis nicht andauernd als demographische Bombe oder Krebsgeschwür beschimpft und zwar vom nicht ganz unbedeutenden neuen Außenminister.

Ein israelischer Führungspolitiker, der den Mut hätte, die Siedlungen aufzulösen und Ostjerusalem den einer demokratischen palästinensischen Regierung als Hauptstadt zu überlassen, ist nicht in Sicht. Er hätte erheblichen Widerstand zu fürchten. Die Siedler und mit ihnen die Nationalreligiösen und andere rechtszionistische Kräfte würden wahrscheinlich eher einen Bürgerkrieg anfachen, ehe sie sich aus ‚Judäa und Samaria‘ zurückzögen.

Eine wirkliche Alternative zu einem Rückzug gibt es aber nicht. Nicht wenn Israel eine Demokratie bleiben möchte. Und da stimmt das generelle Bekenntnis von Maschal zu den Grenzen von 1967 doch schon optimistisch. Ebenso die Tatsache, dass er den bestimmenden Einfluss der eigenen Charta negiert. Man sollte ihn beim Wort nehmen – dies ist allemal intelligenter als die Hamas als Dauervorwand zu nutzen, bloß nicht verhandeln zu müssen. Und dies tut Israel ja. Es wäre erstaunlich, wenn sich dies gerade unter Bibi und seinem Kumpel Liberman änderte.

9. Lila - April 28, 2009, 21:18

Ich habe leider gerade keine Zeit, diesen Kommentar Zug für Zug zu beantworten, verweise aber in der Zwischenzeit schon mal auf dieses Interview mit Benny Morris.

http://jeffweintraub.blogspot.com/2008/02/benny-morris-on-fact-fiction-propaganda.html

In Thalassas Antwort finden sich alle Elemente der anti-israelischen Propaganda, die dadurch nicht wahrer werden, daß man sie immer wieder aufwärmt. Verflixt, ich kann gerade nicht, aber ich verspreche, ich gehe darauf ein, sobald ich Zeit habe.

Benny Morris:

There was no Zionist „plan“ or blanket policy of evicting the Arab population, or of „ethnic cleansing“. Plan Dalet (Plan D), of March 10th, 1948 (it is open and available for all to read in the IDF Archive and in various publications), was the master plan of the Haganah – the Jewish military force that became the Israel Defence Forces (IDF) – to counter the expected pan-Arab assault on the emergent Jewish state. That’s what it explicitly states and that’s what it was. And the invasion of the armies of Egypt, Jordan, Syria and Iraq duly occurred, on May 15th.

It is true that Plan D gave the regional commanders carte blanche to occupy and garrison or expel and destroy the Arab villages along and behind the front lines and the anticipated Arab armies‘ invasion routes. And it is also true that mid-way in the 1948 war the Israeli leaders decided to bar the return of the „refugees“ (those „refugees“ who had just assaulted the Jewish community), viewing them as a potential fifth column and threat to the Jewish state’s existence. I for one cannot fault their fears or logic.

The demonisation of Israel is largely based on lies – much as the demonisation of the Jews during the past 2,000 years has been based on lies. And there is a connection between the two.

I would recommend that the likes of Norris and Landy read some history books and become acquainted with the facts, not recycle shopworn Arab propaganda. They might then learn, for example, that the „Palestine War“ of 1948 (the „War of Independence,“ as Israelis call it) began in November 1947, not in May 1948. By May 14th close to 2,000 Israelis had died – of the 5,800 dead suffered by Israel in the whole war (ie almost 1 per cent of the Jewish population of Palestine/Israel, which was about 650,000). – Yours, etc,

Prof Benny Morris, Li-On, Israel.

Und nur ein Beispiel zum ungenauen Lesen, von mir gefettet:

ZITAT Und die Grenzen von 1967? Warum sollen wir uns in Grenzen zurückziehen, die schon 1967 so verwundbar waren, daß die Araber uns angegriffen haben? Wenn sie Israel in den Grenzen von 1967 wollten, wieso haben sie dann überhaupt angegriffen? ZITAT ENDE

1967 haben nicht die Palästinenser angegriffen, da es zu diesem Zeitpunkt gar keinen palästinensischen Staat gab.

Weswegen ich eben Araber geschrieben habe, und nicht Palästinenser. 1948 war auch mein Schwiegervater Palästinenser, wie auch in seiner Geburtsurkunde steht – weil es damals Palestinian Jews und Palestinian Arabs gab. Das neue Gebilde einer geschlossenen palästinensischen Identität ist in den 60er Jahren von Arafat und anderen ausgebildet worden und erst in den 70ern allgemein in Gebrauch gekommen. In der Literatur vor dieser Zeit gibt es sie nicht. Wenn man sich zB Zeitungsartikel aus den Monaten unmittelbar nach dem Sechstagekrieg durchliest, erkennt man, daß darin immer die Rede von Arabern und eben nicht Palästinensern sind.

In meinem Blog achte ich sehr darauf, nicht Palästinenser zu schreiben, wenn ich Araber meine, und umgekehrt. Ich bitte meine Leser, es ähnlich zu halten.

Noch ein Punkt. Thalassa schreibt:

Hätte Israel nach 1967 beizeiten für eine Lösung der Araberfrage innerhalb seiner besetzten Gebiete gesorgt, dann wären Eskalationen wie die Intifada und die Hamasherrschaft zu verhindern gewesen.

Wie bitte war das möglich? Allein läßt sich eine solche Frage nicht lösen. Jeder Verhandlung mit den arabischen Staaten standen die Beschlüsse von Khartoum entgegen.

Following the 6-day war of 1967, the Israel unity government declared on June 19, 1967 that it was ready to return the Golan Heights to Syria, Sinai to Egypt and most of the West Bank to Jordan, in return for peace treaties with its Arab neighbors, normalization of relations and guarantee of navigation through the Straits of Tiran. The refugee problem would be solved by resettlement outside the borders of the State of Israel. On the same day, the USSR submitted UN General Assembly resolution 519, calling for immediate Israeli withdrawal from all territories, with no mention of peace or negotiations. The resolution was voted down on July 4.

In the wake of the Arab defeat, eight Arab heads of state attended an Arab summit conference in Khartoum, Sudan held August 29 – September 1, 1967. It formulated the Arab consensus that underlay the official policies of most Arab states for the next two decades and beyond, with the exception of Egypt: “ no peace with Israel, no recognition of Israel, no negotiations with it.“ The same policy had been followed, officially, since the 1949 armistice negotiations following the Israeli victory in the 1948 war (the War of Independence) despite behind the scenes efforts at a settlement.

This appeared to be the Arab answer to the Israeli call for a negotiated settlement based on the principle of land for peace. At the same time, the conference gave up the petroleum embargo on the West. The embargo was inspired by the kind of thinking enunciated by Egyptian President Gamal Abdul Nasser, in his speech following the Egyptian defeat in the 6-Day War. Nasser had blamed the Israeli victory on alleged air-support provided the United States, and proclaimed bitterly, „The Sixth Fleet runs on Arab Petroleum.“

The resolutions also called for a fund to assist the economies of Egypt and Jordan, and a new agreement to end the inter-Arab war in Yemen. Egypt broke the „no negotiations, no recognition“ taboo after the 1974 October War. Syria and Libya led the „refusal front“ which refused to recognize UN resolution 242 or to negotiate peace with Israel.

Alles klar? Wie, bitte, hätte Israel gegen den expliziten Willen der arabischen Kriegskoalition vorgehen sollen? Konkrete Ideen?

Außerdem wüßte ich gern mal ein Beispiel für ein Land, das ohne jede Gegenleistung Land zurückgegeben hat, das es in einem Krieg gewonnen hat. Normalerweise ist die Gegenleistung dafür – Einstellen weiterer Angriffe. Besonders in einem Fall, in dem das zugewonnene Gebiet genau das ist, das den Sieger vorher für Angriffe verletzlich gemacht hat.

Bisher haben die Araber sich noch nicht dazu durchringen können, das zu versprechen. Wo die Gegenseitigkeit gegeben war, hat Israel nicht gezögert, auf Land zu verzichten. Die Landmasse von Sinai ist größer als Israel selbst. Und Israel hat sie zurückgegeben.

Trotzdem kann man sich natürlich auf dem Standpunkt verbeißen, daß es immer wieder Israel war, das Fortschritt in den Verhandlungen torpediert hat. Aber dafür muß man den Tatsachen gegenüber blind sein. Wer einen Vorschlag nach dem anderen abgelehnt hat und weiterhin ablehnt, sind die Araber. Seit 1947 oder noch früher. Und das ganz bewußt, als Taktik. (Thalassa hat sich vielleicht nicht die Mühe gemacht, Gellhorn zu lesen.)

Welchen guten Grund gab es, die Intifada II anzuzetteln? Auf friedlichem Wege hätte alles erreicht werden können. Die Bereitschaft war auf israelischer Seite eindeutig da.

Und wie paßt die Räumung des Gazastreifens in das Schema von Israel als Friedensblockierer? Die Räumung der Pufferzone im Südlibanon? Einseitige Vorleistungen, die nicht viele andere Staaten bitteren Feinden gegenüber erbracht haben – so wenige, daß mir gerade keine einfallen, aber Thalassa kann mir vielleicht auf die Sprünge helfen.

Und warum hat Abu Mazen das Angebot von Olmert abgelehnt? 93% sind nicht gut genug? Die Juden haben 1947 einem wesentlich bescheideneren Plan zugestimmt. Muß solcher Starrsinn von der Welt damit belohnt werden, mehr Druck auf Israel auszuüben? und Israel als starrsinnig darzustellen?

Senior officials said that a meeting of the leaders in the Prime Minister’s resident in Jerusalem involved a „final offer to end the conflict.“ The offer involved a future border between a possible Palestinian state to Israel, involving the eviction of the more than 60,000 settlers living beyond the security barrier in the West Bank – the proposed new border between the two entities.

The offer involved a return of 93% of the West Bank, leaving in Israel the large population centers, such as Ariel and Elkanah in the north, Maaleh Adumim in the center, and Jerusalem and Gush Etzion in the south.

Regarding Jerusalem itself, Olmert offered to cede over to the Palestinians the peripheral neighborhoods and the refugee camps surrounding the city, such as Kalandia. The holy sites, whose sovereignty is desired by all faiths, would be determined within an international framework, the prime minister said.

The plan was also presented to the Americans who, according to the Prime Minister’s Office, supported the plan. They apparently also expressed optimism that the offer would be acceptable to the Palestinians.

Israel hat unendlich viele Angebote gemacht. Unter 100% erfüllten Forderungen wollen die Araber und Palästinenser nicht einschlagen. Und was 100% bedeutet, wissen wir. Nämlich den Untergang Israels. Die Forderungen der Palästinenser sind nicht nur mörderisch für Israel – sie beinhalten auch keinerlei Selbstverpflichtung. Selbst wenn Israel den 100% Forderungen zustimmte – die Palästinenser behalten sich die Entscheidung vor, weiter Terror auszuüben oder nicht. Sie haben nciht mal die Minimalforderung, den Terror einzustellen, erfüllt. Die Reduzierung des Terrors ist einzig und allein auf Maßnahmen Israels, in ihrer Mehrzahl defensiv, zurückzuführen.

Daß Israel nicht den eigenen Selbstmord unterschreibt, mögen die Europäer uns übelnehmen. Damit müssen wir leben. Hauptsache, wir leben überhaupt. Das ist gar nicht selbstverständlich.

10. lalibertine - April 28, 2009, 23:09

„Alles klar? Wie, bitte, hätte Israel gegen den expliziten Willen der arabischen Kriegskoalition vorgehen sollen? Konkrete Ideen?“

Ironie An/ Also bitte Lila, das ist doch klar: Gar nicht! Mit einem Lächeln auf den Lippen in den Tod gehen, so mögen wir unsere Juden. Bei uns in good old Germany gedenken wie Euer dann auch ganz dolle, Ehrenwort, wir benenen eine paar Plätze nach Euch, vielleicht gibts sogar nen Feiertag!

Ist das ein Angebot? /Ironie Aus

11. yael1 - April 28, 2009, 23:21

Lila, ich bewundere deine Geduld mit diesen Usern, die ihre antiisraelischen Standardsätze von sich geben, aber eben keine große Ahnung haben.
Allein der dämliche Satz „Ebenso werden die Palästinenser auf Ostjerusalem als Hauptstadt bestehen. Ich denke nicht, dass Israel ihnen dies abschlagen wird können.“ animiert einem fast zum Kotzen.

Für wirklich Interessierte:

Hoppla, Netanyahu hat Recht

Von Ari Shavit

Der israelisch-palästinensische Konflikt ist kein Konflikt um die Besatzung. Wenn es um die Besatzung ginge, wäre der Konflikt 1967 und nicht 1920 ausgebrochen. Wenn es um die Besatzung ginge, wäre er im Jahr 2000 zu Ende gegangen und würde nicht bis heute fortdauern. Wenn es um die Besatzung ginge, wäre es leicht, ihn durch einen vollen israelischen Abzug und eine anschließende volle Anerkennung Israels durch die Palästinenser zu beenden. Doch der Rückzug wird nicht vollzogen und die Anerkennung wird nicht gewährt, weil es in diesem Konflikt nicht um die Besatzung geht.

12. Lila - April 28, 2009, 23:22

Lalibertine: Auf Gedenkstein und Feiertag mit Schweigeminute bestehen wir selbstverständlich. Neue Stadteile könnte man auch nach israelischen Städten bennenen. „Rishon-le-Zion-Erinnerungs-Platz“, „Kfar-Shmaryahu-Gedenk-Gasse“ und „Zichron-Yaakov-Gedächtnis-Straße“ machen dann jede Wegerklärung zum unvergeßlichen Zungenbrecher. Ich bin dafür.

Yael: Ja, manchmal hab ich keine Geduld und werde kiebig, und manchmal trifft es die Falschen, aber ich bemühe mich um Geduld. Die Lügen schwirren ja in allen Medien als Fakten herum. Also, im Großen und Ganzen kann man die palästinensische Propagandaarbeit nur neidvoll anerkennen. Die haben es geschafft, die Fakten zu retuschieren und ganze Kapitel der Geschichte neu zu schreiben, you just have to doff your cap.

Warum in alles in der Welt Jerusalem, das von Juden gegründet wurde und immer von Juden bewohnt wurde und im Koran nicht genannt wird – anstelle von Ramle zum Beispiel? Das wäre doch mal eine originelle Forderung, und sogar historisch begründbar.

So sorgsam, wie Moslems mit Heiligtümern anderer Religionen umgehen, möchte man ihnen natürlich auf der Stelle Geburtskirche und Klagemauer in die Hand drücken, nicht wahr? Ich sage nur Josephsgrab

Die Moslems beten in Richtung Mekka, die Juden nach Jerusalem. Wie haben die Palästinenser ohne historische Bindung es geschafft, Jerusalem als ihnen zugehörig zu verkaufen? Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Thalassa bringt es überhaupt fertig, die selbstverständlichsten Forderungen Israels als Capricen abzutun, die die Palästinenser nach ihrem Gutdünken entweder erfüllen müssen oder nicht. Uh, dieser gönnerhafte Ton. „Ja, das muß man sich dann überlegen…“ Ach, wie schön, daß es Israel gibt und uns die Ansichten der Thalassas dieser Welt nicht zu interessieren brauchen! Sonst könnten Lalibertines Ideen tatsächlich bald der Umsetzung bedürfen…

Ähnlich erfolgreich verkauft sich übrigens der Islam, dem eine Blutspur folgt und der von antijüdischem Haß nur so sprüht, als Religion des Friedens, durch Antisemitismus viel mehr bedroht als die usurpierenden Juden. (Daß viele Moslems friedlich sind, streite ich überhaupt nicht ab – das bedeutet aber noch nicht, daß der Islam friedlich ist – default.) Wirklich, der Kopf könnte einem platzen, so man einen hätte. Glücklicherweise stellt sich nicht jedem dieses Problem.

13. CK - April 29, 2009, 0:45

@Lila: Der Islam als politische Ideologie ist zweifellos tödlich. Jeder Moslem, der nicht zwischen Religion/Moschee und Staat zu trennen vermag, ist eine massive Bedrohung für die Freiheit Europas. Viele dieser „Friedensdemonstranten“, die nach Kalifat und Umma schrien (bspw. in Berlin, wo die Freunde der MLPD mitmarschierten, dabei würden diese Atheisten wohl im Kalifat als Erste am Galgen baumeln, aber die Dummheit der Anti-Imps kennt bekanntlich keine Grenzen), sind ausnahmsweise mal nicht das Problem Israels, sondern das Problem des Landes, in dem sie heute leben (ergo: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Niederlande…)

Die hiesige Politikerkaste ist doch gemeingefährlich, dass sie dies alles anscheinend nicht zu sagen traut und sich manche sogar an den israelfeindlichen Demos beteiligen.

Ich habe nichts gegen Araber oder Moslems, aber gegen totalitäre Ideen, egal welcher Art. Ganz ehrlich, stünde er bei uns in Luxemburg zur Wahl, ich würde heuer Geert Wilders ankreuzen. Mir egal, welcher „Gutmensch“ da „Rassist“ schreien würde, denn es geht mir nicht um Hautfarben, sondern um Werte und Ideale. Und darum eine offensivere Integrationspolitik zu betreiben, ergo mehr zu verlangen von den Einwanderern statt sie einen Staat im Staate bilden zu lassen.

Die hiesige Politikerkaste winkt auch gleich wieder ein paar Millionen Entwicklungshilfe nach Gaza rüber, auch herrlich. Jeder dort investierte Cent des gemeinen Steuerzahlers ist doch schlichtweg eine Vergeudung.

Und dass es nicht längst einen Palästinenserstaat gibt, ist in der Tat hauptsächlich die Schuld der Palästinenser und arabischen Staaten selbst. Immerhin hat der Sabbergreis für seine heutige Witwe ordentlich Einkaufsgeld rausgeschlagen, die Pariser Boutiquenbesitzer freut´s wohl…

Früher war ich auch mal links, sogar mal so ein Israelkritiker, *schäm*, aber dann habe ich mich mehr in die Thematik und auch in Anderes eingelesen und heute weiss ich, dass „Links sein“ (von den Antideutschen mal abgesehen) eine mentale Krankheit ist, die vom Selbsthass auf den Westen (also auch Israel) lebt und halt auch massiv in Intellektuellen- und Journalistenkreisen floriert. Anscheinend sogar bis in die FAZ hinein, Wahnsinn…

14. Was die F.A.Z. kann, kann die New York Times schon lange « Zeitung für Schland - Mai 5, 2009, 18:26

[…] Mai 5, 2009 Hamas-Führer Khaled Meschal ist nicht nur beim Guardian oder der F.A.Z. (siehe auch hier und hier) ein viel gefragter Mann. Jetzt hat Meschal auch der New York Times ein Interview geben […]


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