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Gestern März 14, 2009, 13:44

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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war die große Purim-Party im Kibbuz. Eigentlich ist Purim ja schon vorbei, aber die Woche vorher war ja die Party des Mossad (educational institution, also Schule und Internat, wo Secundus so hervorragend gewirkt hat), und deswegen war erst letzte Nacht die Party hier angesetzt. Wir waren mindestens zwei Jahre nicht mehr da, immer zu müde!, und diesmal haben wir gesagt, wir müssen hin, auch wenn wir uns nicht verkleiden und nicht lange bleiben. Damit ich auch ganz bestimmt nicht kneife, habe ich meine Freundin aus Haifa eingeladen, die jahrelang immer mitgekommen ist, und sie hat gesagt, sie bringt ihren Freund, ihre kleine Schwester und noch eine Freundin mit.

Das Thema war dieses Jahr, ganz im Sinne des 70jährigen Geburtstags des Kibbuz, „Der Kibbuz – wie er früher war“. Die meisten Leute waren als Pioniere verkleidet, also mit russischen Hemden, Arbeitsklamotten, dem blauen Hemd des Shomer HaZair (davon haben wir auch mehrere..), Kopftüchern und Kitteln oder formlosen Shorts. Jedes Jahr bereitet eine Gruppe, meist die gerade entlassenen Soldaten, Purim vor. Die Gruppe, die dieses Jahr dafür verantwortlich war, kenne ich gut – sie waren meine Kindergartenkinder, als ich Volunteer war. Ich habe sie morgens geweckt und gewaschen. Das war ein Jahr, bevor die Familien die Kinder nach Hause nahmen – der Übergang von der „lina meshutefet“ (communal sleeping arrangement) zur „lina mishpachtit“ (family sleeping arrangement). Viele aus der Gruppe kamen in alten Schlafanzügen und Pantoffeln und hatten sich Zettel auf den Rücken geheftet: lina meshutefet, Kindergarten Rimon oder lina meshutefet, Gruppe Shalhevet.

Unsere Freunde aus Haifa, eingefleischte Städter, kamen gerade, als die Show losgehen sollte. Am Eingang mußten Gäste bezahlen, aber wir hatten schon vorher mit der Frau an der Kasse abgemacht, daß das Geld einfach von unserem Konto abgebucht wird, und sie hat die Gäste so reingelotst – sie wußten nicht mal, daß andere bezahlen. Getränke waren umsonst. Also haben sich alle was zu trinken geholt (ich dieses Mal nur Cola, ich war gar nicht in Partylaune) und die Show angeguckt. Sie war ziemlich durchwachsen. Alle Gags waren natürlich Insider-Gags und die vielen Gäste von außerhalb guckten etwas befremdet. Lustig war der Film – die Party-Planer rannten mit Kamera im Kibbuz rum und fragten alle möglichen Leute: wer war das zweite Kind des Kibbuz? Oh, an den ersten Sohn des Kibbuz erinnern sich alle, aber der zweite…  keiner erinnerte sich. (Wir hätten die Frage natürlich beantworten können, da mein Schwiegervater das dritte Kind des Kibbuz ist und wir seine Gruppe gut kennen). Wenn man zum fünften Mal hört, wie jemand stottert: also der erste, das war Y., aber wer danach kam…. das ist schon lustig. Der erste Sohn des Kibbuz, der noch immer hier lebt und inzwischen Mitte 60 ist, war natürlich auch da und guckte zu und lachte mit.

Die anderen Sketche waren mäßig. Dudu Zakai sang das alte Lied „also wie macht man einen Kibbuz?“, das alle kennen und mitsingen. Das war der schönste Teil, auch wenn das Lied dann etwas durch den Kakao gezogen wurde. Geradezu obsessiv waren die vielen Anspielungen auf die (weiblichen) Volunteers, die attraktiven Europäerinnen, die es leider in unserem Kibbuz nicht mehr gibt (den männlichen Volunteers dagegen wurde kein Wort gewidmet). Y. hörte sich das alles an, wie toll die mitnadvot sind und wie langweilig der Kibbuz, seit keine mehr kommen, und meinte, „alles nur Neid“. Ja ja, ist schon komisch, ein Mythos zu sein, noch dazu so ein seltsamer wie mitnadevet. Also, sehr witzig war das alles nicht.

Schade, die Gruppe hatte noch viel Filmmaterial, das sie aber nicht verwendet hat, warum auch immer. Vor ein paar Wochen kam Y. nach Hause und meinte, die Purimgruppe hat ihm mit der Kamera aufgelauert und ihm viele Fragen gestellt. „Wer arbeitet im Sekretariat XYZ?“, „wer ist die schönste Frau des Kibbuz?“ Y. hat treu geantwortet und dachte sich, na, die werden einen schönen Salat aus meinen Antworten machen. (Die schönste Frau des Kibbuz ist in seinen Augen natürlich seine Frau – oder hat er das nur gesagt, um sich keinen Ärger einzuhandeln? Die Sekretärin im XYZ dagegen würde sich freuen, von Y. zur schönsten Frau des Kibbuz ernannt zu werden…) Auch mein Schwager wurde interviewt. Aber was sie mit den Interviews gemacht haben, weiß ich nicht.  Si haben nichts davon verwendet. Schade.

Na, als die Show überstanden war, konnte getanzt werden.  Ich war nicht in Stimmung, denn an diesem Abend waren Primus und Secundus zum ersten Mal, seit Primus den Führerschein hat, allein unterwegs. Sie waren zuerst essen und dann im Kino. Ich wußte, daß Freitagnacht viele Besoffene unterwegs sind, dazu leichter Regen, und beide Jungens im Auto allein – ich war unruhig. Meine Freundin, die zum ersten Mal ihr Baby allein ließ (bei der Oma), war etwas verstört: hört man denn nie auf, sich Sorgen zu machen? Nein, leider nicht. Meine Mädchen waren bei meinem Schwager und der Schwägerin, auf die kleine Cousine und den Vetter aufpassen. Für Geld. Ihr erster Auftrag als Babysitter. Sie waren sehr stolz. Komisches Gefühl, vor ein paar Jahren haben wir noch Babysitter gebraucht. Aber Tertia ist wirklich so verantwortungsbewußt, daß man ihr ohne weiteres Kinder anvertrauen kann. Meine Schwägerin erzählte, daß Tertia hat das ganz toll gemacht hat mit dem Ins-Bett-Bringen…  und die Kleinen sind mit einem großen Lächeln eingeschlafen.

Ich weiß nicht, ob es das Alter ist, aber ich war um drei todmüde, und alle anderen auch. Immerhin, wir waren mal zusammen tanzen, und das war schön. Die Jungen kamen um die Zeit auch nach Hause, sie hatten einen schönen Abend zusammen. Die Mädchen waren schon gegen halb zwei nach Hause gekommen, mit ihrem selbstverdienten Geld. (Quarta war morgens schon wieder auf den Beinen, um im Reitstall zu arbeiten – die Reitlehrerin ist begeistert von ihr, weil sie wohl ein echtes Händchen für Pferde hat).

Primus muß heute abend schon wieder weg. Bei mir türmen sich weiterhin Berge von Arbeit.

Kommentare»

1. mischpoke - März 14, 2009, 22:00

Liebe Grüsse von uns hier oben, mein Kiga heisst auch Rimon, wie passend. Oh Quarta müssen wir dann mal zur Jule auf deren Islandpferdehof schicken. Besondere Grüsse an Euren Grossen vom Jacob, stolzer Besitzer von Autogramms der erfolgreichen isra.DC Mannschaft hier in Malmö.

2. grenzgaenge - März 15, 2009, 10:11

liebe lila,

es ist immer wieder schoen von deinem alltag in rungholt zu lesen. weiter so, bitte !

der grenzgaenger wird gleich zu einem tag voller lesungen verschwinden. das paradies fuer einen buecherwurm. noch dazu in „meiner“ schul. was will ich mehr ?

buecher – ich lese gerade ein buch von jehoschua „freundesfeuer“. ungeheuer gut geschrieben. welche kraft worte haben koennen !

http://www.piper-verlag.de/belletristik/buch.php?id=13510&page=buchaz

herzliche gruesse,
der grenzgaenger

3. Sascha - März 16, 2009, 23:01

Hi Lila. Die Shomer-HaZair-Shirts haben ja ein cooles Blau. Weisst du, ob man diese Hemden irgendwo bestellen kann?


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