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Rivalen Januar 22, 2009, 21:08

Posted by Lila in Land und Leute.
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um den Oscar für den besten ausländischen Film. Der Baader-Meinhof-Komplex und Waltz with Bashir sind beide nominiert. Ich erinnere mich an den deutschen Herbst. Ich erinnere mich auch an Sabra und Shatila, und daß ich nicht wußte, was da genau passiert war. Beide Filme möchte ich gern sehen. (Ach, viel zu viele Filme will ich gern sehen, aber wann komm ich schon mal ins Kino? Nur wenn die Kinder Geburtstag haben.)

Letztes Jahr haben wir für Beaufort die Daumen gedrückt. Auch Waltz with Bashir ist ein Film über die Traumata des Kriegs, über die Wunden, die nicht verheilen. Gestern erzählte mir ein Taxifahrer über seine Zeit im Libanon, vor 25 Jahren.  Ganz Israel scheint dabeigewesen zu sein. Mein Mann war so alt wie Primus, er hatte gerade die Grundausbildung hinter sich, als er nach Beirut geschickt wurde. Alle seine Freunde waren dabei. Sein kleiner Bruder, alle Vettern und Cousinen, seine Schwester. Sein Vater war auch noch dabei.

Generationen von Israelis sind davon gezeichnet, daß sie den Kriegen nicht entkommen können. In fast jeder Familie findet man Menschen, die aus den Konflikten schwer traumatisiert, verletzt oder gar nicht mehr zurückkommen.

Natürlich gibt es die Ultra-Orthodoxen, die nicht zur Armee gehen. Das war schon seltsam an der Klagemauer, wie die schwarzgekleideten Gestalten an uns vorübergingen, ohne Blickwechsel mit uns. Es werden welche daruntergewesen sein, die für die Soldaten beten, und andere, die die Soldaten und den Staat verachten.  Sie haben andere Erlebnisse, die sie prägen. Das ist eine andere Welt, ein anderes Israel.

Aber in der Welt, in der ich lebe, ist fast jede Familie gezeichnet. Daß trotzdem die Empathiefähigkeit noch so ausgeprägt ist, daß spontane Initiativen wie Ner Leshalom möglich sind, und erst recht langfristige Projekte wie Save a Child´s Heart – und daß die kreative Kraft so stark ist, auch nicht-israelischen Zuschauern die Geschichte zu erzählen – dafür gefällt mir Israel.

Morgen übrigens bringen wir Primus nach Ariel. Sein erster Dienst in den besetzten Gebieten.

Kommentare»

1. arabrabenna - Januar 22, 2009, 21:47

Wie es euch Israelis ergeht kann wohl keiner ermessen, der in einem Land aufgewachsen ist, in dem seit über 60 Jahren kein Krieg mehr war. Deswegen finde ich deine Beiträge so überaus wichtig! Von dir erfahren wir eine „Innenschau“. Danke, liebe LIla, dafür!!! Und ich bewundere euch für eure Empathifähigkeit nach all dem Erlebten. Das zeigt deutlicher als alle Worte, wie sehr sich Israel nach Schalom und einem guten Miteinander sehnt.

2. grenzgaenge - Januar 22, 2009, 21:56

liebe lila,

danke fer deinen beitrag. wirklich … beruehrend …

trotz und wegen allem: GUT SCHABBES !

ich werde zwar bis samstag abend nicht mehr am pc sein. aber in gedanken und gebeten bin ich bei dir.

herzliche gruesse,
der grenzgaenger

3. eran - Januar 23, 2009, 0:06

Mich hat auch Barfour sehr beeindruckt.

Aber ich weiß nicht, ob es schon kalkül ist, wenn israelische Filmenmacher Szenen einfügen, die Ihnen die Preise und Verbreitung im Ausland sichern, wie das Interview mit Gideon Levy (Barfour) oder nun Sabra und Shatila.

Habe auch gehört, dass unser Oskar-Kanidat sehr bewegend ist…

4. Dagny - Januar 23, 2009, 14:53

Dem Film ‚Baader-Meinhof-Komplex‘ wurde vorgeworfen die Terroristen zu sehr zu verherrlichen, im Interview hat eine der Schauspielerinnen verlauten lassen, fuer die Ziele der RAF Sympatie zu hegen und lediglich die Methoden abzulehnen. Der Film muss nicht umbedingt auch noch einen Oskar gewinnen.

5. Dagny - Januar 23, 2009, 15:26

Natürlich gibt es die Ultra-Orthodoxen, die nicht zur Armee gehen. Das war schon seltsam an der Klagemauer, wie die schwarzgekleideten Gestalten an uns vorübergingen, ohne Blickwechsel mit uns. Es werden welche daruntergewesen sein, die für die Soldaten beten, und andere, die die Soldaten und den Staat verachten.

Liebe Lila, kannst du das vielleicht gelegentlich etwas naeher erlautern? Warum muessen die Ultraorthodoxen nicht zur Armee? Wie kommt man in dieses ‚Privileg‘? Wie sehen die Ultraorthodoxen die Landesverteidigung und warum verachten sie moeglicherweise den juedischen Staat?

6. yael1 - Januar 23, 2009, 15:55

Heute bestimmt das „Chok Tal – das Tal Gesetz“, dass jene Haredim, welche in einer Yeshiva eingeschrieben sind, vom Armeedienst befreit sind.

Anzumerken sei, dass mittlerweile viele Haredim doch zur Armee gehen. Eine Spezialeinheit (Nachal HaCharedi) wurde eigens für sie eingerichtet. Jene, die sich weigern zu gehen, haben oftmals Angst, in ihrer eigenen Gesellschaft verspottet zu werden oder Nachteilen ins Auge sehen zu müssen.

http://hamantaschen.blogspot.com/2009/01/und-wo-wart-ihr-die-haredische.html

„warum verachten sie moeglicherweise den juedischen Staat?“

Zunächst „die“ Ultraorthoxen gibt es nicht, denn unter ihnen gibt es unzählige Strömungen und nicht jeder lehnt den Staat Israel ab (Chabad z.B.)
Der Grund für die Ablehnung des Staates Israel hat religiöse Gründe, da nach deren Meinung nur der Maschiach einen jüdischen Staat errichten darf.

7. Lila - Januar 23, 2009, 15:56

Die ultra-orthodoxe Welt ist außerordentlich vielfältig, und ich kenne mich da absolut nicht aus. Mein Sohn hat mir vorhin noch erzählt, daß manche Religiösen ihn und seine Freunde freudig begrüßt und gesegnet haben, als sie an der Klagemauer waren. Es gibt zionistische und anti-zionistische Ultra-Orthodoxe. Die Satmar-Gruppe http://en.wikipedia.org/wiki/Satmar ist eine der bekanntesten antizionistischen ultra-orthodoxen Strömungen. Für sie ist der Staat Israel ein Hindernis für den Messias.

Ein bißchen was zu den Religionen in Israel und über die Armee hier.

Die Befreiung der Ultra-Orthodoxen vom Dienst an der Waffe ist das Ergebnis einer Abmachung in der Gründungszeit des Staats. Eine Minderheit streng Religiöser widmet sich den religiösen Studien und wird von der Gemeinschaft unterstützt, also von Armeedienst und anderen Pflichten befreit. Solange das nur eine kleine Minderheit war, ging das problemlos – auch in Deutschland werden Priesterkandidaten nicht zum Bund eingezogen. Aber in den letzten Jahren nutzen zu viele Religiöse dieses Privileg. Es gibt darum ein ewiges Hin und Her.

Manche sagen, die Armee braucht die vielen Religiösen gar nicht, andere stören sich daran, daß sie nicht zur Armee gehen, sondern nur in der Yeshiva lernen. Manche machen Zivilidienst oder freiwilligen Dienst, so wie bei Zaka.

Also, die Ultra-Orthodoxen, die sich als zionistisch sehen, stehen der Landesverteidigung positiv gegenüber, auch wenn sie nicht daran aktiv teilnehmen. Die anti-zionistischen sieht man gern bei anti-israelischen Demos, auch im Iran. Aushängeschilder oder Alibijuden der Anti-Zionisten.

Ist alles sehr komplex, mehr als ich hier darstellen kann. Man kann nie allen gerecht werden.

Und die Ultra-Orthodoxen sind ja nur eine Strömung. Es gibt noch so viele andere jüdische Strömungen, die das Judentum jeweils anders interpretieren, wenn es um die Beziehung zum Land (eretz Yisrael) und zum Staat (medinat Yisrael) geht. Von den aller-zionistischsten bis zu den anti-zionistischsten ist alles dabei.

8. Dagny - Januar 23, 2009, 16:12

Vielen Dank fuer die schnelle und mich voll zufriedenstellende Antwort.


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