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Wenn sich jemand fragt, August 4, 2008, 5:56

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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wieso Abu Mazen (Mahmoud Abbas) die Fatah-Leute nicht in die Westbank lassen will – hier ist eine Art Antwort, bestimmt nicht die ganze Antwort, aber doch ein Teil. Es ist ja eigentlich viel „absurder“ als die Flucht dieser Männer nach Israel, daß Abu Mazen sie nach Gaza zurückbeordert, wo sie in Lebensgefahr sind. Es wäre doch am logischsten, wenn Abu Mazen der gesamten Sippe einen Neuanfang in der Westbank ermöglichen würde, nicht wahr?

Aber das tut er nicht. Und die Gründe für seine Weigerung zeigen meiner Meinung nach deutlich, warum es zu diesem Zeitpunkt nichts wird mit einem palästinensischen Staat. Weil die Palästinenser selbst entweder nicht können oder nicht wollen. Hamas gegen Fatah, Gazastreifen gegen Westbank, immer partikulare Interessen über allgemeinen Interessen, und immer geht der Konflikt ans Eingemachte. Menschen sterben in diesen Machtkämpfen, und es gibt keine übergeordnete Kontrolle oder Autorität, die das verhindern kann.

Die alte Geschichte von der Sippen- und Stammesloyalität als bestimmendem Element in der palästinensischen Gesellschaft scheint da durch. Hm. Es gibt arabische Staaten, die mit Zwang ihre Bevölkerung dazu gebracht haben, sich der Staatsmacht zu unterwerfen und nicht mehr nur als Sippenangehörige zu reagieren. Ich kann schlecht beurteilen, wie gut solche Staaten funktionieren. Aber die Palästinenser scheinen mir noch nicht so weit zu sein.

Unleugbar hat auch die israelische Politik jahrelang dazu beigetragen, die Bildung einer solchen zentralen Ordnungsmacht zu untergraben. Aus israelischer Sicht logisch, wenn diese Macht jahrzehntelang Arafat hieß, der auf Englisch über Frieden schleimte und auf Arabisch gleichzeitig zum Mord aufrief. Doch Arafat ist schon eine Weile her, und Abu Mazen hätte andere Strukturen aufbauen können. (Auch Arafat hätte das zu Oslo-Zeiten tun können, aber er war unfähig dazu, sich tatsächlich auf eine zivile Zielvorstellung festnageln zu lassen, und hat lieber eine aufregende Intifada angefangen, um nichts und wieder nichts…)

Ich sehe schwarz für die Zukunft der Palästinenser, wenn ich nachvollziehe, wie die einzelnen Grüppchen zueinander stehen. Und wer mich kennt, weiß, daß ich das alles andere als hämisch meine. Es ist eine üble Unterstellung, daß Israel sich freut, wenn die Palästinenser ihre Schwächen ausagieren. Kompletter Quatsch. Für Leute wie uns, die nichts sehnlicher wünschen als ein paar Jahrzehnte Ruhe, Frieden und Stabilität, sind es düstere Aussichten, wenn ihre Nachbarn so zerrissen und uneinig sind, daß einer den anderen nicht vor dem Meuchelmord rettet.

Hier Auszüge aus dem Artikel, unübersetzt, ich bin mal wieder so rücksichtslos, sie auf Englisch zu kopieren.

The Palestinian Authority’s refusal to receive members of the Hilles clan who fled the Gaza Strip Saturday did not come as a surprise to many Palestinians.

Although the Hilles clan has long been known for its loyalty to Fatah, the PA leadership in Ramallah asked Israel Sunday to send almost all those who fled the Gaza Strip back home.

For many of the Hilles clan members, returning to the Gaza Strip is tantamount to a death sentence. However, this did not stop the PA from asking the men to return home.

PA officials explained that the reason behind their refusal to absorb the new „refugees“ was their desire not to encourage other residents of the Gaza Strip to leave.

„Everyone knows that if we allow people to leave the Gaza Strip, almost all the residents living there would try to cross the border into Israel,“ said a senior PA official. „We don’t want to leave the Gaza Strip to Hamas.“

Als ob der Gazastreifen nicht schon in Hamas-Händen wäre. Es wäre sinnvoller, Menschenleben zu retten, und danach zu versuchen, mit der Hamas einen modus vivendi zu finden. Im Gegensatz zu Israel und dem Rest der Welt braucht Abu Mazen das nämlich. Wenn er das gemeinsame Interesse der Palästinenser im Kopf hat, dann muß er mit der Hamas gemeinsam handeln, und die Hamas dazu bringen, das einzusehen. Statt dessen opfert er mal wieder ein paar Flüchtlinge. Historische Vorbilder gibt es ohne Ende. Kant würde sich entsetzt abwenden.

The powerful Hilles clan had established their own „mini-state“ in the Gaza Strip, where they had their own extraterritorial „security zone“ and militia.

The clan, which has long been affiliated with Fatah, had a military training base and a number of small factories for manufacturing various types of weapons.

Several members of the clan were also involved in various types of criminal activities, including murder, rape, kidnappings and extortion, according to sources in the Gaza Strip.

So viel zur Frage, warum Israel diese Männer in der Unterhose über die Grenze gelassen hat. Schon die Unterhose war ein Sicherheitsrisiko. Es sind eigentlich Angehörige einer Privatmiliz.

Bringing dozens of these clan members into the West Bank would have caused a big headache for Abbas, who is still facing difficulties in reining in numerous Fatah gangs that are continuing to roam the streets of West Bank cities and villages.

The last thing Abbas needs is another 180 bitter Fatah thugs from the Gaza Strip patrolling the streets of Ramallah, Bethlehem and Nablus and imposing a reign of terror on the local population.

Wirklich, so eine Situation ist natürlich ein klassisches Beispiel für einen Teufelskreis. Je bedrohlicher die Bandenkriege, desto williger schließen sich Leute zum Selbstschutz den Banden an, was sie wiederum stärkt.

Shortly after the establishment of the PA in 1994, former PA Chairman Yasser Arafat deployed dozens of policemen from the Gaza Strip in a number of West Bank cities. This resulted in an „intifada“ by the residents of these cities, many of whom openly rejected the presence of the Gazans in their communities. In many cases, West Bank families refused to rent out apartments to the „undesirables“ from the Gaza Strip.

The experience was repeated in June 2007 when hundreds of Fatah members fled the Gaza Strip following Hamas’s violent takeover of the area. Most of those who arrived in Ramallah are still finding it impossible to rent apartments in the city.

Nur zur Erinnerung. Die Annahme, daß Westbank und Gazastreifen „natürlich“ zusammengehören, ist unbegründet. Es sind verschiedene Territorien mit verschiedenen geschichtlichen Erfahrungen. In gewisser Hinsicht ist es sinnvoller, wenn beide zu einem „Groß-Israel“ gehören und voneinander getrennt, aber in leicht erreichbarer Nachbarschaft leben. Da ich keine Anhängerin von „Groß-Israel“ bin, weil der Preis mir zu hoch ist, halte ich es im Moment für die sinnvollste Lösung, den Gazastreifen Ägypten zuzuschlagen und die Westbank Jordanien. Natürlich bedanken sich unsere Nachbarn. Sie wollen diese troublemaker auf gar keinen FAll haben. So bleiben die Palästinenser Waisen, die niemand will.

Even the 150 Fatah men who fled to Egypt following the Hamas takeover have not been welcome there or in any other Arab country. In a recent letter to Abbas, the Fatah men, all former residents of the Gaza Strip, complained that they were being held in „military bases“ belonging to the Egyptian army and were being treated as criminals rather than political refugees.

Diese Geschichte ist ein Exemplum für die Schwächen der palästinensischen Gesellschaft. Sie zeigt vielleicht deutlicher als manche historische Analyse, daß die Vorstellung einer ethnischen Identität namens „Palästinenser“ eine dünne Schicht ist, eine Art Furnier. Lautstark eingeklagt, aber inhaltsleer, sobald es um wichtige Fragen oder gegen partikulare Interessen geht. Ich würde die „palästinensische Identität“ nicht gerade eine Chimäre nennen, ein in den 1960ern künstlich entwickeltes Projekt zum Zwecke des Kampfs gegen Israel nennen, obwohl viel dafür spricht, sie als solche anzusehen. Ich bin in der Frage ausnahmsweise mal pragmatisch und sage, nun existiert die Vorstellung einer palästinensischen Identität, wie immer sie auch entstanden ist, und wir müssen sie als Realität behandeln. Aber diese Identität ist noch keinesfalls kräftig genug für die Errichtung eines souveränen, geordneten, zivilen Staats. Das zeigen die Vorfälle der letzten Tage sehr deutlich.

PS: Update: Ich höre gerade in den Nachrichten, daß Ehud Barak die Männer nicht zurückschickt. Eine israelische Menschenrechtsorganisation hat sich dafür eingesetzt, daß Abu Mazens Forderung nicht nachgegeben wird, weil es für die Fatah-Leute lebensgefährlich wäre. Barak versucht also Abu Mazen dazu zu bewegen, sie in die Westbank aufzunehmen.

Kommentare»

1. beer7 - August 4, 2008, 10:13

Danke fuer den guten Text, Lila.

Nur zu einer Randbemerkung moechte ich meinen Senf abgeben.

„Unleugbar hat auch die israelische Politik jahrelang dazu beigetragen, die Bildung einer solchen zentralen Ordnungsmacht zu untergraben. Aus israelischer Sicht logisch, wenn diese Macht jahrzehntelang Arafat hieß…“

Es war Arafat selber, der keine klar organisierte Hierarchie zuliess, sondern einen Wirrwarr von verschiedenen, mit einander konkurrierenden Organisationen aufbaute. Die Faeden liefen erst in seiner Hand zusammen. Das war sein „divide und impera“, wie es auch in anderen arabischen Diktaturen gehandhabt wird. Israel hat nichts dagegen unternommen, weil man sich zur Rabinzeit mehr Effiktivitaet von einem totalitaeren Arafatregime versprach als von einer demokratischeren PA, siehe meinen Text zum Fehlen der pal. Demokratie. http://beer7.wordpress.com/2008/04/07/warum-gibt-es-keine-pal-demokratie-vorurteile-in-der-nzz/

2. aholewik - August 4, 2008, 14:04

Auch ich sage danke, Lila. Ein gelungener und lesenswerter Artikel. Und hier mein Senf: Ich gebe Ihnen völlig recht wenn Sie kurz skizzieren das die Lösung der nahöstlichen Problematik nur durch diese eine radikale Massnahme gelingen könnte: Gaza geht an Ägypten und die Westbank an Jordanien, was wohl auch historisch zu begründen ist.Diese beiden Staaten müssten ihre Souveränität natürlich energisch durchsetzen. Das ist wohl leicht dahergeredet, aber alles andere – all diese road maps und sonstigen Pläne – sind sinnlos weil – wie man’s nimmt – weder Hamastan noch Fatahstan, getrennt oder gemeinsam nachhaltig überlebensfähig wären.

viele nette Grüsse

3. Thatcher - August 4, 2008, 17:17

Nichts könnte besser beweisen, was all das propagandistische Gerede von „Palästina“ als „dem Augapfel der arabischen Welt“, all das heuchlerische Gejammer von den „armen unschuldigen Opfern israelischer Barbarei“ wirklich ist: Lügen.

Anscheinend ist für die 180 Grenzgänger das israelische Gefängnis der richtige Aufenthaltsort: Dreck haben sie sicherlich gehörig am Stecken, aber immerhin werden sie nicht gleich gelyncht. Oder man könnte sie – auch wenn das ihr Todesurteil wäre – gegen Gilad Shalit austauschen, wenn Hamas an diesen Leute so viel liegt.

Warum sollte Israel auf die Propaganda der „palästinensischen Identität“ eingehen und „sie als Realität behandeln“? Macht lieber der Welt klar, dass das von Anfang an eine Lüge war! Israel braucht unbedingt eine viel bessere PR-Maschine, vor allem in Europa, aber auch in den USA! Den ZdJ hierzulande kann man vergessen, der wird eines Tages vor lauter Moslemfreundlichkeit noch die Vernichtung Israels fordern. Aber Eure Todfeinde haben in den europäischen Medien die beste PR-Kampagne gefahren, die es weltweit je gab. Sogar Kriege sind wegen deren Lügen vom Zaun gebrochen worden.

Es heißt immer, dass „Juden die Medien kontrollieren“. Wenn da was dran ist, so merkt man das zumindest nicht, denn hier sieht alles aus, als würden die Medien von den Moslems kontrolliert.

4. Lila - August 4, 2008, 17:26

Thatcher, m.E. ist das Kind in den Brunnen gefallen. 1967 hat noch niemand von den Palästinensern geredet, wir haben es geschehen lassen, daß sie den Begriff für sich okkupiert haben und eine ganze Mythologie aufgebaut haben. Diese Version der Geschicht ist viel zu groß geworden, es ist m.E. sinnlos, dagegen anzukämpfen. Wir werden uns damit arrangieren müssen.

Die meisten Menschen auf dieser Welt glauben, daß die Palästinenser hier ansässig waren und die Juden landfremd sind. Daß die Palästinenser Frieden wollten und die Juden aggressiv hier eingefallen sind. Frag mal Deine Kollegen und Nachbarn, welche Version der Ereignisse von 1948 und 1967 sie kennen.

Das ist der reinste Blödsinn, aber wir haben diese Eisenbahn verpaßt. Wir haben Arafat und die PLO diesen bösartigen Unfug verbreiten lassen und müssen jetzt damit leben.

Ich sehe nicht, wie wir diese Lüge aus der Welt schaffen können. Die Beweise, daß die Propagandamaschine Lügen produziert hat, liegen auf der Hand, aber die meisten Leute glauben sie trotzdem gern.

Versuch mal mit jemandem zu diskutieren, der allen Ernstes glaubt, daß die Gründung des Staats Israel ein aggressiver, widerrechtlicher Akt war. Und die gar nciht wissen, daß fast gleichzeitig auch ein Staat für die ARaber gegründet wurde, nämlich Jordanien. Und so weiter. Die meisten Leute wissen es nicht und wollen es nicht wissen.

Frag mal, wer gegen wen war im Schwarzen September. Wer die meisten Moslems auf dem Gewissen hat. Du wirst Antworten kriegen, daß sich dir die Haare sträuben…

Wieso glauben alle Leute die Lügengeschichten? Tja, anscheinend sind die Juden, die die Medien kontrollieren, extrem masochistisch veranlagt.

5. grenzgaenge - August 4, 2008, 19:18

„Versuch mal mit jemandem zu diskutieren, der allen Ernstes glaubt, daß die Gründung des Staats Israel ein aggressiver, widerrechtlicher Akt war.“

oh ja … das ist ein voellig sinnloses vergnuegen. aber der boesartige grenzgaenger mit seiner lust zu provozieren freut sich immer wenn sein diskussionspartner langsam rot anlaeuft.

tja, totgesagte leben laenger. wenn ich wieder provoziere sind sind meine freunde gluecklich.

😉

6. Stefan - August 4, 2008, 23:00

Es ist doch einfach bezeichnend, dass diese Clan-Milizionäre sich eher in die Obhut der „brutalen, zionistischen Besatzer“ flüchten, als mit den „demokratisch gewählten Friedenskämpfern“ eine konstruktive Diskussion über Humanismus zu führen.

7. flowerkraut - August 5, 2008, 0:16

off topic:
„Israel braucht unbedingt eine viel bessere PR-Maschine, vor allem in Europa, aber auch in den USA! Den ZdJ hierzulande kann man vergessen, der wird eines Tages vor lauter Moslemfreundlichkeit noch die Vernichtung Israels fordern.“

ähm … der ZdJ (Zentralrat der Juden),selbst wenn das nicht in alle deutschen Hirne hineinpassen will, ist und war nie als PR-Maschine für Israel gedacht, sondern er ist ein Selbstvertretunggremium der hier lebenden Juden. Dass viele Juden verwandschaftliche und freundschaftliche Beziehungen zu Israel haben und ihnen auch daher viel am Wohlergehen Israels gelegen ist, hat nichts mit PR-Maschine zutun.
Und wenn der ZdJ sich für einen respektvollen Umgang mit den in D lebenden Moslems, insbesondere Türken, einsetzt, so ist das richtig, hilfreich und vielleicht gelegentlich leider notwendig.

Herr oder Frau Thatcher, nicht jede/r muss ihr Feindbild haben, obwohl es sich so für manche offentsichtlich einfacher lebt. Wie die Alten sungen, so … Vielleicht ist das aber nur eine Frage des Anstandes?!

8. Lesetipps: Nahost und Olympia | ANDERSDENKEN20 - August 5, 2008, 9:06

[…] Letters from Runghold: Wenn sich jemand fragt, […]

9. Rika - August 5, 2008, 11:34

Gestern wurde bei HAZ-online eine Verknüpfung hergestellt zwischen den fliehenden Fatah-Anhängern und einem Protestschreiben der „Ärzte für Menschenrechte“, die darin beklagen, dass pal. Kranke zunächst einmal vom Geheimdienst verhört werden, bevor sie medizinisch behandelt werden. Diese Verknüpfung kam mir als unlautere Berichterstattung vor, zumal sie hier in Deutschland bekannte Vorurteile hinsichtlich Israels nur bestätigt.

Aus dem, was ich im Internet erfragen konnte, entnahm ich, dass das eine Gruppe israelischer Ärzte sind, die sich für die Behandlung palästinensischer Patienten einsetzen und dabei immer wieder an Restriktionen seitens der israelischen Regierung scheitern oder durch sie in ihren Aktionen behindert werden.
Sehe ich das durch eine falsche Brille und weißt Du mehr darüber?

(Ich habe keine Kontaktstelle zu Dir gefunden, daher hier der Eintrag, den Du gerne löschen kannst, weil er ja mit dem eigentlichen Thema nicht soo viel zu tun hat.)
LG
Rika

10. eran - August 5, 2008, 13:24

Rika,

palästinensische Terroristen wurden in der Vergangenheit teilweise gleichzeitig Bett an Bett mit Opfer ihrer Anschläge in isr. Krankenhäuser behandelt.
In den neuesten Bildern sah ich Krankenwagen der roten Davidstern, der die Fatah Leute ins israelischen Krankenhaus liefert.
Von Ärtze, die Restriktionen erfahren sollten habe ich bisher noch nicht gehört.

11. Lila - August 5, 2008, 14:04

Hier ist die Website der Organisation Physicians for Human Rights. Wie Betselem und Adalah und Taayush sind ihre Mitglieder überzeugte Linke, Überreste der Friedensbewegung und israelische Araber.

Du wirst der Website der Organisation entnehmen können, daß sie Erwägungen in punkto Sicherheit grundsätzlich als Schikane abtun. Angesichts der zynischen Art und Weise, mit der Palästinenser immer wieder humanitäre Angebote Israels für Terrorangriffe ausgenutzt haben, halte ich diese Unterstellungen für bestenfalls blauäugig. Oder bösartig.

Es gibt so viel humanitäres Engagement von israelischer Seite für Araber und für Hilfsbedürftige aller Art (Save a child´s heart ist nur ein Beispiel). Und umgekehrt – nichts. Welcher palästinensische Verein kümmert sich um irgendwas außer um palästinensische Angelegenheiten? Was würde einem Israeli passieren, der in Gaza um Hilfe nachsucht?

Diese Vorwürfe sind lächerlich. Seit wann wollen die Bewohner des Gazastreifens israelische Hilfe? Sie nehmen sie gern an, wenn sie geboten sind. Aber als Dank bekommen wir Bomben, Mörsergranaten und Qassamraketen.

Die ehrenhaften Motive der Physicians for Human Rights mögen vorhanden sein, und ich habe oft genug Geschichten verlinkt von palästinensischen Patienten und ihren Familien, die in Israel behandelt wurden und sich dankbar äußerten. Aber diese Organisationen sind allzuoft williges Instrument in einem Propagandakrieg, in dem es um die einzelnen Patienten gar nicht mehr geht.

Wie wäre es, mal weniger Geld in Waffen und mehr in Medizin zu stecken? Aber fern sei es von all den großzügigen Spendern, zu kontrollieren, wo ihr Geld hingeht.

IHR Geld? EUER Geld. Es sind auch deutsche Steuergelder, die da untern versickern. Schade drum.

Jedenfalls gibt es viel mehr gutwillige Israelis, die sich um die Palästinenser sorgen, als umgekehrt. Auch diese Asymmetrie entgeht den meisten ausländischen Betrachtern komplett, da sie das Schema Israelis-Täter, Palästinenser-Opfer einfach nicht loswerden.

12. rika - August 5, 2008, 14:49

Danke für Deine Antwort,
Lila,

so etwas ähnliches habe ich befürchtet 😉

13. grenzgaenge - August 5, 2008, 15:46

„Aber fern sei es von all den großzügigen Spendern, zu kontrollieren, wo ihr Geld hingeht.“

liebe lila,

ich glaube das ist der kern der sache. man kann entwicklungshilfe durchaus fuer sinnvoll halten. aber entwicklungshilfe deren verwendung nicht kontrolliert wird ist nicht nur unsinnig, sondern gefaehrlich. das hatte ich im zusammenhang mit der „palaestina konferenz“ in berlin an aussenminister steinmeier geschrieben. ausser einer netten formalen antwort habe ich nichts mehr zum thema gehoert. mir waere es lieber gewesen der antwortdienst des auswaertigen amtes haette auf nette, nichtssagende, floskeln verzichtet und sich zur sache geaeussert. das ist aber von menschen im diplomatischen dienst wohl zu viel erwartet. so werden entwicklungshilfegelder auch weiterhin dazu dienen schoene waffen zu kaufen und einzusetzen. traurige welt.

viele gruesse,
der grenzgaenger

14. grenzgaenge - August 5, 2008, 16:05

p.s. die gutwilligen israelis bzw. die gutwilligen organisationen. ich stimme mit lila ueberein das diese gutwilligkeit eigentlich eine gute sache ist. doch das gegenteil von gut ist nicht schlecht. das gegenteil ist „gut gemeint“. die arbeit der in kommentar 11 genannten organisationen ist eben „gut gemeint“. es ist tragisch das sich diese leute vor einen bestimmten karren spannen lassen. vielleicht merken sie es vor lauter gutwilligkeit nicht mal.

das es auch anders geht zeigt nach meiner bescheidenen meinung z.B. amoz os. nicht nur ein grossartiger schriftsteller (ich verschlinge seine buecher), sondern ein linker, aktiv in der friedensbewegung, gegen siedlungen usw. nein, ich habe meine meinung nicht geaendert. ich wuerde mich immer noch fuer die „andere“ seite entscheiden. das ich kein pazifist bin duerfte klar sein.

trotzdem habe ich respekt vor menschen wie amos oz, die bei aller friedensbereitschaft zeigen das es eine grenze des pazifismus gibt, das es dinge gibt die nicht diskutierbar sind. die grenze ist die existenz des staates israel, die grenze liegt in der sicherheit des staates.

ich wuerde mir weniger „aerzte fuer die menschenrechte“ und mehr menschen wie amos oz wuenschen.

15. Thatcher - August 5, 2008, 20:07

@Flowerkraut
Meinetwegen könnte sich der ZdJ auch selbst als PR-Maschine für Israel verstehen. Ich hätte damit kein Problem. Die notorischen Antisemiten haben ja nicht gegen PR was, sondern gegen die Juden und gegen Israel. Es ist einfach töricht, angesichts der niederträchtigen und verlogenen Kampagnen, die Eure Feinde fahren, die Öffentlichkeitsarbeit weiterhin als „unsaubere Aktivität“ zu vernachlässigen.

Der ZdJ schießt sich aber mit seinem Verhalten seit Paul Spiegels Tod 2006 nur noch in den eigenen Fuß. Peinlich, das mit anzusehen – und gefährlich für diejenigen, die dieser Institution immer noch vertrauen. Sie verdient es nicht mehr.

Und zum allerletzten Mal für den Ignoranten: Wer sich mit dem Islam beschäftigt, der muss sich nicht erst ein Feindbild entwerfen. Es stellt sich ganz von selbst ein. Lies den zuletzt bei Manfred erschienenen Artikel. Der Islam erklärt alles Nichtislamische für minderwertig und vernichtenswert, ohne sich en detail damit auseinanderzusetzen. Dagegen hilft nur, sich zu wehren, was auch völlig legitim ist. Aber das klappt nicht, wenn die Dummköpfe immer wieder von „Feindbild“ schwafeln, und dass sich gegen diesen mörderischen Totalitarismus zur Wehr zu setzen ja ach so bööööse sei.

16. Readers Edition » Lesetipps: Nahost und Olympia - August 7, 2008, 3:17

[…] – Letters from Runghold: Wenn sich jemand fragt, […]

17. Chajm - August 7, 2008, 12:01

@Thatcher
Es gibt sie noch! Die Menschen mit klarem Feindbild und eindeutiger Schwarz-Weiß-Denke. Hätte ich gar nicht gedacht. Diesem Denken kann der Zentralrat natürlich mit differenzierten Meinungen und Verlautbarungen nichts entgegensetzen.

18. willow - August 7, 2008, 13:52

@Chaim:

Dann erkläre mir doch bitte, warum der Zentralrat seit einiger Zeit ganz demonstrativ den Judenhass der moslemischen Bevölkerung herunterspielt… ganz ehrlich, ich wünschte mir, diese Form des Judenhasses würde ganz genauso verurteilt wie es der christlich und/oder „europäisch“ motivierte….. Aber egal ob es über alltägliche Pöbeleien geht, um den Angriff auf einen Rabbi in Frankfurt oder letztens erst die fürchterliche Holocaustrelativierung eines Herren Faruk Sen – die Reaktionen der ZDJ-Leute in diesem Zusammenhang schienen mir schon seeehr zurückhaltend wenn nicht, wie im Fall Sen befremdlich.

19. Chajm - August 7, 2008, 16:07

Wie soll man etwas erklären, was faktisch nicht der Fall ist? Der Antisemitismus unter jungen Leuten deren Eltern aus moslemischen Ländern einwanderten, war längst Thema. Nur ist hier das Thema sachlich angegangen worden. Es ist nicht unbekannt, dass islamistische Propagandasender auch antisemitische Sendungen ausstrahlen die auch hier empfangen werden können. Zum Film „Tal der Wölfe” beispielsweise gab es die eindeutige Forderung nach Absetzung des Films. Der wurde natürlich nicht nachgekommen.

Der Fall Sen ist etwas komplexer, als ihn auf die „Holocaustrelativierung” herunterbrechen zu können. Auch dazu gibt es eine weitaus differenzierte Meinung

20. kaltmamsell - August 13, 2008, 11:37

Eben in einem Blogeintrag über die mögliche Zukunft von TV-Nachrichten (http://www.coffeeandtv.de/2008/08/12/die-zukunft-ist-ein-erklarbar/) gefunden: eine Diplomarbeit in Form einer kurzem Filmerklärung des Nahost-Konflikts. Sehr sehenswert:

21. Wolfram - September 13, 2008, 10:34

Hm.
Mir kommt da ein Gedanke, der sicherlich absurd und träumerisch ist, aber…

wenn Gaza in Hamas-Hand ist und die Westbank von der Fatah regiert… warum gründet dann die Fatah nicht in der Westbank einen Staat und läßt Gaza, wo es ist? Möglicherweise würden die Dinge für Israel mit einem kleinen, halbwegs (!) vertrauensfähigen Nachbarn zur einen Seite einfacher als wie jetzt, wo man zwischen zwei Teilen eines möglicherweise irgendwann Hamas-Staates (oder sowas ähnlichem) eingeklemmt ist.


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