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Nicht vergessen März 7, 2008, 23:36

Posted by Lila in Land und Leute.
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Viele, viele Kommentare sind jetzt hier im Umlauf, viele Einschätzungen. Nach den gehäuften Angriffen der letzten Wochen und Tage (von denen ich nicht mal alle hier verzeichnet habe, der Soldat in Kisufim, der Autokäufer in Hebron….) ist zu erwarten, daß Olmerts Regierung irgendetwas TUT. Was und inwieweit es sinnvoll ist, mag ich gar nicht erörtern.

Allein ein kurzes Blättern durch y-net, Haaretz und JPost zeigt, daß der eine meint, das Ende der Hamas wird eingeläutet – ein anderer spekuliert, daß die nächste Intifada bevorsteht – ein dritter plädiert für den Einsatz nicht-tödlicher Waffen – wieder einer glaubt, mit den Methoden von Oslo die Lösung gefunden zu haben – und findet Unterstützung hier – ein anderer möchte Israel ebenso hart durchgreifen sehen wie andere Länder – ganz zu schweigen von den Fernsehfritzen (Roni Daniel würde am liebsten ein paar Hamasniks ohne Salz zum Frühstück… und den Gazastreifen wieder besetzen) und meinem Mann, der scherzt, wir könnten uns ja aufs ungezielte Abschießen von Qassams in Richtung Gaza verlegen, das nimmt niemand ernst, aber man erreicht sein Ziel trotzdem.

Auch Olmerts Bemerkung beim Abzug der Truppen, daß das erst der Anfang war…, steht noch im Raum.

Irgendwann wird also irgendwas passieren im Gazastreifen. Ich fürchte für Soldaten und Zivilisten, für alles mögliche, ich will auch die Leute, die gestern abend jubelnd Baklawa verspeisten, nicht elend sterben sehen – aber am hartnäckigsten steckt mir ein Bild im Kopf.

Irgendwo in Gaza, vermutlich in einem Keller, sitzt Gilad Shalit. Er spricht Arabisch, er kennt die Leute, die ihn festhalten, inzwischen ganz gut. Irgendwo lief mal das Gerücht um, daß er mit ihnen Sheshbesh spielt, oder Schach, und so sehe ich ihn vor mir. Vor einem Spielbrett, ihm gegenüber ein junger Mann mit Keffiey und Gewehr, sie lachen. So möchte ich das Bild halten, harmlos, als wäre er freiwillig dort. Könnte nach einem Schachmatt aufstehen und nach Hause gehen.

Als wir die Aufnahme seiner Stimme hören konnten, das ist auch schon wieder lange her!, habe ich gut hingehört. Seine Stimme klang nicht wie die eines gebrochenen Mannes. Obwohl er ungeschickte Formulierungen verlesen mußte, klang seine Stimme ruhig und beinahe zuversichtlich, nicht wie ein Mann, dem man die Waffe an die Schläfe drückt. Er ist wohl nicht mehr der Junge mit dem weichen Gesicht, er wollte wohl mit seiner Stimme seine Eltern, die durch die Hölle gehen, beruhigen und aufrichten.

Wie gesagt, Gerüchte und Andeutungen besagen, daß er relativ gut behandelt wird und die Hamas ihn am Leben halten will, weil sie wissen, daß er lebend mehr wert ist als tot. Gedanken an den endlosen Albtraum Ron Arad versuche ich zurückzudrängen. Selbst Assoziationen mit der Rudi-Kreuzkamm-Episode (die ich als kindliche Leserin schon abscheulich fand und die mir heute riesige Zweifel an Kästners humorvoll-menschenfreundlichem Image einflößt) sind nicht tröstlich.

Sobald ein Mensch totale Macht über einen anderen hat, besteht die Gefahr, daß er sie ausnutzt – und wie groß ist diese Gefahr erst, wenn ein junger israelischer Soldat Menschen in die Hände fällt, die nichts mehr hassen als israelische Soldaten. Und mit welcher Inbrunst dieser Haß zelebriert wird, das sehen wir ja täglich.

Wenn ich zu diesem Albtraumszenario dann noch fallende Bomben und Raketen, brennende und zerstörte Häuser, eine Bevölkerung auf der Flucht und heftige Binnenkämpfe unter der Feuerdeckung unserer Armee hinzudenke – dann befürchte ich, daß seine Eltern ihn nie mehr wiedersehen werden.

Ist es ein Zufall, daß wenig von ihm die Rede ist dieser Tage?

Kommentare»

1. flowerkraut - März 8, 2008, 1:14

„ist zu erwarten, daß Olmerts Regierung irgendetwas TUT.Was und inwieweit es sinnvoll ist, mag ich gar nicht erörtern.“

eins ist zumindest sicher: die EU und andere werden weiter schön brav Geld an Gaza überweisen und sich dabei unheimlich toll und konstruktiv vorkommen. „unheimlich“ stimmt zumindest, „toll“ eigentlich auch … irgentwie.

2. Thatcher - März 8, 2008, 2:48

An der Zurückhaltung des jüdischen Volkes bei der Zurückhaltung, wann immer es um die gewaltsame Durchsetzung seiner staatlichen Sicherheit geht, merkt man die relative Unerfahrenheit von Juden im Staatsgeschäft. Sie glauben immer noch, dass sich dieses Staatsziel mit „moralischen Grundsätzen“, mit „Mäßigung“, und „Zurückhaltung“ effektiver erreichen ließe als mit denen der zielgerichteten Gewalt, der Niedertracht und der Staatsräson.

Nebenbei: Gilat Shalit und die Seinen können einem nur leid tun. Seine Rolle ist der vergleichbar, die die Passagiere der Flieger innehatten, die „islamische Heilige“ in die Twin Towers flogen. Ein lebender Toter, den man nicht wird retten können. Entweder stirbt er bei einem Einsatz, der Israels Sicherheit vergrößert, oder eines Tages können seine Angehörigen ein Video sehen, wie ihm seine Schlächter zu „Allahu akbar“-Rufen langsam und genüsslich den Kopf abschneiden. Tut mir ja wirklich leid, aber das ist seine Situation.

Mir tut kein Palästinenser leid. Sie haben eine Situation geschaffen, in der sie unser Mitleid gezielt gegen uns einsetzen. Dafür haben sie kollektive Strafe verdient, denn sie sind kollektiv für die Zustände im Gazastreifen verantwortlich. Diesen menschenähnlichen Monstern weine ich keine Träne nach. Immer feste druff, bis sich kein „arabischer Widerstand“ mehr regt! Am Israel chai! Später kann man das Kodesh singen. Wenn ihr leben wollt, dann müsst ihr töten.

3. califax - März 8, 2008, 3:51

Tja. Da kommen die Hetzer aus ihren Tonnen gekrochen.
Aber was soll man auch noch vernünftiges sagen?
Israel hat nun wirklich alles probiert. Nur den Selbstmord noch nicht. Und nicht einmal das würde die Antisemiten befriedigen.
Es ist wohl tatsächlich so, daß Israel zu massiven militärischen Mitteln greifen muss, ohne Rücksicht auf Verluste. Das Ergebnis wäre angesichts der Einstellung der palästinensischen Gesellschaft und der Taktik der HAMAS eine Ruinenlandschaft mit Tausenden toten Zivilisten auf palästinensischer Seite.
Man kann sich so ein Massaker nicht wünschen. Aber ich persönlich habe keine Hoffnung auf eine friedliche Lösung ohne eine vorhergehende massive militärische Niederlage der Terrorgruppen.

4. Heimo - März 8, 2008, 6:59

hm – habe gelesen dass Israels Sicherheitskabinett beschlossen hat (auf seiner Sitzung am Mittwoch), alle Raketenangriffe auf israelisches Gebiet zu beenden. Der Beschluss beinhaltete die Entscheidung, die Hamas-Herrschaft in Gaza zu zerstören. Außerdem sollen die Verhandlungen mit der palästinensischen Autonomiebehörde unter Mahmud Abbas weitergeführt werden. Zudem wolle sich Israel gemeinsam mit Ägypten bemühen, die Hamas zu stürzen. Das Kabinett brachte zum Ausdruck, dass es unbedingt „eine humanitäre Krise in Gaza vermeiden wolle.“ Es ist das erste Mal, dass eine offizielle Entscheidung getroffen wurde, die Raketenangriffe aus Gaza komplett zu stoppen.

„Israel is mulling a much broader and longer ground operation in Gaza, the defense minister, Ehud Barak, has said in recent days. But Israeli government and military officials say they are wary of such a campaign because of the inevitably high cost in lives on the two sides and uncertainty about what might be achieved.“ aus New York Times

Einen 2.en Vorschlag las ich gerade, daß man Gaza soweit evakuieren sollte, so weit die Raketen reichen, aber wie weit soll das gehen, wenn sie irgendwann von Iran gelieferte Langstreckenraketen haben? – Alle gefangen nehmen bis man Täter von ‚Unschuldigen‘ trennen kann ist natürlich unmöglich. Erneute Besetzung, Besatzung verpönt, aber kann man eigentlich noch anders? – die archaischen Kriege von damals, wo man dann einfach die anderen vertrieben oder umgebracht hat, sind nicht mehr möglich (nicht dass ich sie gutheiße) – wenn schon bei dem kleinen Einsatz Israels die Tage die Weltpresse erstrangig die zivilen Opfer in der palästinensischen Bevölkerung beklagt – die aber natürlich kommen müssen, wenn sich die Terroristen oder ‚Kämpfer‘ nach Hisbollah Taktik genau in dicht besiedelter Zivilbevölkerung agiert & versteckt – siehe auch:

“I have no doubt that the people who built Hezbollah’s military machine are now building the military machine of Hamas,” Mr. Regev added. He cited Iran, where Israeli security officials say the longer-range rockets used by both Hezbollah and Hamas were made.

Israeli officials say Hezbollah also provides Hamas with training and logistical support. They add that Hamas has also adopted other Hezbollah tactics, operating in civilian areas and in some cases storing weapons in homes, creating similar quandaries for the army that it faced in its war in Lebanon in 2006. “ (also from NY Times)

Hamas will Krieg, will gewaltsame Auseinandersetzung – Israel wohl eher nicht, aber es muß, wird, wohl bald entschieden reagieren – & ich hoffe es verläuft diesmal besser & erfolgreicher, als im letzten Libanonkrieg & ob Gilad Shalit hier jemals rausgeholt werden kann – ich hoffe es noch & wenn man jeden Keller, Stall & Bunker durchsuchen müsste – nach Waffen, Raketen & Shalit…

5. Heimo - März 8, 2008, 7:20

& ach Thatcher – ich glaube nicht an Kollektivstrafen, Kollektivschuld etc. , genausowenig wie ich an Verallgemeinerungen, Rassismus & Vorurteile glaube – selbst wenn die Mehrheit eines Volkes von blindem verurteilungswürdigen Fanatismus beseelt ist, glaube ich noch immer an die wenigen, die anders denken, die nicht mitmachen, die von dieser Mehrheit unterdrückt werden (allerdings ist es dann auch angeraten – soweit das möglich ist – sich von dieser fatalen Mehrheit abzusetzen, bevor man mit ihnen untergeht)

6. willow - März 8, 2008, 13:48

@Heimo – und? Kannst du solche Absetzbewegungen, die tatsächlich ein Argument gegen Kollektivstrafen wären- irgendwo erkennen? Ich leider nicht… eigentlich dürften sich dann die von israelischen Militäroperationen „betroffenen“ weder beschweren, noch dürften sie das Mitleid der „Weltgemeinschaft“ bekommen – die Realität sieht anders aus.

7. Lila - März 8, 2008, 14:29

Trotzdem muß man fairerweise annehmen, daß Menschen, die unter einem gewaltsamen Regime leben (egal ob demokratisch gewählt oder nicht – die Hamasniks haben oft genug gezeigt, daß sie nicht vor Gewaltanwendung zurückschrecken), nicht unbedingt mit ihm übereinstimmen. Bestimmt gibt es auch dort Menschen, die aus Angst den Mund halten.

(Unvergessen: ein Mann, dessen schwangere Frau bei einem Hauszusammensturz nach einem israelischen Angriff ums Leben kam. Das war vor vielen Jahren. Der Mann hatte lange in Israel gearbeitet, hatte Freunde in Tel Aviv, sprach ausgezeichnetes Ivrit und sprach vollkommen ohne Haß von seiner Trauer, auch Trauer um die Beziehungen zu Israel. Solche gibt es auch, vielleicht nur eine Handvoll, aber gerade darum muß man sie nicht noch mit bestrafen.)

Wir können nicht den ganzen Gazastreifen dem Erdboden gleichmachen, und ich glaube nicht, daß die Armee das tun wird. Gezielte Schläge gegen Drahtzieher und Ausführer der Raketenangriffe – ja. Auch die würden wir gern einstellen, wenn diese Leute, die ja bekannt sind, nur festgenommen würden.

Das war schon zu Arafats Zeiten und zu Zeiten der Fatah-Regierung in Gaza schwierig genug – sie bekamen Listen mit Namen vom Shabak, versicherten uns, daß sie die Leute hinter Schloß und Riegel gesteckt hätten – aber ebendiese spazierten weiter frei herum.

Darum die gezielten Tötungen, die präzise Aufklärung und lange Beobachtung in Anspruch nehmen. Natürlich geht die Armee bei so Aktionen wie neulich auch zu Fuß rein und nimmt Leute fest und verhört sie – auch wenn dieser Teil der Arbeit in den Medien eher seltener erwähnt wird, da er weniger spektakulär ist als ein schön lauter Luftangriff.

All dieser Aufwand, die letztendlich unvermeidlichen Opfer (Zivilsiten hüben und drüben), das ganze Hin und Her – das alles wäre vollkommen vermeidbar. Es würde reichen, den Terror gegen Israel einfach einzustellen. Einfach aufzuhören. Dann könnten endlich gemeinsame Wirtschaftsprojekte aus der Schublade gezogen werden, und es ginge endlich, endlich aufwärts………………..

Ich wünschte, da würde mal einer drauf kommen! Ich wünschte, ich könnte Haniya eine kleine Mücke ins Ohr schicken, die ihm das mal vorschlägt. Aber die Mücken haben wohl anderes zu tun, und Haniya ist Marionette von Nasrallah, Mashaal, Assad und Ahmedinijad. Vielleicht sollte ich denen lieber eine Mücke schicken?

Würde doch die EU mal ein deutliches Wort dazu sagen! Richtig richtig deutlich. Die Gewalt im Nahen Osten kann nur von denen beendet werden, von denen sie ausgeht. Was ist daran so schwer zu verstehen????

Und hier lese ich es gerade: die Ägypter vermuten, daß Syrien hinter dem Anschlag in Jerusalem steckte. Na bitte.

According to the report, a senior Egyptian official told the paper that „Syria may be interested in focusing the international attention on the situation in Gaza and the West Bank, instead of the situation in Lebanon.“

Asked whether Hizbullah was responsible for the Jerusalem shooting spree, the official responded that „there was not enough evidence, but that an investigation was ongoing.“

8. SKH - März 8, 2008, 14:29

Den Kommentar über Kästner versteh ich nicht. Was ist daran schlecht?

9. Lila - März 8, 2008, 14:44

Oha, ich bin ertappt. Ich mag Kästner nicht! Er erzählt schöne Geschichten und hat ein paar ganz witizige Formulierungen, aber ich mag seine väterlich-herablassende Art nicht. Ich mag seine Musterknaben und ihre aufopfernden Mütter nicht. Ich finde zB die Mutter von Anton in Pünktchen und Anton richtig unsympathisch, sie ist einfach fies zu Pünktchen!

Und im Fliegenden Klassenzimmer mißfällt mir das Irrational-Männerbündische, dieses Pathos ebensowenig wie im Krieg der Knöpfe und ähnlicher Literatur. Mir ist die Rolle des Justus und des Nichtrauchers unheimlich, als unkritisch verehrte Vorbilder – diese ganze Jungens-Welt gefällt mir nicht.

Ich finde die Stelle im Emil, als die Kinder den Grundeis verfolgen, ebenfalls unheimlich – die Macht der irrationalen Masse. Und was haben sie für Beweise? Gar keine. Schon als Mädchen hat mich die Pony Hütchen genervt, die nichts Vernünftiges machen darf.

Und warum muß Luiselotte zu einem Mann zurückkehren, dem sie eigentlich nichts bedeutet und er ihr nicht?

Und die Darstellung der Aggression gegen Kreuzkamm, die Hinnahme dieser Gewalt durch alle Beteiligten als etwas Normales – da gruselt mir.

Es tut mir leid, wenn ich da am Bild eines hochverehrten Mannes kratze. Ich habe seine Sachen früher mal gern gelesen und über mein Unbehagen hinweggelesen. Auch die alten Filme haben wir zuhause, und ich habe den Kindern die Bücher auf Hebräisch gekauft. Aber wenn ich heute die Bücher zur Hand nehme, wird mir unbehaglich. Er behauptet, den Werten der Aufklärung verpflichtet zu sein, ist aber in seinen Büchern eigentlich genau das Gegenteil.

Übrigens auch die Erwachsenen-Romane. Immer dieselben Rollen, der jugendliche Held mit liebenswerten Schwächen, die keck-zierliche Heldin, die mütterlich-besorgte Lichtgestalt, die Komische Alte, der gütige Alte Mann.

Aber ich will darüber nicht rechten. Das ist wirklich nur meine persönliche Meinung, und ich maße mir nicht an, daß sie irgendeines anderen Menschen Meinung über Kästner sticht.

10. flowerkraut - März 8, 2008, 16:07

„Würde doch die EU mal ein deutliches Wort dazu sagen! Richtig richtig deutlich. Die Gewalt im Nahen Osten kann nur von denen beendet werden, von denen sie ausgeht. Was ist daran so schwer zu verstehen????“

Du träumst! „Die Zeit ist kaputt“. Wir sitzen hier in unseren Sesseln, finanzieren ein Terrorstan vor eurer Haustür und geben euch kluge Rezepte wie ihr damit fertig werden sollt (also sinngemäß: den Kakao dürft ihr auch trinken, nachdem man euch zuvor durch selbigen gezogen hat). Man fühlt sich nicht wohl dabei, aber so ist es, wir bleiben doch „dieselben Affen“! Ab sofort kein Geld mehr für Palästina, bis sie einen echten Friedensvertrag mit Israel eingehen und sich daran halten, wäre meine Meinung, und ich gebe dabei gerne zu, dass ich nicht immer dieser Meinung war. Ich weiß auch, dass sich weder D, noch die EU und schon gar nicht die UN daran halten würden.

PS: Liebe Lila, du solltest unbedingt noch einmal die Gedichte von Kästner lesen! Also das „was nicht in euren Lesebüchern steht“.

11. Lila - März 8, 2008, 16:13

Empfiehl mir mal ein paar gute Gedichte von Kästner, bitte. Ich kenne nur ein paar, und die haben mir auch nicht so gut gefallen…. aber ich würde mich freuen, meinen Gesichtskreis zu erweitern.

12. vered - März 8, 2008, 17:16

@7: Lila, Der EU solltest du auch Mücken schicken, einen ganzen Schwarm.

13. Lila - März 8, 2008, 18:57

Nu, Vered, nachdem Deine Generation hier alle Sümpfe trockengelegt hat – woher soll ich sie nehmen?

Grüße an den berühmten Mann.

14. flowerkraut - März 8, 2008, 19:15

Da meine diesbezüglichen Kenntnisse hauptsächlichen aus den Beständen moderner Antiquariate erwuchsen, kann ich dir leider nicht sagen was der aktuelle Buchmarkt zu bieten hat.

Eine kurze Suche im www gab dies als Anregung.
http://www.kaestner-im-netz.de/werk/gedichte/gedichte.html
http://www.luise-berlin.de/Lesezei/Blz99_02/text03.htm
Gebrauchslyrik, aber doch recht hellsichtig, oder? Mein persönlicher Klassiker ist

Moral
Es gibt nichts Gutes
Außer man tut es!

Das kann sogar ich auswendig zitieren! 😀
Sicher, er war ein Muttersöhnchen, Frauenheld und später ein Alkoholiker und vielleicht auch kein Topliterat. Na und, es gab damals viel Schlechteres.

15. Lila - März 8, 2008, 19:21

Ich hab mal durch mein Regal geguckt und dabei gefunden: Doktor Erich Kästners lyrische Hausapotheke und Notabene 45.

Ich geb ihm noch mal ne Chance. Oh ja, Du hast Recht, in seiner Generation gab es viel Schlimmere. Ich denke an die ganze Numinos-Prosa, Ina Seidel und solche, wo jeder Windhauch das Schicksal der Menschheit mit sich führt…

16. Manfred - März 8, 2008, 20:29

„Und im Fliegenden Klassenzimmer mißfällt mir das Irrational-Männerbündische, (…) diese ganze Jungens-Welt gefällt mir nicht.“

Du bist einfach neidisch, dass Du nicht mitspielen durftest. 😀

Nein, im Ernst, es ist mir nie aufgefallen, aber Du hast Recht – so richtig demokratisch und aufklärerisch ist das nicht.

17. Lila - März 8, 2008, 21:03

Ich durfte im Ferienheim in Seebühl am Bühlsee mitspielen, was sagst Du nun?

Ja, ich werde immer mäkeliger, je älter ich werde 🙂

18. Thatcher - März 8, 2008, 22:22

Es ist eine äußerst gewagte These, aber ich stelle sie trotzdem mal hier in den Raum.

Ich fürchte, dass alle Mücken dieser Welt nichts gegen die „kaputte Zeit“ werden ausrichten können.

Lila, Du setzt voraus, dass, irgendwie, die terroristischen Palästinenser „in ihrem Innersten“ rationale Ziele verfolgen und prinzipiell fähig wären zu deren Einsicht. Dass sie irgendeiner Art Argumentation zugänglich wären und auch dazu, dieser schließlich und endlich zu folgen. Dass ihre Gehirne also grundsätzlich so funktionieren wie eure und unsere.

Ich bezweifle genau dies.

Das Ziel der Palästinenser ist gar nicht der eigene Staat. Er war es vielleicht bis zum Zusammenbruch der Blockkonfrontation, als die Sowjetunion die sozialistischen, aber wenigstens noch auf westlichem Gedankengut fußenden arabischen Nationalbewegungen nicht länger unterstützte. Ab diesem Moment hatten sie nur noch den Islam. Und der Islam ist eine so grundlegende Kraft, dass er den Menschen die Gehirne verändert, so dass sie fanatisch und unfähig zur Vernunfteinsicht werden. Das ist eine Konsequenz der Saat, die sie in den Hamas-Kindergärten, in den Moscheen und in den Hass-Fernsehsendern legen. Der kann in Gaza niemand entfliehen, davor kann kein Vater, und schon gar keine Mutter, ihre Kinder schützen.

Würden sie so denken wie wir, dann würden sie in der Situation, in der sie sind (völlig abhängig von Israels Gnade und von EU-Geldern, ohne eigene Wirtschaft, ohne funktionierende Verwaltung etc.), keine Raketen rüberschießen. Könnten sie rational denken, dann wüssten sie, dass sie sich nur durch die Errichtung eines Staates am eigenen Schopf aus diesen Abhängigkeiten befreien können, denn alle diese Krüge gehen nur so lange zum Brunnen, bis sie brechen.

Sie denken aber anders. Sie haben gewissermaßen „islamisch verdrahtete Gehirne“. Zur Zeit müssen sie sich ja auch um nebensächliche Dinge wie die Frage, was sie morgen essen sollen oder wie sie die ganzen Waffen bezahlen sollen, nicht kümmern – das übernimmt alles die EU für sie. Ihr Ziel ist einzig die Vernichtung des jüdischen Staates. Dafür sind sie sogar mit Freuden bereit, das letzte Hemd herzugeben, dafür sind sie bereit, 14 von 14 Kindern zu opfern. Sie würden sogar freiwillig verhungern, wenn sie damit dem Ziel der Vernichtung Israels näherkämen.

Gegen solchen Fanatismus ist nur ein Kraut gewachsen, und das ist genau das, das ihr nicht einzusetzen zu dürfen glaubt.

Die EU wird ihre absurd hohen Zahlungen nicht einstellen, denn die Instrumentalisierung zugunsten arabischer Interessen ist ihr seit 1973 irreversibel eingeimpft. Würde ein EU-Staat den Palästinensern ab sofort nichts mehr zahlen, würde er seitens der EU gemaßregelt, bis er es wieder tut. Macht Euch keine Hoffnungen: solange es die EU gibt, wird sie eher Israel opfern als die Palästinenser. Warum das so ist: Ich wüsste gern selbst eine Antwort. Aber keine Mücke kann diese Situation ändern.

Nicht einmal die Amerikaner sind völlig frei von diesem Mechanismus, denn auch sie brauchen arabisches Öl, und bevor sie darauf verzichten, verzichten sie eher auf Israel.

Israel ist ein sich selbst überlassenes Land, so traurig mich das auch stimmt. Aber als einflussloser EU-Steuerzahler hat man keinen Einfluss, und die, die uns regieren, haben offenbar arabische Messer an den Kehlen.

19. Lila - März 8, 2008, 22:30

Thatcher, wo liest Du in meinen Ergüssen, daß ich davon ausgehe, die Palästinenser hätten rationale Ziele? Ich sage genau das Gegenteil.

Es gibt bestimmt auch welche, die rationale Ziele haben – ich kenne sogar ein paar. Aber die Mehrzahl, und die Machthaber, sind blutberauscht, irrational, unfähig zu Empathie und sie lügen wie gedruckt. Ich vergrätze damit bestimmt einige Leser, aber auch eine gutwillige Beobachterin wie ich kommt leider zu diesem Schluß.

Oh, und ich wünschte, es wäre anders. Dann gäbe es nämlich einen rational verhandelbaren Ausweg, eine Zukunft. So aber sehe ich schwarz.

Das hab ich doch ganz deutlich gesagt, oder? Ich möchte keinem Individuum was unterstellen – aber als Kollektiv handeln die Palästinenser wie oben beschrieben.

20. Thatcher - März 8, 2008, 22:51

Ich glaubte, aus Deinen Ausführungen den Grundgedanken herausdestillieren zu können, dass die Palästinenser zu den gleichen Gedanken fähig wären, die wir – an ihrer Statt, aber nicht für sie – denken. Ihr Denken ist so grundsätzlich anders, dass nicht einmal Dinge, die wir für so grundlegend halten, dass sie uns gar nicht bewusst sind, vergleichbar sind. Letzten Endes fällt in solcher Situation auch den besten Denkern nichts anderes ein, als zur Waffe zu greifen. Und wenn man das tut, dann sollte man es vorbereitet und gründlich tun.

Die Palästinenser sind keine Individuen wie wir, sondern sie sind ein Kollektiv. Egal wer seine Führer auch gerade sind, sie müssen kollektiv, im Sinne des islamischen Geistes und Ziels, handeln. Sie identifizieren sich mit ihrer Führung in einer Weise, die ihren Feinden gar keine andere Wahl läßt, als sie kollektiv zu bestrafen. Und wahr ist auch, dass sie diejenige Führung haben, die sie wollen. Würde man morgen demokratisch wählen lassen, würde wieder Hamas siegen. Vielleicht aber auch der Islamische Djihad oder eine ähnlich radikale Organisation. Es geht immer nur tiefer in den Wahnsinn; damit es wieder ans Licht gehen kann, müsste erst eine Individualisierung und eine Aufklärung einsetzen. Nichts ist derzeit weiter entfernt.

Entweder die Palästinenser werden kollektiv bestraft, als Anhängsel ihrer Führung, oder gar nicht. Sie begreifen nicht, dass sie geschont werden, weil man sie für weniger schuldig hält als ihre Führung. Sie denken vielleicht selber gar nicht, dass das zutrifft. Weil es m.M.n. auch gar nicht zutrifft. Letzte Woche starben über 100 Palästinenser – die meisten davon solche, die Israel für schuldig hielt – im Gegensatz zu nur 2 gefallenen Soldaten Israels (deren Familien ich Beileid wünsche). Und was war ihre Reaktion? Sie feierten ihren „Sieg“. Da kann man ihnen doch nur wünschen, dass sie noch 1000 solcher „Siege“ erringen mögen.

21. Lila - März 8, 2008, 22:58

Ja, das mit dem Sieg meinte hier auch jemand ganz trocken, weiß nicht mehr, wer es war.

Ganz kurz nur, bin mit dem Kopf eigentlich woanders: ich glaube, das Problem ist nicht deckungsgleich mit dem Islam, evt. SChnittmenge, ich kann es so nicht sagen. Aber auch zu Zeiten säkularer, pan-arabischer Führung haben die Araber Palästinas konsequent falsche Entscheidungen getroffen.

Selbstmörderisch.

Und trotzdem sind sie Individuen, ich glaube, wir Menschen sind alle Teile eines Kollektivs und Individuen. Es gibt viele Palästinenser, denen das Kollektiv zu viel wurde, zu mörderisch oder zu einengend, und die sich in Europa oder den USA niedergelassen haben. Ich kenne ein paar ausgezeichnete Wissenschaftler, bei denen das so ist. Sie fehlen zu Hause.

Und auch hier kriegen arabische israleische Ärzte Preise für ihre Kreativität, von denen auch jüdische israelische Patienten profitieren. Das sehe ich nicht so schwarzweiß.

22. grenzgaenge - März 8, 2008, 23:41

ja. vielleicht wundert es euch. aber ich glaube auch das es auf der palaestinensischen seite viele menschen gibt die ein nebeneinander leben mit israel wollen. ich habe mir abgewoehnt von frieden zu reden. das problem ist das diese menschen nicht mal vom nebeneinander leben reden duerfen ohne gefahr zu laufen am naechsten baum zu haengen. schon der kleinste verdacht „mit dem feind“ zusammen zu arbeiten ist lebensgefaehrlich. das ist der unterschied zu israel. amos oz laeuft hoechstens gefahr einen boesen kommentar in der zeitung zu bekommen. der unterschied zwischen demokratie und terror.

23. Lila - März 8, 2008, 23:51

Ja, und das ist die Wurzel der Tragödie der Palästinenser, nicht die Gründung des Staats Israel oder was auch immer vorgeschoben wird.

Uns würde ein gesittetes Nebeneinander-Herleben schon reichen. Die meisten Nachbarvölker sind einander nicht gerade grün, aber sie beschießen sich nicht und gehen nicht mit Bombengürteln über die Grenze.

Nach jahrzehntelanger Gehirnwäsche allerdings glaube ich, daß nur noch wenige Palästinenser heute wirklich klare und eigentständige Stellung beziehen können, und eine Vision von einem solchen nachbarschaftlichen Verhältnis entwerfen können. Geschweige denn, ihre Mitmenschen davon überzeugen können.

Ich seh schwarz, leider. Propaganda und Terror, Terror und Propaganda.

24. planq - März 24, 2008, 22:30

Mir tut kein Palästinenser leid. Sie haben eine Situation geschaffen, in der sie unser Mitleid gezielt gegen uns einsetzen. Dafür haben sie kollektive Strafe verdient, denn sie sind kollektiv für die Zustände im Gazastreifen verantwortlich. Diesen menschenähnlichen Monstern weine ich keine Träne nach. Immer feste druff, bis sich kein “arabischer Widerstand” mehr regt! Am Israel chai! Später kann man das Kodesh singen. Wenn ihr leben wollt, dann müsst ihr töten.

Bei so einer Meinung können wir ja alle froh sein das du wahrscheinlich im friedlichen Deutschland wohnst und nicht an der Israelischen Front deinen dienst schiebst. Nicht auszudenken was du alles anstellen würdest. Jedenfalls ist das der größte Müll den ich seit langem gelesen habe der zufällig auch noch gegen §130 StGB verstößt.

25. willow - März 25, 2008, 9:58

Nun, Volksverhetzung ist es wohl nicht – schon weil die Bewohner des Gazastreifens keine Bürger der Bundesrepublik Deutschland sind, ebensowenig die Israelis die er „aufhetzt“. Es ist sicher eine sehr zugespitzte Argumentation – aber sie steht ja nicht im luftleeren Raum, sondern muß an entsprechenden Drohungen gegen Israel (oder die USA, eigentlich gegen „den Westen“) gemessen werden. Um zynisch zu sein – nur auf die von Thatcher empfohlene Weise war es z.B. im 2.Weltkrieg den Briten möglich, siegreich gegen die Achsenmächte zu bestehen, Stichwort: Kollektivstrafe. Um so höher ist „den Israelis“ anzurechnen, daß sie alles versuchen, um diesen Weg nicht gehen zu müssen…


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