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Besserwisser August 3, 2007, 17:16

Posted by Lila in Land und Leute.
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Deutsche sind in Israel sehr willkommen, wenn sie sich besserwisserische Urteile verkneifen.

 

So mahnt Peter Schneider besserwisserisch in der ZEIT, um sich dann selbst daran zu geben, kräftig zu urteilen.

Ein Deutscher, der sich weder zu voreiligen Solidarisierungen noch zu besserwisserischen Verurteilungen hinreißen lässt, wird sehen, dass es so gut wie kein Argument gegen die israelische Regierungspolitik gibt, für das sich nicht einheimische Anwälte fänden. Er darf und soll fragen, wie es um die Weisheit eines Staates bestellt ist, der den versprochenen palästinensischen Nachbarstaat im Westjordanland mit über hundert illegalen Siedlungen und mit 550 roadblocks durchsetzt. Er darf und soll sich darüber wundern, dass die israelischen Besatzer in den vergangenen vier Jahrzehnten keine Infrastruktur im Westjordanland aufgebaut haben, die den Besetzten die Vorzüge einer halbwegs korruptionsfreien und technisch fortgeschrittenen Zivilisation zugänglich gemacht hätte. Das alles darf und soll er sagen und wird offene Ohren finden – vorausgesetzt, dass er sich nicht auf die Ideologie der friedlichen Lösbarkeit aller Konflikte versteift und die andauernde existenzielle Gefährdung Israels anerkennt.

Wirklich, jeder Tourist darf und soll sich beim Besuch eines Landes so seltsame Fragen stellen? Vielleicht hat Schneider schon mal davon gehört, daß die Israelis sehr wohl versucht haben, im Westjordanland eine Infrastruktur aufzubauen, damit aber ebenso gescheitert sind wie die vielen andren Helferlein aus anderen Ländern? Wie bitte soll Israel die palästinensische Gesellschaft von der Korruption reinigen?  Jede einzelne der Wunderfragen zeigt nur, daß Schneider gar nicht wirklich fragt, sondern urteilt. Aber er, er darf das.

Und darf und soll ein israelischer Besucher in Deutschland auch peinliche Fragen stellen? Mir fielen schon ein paar davon ein. Wie würde das den deutschen Gastgebern gefallen?

Aber auchVergleiche sollte man unterlassen, meint Schneider. Um sofort zu vergleichen:

Der Unterschied könnte größer nicht sein: Während Israel auf die Entführung von zwei Soldaten mit unverhältnismäßiger Gewaltanwendung reagierte und sich in einen Krieg gegen Libanon stürzte, debattierten die Deutschen nach dem Tod von drei Bundeswehrsoldaten den Rückzug ihrer Truppen aus Afghanistan.

Der kleine Spaßvogel hat vergessen, daß am selben Tag auch acht Soldaten ums Leben kamen und der Norden Israels unter schweren Beschuß kam. Ach, so unwichtige Details! Vielleicht hat er auch mal auf die Karte geguckt und verglichen: wie weit sind Afghanistan und Deutschland voneinander entfernt, und wie weit Libanon und Israel? Vielleicht läßt sich das ja wirklich nicht so richtig vergleichen?

Jedenfalls waren die Israelis nett zu ihm. Das glaube ich unbesehen. Die deutsche Furcht vor rachsüchtigen Israelis beruht auf eigener Projektion – ein Amerikaner in Deutschland hat, wie ich mir habe sagen lassen, mehr mit Vorurteilen und Feindseligkeit zu kämpfen als eine Deutsche in Israel. Take it from me.

Ist schon lustig, wie jeder, der mal ein Füßchen an den Strand in Tel Aviv gesetzt hat, nun einer staunenden Welt mitteilt, welche Erkenntnisse ihm dabei gekommen sind.  Ach ja, er weiß es eben alles, alles besser.

Kommentare»

1. Carsten - August 3, 2007, 21:11

Zum Thema „kritische Deutsche im Ausland“:

Das scheint nichts israelspezifisches zu sein, sondern ein allgemeines Phänomen meiner Landsleute.

Hoffentlich bin ich nicht so…

2. Lila - August 3, 2007, 23:47

Naaaaain, niemand von uns ist so. Die doofen Deutschen sind immer die anderen 😉

Danke für dieses Highlight.

3. noktavian - August 4, 2007, 0:00

Bei aller Kritik im Einzelnen, wo ich Dir vollkommen zustimme, hebt sich der Grundtenor des Artikels aber wohltuend vom deutschen Mainstreamjournalismus ab. Denn viele der von Schneider hervorgehobenen „Binsenweisheiten“ werden hierzulande oft genug unter den Tisch gekehrt, bzw. geleugnet; vor allem die Tatsache, dass „…die Israelis einen Existenzkampf gegen Feinde führen müssen, die ihren Staat von der Landkarte tilgen wollen […].“ Genau das ist vielen Deutschen aber wohl nicht so recht bewusst. Von daher rührt auch die hier häufig anzutreffende rechthaberische prinzipielle Ablehnung aller militärischen Gewalt. Also: wenn man die deutsche Medienlandschaft kennt, kann man über solche Artikel eigentlich recht froh sein.

4. Lila - August 4, 2007, 0:19

Ja ja, das stimmt schon. Aber weißt du, manche Artikel sind so abgrundtief gräßlich und verlogen und falsch, daß man gar nicht weiß, wo anfangen. Bei Schneider mischen sich das Lobenswerte (jawohl, auch ich kann besserwisserisch sein! nicht als ob jemand das bezweifelt hätte ;D) und das übliche Händeringen über diese unbegreiflichen Israelis eben auffällig. Deswegen war er ein leichtes Opfer für mich 😉 Wie unfair, würde Kishon sagen.

Weißt Du, man kann es den Besuchern und Laienpredigern nie recht machen. Lassen wir die Palästinenser korrupt und inkompetent vor sich hin wursteln, sind wir Unmenschen, die die Ärmsten in ihr Unglück laufen lassen. Mischen wir uns ein, sind wir Kolonialisten und Herrenmenschen. Nu….? Das trifft auf die Westbank-Gaza genauso wie auf die arabischen Dörfer, Städte und Gemeinden in Israel zu.

Die Geschichte mit den Sirenen im Krieg hab ich ja oft genug als Beispiel erzählt. Arabische Bürgermeister haben sie in arabischen Dörfern abgestgellt, um sie an Gedenktagen nicht erschallen lassen zu müssen. Im Krieg erschallte sie dann eben auch nicht. Wer war Schuld, auch in Augen unserer Medien? Der unmenschliche israelische Staat. Doch wie erfreut wäre der arabische Bürgermeister von Nazareth gewesen, wenn eine Abordung des home front commandos bei ihm im Büro aufgekreuzt wäre, um die Funktion der Sirenen zu checken? Hätte doch sofort geheißen, „das jüdische Establishment mischt sich überall ein, laßt dem Mann seine Kompetenzen“.

Hat der Staat getan, und das Ergebnis? Zwei tote Kinder in Nazareth.

Also, es ist nicht ganz so einfach, wie Schneider glaubt, sich hier durch zu manövrieren.

(Und daß es die vielbeklagte Besatzung nie gegeben hätte ohne mehrere arabische Angriffe auf Israel? und die darauf folgende Weigerung der arabischen Staaten, mit Israel zu verhandeln? Stichworte Sechstagekrieg und Khartoum – falls hier noch jemand mitliest, dem diese Dinge kein Begriff sind….)

5. Micha - August 4, 2007, 9:22

Hi,

ich finde einfach den Stil des Artikel schon recht seltsam: „… er darf und soll fragen, wie es um die Weisheit eines Staates…“ ääähhhmmmmm, wie denn wo denn was denn ?!?! Da könnte man genauso gut nach der Sportlichkeit oder dem Kustsachverstand eines Staates fragen 😉
Aber im Leib-und-Magen-Blatt unserer Eliten muss man wahrscheinlich solche Sprachoperetten aufführen. Liegt wahrscheinlich an der Landschaft: wenn drumrum alles flach ist, sollte wenigstens die Ausdrucksweise hochgestochen sein.

6. flowerkraut - August 4, 2007, 15:47

Aber Lila, Schneider schreibt doch für deutsches Publikum und nicht für Israelis, also gibt er ihnen auch keine Ratschläge. Btw direkt oder indirekt geben auch Normalottos wie ich (ua.) Ratschläge an alle Herren Länder.
Das Problem ist m.E.:

„Er darf und soll sich darüber wundern, dass die israelischen Besatzer in den vergangenen vier Jahrzehnten keine Infrastruktur im Westjordanland aufgebaut haben, die den Besetzten die Vorzüge einer halbwegs korruptionsfreien und technisch fortgeschrittenen Zivilisation zugänglich gemacht hätte.“ …

Wenn sie es so machen, ist es falsch, machen sie anders ist es Kolonialismus und Annektion, lassen sie den Palästinensern ihre Bildungsautonomie, ist es Vernachlässigung, investieren sie dort ist es schleichende Hebräisierung. Es interessierten oft nur absolute Antworten, obwohl eigentlich jeder wissen sollte, dass Gestaltung im Rahmen demokratischer Politik ein unendlicher Prozess ist, der von vielen Nebenschauplätzen beeinflusst wird. Es ist dieser Teufelskreis aus dem man kaum herauskommen kann. Viele Themen werden für die Medien erst interessant, wenn Israel ist Spiel kommt, oder hat jemand auf die schnelle einen Artikel zur Arabisierung. Oder wie mit den afrikanischen Flüchtlingen, ohne Europa es ist oft ein Thema ohne Bilder, ohne Namen, maximal 5-10 Zeilen wert, wenn es z.B. das Transitland Ägypten (und dies Land ist ein heikler Fall, Mubarak ist unser Beinaheliebling und euer Partner) betriff. Persönlich kann ich mich da nur an einen Vorfall mit längeren Artikeln erinnern, der aber auch schon einige Jahre alt ist.). Erreichen sie Israels Grenzen ändert sich das. (Medien sind immer da, wo es westliche Zivilisation gibt, es gibt kaum ständigen Reporter irgendwo in Afrika, sie sitzen in Kairo oder Johannesburg und berichten „direkt“ von dort) , und bei den Berichten zu Israel und bei dessen Aufnahme kommt dann indirekt all der moralische Ballast (f.d.einen) oder die historische Last (f.d.anderen) zum Ausdruck, und zwar unabhängig davon wie man mit den Themen umgeht. Und er kommt nur beim Thema Israel zum Ausdruck, aber kaum, wenn es um Polen, und gar nicht, wenn es um Russland oder dem Balkan geht.
Sagt man nichts, läuft die reine Propaganda weiter und leider nicht ins Leere. Sagt man etwas, gibt es neue Anknüpfungspunkte. Vielleicht ist es ein teuflisches Spiel an dem nicht nichtmitspielen kann. Ich glaube, es geht mir ebenso. Als Israeli würde ich mir wahrscheinlich manchmal wünschen, dass mein Land ein paar Monate völlig uninteressant wäre.

7. Lila - August 4, 2007, 21:03

Schneider gibt auf jeden Fall Anweisungen und Ratschläge – nämlich den deutschen Besuchern in Israel. Und er gibt ihnen den Ratschlag, uns Ratschläge zu erteilen – wie sie nach seinem erhabenenen Beschluß „dürfen und sollen“. Bei allem guten Willen – eine etwas stachlige Lektüre…

8. Miriam Woelke - August 4, 2007, 22:01

B“H

Ich muss Carsten recht geben. Es scheint ein deutsches Phaenomen zu sein.

Bei Amerikanern, Briten etc. klingen die Kritiken eher so:
„Yes, but maybe you should think it over and take this and that into consideration…“.

Bei Deutschen klingt die Kritik sehr haeufig:
„Do it..“ – wie ein Befehl.

Shavua Tov

9. gingit - August 4, 2007, 22:44

Liebe Lila,
so bescheuerte deutsche Fragen wie in den letzten Tagen haette ich mir gar nicht traeumen lassen, aber es gibt leider keine Grenzen… (haben zwei Begleiter dabei…ohne Worte! Was schaeme ich mich dauernd!).
Jedenfalls… hab ich 144 gefragt und Nachricht bei euch gelassen, hoffe hast du gehoert…
Morgen geht’s zurueck in die Mitte vom Land und Donnerstag heimwaerts. Falls meine Nachricht nicht angekommen, hier Nr. „/$&§%=)§“%( (bitte nach lesen loeschen!). Schoenen Gruss nochmal.

10. Lila - August 4, 2007, 23:07

Schon gelöscht!

Wir waren heute im Rama, haben im „Coffee Anan“ Beigel gegessen und sind in Kiriat Shmona vorbeigekommen … haben bedauert, daß wir deine Nummer nicht hatten.

11. flowerkraut - August 5, 2007, 0:11

Also ich weiss nicht? Habe den Artikel eben noch einmal gelesen.Es geht doch nicht um letzte Worte. Er sagt, dass es möglich ist diese Fragen, wenn man sie hat, zu stellen und dass man darauf eine Antwort bekommt (wenn man sich die Reisekosten sparen will auch in diesem Blog). Entweder diese Antwort oder eine andere. Gut, dann diskutiert man eben, das sind das doch alles Dinge über die man sprechen kann, ich glaube sogar soll, nur so entwickelt sich Verständnis. Oder möchtest du das betretene Schweigen, bei dem die Vorurteile nur gedacht werden? Ob man die Fragen mit dem Wort „warum“ einleitet oder nicht ist von der Beziehung zum Gesprächspartner abhängig.

Ich lese den Artikel völlig anders.

PS: Gelegentlich muss man sich auch als Deutscher weitaus peinlichere Fragen anhören, ich für meinen Teil versuche sich auch zubeantworten. In Tel Aviv landen wahrscheinlich gelegentlich Leute, die meinen schon alle Antworten zu haben, das passiert hier sicherlich weniger.

12. Lila - August 5, 2007, 4:33

Nein nein, natürlich ist das vielsagende Schweigen noch schlimmer. Meinst Du, ich lese Schneidern falsch? Kann schon sein. Ich hatte das Gefühl, er jubelt uns die typischen Verdächtigungen unter und zieht die typischen Vergleiche, während er gleichzeitig beteuert, daß er es hier ganz toll fand.

Vielleicht habe ich einfach zu viele solcher „harmlosen“ Fragen und zu viele Gespräche dieser Art auf dem Buckel, um Schneider the benefit of doubt einzuräumen. Ich will ihm ja nicht Unrecht tun.

Aber das unverkennbare Staunen, mit dem er zur Kenntnis nimmt, daß die Leute hier nett sind, daß man mit ihnen diskutieren kann, daß sie selbst durchaus kritisch ihrer Regierung und deren Politik gegenüberstehen, und daß man als Deutscher nicht automatisch der Buhmann ist – hm. Das kann mir nicht gefallen.

Wem schmeichelt es schon, wenn ein Besucher ihm sagt, „boah, du bist ja viel netter, als ich mir nach allem, was ich so über dich gehört habe, vorgestellt habe“ ????? 😉

Auch wenn das eine ehrlichere Reaktion ist als ein freundliches „sehr angenehm“…..

13. gingit - August 5, 2007, 11:13

oi, sowas bloedes! im coffie anan waren wir auch letzte woche mit den gaesten… da haettet ihr gestern wirklich einfach die paar km hochfahren koennen und fragen, ich bin hier schon bekannt wie ein gingitfarbener hund, wie du dir vorstellen kannst… 😉
schadeschade! so, fahren glecih nach hod hasharon,um die letzten familienreste abzuarbeiten und dann urlaub bis zum rueckflug 🙂

14. Lila - August 5, 2007, 11:50

Ehrlich? Hätten wir fast gemacht.

15. grenzgaenge - August 5, 2007, 17:55

von schneider mal abgesehen bin ich immer wieder erstaunt darueber mit welchen urteilen deutsche touristen aus israel zurueckkommen. die schaffen es problemlos ihre eigenen vorurteile zu bestaetigen, vor allem wenn es sich um pauschalreisen handelt. die einzigen israelis mit denen die touristen in kontakt kommen sind der guide und der busfahrer. traurig, aber wahr 😦 ich weiss jedenfalls warum ich alleine reise 🙂

viele gruesse, schavua tov,
grenzgaenger

16. flowerkraut - August 5, 2007, 19:35

„Aber das unverkennbare Staunen, mit dem er zur Kenntnis nimmt, daß die Leute hier nett sind, daß man mit ihnen diskutieren kann, daß sie selbst durchaus kritisch ihrer Regierung und deren Politik gegenüberstehen, und daß man als Deutscher nicht automatisch der Buhmann ist – hm. Das kann mir nicht gefallen.
Wem schmeichelt es schon, wenn ein Besucher ihm sagt, “boah, du bist ja viel netter, als ich mir nach allem, was ich so über dich gehört habe, vorgestellt habe” ????? “

Einverstanden, aber vielleicht ist es persönlich oft kein falscher Ansatz darauf zu bestehen, dass das Glas halb voll ist, denn als halb leer! Ich bin sicher ich habe oft auch schon manche harmlose Frage falsch gestellt. Und nicht nur in politischer Hinsicht! 😉

17. david - August 6, 2007, 1:13

Ich frage mich, was wohl die passenden Ratschläge oder nicht-Ratschläge, oder meinetwegen auch „bitte nicht falsch verstehen, aber“-Ratschläge von Peter Schneider für einen Besuch in Ramallah wären.

18. grenzgaenge - August 6, 2007, 8:13
19. Georg - August 6, 2007, 12:13

Ob willkommen oder nicht. Schau mal, was ich heute gefunden habe

http://www.algorithman.de/freedom/schaeuble.htm

Da fällt dir doch nichts mehr ein, brauchen wir gar nicht drüber zu reden. Dann aber kommt eine der bekanntesten und ältesten Bloggerinnen Deutschlands auf die Idee, gerade diese unsäglich dumme Hetze zu verteidigen

http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2007/07/29/taeglich-neues-vom-abbau-des-rechtsstaats/

Das alles nur heute Morgen als ein Beispiel ungesucht gefunden. Die Sprache verroht, merkst du’s?

Viele Grüße

20. willow - August 6, 2007, 15:42

„Die Sprache verroht, merkst du’s?“

Nein, die Maßstäbe gehen verloren… wer allen Ernstes Schäuble und Bush (die durchaus diskussionswürdig sind) oder auch israelische Politiker unbedingt mit Hitler gleichsetzen muß, hat *einiges* nicht begriffen. Aber das sind die gleichen Personen, die mit Blick auf die Polizei gerne von Gestapo- bzw. Stasimethoden sprechen. Wir leben im friedlichen Deutschland und fordern von denen, die in weniger friedlichen Weltgegenden leben müssen, etwas mehr Zurückhaltung…sollen doch einfach unserem guten Vorbild folgen.

Irgendwann hat Lila mal gesagt, sie würde sich lieber um die korrekte Mülltrennung sorgen, als ständig mit den Bedrohungen Israels konfrontiert zu werden. Offensichtlich langweilen sich einige beim Ausspülen ihrer Yoghurtbecher und müssen dann weniger friedliebenden und freiheitsliebenden Menschen gute Ratschläge geben.

Die gleichen Leute, die kritisieren, daß Guantamamo oder auch die gezielte Tötung von Terroristen nicht völkerrechtlich fundiert sind schreien laut auf, wenn z.B. ein deutscher Innenminister solche *internationalen* gesetzlichen Regelungen fordert.

21. Lila - August 6, 2007, 16:15

Willow, wenn Du mal Grenzgängers Link folgst, dann siehst Du, daß auch die deutsche Öffentlichkeit durchaus bereit ist, Nachsicht walten zu lassen – kommt nur drauf an, wem gegenüber.

Allerdings weiß ich nicht, wie weit der Artikel die deutsche Stimmungslage korrekt wiedergibt. Das müßt Ihr mir schon verraten…

22. willow - August 6, 2007, 18:31

Schwer zu sagen… die USA sind hier wohl die Inkarnation des Bösen. Und Sympathie oder auch nur Mitgefühl für Israel zu thematisieren ist sehr schwierig. Gibt eben kaum etwas schlimmeres als Zionisten 😉

23. grenzgaenge - August 6, 2007, 18:49

also die deutsche stimmungslage gibt der link bestimmt nicht wieder. die stimmungslage der „linken“ ganz bestimmt nicht, die beschaeftigt sich lieber damit wolfgang schaeuble zu diffamieren.

24. grenzgaenge - August 6, 2007, 18:50

p.s. gerade deshalb ist es wichtig das solche artikel verbreitung finden ….

25. grenzgaenge - August 6, 2007, 19:00

http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3432363,00.html

ich fasse es nicht !! koscheres BIER aus deutschland. unglaublich ….

26. Georg - August 6, 2007, 21:46

@ willow: „Die gleichen Leute, die kritisieren, daß Guantamamo oder auch die gezielte Tötung von Terroristen nicht völkerrechtlich fundiert sind schreien laut auf, wenn z.B. ein deutscher Innenminister solche *internationalen* gesetzlichen Regelungen fordert.“

Ja und nein.
Ja – man schreit immer auf, gehts einen selber etwas an.
Nein – ich glaube, dass die extreme Linke in D dieselben Ziele mittlerweile verfolgt wie die Rechte, wie die Neofaschisten, die, die Hitler öffentlich verabscheuen, dennoch (unbewusst?) sein Credo vorbeten.

Viele Grüße

27. willow - August 6, 2007, 22:49

Ja Georg, da stimme ich dir allerdings zu – vergleiche einfach mal Programme und Politikeraussagen von „Die Linke“ und NPD. Es ist ein Jammer. Besonders für Menschen, die sich selbst „irgendwie“ links einordnen. Einfach nur jämmerlich.

28. Lila - August 6, 2007, 23:38

Daran zeigt sich nur, wie nutzlos diese stereotypen Einteilungen sind. Ich hatte noch nie was dafür übrig. Meinungen und Einstellungen kauft man nun mal nicht en gros, sondern en detail. Und da kommen eben bunte Mischungen raus – manche davon schmecken eben, wie bei Bertie Botts´ All flavor beans, nach Popel, Ohrenschmalz oder Schlimmerem.

29. Georg - August 6, 2007, 23:51

@ willow & Lila: Jaja, für Menschen, die etwas weiter denken, mag es stimmen, doch ich behaupte mal, der eingangs verlinkte Artikel Peter Schneiders aus der ZEIT repräsentiert tatsächlich die Mitte (des [mehr oder weniger] Denkens) Deutschlands.
Wenn dies so sein sollte, nur mal angenommen, was folgert denn daraus in letzter Konsequenz? Ja… und das ist der Hammer, finde ich, die Folgen von harmlosen Dies & Das sind immer überraschend und nie gewollt.
Sieht man ja in Afrika u.a.

30. Lila - August 7, 2007, 0:02

Also den Sprung nach Afrika, den mußt Du mir bitte erklären, hab ich nicht verstanden.

Sollte Schneider wirklich die deutsche Meinung zu Israel repräsentieren, würde ich sagen, wir sind dem Totengräber noch von der Schipp gesprungen. Ich habe ehrlich gesagt das Gefühl, er ist weitaus israel-freundlicher zu verorten als der deutsche Durchschnitt. Er hat ja geradezu Spaß an und in Israel.

Dagegen kenne ich Leute, die gar nicht erst hierherfahren wollen. „Da kann man sich ja als Deutscher nicht sehen lassen, dem Haß setze ich mich nicht aus“, „Israel ist doch viel zu gefährlich“, „in einen Staat, der Staatsterror betreibt, fahre ich nicht“ waren einige der Begründungen, die ich im Laufe der Jahre gehört habe.

Gut, auch mich interessiert nicht jedes Land, mir fällt zwar gerade keins ein, in das ich partout nicht fahren würde – aber wem Israel egal ist, der braucht mir auch nicht zu erklären, wieso er nicht hierherkommt! Aber all den Leuten, die mir solche Gründe gesagt haben, war Israel ganz und gar nicht egal, sondern sie hatten bombenfeste Meinungen zum Thema.

Also, ich glaube, wäre Schneider nicht so predigerhaft-besserwisserisch und damit komisch paradox dahergekommen, hätte ich seinen Artikel mit wohlwollender Duldung übergangen ;-))))

31. jakobo - August 7, 2007, 14:10

Hi, Lila:
Wie gehts Dir? Hab schon ewig nicht mehr vorbeigeschaut.

Will auch mal meinen senf dazugeben. Die Spanier zum
Beispiel sind oftmals rassistisch gegen die südamerikaner.
Aber wennigstens versuchen sie sie nicht umzuerziehen
und fühlen sich dabei auch noch großzügig.
Oder fangen an Bedinugen zu stellen wie etwa..wenn
Du nicht.. dann(!!!).

Jakobo

32. Lisa Rosa - August 9, 2007, 11:10

Hm. Zu fragen oder nicht zu fragen, ist m.E. keine Angelegenheit des Dürfens/Nichtdürfens, sondern eine Sache gelingender oder nicht gelingender Kommunikation. Man fragt aus unterschiedlichen Motiven – aus Interesse, aus Freude am Meinungsstreit, aus Bosheit oder aus dem Bedürfnis heraus, den anderen zu kritisieren, um sich von eigenen ungeklärten Dingen zu entlasten. Oder man fragt nicht – aus ebenso unterschiedlichen Motiven: aus Höflichkeit, aus Vermeidung von Auseinandersetzungen, aus Angst vor aggressiven Konflikten im „Tretminengelände“ oder aus welchen Gründen auch immer …
Und ob es der konkreten Kommunikation nützt und gut tut, wenn man fragt/nicht fragt, Stellung bezieht/vermintes Gelände vermeidet, ist immer auch davon abhängig, wie man sich artikuliert und mit wem man spricht. Versuche, generelle Verhaltenscodizes für Deutsche in Israel zur Frage des Nahostkonflikts aufzustellen, halte ich nicht für sinnvoll. Da halte ich es eher mit Peter Chaim Schneider, der unlängst schrieb: „Ich will den Antisemiten sehen!“


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