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Die unendliche Soap Opera März 3, 2008, 15:26

Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.
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aus der Feder der unermüdlichen Putz. (Ist sie wohl mutig genug, im Gazastreifen rumzulaufen, oder interviewt sie ihre Freunde per Handy? man würde manchmal gern was dafür geben zu sehen, wie die Reportagen zustande kommen…) Sie schildert uns das Leid im Gazastreifen in bewegten Worten, ohne vielleicht zu merken, daß sie dabei der angeprangerten Unmenschlichkeit Israel einige gewiß unbeabsichtige Schattierungen verleiht.

Zehn Männer sitzen auf dem Flachdach des Hauses von Mohammed Al Rasania, ihre Kinder spielen um sie herum Fangen. Seit Donnerstagnacht harren die Nachbarn der Al Rasanias hier oben aus, in Schichten. Um halb drei Uhr morgens hatte Al Rasanias Handy geklingelt. Am anderen Ende war das israelische Militär. „Sie sagten auf Arabisch, wir hätten 15 Minuten, unser Haus zu räumen, danach würde es bombardiert“, erinnert sich Mohammeds Bruder, der dabei war, als der Anruf kam.

Die Brüder, beide Kämpfer des Islamischen Dschihad, waren zu dem Zeitpunkt „auf Mission“. „Wir sind beide Anführer von Einheiten, die Israel bekämpfen“ – mehr will Khaled nicht zu den nächtlichen Aktivitäten sagen. Zum Glück seien sie nicht weit weg gewesen, nur fünf Minuten nach dem Anruf aus Israel standen die zwei auf dem Dach ihres Hauses und feuerten Kalaschnikow-Salven in die Luft.

Es war ein Notsignal, das verstanden wurde. Ihre Nachbarn im Stadtteil Beit Lahiya wachten auf, liefen zusammen und sitzen seitdem als weithin sichtbare menschliche Schutzschilde auf dem Dach des von 40 Familienmitgliedern bewohnten Apartmenthauses.

Um es klipp und klar zu sagen: Israel hat die Familie der Terroristen gewarnt (und zwar mit wesentlich längerer Vorwarnzeit als die Zivilisten in Sderot zugestanden bekommen) und tötete NICHT wahllos. Obwohl vermutlich die aktiven Brüder gerade unterwegs waren, Raketen abzuschießen.

Und daß die Terroristen ihre eigene Familie als menschliche Schutzschilde einsetzen, sagt wohl genug. Daß es sich dabei um ein Kriegsverbrechen handelt, entgeht Putz wohl. Ich nehme mal an, auch ihren Lesern.

Und zum vielbeschworenen Heldentum – für eine Gesellschaft, die in Lied und Wort pausenlos den Märtyrertod beschwört, verhalten sich die Hamasnisk recht normal: sie bringen sich ganz einfach in Deckung. (Um aus dieser Deckung heraus ihren Sieg zu verkünden 😀 )

Und so ist es in diesen Tagen unmöglich, mit irgendeinem zu sprechen, der innerhalb der radikal-islamischen Partei etwas zu sagen hat. Nicht nur die erste und zweite Riege hat sich in den Untergrund zurückgezogen, auch die Hinterbänkler fürchteten um ihr Leben, sagen die Kontaktmänner, die sonst solche Treffen vermitteln.

Und zur Familie eines alten Mannes, der aus Beer Sheva 1948 angeblich fliehen „mußte“ (noch eine ungeprüfte Behauptung…):

Seit fünf Tagen schläft seine Sippe im Keller, erzählt der Geschäftsmann: die Großeltern im Bett, die Jüngeren auf Matratzen und auf dem großen Wohnzimmerteppich.

Ja sowas! Seit fünf TAGEN. Was werden dazu wohl die Einwohner des westlichen Negev sagen, die seit Monaten und Jahren unter Beschuß sind und die nicht mal Keller haben (bei uns wird meist ohne Keller gebaut), ohne daß der SPon einen Pfifferling darum gegeben hätte…

Fazit:

Denn ein Gang zum Bäcker, das hat das Wochenende gerade wieder gezeigt, kann lebensgefährlich sein.

Allerdings, das sage ich auch seit Jahren. Und das darf nicht so weitergehen. Deswegen sollte Putz ihre Kumpel mal davon überzeugen, den Beschuß auf zivile Ziele einfach aufzuhören.

Also, alles klar: Israel geht tatsächlich Terroristen jagen. Israel warnt deren Familien vorher. Die Terroristen setzen ihre Familien als menschliche Schutzschilde ein. Inklusive Kinder. Das ist in vielen Fällen wirksam, weil Israel eben NICHT mit Absicht Zivilisten aufs Korn nimmt. Erst recht keine Kinder.

Und Ulrike Putz schluchzt in eine Box Kleenex nach der anderen, von ihrem sicheren Hotelzimmer aus, in Beirut oder Tel Aviv. Wie es sich für die Autorin und Heldin einer Soap Opera gehört. Sie merkt gar nicht, daß ihre rührende Geschichte Punkt für Punkt beweist, wer hier das Leben palästinensischer Kinder aufs Spiel setzt.

Kommentare»

1. niels | zeineku.de - März 3, 2008, 16:15

„von ihrem sicheren Hotelzimmer aus, in Beirut oder Tel Aviv. „

Weißt du das oder glaubst Du es?

2. Lila - März 3, 2008, 16:27

Hab ich doch oben gesagt: ich weiß es nicht. Deswegen auch das oder. Aber es wär schon interessant. 😉

3. eran1 - März 3, 2008, 16:33

Gut,
in Folge des 6-Tagen-Krieg war der Spiegeltitelseite mit einem israelischen Panzer und die Überschrift „Israels Blitzkrieg“ versehen (http://www.bornpower.de/israel/blitzkrieg.jpg).
Es ist nicht schwer zu erraten was „Der Spiegel“ damals und über all die Jahre zu suggerieren versucht.
Damit wurde der wichtigste Meinungsmacher Deutschland zum neuen Vorreiter in Sachen Wiederbelebung des deutschen Antisemitismus.

Ulrike Pütz steht diese Tradition weiterhin treu.

http://www.amazon.de/Raketen-gegen-Steinewerfer-Israels-Spiegel/dp/3825867234

Raketen gegen Steinewerfer‘ – das Bild Israels im‘ Spiegel‘ (Taschenbuch)

Kurzbeschreibung
Die Anlayse von mehr als 300 Spiegel-Artikeln führt die populäre Klage, Kritik an Israel sei in Deutschland tabu, ab absurdum. Das Magazin stellt Israel stereotyp als brutalen, expansiven und gar rassistischen Staat voller Missstände dar, dessen Gesellschaft innerlich zerissen ist und sich im Niedergang befindet. der Autor zeigt auch, welche Gefahr diese Art der Berichterstattung birgt: Den Nationen Deutschland und Israel komt die gemeinsamen Realität abhanden. Als Folge droht Unverständnis zwischen beiden Seiten – und damit ein Ende des heute noch häufig beschworenen „besonderen Verhältnisses“ zwischen Deutschland und Israel

4. Lila - März 3, 2008, 16:50

Dachs dagegen zieht eine nüchterne Bilanz.

5. Ostap Bender - März 3, 2008, 16:56

Ein interessantes Video, zeigt die Handvoll „disproportionate“ Soldaten im Einsatz unter höchster Lebensgefahr:

http://www.infolive.tv/en/infolive.tv-19082-israelnews-rare-footage-inside-jabaliya-refugee-camp-bombs-rocket-propelled-gre

6. niels | zeineku.de - März 3, 2008, 17:07

Den üblen SPIEGEL-Titel mit dem Blitzkrieg wollte ich erst nicht so recht glauben, aber es ist leider wahr. Man kann es im SPIEGEL-Archiv selbst nachblättern. PDF,
DER SPIEGEL 25/1967 vom 12.06.1967, Seite 1

7. Lila - März 3, 2008, 17:47

Leider hat es auch die berüchtigte Focus-Schlagzeile gegeben: Israel droht mit Selbstverteidigung

Tja.

8. grenzgaenge - März 3, 2008, 18:30

frau putz sitzt bestimmt in der hayarkon street in tel aviv. zum beispiel im hilton hotel (vermutung !). das mittelmeer im auge. ist echt schoen dort. von da aus verflucht sie die boesen israelis. das erinnert mich an ein paar uno mitarbeiter die in mike´s place (kneipe an der tel aviver strandpromenade) sassen und lautstark die israelischen besatzer verurteilten 🙂

9. eran1 - März 3, 2008, 19:39

Nirgendwo sonst sitzt man den heißen Nachrichten so nahe und doch so bequem.
Sehr viele der Journalisten sitzen in dem teuren Hotels von Jerusalem, geniessen das Leben, fahren drei Minuten zu den Grenzen von Ramallah, holen sich das Filmmaterial der palästinensische Kameraleute und deren Aussagen von pal. Zeugen, verarbeiten das ganze und schicken es „objektive Berichterstattung“ an ihren Arbeitsgeber.

Natürlich gibt es Ausnahmen, die schon zuvor erwähnt wurdne.

10. niels | zeineku.de - März 3, 2008, 20:05

Leute, Ihr wisst es nicht. Also lasst bitte das Spekulieren, es ist unredlich. Da SPIEGEL ONLINE schreibt, „Aus Gaza-Stadt berichtet Ulrike Putz“, gehe ich davon aus, dass das auch stimmt, bis es substantiierte Hinweise für das Gegenteil gibt.

11. Lila - März 3, 2008, 20:07

Ja, Du hast ja Recht, ich sag schon nichts mehr….. war auch nicht so gemeint.

12. eran1 - März 3, 2008, 20:22

„Leute, Ihr wisst es nicht. Also lasst bitte das Spekulieren, es ist unredlich“

Kapitel 4.2.2 ARbeitsbedingungen in Israel/Palätina in der von mir empfohlenes Buch „Raketen gegen Steinewerfer’ – das Bild Israels im’ Spiegel’“

Man kann sich auch ein wenig informieren. Zudem bin ich gut mit Journalisten dort befreundet, die anders als ihre Zeitgenossen seriöse Arbeit verrichten und genau wissen wie ihre Kollegen arbeiten.

13. Lila - März 3, 2008, 20:25

In ihrem Falle weiß ich es tatsählich nicht, will deswegen wirklich nicht weiter spekulieren.

Was andere angeht… ja, da hüllen wir uns lieber in Schweigen. Da hab ich auch schon ein paar Döneken gehört…

14. Ostap Bender - März 3, 2008, 21:33

Wo liegt übrigens Gaza? Der ostdeutsche Verdummungsender MDR weiß es ganz genau (der Gipfel erstmal einer mhertägigen Hetze gegen Israel):

15. MartinM - März 4, 2008, 11:41

Der „DDR-Nostalgiesender“ mdr hat sich wieder mal selbst übertroffen – wenn es nicht zum Heulen wäre, könnte man über diese Ignoranz lachen. (Immerhin ein Hinweis auf die Recherchequalität: mal kurz in den Atlas schauen ist schon zu viel verlangt.)

16. eran1 - März 4, 2008, 13:05

In Folge des 6-Tage-Krieges erschien ein Spiegel-Titelseite mit dem Überschrift „Israels Blitzkrieg“ Es ist nicht zu erraten was Rudolf Augstein damals und über viele Jahre suggerieren wollte.
Ulrike Pütz möchte scheinbar diese Tradition des wichtigsten deutschen Meinungsmachers fortführen…

http://www.lizaswelt.net/2008/03/die-libido-der-israelkritiker.html

Die Libido der „Israelkritiker“
(…)
Ulrike Putz hat nun sogar den ultimativen Kniff gefunden, die Kassam- und Grad-Attacken gegen Israel nicht mehr verniedlichen zu müssen, sondern sie offensiv als nachgerade pazifistische Botschaft präsentieren zu können: „Wie die Hamas Israel zum Frieden bomben will“, lautet allen Ernstes die Überschrift eines gestern erschienenen Beitrags von ihr. Anschließend heißt es, ebenfalls gänzlich ironiefrei: „Die Hamas verstärkt ihren Raketenterror – und provoziert Vergeltungsschläge der Israelis. So will sie die Regierung Olmert zur Entscheidung zwingen: verhandeln oder Krieg führen? Jetzt signalisiert die Hamas Gesprächsbereitschaft.“ Und die Journalistin ergänzt: „Es war wohl ein Befreiungsschlag, ein Akt der Verzweiflung. […] Der Angriff auf Ashkelon ist der Versuch, mit dem Spiel über die Bande einem Waffenstillstand mit den Israelis zu erreichen. […] Die Hamas hat gezeigt, dass sie das Leben in einer israelischen Großstadt lahm legen kann, wenn sie nur will. Nun ist der Ball im Feld der Israelis.“ Man darf gespannt sein, wann Putz der Terrorcrew den heißen Tipp gibt, mit möglichst flächendeckenden und verlustreichen Selbstmordattentaten ihre Gesprächs- und Verhandlungsbereitschaft, ach was: ihren unbedingten Friedenswillen noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen. Als finalen Befreiungsschlag, sozusagen. Es ist ja schließlich alles nur zum Besten des jüdischen Staates, den man bei allzu viel Herzweh halt auch mal mit unkonventionellen Mitteln dazu bringen muss, den Ball zurückzuspielen.

17. Manfred - März 4, 2008, 17:57

Ich frage mich nur eines: Warum hat die israelische Armee die vierzig Schwachköpfe nicht einfach weggepustet? Wenn sie schon so fair ist, eine Vorwarnung zu geben, dann hat sie bereits mehr getan als sie muss. Wer sich dann trotzdem aufs Dach setzt, um als menschlicher Schutzschild zu dienen, dem muss doch klar sein, dass ein SCHUTZSCHILD als erstes durchlöchert wird. Vor allem bin ich ganz sicher, dass die „Schutzschild-Strategie“ dann sehr bald nicht mehr angewandt würde. Mangels Beteiligung.

Übrigens bin ich mir nicht so sicher, ob das Wort „Blitzkrieg“ in den sechziger Jahren bereits negativ konnotiert war; ich glaube, dass man unter einem „Blitzkrieg“ damals vor allem eine erstklassige militärische Leistung verstand. Das Wort deutet, aus der DAMALIGEN Pespektive betrachtet, eher auf eine Identifikation mit Israel als auf eine Kritik.

18. Rowlf, the Dog - März 4, 2008, 19:03

@Manfred
Siehe dazu diesen Blogeintrag von Claudio Casula:
http://spiritofentebbe.wordpress.com/2007/06/06/vor-dem-liebesentzug/

19. Rowlf, the Dog - März 4, 2008, 19:04

@Niels
Frau Putz hat tatsächlich aus Gaza berichtet. Das weiß ich aus erstklassiger Quelle…

20. Lila - März 4, 2008, 19:30

Ich war es, die Zweifel daran geäußert hat. Dann will ich ja nichts gesagt haben…


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