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So schnell geht das März 12, 2008, 12:30

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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Outside the asylum hat mich angepingt, und gleichzeitig einen Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger verlinkt, den ich niemandem vorenthalten möchte. Es geht darum um den letzten und den nächsten Krieg, und daß es eigentlich derselbe ist.

Ich weiß nicht, wie nah der richtig große Schlagabtausch ist, wann Assad aus der Deckung kriecht und wann Achmedinijad seine Drohungen in die Tat umzusetzen gedenkt – ich habe nach wie vor das Gefühl, es wird noch eine Weile dauern. Der Zweite Libanonkrieg ist ja schon bald zwei Jahre um. Alle paar Jahre kracht es hier, es kann also noch weitere zwei, drei Jahre so weiterlaufen.

Aber ganz stark hat sich bei mir das Gefühl verstärkt, daß der Krieg schon läuft. Normalerweise unterdrückt man das, ich weiß zwar, daß der Krieg, der 48 ausgebrochen ist, nie ganz beendet, sondern immer irgendwo wieder aufgenommen wurde. Wie eine langsame Handarbeiterin, die ihr Werk irgendwann beenden wird, es manchmal in den Schoß sinken läßt, um zu planen oder den Plan zu ändern, dann ein paar kleine Fädchen vernäht, dann wieder mit großem Schwung ans Werk geht – so zieht sich dieser Krieg hin, aber oft fühlen wir es nicht.

Es ist doch seltsam, ich lebe relativ abgeschieden in meiner glücklichen kleinen Luftblase, dem Kibbuz, der Beschäftigung mit Kunst und Kunstgeschichte und Erziehung, mit meiner Familie und den kleinen Ärgernissen des Alltags. Ich spreche mit niemandem über die Lage und sehe zwar von Zeit zu Zeit Nachrichten, beschränke aber meinen Medienkonsum, weil ich sonst verrückt würde, nur aufs Blognotwendigste. Und doch erfüllt mich im Moment wieder das dräuende Gefühl, das ich nach dem Krieg so stark hatte.

Ist das die Osmose der Bedrohung, der sich niemand hier wirklich entziehen kann, und die man unterschwellig mitbekommt? Ich spreche vor den Kindern nicht davon, und doch fragte mich Quarta heute früh beim Zöpfemachen (immer eine schöne Gelgenheit zum Gespräch) richtiggehend aus. „Mama, sind die Amerikaner unsere Freunde?“ „Ja, das sind sie“ „Und die Franzosen? und die Deutschen? und die Engländer? Mama, was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Engländern und Amerikanern? ich verwechsel die immer…. Aber Mama, wenn der Krieg kommt und uns jemand angreift, helfen uns die Deutschen dann? Mama, haben wir Freunde? wer ist auf unserer Seite?“

Natürlich sind ihre Fragen von der Vorstellungswelt des dritten Schuljahrs bestimmt – wenn Lior Noah haut, wer hilft ihr dann? Wer ist auf ihrer Seite? Sie hat die Kinderausdrücke benutzt. Aber es hat mich schwer erschüttert, daß sie so darüber redet, als wäre „der Krieg“ etwas, das sie erwartet, auf das sie sich vorbereitet. Keine Ahnung, ob die Trübsinns-Osmose auch durch ihre Membrane stattfindet oder ob das Fragen der Selbst-Versicherung sind, die jedes Kind stellt.

Natürlich habe ich gesagt, daß ich sehr hoffe, es gibt gar keinen Krieg, weil man sich mit Worten doch immer viel besser verständigen kann, und Erwachsene das eigentlich wissen. Und daß ich mir sicher bin, wenn wir einmal Hilfe brauchen, werden uns weder Amerikaner noch Europäer im Stich lassen (bei der Gelegenheit habe ich ihr auch kurz den Unterschied zwischen Engländern und Amerikanern erklärt – sie lernt Englisch, und das verwirrt sie wohl). Und außerdem sorgen Mama und Papa dafür, daß ihr nichts passiert, auch wenn ein Krieg kommt.

Ist es nicht merkwürdig, wie wir Erwachsene eigentlich Kinder benutzen, um uns selbst der Ordnung der Dinge zu versichern? Wie wir nach einem Trauerfall uns selbst dadurch trösten, daß wir den Kindern eine hoffnungsfrohe Version des Todes erzählen, so beruhige ich mich selbst dadurch, daß ich Quartas Fragen beantworte. (Sie fragte übrigens nicht ängstlich, sondern neugierig-interessiert).

Ja, und hier ist der Artikel, der meiner unbestimmten inneren Beklommenheit konkrete Worte leiht.

Die UN-Friedenstruppe hat zwar formal die Vormachtstellung der Hisbollah beendet. Aber entwaffnet oder gar entmachtet ist die Schiitenmiliz nicht. Im Gegenteil: Die pro-syrischen Kräfte leisteten in den vergangenen Monaten ganze Arbeit. Mit Attentaten wurde das pro-westliche Lager, das vernünftige Beziehungen zu Israel garantieren sollte, geschwächt.

Ja, die Attentate – sie waren nicht nur innerlibanesische oder libanesisch-syrische Explosionen, sondern müssen immer in Hinsicht auf die Zukunft gelesen werden.

Vor allem aber geht der Waffenschmuggel weiter, einer UN-Truppe zum Trotz, die dafür eingerichtet wurde, den Schmuggel zu unterbinden. Das beklagen nicht nur die Israelis – auch der UN-Sicherheitsrat hat dieses Problem mehrfach benannt. Ohne Folgen.

Ja, das muß man leider so sagen. Dieses Kind ist in den Brunnen gefallen, und wir wissen, daß Nasrallah die Waffen, die er hat, auch einsetzt.

Dabei denke ich immer an einen fernen, fernen Tag. Vor vielen Jahren saß ich mal mit Y. und ein paar Freunden zusammen, ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Die Rede kam auf die Hisbollah und ihre Pläne. Und Y. sagte, „die Hisbollah bewaffnet sich nicht zum Spaß, sie will und wird diese Waffen auch gegen uns einsetzen“. Und sie diskutierten die Reichweiten und so. Ich dachte mir damals, das kann nicht sein, das gibt es nicht. Ich war noch von Deutschland geprägt, von den enormen Waffenlagern, die nie zum Einsatz kommen, sondern nur dazu dienen, die einen reich und die anderen beschäftigt zu halten.

Ob Y. sich noch an dieses Gespräch erinnert? Er war natürlich davon geprägt, daß praktisch seine ganze Jugend hindurch aus dem Libanon auf Nordisrael geschossen wurde. Auch ich weiß heute, daß es auch Leute gibt, die Waffen nicht nur zum Horten oder Geschäftemachen kaufen oder herstellen, sondern sie tatsächlich auch einsetzen. Und zwar gegen jemand ganz Bestimmtes. Leider sind das allzuoft – wir.

Auch wenn ein Teil der Verlautbarungen von Hisbollah-Funktionären über ihr angebliches Waffenarsenal der psychologischen Kriegsführung zuzurechnen ist, bleibt immer noch genug, um Israel ernsthaft zu alarmieren. Denn die Hisbollah verfügt über genügend Geld, über moderne Waffen, und sie ist zu allem bereit. Nicht zuletzt dazu, libanesische Zivilisten zu opfern.

Ja, da sind sie wieder, die dahingeopferten Zivilisten, die ja ohnehin uns zur Last gelegt werden und daher Nasrallah auch propagandistisch und innenpolitisch nicht weiter belasten müssen. Wie sich die Bilder gleichen, im Norden und im Süden.

Selbst im Fernsehen lässt sich verfolgen, wie im Iran auf offener Straße für die Hisbollah Geld gesammelt wird. Dass deren Vertreter vom Iran und Syrien beherbergt, ausgebildet und mit modernen Waffen versorgt werden, ist ein offenes Geheimnis. Beide Regimes wollen einen erneuten Stellvertreterkrieg und untergraben so den Kampf der UN gegen den internationalen Terrorismus. Aber diese Formen staatlichen Terrorsponsorings werden nicht geahndet. Die Hisbollah steht bis heute nicht einmal auf der Terrorliste der EU.

Und auch die Hamas hat natürlich beste Verbindungen zum Iran. Allerbeste.

Wer ausschließen will, dass Israel auf dem Rücken des Libanon Krieg führt, muss die Bedrohung Israels aus dem Libanon unterbinden. Dies ist die Logik hinter der UN-Resolution 1701 vom August 2006. Aber in der Praxis ist sie nicht umgesetzt. Deshalb trägt die Staatengemeinschaft auch eine Mitverantwortung für die drohende Katastrophe.

Die Staatengemeinschaft hat wieder einmal verhindert, daß Israel einen brutalen, aber entscheidenden Schlag führt – auch wir selbst haben dazu 06 nicht den Mumm gehabt, auch uns haben die Opferzahlen erschreckt und die Laienspielschar an der Spitze unserer Verteidigungspyramide noch mehr. Vielleicht war das auch richtig so – angesichts der Kriegsführung der Hisbollah bleibt ja keine andere Wahl, als sich selbst Zügel anzulegen. (Wie praktisch für die Hisbollah hingegen, daß sie das nicht braucht!)

Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah war nie beendet. Er ist nur unterbrochen.

Und damit hat der Artikel mir dann endgültig den Vormittag vermasselt. Ja ja, ich weiß es ja! Aber ich hoffe, hope against hope, daß sich vielleicht mal jemand besinnt und der Hisbollah die Klauen stutzt. So daß wir nicht mehr hilflos vor einer wilden Melange von Kämpfern und Zivilisten stehen und sie mit allen Flugblättern der Welt nicht auseinanderdividieren können. Oh, und ich hoffe, daß ich heute früh Recht hatte und wir das nächste Mal nicht allein stehen.

So, ich geh mir jetzt die Beklemmung vom Herz putzen. (Nie war es bei uns sauberer als zur Zeit des Kriegs. Putzen hilft tatsächlich.)

Kommentare»

1. califax - März 12, 2008, 12:36

Tut mir ehrlich leid. Ich wollte Dir nicht den Tag versauen. Das nächste Mal klemme ich vorher vielleicht den Pingback ab, sofern das irgendwie geht.

2. Lila - März 12, 2008, 13:02

Nein nein, das ist schon okay. Der Artikel war ja wiederum beruhigend, weil ich ja schon manchmal denke, ich bilde mir das alles nur ein.

Vermutlich waren es Siegfrieds kernige Worte gestern Nacht, die mir noch im Kopf rumgeschwirrt sind 😉 oh, und Ruth meinte etwas änliches. Die Kassandradichte nimmt zu.

3. Georg - März 12, 2008, 15:45

Jugoslawien hat gezeigt, dass Europa sich einmischen kann. Es zeigte sich aber auch, dass dies nie rechtzeitig geschieht, Katastrophen werden dadurch nicht verhindert. Insofern ist es wichtiger, Israel militärisch stark zu halten und eine Führung zu wählen, die entschlossen ist und nicht zaudert aus Angst vor der eigenen Courage.
Wenn Israel geholfen wird, ist das immer eine gute Sache. Man sollte es aber nicht erwarten, umso geringer ist ggf. die Enttäuschung. Wäre Israel auf europäische Hilfe angewiesen, wäre es abhängig und wahrscheinlich schon längst nicht mehr existent. Unabhängigkeit macht stark – Stärke macht unabhängig. Oder wie sagt man: Sei stark und hilf dir selbst! Über jede darüber hinaus reichende Unterstützung kann man sich dann um so mehr freuen, finde ich.

4. Chrizzo - März 12, 2008, 18:13

Liebe Lila, der Eintrag und vor allem der Teil über das Gespräch mit Deiner Tochter hat mich sehr berührt *knieper*.
Alles Gute Euch!
Chrizzo

5. jim - März 12, 2008, 18:25

Ganz ehrlich – mich auch.

6. Mikado - März 12, 2008, 18:49

Mein Zitat des Tages aus dem Rheinischen Merkur:

„Als einer der wenigen deutschen Intellektuellen macht sich Wolf Biermann für das Überleben des Staates Israel stark. Dafür erhielt er jetzt den Theodor-Lessing-Preis.“

7. Lila - März 12, 2008, 19:38

Danke für den Link zu der schönen Rede. Biermann war auch mit Verwandten meines Mannes befreundet (die er noch in seiner Rede zum Golkrieg 91 nannte), leider sind diese Prachtexemplare von Jeckes nicht mehr am Leben. (Über die kritisch-wachen Kibbuzniks, die mit 70 oder 90 jugendlicher sind als alle anderen, darf ich nichts mehr sagen, die lesen nämlich mit!)

Ich fisch mal ein paar Zitate raus:

Und die CIA? Sie foppte vor zwei Monaten den Präsidenten der USA mit der Neuigkeit, dass im Iran seit 2003 doch nicht mehr an der Atombombe gebastelt wird. Vier lange Jahre haben die hochqualifizierten Penner des US-Geheimdienstes also gebraucht, um das rauszukriegen. Sogar der weltbekannte israelische Friedensaktivist Jossi Beilin fragte in diesen Tagen besorgt: Wie viel Jahre wird die CIA wohl brauchen, um zu merken, dass die iranische Bombe nun leider doch in unterirdischen Fabriken gebaut wird?

Die Welt wird es spätestens merken, wenn das kleine Israel durch eine schiitisch gesegnete Bombe ausgelöscht ist. Die Amerikaner sind offenbar keine Genies der Spionage. Im letzten Irakkrieg scheuchte die CIA die GIs der US Army zum Gespött der globalen Voyeure auf die Suche nach Massenvernichtungswaffen, ABC-Waffen, die Saddam Hussein vorsorglich ins verbündete Syrien in Sicherheit gebracht hatte.

Ach! und die wiedervereinigten Deutschen, sie haben aus ihrem verlorenen Hitler-Krieg nur eine dumpfbackige Lehre gezogen: „Nie wieder Krieg!“ Sie sollten lieber was Neues lernen: Nie wieder eine totalitäre Diktatur! Das käme langfristig günstiger, denn dann kriegen sie den Frieden als Gratisgeschenk dazu. Warum? Weil es bisher noch niemals in der Weltgeschichte einen Krieg gab zwischen zwei Demokratien.

Diese alte Weisheit gilt allerdings nur dann, wenn man die Wahl hat. Und wenn der iranische Präsident Machmud Achmadinedschad heute den Holocaust leugnet und im gleichen Atemzug Hitlers Werk mithilfe der iranischen Atombombe vollenden will, dann müssen die bewaffneten Juden in Israel den Krieg gar nicht mehr groß wählen, denn sie sind schon im Krieg, und das bedeutet: Sie müssen ihn führen und gewinnen oder sterben.

Reden wir Tacheles: Der Staat Israel ist in seiner politischen und kulturellen Substanz ein europäischer Staat, umgeben von totalitären Todfeinden.

Das Land der Juden ist eine Demokratie im permanenten Krieg mit den antidemokratischen Staaten rundrum, bedroht von theokratischen, nationalsozialistischen oder feudalistischen Diktaturen, die seit Jahrzehnten alle Juden, die rechten, die linken, die araberfreundlichen Tauben, die Falken, die Aschkenasim, die Sepharden ins Meer treiben wollen. Israels Todfeinde sind in diesem Hass fast so idealistisch gesinnt, wie es ihr Idol Adolf Hitler war. Sie lügen nicht, sie tricksen kaum, es ist Verlass auf sie wie auf Hitler, der in „Mein Kampf“ offen alles sagte, was er denkt. Als er 1933 an die Macht gekommen war, tat er es auch.

Ich sehe in diesem heillosen Nahostkonflikt ein Lehrstück für die Welt. Nicht nur Israels Existenz ist da bedroht . . . das Volk der Juden in seinem winzigen Land kommt mir auserwählt vor, ja, aber nur im katastrophalen Sinn. Israels Schicksal sehe ich als ein Menetekel für die Völkerfamilie auf diesem winzigen Planeten Erde.

Hm. Auch wieder sehr ermutigend, nicht wahr? Den resignierten Monolog meines Mannes zu dem Thema gebe ich ein andermal wieder.

8. Mikado - März 12, 2008, 20:48

Ja, Biermann ist ein feiner Kerl, er ist auch einer der wenigen der sich noch an die Mauer und den Schießbefehl der ehemaligen DDR erinnern kann.

Ich fand an dem Zitat bemerkenswert mit welcher Selbstverständlichkeit der Rheinische Merkur davon ausgeht, dass die überwiegende Mehrzahl der deutschen Intellektuellen mit Israel überhaupt nichts am Hut hat. Ok, den Eindruck kann man durchaus gewinnen, aber dass das so selbstverständlich angenommen wird finde ich schon irgendwie überraschend.

Gruß
Mikado

9. willow - März 12, 2008, 21:20

Vielleicht hofften die ja auf einen oder anderen empörten Aufschrei der übergangenen Angehörigen der deutschen intellektuellen Elite „ich auch, ich auch, wie können die behaupten, nur Biermann macht sich für das Überleben des Staates Israel stark!“ – leider habe ich davon bisher nichts mitbekommen…. (dabei gibt es ja tatsächlich noch zwei oder drei mehr)

10. Georg - März 13, 2008, 1:40

Hallo? Biermann? Das liegt über drei Dekaden zurück. Ich glaube nicht, dass irgendjemand in Deutschland Biermann noch für wichtig erachtet. Und überhaupt, was heißt eigentlich intellektuelle Kreise? Seit wann bestimmen SIE denn, was wichtig ist bzw. wie und was ein Staat macht?
Viel interessanter sollte die Allgemeinheit, der deutsche Michel, das Volk oder wie man’s noch bezeichnen kann sein, denn seine Meinung bestimmt die Politik und auch ein eventuelles Eingreifen des Militärs.
Biermann bleibt da leider außen vor – Willkommen im Leben.

11. Lila - März 13, 2008, 7:17

Na, immerhin konnte Biermann seine Rede ohne Angst um Leib und Leben halten. (Vielleicht, weil sie nicht sehr beachtet wurde?)

Intellektuelle Kreise haben einen bestimmten Einfluß, den man nicht überschätzen sollte, denn er erstreckt sich auch wiederum auf ähnlich interessierte Kreise, würde ich mal sagen. Aber was sind überhaupt Intellektuelle? Künstler, Schriftsteller? Die sind doch nicht zwangsläufig intellektuell. Akademische Größen? Ich weiß es auch nicht.

Aber Ansichten wie Biermanns sind doch in Deutschland eine geduldete Minderheit, oder liege ich da total falsch? Ich habe ja außer Talkbacks in Zeitungen (die ich eh nur selten lese) wenig Gelegenheit, das auszutesten. Ich habe immer den Eindruck, die „wohlmeinenden Israel-Kritiker“ (Israel sollte, müßte, darf nicht…. als hinge das Wohl und Wehe der Welt allein an uns) sind weit in der Überzahl.

12. grenzgaenge - März 13, 2008, 8:13

„Jugoslawien hat gezeigt, dass Europa sich einmischen kann.“

@georg. und dieses einmischen europas hat so viele menschenleben gerettet, unglaublich. fuer mich zeigt das totale versagen europas im ehemaligen jugoslawien das man besser schnell fluechten sollte als sich auf die europaeische aussenpolitik zu verlassen. auf screbenica, das abschlachten von zivlisten unter den augen der un, gehe ich hier nicht noch mal ein. das hatten wir schon in aller ausfuehrlichkeit.

13. Paul13 - März 13, 2008, 8:20

@ Lila

Biermanns Ansichten, so klug sie sein mögen, sind mit Sicherheit eine Minderheitenposition in Deutschland. Die einzigen, die Israel am Ende wirklich beistehen werden, sind die Amerikaner. Die Europäer und auch die Deutschen werden es bestenfalls zu symbolischer Unterstützung kommen lasse. Da sollte man sich keine Illusionen machen, so traurig das ist.

14. Georg - März 13, 2008, 8:56

@ grenzgaenger: „fuer mich zeigt das totale versagen europas im ehemaligen jugoslawien das man besser schnell fluechten sollte als sich auf die europaeische aussenpolitik zu verlassen“ Genau das meinte ich, man soll und darf sich nicht drauf verlassen. Lieber selbst stark sein und selbst Aktion machen als auf Europa zu warten. Trotzdem beginnt Europa seit Jugoslawien zu reagieren.
Mehr als symbolische Unterstützung ist von Deutschland in der Tat erst mal und für eine längere Zeit nicht zu erwarten. Dennoch, auch symbolische Unterstützung nützt!

@ Lila: Biermann will ich als alte Biermann-Fan doch nicht schlecht machen, doch sehe ich, dass er in Deutschland in der Bevölkerung eher unbekannt ist. Geschweige denn, seine Worte hätten irgendeine Wirkung. Ist eben nicht so.

Wenn beides jetzt nicht so ist – einmal angenommen – also, keine rechtzeitige Unterstützung Europas für Israel sowie lediglich Zustimmung Israels von „Uralt-Intellektuellen“ – was bleibt dann? Genau das meinte ich, es bleibt dann nur dem Land sich selbst. Ups, bin hier grad grammatikalisch durch den Wind. Jedenfalls: Sei stark und helfe dir selbst!
Nur so geht’s!
Wenn ich das mal so direkt sagen darf…

15. Georg - März 13, 2008, 9:24

Noch was (sieh es mir nach ;o) )
Stell dir doch mal eine Tupper-Party in Deutschland vor. Jemand der Frauen ist so unverschämt und bringt das Thema Israel-Konflikt auf die Tagesordnung. Was wird geschehen?
Eine Frau wird sagen, man solle den Pallis endlich ihr Land geben, die zweite Frau wird vielleicht entgegnen, dass dies hätte jederzeit geschehen können, wenn sie es denn gewollt hätten. Sodann werden die anderen dringend zum Küchenschrank schauen, in dem das Likörchen steht und alle werden sich zueinander zuprösterchen.

Was ich sagen will: Israel existiert nicht in den Gedanken der Deutschen. Politiker tun, was sie politisch korrekt tun müssen, ansonsten ist es uns eigentlich wurscht, was in Israel vor sich geht. Deshalb ist die Medienberichterstattung auch so zu erklären: Aufmerksamkeit gibt es erst dann, wenn ganz Schlimmes geschieht. Israel ist stark also der Aggressor, die kleinen „Nadelstiche“ der paar Raketen der „Freischärler“ werden eher pallisymphatisch verstanden.
Ich habe Verwandte in Holland. Die Holländer sind noch viel direkter, geben Israel offen die Schuld an den Unruhen. „Unruhen“, die normale europäische Bevölkerung versteht einfach nicht, was da vor sich geht. Und das, ich sagte es bereits, macht die Hamas besser, sie machen eine Öffentlichkeitsarbeit, die seinesgleichen sucht.
Lila, du siehst schon ein rotes Tuch, wenn jemand sagt, „ihr sollt“, „müsst“ oder ähnliches. Es ist schwer für mich dann zu sagen, was geschehen sollte. Wir befinden uns neben dem realen mitten in einem Medienkrieg.

16. Lila - März 13, 2008, 10:35

Lieber Georg, wieder mal hab ich mich mißverständlich ausgedrückt. Mit dem „Israel sollte, müsste“ etc habe ich nur darum ein Problem, weil ihm eben kein „die Palästinenser, müssten, sollten“ folgt.

Die meisten Menschen sagen nämlich: die Israelis sitzen am längeren Hebel, sie haben das Problem angerührt, nun ist es an ihnen, es auch zu lösen. Das höre ich so oft, es ist zum Verzweifeln. Und wenn ich frage, wie denn bitteschön Israel das ganze Problem geschaffen hätte, dann heißt es, durch die Besatzung etc.

Viele Leute glauben, es gab einen Staat Palästina, ein uraltes Gebilde,und die Juden, die eigentlich gar nicht hier hin gehören, haben ihnen unter dem Deckmäntelchen des Holocaust-Opferlämmchens das Land weggenommen. Und vorher war hier Ruhe.

Und die Palästinenser? Nun, die sind eben bedauernswerte Hitzköppe. Das ist nun mal deren Termperament, da soll man nicht so empfindlich sein.

Also, das ist meine Erfahrung mit dem Meinungsbild der Deutschen, und das meinte ich mit dem „Israel sollte müßte“….

Oh, und wenn man dann ein paar historische Tatsachen in Erinnerung ruft, dann sagen die Leute: die Geschichte interessiert mich nicht, Israel sollte jetzt….“

Und da soll ich kein graues Haar kriegen…

17. Georg - März 13, 2008, 19:05

Da hast du völlig recht, liebe Lila, das sehe ich ganz genauso, ich könnte die Dummheit der Leute verfluchen. Und genau daran sieht man, wie gut die Werbeagenturen der Palästinenser seit jeher funktionieren: Vom Palli-Tuch als Symbol für Freiheit gegen Unterdrückung bis hin zum modernen Medienkrieg der Hamas – so blöde und albern ihr Tun uns auch manchmal erscheint, genau das kommt bei der Allgemeinheit aber nachhaltig an. Ich habe schon jemanden getroffen, die meinte allen ernstes, dass die Fatah das arabische Pendant zum Roten Kreuz sei. Da schlägst du vor Verzweiflung die Hände überm Kopf zusammen. Wodurch kommen solche irrwitzigen Ansichten? Na klar, die Reportagen im Priavat-TV RTLs & Co. in denen gezeigt wird, wie Leute der Fatah einfachen Bürgern, denen das Dach von den bösen Israelis unterm Kopf weggeschossen wurde, Geld zum Überleben gegeben wird. Solche Bilder kommen an und wirken. Genau wie du sagst, wenn’s dann im Gespräch tiefer geht, schalten sie ab und sagen, Israel sollte usw…
Ach, Lila, ich weiß nicht wie, aber man muss diesen Medienkampagnen doch mal etwas entgegensetzen, es ist für mich schier zum Verzweifeln. Auch deine tolle Aufklärung seinerzeit, die Täuschungen des im Dunkel sitzen des Parlaments, auf den Straßen usw. – die Täuschung kommt nicht an aber die Bilder wirken, da höre ich noch immer Arbeitskollegen sagen, dass man den Zivilisten im Gazastreifen doch nicht einfach den Strom abklemmen darf, mache ich sie auf die Täuschung aufmerksam, sehen sie sie nicht etwa ein, nein, dann bin ich der Neunmalklug, der das doch gar nicht beurteilen kann usw.. Finde ich da Unterstützung in den Medien? Nein, nichts. Deshalb ist es an der Zeit irgendetwas in diesem Medienkrieg zu tun. Ja, wie gesagt, ich weiß nicht was, aber ich sehe schwarz, wenn es so weitergeht wie jetzt.
Sorry, dass ich mich hier so auskotze, es liegt mir halt viel an Israel seit meiner Kindheit, und es tut mir fast körperlich weh, wenn ich auf dieses blutende Land schaue. Huch, jetzt wird’s pathetisch, da muss ich schnell zu schreiben aufhören 🙂

18. Lila - März 13, 2008, 22:39

Ich finde das nett, daß Du Dich auskotzt, ich mach das schon seit vier Jahren hier.

Ehrlich, als ich anfing zu bloggen, da dachte ich nicht, daß diese Anti-Israel-Gefühle so weitverbreitet und so hartnäckig sind. Viele Leute rücken ja auch nicht gleich damit raus. Und die meisten bilden sich ein, daß sie total ausgewogen sind.

Ob auch noch viele alte Mythen über „die Juden“ so fest in den Köpfen verwurzelt sind? Ich mag die Frage kaum stellen, aber sie drängt sich einfach auf. Ob es immer noch überzeugend klingt, wenn jemand sagt: die Juden kontrollieren den Geldmarkt, die Medien, sie sind die großen Strippenzieher hinter den Kulissen… ? oder wenn es heißt: die Juden sind rachsüchtig, nachtragend, menschlich nur zu ihresgleichen, habgierig und rücksichtslos…?

Ich möchte nicht in Paranoia verfallen und halte mich sehr, sehr mit dem A-Vorwurf zurück – ich halte ihn nämlich für zu schwerwiegend, um ihn auf kleinere Ressentiments anzuwenden, die man auch anderen Völkern gegenüber hegt: „der Holländer“ verursacht vor jeder Autobahnausfahrt einen Stau, „der Belgier“ lebt nur von Fritten und läßt sein Haus verlottern, „der Westfale“ ist stur und humorlos, und so weiter.

Was den Antisemitismus vor solchen Ressentiments auszeichnet, ist letztlich die Vorstellung, daß die Juden vernichtet werden müssen. Hinter manchen Aussagen verbirgt sich das, sogar manchmal bedauernd: tja, die Gründung des Staats war wohl ein Fehler, man sollte ihn auflösen…

Aber wo ich diese Stoßrichtung zur Vernichtung nicht wahrnehme, spreche ich von Ressentiment und Vorurteil, nicht von Antisemitismus.

Deswegen stelle ich mir die Fragen über die tieferen geolgoischen Schichten, auf denen manches verhuschte Fehlurteil zum Nahostkonflikt ruhen mag, nur sehr, sehr ungern und verstohlen. Ich möchte niemandem Unrecht tun.

Ich versuche hier das Meine zu tun, laienhaft und eigentlich von anderen Verpflichtungen aufgefressen, knapse mir die Zeit eigentlich vom Schlaf ab, denn alles andere MUSS ja erledigt werden – und manchmal weiss ich nicht, ob ich ohne Bloggen verrückt würde. Oder mit.

Oh Mann, ich erinnere mich noch, wie ich vor vielen Jahren eine Zeitlang auf die JPost abonniert war, die Druckausgabe. Da war immer so eine Kolumne, Media watch oder so, wo sie sich echauffierten, wie ungerecht wieder in den englischsprachingen Medien berichtet wurde. Das habe ich nicht immer gelesen, ich weiß noch, wie ich dachte: in den deutschen Medien würden die nicht viel Material finden, überhaupt sind die Deutschen nicht so

Und dachte, die Media Watcher sind paranoid.

Und jetzt bin ich es selbst.

19. Georg - März 14, 2008, 4:05

„Und dachte, die Media Watcher sind paranoid. – Und jetzt bin ich es selbst.“

Eben nicht, sondern sensibel geworden, nicht pathologisch, so aber doch krankmachend in all dem Alltag. Wie ein Psychoterror, wie ein Hitchcock-Film „Virgilio – es wird etwas mit dir/euch gemacht; und die Frage nach der Kontrolle drängt sich immer mehr auf: „Kann ich’s noch kontrollieren?“

Ich wünsche dir eine fähige Regierung, die für ihre Bürger da ist.
Wenn ich von hieraus etwas dazutun kann, werde ich es tun.

Liebe Grüße
Georg

20. grenzgaenge - März 14, 2008, 8:09

„Ich finde das nett, daß Du Dich auskotzt, ich mach das schon seit vier Jahren hier.“

ist ja interessant, lila. DESHALB also bloggst du 🙂

21. Heimo - März 16, 2008, 7:31

das habe ich mir schon lange gedacht, als sich im letzten Jahr die Nachrichten über die Feinde Israels verdichteten (was wohl kaum jemand hier in Deutschland wahrnimmt), als der immer engere Zusammenschluß erkennbar wurde – Iran mit Syrien – Iran als Hamas-Berater, Hizbollah (ja eh von Iran aufgebaut & unterstützt) berät Hamas in Angriffstaktiken – Hamas bekommt mehr & mehr Langstreckenraketen eingeschmuggelt von Iran über Syrien – Syrien baut seine Militärkraft in den letzten Monaten hauptsächlich mit Langstreckenraken auf – ja natürlich – die haben sich schon lange verabredet eine Großoffensive gegen Israel zu starten – ich habe keine Zweifel – wenn’s auf einer Seite losgeht, dann werden die anderen auch alle gleichzeitig wieder draufhauen, – wie schon paarmal gehabt seit Israels Staatsgründung – ganz sicher ist – die bauen jetzt alle auf immer bessere Langstreckenraketen, weil sie ja sehen, daß Israel bis jetzt kaum Handhabe gegen die armseligen Quasams hat – & als es letzten Sommer in den Libanon ging, auch die Quellen nicht wirlich ausschalten konnte – man muß sich bewußt machen, daß Iran ohne Ende mit großem Potential high-tech Waffenmaterial gegen Israel entwickelt & erfolgreich in fast alle Nachbarländer schleust & irgenwann kommt dann der Tag ‚X‘ –
ach ich zwar liebe Israel & die Freunde, Allierten Israels sollten sich dieser Gefahr auch langsam bewußt werden – oder wie immer- erst mal abwarten, was passiert & dann kann man ja irgendwann ja irgendwelche Uno-Hilfstrupps hinschicken – ich hoffe zumindest USA ist zur Zeit noch ein bißchen verläßlicher..


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