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Von der Arbeit August 2, 2007, 23:39

Posted by Lila in Kunst.
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Ja, ich muß mal wieder ein bißchen von der Arbeit erzählen, das hab ich in der letzten Zeit nicht mehr gemacht. Es mag daran gelegen haben, daß meine neuste Vortragsreihe mir selbst nicht so gut gefällt, wie ich anfangs dachte. Ich mache eine Reihe über Museen.

Die Idee fand ich gut und habe sie richtig schön ausgearbeitet: jedes Museum stelle ich nach bestimmten Kriterien vor. Ich fange mit dem Ort an (so richtig schön mit Google Earth – das ist bei Museen wie dem Louvre wirklich aufschlußreich), spreche über das Gebäude (ist ja ein Unterschied, ob es ein Neubau ist, ein altes Schloß oder ein umfunktionierter Bahnhof, und ob da mal angebaut oder erweitert wurde und wie…), gehe dann zu den Sammlungen über. Geschichte der Sammlungen, wie sind sie aufgeteilt, wie gehängt? Schwerpunkte, Highlights, Reserven.

Und dann stelle ich jeden Teil der Sammlung vor, mit einer repräsentativen Auswahl. Das ist der Hauptteil. Zum Schluß spreche ich ein bißchen über die politische, gesellschaftliche oder erzieherische Funktion des Museums – Selbstdarstellung von Herrschern ist ein Stichwort. Wenn spektakuläre Restaurationen dort stattgefunden haben, erzähle ich auch davon. Ich zeige auch Bilder vom Museumsshop. Also rundherum.

Ohne Internet wäre natürlich so eine Reihe nicht zu machen. Ich dachte, es ist doch mal interessant, weder thematisch noch chronologisch vorzugehen. Trotzdem bin ich mit der Reihe irgendwie nicht zufrieden. Ich habe sie in einem kurzen Kurs ausprobiert, das war nicht gut, weil ich da sehr schnell durch die einzelnen Museen rasen muß. Im Moment habe ich dieses Problem nicht- ja ich weiß auch nicht, vielleicht ist das zu sehr „the best of“, ist nicht so gut geworden, wie ich dachte.

Aber jetzt habe ich mir drei Wochen für das Museum of Modern Art genommen. Und das, wo ein Teil meiner Zuhörer über 80 ist (ich hab auch Leute um die 50, und eine junge Studentin kommt auch von Zeit zu Zeit) und beim Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert schon kalte Füße kriegt! (Ich habe auch drei aktive Maler dabei, darunter ein Franzose, die finden das natürlich superb, wenn ich mal über moderne Kunst spreche…)

In meiner vorherigen Reihe (die auch eklektisch war, aber irgendwie besser „zusammengenäht“) ging es um Meisterwerke. Ich habe die Leute in der ersten Stunde einfach sagen lassen, über welche Meisterwerke sie was hören wollen. Da kamen dann die üblichen Verdächtigen, von der Mona Lisa über Rodins Denker bis Munchs Schrei, Vermeers Mädchen mit Perlenohrring und die sog. Nachtwache von Rembrandt – aber auch unerwartete Bitten wie Cezannes Badende und die Rokeby-Venus von Velazquez.

Es hat Spaß gemacht, die Meisterwerke schön aufzubereiten. Ich habe mal mit dem Künstler angefangen, bei Velazquez war das sinnvoll, mal mit dem Genre, die Badenden habe ich richtig schön aufgerollt. Und dann Vergleiche, Stilmittel, und auch die Rezeptionsgeschichte. Ich finde das Mädchen mit dem Hermelin viel schöner als die Mona Lisa, auch geheimnisvoll, aber Leonardo hat sie nun mal nicht überall mit sich rumgeschleppt, niemand würde in ihr ein geheimes Selbstbildnis vermuten und sie hängt nun mal in Krakau. Kein gutes Sprungbrett für globalen Ruhm.

Und so haben wir am Ende gesehen, daß Meisterwerke ein ganz interessanter Kreuzungspunkt vieler Fäden sind. Und ich habe natürlich gegen Ende auch moderne Meisterwerke eingeschummelt, so habe ich vier Stunden über Bacon, Hockney und Freud gemacht. Das war wirklich schön. Oh, und natürlich Jackson Pollock und Mark Rothko, ebenfalls zusammen. Das bietet sich ja an.

Na ja, jetzt habe ich also die klassischeren Museen, Louvre und Prado, durch. Diesmal durchbreche ich auch die chronologische Folge, nach dem MOMA ist die Akropolis dran. Aber ich habe in den letzten drei Stunden so richtig schön von Monet bis Max Ernst (weiter sind wir noch nicht gekommen) rauspräpariert, was moderne Kunst alles kann bzw sich rausnimmt. Natürlich macht es Spaß, daß meine Zuhörer vielfach seit Jahren bei mir sitzen und auf einen Vergleich von Boccionis voranstürmender Skulptur mit der Nike von Samothrake selbst kommen. Meine alte Lehrerin für moderne Kunst würde einen Schlag kriegen, wenn sie wüßte, daß ich so keck bin, Malewitsch und Popova zu zeigen und noch was dazu zu sagen. Aber ich habe erst beim Erklären selbst kapiert, worum es Malewitsch ging. Oder mir das zumindest eingebildet.

Nächste Woche geht es weiter. Dann komme ich bis Eva Hesse und Rachel Whiteread. Mal gucken, wie ich mich da reinstürze. Es macht aber Spaß, in Fachgebieten zu wildern, an die mich eine normale akademische Umgebung nie ranließe. Da hat jeder sein Töpfchen und sein Kröpfchen, und wenn die Fachfrau für antike Kunst von „zeitlich nahe“ spricht, kann sie damit 200 Jahre meinen… während der Kollege von der modernen Kunst säuberlich trennen muß, in welchem Monate des Jahres 1911 Picasso und Braque diese oder jene Bucht gemalt haben…

(Wollte eigentlich alle erwähnten Künstler und Werke verlinken, aber …. Google ist doch in letzter Zeit billiger geworden? Kann sich jetzt jeder leisten? Darum stelle ich diesen Sermon einfach mal so ein.)

Kommentare»

1. Add a link - August 3, 2007, 7:46

Lila, ich wünsche mir von Dir jetzt einfach einmal etwas über Robert Mangold. Wunsch ohne Verfallsdatum.

2. grenzgaenge - August 3, 2007, 14:11

liebe lila,

schoen wieder etwas von dir zu lesen 😉

liebe gruesse, schabbat schalom,
grenzgaenger

3. gingit - August 3, 2007, 14:12

hallo lila!
schoenen gruss aus metulla, mangels email-adresse u richtiger tel-nummer (?) auf diesem weg…
hoffe, euch geht’s gut!
gingit

4. Lila - August 3, 2007, 15:06

Guckstu in Telefonbuch!

5. Loco - August 7, 2007, 12:47

Google ist zwar erschwinglich, aber die gelieferten Links haben keine Qualitätssiegel. Dagegen weiß ich, wenn du was verlinkst, daß ich auf die Seite vertrauen kann. 😉

Ehrlich gesagt, deine Vortragsreihen würde ich auch gern als „Student“ hören, aber leider fürchte ich, du hältst sie in einer Sprache, die ich ungefähr so fließend verstehe wie Hieroglyphen.

6. Lila - August 7, 2007, 13:48

Im Falle Museen und Kunst kannst Du Dich auf Google Images schon verlassen.

Meine Voträge sind glaube ich wirklich ganz interessant, auch für Leute, die gerade keine Kunstgeschichts-Freaks sind. Ich finde meine Themen so ziemlich überall – alles, was die Augen aufnehmen und entschlüsseln können.

Tja, mit dem Hebräischen, das ist so eine Sache. Ich habe das Gefühl, auf Deutsch könnte ich gar nicht unterrichten, weil ich das immer nur auf Hebräisch mache…. aber ehrlich, es ist gar nicht so schwer 😉


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