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Fragen zur „Blockade“ und „Abriegelung“… Januar 22, 2008, 10:19

Posted by Lila in Land und Leute.
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1. verweise ich auf Ruth, bei der man die Fakten nachlesen kann (und den Link hierhin findet)

2. frage ich mich, wieso in vielen Artikeln zum Thema das Wort „Kassam“ nicht vorkommt (vielleicht, weil viele Leser gar nicht wissen, was das ist?)

3. frage ich mich, wieso sich niemand über die Tatsache wundert, daß trotz jahrelangen Raketenbeschusses Israel den Gazastreifen unverdrossen und unter Lebensgefahr für LKW-Fahrer und E-Werk-Arbeiter immer schön versorgt hat. (Eines der Elektritizitätswerke, aus dem sie ihren Strom bekommen, steht in Ashkelon – dasselbe Ashkelon, das sie mit Raketen beschießen!) (Ich möchte den Bewohner von Weisweiler sehen, der den Holländern Strom liefert, während die Holländer Weisweiler wahllos mit Hunderten von Raketen beschießen!)

4. frage ich mich, was mit dem vielen, vielen Geld passiert ist, das die Palästinenser zum Aufbau einer Infrastruktur bekommen haben…

5. frage ich mich, wieso der Raketenbeschuß auf Israel keine UN-Sitzungen zur Folge hat, der Entschluß Israels aber, den Raketenschießern Strom und Treibstoff zu kürzen, aber schon. Ist das Leben israelischer Zivilisten etwa weniger wert als die Bequemlichkeit der Hamas…? Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.  Arabische Lobby? Die gibt es nicht.

6. frage ich mich, wie genial die Palästinenser sein müssen, daß sie es trotz grausamster israelischer Blockade noch schaffen, auch heute früh heldenhafte Kassamraketen abzuschießen!

Kommentare»

1. willow - Januar 22, 2008, 11:20

Nun, warum keiner -weder UN noch EU noch arabische Liga- ernsthafte Schritte von den Bewohnern des Gazastreifens verlangt hat heute indirekt der DLF erklärt…. es war davon die Rede, Hamas-Aktivisten würden lediglich die Negev-Wüste mit Raketen beschießen!

2. think about - Januar 22, 2008, 15:55

Heldenhafte Kassam-Raketen
Am 28. Juni 2003 gab es die ersten zwei israelischen Todesopfer; bis 27. Mai 2007 stieg die Zahl der durch Qassam-Raketen getöteten Israelis auf 10. (wikipedia)

6 Fragen, auf die Du keine Antwort willst.
Aber die 6. Frage kommt den unerwünschten Antworten nahe:
„trotz grausamster israelischer Blockade“

zu 2. Beschuss reicht Dir nicht. Muss es unbedingt ein Kassam-Beschuss sein? Welche Marken verwendet denn die IDF? (Liste zu lang???)

think about

3. Mia - Januar 22, 2008, 16:00

„4. frage ich mich, was mit dem vielen, vielen Geld passiert ist, das die Palästinenser zum Aufbau einer Infrastruktur bekommen haben…“

Das – in der Tat – frage ich mich auch. Wie viele Milliarden wurden den Palästinensern kürzlich zugesprochen? Ein Drittel mehr, als sie überhaupt verlangt haben.

Was machen die bloss damit?

4. Lila - Januar 22, 2008, 16:02

Ich habe eigentlich keine Lust mehr, auf Kommentare zu antworten, die auf reiner Ideologie beruhen und persönlich werden.

Mein Blog ist voll von Antworten, man muß nur lesen können und wollen.

Israel ist in der Defensive, ganz einfach.

Und Israel läßt sich lange beschießen, ohne zurückzuschießen.

Bis es zurückschießt.

Und auch eine primitive Waffe kann töten, ist gefährlich, stellt Terror dar.

Welchen Grund haben die Menschen in Gaza, Raketen zu schießen, statt endlich ihr Gemeinwesen auf die Beine zu stellen? Fragst Du Dich das nicht manchmal, wann denn Deine heiß unterstützten Palästinenser mal was Konstruktives auf die Beine stellen, statt nur von Blutvergießen zu phantasieren???

Wieso ist es okay, einen israelischen Bauern zu beschießen, aber es ist ein Verbrechen, die Leute zu beschießen, die den Bauern beschießen????

Nach dem Abzug aus dem Gazastreifen war eine goldene Gelegenheit für die Palästinenser, den Gazastreifen in Ordnung zu bringen. Frag mal die palästinensischen Bauern, was sie gern mit den verlassenen Gewächshäusern gemacht hätten, die die Siedler zurückgelassen haben. Und frag sie mal, wer sie daran hindert.

Die Antworten könnten Dir unbequem sein.

ich weiß nicht, woher manche Kommentatoren die Frechheit nehmen, mir vorzuwerfen, ich würde mich Fragen nicht stellen. Seit fast vier Jahren mache ich nichts anderes. Dabei ist ein Blog kein Forum, niemand kann mich zwingen oder hat ein Recht auf meine Antwort, wenn ich gerade keine Lust habe oder es die x-te Neuauflage ist oder ein fies formulierter persönlicher Angriff, gern noch mit Holocaust-Metaphorik verziert.

Was soll das?

Soll ich die Bude hier zumachen? Wo sollen meine trolle dann spielen? Oder nur noch für registrierte Benutzer öffnen?

Die Tatsachen sind so sonnenklar, die Lügen der Propaganda so ermüdend dick aufgetragen – wieso plage ich mich eigentlich damit rum, zu schreiben? Ich habe hundert bessere Dinge zu tun.

5. Lila - Januar 22, 2008, 16:10

Mia, was die damit machen – Waffen kaufen. Korruption. Schmiergelder. Guck Dir mal die Villen an, in denen palästinensische Würdenträger wohnen. Ihre Autos.

Die Palästinenser ballern bei jeder Gelegenheit ganze Magazine mit ihren Maschinengewehren in die Luft, bei jeder Hochzeit, Beerdigung, auch einfach so. Sie lehren ihre Kinder, in die Luft zu schießen. Das Zeug kostet Geld! Dan Shiftan hat nachgerechnet, daß mit jedem Magazin eine Kiste Tomaten in die Luft geht.

So kriegt man das Geld schön verpulvert.

Gut, daß die Europäer hohe Steuern zahlen und viel Geduld mit den Palästinensern haben. Sie wollen keine Gegenleistungen sehen.

In den UK herrscht da gerade ein bißchen Katerstimmung, nachdem ein Bericht untersucht hat, wofür britische Steuergelder verwendet werden.

Zitat:

Funding Hate Education shows that part of the £47.5 million of British aid to Palestine is supporting:

* Textbooks that praise insurgents in Iraq, argue for the execution of apostates and idealise martyrdom.
* Television broadcasts, many aimed at children, that urge violence against non-Muslims and promote the view that Israel should not exist.

Ja, natürlich, Propagandamaterial, Fernsehen, Schulbücher, muß ja alles irgendwie bezahlt werden. Warum sollte man von den Palästinensern verlangen, daß sie ihre jungen, kräftigen Männer mal ans Arbeiten kriegen? DIe sind viel zu beschäftigt mit Raketenbauen und -schießen.

Unter dem Beifall ihrer europäischen Freunde, s.o.

6. grenzgaenge - Januar 22, 2008, 17:30

„Ich habe eigentlich keine Lust mehr, auf Kommentare zu antworten, die auf reiner Ideologie beruhen und persönlich werden.“

liebe lila,

das verstehe ich gut. ignoriere solche trolls doch einfach. es waere schade wenn du wegen solchen typen aufhoeren wuerdest zu schreiben.

herzliche gruesse,
der grenzgaenger

7. Lila - Januar 22, 2008, 17:31

Lesenswerter Artikel in der JPost. Darf ich zitieren?

A prominent Arab editor on Monday blamed Hamas for the ongoing crisis in the Gaza Strip, saying the Islamist movement had acted „stupidly“ by firing rockets at Israel.

Abdel Rahman Rashed, a Saudi national serving as general manager of the pan-Arab Arabiya news channel, said Hamas was responsible for the suffering of some 1.5 million Palestinians living in the Gaza Strip.

„Hamas committed a stupid act when it gave the Israelis an excuse to launch attacks in retaliation for a few antique rockets,“ Rashed wrote in the London-based daily Asharq Al- Awsat.

„Prior to that, Hamas committed a big crime against the Palestinian people by overthrowing the Palestinian Authority [in the Gaza Strip]. The Palestinians in the Gaza Strip have suffered a lot because of Hamas’s actions. Hamas is bringing Israel back into the Gaza Strip after it was liberated by the Palestinian groups.“

A top PA official in Ramallah told The Jerusalem Post that Hamas was „holding more than 1.5 million Palestinians hostage“ in an attempt to rally the Arab and Muslim masses against the PA and Israel.

„Of course, we strongly condemn the Israeli measures against the residents of the Gaza Strip, but Hamas is also responsible for what’s happening there,“ he said. „Unfortunately, the Palestinians in the Gaza Strip are paying a heavy price for Hamas’s irresponsible actions.“

The official also accused Hamas of ordering owners of bakeries to keep their businesses closed for the second day running to create a humanitarian crisis in the Gaza Strip. „Hamas is preventing people from buying bread,“ he said. „They want to deepen the crisis so as to serve their own interests.“

The official said that contrary to Hamas’s claims, there is enough fuel and flour to keep the bakeries in the Gaza Strip operating for another two months. „Hamas members have stolen most of the fuel in the Gaza Strip to fill their vehicles,“ he said.

Recht skrupellose Methoden, gegen das eigene Volk eingesetzt, um eigene politische Interessen durchzusetzen. Noch dazu unwirksame Methoden! Aber solange die westlichen Medien, EU und UN nicht nachfragen, sind sie erfolgreich. Israel wird gezielt diskreditiert, wenn es nicht stillhält.

8. Lila - Januar 22, 2008, 17:37

Na ja, Grenzgänger, ich schreibe schon weniger und das nicht nur wegen ein paar hartnäckiger Trolle. Ich habe einfach wenig Zeit im Moment. Ich habe auch schon Energie an Trolle verschwendet, weil ich einfach oft davon ausgegangen bin, daß jemand, der hier einen Kommentar hinterläßt, Antwort erwartet und verdient. 🙂

Das ist aber schon ne kleine Weile her!

9. Christian - Januar 22, 2008, 17:42

Liebe Lila,

laß Dich von den Trollen nicht entmutigen, und mach um Himmels Willen Dein Blog nicht zu! Es ist spannend, hier in deutscher Sprache über das Leben in Israel zu lesen und nebenbei auch noch Lektionen in europäischer Kunstgeschichte zu bekommen. Vielen lieben Dank dafür!

Zu den Palästinensern: Sie haben alle Chancen gehabt. Ich habe mich schon bei der Räumung des Gaza-Streifens gefragt, warum der israelische Staat und die israelische Bevölkerung immer wieder solchen Langmut aufbringen. Kein europäischer Staat würde sich auf Dauer gefallen lassen, was Israel hinnimmt.

10. david - Januar 22, 2008, 18:11

“Ich habe eigentlich keine Lust mehr, auf Kommentare zu antworten, die auf reiner Ideologie beruhen und persönlich werden.”

Blog, Foren, Feedback-Bereiche sind voll mit solchen Besserwissern, die aus einer Art selbstgerechten moralischen Unantastbarkeit allerlei Schlauheiten von sich geben, die sich dann am Ende einer Diskussion meist doch auch uralte Ressiments subsummieren lassen.
goal nefesh. sevel.
Irgendwie hab ich mit Europa immer weniger Mitleid, wenn ich an deren Zukunft denke.

11. planq - Januar 22, 2008, 18:34

“Ich habe eigentlich keine Lust mehr, auf Kommentare zu antworten, die auf reiner Ideologie beruhen und persönlich werden.”

Da du zufällig in einem Pulverfass lebst wird so etwas immer wieder passieren, vielleicht einfach ignorieren, was bestimmt nicht so einfach ist. Oder einfach mehr Anekdoten aus dem persönlich Leben/Umfeld bringen, ist sowieso interessanter als der Krieg.

12. Lila - Januar 22, 2008, 19:34

Mach ich doch schon 😉

13. willow - Januar 22, 2008, 19:48

@david

„Irgendwie hab ich mit Europa immer weniger Mitleid, wenn ich an deren Zukunft denke.“

Ich verstehe schon was du meinst… aber glaubst du wirklich, Euranbia könnte nicht schlimmer für Israel sein als es die EU heute schon ist?

14. Lila - Januar 22, 2008, 19:51

Nein, das glaube ich auch nicht. Ich würde nur mit großem Herzweh Europa untergehen sehen – und mit Europa natürlich auch den moderaten Islam, die säkularen Moslems, die sich sowieso schon gegen die Flut stemmen. Aber es scheint, die Unterscheidung fällt manchen Europäern schwer, und aus dem Willen, den einen nicht Unrecht zu tun, lassen sie den anderen freie Hand…

15. grenzgaenge - Januar 22, 2008, 20:27

liebe lila,

„Aber es scheint, die Unterscheidung fällt manchen Europäern schwer, und aus dem Willen, den einen nicht Unrecht zu tun, lassen sie den anderen freie Hand…“

das trifft den nagel auf den kopf. ansonsten habe ich mich in meinem blogg ausfuehrlich ueber das thema ausgelassen. ist besser als hier einen langen kommentar zu schreiben (denke ich !)

herzliche gruesse,
der grenzgaenger

16. grenzgaenge - Januar 22, 2008, 21:25

off topic !!

hallo lila,

darf ich etwas werbung machen ??

(wenn nicht loesche die werbung ….)

http://192.116.234.203/kkl/index.asp

danke 🙂

liebe gruesse,
der grenzgaenger

17. Marlin - Januar 22, 2008, 21:45

Abdel Rahman Rashed sagt einige interessante Dinge, wenn es wahr wäre, wäre das bezeichnend. Mal wieder, aber: „Hamas is bringing Israel back into the Gaza Strip after it was liberated by the Palestinian groups.“
Das ist doch albern. Insofern frage ich mich schon, was das für einer ist. Wenn das alle so sehen, wie er, dann legitimieren sie doch den Terror, oder? Die IDF und die Siedler sind dank Scharons Willen da rausgegangen, nicht, weil es nicht länger gegangen wäre.

Was mich zu einer weiteren Frage bringt, Lila: Gibt es Schätzungen, ob weniger Menschen gestorben sind seit der Streifen geräumt wurde, als wenn er noch besetzt/besiedelt gewesen wäre? Hat es sich vielleicht doch „gelohnt?“ Trotz des Weiterbeschusses, meine ich.

18. Lila - Januar 22, 2008, 22:09

Was das für einer ist? Ein Saudi, soweit ich verstanden habe. Natürlich legitimiert er den Terror, natürlich beschuldigt er Israel. Außerdem ist er Gegner der Hamas.

Aber daß die Hamas die Palästinenser in Geiselhaft genommen hat, da stimme ich ihm zu. Um das zu erkennen, muß man kein satanischer Israeli sein…

19. david - Januar 22, 2008, 23:21

@willow

Das meinte ich weniger. ich bin kein fear monger, der dauernd Eurabien beschwoert, als waere das eine unausweichliche Konsequenz der heutigen Entwicklungen dort (und wenn schon, wird immerhin das Essen und die Musik besser). Ich meinte eher die sinkende Lebensqualitaet, verbunden mit der Verbotskultur und all den politischen Holzwegen. Aber vielleicht sehe ich auch gerade alles zu pessimistisch, muss eigentlich auch nicht sein. Nuetzt naemlich auch wenig.
Hier noch was am Rande: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3497543,00.html

20. Lila - Januar 22, 2008, 23:27

Was Essen und Musik angeht, könntest Du Recht haben – da bin ich für die Weltherrschaft des Libanon! Fayrouz und Taboule allüberall.

Und zu diesem EU-Abweichler: den werden sie in Brüssel auf Taschenformat zurechtstutzen, denke ich mal, wenn er zurückkommt.

Ja ja, die Konferenz in Herzliya gebiert die wunderlichsten Aussprüche…

21. willow - Januar 22, 2008, 23:31

Nun, gerade beim Essen und der Musik habe ich (amerikanisch/britische Musik und italienisch/indisch/thailändische Küche) die schlimmsten Vorurteile … 😉

Aber du hast schon irgendwie recht – bevor „wir“ ein Eurabia bekommen, werden wir eher starke (um nicht zu sagen diktatorische) Staaten mit jeder Menge politischer und sozialer Holzwege bekommen. Ich weiß auch nicht so genau, was ich mehr fürchte, iss wie Pest und Cholera. Auf jeden Fall schädlich für Israel, denn im heutigen Europa gibt es wenigstens noch ein paar Freunde…

22. Piet - Januar 23, 2008, 1:31

» der moderate Islam, die säkularen Moslems, die sich sowieso
» schon gegen die Flut stemmen. Aber es scheint, die
» Unterscheidung fällt manchen Europäern schwer

Ein sehr schwieriges Thema. Da ist vieles in Bewegung, aber nach meinem Dafürhalten müssen (auf Deutschland bezogen) erst die Landtagswahlen (Hessen, Niedersachsen, Hamburg) abgewartet werden, bevor überhaupt eine halbwegs angemessene Diskussion geführt werden kann. Derzeit dominiert der unsägliche Koch die Stammtische und flankiert eine kleine, aber kräftige antiislamische Strömung, die nur wenig Rücksicht nimmt auf moderate, säkulare Muslime. In den Niederlanden könnte ein Film für sehr böses Blut sorgen: Wenn der Wahnsinn waltet

23. Manfred - Januar 23, 2008, 7:44

„…eine kleine, aber kräftige antiislamische Strömung, die nur wenig Rücksicht nimmt auf moderate, säkulare Muslime.“ – Kennst Du die zwei?

24. Lila - Januar 23, 2008, 7:57

Hallo Piet und Manfred, wie nett, daß meine Kommentatoren mich auch nach längerer Schweigepause nicht verlassen.

Also Manfred, ich muß Dir sagen, daß die meisten Moslems, die ich hier kenne, moderat und säkular sind. Sie sind zwar nicht einer Meinung mit mir und glauben alle an das Mantra, daß die Juden den Arabern das Land gestohlen haben und sehen die Staatsgründung als Naqba – lesen also die Staatsgründungen im Nahen Osten nach Auflösung der kolonialen Herrschaft aus dem arabischen Blickwinkel und schieben den Juden die Rolle der Kolonisatoren statt die der historisch richtigen Rolle der von Kolonisation Befreiten zu – aber das macht sie noch nicht zu radikalen Islamisten.

Viele Moslems, die ich aus meinem Lebenskreis kenne – Mitarbeiter meines Mannes, ehemalige Kommilitonen, Studenten, Kollegen an den verschiedenen Einrichtungen, an denen ich unterrichte – sind aufgeklärt, diskutierfreudig, säkular in ihrer Lebensweise und bereit, anzuerkennen, daß sie in Israel mit Rechten und Möglichkeiten ausgestattet sind, die sie in arabischen Ländern schmerzlich missen müßten.

Leider hat sich seit der Intifada, also seit fast 10 Jahren, das Klima stetig verschlechtert. Wenn es damals noch Araber gab, die sich fast als israelische Patrioten fühlten – das ist vorbei. Es ist vorbei dank des sich ändernden Klimas der zunehmenden Radikalisierung, aber die Entfremdung ist ohne Zweifel auch eine Reaktion auf einige fatale Fehler in der Innenpolitik, die den israelischen Arabern gezeigt haben, daß ein Teil der Politiker sie für Bürger zweiter Klasse hält.

Also, viele Palästinenser, die in Israel leben, würden in einem Staat Palästina im Stile der Hamas-Regierung sofort gesteinigt, als Kollaborateure und dekadente westliche Schweine. Und die meisten von ihnen wollen nicht Bürger von Palästina werden, sondern Bürger Israels bleiben.

Wäre die Regierung etwas intelligenter im Umgang mit den Minderheiten in Israel, könnte dieser Wille eine Rolle spielen in unserem Poker mit den Palästinensern in der WEstbank und in Gaza. Das passiert leider nicht. Und so wächst auch hier eine islamistisch radikalisierte Generation heran, die von der jüdischen Bevölkerung vollkommen getrennt lebt und aufwächst.

Was in Deutschland passiert, kann ich nicht beurteilen. Mich erschrecken sowohl die unterwürfige Bereitschaft vieler Deutscher, sich von Islamisten verschrecken zu lassen, als auch das unterschwellige Ressentiment gegen jeden, der Anders Als Deutsch ist. Beides sind für mich zwei Seiten einer Medaille.

Was für eine Rolle aber Moslems aller Schattierungen dabei spielen, weiß ich nicht. Ich kenne in Deutschland kaum welche.

25. willow - Januar 23, 2008, 10:22

Leider hat sich seit der Intifada, also seit fast 10 Jahren, das Klima stetig verschlechtert. Wenn es damals noch Araber gab, die sich fast als israelische Patrioten fühlten – das ist vorbei. Es ist vorbei dank des sich ändernden Klimas der zunehmenden Radikalisierung, aber die Entfremdung ist ohne Zweifel auch eine Reaktion auf einige fatale Fehler in der Innenpolitik, die den israelischen Arabern gezeigt haben, daß ein Teil der Politiker sie für Bürger zweiter Klasse hält.

Das Du -wie es in unserem Kulturkreis üblich ist- die Ursachen für einen Mißstand erstmal bei Dir suchst ist sicher gut und richtig. Dabei übersiehst Du aber, daß es ganz ähnliche „Bewegungen“ auch außerhalb Israels gibt… ob nun Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Großbritannien – überall entfremden sich „Heranwachsende“ zunehmend … und auch in säkularen islamischen Staaten kannst Du diese Entwicklung beobachten, hier ein wirklich interessanter Artikel dazu:

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/zurueck_zur_scharia__oder_vorwaerts_zu_einem_zeitgemaessen_islam_1.654872.html

PS: Dieses „die Hamas hat die Palästinenser in Geiselhaft genommen“ ist mir zu ungenau… es erinnert mich schmerzlich an die „99,9% friedlicher Muslime, die von einer radikalen Minderheit in Geiselhaft genommen werden“ – warum protestiert denn dann die übergroße Mehrheit nicht gelegentlich gegen diese verschwindend kleine Minderheit?

und @Piet zu dem Film der „In den Niederlanden für sehr böses Blut sorgen“ könnte – bedauerst du, daß die Holländer nicht die richtigen Lehren aus dem Mord an VanGogh gezogen haben!? Bist du der Meinung, daß europäische Bürger, Journalisten oder Parlamentarier sich zum Islam nicht in einer Weise zu äußern dürfen, die von Terroristen “als Beleidigung des Islam“ verstanden werden könnte!? Hat das nicht irgendwie mit Kapitulation zu tun?

26. Lila - Januar 23, 2008, 11:02

Ja, ja, diese Geiselhaft ist eine zweideutige Metapher, denn sind Geiseln, die sich freiwillig und jubelnd gemeldet haben und ihren Geiselnehmer gewählt haben, wirklich Geiseln? Oder nicht Mittäter?

Meiner Weltsicht nach sind sie Mittäter, die nicht wissen, daß sie nur Instrumente sind und ihre eigenen Interessen brutal ausgenutzt werden – der Weltsicht Hamas-kritischer Araber nach sind sie arme, harmlose Geiseln, deren Interessen brutal ausgenutzt werden.

Trotzdem finde ich die Sprüche von diesem Saudi ganz interessant, denn sie zeigen wieder mal, wie tief die Risse in der arabischen Gesellschaft sind, die von pro-arabischen Fans gern übersehen werden. Weil das Feindbild Westen-USA-Israel so schön einigt.

Ich finde nach wie vor, die Schüsse auf Demonstranten in Nazareth waren eine vollkommen unangemessene Reaktion – obwohl die israelische Polizei auch gegen Studenten in Tel Aviv und Haredim in Jerusalem mit Brutalität vorgeht. Aber so viele Tote – das gab es bisher nur bei Demonstrationen von arabischen Israelis.

Und daß es danach keine Solidarisierung der Politiker mit den israelischen Arabern gegeben hat, keine Teilnahme am Begräbnis, das finde ich einen Schandfleck. Auch das ist natürlich kein Einzelfall – auch viele Terroropfer wurden beerdigt, ohne daß ein offizieller Hahn nach ihnen gekräht hätte.

Aber ich spreche hier mal nicht von meinem persönlichen Wertesystem her, sondern ganz zynisch vom politischen Kalkül her – es wäre wohl klüger gewesen, der arabischen Minderheit bei Ausbruch der Intifada das Gefühl zu geben, daß sie in Israel eine Heimat haben, die hinter ihnen steht. Das Vakuum, das damals entstanden ist, wurde mit Ideologie gefüllt.

Und es war wirklich ein Vakuum: ich habe mit genügend Leuten darüber gesprochen, war auf Ausstellungen von Künstlern, denen diese Schüsse nachgingen. Sie hatten von der jüdischen Mehrheit in Israel mehr erwartet und waren enttäuscht, desillusioniert.

Das wirkt natürlich auch andersherum – die jüdische Mehrheit hat mit ziemlichem Entsetzen zur Kenntnis genommen, daß die arabischen Israelis dem Staat kein bißchen loyal sind, sondern auf sein Ableben mehr oder weniger ungeduldig warten.

Hätte sich diese Entwicklung vermeiden lassen? Nein, weil die von Dir erwähnten Entwicklungen weltweit nicht von uns zu stoppen wären, gerade von uns nicht! Aber das entbindet uns nicht davon, eigene Fehler zu sehen und uns Gedanken darüber zu machen.

Letztendlich glaube ich aber nicht, daß Israel den Haß verdient hat, den die arabische Welt empfindet. Dieser Haß ist ein Selbstläufer, am Leben gehalten von Leuten, die davon profitieren.

Die arabische Minderheit in Israel lebt besser als in jedem anderen Land. Einschließlich Europa. Und sie weiß es auch.

Es ist ja ein Witz, daß Deutsche den Israelis predigen, wie sie mit den Arabern umzugehen haben, während Araber in Deutschland das Wort „Deutsche“ als Schimpfwort benutzen… als hätte da irgendeine Art des gelungenen Zusammenlebens stattgefunden. Obwohl das doch in Deutschland viel einfacher wäre als in Israel.

Und trotzdem ist zB die Uni Haifa ein gutes Beispiel für eine sachliche, unsentimentale, kontroverse, friedliche, egalitäre, illusionsfreie Form des Zusammenlebens, besser, der Zusammenarbeit. Oder die Krankenhäuser in Israel mit ihren gemischten Mitarbeitern und Patienten. Das macht erst mal nach in Deutschland, in Europa.

27. Piet - Januar 23, 2008, 12:29

Och, Manfred, es sind schon ein paar mehr. Auch jenseits des rechtsradikalen „Politically Incorrect“ gibt es Leute, die ihre antimuslimische Haltung deutlich formulieren. Dabei macht es für mich keinen Unterschied, ob gegen Juden, Schwule oder Muslime gehetzt wird, es ist gleichermaßen schlimm.

Neben dieser grundsätzlichen Haltung hat Lila die Gefahr dabei ja formuliert: Wenn auch die moderaten Muslime ausgegrenzt und ihre Bemühungen um Anpassung nicht nur nicht anerkannt, sondern als „antidemokratisch“, „unmenschlich“ und „unterentwickelt“ diskriminiert werden, ist das nicht nur schreiend ungerecht, sondern könnten sie darüber hinaus in die Arme radikaler Muslime getrieben werden.

@ willow:
Wenn der Film, so wie ich über ihn gelesen habe, mehr mit Kritik als mit Hetze zu tun hätte, würde ich dir sicher Recht geben. 😉 Im Ernst: Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber muss man die Grenze zur Hetze wirklich so weit ausdehnen?

28. willow - Januar 23, 2008, 13:21

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Aber muss man die Grenze zur Hetze wirklich so weit ausdehnen?

Das erinnert an die Aussage „Eine Bibel in der Toilette ist Kunst – ein Koran im Klo ist Volksverhetzung.“

Haben wir nun Meinungsfreiheit oder haben wir sie nicht? Wenn wir sie haben und z.B. Filme wie das „Leben des Brian“ völlig normal finden, dann können wir nicht „einfach so“ einer Gruppe der Gesellschaft Sonderrechte einräumen.

Das würde dann auf ein „du darfst von deiner Meinungsfreiheit gerne Gebrauch machen, es sei denn, du sagst etwas, das auch nur einem Moslem nicht gefallen könnte“. Also etwas ähnliches wie die „Kairoer Erklärung zu den Menschenrechten im Islam“ in der zwar durchaus die Menschenrechte anerkannt werden – allerding nur dann, wenn sie nicht den Geboten der Schariah wiedersprechen!

Dabei macht es für mich keinen Unterschied, ob gegen Juden, Schwule oder Muslime gehetzt wird, es ist gleichermaßen schlimm.

Im Prinzip ja… aber ebensowenig wie sachliche Kritik an Israel mit Antisemitismus gleichzusetzen ist, ebensowenig wie Kritik an der Institution Kirche mit „rassistischen Angriffen gegen alle Christen“ gleichzusetzen ist – kann Kritik am ziemlich fürchterlichen „System Islam“ mit primitivem Rassismus gleichgesetzt werden, wie ihn manche Zeitgenosse gegenüber allen Menschen empfinden, die einfach bissel anders aussehen, reden oder essen. Zumal Islam ebenso wie Christentum keine Rasse ist – mich entsetzen die Aussagen und Forderungen von zum Islam konvertierten blonden und blauäugigen Deutschen ebenso wie die Ergüsse von arabischen oder türkischen Mullahs oder Imamen. Nicht die Menschen sind das Problem, sondern was der Islam ihnen vorschreibt. Leute, die sich gegen „Scientologie“ oder auch „NPD & co.“ engagieren erklärst du ja auch nicht einfach so zu Rassisten…

29. Piet - Januar 23, 2008, 14:07

Aber du willst Monty Pythons mit ihren genialen Satiren nicht ernsthaft mit Geert Wilders Hetze vergleichen? Einen ernsthaften Protest von muslimischer Seite aus gegenüber MP habe ich bisher zumindest nicht wahrnehmen können – wäre ja auch absurd.

Niemand will Kritik am Islam (ob das nun ein fürchterliches System ist, sei mal dahin gestellt) verbieten, genauso wenig wie solche am Kastenwesen oder Aussagen anderer Religionen. Wenn sich Wilders aber auf eine Stufe mit NPD, Scientology, etc. stellen will und von da aus gegen Muslime hetzt, hat das eben mit sachlicher Kritik wenig zu tun und ist aus meiner Sicht nicht nur kontraproduktiv, sondern menschenverachtend.

30. Lila - Januar 23, 2008, 16:33

Wilders kenne ich nicht, hat jemand seinen Film gesehen, oder nur den Artikel in der ZEIT gelesen?

Hirsi Ali z.B., Piet, wuerdest Du sagen, sie soll den Mund aufmachen duerfen und hat das Recht auf Schutz, oder geht sie Dir zu weit? Was ist mit Rushdie? Wo zieht man die Grenze?

Ich glaube, diese Grenze ist schwer zu ziehen. Ob es um Karikatur, Humor und durch-den-Kakao-Ziehen oder harte Kritik geht.

Im Falle von Juden und Christen erledigen sie sowohl den Humor als auch die Kritik selbst ganz effizient, womit ich nicht bestreiten will, dass es blinde Apologeten ueberall gibt. Aber im Fall des Islam fehlen sowohl das sich-selbst-nicht-ganz-ernst-Nehmen als auch die eingehende Selbstkritik komplett – oder habe ich da was nciht mitbekommen? Wenn man also Menschen, die diese beiden Sprachen nicht beherrschen, das Recht einraeumt, auch Kritik von aussen zu zensieren, noch dazu gewaltsam, geraten wir intellektuell und moralisch ins Zwielicht.

Die Grenze zwischen geschmacklos und witzig ist schwer zu ziehen – der juedische Witz geht bekanntlich gern ueber diese Grenze des Drastischen hinweg, was sich Christen Juden gegenueber aus guten Gruenden eher verkneifen, obwohl sie auch schon mal mitlachen. Scherze uebers Christentum sind von Christen schon seltener zu hoeren, obwohl sie nicht den Kopf dessen fordern, der sie macht. Eine mehr oder weniger witzige Betrachtung des Islam dagegen, egal wie zaghaft, steht unter Todesdrohung.

Von Kritik mal ganz zu schweigen.

Und das finde ich problematisch.

Wer austeilt, muss bis zu einem gewissen Mass auch einstecken koennen. Ich sehe nicht ein, wieso wir einer Ideologie gegenueber wie dem Islamismus (den ich nach wie vor sauber vom Islam unterscheiden will) andere Masstaebe anlegen sollten als allen anderen Weltanschauungen und Religionen gegenueber.

Wir koennen nicht mehr hinter die Aufklaerung zurueckgehen, unhinterfragte Wahrheiten einfach hinnehmen, nur weil sie mit religioeser Autoritaet gegeben werden.

Wenn wir damit konsequent vorgehen, muessten wir alle zumIslam uebertreten.

Also, ich mag keine Hetze und finde, man sollte schon genau hinsehen und versuchen zu verstehen, was man nicht kennt, bevor man den Stab darueber bricht. Aber vom Islamismus hat die Welt in den letzten Jahren einen ganz guten Eindruck gekriegt. Es reicht eigentlich, seine eigenen Zeugnisse aneinander zu montieren, damit ein Hetzfilm daraus wird…. und zwar ein sehr unschoener.

Der Islamismus gibt seinen Kritikern einfach zu viel Material an die Hand. Wenn im Namen des Islamismus gemordet wird, dann darf man den Islamismus auch moerderisch nennen.

31. think about - Januar 23, 2008, 16:49

Wenn man sich das anschaut, was in den USA so alles unter Christentum läuft, da wird einem dann auch ganz anders.
Christiano-Faschismus ???

32. willow - Januar 23, 2008, 18:36

Moderate Moslems gibt es durchaus – keine Frage. Aber einen moderaten Islam? Was soll das sein – Islam light? Euro-Islam?

Sicherlich, viele Menschen wünschen sich soetwas, vermutlich auch sehr viele Moslems… aber wo genau gibt es ihn, wie sieht er aus, worin unterscheidet er sich vom nichtmoderaten Islam? Und zum Schluß – was genau unterscheidet denn „richtigen“ Islam vom Islamismus?

33. Thatcher - Januar 23, 2008, 19:13

Der Islamismus ist doch lediglich ein begrifflicher Sündenbock. Alles, was jemandem am Islam hässlich, brutal, ideologisch vorkommt, das schiebt man dem konstruierten „Islamismus“ zu, damit man einen schön sauberen Begriff vom „Islam“ behalten kann und sich nicht weiter zu beunruhigen braucht. Dieser Begriff vom Islam hat nur einen kleinen Schönheitsfehler – er ist nicht real. Was soll denn am „Islam“ dran sein, das nicht durch „Islamismus“ belastet ist? Praktiziert irgendjemand, in Europa, Saudi-Arabien oder sonstwo, einen „unmissbrauchten“ Islam, oder bilden wir uns die Existenz eines solchen lediglich ein?

Was der Islam ist, das ist für den Moslem einfach das System, in dem er lebt – es gibt für ihn keine realistische Alternative und damit auch keine wirkliche Möglichkeit, selbstkritisch zu sein. Darum begehren 99% der einfachen Muslime nicht gegen die Militanten auf. Solange die Führungsschicht nicht von der durch Religion legitimierten Gewalt läßt – auch sie müsste die Gewaltbereitschaft der einfachen Leute fürchten, wenn sie es täte – kann die islamische Gesellschaft nicht aus der anhaltenden Todesspirale der Gewalt heraus.

Bedenklicher finde ich aber, dass unter Nichtmuslimen die Bereitschaft so groß ist, sich trotz der Nachrichtenlage weiterhin irgendwelchen Hirngespinsten über einen „friedlichen Islam“ hinzugeben und alle Gewalt, allen Terror, alle Rückständigkeit dem „Islamismus“ anzulasten, der sich lediglich in seiner Intensität vom Mainstream unterscheidet. Der Koran, die Hadithen, die islamischen Traditionen sind im Westen, in Europa, in Israel – noch – frei zugänglich, es kostet nur etwas Bereitschaft, sie zur Kenntnis zu nehmen und zu bedenken, dass sie die Grundlagen des Islam, nicht die des Islamismus sind. Die, die bei uns „moderate Moslems“ genannt werden, wissen sehr genau, dass die Heiligen Schriften denen Recht geben, die bei uns „Islamisten“ genannt werden.

34. Piet - Januar 23, 2008, 19:35

Aber natürlich sollen nicht nur Attes, Ali, Rushdi, sondern Menschen prinzipiell ihre Meinung sagen, ist doch völlig klar. Hinter die Aufklärung zurück will nun wirklich niemand. Es ist halt wie immer eine Frage des „wie“. Für mich ist es eine Frage des gegenseitigen Respektes, wobei die Grenzen dessen, was noch Kritik oder schon Hetze ist, in der Tat nicht ganz leicht zu ziehen sind, aber doch, man kann (und muss) sie ziehen. Genauer: Der Streitpunkt ist sicher nicht die Grenze an sich, sondern ihr Verlauf.

Wer „Mein Kampf“ und den Koran auf eine Ebene stellt, ohne sich auf bestimmte Passagen und bestimmte (extremistische) Strömungen zu beziehen, wer diese Zuschreibungen also undifferenziert auf den Islam überträgt, bewegt sich aus meiner Sicht hart an der Grenze. Wenn der Islam (das habe ich in letzter Zeit leider allzu oft gehört) mit der Aufforderung zur Kinderschänderei und Inzest gleichgesetzt wird, empfinde ich das als mindestens ehrenrührig gegenüber all den Moslems, die sich um Aufklärung, Zusammenarbeit, Integration und interreligiösen Dialog bemühen. Davon gibt es nämlich auch eine ganze Reihe.

Fragwürdig wird Kritik m.E. dann, wenn sie in einem bestimmten historischen (gesellschaftlichen) Kontext nicht dem Ziel der Aufklärung dient, sondern Minderheiten (aus einer Mehrheitsposition heraus) diskreditiert, also dem eh Geschlagenen noch einen überzieht. Bezogen auf Deutschland (die Niederländische Situation kenne ich zu wenig): Diejenigen, die es eh schwerer haben als andere (Bildung, Chancen), die jetzt noch der Koch’schen Hetze ausgesetzt sind „[s]kriminelle[/s] Ausländer raus“, werden genau da angegriffen, wo sie einen Teil ihrer Identität (und zwar genau den, der ihnen Halt und Trost verspricht) verorten: Ihre Religion.

Das Gleiche in unterschiedlichen Situationen ist eben nicht das Gleiche. Einen Witz, den du zu Hause aufgreifst, könnte ich als Deutscher hier noch lange nicht erzählen. Respekt bezieht sich immer auf alle Menschen (auch Moslems, auch die eigene Person). Wenn ich also den Islam kritisiere, was genauso selbstverständlich machbar ist wie wenn ich das Judentum, den Hinduismus, was weiß ich was kritisiere, dann in einer Art und Weise, die nicht den Respekt gegenüber den Menschen vermissen zu lässt, um die es geht. Das ist für mich der Maßstab, an dem ich messe.

35. Shining City » Ismail Hanija, bist du es? - Januar 23, 2008, 19:46

[…] Brauchbare Stellungnahmen zur Abriegelung und zum Grenzdurchbruch gibt es hier, hier und hier. […]

36. Piet - Januar 23, 2008, 19:51

@ Thatcher:
Definiere mir den Islam. 😉

Hässlich, ideologisch, verkommen… im Mittelalter hätte das Christentum keine Chance gehabt. Und würde man das Judentum an den Handlungen Israels messen, beobachtet und beurteilt durch die Brille der Europäischen Medien, hätte auch das keine Chance, oder?

Etwas Ähnliches passiert ja mit dem Islam: Alles keine Fachleute (i.d.R.), sprechen wir lieber über diesen (statt mit den Muslimen) und verurteilen mal eben so eine ganze Religion. Und bitte tue keiner so, als sprächen wir nur abstrakt über eine Religion und nicht über die Menschen, die sie leben.

37. node-0 - Januar 23, 2008, 19:52

Palästina: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

… könnte man meinen, wenn man liest, dass die Bewohner des Gaza-Streifens tatsächlich die Grenze nach Ägypten überrannt haben, um sich dort mit Lebensmitteln und Brennstoffen einzudecken. Dabei gehen sie übrigens nicht zimperlich vor: Die Grenz…

38. willow - Januar 23, 2008, 20:07

Leider

Diejenigen, die es eh schwerer haben als andere (Bildung, Chancen), die jetzt noch der Koch’schen Hetze ausgesetzt sind „[s]kriminelle[/s] Ausländer raus“, werden genau da angegriffen, wo sie einen Teil ihrer Identität (und zwar genau den, der ihnen Halt und Trost verspricht) verorten: Ihre Religion.

verwechselst du Ursache und Wirkung – Jugendliche aus dem islamischen Kulturkreis sind gerade wegen der Vorgaben ihrer Religion in Deutschland so häufig ohne Bildung und Chancen… wenn es den Eltern wichtig ist den Kindern Koranverse beizubringen, die Beherrschung der deutschen Sprache jedoch als „dreckig“ gilt, dann geht etwas fürchterlich schief. Dann ist es lein Wunder, wenn Heranwachsende nichts von Lehrern lernen wollen, die sie als „dreckige Ungläubige“ ansehen – zumal, wenn es sich um Lehrerinnen handelt. Und so kommt es eben, daß 80% aller Schüler mit „moslemischem kulturellem Hintergrund“ nur maximal Hauptschulabschluß erreichen.

Wenn du die Möglichkeit hast informiere dich doch bitte über die schulischen Ergebnisse von „anderen“ Migranten, du wirst sicher eine Überraschung erleben!

Nur einige Denkanstöße… Schüler aus der ehemaligen Sowjetunion besuchen inzwischen ebenso häufig ein Gymnasium wie die Kinder der „Eingeborenen“, ebenso Einwandererkinder aus Süd- und Südosteuropa. Die Kinder aus Griechenland oder Ostasien schneiden in der Schule wesentlich besser ab als der deutsche Durchschnitt.

Und solche Beobachtungen kannst du auch in Frankreich, England, Holland, Skandinavien machen – obwohl die sicher völlig andere Schulsysteme haben und zumindest in einigen Fällen als deutlich weniger rassistisch gelten als der böse Deutsche.

39. willow - Januar 23, 2008, 20:11

@35. Piet:

Da ja alles was von Islamkritikern kommt für dich sowieso inkompetent und rechtsextrem ist, hier vielleicht mal „Insiderinformationen“ – auch wenn ich Frau Toker nicht in allem zustimme.

Zehn gute Gründe, den Islam zu verlassen oder: Mein Wille zur Selbstbestimmung und Freiheit

Von Arzu Toker

Alles kritisch zu prüfen ist etwas Gutes, denn wir können uns bei unserem Denken und Handeln irren. Wer die Wahrheit liebt, muss daran interessiert sein, Schwächen der eigenen Denkresultate und Problemlösungen zu erkennen, Gegenargumente anzuhören und eigene Ideen mit Alternativen zu vergleichen, zu modifizieren und zu revidieren.

Bei unserer Kritik am Islam handeln wir, der Zentralrat der Ex-Muslime, nicht aus Hass, sondern weil wir unser Fähigkeit zu denken nicht verleugnen können und wollen. Der Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen (Kant), führt, wie wir meinen, zwangsläufig zu dem Schritt, den Islam zu verlassen. Dies wollen wir mit zehn Punkten begründen.

Vorbemerkung
Es fiel mir schwer, mich auf nur zehn Gründe zu beschränken. Ich veröffentliche also nur meine ersten zehn Gründe, wobei hierin keine Wertung bezüglich der Gewichtung der Gründe liegen soll. Zudem möchte ich den deutschsprachigen Lesern mitteilen, dass ich die Behauptung der islamischen Theologie sowie der Islamisten dass der Koran auf Arabisch offenbart worden ist und nicht übersetzbar sei nicht teile. Allerdings sind einige Übersetzungen nicht Originalgetreu sondern beschönigend. Ich empfehle die Koran – Übersetzung von Rudi Paret zugrunde zu legen.

1. Der Islam als totalitäres, patriarchalisches Rechtssystem
Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern auch ein totalitäres, von Männern beherrschtes gewalttätiges Rechtssystem (s. Sure 5 (Al-Maida), Vers 33). Der Islam ist darüber hinaus eine politische Anschauung, die aus Versen des Koran, aus dem Leben des Propheten und aus anderen Überlieferungen abgeleitet wird. Dem stelle ich die demokratische Verfassung (Deutschlands) und die Zivilordnung entgegen.

Die Demokratie ist ein großes Geschenk sowohl in Deutschland als auch in meinem Herkunftsland, der Türkei. In beiden Ländern, so scheint es mir, wird nicht ausreichend erkannt, wie kostbar dieses Geschenk ist.

2. Der Prophet – alles andere als ein ethisches Vorbild
Mohammed, der Prophet des Islam, soll von Gott gesandt sein, und sein Leben (d.h. seine Handlungsweisen) gelten als wegweisend für die gesamte Menschheit. Aber eben dieser Mohammed

• führte Kriege, zwang Menschen, ihren früheren Glauben abzulegen, ließ Gefangene köpfen. Das Siegen allein reichte ihm nicht: Er raubte auch den Besitz der Besiegten oder ließ deren Haus, Hof und Baumbestand in Brand stecken
• heiratete als 52-Jähriger ein Kind (die 9-jährige Aischa)
• hielt über ein Dutzend Frauen, die er z.T. von seinen Raubzügen gegen andere Stämme als Kriegsbeute mitgebracht hatte; nachdem ihre Familien ermordet worden waren, nahm er sie als Ehefrauen oder Sklavinnen in seinen Harem auf
• ließ vom Glauben Abgefallenen kreuzweise Hand und Fuß abhacken; er ließ sie verdursten
• ließ seine Kritikerinnen und Kritiker, Dichterinnen und Dichter ermorden, und versprach den Mördern große Belohnung im Jenseits.

Die Liste dieser Beispiele ließe sich noch verlängern. Das Ergebnis ist eindeutig: Mohammed hat kein Leben gelebt, das als Vorbild für die Menschheit gelten kann, sondern das abschreckt und das allein schon Grund genug ist, die Religion, die er schuf, abzulehnen.

3. Gottesknechtschaft statt Leben in Selbstverantwortung
Koran und Überlieferungen verbreiten die Mär, jede Handlung des Menschen wäre von Gott vorherbestimmt, und ohne Erlaubnis Gottes könne kein Mensch etwas tun. Sein Schicksal sei von Gott besiegelt. Allah bestimme, wer reich und wer arm werde, bestimme, wer Muslim und wer Ungläubiger würde und so fort. Mohammed hat einen Gott kreiert, der beliebig und ungerecht handelt, und wer nicht an ihn glaubt, sei Heide.

Ich meine hingegen: Erst die Selbstverantwortung führt den Menschen zur radikalen Bejahung der eigenen Existenz und zur Freiheit. Dadurch, dass im Islam alles als von Gott gelenkt proklamiert wird, wird der Mensch in die Nichtigkeit, d.h. in die Unmündigkeit und Wertlosigkeit geführt und versinkt in Gleichgültigkeit und Passivität. Dies kann man in vielen muslimisch geprägten Ländern beobachten.

Die negative Wirkung dieser Lehre wird noch dadurch verstärkt, dass viele gläubige Muslime glauben, dass das eigentliche Leben erst im Jenseits gelebt werde. Dieser Irrglaube behindert Wissenschaft, Fortschritt, Aufklärung, Mündigkeit und Freiheit. Abgesehen davon schwächt all dies die Moral, weil dem Menschen die Verantwortlichkeit für seine Taten abgenommen wird.

4. Intoleranz gegen Nicht- und Andersgläubige
Toleranz und Friede sind für den Islam lediglich Mittel, die man im Krieg als List einsetzen kann. In vielen islamischen Staaten müssen die Christen und Andersgläubigen eine zusätzliche Steuer zahlen. Im Osmanischen Reich wurden Kindern von Christen geraubt, um aus ihnen die brutalste Militäreinheit, die Janitscharen, zu formen.

Natürlich gibt es im Koran Verse, die bejahen, dass die „Götzenanbeter“ ihre Götter anbeten sollen und die Moslems ihren Gott. Es gibt auch den Vers, der besagt, dass Juden, Christen und Sabiis, die gute Taten vollbracht haben, ins Paradies kommen werden. Es gibt auch einen Vers, der besagt, dass es keinen Zwang in der Religion geben dürfe (Sure 2 (Al-Bakara), Vers 256). Von daher könnte man meinen, der Islam wäre tolerant. Doch es gibt noch viel mehr Verse, die den genannten Vers aufheben und genau das Gegenteil proklamieren.

Der Islam ist eine Religion, die die Welt als Kriegsschauplatz ansieht – und zwar solange, bis die gesamte Menschheit islamisch geworden ist. In der Sure 4 (Al-Nisa), Vers 91, heißt es: „Tötet sie, wo ihr sie findet“, und in der Sure 9 (At-Tauba), Vers 29 steht: „Kämpft mit Waffen gegen diejenigen, die nicht an Allah glauben noch an den Jüngsten Tag und die nicht für verboten erklären, was Allah und sein Gesandter (d.h. Mohammed) für verboten erklärt haben, die sich nicht nach der rechten Religion (d.h. dem Islam) richten – von denen, die die Schrift erhalten haben (d.h. Juden und Christen) – kämpft (mit der Waffe) gegen diese, bis sie die Minderheitensteuer abgeben als Erniedrigte!“

An vielen Stellen im Koran rechtfertigt Mohammed (bzw. nach muslimischer Vorstellung Allah) die Gewalt gegen Andersgläubige. Sie seien des Todes (z.B. Sure 47 (Muhammad), Vers 4), sollen unterworfen werden (Sure 9 (At-Tauba), Vers 29), dürfen vertrieben und enteignet werden (Sure 59 (El-Haschr) Verse 1-7)
Umfangreiche Kapitel der Werke, die die Sunna (d.h. das Norm setzende Handeln Mohammeds) enthalten, sind dem Jihad gegen Anders- und Nichtgläubige gewidmet. Mit diesen Textstellen konfrontiert, weisen Muslime gerne auf Stellen im Alten Testament hin, an denen ebenfalls von Gewalt gegen Andersgläubige die Rede ist (z.B. 2.Mose 22, 17; 3.Mose 20).

Aber erstens ist es Unsinn, die Pest mit der Cholera austreiben zu wollen, und zweitens haben sich die meisten Juden und Christen – im Unterschied zu vielen Muslimen – von diesen Wahnideen längst distanziert.

5. Christen- und Judenfeindlichkeit
Entgegen allen anderslautenden Behauptungen bekämpft der Islam nicht nur Heiden und Abtrünnige, sondern ist im Kern auch radikal juden- und christenfeindlich. Sure Al-Imran, Vers 19 lautet: „Als einzig wahre Religion bei Gott gilt der Islam.“ Das Christentum und das Judentum werden als Religion schlechthin verneint und denjenigen, die nicht an Mohammed und seine Version von Gott glauben Strafen angedroht. Mohammed behauptet, dass Gott alle vor ihm entsandten „Propheten“ und auch Abraham zu sich gerufen und ihnen befohlen habe, an den Islam zu glauben.

Juden wird zudem unterstellt, dass sie Unheil anrichten. Vers 46 der Sure 4 (An-Nisa) schließt mit der Verfluchung der Juden: „ . . . Aber Gott hat sie (zur Strafe) für ihren Unglauben verflucht. Darum glauben sie wenig (oder: Darum sind nur wenige von ihnen gläubig).“

In der Sure 5 (Al-Maida), Vers 72 verkündet Mohammed: „Ungläubig sind diejenigen, die sagen: ‘Gott ist Christus, der Sohn der Maria!‘ In den Versen 171-173 derselben Sure wird auf die christliche Lehre von der Dreieinigkeit Gottes hingewiesen und beteuert, dass die bestraft werden, die an sie glauben.
Mohammed verbietet den Muslimen sogar, mit Juden und Christen befreundet zu sein, weil sie „Frevler“ seien (Sure 5 (Al-Maida), Vers 51).

6. Frauen im Islam
Mohammed sicherte die gesellschaftliche Ordnung dadurch, dass er die Frau zur Bediensteten, zur Beute des Mannes machte. Die Unterdrückung der Frau wurde im Islam gesetzlich festgelegt. Frauen gelten als

• intellektuell und religiös (minder) erschaffen
• Quelle der Bosheit, der Zwietracht, als intrigant, undankbar und teuflisch
• bedauernswerte Wesen, da die meisten von ihnen ohnehin in der Hölle landen werden.

Mohammed bestimmte durch Sure 4 (Al-Nisa), Vers 3, dass die Männer bis zu vier Frauen, die ihnen gefallen, heiraten können. Und um diese Bestimmung zu verstärken, förderte er den Glauben, dass es eine Tugend sei, mehrere Frauen zu heiraten

Auch als Zeugen sind Frauen nur halb soviel wert wie Männer, denn es steht geschrieben: „ . . . und nehmt zwei Männer von euch als Zeugen. Wenn es nicht zwei Männer sein können, dann sollen es ein Mann und zwei Frauen sein, solche, die euch als Zeugen genehm sind – (zwei Frauen), damit (für den Fall,) dass die eine von ihnen irrt, die eine (die sich nicht irrt) die andere (die sich irrt, an den wahren Sachverhalt) erinnere. (Sure 2 (Al-Bakara), Vers 282). Das gleiche Prinzip zeigt sich im Erbrecht: „ . . . Auf eines männlichen Geschlechts kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie auf zwei weiblichen Geschlechts . . .“ (Sure 4 (An-Nisa), Vers 12). „Der Mann bekommt soviel wie der Anteil von zwei Frauen.“ (Sure 4, 176)

Zur Verschleierung der Frau heißt es: „Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck [Reize] nicht zur Schau tragen sollen – bis auf das, was davon sichtbar sein darf,- und dass sie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand anderem enthüllen sollen als vor ihren Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und den Kindern, die der Blöße der Frauen keine Beachtung schenken. Und sie sollen ihre Füße nicht so auf den Boden stampfen, dass bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen.“ (Sure 24 (Al-Nur), Vers 31) Und an anderer Stelle heißt es (Sure 33 (Al-Ahzab), Vers 33): „Und bliebt in eurem Haus. Putzt euch nicht heraus, wie man das früher im Heidentum zu tun pflegte.“

Eine Ausnahme bildet die Sure 24 (Al-Nur), Vers 59, nach der die älteren Frauen sich nicht verschleiern müssen. In dieser Sure spricht Mohammed von Frauen, denen er keine weitere Ehe zutraut, weil sie alt sind. In Hinblick darauf, dass er als ein Mann von über 50 Jahren die neunjährige Aischa geehelicht hat, mag das verständlich erscheinen. Immerhin gewährt er bei seiner Neigung zu sexuellem Kindesmissbrauch älteren Frauen einen kleinen Freiraum: „Und für diejenigen Frauen, die alt geworden sind und nicht mehr damit rechnen können zu heiraten, ist es keine Sünde, wenn sie ihre Kleider ablegen, soweit sie sich dabei nicht mit Schmuck herausputzen.“ (Sure 24, 60)

Angesichts des Gebotes, dass die Frauen, die nicht mehr gebärfähig sind, kein Kopftuch zu tragen brauchen, sieht man, wie wenig die Bevölkerung den Koran tatsächlich liest. Gleichzeitig frage ich mich, warum wohl die selbsternannten Islamvertreter den betreffenden Vers nicht in den Moscheen verlautbaren lassen. Damit würden ein großer Teil der Kopftücher abgelegt werden können. Natürlich gibt es Frauen, die dies nicht schaffen – gerade so wie jene Chinesinnen, deren Füße durch lebenslanges Verbinden verkrüppelt sind, nicht mehr ohne Verband können.

Dennoch (fordere ich): Weg mit den Kopftüchern in den Schulen, in den Ämtern! Und auf jeden Fall muss es verboten werden, die Kinder zu verschleiern. Die Verschleierung der Kinder basiert auf die Verehelichung des Kindes Aischa mit Mohammed und bedeutet die Sexualisierung der kleinen Mädchen. Die Eltern, die dies tun, sollten eine Strafanzeige wegen Kindesmisshandlung erhalten.

7. Gewalt im Islam
Der Islam sät Gewalt (vgl. Sure 9,74 und 4,95). Den Kriegen, die Mohammed führte, gingen kleinere Unternehmungen voraus, etwa das Ausrauben von Karawanen aus Mekka. Diese Überfälle und die Kriege danach dienten der wirtschaftlichen Bereicherung Mohammeds und seiner Mitkrieger. Viele nahmen teil, weil sie wussten, dass sie Anteil an der Beute bekommen würden. Ein Fünftel der Kriegsbeute ging stets „an Allah“.

Von daher hat die Gewalt vom 11. September 2001 in New York, die Bomben von Madrid (11.4.2004), die Bombe von London (7.7.2005) und auch die Gewalt zwischen den Religionsgruppen im Irak , die Morde in der Türkei an Turan Dursun (4.9.1990) und anderen Journalisten und Kritikern eine lange Tradition. Es hat Tradition, wenn Mütter den Tod ihrer Söhne im Jihad in Kauf nehmen und ankündigen, weitere Söhne haben zu wollen, die ebenfalls zum angeblich gottgewollten Selbstmordanschlag bereit sind. Die religiöse Verherrlichung von Gewalt muss aufhören! Ihr stelle ich die Aufklärung, den Frieden und den zivilisierten Diskurs entgegen.

8. Entmenschlichung der Männer
Indem Mohammed die Männer über die Frauen stellte, gelang es ihm, die Männer hörig zu machen. Denn in seinem System ist auch der Mann ein armer Untertan Gottes; er muss sich blindlings beugen vor Gott und vor dessen Botschafter, d.h. vor Mohammed selbst. Indem Mohammed den Mann außerhalb seines Hauses knechtete und in ein Nichts verwandelte, ihn in den eigenen vier Wänden aber zum „Pascha“ machte, brachte er den Mann dazu, die schlechte Situation der Frau bereitwillig zu akzeptieren.

Genau die Verse, die zuerst der Unterdrückung der Frau dienen sollten, sind zugleich die Verse, welche die Männer degradieren, entmenschlichen. Die Sure 4 (Al-Nisa), Vers 38, ist ein frappierendes Beispiel dafür: „ . . . Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie von Natur vor diesen ausgezeichnet hat . . . Und wenn ihr fürchtet, dass irgendwelche Frauen sich auflehnen, dann vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!“

Die Angst der Männer, dass Frauen sich auflehnen, soll sie dazu verleiten, mit Gottes Segen genau die Frau zu schlagen, die sie lieben, mit der sie Kinder zeugen, mit der sie alt werden wollen. Darüber hinaus wird der Mann im Islam auf ein dumpfes Triebwesen reduziert, das schon beim bloßen Anblick offener Haare ejakuliert. Ein erwachsener, reifer, mündiger Mensch weiß seinen Sexualtrieb zu beherrschen. Auch die in den Islam hineingeborenen Männer sollten dazu in der Lage sein, wenn man es ihnen abverlangt.

Ich rufe die Männer auf: Sagt Nein zum Islam! Sagt Nein zu eurer Entmenschlichung! Dann werdet ihr echte Lebensgefährtinnen gewinnen, gleichberechtigte Partnerinnen. Wer dem eine zu Gehorsam verpflichtete Sklavin vorzieht, hat nicht einmal die unterste Stufe der kulturellen Zivilisation erreicht.

9. Unterjochung der Frauen selbst noch im Jenseits
Der versprochene Eintritt ins Paradies verlangt Frauen einen hohen Preis ab: Die Frau muss ihrem Mann zu Diensten stehen, ihm gehorchen, ihn zufrieden stellen, seine Begierden stillen. Aber auch wenn sie all dies fehlerlos bewerkstelligt, darf sie das herbeihalluzinierte Paradies nur dann betreten, wenn ihr Mann dem zustimmt. Schließlich sind sie nur die „vorübergehenden Frauen auf Erden“. Die eigentlichen Frauen der Männer (im Paradies) sind die Huris. Diese sind irdischen Frauen in jeder Hinsicht überlegen und kommen an erster Stelle.

Die Beschreibung des Paradieses in den Suren 78 (En-Nebe), 56 (El-Vakia) und 76 (Ed-Dehr) zeigt das sehr deutlich. En-Nebe verheißt den Männern „gleichaltrige (Huris) mit schwellenden Brüsten“ und „einen Becher Wein“. Die Sure El-Vakia verspricht „Gärten der Wonne“, und „großäugige Huris haben sie zur Verfügung“, „in ihrer Schönheit den wohlverwahrten Perlen gleich“. All dies zeigt, dass es für gläubige Musliminnen selbst im erträumten Paradies kaum Ruhe und Glück geben wird; sie werden ihre Ehemänner vielmehr in den Armen der Huris vorfinden.

10. Das muslimische Bild des Menschen: ein undankbares, zu absolutem Gehorsam verpflichtetes Geschöpf
Immer wieder stellt Mohammed fest, dass der Mensch von Grund auf ein undankbares Geschöpf ist. Vielgebrauchte Ausdrücke im Koran sind: Heuchler, Wildesel, der verfluchte Mensch. Wie undankbar ist er doch!

Unzählige Male werden die Menschen gefragt: „Was wollt ihr alles leugnen von den Wohltaten eures Herrn?“ Die Menschen sind in Mohammeds Augen undankbare, zu absolutem Gehorsam verpflichtete Wesen, die im Namen einer sonderbaren göttlichen „Gerechtigkeit“ bestraft werden müssen. Diesem Bild stelle ich die Idee des mündigen Bürgers mit aufrechtem Gang entgegen, das Bild eines Menschen, der Behauptungen mit wachem Verstand kritisch prüft, anstatt sich in blindem Gehorsam archaischen Wahnideen zu unterwerfen.

Schlussbemerkung
Im Osten des Jemen gab es den Ort Hadramut. Dort lebte der Stamm Kinde. Die arabischen Quellen, welche über Mohammeds Krankheit berichten, schreiben, dass die Frauen dort ungeduldig auf die Nachricht vom Tod Mohammeds warteten. Als sie die erhielten, färbten sie ihre Nägel mit Henna, musizierten und tanzten dazu. Sie freuten sich und feierten, weil sie hofften, dass nun die Ära der Vernichtung von Freiheit und Rechten der Frauen, ihre systematische Erniedrigung, ein Ende haben würde.

Der Nachfolger Mohammeds, Abu Bekr, aber ließ den Frauen und ihren Beschützern Hände und Füße abhacken und sämtliche Zähne ziehen. Ich gedenke dieser Frauen von Hadramut mit großer Hochachtung. Lasst und daran arbeiten, dass ihre Hoffnungen endlich Realität werden. Anderthalb Jahrtausende schon haben die Wahnideen dieses archaischen Gotteskriegers Mohammed die Hirne der Menschen vernebelt und weltweit Unfrieden gestiftet. Es ist an der Zeit, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten.

40. Thatcher - Januar 23, 2008, 20:49

Piet, du hast wirklich kein bisschen Ahnung. Ich weiß wenigstens etwas über den Islam, Du weißt gar nichts. Was Dich aber nicht davon abhält, irgendwelche blumigen Phantasien, die Dir die mediale Manipulationsindustrie eingepflanzt hat, für die Wahrheit zu halten. Ich wette, dass Du niemals einen Blick in Koran oder Hadithe geworfen hast. Dass Du Dir niemals auf eigene Faust ein Wissen angeeignet hast, das eine eigene Meinung begründen könnte.

Es gehört schon eine schier unfassbare Ignoranz dazu, zu glauben, dass Größen wie Nasrallah, Bin Laden, Zawahiri oder Ayatollah Khomeini den Islam falsch, als „missbrauchten Islam“, als „Islamismus“ praktizieren und predigen, obwohl sie ihr ganzes Leben dem Studium des Islam gewidmet haben. Nur der Herr Piet ist ein Experte, der – vermutlich als der weltweit einzige wirkliche Islamkenner – Bescheid weiß und all die Tausenden Islamgelehrten locker vom Hocker aussticht. Und das ganz ohne Quellenstudium. Wenn es stimmen würde, müsste man den Hut ziehen.

Rede doch selbst mal „mit Muslimen“ (statt über sie), und Du wirst erfahren, dass Taqiyya kein Hirngespinst, sondern eine höchst unsympathische Realität ist. Muslime haben ein völlig gebrochenes Verhältnis zur Wahrheit und erzählen, was immer ihnen gerade opportun erscheint.

Und wenn Muslime meinen, dass sie persönlich beleidigt würden, wenn jemand Kritik am Islam übt – dabei ist durchaus auch drastische Fundamentalkritik gemeint – , dann zeugt das von einem Mangel an Distanziertheit, der das Zusammenleben in einer aufgeklärten Welt auf Dauer unmöglich macht. Auch manche Christen sind lästige Gesprächspartner, aber man kann das Gespräch mit ihnen verweigern, ohne dass sie gleich Todesdrohungen produzieren. Für gewisse Formen des „Beleidigtseins“ muss man kein Verständnis haben, da sie reiner Mimosenterror sind.

Und natürlich dient Islamkritik, auch harsche, der Aufklärung. Nämlich der Nichtmuslime darüber, was für eine spalterische Brut sie sich ins Land geholt haben und wohin eine ignorante Allestoleranz führen wird.

41. Lila - Januar 23, 2008, 21:39

Ich persönlich gebe gern zu, daß ich außer ein paar Semestern islamischer Kunst keine theoretischen Kenntnisse über den Islam habe. Ehrlich gesagt, hat er mich auch nicht so interessiert, ebensowenig wie andere östliche Religionen… peinlich aber wahr.

Aber ich verbringe einen Teil meiner Zeit mit gemäßigten Moslems, und ich möchte den Islam, den sie leben (denn sie feiern die Feste und identifizieren sich selbst als Moslems) schon von den Islamisten abgrenzen, die sich zB in Umm El Fachm auch politisch organisieren.

Soweit ich weiß, gibt es auch in Deutschland gebildete, säkulare Moslems. Oh, ich kenne sogar ein paar.

Ich denke mal an Algerien, ach, an so viele Länder… Ich möchte die Opfer des Islamismus nicht mit den Tätern verwechseln. Darum differenziere ich weiterhin begrifflich, auch wenn Du, Thatcher, Recht haben magst, daß es die moderaten Moslems sind, die den Islam mißverstehen, und nicht die radikalen.

Aber irgendwie muß man ja die einen von den anderen unterscheiden.

Willow, ich werde übrigens den von Dir zitierten Text mit Abschnitten und so etwas lesbarer machen, okay?

42. willow - Januar 24, 2008, 0:01
43. Lila - Januar 24, 2008, 0:10

Hab ich doch eingebaut, den Link. Öm, unter Insiderinformationen ist son gestricheltes Dings…?

44. willow - Januar 24, 2008, 0:31

Kann man garnich genug drauf aufmerksam machen – auch wenn die Ex-Muslime bissel sehr links sind, die sind schon ok, man kann sich mir ihnen streiten und sie sind auch nich immer beleidigt…

45. Manfred - Januar 24, 2008, 8:26

Hallo Lila,
tut mir leid, dass ich Rungholt so schnöde vernachlässigt habe, aber ich bin kaum darum gekommen, mich um mein eigenes Blog zu kümmern. (Ist aber schön, dass man wenigstens vermisst wird! 🙂 )

@ Piet:
Ich habe mich vielleicht missverständlich ausgedrückt. Mit den „Zweien“ meinte ich nicht die Islamkritiker – die sind glücklicherweise ziemlich viele, ich selbst gehöre auch dazu -, sondern die „gemäßigten, säkularen“ Muslime. (Wobei das auch eine Definitionsfrage ist: Wenn einer einen Rentner, den er gerade halb totprügelt, als „Scheißdeutschen“ beschimpft – und nicht etwa als „Scheißchristen“ oder „Schweinefleichfresser“, dann ist dies zweifellos ein Ausdruck tiefer „Säkularität“. Und natürlich ist es um Einiges „moderater“, Frauen mit Vergewaltigung zu bedrohen als Hochhäuser in die Luft zu sprengen.)

Der Islam ist eine Gewaltkultur. Warum das so ist und welche Folgen das hat, habe ich schon oft und ausführlich in meinem Blog begründet. Man möge mir auch im Hinblick auf die frühe Stunde verzeihen, wenn ich es mir heute leicht mache und mich hier nur exemplarisch selber zitiere, und zwar im Hinblick auf die Rolle der „Gemäßigten“:

„…An dieser Stelle ist der Einwand fällig, ich würde den Islam als einen monolithischen Block behandeln. Schließlich gebe es auch Muslime, die die Offene Gesellschaft des Westens aufrichtig befürworteten, persönlich tolerant seien und es ablehnten, sich gegen den Westen für eine islamische Solidarität vereinnahmen zu lassen. Darüberhinaus seien die meisten – auch die frommen und konservativen – Muslime politisch passiv, und ihre Solidarität etwa mit den Palästinensern habe eher den Charakter einer bloß moralischen Unterstützung, sei also politisch irrelevant. Und man könne die doch nicht alle mit den Islamisten über einen Kamm scheren. Kurz: So etwas wie einen Islam gebe es nicht, es gebe nur viele Muslime – analog zu Maragaret Thatchers Diktum, so etwas wie eine Gesellschaft gebe es nicht, es gebe nur Individuen. (Vielleicht ist dieser – gerade auf der Insel populäre – radikale Individualismus dafür verantwortlich, dass die Briten, die so militant gegen den islamischen Terrorismus vorgehen, jede andere Form von Djihad gegen das eigene Land tolerieren und ihm sogar Vorschub leisten – logisch: Wenn es so etwas wie den einen Islam nicht gibt, dann gibt es auch nicht so etwas wie den einen Djihad.)

(…) Wenn ich den Begriff “soziales System” verwende, dann ist damit nicht eine nach objektiven Kriterien abgrenzbbare Gruppe von Menschen gemeint (hier also: alle Muslime), sondern ein System gegenseitiger Verhaltenserwartungen, hier also die gegenseitige Erwartung, dass Muslime die islamischen Normen als verbindlich akzeptieren, politisch sich also als Teil einer Wir-Gruppe verstehen, die Solidarität einfordern kann, wenn sie mit einer Sie-Gruppe in Konflikt gerät. Dass es eine Minderheit von Muslimen gibt, die diese Erwartungen ablehnen, weil sie Westler sind, die ihren Glauben als Privatsache ohne politische Implikationen behandeln, bedeutet nicht, dass das soziale System “Islam” nicht existiert, sondern nur, dass diese Personen nicht dazugehören – es sei denn unfreiwillig (mit der Konsequenz, dass es schwierig sein kann zu unterscheiden, welchen Muslimen man trauen kann und welchen nicht).

Anders sieht es bei den frommen, konservativen, traditionellen, kurz: “gemäßigten” Muslimen aus: Die gehören durchaus zum System. Man macht sich überhaupt zu wenig klar, wie sehr jeder Extremismus von den “Gemäßigten” lebt: Eine Gruppe wie die RAF hätte niemals entstehen können ohne eine gemäßigte Linke, die ihr die ideologischen Versatzstücke lieferte und aus der sich der Terrornachwuchs rekrutierte. Ein Drittes Reich hätte nie existieren können ohne den ganz normalen Antisemitismus des Durchschnittsdeutschen. Eine ETA, eine IRA, eine Hamas, eine Hisbollah schwimmen in ihrem “gemäßigten” Umfeld wie der Fisch im Wasser.

Alleine das Wort “gemäßigt” ist bezeichnend: Gemäßigt sein kann man ja nur in Bezug auf einen Extremismus, der damit gleichsam zum Normalzustand erklärt wird, und die “Mäßigung” besteht eben darin, von dessen Zielen ein paar Abstriche zu machen, eventuell auch die Methoden abzulehnen (…wobei man aber doch verstehen müsse, dass…). Ein Gemäßigter ist jemand, der die Prämissen der Extremisten teilt und nur vor den Konsequenzen zurückschreckt.
Wie wichtig die Gemäßigten sind, erkennt man daran, dass es faktisch unmöglich ist, die Verantwortung für islamischen Extremismus dem Islam selbst zuzuschreiben, ohne den Einwand zu ernten, die meisten Muslime seien doch gemäßigt…

Zusammengefasst liefern die Gemäßigten den Extremisten die Ideologie, die Rekruten und die politische Abschirmung. Ohne sie könnte der Islam als politische Einheit nicht existieren…“

Vollständiger Text:
http://korrektheiten.wordpress.com/2007/11/12/carl-schmitt-angewandt-der-westen-und-der-islam/

46. Lila - Januar 24, 2008, 10:48

Lieber Manfred, Du weißt, daß wir oft übereinstimmen, aber ich halte in diesem Falle Deine Denkfigur für etwas bedenklich.

Zusammengefasst liefern die Gemäßigten den Extremisten die Ideologie, die Rekruten und die politische Abschirmung. Ohne sie könnte der Islam als politische Einheit nicht existieren,

sagst Du. Dasselbe ließe sich ohne weiteres von jeder anderen extremistischen Gruppe sagen. Ohne die normalen Israelis könnten die extremistischen Ränder nicht existieren, ohne die normalen Deutschen weder die linken noch die rechten Extemisten… Du kannst das durchexerzieren wo Du willst. Ohne die gemäßigte Mitte der Gaußschen Kurve gäbe es die Ränder nicht. Das stimmt in jeder lebenden Population.

Gerade weil Gemäßigte gemäßigt sind, nehmen sie Ideologie und Rekrutierung der Randgruppen nicht ernst genug und gehen nicht energisch genug dagegen vor, solange sie sich noch eindämmen ließen. Die Mäßigung der Gemäßigten ist ihre größte Schwäche, aber auf die Dauer vielleicht auch ihre Stärke.

Eine solche Aussage kommt außerdem den Erklärungen gefährlich nahe, die Du sonst eher ablehnst: daß „die Gesellschaft“, dieses amorphe Ding, an dem Schuld ist, das sie bei sich duldet.

Ich weiß nicht, ich bin keine Expertin für gar nichts, aber ich persönlich würde das Problem des Islam nicht in seinem Gewaltpotential sehen – das gibt es nämlich fast überall, in vielen Heiligen Schriften und vielen nationalen oder ethnischen Überlieferungen. Mir fällt gerade keine Ideologie ein, kein Gedankengebäude, das sich nicht mit etwas gutem bzw bösem Willen in eine gewaltsam durchzusetzende Ideologie umwandeln ließe – sogar die Ideologie der vollkommenen Gewaltlosigkeit birgt, auf die Spitze getrieben, das Ertragen von Unrecht und damit Gewalt in sich.

Mir sind solche Erklärungen zu generalisierend. Ich sehe das Problem des Islam (und ich sage bewußt Islam und nicht Islamismus, weil ich hier den Islam meine) in seiner konkreten historischen Entwicklung. Dan Diners These von der verpaßten Aufklärung, der Abkopplung von der Moderne und ihren Errungenschaften (kritisches Denken, Flexibilität, Emanzipation der Frauen, Minderheiten, Benachteiligten…). Das ist das große Problem des Islam, weswegen er für gewaltsamen Mißbrauch auch heute noch anfälliger ist als Judentum oder Christentum.

Auch aggressive moderne Ideologien können gewaltsam durchgesetzt werden – Nationalismus ist das klassische Beispiel. Aber auch der feurigste Nationalist kann nicht abstreiten, daß andere Nationen ebenfalls Nationalisten sein können. Der besessene Gläubige aber sagt täglich, es gibt keinen Gott außer Allah, und damit ist die Welt fix aufgeteilt. Was man dann mit den Koffrim macht, den Ketzern, ist eine Frage der Mäßigung in den Mitteln, nicht im Denken.

Und die Mäßigung in den Mitteln, die andere monotheistische Religionen im Laufe ihrer Geschichte gelernt haben, zumindest in ihrem Mainstream, geht dem Islam schwer von der Hand.

Ein weiteres kompliziertes Element in der Gemengelage ist die arabische Tradition. Araber und Moslems sind ja keineswegs deckungsgleich – ich weiß nicht mehr genau, wie hoch der Anteil der Araber an allen Gläubigen des Islam ist, aber er ist niedriger als allgemein erwartet. Es gibt viele nicht-arabische Moslems, und es gibt auch nicht-moslemische Araber.

Israel hat Probleme sowohl mit den Moslems als auch mit den Arabern. Die Araber unter sich sind gespalten, die Moslems unter sich sind gespalten…. es ist ein Bild, das einem unter den Augen zu Staub zerfallen könnte.

Ich weiß, manchmal muß man generalisieren, um überhaupt zu einer Aussage zu kommen, ich mache das auch. Doch nach wie vor sind mir Deine Generalisierungen allzu ungenau.

Wie gesagt, ich möchte die Opfer des radikalen, vielleicht sogar authentischen Islam nicht mit demselben Wort belegen, nicht mit der gleichen Elle messen wie die Täter.

Dabei beziehe ich mich ausdrücklich nicht auf die Lage in Deutschland, ich weiß nicht, wie die moslemischen Bürger in Deutschland eingestellt sind. Vielleicht sprichst Du ja mehr über sie.

Ich sehe mein kleines Israel, bekämpft und gehaßt von fast allen Moslems und fast allen Arabern. Dabei macht es für mich einen großen Unterschied, ob der Haß sich gemäßig äußert (und somit zu einem kalten Frieden in der Lage ist) oder nicht. Auch deswegen unterscheide ich.

Die Begrifflichkeiten sind schwierig und ideologisch vorbelastet, das stimmt. Deswegen ist es gut, sie an dieser Stelle zu prüfen.

47. Manfred - Januar 24, 2008, 12:31

Lila,

hier bin ich natürlich ein Opfer meiner Zeitknappheit geworden, weil ich das Selbstzitat aus dem Zusammenhang gerissen habe: Es ging um die Frage, ob der Islam überhaupt eine konfliktfähige Partei ist bzw. sein muss. Und diese Frage habe ich bejaht, weil die islamische Tradition, speziell der Koran, ein anderes kollektives Selbstbild gar nicht zulässt als das einer kämpferisch gegen Fremdgruppen gerichteten Einheit. DESWEGEN geben bei den Muslimen die Extremisten im Zweifel immer den Ton an. Die Gemäßigten (also zum Beispiel Leute, die Israel gerne vernichtet sähen, aber selbst nichts dazu beitragen wollen) besorgen die Abschottung der Radikalen. Dass das aus israelischer Perspektive ein gewaltiger Unterschied ist, sehe ich ein. Aber hierzulande wird der Djihad weniger mit den Mitteln des Terrorismus geführt als mit denen der Unterwanderung, und da relativiert sich der Unterschied.

Es stimmt schon, dass man auch über andere Gruppen sagen kann, dass die Extremisten den Ton angeben würden – bei Linken zum Beispiel und Nationalisten. Man müsste es genauer analysieren, aber ich würde sagen: Daran erkennt man totalitäre Ideologien, dass die „Gemäßigten“ bei ihnen immer die schlechteren Karten haben.

Übrigens gebe ich gerade nicht der Gesellschaft die Schuld an irgendetwas. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass der Gemäßigte, der den Radikalen ideologisch aufrüstet, sich nicht dahinter verstecken kann, er selbst sei doch gemäßigt.

48. Lila - Januar 24, 2008, 12:53

Eben 😉

So kenne ich Dich doch. Aber jetzt benutzt Du ja selbst das böse Wort „Gemäßigte“…


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