jump to navigation

Secundus auf dem Weg zur Disco Oktober 25, 2008, 20:33

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
trackback

Ich: Willst du nicht ne schönere Hose anziehen als dieses olle Ding? (er trägt eine alte, kurze Arbeitshose, die total abgewetzt ist, dazu Crocs und ein uraltes T-shirt mit Schullogo)

Er: Ach was. (grinst und fährt sich mit eitlem Lächeln durch sein Haar, das ihm immer in die Augen fällt) Sieht  doch gut aus. Mama, ich bin ein Kibbuznik, und das soll man auch sehen.

Tatsächlich, das gibt es noch. Als ich in den Kibbuz kam, fiel mir gleich auf, daß Kibbuzniks sich noch einen Zacken schlampiger kleiden als Israelis ohnehin schon. Die Jugendlichen schlurften in Pantoffeln in den Dining Room, der Manager der Fabrik trug einen rutschenden Blaumann mit Flicken, und alle Frauen trugen formlose Shorts und Gesundheitssandalen von Teva Naot.

Pantoffeln, von Kibbuzniks zu jeder Gelegenheit getragen

Gesundheitssandalen von Teva Naot

Auf mehr als einer Hochzeit habe ich Gäste mit Crocs gesehen (leider noch nie Braut oder Bräutigam – barfuß allerdings schon oft). Wenn ich normal gekleidet, also nicht mal angetüddelt, vor die Tür trat, hieß es sofort: „ach, du fährst in die Stadt?“ (ha-ira) oder „fährst du raus?“ (ha-chutza). Ich war überhaupt jahrelang verdächtig als „chutznikit„, bin es vermutlich immer noch. Inzwischen arbeite ich ja draußen (ovedet-chutz) und die Leute sind es gewöhnt, daß ich eine Spur gepflegter aus dem Haus gehe als zu Wäscherei-Zeiten.

Einmal hörte ich, wie ein junges Mädchen zum andren verächtlich sagte: „das sind ja Schuhe für Städter“. Secundus kam schon mal von Führungen im Kinderzoo zurück, die er für alle möglichen Gruppen machte, mit der Erkenntnis: „phhh, die konnten nen Perlhuhn nicht von nem Fasan unterscheiden – Städter eben“. Wenn Y. von Leuten hört, die in der Wüste rumlaufen, ohne passendes Schuhwerk und ohne Karte und ohne Wasser, und dann gerettet werden müssen, knurrt er, „Städter unterwegs“.

Ich glaube, seit in der Schule Stadtkinder und Kibbuzkinder zusammen lernen, hat das Wort „Städter“ seinen wegwerfenden Klang weitgehend verloren. Wobei die Stadtkinder ja auch keine Großstadtpflanzen sind, sondern Provinzkinder aus Yokneam oder Moshavniks. Die peripheria, ob Norden oder Süden, sieht auf Tel Aviv, das Zentrum (merkas) herab, die Tel Aviver dagegen auf uns Provinzler.

Den Unterschied Stadtmaus-Landmaus gibt es überall. Aber Kibbuzniks, ob zu Recht oder Unrecht, sind Landmäuse, die besonders stolz darauf sind.

Kommentare»

1. Lars Strojny - Oktober 26, 2008, 18:25

Und wie weit ist es bis zur Disco?

2. Lila - Oktober 26, 2008, 18:30

Die Disco ist oben in der Schule, wo er auch ein Zimmer hat. 5 Minuten mit dem Schulbus oder dem Kibbuz-Minibus-Shuttle, der um 2 Uhr nachts die letzte Fahrt macht. Aber Secundus schläft nach der Disco meist in der Schule.

Er setzt sich also nicht den Augen Außenstehender aus 😀

Eine alte Hose habe ich ihm mit List und Tücke entwinden müssen, die war nämlich im Schritt so schrecklich zerrissen… 😳 …….nicht als ob das sehr auffiele bei diesen Hosen, die in den Kniekehlen rumhängen………..

Wo ist mein Johanniskraut????

3. schildkröte - November 6, 2008, 22:35

also so wie ich das wahrgenommen hab, laufen die israelis schon recht chick rum, und grade wenn sie ausgehen, machen sie sich nochma richtig schnieke. ich war aber in meiner zeit in israel auch nur in städten, und hab nur bei städtlern gewohnt. beim nächsten mal heißt es also ab ins kibbuz 😀


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s