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Ferien für die Kinder, Arbeit für alle, August 3, 2007, 16:16

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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sonst nichts. In der Familie häufen sich die Hochzeiten diesen Monat, jetzt heiratet schon die Generation derer, die ich als Kinder bzw Jugendliche kannte. Israelische Hochzeiten sind abends, meist im Freien, in besonderen „event gardens“, die im Laufe der letzten Jahre deutlich stilvoller geworden sind. Teilweise waren wir zu albtraumhaften Potemkinschen Dörfern geladen, wo das Bemühen um wat Feines mit der Unzulänglichkeit der Mittel schmerzhaft zusammenstieß… aber die letzte Hochzeit war in einer Art Orangenplantage, in die der Garten ganz geschickt integriert war.

Leider war es furchtbar schwül, so daß wir von einer grenzenlosen Müdigkeit befallen schon kurz nach der Chuppa das Handtuch warfen…. die nächste Hochzeit ist bei uns im Kibbuz, das wird bestimmt schön. Schlimmstenfalls gehen wir eben zwischendurch mal duschen.

Ich habe übrigens eine Verwandte auf der Hochzeit dadurch schockiert, daß ich meinen Jungens erlaubt habe, Bier zu trinken. Sie ist in meinem Alter, ihre Kinder sind jünger, und als echte Israelin hält sie jede Art Alkohol für Teufelszeug, süchtigmachend beim ersten Schluck, und unweigerlich in schweren Leberschäden endend.

Als ich ihr sagte, daß ich dafür bin, den Kindern im passenden Alter beizubringen, wie man ein kultiviertes Glas Wein trinkt, eine Sektflasche öffnet (und gegebenenfalls auch leert…) und einen Fußball-Fernsehabend mit Vater, Sonnenblumenkernen und Bier genießt – da war sie vor Entsetzen fassungslos. „Das ist doch furchtbar ungesund! Würdest du sie etwa auch rauchen lassen?“

Ich habe versucht ihr zu erklären, daß alle paar Wochen mal ein Bierchen mit Vater oder ein Glas Wein mit Mutter weder zu Sucht noch Fettleber führt. An ihrem schockierten Gesicht sah ich, es war zwecklos, ich habe jetzt meinen Namen als Rabenmutter weg.

Ich meinte, „nun haben die Kinder jahrelang unter ihrer deutschen Mutter gelitten, haben weder Spielzeugwaffen noch mißliebige Filme oder Spiele genehmigt gekriegt – jetzt sehen sie endlich die Vorteile, die eine deutsche Mutter hat, weil sie ihnen Bier anbietet!“ Das war ein bißchen boshaft, denn ihre Kinder sind gern mit riesigen Plastikgewehren rumgelaufen. Ja, manchmal bin ich ein bißchen zickig, ich gebe es zu. Dabei mag ich diese Verwandte gern.

Aber sie hat das Haus voller Kleinkinder und kann sich nicht vorstellen, daß man mit Jugendlichen der Grundsatz gilt: pick your battles. Außerdem kann ich mich auf meine Kinder verlassen. Und wir trinken hier so wenig Alkohol, daß es wirklich lächerlich ist, die paar Gläser Wein im Jahr überhaupt zu zählen…

Ansonsten pflüge ich mich durch endlose Bücherberge, in Vorbereitung für das nächste akademische Jahr. Ein paar Ideen flattern mir durch den Kopf, aber sie einzufangen, das ist nicht so leicht…

Draußen ist es heiß, drinnen schön kühl. Die Tage gehen schnell vorbei.

Wir fassen unsere Reise nach Deutschland ins Auge, werden im Lauf der nächsten Woche die genauen Daten wissen. Da wir diesmal nicht alle zusammen fliegen, wird das eine ziemlich komplizierte Aktion. Und das alles nur, um die Katzen nicht dem mentalen Trauma des Verlassenseins auszusetzen! Denn unsere Katzen-Betreuerin hat den Kibbuz verlassen, trotz unserer Beschwörungen.

Die großen Kinder arbeiten jeden Tag, Quarta geht fast jeden Tag ins Kinderhaus, wo sie wirklich schöne Sachen machen. Dienstag oder Mittwoch haben die Kinderhaus-Kinder (alles Grundschüler) gegen die Oberschüler eine Wasserschlacht geliefert, Secundus hatte großen Spaß, gegen seine kleine Schwester zu kämpfen. Beide Seiten kamen durchnäßt, aber stolz nach Hause und brüsteten sich mit der kompletten Niederschlagung des feindlichen Heeres. Sehr lehrreich! Ein Fall für den Historiker.

Heute hat mein wirklich wunderbarer Schwager die Jungens mit zum Kegeln genommen. Seine Frau ist mit den Kindern in Schottland, wo ihre Eltern krank sind – keine einfache Situation. Aber mein Schwager ist so ein prima Onkel, seine Interessen und die unserer Jungens ähneln sich – sie hören ähnliche Musik, tauschen CDs und Filme, spielen dieselben Spiele am PC – Männer sind Kinder. Die Jungens schoben richtig strahlend ab mit ihrem Onkel, sie machen sich einen Männertag, meinte Primus…

(Meine Schwägerin dagegen ist besonders nett zu den Mädchen, nimmt sie oft mit ihren Kleinen mit ins Schwimmbad, bastelt mit ihnen oder näht ihnen hübsche Kleinigkeiten… die Mädchen warten, daß sie wiederkommt.)

Tertia war gestern im Kino, allein mit einer Freundin. Wir haben sie bis Yokneam gebracht, dort haben die Mädchen einen Bus fast bis Haifa genommen, bis Checkpoint, wo es ein großes Kino gibt. Sie haben den Simpsons-Film geguckt und sind auch allein mit dem Bus nach Yokneam zurückgefahren, von wo die Eltern der Freundin sie dann abgeholt haben. Das war das erste Mal, daß ich Tertia so losgelassen habe, obwohl sie fast 15 ist und ich schon in viel jüngeren Jahren allein mit der Bahn durch halb Deutschland gefahren bin. Aber bei Mädchen, da hat man doch andere Bedenken.

Primus fährt regelmäßig allein nach Tel Aviv, Secundus und seine Freunde fahren auch manchmal allein irgendwo hin – da bin ich auch erst wieder beruhigt, wenn sie wieder zuhause sind. Aber die Vorstellung, was zwei so netten, kichernden Mädchen allein alles passieren kann – noch dazu hier, wo so viele Irre unterwegs sind in Bussen und öffentlichen Plätzen – aber Schluß damit, die Mädchen haben Handies, die Busfahrt ist nah, und sie müssen selbständig werden, es hilft ja nichts. Sie sind auch heil und vergnügt gegen Abend zuhause angekommen.

Egal wann – ich gehe immer erst schlafen, wenn das letzte Kind sicher eingetrudelt ist.

So, das war mein Update.

Kommentare»

1. Indica - August 4, 2007, 10:58

Ich glaube, da können wir alle unbesorgt sein – die einzigen ernsthaften Suchtmittel, die ich mir im Hause Lila & Y. vorstellen kann, sind frei herumliegende Bücher, Kunstwerke und Malutensilien!! Obacht, wenn die Jungs beim Lesen, Kunst-Gucken und Selbermachen die Kontrolle verlieren!

2. Loco - August 7, 2007, 12:51

Ich hatte Mitschüler, die zuhaus nicht fernsehen durften. Was taten die, wenn sie irgendwo einen Bildschirm entdeckten? Sie fläzten sich aufs Sofa und beschlagnahmten den Apparat samt Fernbedienung.

Die Kinder aus den behütetsten Häusern („daß du mir nicht mit Jungs rummachst“ bzw. „keine Mädchengeschichten, hörst du?“) waren denn auch die ersten, von denen wilde Geschichten kursierten…
Und die, die zuhaus nicht mal an Bier und Wein schnuppern durften? Die haben sich auf Klassenfahrten fast ins Koma gesoffen.


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