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Bei Freunden Oktober 18, 2008, 23:32

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Jedes Jahr zum Laubhüttenfest sind wir bei unseren Freunden Yossi und Yardena eingeladen. Sie wohnen in einem Kibbuz an der jordanischen Grenze, einem Kibbuz, dem das Land mal gehörte, das mit Jordanien ausgetauscht wurde und das man als „Insel des Friedens“ besuchen kann. Nur Mitglieder dieses Kibbuz haben die Erlaubnis, Besucher in diese jordanische Insel mitzunehmen, und wir waren vor drei Jahren (ist das schon wieder so lange her?) mit Yossi in Naharayim. Heute waren wir aber nur bei ihnen zum traditionellen Essen in der Laubhütte bzw auf dem Rasen.

Als wir heute an diesem Grenzposten vorbeifuhren, hatte er die jordanische Flagge gehißt (das Bild ist alt)

Yossi hat mit Y. studiert, vor vielen Jahren haben sie zusammen auf einem Zimmer gehaust, mit noch zwei anderen, und haben sich alle gut verstanden. Yossi hat gekocht, Rafi hat die theoretischen Hausaufgaben gemacht, Y. die praktischen, und Avner hat allen gute Tips gegeben.  Das war eine gute Arbeitsteilung.Die Freundschaft hat bis heute gehalten, wir treffen uns immer noch. Yossi hat sich als Künstler und Lehrer selbständig gemacht, Rafi ist inzwischen ein hohes Tier beim Militär (er hat sein Maschinenbaustudium beendet und ist dann zum Militär zurückgegangen), Y. ist dem Maschinenbau treugeblieben und Avner sucht nach immer besseren Jobs in allen möglichen Branchen.

Wenn wir uns treffen, kocht Yossi, Rafi erzählt irrwitzige Geschichten, Y. hört zu und Avner prahlt mit seiner jeweils neusten Firma. Wir Frauen haben Kinder im selben Alter, ähnliche Interessen und hören immer gern, was die jeweils anderen beruflich machen. Yardena ist Altenpflegerin, Avners Frau ebenfalls Ingenieurin (aber wesentlich weniger sprunghaft), Rafis Frau ist Lehrerin und ich auch. Wir sehen uns in gemischten Formationen das Jahr über, aber einmal im Jahr, eben zum Laubhüttenfest, sind wir alle zusammen. Es sind auch immer andere Freunde von Yossi und Yardena eingeladen, aber normalerweise sind wir vier Familien die letzten, die noch zusammensitzen, wenn alle anderen schon gegangen sind.

Yardena ist von all meinen warmherzigen, lieben Freundinnen wohl die allerliebste. Sie kann keine Katze miauen sehen, an keinem verlassenen Hund vorbeigehen. Sie hat acht Katzen, vier Hunde (von denen zwei im Krieg ausgesetzt wurden), und füttert außerdem alle wilden Katzen des Kibbuz. Quarta liebt ja Tiere und wäre am liebsten bei Yardena geblieben. (Von Yardena haben wir übrigens auch unseren Luzifer. Ihre Tochter hat ihn und seine Geschwister verlassen in einer Kiste gefunden, als er noch ganz klein war.)

Yardena kümmert sich um Alte, Alleinstehende, und alle, die ein bißchen menschliche Wärme brauchen. Wir kennen inzwischen Yossis und Yardenas Freundeskreis ganz gut. Yossis Freunde sind solide Ehepaare, Yardenas Freundinnen sind alleinstehende Frauen, manche von ihnen vom Schicksal ziemlich gebeutelt.

Yardena hat mal im Fernsehen gesehen, daß manche Eltern ihre Kinder im Krankenhaus zurücklassen, weil sie sie eigentlich nicht wollen. Sie geben sie nicht zur Adoption frei, weigern sich aber auch, die Kinder mitzunehmen. Für solche Kinder werden Pflegefamilien gesucht, und wenn sie nicht gefunden werden, kommen die Kinder in ein Waisenhaus. Yardena hat sich sofort gemeldet, und nach einigem Hin und Her hat sie nun ihr Pflegekind bekommen, einen fünfjährigen Jungen.

Der Kleine machte gar keinen schüchternen Eindruck, wie man vielleicht erwarten sollte, sondern flitzte herum, unterhielt sich ein bißchen mit uns, half Yardena beim Tischdecken und ging hinterher, mit den anderen Kibbuzkindern spielen. Von Zeit zu Zeit tauchte er wieder auf, holte sich einen Armvoll Liebe von Yardena oder ihrem jüngsten Sohn, der auch schon im 10. Schuljahr ist, und ging wieder spielen. Wir hatten keine Gelegenheit, eingehender darüber zu sprechen, und es ist sicher schwieriger, als es aussieht, aber es scheint ganz gut zu klappen. Der Kleine nennt Yardena Mama, und er scheint sich sehr wohl zu fühlen in dem großen Haus, wo überall Katzen liegen oder Hunde rumspringen, und wo die großen Geschwister sich lieb um ihn kümmern.

Ashdot Yaakov

Die Gegend an der jordanischen Grenze, am Südende des See Genezareth, ist ganz anders als bei uns. Bei uns ist es hügelig und bewaldet, mit Kiefern und Felsen und dem Meer nicht weit entfernt. Bei ihnen ist es kahl, die Golanhöhen ragen hinter der Ebene, in der der Kibbuz liegt, empor, und die jordanischen Ortschaften sind ganz nahe. Man fährt weniger als eine Stunde, es ist nicht mal südlicher als unsere Gegend, fühlt sich aber viel südlicher an, fast wie in der Wüste, mit den vielen Palmen und den kahlen Bergen. Wir fuhren gegen Abend, der Himmel wurde schon rot, und ich hatte ein richtiges Feriengefühl.

Wir haben bis vorhin zusammengesessen und es war schön.

Kommentare»

1. Marlin - Oktober 19, 2008, 12:52

Kannst Du nicht ein paar Fotos von den Katzen mit den Hunden machen? Das finde ich immer göttlich. 😀

Klingt doch schön, Dein Bericht.


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