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Nicht schön März 24, 2009, 19:47

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.
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Die Peinlichkeiten nehmen kein Ende, weswegen ich lieber arbeite als Zeitung zu lesen. Heute sind in Umm el Fachm, unserer Nachbarschaft, patriotische Siedler mit israelischen Flaggen rumgelaufen, um den Arabern mal zu zeigen, wie so eine Flagge so aussieht, wenn man sie schwenkt, ohne Absicht, sie zu verbrennen. Die Leute in Umm el Fachm, statt zu sagen „so what“, sind natürlich auf diese Provokation sofort angesprungen und haben mit Steinen geworfen. Kein schöner Anblick, weder die Patrioten mit ihrer Verachtung für die arabischen Israelis noch die vor Haß und Wut fast platzenden Gegendemonstranten. Ich wünschte, die Flaggenträger würden mit ähnlichem Eifer gegen ihre eigenen radikalen Zweige vorgehen, die den Staat und seine Institutionen nicht weniger ablehnen, als es viele Araber tun. Aber anderleuts Verstöße ärgern einen natürlich viel mehr.

Auch das Schauspiel, das die Arbeiterpartei bietet, kann einen nicht erfreuen. Leute, die Arbeiterpartei ist auf den vierten Platz in der Wählergunst gesunken! Hat das jemand mitgekriegt?  Jedes Jahr weniger Mandate, alle paar Jahre ein neuer Vorsitzender, und in jeder Regierung sitzen sie. Ob´s regnet oder schneit, Avoda allzeit bereit. Ehud Barak hat nun den Gipfel des Opportunismus erklommen und will seine Partei dazu zwingen, mit Bibi ins Bett zu springen – aus seiner Sicht stimmt der Preis, warum nicht?

Natürlich ist Netanyahus Eifer, seine politischen Rivalen ins Bett zu holen, ein Beweis dafür, daß der vielbeschworene Rechtsruck so rechts gar nicht ruckt. Netanyahus Albtraum ist eine schmale, rechte Koalition, in der er den linken Rand markiert. Es ist ihm viel lieber, Livni oder Barak dabeizuhaben, und es könnte uns international nur nutzen, wenn die Regierung nicht nur aus „rechts von Bibi“ besteht. Aber Barak??? Er mag ja ein verhältnismäßig guter Verteidigungsminister gewesen sein, für die Beurteilung bin ich nicht kompetent genug – aber wer ein so miserables Wahlergebnis eingefahren hat, darf sich einfach nicht so hartnäckig an seinen rehledernen Sessel klammern. Ich weiß noch nicht, wie die Abstimmung ausgegangen ist, aber die Selbstdemontage der Arbeiterpartei ist auf jeden Fall im vollen Gange. Und keiner sagt STOP.

Doch jetzt zu Schönerem.

Hier hat es in den letzten Tagen und Nächten unheimlich viel geregnet, endlich! Es war richtiges europäisches Frühlingswetter heute, abwechselnd klarer Himmel und Sonnenschein, und dann wieder wilder Regen mit Hagelkörnern. Kein Sandkorn am Himmel, wie herrlich. Gegen Abend wurde es so kalt, daß ich den Mädchen Grießbrei gemacht habe, dieses regressivste aller Abendessen. Was würde ich darum geben, noch mal bei meiner Oma in der Küche zu sitzen und zuzugucken, wie sie uns Grießbrei kocht…

Bei diesem Wetter hat sich gezeigt, daß unser Dach undicht ist und an zwei strategischen Punkten frisches Regenwasser frei Haus liefert. Leo kam heute pudelnaß und empört wieder von seinem Ausgang durchs Revier wieder. Die Katzen sind Regen nicht gewöhnt. Ich habe ihn mit einem warmen Handtuch abgerubbelt, wofür er so dankbar war, daß er mir den ganzen Tag auf Schritt und Tritt nachgelaufen ist. Auch jetzt sitzt er mir gegenüber und guckt mich mit seinen großen gelben Augen an. Ist es die Liebe oder der schnöde Hunger…? Pardon, muß Katze füttern gehen.

Kommentare»

1. Marlin - März 24, 2009, 20:11

Hehe.

Lustig. Also die letzten beiden Absätze.

Apropos Wetter: Heute… erst Regen, nicht gering.. dann Schneeflocken.. (?) dann Orkanartige Böen mit Schnee, (äh?), Dann Hagelkörnchen, wenn auch klein, dann wieder Schnee ohne Sturm.

Also, das hab ich noch nicht erlebt. ?(

2. beer7 - März 25, 2009, 12:35

In Umm el FAchm ging es darum, ob der Staat Israel Souveraeinitaet ueber die arabischen Staedte besitzt? Ich bin froh zu sehen, dass die Antwort offensichtlich „Ja“ lautet, obwohl die Islamisten dort alles daran setzten, um ein „Nein“ zu erzielen.

Was die radikalen Zweigen der Fahnentraeger angeht, ist diese Frage schon beantwortet wurden: Mit den gewaltsamen Raeumungen z.B. in Armona, aber auch des „Friedenshauses“ in Hebron.

3. grenzgaenge - März 25, 2009, 16:58

liebe lila,

auch wenn ich weiss das deine rache schrecklich sein wird muss ich dir im ersten punkt widersprechen.

was hat baruch marzel getan ? er ist durch eine von arabern bewohnte stadt in israel gegangen. das ist alles. er hatte ein paar leute dabei die mit ihm symphatisieren. die gruppe hat israelische fahnen gezeigt. und ? duerfen israelis nicht durch ihr eigenes land gehen und duerfen israelis in israel keine israelische fahnen zeigen ? (das wiederum wuerde mich stark an die vorgaenge in duisburg erinnern.) wenn sich die araber durch israelische fahnen provoziert fuehlen kann man sich schon fragen warum sie eigentlich in israel leben.

(diese frage, da hat lila voellig recht, muss man in der tat auch manchen juedischen gruppierungen stellen die den staat israel nicht anerkennen und vieles tun um dem staat israel zu schaden.)

mich erinnert das ganze an den unsinn der besagt ariel scharon haette mit seinem besuch auf dem tempelberg die zweite intifada ausgeloest.

aber, lila, ich mag nicht mit dir streiten. schliesslich ist lila eine ganz gefaehrliche und vielleicht wuerde die rache so schrecklich werden das ich beim naechsten besuch in rungholt im speisessaal essen muesste *LOL*

herzliche gruesse,
der grenzgaenger

4. Israelische Fahnen « grenzgaenge - März 25, 2009, 17:34

[…] schreibt in ihrem blogg darueber […]

5. eran - März 25, 2009, 19:33

„mich erinnert das ganze an den unsinn der besagt ariel scharon haette mit seinem besuch auf dem tempelberg die zweite intifada ausgeloest.“

—Stimmt, trotzdem war es falsch eine heilige Stätte zu politische Zwecke zu missbrauchen. Nichts anderes hat Sharon getan.

„was hat baruch marzel getan ? er ist durch eine von arabern bewohnte stadt in israel gegangen.“

—Nun, wieso hat er es den getan? Und wofür steht dieser Mann? Für Israels Souveränität hat er wohl nicht gekämpft, da er sie an andere Stelle wiederum streitig macht.

Letztendlich hat Marzel eben so Recht in Um al Phacem, mit der nationale Flagge zu demonstrieren, wie Araber aus Um al Phachem in Tel Aviv mit (nationale?) Flaggen der Fatah demonstrieren, ohne um ihr Leben fürchten zu müssen.

6. yael1 - März 25, 2009, 20:41

Lila, hast du seriöse Informationen zu den T-Shirts, die einige Soldaten tragen? Der deutschen Presse traue ich nicht mehr, daher meine Frage.
Toda.

7. Lila - März 25, 2009, 21:37

Welche TShirts, Yael? Ich sehe keine 😯

Welcher Anlaß bestand, nach Umm el Fachm zu gehen und die Gräben noch weiter aufzureißen? Mit diesem typischen arroganten Siedler-Ton: „wir zeigen den Arabushim jetzt mal, wie Loyalität zum Staat ausssieht“. Ich sähe es ungern, wenn Syrer mit der syrischen Flagge um die jüdischen Häuser in Damaskus zögen, und ich finde auch diese pompöse Demonstration vollkommen unnötig. Übrigens gab es auch genügend Siedler, denen dieses Spektakel peinlich war.

Daß die Rabauken von Umm el Fachm besser daran getan hätten, sich nicht so aufzuregen, steht auf einem anderen Blatt. Die jungen Mädchen, die hysterisch in die Kameras kreischten: die sollen alle sterben! die sollen zur Hölle gehen!, haben Marzel nur einen billigen Sieg geschenkt. Wie kann man nur so stereotyp und dumm reagieren.

Ich habe für Marzel und seine Leute nicht die geringste Sympathie. Als nächstes können sie sich ja mal die Kibbuzim vornehmen, da soll es Leute geben, die unkoscher essen, sich unkeusch kleiden oder sogar *JAPS* für eine Zweistaatenlösung sind.

Die Siedler haben sich nie für was anderes interessiert als ihre eigene Siedler-Probleme. Ihre Politik lautet: Geld für Siedlungen, Erweiterungen von Siedlung, Verhinderung von Räumung von Siedlungen. Ich meine nicht die Mafdal, die hat auch soziale und sonstige Programmpunkte. Aber Marzel? Den habe ich noch nie zu einem anderen Thema was sagen gehört außer Siedlungen. Wenn er den Kopf mal aus seiner Blase stecken will, warum dann nicht zum Thema ökonomische Krise, Arbeitslosigkeit, Gehälter von Lehrern, Zustand der akademischen Bildung, Mißstände in der Armee oder im Gesundheitswesen?

Aber nein, nach Umm el Fachm muß er gehen.

Nur weil einer eine Fahne schwenkt die auch vor unserem Haus weht (schon arg zerschlissen…), muß ich mich noch lange nicht mit ihm solidarisieren.

Ruth, Du hast mich nicht verstanden. Es gng mir nicht darum, ob die Polizei in Amona (ohne r) oder Umm el Fachm die Souveränität des Staats Israel verteidigt. Es ging mir um die Heuchelei von Marzel und seinen Ekeltypen, die bei der Noar Gvaot mangelnde Treue zum Staat als Tugend in den Himmel heben, sich aber berufen sehen, sie in Umm el Fachm einzufordern.

Er hat ja schon angekündigt, daß er ab jetzt öfter in arabischen Städten patrouillieren geht. Als nächstes soll Nazareth dran sein.

Und das findest Du angebracht oder konstruktiv? Man muß nicht jeden Konflikt auf die Spitze treiben.

Der neue jüdische Trainer von Bnei Sachnin, der ist konstruktiv. Und ich zitiere noch mal Hornblower: it is better to EARN loyalty than to demand it.

8. yael1 - März 25, 2009, 22:50

Ich wollte diese bösartigen T-Shirts nicht verlinken. Unter anderem sollen Soldaten ein T-Shirt mit einer schwangeren Palästinsenserin tragen und darunter steht übersetzt: 1 Schuss zwei Tote.

9. beer7 - März 25, 2009, 22:51

Lila,

der Oberste Gerichtshof hat den Zeitpunkt des Marsches bestimmt, die Anzahl auf Hundert begrenzt. Jeder einzelne musste sich auf Waffen checken lassen. Und alle haben das ueber sich ergehen lassen.

Ja, ich finde es richtig, dass die Demonstration ermoeglicht wurde, spaet genug, dass der Staat einsieht, dass er die Souveraenitaet ueber sein Territorium auch nach innen verteidigen muss.

Kennst Du die ’no-go‘ Bezirke in Paris und Lyon? Hast Du von den Bezirken gehoert, wo sich die deutsche Polizei nicht mehr hintraut? Findest Du es angebracht und konstruktiv, ausgerechnet den Leuten, die mit Gewalt am schnellsten bei der Hand sind, die Kontrolle ueber Staedte zu ueberlassen?

Mit dem Modewort „Respekt“ habe ich nichts am Hut. Die Bewohner von Umm el Fachm brauchen von mir auch nichts und niemanden zu respektieren. Die Gesetze aber muessen sie halten, wie jeder andere auch.

10. planq - März 26, 2009, 2:09

@ grenzgänge,beer7 und eran

Ich finde dieser Marsch ist genauso unsinnig wie wenn Oranier-Ordens am 12.Juli durch Ardoyne laufen. Das bringt nix, regt andere nur auf und ist einfach nur Bullshit erster Klasse. Auch muss ich z.B. in Frankfurt nicht die NPD auflaufen lassen nur um zu wissen das der Rechtsstaat noch funktioniert indem 20 Hundertschaften von Polizisten ein paar National Sozialisten ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung mit Gewalt verhelfen. Im Grunde genommen ist das einfach nur Steuerverschwendung erster Klasse. Aber wer das Glück hat in einer Demokratie zu wohnen muss so etwas wohl oder übel aushalten ;o)!

11. Lila - März 26, 2009, 8:37

Ruth, das Modewort Respekt habe ich überhaupt nicht benutzt.

Mir scheint, Du warst länger nicht mehr in einer arabischen Stadt, wenn Du sie mit no-go-areas vergleichst. Weder die Polizei noch Bürger haben das geringste Problem, Umm el Fachm, Majd el Krum oder Nazareth zu betreten. Da habe ich mich noch nie unwillkommen gefühlt.

Du verstehst immer noch nicht, worum es mir geht. Es geht mir nicht um die Staatsgewalt, niemand außer Marzel hat daran überhaupt Zweifel angemeldet, daß die auch in arabischen Städten gilt. Selbstverständlich gilt sie auch dort. In ein paar Tagen ist yom ha adama, dann guck Dir mal die Demos an. Die sind überall von Polizei begleitet, wie jede andere Demo auch. Wann hätte die Polizei je NICHT eingegriffen, wenn in arabischen Städten Unruhen sind? Kfar Mrar, Nazareth, egal wo, die Polizei hat sogar manchmal überreagiert. Darum geht es doch gar nicht.

Es geht um die Chutzpa eines Gesetzesbrechers wie Marzel und seiner Kumpane, die sich als Ordnungshüter der arabischen Isrelis aufspielen. Daß sie das Recht haben, in Umm el Fachm zu demonstrieren, wenn die Demo angemeldet und genehmigt ist, bestreite ich doch gar nicht, verstehst Du das denn nicht? Sie haben dasselbe Recht dazu, wie die gay pride parade durch Jerusalem.

Viele haben den Marsch als die Antwort auf die gay pride parade gesehen und das auch offen gesagt: wenn Ihr Liberalen für das eine seid, müßt ihr auch für das andere sein! Ich erinnere daran, daß ich auch die Love parade für rechtlich möglich, menschlich schlecht beraten gehalten habe. Warum partout provozieren? Ich urteile da in beiden Fällen gleich.

Mir geht es um die Mentalität dieser selbstgerechten, aufgeblasenen Menschen, die partout einer Minderheit klarmachen müssen, als ob es nicht klar genug wäre, daß sie Minderheit sind. Hast Du nicht gehört was sie gesagt haben? Sie werden den Arabern jetzt auf die Finger sehen etc. Wer ist eigentlich dieser Itamar Ben Gvir, daß er sich zum Wächter über andere aufschwingt? Noch dazu, wo diese anderen Bürger keinerlei Anlaß gegeben haben, sie spüren zu lassen, wer Herr des Hauses ist. Und die Siedler haben selbst deutlich gesagt, daß das ihre Absicht ist.

Und das finde ich einfach nur unsympathisch. Als ob die Araber nicht wüßten, wer Herr im Hause ist. Man muß es ihnen nicht noch extra ad oculum demonstrieren.

Was findest Du daran gerechtfertigt? Es war überflüssig wie ein Kropf, überflüssig wie eine Gay Pride Parade in Jerusalem. Und wenn es hundertmal bürokratisch rechtens war.

Hier kann man nachlesen, was ich damals geschrieben habe:

Ich war und bin auch der Ansicht, man muß die Bevölkerung von Jerusalem nicht partout provozieren und ich hätte den Umzug nach Tel Aviv verlegt.

Damals haben übrigens die ultraorthodoxen Bewohner Jerusalems nicht weniger gewalttätig reagiert als die arabischen Jugendlichen. Gewaltbereite, durchgeknallte Jungens mit Zwille und Wut im Bauch gibt es leider überall. Hat mich in beiden Fällen sehr gestört und abgestoßen, wie Du hättest sehen können, wenn Du gelesen hättest, was ich geschrieben habe.

12. willow - März 26, 2009, 9:42

Nun, zum Provozieren gehören immer zwei….

„Die Leute in Umm el Fachm, statt zu sagen “so what”, sind natürlich auf diese Provokation sofort angesprungen und haben mit Steinen geworfen.“

ich könnte daran verzweifeln, daß in solchen Fällen die „Provozierten“ so blöd sind, sich am Spiel zu beteiligen – anstatt demonstrativ Türen und Fenster zu schließen und solche Aktionen ins Leere laufen zu lassen, denn häufig sind gewalttätige Gegendemonstrationen und Gegenaktionen das eigentliche Ziel solcher „Späße“, wobei der Vergleich mit NPD-Demos dennoch hinkt, auch wenn das Spiel dabei genauso funktioniert…

13. beer7 - März 26, 2009, 9:46

Nein, Lila,

die israelische Polizei hat nicht immer und nicht umgehend bei Unruhen eingegriffen und nach den Toten vom September 2003 kann ich das gut verstehen. Bei den Unruhen in Akko z.B. hat es relativ lange gedauert. Und bei den Wahlen konnte die Sicherheit des Wahlbeobachters nicht garantiert werden.

Das Recht, in Umm el Fachm zu demonstrieren, wurde Marzel & Co. nicht anstandslos zugestanden. Du weisst, dass der Fall vom Obersten Gericht entschieden werden musste, die der Demonstration einige Bedingungen auferlegten (Zeitpunkt, Groesse der Veranstaltung). Das war keine Demonstration wie andere auch.

Der Vergleich mit der Gay Parade in Jerusalem passt gut. Ich habe nie dafuer plaediert, dass sie nicht dort stattfinden kann, obwohl ich ihr inhaltlich genauso wenig abgewinnen kann wie der Demonstration in Umm el Fachm.

Der Punkt ist der, in dem Moment, wo der Staat der Bevoelkerung die Entscheidung ueberlaesst, was sie in ihrer Umgebung dulden oder
nicht, hat der Staat die Souveraenitaet aufgegeben.

14. Lila - März 26, 2009, 10:25

Dann wäre es doch wohl sinnvoller gewesen, vor dem Polizei HQ zu protestieren statt in Umm el Fachm…

Der Punkt ist der, in dem Moment, wo der Staat der Bevoelkerung die Entscheidung ueberlaesst, was sie in ihrer Umgebung dulden oder
nicht, hat der Staat die Souveraenitaet aufgegeben.

Ach ja? Dann gibt es aber viel zu tun im Staate Israel. Vom Yishuv kehilati und Kibbuz, die sich ihre Nachbarn aussuchen, über religiöse Gegenden, die keinen Autoverkehr am Shabat und keine provokant gekleidete Frau durchlassen—- und dann die Anwohner, die gegen Industrieanlagen protestieren oder Umgehungsstraßen… so viele Teile der Bevölkerung in Israel haben die Freiheit zu entscheiden, was sie in ihrer Umgebung dulden und was nicht. Der Drang der Menschen, über ihre Umgebung ein gewisses Maß an Kontrolle auszuüben, scheint unsausrottbar zu sein.

Ausgerechnet in Umm el Fachm die Nagelprobe vorzunehmen… wirft in mir allerhand Fragen auf.

15. Joram - März 26, 2009, 12:03

„Die jungen Mädchen, die hysterisch in die Kameras kreischten: die sollen alle sterben! die sollen zur Hölle gehen!, haben Marzel nur einen billigen Sieg geschenkt. Wie kann man nur so stereotyp und dumm reagieren.“

Wenn jemand dumm ist, dann reagiert auch dumm.
Andere Kultur, andere Sozialisierung, andere Reaktion.
Wenn ein Hund zeigt die Zähne, interpretieren das die Menschen oft als ein Lächeln. Was für ein tragisches Irrtum, besonders für die Kinder.
Wenn ein Araber die Steine auf Juden schmeisst, interpretieren das die Gutmenschen im Europa als ein Versuch ins Dialog der Kulturen zu kommen. Und wer er wieder eine Kassam aus Gaza abfeuert, interpretiert das Javier Solana als die zum Kompromis ausgestreckte Hand der Hamas, weil es eben nur 100 und keine 300 Kamas seit dem Ende des Gazakriegs abgeschossen wurden.

Das ist übrigens ein Beweis, dass die zwei Völker die sich nicht mögen, nicht zusammen leben können. Daher ist die ganze Gerede von einem Binationalen Staat nur ein Dummgeschwätz der Ultralinken in dem ahnungslosen Europa.

16. Jul - März 26, 2009, 12:15

Na einen positiven Nebeneffekt hat es auf alle Faelle; jetzt kann die Gay Community durch Jerusalem demonstrieren/feiern/flagge zeigen.
Wenn schon ‚Recht auf freie Meinungsaeusserung‘, dann richtig.

ich freu mich auf alle faelle schon auf diesen Tag.

Auge um Auge…

17. beer7 - März 26, 2009, 12:17

Lila,

die Nagelprobe wird genauso anderswo vorgenommen und das weisst Du auch.

Erinnerst Du Dich an das Urteil des Obersten Gerichts, wonach ein Moschav, wahrscheinlich Rakefet, ein arabisches Paar akzeptieren muss?
http://www.haaretz.com/hasen/spages/825948.html

Auch die Shabbatverkehrsordnungen werden nicht einfach von den Anwohnern allein bestimmt und gegen Steinewerfer geht die Polizei vor.

Natuerlich haben Anwohner das Recht gegen Industrieanlagen zu protestieren, aber sie haben kein a priori Veto-Recht.

Der Drang des Menschen, ueber ihre Umgebung Kontrolle auszuueben, ist natuerlich, aber der Staat kann sich nicht einfach zurueckziehen und ihnen das allein ueberlassen.

18. beer7 - März 26, 2009, 12:28

Lila,

Du scheinst mich die ganze Zeit falsch zu verstehen. Ich habe mit dem Programm von Marzel & Co. wirklich nichts am Hut.

Ich meine allerdings, dass Gewalttaetigkeiten, wie sie die Einwohner von Umm el-Fachm begangen haben, weder akzeptiert noch entschuldigt (sie wurden provoziert!) werden sollten.

Wenn beteits vorbeugend vor der Gewaltandrohung kapituliert wird (und bei dieser Demonstration war der Staat nahe daran), dann ueberlaesst man den Gewalttaetern die Hoheit. Und natuerlich sehen dann andere, dasss man auf diesem Weg seinen Willen durchsetzen kann, so dass auch sie zu Gewalt greifen.

Die Islamisten um al-Raed versuchen schon seit langem, den Staat entweder zu ueberharten Reaktionen zu verleiten oder ihm stueckweise Hoheitsrechte abzunehmen.

19. Flash - März 26, 2009, 12:30

Nu tut euch mal nicht gegenseitig die Butter vom Brot kratzen, das ist doch schade drum. Obwohl es ja sehr demokratisch ist, zu streiten, aber auch sehr unangenehm.

Nun, mich gehts jedenfalls auch nichts weiter an, aber ich bin immer für gütliche Verständigung (zwischen menschen, die auf derselben Seite stehen, zumal).

20. beer7 - März 26, 2009, 13:35

Ein Kommentar sitzt wohl im Spamfilter, weil ich einen Link eingebaut habe. Kannst Du ihn bitte retten?

21. yael1 - März 26, 2009, 14:28

Mir kann wohl keiner meine Frage beantworten. Schade, ich dachte in Israel wäre das ein Thema.

22. Lila - März 26, 2009, 15:14

Yael, entschuldige, aber ich habe wirklich keine Ahnung, wovon Du sprichst. Was für Soldaten, was für T-Shirts? Soldaten tragen normalerweise Uniform. Wieso sollte ich darüber etwas wissen? Und ich weiß längst nicht alles, was in Israel vorgeht. Im Gegenteil, ich nehme nur noch auf, was sich nicht vermeiden läßt. Ich bin nichts weiter als eine übermüdete, überlastete Privatperson und kein Auskunftsbüro.

23. eran - März 26, 2009, 16:51

„Dann gibt es aber viel zu tun im Staate Israel. Vom Yishuv kehilati und Kibbuz, die sich ihre Nachbarn aussuchen, über religiöse Gegenden, die keinen Autoverkehr am Shabat und keine provokant gekleidete Frau durchlassen—- und dann die Anwohner, die gegen Industrieanlagen protestieren oder Umgehungsstraßen…“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0%2C1518%2C615024%2C00.html

Frauen müssen im Bus zur Klagemauer hinten sitzen
Von Ulrike Putz

Sängerinnen bei Stadtfesten sind verboten, unkoschere Schokoriegel auch, und „unzüchtige“ Frauen werden drangsaliert: Ultra-religiöse Juden bestimmen zunehmend das öffentliche Leben in Jerusalem. Neueste Einrichtung: die Geschlechtertrennung im Bus. Säkulare Israelis sind empört.

24. grenzgaenge - März 26, 2009, 17:56

@lila (kommentar 7)

„Und das findest Du angebracht oder konstruktiv? Man muß nicht jeden Konflikt auf die Spitze treiben.“

liebe lila,

die frage ist zwar an ruth gerichtet gewesen. aber ich muss sagen das ich es in vielen faellen wirklich besser finde einen konflikt auf die spitze zu treiben als eine verlogene und nicht-existierende koexistenz zu leben. es ist sicherlich manchmal schmerzlich konflikte auf den punkt (und zur entscheidung) zu bringen. aber ist es wirklich besser einen zustand zu haben der einer intensiveren betrachtung kaum stand haelt ? du hast in einem kommentar von den graeben geschrieben die baruch marzel vertieft hat. er hat sie vertieft. aber nicht geschaffen. wie lange kann man mit offenen graeben leben ?

auf der anderen seite weiss ich keine loesung. zu meiner schande muss ich gestehen das ich einmal ein befuerworter des transfers war. heute schaeme ich mich schrecklich dafuer so etwas vertreten zu haben. ich weiss keine loesung. ich habe keine ahnung wie die sache mit den arabischen israelis zu loesen ist. ich glaube auch nicht das eine verbesserung der lebensverhaeltnisse (der arabischen israelis) etwas aendern wuerde.

weisst du, lila, meine rebbezin hat vor kurzem gesagt es ist ihr voellig egal ob jemand jude oder nichtjude ist. das einzige was sie (die rebbezin) interessiert ist ob sie einen guten oder einen schlechten menschen vor sich hat.

25. yael1 - März 26, 2009, 18:58

@lila

26. Lila - März 26, 2009, 19:27

@ Yael.

http://www.haaretz.com/hasen/spages/1073234.html

Mehr weiss ich auch nicht.

27. beer7 - März 29, 2009, 9:43
28. beer7 - März 29, 2009, 10:13

Schau mal, Lila, wer hier provoziert wurde:
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3693556,00.html

29. yael1 - März 30, 2009, 23:05

Der militärische Anwalt hat die Akte zu vermeintlichen Kriegsverbrechen israelischer Soldaten während des Gazakrieges im Januar geschlossen. Die Anwälte der Armee hatten zwei vermeintliche Fälle der Erschießung von „unbeteiligten Nicht-Kombattanten“ untersucht…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 30. März 2009

Nach Angaben von Soldaten bei einer Konferenz im Rabin-Militärischen Vorbereitungs-Zentrum sei während des Krieges eine alte Frau erschossen worden, die sich trotz Warnschüssen und Handzeichen und trotz Ausgangssperre einer Gruppe von Soldaten genähert habe, bis sie niedergeschossen wurde. An ihrer Leiche habe man keine Sprengstoffjacke gefunden. In einem anderen Fall wurden eine Mutter und ihre zwei Kinder erschossen, weil sie sich in die falsche Richtung bewegten, als von den Militärs vorgegeben.

Diese Ereignisse habe es nicht gegeben. Die vermeintlichen Augenzeugen hätten gegenüber dem Militäranwalt gestanden, nur Gerüchte gehört zu haben und dann beiden Geschichten „übertrieben und bewusst übertrieben“ erzählt zu haben, um anderen Soldaten „ein Zeichen zu setzen“. Sie gestanden, nicht Beteiligte gewesen zu sein und konnten deshalb auch keine Angaben über den Ort und Zeitpunkt der von ihnen beschriebenen vermeintlichen Kriegsverbrechen machen. Die angebliche Ermordung der zwei Frauen und Kinder hatten in Israel wie in der Welt einen Sturm der Empörung ausgelöst.

Zu dem Fall der angeblich erschossenen Frau und ihren zwei Kindern ergab die Untersuchung, dass es ein „ähnliches“ Ereignis gegeben habe, bei dem jedoch die Soldaten auf zwei Hamas-Kämpfer geschossen hätten, nicht aber auf die in der Nähe stehenden Frau und Kinder.

Einige Soldaten hatten sich auch zu dem Einsatz von Phosphormunition geäußert. Auch in diesem Fall stellte sich heraus, dass sie ihre Aussagen nicht aufgrund eigener Erlebnisse oder Erkenntnisse gemacht hätten, sondern ungeprüfte Presseberichte zitierten.

http://www.hagalil.com/archiv/2009/03/30/kriegsverbrechen/


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