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Zwei Kommentare aus Ynet Mai 13, 2008, 20:55

Posted by Lila in Uncategorized.
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Der eine stellt die Frage: wie sollen wir mit dem Hamas-Regime umgehen? So eine richtige Antwort gibt er auch nicht, er meint nur, daß wir schwachsinnig sind, die Leute, die uns mit Vernichtung bedrohen und mit Raketen überziehen, auch noch mit Lebensmitteln, Strom und Treibstoff zu versorgen. Das mag stimmen, theoretisch. Es ist auch wahr, daß die Briten im zweiten Weltkrieg keine Lebensmittel an die Deutschen geliefert haben, während Deutsche auf sie schießen. Das Problem ist aber, daß kein offizieller Krieg zwischen uns und dem Gazastreifen herrscht. Wieder mal die ewige alte Falle. Der Gazastreifen ist kein Staat und wir können ihn nicht einfach als kriegsführende Partei behandeln.

Auch wenn vor der Räumung der Siedlungen im Gazastreifen das Argument gebraucht wurde: wir werden nicht mehr für den Gazastreifen zuständig sein und ihn wie einen Feind behandeln. Ich habe Sharons Worte noch im Ohr: wenn die erste Rakete fliegt, wird unsere Reaktion fürchterlich sein! Ein heiseres Kichern begleitet das Echo dieser Worte, wenn man sie heute bedenkt – die erste Qassam flog, und nach ihr Tausende von anderen. Wir haben diese Woche zwei Menschen begraben. Tommy Kdoshim war Familienvater, Shula Katz eine Großmutter, die vor den Augen ihres Sohnes von der Rakete getötet wurde – auf dem Weg von ihrem Auto zum Haus ihrer Verwandten.

Wir lassen uns das absurderweise weiter gefallen, vielleicht aus Angst vor den internationalen Stimmen, denen Jimmy und Shula egal sind, ihre Mörder aber leidtun. Oder die Nachbarn der Mörder, in deren Vorgarten die Raketen abgeschossen werden.

Man sollte meinen, die Wahrheit sollte sich durchsetzen, aber leider können wir uns nicht darauf verlassen. Und wir sind nicht imstande, den Palästinensern NICHT zu helfen. Ich glaube, die israelische Regierung wird immer die Grenzübergängen wieder öffnen und die LKWs schicken. Wir können die Bevölkerung dort nicht verhungern lassen. Selbst wenn wir die Moral mal aus der Gleichung rauslassen – ich glaube nicht, daß die Bewohner des Gazastreifens sich hungernd gegen die Hamas stellen würden. Sie würden uns nur noch heftiger hassen. Die Hamas schiebt eh alles auf uns, und die Gehirnwäsche ist zu weit fortgeschritten.

Der Autor schlägt die folgende Taktik vor:

If it wishes to, this government could mitigate the siege by handing over Qassams in exchange for food. On the other hand, we must not continue the absurd situation of Qassams fired in Sderot in exchange for food to Gaza. In other words: The humanitarian gestures will only be granted in exchange for handing over of enemy weapons to the IDF and an end to arms “smuggling,” which is in fact free supply of weapons from the Egyptian side.

Das Witzige dabei ist, daß dieselben Ägypter, aus deren Gebiet die Waffen geschmuggelt werden, die Tommy und Shula getötet haben, nun an einem Waffenstillstand basteln. Man braucht nicht viel im Nahen Osten, um sich wie auf einer Achterbahn zu fühlen.

Der andere Artikel gibt eine kleine Nachhilfestunde in der Geschichte des Nahen Ostens, um die Fassung „europäische Juden haben sich widerrechtlich Land anggeignet, mit dem sie nichts zu schaffen hatten“ zu widerlegen. Es sind natürlich nur wirklich Ahnungslose, die tatsächlich nicht wissen oder nicht zu wissen vorgeben, was die Juden hier zu suchen haben.

Not far from there, in […] Jerusalem, you can find the Shiloach inscription, made by the slaves of Judean King Hezekiah. Just like any other Israeli, I can read it easily because, wonder of wonders, it’s written in the Hebrew language. There you go, Hezekiah and I are linked through culture, religion, and language, despite the 2,700 years separating us. […]

And even if you turn the entire Temple Mount into dust, you won’t be able to find even one inscription written in Arabic that dates back to the period before 638 A.D. – the year of the Muslim conquest of the land of Israel. Yes , Muslim conquest, I’m not confused – 1,600 years after David, the King of Israel, was at the throne.

Trotzdem reicht es nicht, nur die Geschichte zu zitieren – man kann ja immer noch weiter zurückgehen, und auch die Juden sind irgendwann mal in Kanaan angekommen. (Nur daß damals hier eben keine Palästinenser lebten, auch wenn manche naiven Israelhasser das bestimmt glauben….). Aber interessant ist es auf jeden Fall, und es erklärt auch, wie es kommt, daß die Juden dieses Land so lieben und es als Heimat empfinden. Und wieso Archäologie hier so faszinierend ist.

(Wann ich mal wieder was Persönlicheres schreibe? Ja ich weiß nicht. Die Muse küßt mich nicht, und es gibt auch nichts Neues…. )

Kommentare»

1. grenzgaenge - Mai 14, 2008, 7:06

„Der Gazastreifen ist kein Staat und wir können ihn nicht einfach als kriegsführende Partei behandeln.“

@lila: das bedeutet aber nicht das man dieses gebilde mit treibstoff und lebensmitteln versorgen muss, oder ? koennte man nicht auch unterbinden das gaza mit guetern versorgt wird ? schon alleine im blick darauf das „humanitaere“ lieferungen oft genug wenig humanitaere gueter beinhalten ? ich finde alleine dieser umstand waere schon grund genug den gazastreifen von lieferungen aller art abzuschneiden. wie es den leuten dann geht sollte nicht das problem israels sein. die autonomiebehoerde hat doch immer betont israel soll sich nicht in die inneren angelegenheiten der palaestinenser einmischen. bitte ! dann soll die pa ihre unfaehigkeit nicht nur gegenueber der weltoeffentlichkeit sondern auch gegenueber ihren eigenen leuten wieder einmal eindrucksvoll unter beweis stellen.

2. Lila - Mai 14, 2008, 7:24

Hast Du die weltweite Empörung vergessen, als Israel die Stromliferungen nur etwas gekürzt hat (nachdem die Palästinenser das E-Werk und seine Mitarbeiter angegriffen hatten)? Erinnerst Du Dich nicht mehr an die gefälschten Bilder der Kerzen-Demos, die lügenhaften, lächerlichen Inszenierungen, denen alle Zeitungsredakteure der Welt auf den Leim gingen, ohne je richtigzustellen, daß es sich dabei um eine reine Show handelte?

Die Palästinenser haben die Welt an den Gedanken gewöhnt, daß Israel ihre Bedürfnisse befriedigen muß. Leider haben wir es versäumt, uns gegen diese Rolle zu wehren. So wie wir Arafat in der Muqata mit Humus und Pittot beliefert haben, alimentieren wir die Palästinenser. Wir können uns daraus nicht einfach zurückziehen, das müßte offiziell und ordentlich und mit einer Offensive der Information gemacht werden.

Nützen wird es trotzdem nichts. Meinst Du nicht, die Hamas wäre froh, wenn die Bevölkerung verhungert, medienwirksam vor den Kameras? Wer kein Skrupel hat, aus Wohnsiedlungen Raketen zu schießen, hat auch keine, wehrlose Familien für den Propagandaeffekt verhungern zu lassen.

Das würde der Hamas so passen, eine echte Hungerkatastrophe. Sie zweigen ja auch ohne Skrupel für ihre eigenen Leute von den Transporten ab. Die haben kein Schamgefühl, kein Gewissen.

Daß niemand uns dankt oder es anerkennt, und daß die Welt nicht nachfragt, was mit ihren Geldern passiert, die in riesigen Strömen seit Jahrzehnten zu den Palästinensern geleitet werden – das ist leider so. Wir können es nicht mehr ändern und müssen es daher in unsere Rechnung mit einbeziehen.

3. beer7 - Mai 14, 2008, 11:27

Lila,

Voelkerrecht sieht ein Recht auf Selbstverteidigung vor, auch wenn der Angreifer kein Staat ist. Der rel. Text ist Art. 51 aus der UN Charter.
http://beer7.wordpress.com/2007/01/02/widersprechen-gezielte-toetungen-dem-kriegsvoelkerrecht/

Israel hat den Gazastereifen zu feindlichem Territorium erklaert. http://www.jpost.com/servlet/Satellite?pagename=JPost/JPArticle/ShowFull&cid=1189411442710

Die Verpflichtung gegenueber der zivilen Bevoelkerung einer feindlichen Nation ist ziemlich begrenzt wie in Paragraph 23 der IV. Genfer Konvention nachgelesen werden kann. http://blog.fdog.org/2008/04/29/sollte-ich-der-hamas-vielleicht-dankbar-sein/
Sie beschraenkt sich auf unentbehrliche Lebensmittel, Kleider, medizinischen und religioesen Bedarf. Kinder unter 15, Schwangere und Woechnerinnen haben Anspruch auf Zulagen.

Auch diese Lieferungen duerfen nach Voelkerrecht eingeschraenkt oder eingestellt werden, wenn der Verdacht besteht, sie koennten zweckentfremdet und/oder zur Verbesserung der Kampfkraft des Feindes eingesetzt werden und/oder die Kontrolle, dass dem nicht so ist, nicht ueberzeugt.

4. Lila - Mai 14, 2008, 11:41

Das weiß ich auch. Trotzdem liefern wir weiter, wenn auch in begrenztem Umfang, und ich tippe, daß wir das auch weiterhin tun.

Selbstverständlich haben wir ebenfalls nach der Genfer Konvention keinerlei Verpflichtungen der feindlichen Zivilbevölkerung gegenüber, wenn diese als Schutzschild für Aggressionen gegen uns eingesetzt wird.

Und trotzdem nehmen wir Rücksicht auf sie.

Natürlich ist es lächerlich, daß Länder, die nie ähnliche Rücksichten auf irgendjemanden genommen haben, lauthals über Israels Unmenschlichkeit klagen. Noch dazu, wo viele der Todesopfer überhaupt nicht durch israelische Waffen getötet wurden, sondern durch „Arbeitsunfälle“. Die Dunkelziffer liegt da vermutlich viel höher, als wir wissen.

Was können wir dagegen machen? Leider nichts, der Zug ist wohl vor 30 Jahren abgefahren. Wir haben es versäumt, unsere Position darzustellen und auf unsere Rechte zu pochen.

Ich kann nur hoffen, daß irgendwann die Nachwelt mal zu einer gerechteren Beurteilung kommt. Für unsere Lebzeiten ist das nicht zu erwarten.

Die meisten Europäer würden eher uns boykottieren, oder tun das schon, als die edlen Wilden von Hamas oder Hisbollah. Was da los wäre, wenn wir einfach wie andere Armeen unser Recht zur Selbstverteidigung komplett nutzen würden, mag ich mir nicht ausmalen. Wir wären politisch noch aussätziger als heute.

Was ich damit meine, daß wir es versiebt haben: wir hätten für jeden Anschlag, jede mörderische Rede, jede Rakete einen riesigen Aufstand machen müssen. Beschwerden in der UNO-Vollversammlung, Demos, Artikel in Zeitungen, Flashmob-Aktionen (aber mit Sinn). Wir stecken einfach zu viel schweigend ein, daran hat die Welt sich gewöhnt. Damit haben wir die Einstellung zementiert, daß für uns andere Regeln gelten als für andere.

Bombardier die USA, und sie ziehen in den Krieg. Versuch mal, den Briten oder Franzosen ein Inselchen oder einen Felsen wegzuschnappen, der keinerlei strategische oder sonstige Bedeutung für sie hat. Dann ist die Hölle los. Aber Israel? Alles erlaubt. Die sagen nichts.

Weiß Gott, wir haben seit Generationen nicht laut genug protestiert. Unsere Selbstverteidigung ist von der internationalen Gemeinschaft wieder und wieder vereitelt worden. Vom internationalen Gerichtshof in den Haag verurteilt worden. Von der UN-Konferenz in Durban als Rassismus gegeißelt worden.

Damit hat sich eingebürgert, unter unserer Mithilfe, daß wir nicht mehr dieselben Rechte haben wie andere Länder. Nicht auf dem Papier, aber be-fo´al, in der Realität.

Und DAS müssen wir ändern, bevor wir daran gehen, die Blockade auf 100% auszuweiten. Was sowieso genau das ist, was die Hamas will.

5. beer7 - Mai 14, 2008, 12:20

Lila,

Deine Eingangssaetze klangen so, als ob Dir die rechtliche Situation nicht ganz klaer waere.

Warum sollte der Zug inzwischen unwiderruflich abgefahren sein? Haelst Du es fuer sinnlos, wenn Israel einfach hier und jetzt anfaengt, auf seine Rechte zu pochen und seine Positionen darzustellen? Ich gehe davon aus, dass wir beide ein Stueck weit Motivation zum Bloggen gerade aus der Tatsache ziehen, dass die offizielle israelische Oeffentlichkeitsarbeit so schauerlich schlecht ist.

Wir koennen doch zumindest unsere Mithilfe bei der „Sonderbehandlung“ Israels aufkuendigen. Meinst Du nicht?

6. beer7 - Mai 14, 2008, 12:22

P.S. Indem ich die rechtlichen Grundlagen klargestellt habe, habe ich noch keine Meinung abgegeben, wie Israel am Besten mit dem Gazastreifen umgehen soll. Das sind zwei voellig verschiedene Dinge.

Eine 100% Blockade ist weder moeglich (da Aegypten nicht mitmacht und die Schmuggeltechnik inzwischen sehr weit entwickelt ist) noch in Israels Interesse.

7. Lila - Mai 14, 2008, 13:19

Ja, da sind wir einer Meinung.

Die rechtliche Lage hatte ich gar nicht im Hinterkopf, ich habe auf den Artikel reagiert, der darauf glaube ich auch nicht eingeht (muss nachlesen).

Ich sehe das Bloggen auch als eine Art Versuch, unsere Position mal aus den nicht hinterfragten Annahmen zu hebeln. Und wenn es nur für meine Seelenruhe ist….

8. beer7 - Mai 14, 2008, 14:12

Jetzt habe ich den Artikel habe ich jetzt erst nachgelesen. Breiman geht nicht auf die rechtliche Grundlage ein, scheint sie aber zu kennen.

Er schlaegt auch keine 100% Blockade vorher, sondern eine graduelle Verschaerfung. Das halte ich auch fuer machbar und sinnvoll.

Die neuesten Versuche der Hamas, humanitaere Krisen zu inszenieren, werden ja allmaehlich sogar von auslaendischen Medien kritisch gesehen. Vielleicht haben sie doch ein bisschen was daraus gelernt, dass sie gar so naiv auf die Kerzenphotos abgefahren sind.

Moeglicherweise hat die Hamas ihre Propagandamunition verfrueht verschossen… Du kennst die Geschichte mit dem Hirtenjungen, der immer Wolf ruft?

9. grenzgaenge - Mai 14, 2008, 16:49

@ lila,

ich verstehe deinen standpunkt (kommentar 2). doch ich muss dir sagen das ich glaube es ist voellig egal was israel tut. israel wird immer empoerung und ablehnung erneten. selbst wenn man beschliesst ab sofort auf jede eigenverteidigung zu verzichten und stattdessen froehliche friedenslieder zu singen. ich bin der meinung das jede regierung in erster linie die pflicht hat ihre eigenen buerger vor terror zu schuetzen. ich denke nicht das es die erste pflicht einer regierung ist sich nach der meinung der weltoeffentlichkeit zu richten.

ich lese aus deinen kommentaren heraus das wir die meinung teilen israel habe den pr krieg (oder den krieg der bilder) schon laengst verloren. wie gesagt: ich teile diese meinung. israel wird diesen krieg aber nicht durch zurueckhaltung und freundlichkeit gewinnen. die medien haben nun mal das bild gepraegt israel sei eine besatzungsmacht. soll man deshalb auch noch das westjordanland raeumen, den golan abgeben, jerusalem zerstueckeln ? selbst wenn diese horrorvorstellung wahr wuerde – die meinung der weltoeffentlichkieit wuerde sich nicht auf dauer aendern ?

warum ? weil israel als juedischer staat konzipiert wurde. israel wird nur als juedischer staat ueberleben koennen. nicht als staat wie jeder andere. daran wird letztendlich jede verteidigung israels scheitern. trotzdem ist genau das ein punkt der aus meiner sicht nicht verhandelbar ist.

10. grenzgaenge - Mai 14, 2008, 16:59

„selbst wenn diese horrorvorstellung wahr wuerde – die meinung der weltoeffentlichkieit wuerde sich nicht auf dauer aendern ?“

ups. ans ende des satzes gehoert kein ? sondern ein punkt. sorry. das kommt davon wenn man tausend dinge gleichzeitig macht. in diesem fall: schreiben, telefonieren und kaffee kochen 🙂


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