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Schlaufüchse Juni 29, 2008, 10:14

Posted by Lila in Presseschau.
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beschießen einen Grenzübergang in den Gazastreifen.

Palestinians fired a number of mortars Saturday evening toward the Karni crossing on the Gaza-Israel border. It remains unclear whether the shells landed in Israeli or Palestinian territory. No injuries or damage were reported in the attacks.

Und was macht Israel? Richtig, hält sich lammfromm an die Abmachung und öffnet die Grenzübergänge.

Despite repeated Palestinian violations of the agreed upon truce, Israeli Deputy Defense Minister Matan Vilnai decided Saturday that the Gaza crossings will be reopened on Sunday.

Some eighty trucks loaded with equipment and goods are expected to enter the Strip through the Sufa crossing. The Nahal Oz fuel terminal was reopened on Friday to allow the transfer of fuel to Gaza in a limited capacity.

Wie nennt man sowas in deutschen Medien? Richtig: Spirale der Gewalt.

Kommentare»

1. grenzgaenge - Juni 29, 2008, 11:46

lila, es ist wirklich schade das israel sich „lammfromm“ an irgendwelche abkommen haelt die von den palaestinensern laengst gebrochen worden sind. was die deutschen medien angeht: vergiss es. die werden so lange von einer „spirale der gewalt“ reden wie deren leser, zuhoerer und zuschauer das lesen, hoeren und sehen wollen.

2. olaf61 - Juni 29, 2008, 12:38

In den deutschen Medien sitzen die Erben Goebbels. Von denen darf man nichts erwarten, schon gar nicht, objektiv zu berichten. Irgendwie verübeln sie den Juden immer noch, dass DIE ENDLÖSUNG unterbrochen wurde.

Granatwerferbeschuss ist die Steigerung des palästinensischen Terrors. Da gibt es keine Vorwarnzeit. Aber das interessiert in Deutschland keine Sau.

3. hendrik - Juni 29, 2008, 14:04

Jaja, die bösen deutschen Medien….

Interessant sind doch eigentlich zwei ganz andere Dinge:

Erstens, dass die Hamas offensichtlich nicht in der Lage ist, die anderen militante Gruppen oder eigene Unterguppen oder wer immer da feuert zu kontrollieren. Dabei gehe ich davon aus, dass der Hamas an einer vorübergehenden Einhaltung der Waffenruhe gelegen ist. Anderes würde keinen Sinn machen!

Zweitens, dass Israel nach wie vor nicht bereit ist, mit den Palästinensischen Waffenstillstandsverletzungen öffentlichkeitswirksam umzugehen. Und zwar sowohl gegen über Gaza als auch der EU. Irgendwie ehrt es zwar Israel, dass sie den Eindruck erwecken wollen, damit allein fertig werden zu können (kann es sicher auch) – aber dann darf es sich wundern, wenn es den PR-Krieg gegen das stete lautstarke Wehklagen der Palästinenser verliert. So eine Granate, die irgendwo niedergeht, ist entweder gar nicht oder spätestens beim zweiten mal außerhalb Israels kein Medienergeignis mehr. So funktionieren auch und gerade seriöse Medien, unabhängig ob da jetzt die angenommenen „Goebbels Erben“ oder jemand israelfreundliches wie ich am SZ, FAZ , Tagesschau, Welt oder FR Newsdesk säßen, die Nachrichtenauswahl währe wahrscheinlich exakt die Gleiche, glaubt mir.
Daraus muss erst ein Ergeignis gemacht werden. Durch Proteste bei der UNO, der EU, durch das Öffentliche Nachdenken über die nächsten Schritte, das Einschalten externer Schiedsrichter. Einfach durch viel TamTam. Solche Verletzungen der Waffenruhe wären Steilvorlagen, der Welt zu zeigen, dass hier nicht nur Israel, sondern die ganze Welt vera…..t wird. Aber Israel leidet lieber in stiller Größe und vertraut auf ein bisschen Empörung bei uns Wohlgesinnten und den Amerikanern. Und das versteh ich nicht.

4. Lila - Juni 29, 2008, 14:09

Hendrik, ich versteh´s auch nicht.

Wirklich nicht.

Mit meinem letzten Satz wollte ich weniger die armen Medien bashen als einfach nur sagen: von Spirale kann ja wohl keine Rede sein. Ich hätte wohl besser nicht die Medien erwähnt, sondern den allgemeinen deutschen Nahostexperten 😉 Bitte um Verzeihung.

Was die Kontrolle der Hamas angeht: wenn sie wollten, können sie. Ich hoffe, sie ziehen das durch. Sie wissen genau, wen sie dafür verhaften müssen.

Meanwhile one of Hamas‘ top chiefs, Mahmoud al-Zahar said the group would lock up anyone breaching the ceasefire and said several members of armed groups had already been arrested.

„There is an agreement between Islamic Jihad and Hamas stating that all people from Jihad or Hamas, who violate this accord will be arrested and their weapons confiscated,“ al-Zahar was quoted as saying in the Palestinian daily Al-Quds.

„People have already been arrested. Some opened fire on lorries and others fired rockets at the Nahal Oz (oil facility),“ al-Zahar added.

5. grenzgaenge - Juni 29, 2008, 14:35

doch, lila, mit der erwaehnung der medien liegst du genau richtig. schliesslich sind medien (leider) meinungsbildend.

6. Lila - Juni 29, 2008, 14:38

Ja, aber ohne konkrete Beweismittel hing das ein bißchen in der Luft. Medien sind nicht gleich Medien. War zu generalisierend und sorglos hingeschrieben.

7. Mikado - Juni 29, 2008, 14:50

Wie man’s „richtig“ macht, kann man mal wieder bei der leider garnicht so putzigen Ulrike sehen. Man muß nur eine israelische Zeitung zitieren, die sich auf „irgendwelche Quellen“ bei der UN beruft und schon passt’s:

„Am Freitag berichtete die israelische Tageszeitung „Yedioth Achronoth“ unter Berufung auf eine Quelle bei den Vereinten Nationen, dass es vor allem Israel sei, das die Waffenruhe in den vergangenen Tagen wiederholt gebrochen habe. Sieben Mal hätten israelische Soldaten bis zu zehn Minuten lang auf Palästinenser innerhalb des Küstenstreifens gefeuert. Zumeist habe es sich bei den Angegriffenen um Bauern gehandelt, die versucht hätten, zu ihren Feldern entlang der Grenze zu gelangen. Ein 70-Jähriger sei angeschossen worden, als er um sieben Uhr morgens Holz sammeln gewesen sei, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Uno-Quelle.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,562566,00.html

8. Lila - Juni 29, 2008, 15:01

Wobei die Yedioth nur berichteten, daß die UNO so berichtet. Ich finde den Originalbericht via Aussie Dave. Yedioth (Ynet) hat also diesen Bericht nicht bestätigt, wie Ulrikes Formulierung zu verstehen gibt, sondern diesen Satz hinzugefügt:

However the UN report does not include the Qassam fire launched towards the Negev during the day.

Wenn man die originale Meldung liest, sieht man genau, wie U.P. sie manipuliert und es so hindreht, als würde eine israelische Quelle der UNO Recht geben. Recht kühn.

Das ist übrigens dieselbe UNO, die sich willig von den islamischen Ländern einen Maukorb anlegen läßt.

Muslim countries have won a battle to prevent Islam from being criticised during debates by the UN Human Rights Council. Religions deserve special protection because any debate about faith is bound to be “very complex, very sensitive and very intense”, council President Doru-Romulus Costea said Wednesday.

On Monday Egypt, Pakistan and Iran angrily protested attempts by a humanist group to link Islam to human rights abuses such as female genital mutilation and so-called honour killing of women. The interventions sparked a heated debate which threatened to sour the mood of the meeting.

Wie die UNO es schafft, ihren Ruf als Hort der Objektivität zu bewahren, ist mir schleierhaft.

9. Mikado - Juni 29, 2008, 16:16

Ja, die Ulrike fährt immer die gleiche Masche. Wenn man sich mal anschaut, wer denn diesen Sauladen von UNO finanziert und wer da anscheinend das Sagen hat, kann man sich nur noch wundern. Die USA, EU und Japan zahlen fast den ganzen Laden, haben anscheinend nichts oder sehr wenig zu melden.

Aber noch zur Ehrenrettung der deutschen Medien. Es gibt durchaus seriöse und peinlich genau recherchierte Berichte. Wie z.B. dieser hier: 🙂

10. hendrik - Juni 29, 2008, 17:02

Ja, die UNO ist eine Sache für sich. Der Nahostkonflikt ist leider einer der Marker, die zeigen, dass die Strukturen der UNO für andere Verhältnisse und Zeiten mit anderen Aufgaben geschaffen wurden. Zumindest nicht vordergründig als der neutrale Schiedsrichter, als der sie heute gerne gesehen wird.
Übrigens halte ich in diesem Fall das UN Bashing ausnahmsweise für übertrieben, da es sich bei den UN-Quellen um den Bericht einer Regionalbeaufragten (Lisa Buttenheim) vor dem Sicherheitsrat am 27.6., wie es denn in den letzten Tagen so lief mit dem Waffenstillstand. Hat ganze 21 Minuten gedauert. Neben viel politischem Bla Bla ist der Bericht anders als Ynet berichtet nicht einseitig.
„But while calm had prevailed for several days, Palestinian militants fired one mortar and three rockets at southern Israel on 24 June, with the Islamic Jihad claiming responsibility for the rocket fire in response to the Israel Defense Forces killing of one of its members in the West Bank. A Palestinian farmer had been injured in Gaza by the Israel Defense Forces on 23 June, and in a separate incident another farmer had been reportedly injured by Israel Defense Forces fire on 25 June. Another rocket had been fired from Gaza into Israel on the same day, and today, two mortar shells were fired. In response, Israel closed the border crossings for the past three days.”
Also immerhin 4 Raketen und 3 Granaten in den letzten Tagen wurden verzeichnet.
Die IDF gibt sich laut Ynet übrigens kryptisch und verneint Angriffe, räumt aber verschiedene Vorfälle (Incidents) ein. Die IDF Reports reden auch davon, dass Ziele in Gaza „targeted“ wurden, was immer sie damit sagen wollen.
In diesem Zusammenhang ist der putzige Bericht im Spiegel im ersten Teil handwerklich weitgehend ok, sie bringt sogar zuerst an prominenter Stelle die Angriffe auf die Dörfer im Negev und präsentiert die Aussagen von Ynet und UN sauber im Konjunktiv, der dafür da ist, die Verlässlichkeit der Aussagen zu relativieren. Rätselhaft ist einzig, warum sie nicht gleich den UN Bericht zitiert, sondern den Umweg über Ynet nimmt. Wenn wir ihr Böswilligkeit unterstellen, warum hat sie dann nicht auch den Hinweis auf das Eingeständnis der IDF von Ynet übernommen? Wahrscheinlich ist sie einfach nur am 27. nicht an die UN Papiere heran gekommen. Ynet muss scheinbar ungefähr 16 Stunden vor dem Sicherheitsrat eine Vorabversion zugesteckt bekommen haben und war darum die beste verfügbare Quelle!
Ansonsten erklärt sie doch schön die zynischen Hintergedanken von Hamas und Fatah im Für und Wider der Waffenruhe und auch die Meinungsunterschiede zwischen Livni und Barak sind – so sie stimmen – interessant und berichtenswert.
Erst im letzten Teil des Textes könnte man ihr vorwerfen, dass sie die Kritik des Hamasniks an der Blockade nicht mit dem Hinweis kontert, dass es da einen vereinbarten Mechanismus zwischen Blockade und Waffenruhe gibt, der noch nicht zum tragen kommen kann.
Aber im Großen und Ganzen ….
Mensch… jetzt verteidige ich schon die Putz…

11. Lila - Juni 29, 2008, 17:26

Aber das ist doch gut, Hendrik. Mir stehen die Augen schon überkreuz, wenn ich bloß ihren Namen lese, gut, daß Du ein bißchen Quellenkunde getrieben hat 😉

12. Mikado - Juni 29, 2008, 20:36

@hendrik

Jetzt hast du aber die Überschrift des Artikels unterschlagen:
„Wie Hamas und Israel den Waffenstillstand gefährden“.

13. Wochenend-Schaschlik « abseits vom mainstream - heplev - Juni 29, 2008, 22:21

[…] Lila hat recht: Was man in Deutschland „Spirale der Gewalt“ nennt, sieht in Wirklichkeit so aus, wie im jüngsten Beispiel: Die Terroristen brechen ständig die Waffenruhe, beschießen Samstagabend schließlich auch noch Grenzübergänge mit Mörsern – und Israel, statt diese geschlossen zu halten und die Terroristen zu jagen, wie es sein gutes Recht wäre, öffnet sie und lässt Waren in den Gazastreifen. Nun, den Terror-Apologeten wird das auch nicht reichen… […]

14. Mikado - Juni 30, 2008, 9:20

@hendrik
Also ich bleibe dabei, fast in jedem Artikel von Ulrike Putz befindet sich irgendeine Gehässigkeit gegenüber Israel. Das mit dem Konjunktiv ist ja recht und schön aber wie du selbst festgestell hast:

„Übrigens halte ich in diesem Fall das UN Bashing ausnahmsweise für übertrieben, da es sich bei den UN-Quellen um den Bericht einer Regionalbeaufragten (Lisa Buttenheim) vor dem Sicherheitsrat am 27.6., wie es denn in den letzten Tagen so lief mit dem Waffenstillstand. Hat ganze 21 Minuten gedauert.“

Und warum bitte landet diese fünftklassige Meldung einer Regionalbeauftragten in dem Bericht von UP? Also UP ist doch ein Profi und kann die Qualität solcher Meldungen einschätzen, oder nicht? Beweise ? Fehlanzeige. Der Konjunktiv nützt hier auch nicht viel, der kommt beim „normalen“ Leser eher nicht an. Also was steckt dahinter? Spreading rumors? Natürlich sollte man solche Berichte nicht überinterpretieren, die Berichte werden halt auch mal schnell zusammengenagelt und online gestellt, aber bei UP scheint mir das eher Methode zu haben. Heute befindet sich bei SPON eine Artikel zum aktuellen Tausch mit der Hisbollah von UP. Und wo hat sie diesmal die kleine Gehässigkeit versteckt ?

„Die militärische und politische Führung Israels dürfte nun gefragt werden, warum sie ihr Wissen um den Tod der beiden Soldaten nicht schon vorher mitgeteilt hat, und sei es nur den Angehörigen. Die Familien Goldwasser und Regev warteten am Sonntag vor dem Jerusalemer Regierungsgebäude auf dem Kantstein sitzend auf das Ergebnis der Kabinettssitzung, als sie durch Reporter davon erfuhren, dass Olmert die beiden Minuten zuvor für tot erklärt hatte. Sie zeigten sich erleichtert, endlich Gewissheit zu haben, waren aber sehr befremdet über den Informationsstil ihrer Regierung.“

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,562836,00.html

Ich kann das mit dem Kantstein nicht nachprüfen, vielleicht war’s ja wirklich so!

15. Lila - Juni 30, 2008, 9:34

Miki Goldwasser hat sich hinterher in einem Interview im Channel 10 bei Rafi Reshef beschwert, daß sie stundenlang draußen gewartet hätten (sie sind auch wirklich unablässig interviewt worden, es fand eine Demo statt und zwischendurch setzte sich Karnit wirklich auf den Bordstein, um mit ihrer Mutter zu telefonieren, die ihr per Telefen den Brief von Smadar Haran vorlas). Sie meinte auch, niemand hätte ihr Genaueres über den Deal erzählt, obwohl in Ynet stand, daß sie bei Olmert im Büro waren und der ihnen alles mitgeteilt hat, was er selbst zu dem Zeitpunkt wußte. Was Karnit auch hinterher bestätigt hat.

Kurz, ein bißchen Durcheinander, aber wohl kaum der Hauptpunkt bei der ganzen Geschichte. In diesem Artikel sieht man Bilder der Szene. Sie spielen sich draußen ab, weil es wirklich ein öffentliches Ereignis war.

Das Kabinett hat mit überwältigender Mehrheit für den Deal gestimmt. Nicht alles, was dort besprochen wurde, eignet sich für unsere Ohren oder für die der Familien. Es ist schon so zu viel durchgesickert.im Vergleich zu anderen Ländern haben hier Familien wie die Goldwassers, Regevs und Shalits wirklich eine Stimme und man hört ihnen zu.

Und daß die beiden tot sind, wurde oft genug angedeutet, mehr oder weniger deutlich. Miki Goldwasser selbst hat gestern gesagt, sie glaubt es nicht, denn es sind schon Fehler vorgekommen. Das stimmt, und ich würde gern für sie hoffen, daß ihr Sohn tatsächlich noch lebt. Aber von Anfang an war klar, daß sie schwer verletzt waren und es hat nie ein Lebenszeichen von ihnen gegeben.

16. hendrik - Juni 30, 2008, 10:52

@ Mikado
Zur Überschrift: Sie gibt die Grundaussage des Textes wieder. Und wenn die IDF da wirklich einige „Incidents“ einzugestehen hat, wie Ynet andeutet, dann ist sie faktisch leider richtig.

Zur fünftklassigen Meldung: Also ich weiß nicht, was daran fünftklassig sein soll. Der UN-Sicherheitsrat will nach ner Woche Waffenstillstand wissen, wies denn so läuft. Das ist verständlich und löblich. Also fragen sie ihre Beauftragte für die Region. Die sagt, die Palis schossen da und dann mit Raketen, die Israelis da und dann mit Gewehren. Begründeten Zweifel gibt es nicht, und der Sicherheitsrat ist nicht die Generalversammlung oder irgend ein propalästinensisches Menschenrechtskommitee. Statt eines klaren Dementi eiern die IDF plötzlich herum und auch die Israelische Regierung widerspricht dem UN Bericht nicht. Zumindest bis heute hab ich in den englisch sprachigen Quellen nichts gefunden.

UP und SpOn, die davon ausgehen, dass das es die Leser auch interessiert wie die Waffenruhe läuft, lesen vom Bericht und bringen dazu einen Text mit den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen. Das ist legitim, verständlich und löblich.

Zum Kantstein/Bordstein: Die Darstellung der Fragen und Themen, die eine andere Gesellschaft bewegen und sie auch am Verhalten ihrer Regierungen zweifeln lassen, ist keine Gehässigkeit, sondern die originäre Aufgabe eines Auslandskorrespondenten. Dass sowas bei Frankreich, Israel, England oder den USA öfter passiert als in Berichten über den Iran, Saudi Arabien oder Syrien liegt auch nicht an Gehässigkeiten, sondern daran, dass die einen pluralistische Gesellschaften sind und die anderen primitive Diktaturen, in denen sowas entweder nicht offen diskutiert wird oder gesundheitsschädlich sein kann.
Gerade hier ist es doch nachvollziehbar: Das Thema hat eine politische und emotionale Komponente. Bei Letzterer will der Leser wissen: wie gehen die Betroffenen mit sowas um, wie geht es der Familie, egal ob es sich dabei um deutsche Entführungsopfer oder israelische Soldatenmütter handelt. Das ist vielleicht sogar etwas Voyeurismus, aber es ist auch die Herstellung wichtiger emotionaler Verbundenheit, wenn hier eine Mutter gezeigt wird, die trauert und zugleich dankbar ist, aber auch den Umgang mit ihr von Seiten der Regierung kritisiert. Die sich nicht hinstellt und sagt: „Hurra, mein Sohn ist ein Märtyrer“, wie das andere Mütter in der Region zuweilen tun. Diese Trauer dieser israelischen Mutter ist der der Mütter der in Afghanistan und auf dem Balkan gefallenen Bundeswehrsoldaten, über deren Andenken durch ein Mahnmal gerade ideologische Grabenkämpfe geführt wurden, ähnlicher, als es viele meinen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes hier ungleich geringer ist.

Ich fühle mich bei solche Diskussionen übrigens öfter an die DDR Presserichtlinien erinnert, wo erwartet wurde, dass aus Bruderstaaten nur undifferenziert die schönen Verlautbarungen der Regierungen wiedergegeben werden. Wo aus politischen Gründen für den grundsätzlich dummen und verführbaren Leser entschieden wurde, was er wissen sollte und was lieber nicht, damit er nicht auf falsche Gedanken kommt.

17. willow - Juni 30, 2008, 11:47

Ich fühle mich bei solche Diskussionen übrigens öfter an die DDR Presserichtlinien erinnert, wo erwartet wurde, dass aus Bruderstaaten nur undifferenziert die schönen Verlautbarungen der Regierungen wiedergegeben werden. Wo aus politischen Gründen für den grundsätzlich dummen und verführbaren Leser entschieden wurde, was er wissen sollte und was lieber nicht, damit er nicht auf falsche Gedanken kommt.

Zustimmung! Genau nach diesen Richtlinien scheinen „unsere“ Medien tatsächlich zu arbeiten! Sie sind pro-palästinensisch und anti-israelisch, denn alles andere würde ja die Konsumenten verunsichern. Folgerichtig wird denen, die (wie Lila) Israel und das Leben in diesem Land auch mal etwas positiv schildern, gar Sympathien für seine Bewohner äußern, so gerne einseitige Propaganda vorgeworfen! Warum werden wir solche Berichte nie (na gut, nur extrem selten…) in einem deutschen Nachrichtenmagazin finden?

http://www.gegenstimme.net/2008/06/28/doppelte-standards/#comments

18. Lila - Juni 30, 2008, 12:40

Gisela Dachs hat aus Israel ohne blinde Liebedienerei, aber ehrlich und imo zutreffend berichet. Josef Joffe hat Israels Position oft erläutert.

Ulrich Sahm ist auch alles andere als anti-israelisch.

Aber dann wird es schon dünn 😉

Mehrere ARD-Korrespondenten haben ja nach ihrem Aufenthalt hier ihrem Herzen Luft gemacht und rausgelassen, wie Sch… sie Israel eigentlich finden und wie überflüssig. Und zwar in einem so unsachlichen, teilweise gehässigen Ton, daß sie sich eigentlich post festum disqualifizieren.

Manchmal sind im Kölner Stadtanzeiger oder im Berliner Tagesspiegel Beiträge, die Israel nicht nur durch die Apartheids-Brille sehen.

Hmmm. Aber ich lese ja nicht alles.

Im Großen und Ganzen würde ich aber auch sagen, die deutsche Bevölkerung hat ihre Seite gewählt, die deutschen Medien richten sich danach und unterfüttern diese Wahl mit Faktoiden und der deutschen Politik ist es peinlich.

Was man dagegen tun kann? Nichts, denke ich. Ich sehe es mir an, mal schmerzt es mich, mal ärgert es mich (Unwissenheit ist nun mal schwer erträglich, Lüge noch schlimmer), mal lächert es mich, mal ist es mir egal.

Aber ach, wie schön war es, als mir das noch nicht bewußt war! Bevor es das Internet gab, wo ich alles nachlesen kann…

Vergessen wir auch nicht die vielen Leute, die nicht in Foren oder Blogs krähen (dabei schließ ich mich mit ein!), sondern still ihre eigene Meinung haben. Die dann erst in Umfragen zum Vorschein kommt.

19. willow - Juni 30, 2008, 15:50

Apropos Umfragen und Studien … auch soetwas wird gerne von Qualitätsjournalisten wie Putzi oder auch meiner speziellen Freundin Bettina Marx „zurechtgebogen“!

„Verbrechen und Gewalttaten in Israel nehmen immer mehr zu – in einigen Bereichen bis zu 42,7 Prozent gegenüber den 80er Jahren! Ist das der Preis, den die israelische Bevölkerung für die Verbrechen an den Palästinenser zahlen muß?“

zum Vergleich hier die ganze Nachricht (Quelle: Honestly Concerned Newsletter):

HAIFA (inn) – Die Mordrate in Israel ist eine der niedrigsten in der Welt. Dies ergab eine Studie von der Universität Haifa. Die Forscher weisen die Ansicht zurück, dass die Gewalt in Israel zunehme.
Laut den Forschern ist die Mordrate in den vergangenen 28 Jahren nahezu unverändert geblieben. In den letzten Jahren ist sie sogar leicht zurückgegangen, fanden die Forscher des Zentrums für Studien der Kriminalistik, Justiz und Gesellschaft heraus. „Wenn wir uns die absoluten Zahlen ansehen, sieht es so aus, als sei Israel in den vergangenen Jahren immer gewaltsamer geworden“, sagten Arie Rattner und Gideon Fishman, die die Studie leiteten, laut einem Bericht der „Jerusalem Post“. „Aber wenn wir bedenken, dass gleichzeitig die israelische Bevölkerung gewachsen ist und wir uns die Delikte pro 100.000 Menschen ansehen, dann sehen wir, dass die Mordrate in Israel zu den niedrigsten in der Welt gehört.“
Die absoluten Zahlen, die jedes Jahr von der Polizei veröffentlicht werden, zeigen einen Anstieg vor allem bei Gewaltdelikten. Die Zahl der Morde stieg zwischen 1997 und 2006 um zwölf Prozent, die der versuchten Morde sogar um 37 Prozent. Noch größer ist der Zuwachs an Straftaten wie Körperverletzung, hier wuchs die Zahl der Delikte seit 1980 um 100 Prozent.
Obwohl diese Zahlen einen dramatischen Zuwachs an Gewalt suggerierten, müsse man den gewaltigen Zuwachs der Bevölkerung in derselben Zeit beachten, betonen die Forscher. In Anbetracht dessen zeigen die Zahlen nämlich, dass die Morde pro 100.000 Einwohner von 2,35 im Jahr 1980 auf 2,29 im Jahr 2006 zurückgingen. In anderen Ländern ist diese Rate höher. In Russland beispielsweise gab es im Jahr 2004 statistisch 18 Morde pro 100.000 Einwohner. In den USA lag dieser Wert im selben Jahr bei 7,5. In Deutschland wird im Durchschnitt statistisch auf 100.000 Einwohner jährlich ein Mord gezählt. Der europäische Durchschnitt liegt in etwa bei 2,8. Mit 2,6 Mordfällen pro 100.000 Einwohner ist die Mordrate in Finnland höher als in jedem anderen EU-Mitgliedsstaat.
Die israelischen Forscher weisen zudem auf die teilweise falsche Wahrnehmung der Gewalt in Israel hin. In den 90er Jahren etwa glaubten viele Bürger, einen Zuwachs der Gewalt aufgrund der Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion ausmachen zu können. Die Statistiker zeichnen jedoch ein anderes Bild: Nach dem Strom von Juden aus dieser Region, der bis 1996 anhielt, machten die Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion 20 Prozent der israelischen Bevölkerung aus; an den Gewaltdelikten waren sie jedoch mit einem kleineren Teil als 20 Prozent beteiligt.
„Ernster sieht es da bei den Arabern aus“, sagte ein Wissenschaftler. Während arabische Erwachsene (im Alter über 19 Jahren) etwa 15 Prozent der Gesamtbevölkerung in Israel ausmachen, haben sie einen Anteil an der Gewalt von 42,7 Prozent.“


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