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Anglit Juni 11, 2008, 13:23

Posted by Lila in Ivrit, Uncategorized.
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heißt Englisch auf Ivrit, äh, Hebräisch. Viele Ausdrücke der Alltagssprache kommen aus dem Anglit, auch wenn man es manchmal nicht vermuten sollte. Hier eine unvollständige Liste.

Pantschär

Klar, eine Panne. Das Wort wird auch gern hebräisch gebeugt, wo das P sich aus grammatischen Gründen in ein F verwandelt (P und F sind im Hebräischen ein Buchstabe, ein verdoppeltes F wird zum P – diesem verwirrenden Phänomen, daß es im Anglit zwei Buchstaben sind, verdanken wir den swimming-fool, den meyfel-sssirup und die fornografia). Ha-oto me-funtschar, das Auto hat eine Panne.

Pendel

Natürlich Pändäl ausgesprochen, wie die sog. segolata, also hebräische Worte, die mit zwei ä vokalisiert werden (Keren, Kerem, Sefer, Delet, Derech… die auch in vielen Ortsbezeichnungen vorkommen). Pändäl ist ein Elmeter bzw Strafstoß. Auch ganz klar abgeleitet vom Anglit: penalty. Hab ich beim ersten Mal Hören nicht glauben können, ist aber ehrlich war. Im Plural sind es natürlich Pendelim, shlav-ha-pendelim ist die letzte, qualvoll spannende Etappe des Elmeterschießens.

Ambreks

Ist die Handbremse beim Auto. Hä? Heißt die nicht handbrake? Ja schon, aber im Hebräischen gibt es für Hand und Arm nur ein Wort, nämlich yad. Ist also doch egal, ob man nun ambreksim oder yadbreksim sagt, nicht wahr? Ambreks hat sich eingebürgert, und alle Arten von Bremsen nennt man breksim.

Eksooost

Noch was vom Auto. Abgase heißen so auf Anglit, eksost, wußtet ihr das nicht? Betonung bitte vorne.

Svetsherim

nennt man warme Pullis, und der Stoff, aus dem sie hergestellt werden, heißt fuutter. Warum? Ja ich weiß es auch nicht.

Korenfleks und Brokli

sind beliebte Lebensmittel. Den Korenfleks sieht man gleich an, daß das Hebräische keine lange Aneinanderreihung von Konsonanten liebt und kleine Gleitlaute, shva genannt, einschiebt. (Ich kenn auch Sprachpuristen, die statt Korenfleks tirpazim sagen – tiras ist Mais, paz ist Gold, eines dieser unbeschreiblich schönen Mischworte.)

Ich habe meinen Mann jahrelang von der launischen Maschine namens Flekker erzählen gehört, bis mir aufging, daß das ein Flaker ist. Zur Erzeugung von Flocken. Ah, walla. Ich dachte immer, das ist der Firmenname.

Der Brokli dagegen zeigt, was passiert, wenn man eine Silbe so fest abschließt, das brok nämlich, daß dahinter kein Vokal mehr kommen will. So klingt es doch gleich viel hebräischer. Brok-li, mein Brok.

Nektarina

erkennt man gleich, aber das Nette an der Nektarina ist das Wort, das sie ersetzt. Der Sprachpurist nämlich, und davon kenne ich mehrere!, benennt diese schöne Frucht nach den zwei Sorten, deren Kreuzung die Nektarine ergab.

Pfirsich: afarsek

Pflaume: sheyzif

ergo Nektarine: afar-sheyzif

Ugat-afarsheyzifim, das ist ein Nektarinenkuchen. Klingt doch viel besser als ugat-nektarinot, oder? (Oh, und es gibt auch Leute, die Vokalisierung den hebräischen Regeln anpassen und Nak-tarina sagen.)

Und gleich weiter in der Backstube.

Biskuitim sind Butterkekse, den Biskutteig nennt man hier tort. Oh, und korassonim, man soll es nicht glauben, Croissants! (Obwohl mir das überlegene Lachen gleich vergeht, wenn ich mir überlege, wie man in rheinischen Bäckereien Baguette nennt: Pängbrot. Denn Päng heißt doch auf französisch Brot, nicht wahr?) Bei den korassonim werden die lästigen Vokale einfach neu zugeordnet.

Im Falle der Bagels liegt die Sache umgekehrt, denn die kommen vom yiddischen beigele. (Bei mir zuhause heißen sie immer gebbele, weil Tertia die Konsonanten so süß verdrehte, als sie noch Mamas tapsiges Lockenköpfchen war und keine junge Dame, die mit Hochachtung behandelt werden will. Mama, od gebbele!)

Um schnell beim Yiddishen und in der Backstube zu bleiben: die rogelach sollte man nicht mit Röggelschen verwechseln, auch wenn sie ähnlich klingen.

Oh, und die pashteyda kommt vermutlich von der deutschen Pastete, auch wenn sie mehr ein Auflauf oder eine Quiche ist.

Doch zurück zum Anglit. Man hört musika vom täipp oder von diskim, fährt be-trempim, ißt chipsim, sendwichim oder hamburgerim und sieht televisia mit dem Rest der Welt. Woher allerdings das alte Pattefon kommt, den man früher benutzt hat, weiß ich nicht, aber bestimmt einer meiner Leser.

Kommentare»

1. faisane - Juni 11, 2008, 14:43

Ich geb’s auf — was ist denn „brok“? (Broccoli wär ja in erster Linie italienisch, das kann es ja dann wohl nicht sein?) Hier lief übrigens neulich ein Porträt des Schriftstellers David Grossmann, wo er von seiner Kindheit erzählte. Zu der Zeit (da Umgangshebräisch ja noch ganz neu war) gab es eine Kolumne in der Zeitung, wo Leute die Wortschöpfungen ihrer Kinder einschicken konnten. Und er war äußerst stolz, als er dann schließlich mit einer seiner Eigenkreationen auch in der Zeitung stand.

2. Lila - Juni 11, 2008, 14:47

Brokli ist wirklich Brokkoli 😛

3. Loco - Juni 11, 2008, 19:30

Kommt womöglich Pattefon von „Platte“ („phon“ ist wohl klar)? Etwas anderes fällt mir da nicht ein.

4. beer7 - Juni 12, 2008, 10:13

Das Schoene ist, dass es auch sehr viele Lehnworte mit deutschen Wurzeln gibt.

Ich erinnere mich an den Unterricht im Ulpan. Die Lehrerin machte uns mit dem wichtigen Verb „lefargen“ bekannt. Mir war noch vor ihrer philosophischen Abhandlung ueber Neid und dessen negative Auswirkungen klar, das wir es mit „vergoennen“/“goennen“ zu tun haben.

5. Ralf - Juni 13, 2008, 9:52

Liebe Lila,
ich habe Deine Frage weitergeleitet an den von mir hochgeschätzten Doyen aller Worteversteher, Inácio Steinhardt.
Ich erhielt seine Antwort auf Portugiesisch und übersetzte sie gern wie folgt:
“ Die ersten Tonaufnahmegeräte (port.: fonógrafos -umgangssprachlich :grafonolas) verkaufte eine französische Firma namens Pathé, benannt nach den Gebrüdern Pathé.
Ich erinnere mich an meine Kindheit, als ich einen Projektor geschenkt bekam, den man mit einer Kurbel bediente (port.: manivela), was auf hebräisch „Manuela“ genannt wird.
Mit diesem Gerät sah ich Stummfilme an, einige von Charlot, hergestellt von dieser Firma Pathé.
Die Grafonola aus dem Haus Pathé nannten sich „Pathephone“.
„Logischerweise“ ist das hebräische Wort dafür: Patifon.

Es ist für mich lustig, wenn Israelis gegenüber all diesen Entstellungen mit Überheblichkeit sagen: „auf Ivrit heißt das“
Ich versuchte einmal, einer Sängerin, die „kvutsat Benefica“ sang, zu erklären, es müsse Benfica heissen, weil das der Name des besungenen portugiesischen Fußballclubs sei,
Antowrt: „Nein, auf Hebräisch sagt man Benefica“
Der Fisch Lachs (port.: Salmão) – „auf Hebräisch heißt er Salomon“ ..“

Inácio Steinhardt
Journalist – Translator – Information Broker
Ein Hanoch 18/20
Givat Savion
Ganei Tikva 55900
Israel

Membership:
– Association of Tel Aviv Journalists
– Foreign Press Association
– Israel Translators Association
– Israel-Portugal Friendship Association

inacio@steinhardts.com
http://www.steinhardts.com (in English)
http://www.steinhardts.com/ishluz (em português)
steinhardts.wordpress.com (História das Palavras)

Schöne Grüße aus Portugal
Ralf

6. Ralf - Juni 13, 2008, 10:10

Liebe Lila,

ich möchte Dir und Deinen Lesern auch noch übersetzen, was mir Inácio Steinhardt außerdem schrieb:

“ ich vrstehe kein deutsch und weiß nicht, ob eingangs die Herkunft des Wortes „Pancher“ erklärt wird.
Als ich einmal auf besuch in Israel eine Reifenpanne hatte an meinem Leihwagen und im Hotel an der Rezeption nach einer Werkstatt fragte, bekam ich einen „Panchermacher“ genannt.
Es war das erstemal, daß ich dieses Wort hörte. Es stammt offensichtlich von „Puncture“.
Vor einigen Jahrzehnten gab es in Israel häufig die Angewohnheit ein Objekt nach seinem Hersteller zu benennen. Es gab den elektrischen „Frigidaire“, der den „Aiskasten“ ersetzte, aus welchem man in den Straßen das Eis verkaufte.
Es gab den „Primus“ was -soweit ich mich erinnere- aus der Schweiz kam und ein Kocher war, der mit Petroleum brannte, woraufhin man im Unabhängigkeitskrieg einem Flugzeug diesen Kosenamen gab. Oder das Fabrikat „Lux“, um Häuser oder Zelte zu beleuchten, wo es keinen Strom gab.
In meiner Kindheit, in Portugal, war ein Fotoaparat eine „Kodak“…“

Ralf

7. Lila - Juni 13, 2008, 10:23

Vielen Dank an Ralf und Inácio. Ich hatte an Pathe gedacht, aber wußte nicht, ob es stimmt.

Und pancher ist puncture, das hatte ich auch gemeint, auch wenn ich das Wort selbst nicht hingeschrieben habe. Es ist gut erkennbar. Und richtig, der panchermacher ist eine schöne Berufsbezeichnung.

Kleine Primus-Heizungen hatte man hier im Kibbuz noch, als ich ankam, beliebt waren auch „Firesides“ Primus war auch der Spitzname für allgegenwärtige Mitbwohner, zu Anfang, als noch niemand Einzelzimmer hatte…

Frigidaire sagt meine Schwiegermutter immer noch. Und Freezer sagen auch viele (auf Ivrit heißt der makpie).

Den Gebrauch von Markennamen für ein Produkt kennen wir im Deutschen auch – Tempotaschentücher oder Spüli oder Tesafilm.

8. Ralf - Juni 13, 2008, 12:48

Halt !
ich muss berichtigen:
die Marke „Primus“ kam nicht aus der Schweiz, sondern aus Schweden.
Der Fehler lag bei mir !
🙂


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