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Nachrichten bloggen Juni 1, 2007, 20:38

Posted by Lila in Land und Leute.
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Schnell den Laptop geholt, diesen Dialog muß ich bloggen! Nachrichten Channel 2, lange Ausgabe, Freitagabend. Thema: 40 Jahre Sechstagekrieg.

Yoram Bin Nur, der langjährige Korrespondent von Channel 2 in der Westbank, zieht mit einem Print-Kollegen durch Bethlehem, Nablus und andere Orte der Westbank. Der Printkollege grämt sich über die vielen verschenkten Chancen, Bin Nur merkt man an, daß er sich einfach wohlfühlt. Er kennt alle, alle kennen ihn. Nach Ende der Reportage sitzt Bin Nur im Studio mit dem Anchorman, Aaron Barnea, selbst ein erfahrener Kenner der arabischen Länder.

Barnea fragt Bin Nur: „wie würdest du denn jetzt zusammenfassend sagen: was fühlen die Menschen in den Gebieten uns gegenüber?“ Bin Nur: „Sehr ambivalent. Während wir für diese Reportage in einem Cafe sitzen, ist der Cafebesitzer so nett zu mir und kümmert sich so um uns wie um seine Kinder. Kaffee, Tee – egal was ich will, es muß perfekt sein. Wir gehen weiter, es ist so heiß, da bringt er uns einen Sonnenschirm. Der Kameramann schwitzt so, daß ein Junge mit einem Sonnenschirm auch für ihn angelaufen kommt. Da fährt der Cafebesitzer ihn an: was hast du Mitleid mit ihnen, es sind Israelis, die haben auch kein Mitleid mit uns! Es ist eine ganz starke Ambivalenz, Anziehung und Abstoßung“.

Barnea nickt, das kennt er auch. Bin Nur: „Einen besonders starken Einschnitt bedeutet unsere Schutzmauer. Ich will nicht davon reden, daß sie Terror verhütet – sie verhütet Terror. Aber für die Bewohner der Westbank bedeutet der Bau des Zauns, daß sie nun erbarmungslos in die arabische Welt gestoßen werden. Sie träumen von Tel Aviv. Es passiert mir immer wieder, daß mich Leute fragen, wie ist Tel Aviv dieser Tage? Ach, wie wir über den Dizengoff gegangen sind! Sie haben Sehnsucht nach diesen Tagen.“

Barnea: „Da fällt mir eine Geschichte von 67 ein. Ich saß mit dem damaligen Bürgermeister von Hebron zusammen, in einem Cafe in Tel Aviv. Ich fragte ihn, wer ist deiner Meinung nach der größte arabische Politiker? und er sagte sofort, Nasser. Ich fragte, Nasser? Nach dieser Niederlage hältst du ihn immer noch für einen großen Mann? Aber klar, sagte er. Nasser hat uns versprochen: wenn es einen Krieg gibt, dann könnt ihr hinterher nach Tel Aviv. Und bitte, wo sitzen wir?“ Beide Journalisten lachen. „In Tel Aviv!“ In Tel Aviv. Und das waren die guten Tage, aber noch nicht die besten.

Wollen wir hoffen, daß irgendwann Bürger eines palästinensischen Staats, unsere friedlichen Nachbarn, wieder auf dem Dizengoff Kaffee trinken können. Ohne Terrorangst unsererseits, ohne Probleme an der Grenze ihrerseits. Es wird wohl noch eine Weile dauern.

Gegen Ende mischt sich übrigens ein dritter Journalist ein und erzählt seinerseits ein Döneken aus der Zeit nach dem Sechstagekrieg. Levi Eshkol kommt zum ersten Mal in die besetzten Gebiete und macht das V-Zeichen. Was soll das bedeuten – victory? Neee – das bedeutet vie kricht mer arois?, meinte Eshkol. (Anekdote findet sich auch in diesem Artikel zum Thema.) Wie kommen wir wieder raus? Gute Frage.

Kommentare»

1. Freunde der offenen Gesellschaft » links for 2007-06-02 - Juni 2, 2007, 5:26

[…] Nachrichten bloggen « Letters from Rungholt Hoffentlich mehr als nur ein Traum… (tags: rungholt israel palästina frieden) […]

2. Shabbatausflug « Blick auf die Welt - von Beer Sheva aus - Juni 3, 2007, 14:41

[…] gefunden in Letters from Rungholt […]


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