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Aufrüstung Februar 28, 2008, 23:14

Posted by Lila in Land und Leute.
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Die Palästinenser setzen mehr und mehr Grad-Raketen ein. Gestern das Krankenhaus in Ashkelon, heute eine Schule. Ganz häßliche Dinger, Grads. 12 bis 15 km Reichweite. Hier ein bißchen mehr zu den Wafffen, mit denen die Leute im Süden beschossen werden.

Und eine Karte, die ganz gut zeigt, wie schmal das Land eigentlich ist:

(Was ich damit eigentlich sagen wollte: man male sich bitte selbst aus, wie viel von Israel noch raketenfrei bleibt, wenn sie auch in der Westbank ungestört ihrem Waffen-Hobby frönen dürfen, unsere treuherzigen Nachbarn.)

Kommentare»

1. MartinM - Februar 29, 2008, 12:50

Ich wundere mich, wieso die „selbstgebastelten“ Raketen aus palästinensischer Untergrund-Fertigung immer noch bagatelisiert werden, so als würde da mit Silvesteraketen geschossen werden. (Die auch nicht harmlos sind, wenn sie z. B. in einer Wohnung landen – die Feuerwehr weiss davon ein Lied zu singen.) Ich habe ein wenig Erfahrung mit dem Bau und Starten von Modellraketen, und kann aus dieser Erfahrung sagen: eine „selbstgebastelte“ Kleinrakete steht in ihren Leistungen (Reichweite, Nutzlast – in diesem Fall wohl „Schadenslast“ – Zuverlässigkeit) einer Kleinrakete aus industriellen Fertigung in nichts nach. Und der Sprengstoff in den Kassam-Sprengköpfen stammt garantiert aus „professioneller“ Fertigung. (Wie der wohl in das „hemetisch abgeriegelte“ Gaza-Gebiet kommt? Einmal dürfen die „Experten“ raten!)

2. Lila - Februar 29, 2008, 13:06

Zu dem Thema: wo kommen die Materialien her? gab es vor zwei Wochen eine interessante Reportage in den Nachrichten (ja ja, in letzter Zeit guck ich die wieder, man kommt ja nicht drumherum).

Natürlich kommt viel von Ägypten rein, sowohl durch die unterirdischen Tunnel (erinnert sich noch jemand an die internationale Empörung, als Israel die gesucht und zerstört hat?? muß mal den Link suchen), als auch bei der Grenzöffnung ganz offen, und dann natürlich über die offene Grenze zum Sinai, durch Schmuggler.

Des weiteren kommt ziemlich viel auch aus Israel in den Gazastreifen. Leider spielen da israelische ARaber (wie auch im Drogenhandel) eine unrühmliche Rolle. Sie schmuggeln Dünger, aus dem man Sprengstoff herstellen kann, in Mehlsäcken nach Gaza rein. Ein schwunghafter Handel.

Auf Bildern von Qassam-Werkstätten sieht man manchmal die Säcke mit hebräischem Aufdruck. Ja, ja, die unmenschliche Blockade!

Außerdem werden Kleinunternehmer gezwungen, ihre Produktion dem Qassam-Bau zuzuwenden.

Dann finanziert die EU manches unwissentlich. Es gab vor ein paar Jahren mal so eine Geschichte, die Palästinenser haben Unmengen von Rohren bestellt, und sie haben das Geld dafür auch bekommen. Natürlich haben sie keine Abwasserleitungen gebaut (die Infrastruktur im GAzastreifen ist ja bekanntlich schlecht, was natürlich allein Israel schuld ist). Sondern Qassam-Raketen.

Die Frage, wo kommen die Rohstoffe her, ist also eine ziemlich komplexe Sache.

Und was die Tödlichkeit angeht: auch wer mit einer primitiven Keule totgeschlagen wird, ist deswegen nicht weniger tot als das Opfer einer hochtechnologischen Waffe.

Immerhin scheinen die westlichen Medien mit sieben Jahren Verspätung endlich kapiert zu haben, daß im Südwesten Israels Krieg herrscht. Wie soll man es anders nennen? „Widerstand“?

3. MartinM - Februar 29, 2008, 14:21

Es stimmt, dem Opfer (und seinen Angehörigen) ist es egal, ob es durch eine Keule oder eine Hi-Tech-Waffe getötet wurde. Allerdings: die Kassams (und ihre „leistungsfähigeren“ Nachfolger) sind *keine* primitiven Waffen, was insofern von Bedeutung ist, als das noch gern die heroische Legende von den „verzweifelten“ Hamas-Anhängern, die sozusagen mit Steinen und Stöcken gegen Bomben und Panzer kämpfen, gestrickt wird – besonders in Deutschland. (Man vergleiche mal die Artikel über Qassam-Raketen in der deutschsprachigen und der englischsprachigen Wikipedia. So „unpräzise“, wie es in der deutschen Wikipedia heißt, sind die Raketen nicht, schliesslich bestehen ihre Gehäuse aus hochwertigen, nach europäische Normen gefertigten Rohren – und über Drehbänke und Elektrobohrer verfügt man, anders als die Abbildung suggeriert, auch im Gazastreifen.)
Mit meiner Frage an die „Experten“, die einmal raten dürften, woher der Sprengstoff stammt (die einzige „professionell militärische“ Komponenten an den Raketen), zielte ich natürlich auf die Schmuggel-Tunnel ab. Übrigens ist man auch in palästinensischen Heimwerker-Waffenschmieden wahrscheinlich vom „Rocket Candy“ (Ammoniumnitrat aus Dünger plus Zucker) zu professionelleren Mischungen umgestiegen – etwa Ammoniumperchlorat (gängiges Unkraut-Vernichtungsmittel) plus Aluminumpulver in einer Kunstharz-Matrix. Im Prinzip derselbe Treibstoff, der auch die Feststoffbooster des Space-Shuttles verwendet. Resultat: mehr Reichweite, größere „Zuverlässigkeit“. Rohstofflieferant (wahrscheinlich ungewollt): EU-Entwicklungshilfe.

4. Ostap Bender - Februar 29, 2008, 14:24

Mir ist auch bewusst geworden, dass ich keine Fotos von abgefeuerten Kassams in den deutschen Medien je gesehen habe. Schon dieses Foto, was ja nichts „ungewöhnliches“ darstellt

würde viel zur Aufklärung beitragen. Das Video der IAF, das Abfeuern von raketen aus der UN-Schule zeigt, wurde auch nicht gezeigt.

Stattdessen sehen wir von „Völkermord“ und „Blockade“ bedrohten Speckbacken-Kinder, gepaart mit dem, wie immer stilistisch und inhaltlich unter jedem Niveau, Text von Eden-Fleig:

http://www.zeit.de/online/2008/09/bg-gaza?6

5. Mia - Februar 29, 2008, 19:49

„Und was die Tödlichkeit angeht: auch wer mit einer primitiven Keule totgeschlagen wird, ist deswegen nicht weniger tot als das Opfer einer hochtechnologischen Waffe.“

Wobei ja bei hochtechnologischen Waffen in der Regel die Treffsicherheit grösser ist, das heisst, dass dann auch das anvisierte Ziel getroffen wird und nicht die unschuldige Zivilbevölkerung. (Es sei denn, die Zivilbevölkerung wird bewusst missbraucht, sei’s als Schutzschild oder zum Einsammeln von wiederverwendbaren Überresten von Kassams, wie es wahrscheinlich bei den getöteten Kindern der Fall war.)

Bei den Kassamraketen stellt sich dieses Problem zwar eigentlich nicht, weil ja jedes Ziel in Israel ein „gutes“ Ziel ist.

Olmert hat dazu ja mal etwas Intelligentes gesagt:

„Der Unterschied zwischen uns und Hizbollah ist, dass wir, wenn wir Unschuldige töten, es als Fehler betrachten; wenn sie Unschuldige töten, betrachten sie es als Erfolg.“

„Hisbollah“ hier könnte man wohl ganz einfach gegen „Hamas“ und andere terroristische Palästinenserorganisationen austauschen.


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