jump to navigation

Perfide oder geliebt? Mai 30, 2007, 23:34

Posted by Lila in Land und Leute.
trackback

Zweifellos, ich bin anglophil. Als Tochter einer Englischlehrerin bin ich mit der englischen Sprache im Ohr aufgewachsen, meine Eltern hatten immer englische Freunde, ich liebe Mrs. Hamley und Caleb Garth und der Buhmann meiner Kindheit war Uriah Heep, der Fiese. Mein Traum wäre eine gemächliche Reise von stately home zu stately home, und ich sammle mit dem Eifer einer Ameise BBC-Classics. Nichts kann mich besser erden als ein englischer Roman. Ich benutze englisches Parfum (Cayman Winds), habe eine irische Freundin, eine schottische Schwägerin und kann mich für insulare Buchmalerei begeistern. Wirklich, wenn ich Großbritannien höre, habe ich nur positive Assoziationen.

Wie soll ich es damit verbinden, daß jede Woche, aber jede Woche ein neuer Boykottaufruf gegen Israel von diesem selben Großbritannien ausgeht? Mal wollen sie nur Bar Ilan und Haifa boykottieren (wie lächerlich das ist, will ich erst gar nicht hinschreiben), dann wieder boykottieren britische Journalisten israelische Produkte (wie nett, daß Journalisten ja SO objektiv sind!), dann sollen israelische Architekten boykottiert werden, und nun sind noch mal die berühmten Elfenbeintürme der „akademia“ dran. Und diesmal ist die Abstimmung durchgekommen, wir sind nun offiziell boykottiert.

Nicht China, nicht Rußland, nicht Sudan – nein, von allen Ländern der Welt müssen WIR boykottiert werden. Es ist auch nicht so, daß diese Boykotteure konsequent auf alle Waren oder Erfindungen verzichten, die aus Israel kommen. Nun bin ich normalerweise meinem lieben Israel gegenüber kritisch in vieler Hinsicht, kann über Chaos und Unfähigkeit stöhnen (wie gut das tut!), bis Leser sich an die DDR erinnert fühlen (!!!) und neige nicht dazu, unseren Platz in der Welt an HiTech und medizinischer Technologie abzuzählen. Aber trotzdem sollte man ja mal daran erinnern, daß ein Mensch, der Israel wirklich boykottieren will, auf einiges verzichten müßte. Ob sie das wirklich tun? Aber nein, billige Erklärungen abgeben und israelische Akademiker boykottieren, das reicht.

Ironie des Schicksals, ein großer Teil der israelischen Akademiker ist links bis linksliberal, ein großer Teil der Studenten arabisch und ein großer Teil der akademischen Bemühung zielt auf Austausch mit arabischen Ländern, Hilfe für Minderheiten und Bekämpfung von Vorurteilen und Diskriminierung. Ha ha, genau die richtigen Kandidaten für eine Sippenhaft! Denen muß man es mal so richtig zeigen.

Ebenfalls Ironie des Schicksals, daß wir unser Schlamassel hier im Nahen Osten zu großen Teilen den Briten verdanken, ihrem kolonialen Wettstreit mit den Franzosen, ihrer willkürlichen Grenzziehung, ihren halb ausgesprochenen und halb gebrochenen Versprechungen und anderen schönen Dingen, an die heutige Briten sich ungern erinnern lassen.

Auch könnte man ja mal kritisch nachfragen, ob wohl der Anteil der britischen Pakistanis an den Universitäten dem Anteil der Minderheiten bei uns an den Unis entspricht, ob es nicht leichter für einen arabischen Israeli als für einen arabischen Briten ist, Forschungsdekan an der Uni, Minister im Kabinett oder Chefarzt zu werden, und woher die Briten eigentlich ihr Commonwealth geschenkt bekommen haben. Von Irland gar nicht zu reden. Angesichts der Mauern dort klingen die Klagen über unseren Zaun etwas hohl. Haben die Briten es gut, daß sie nicht so unter die Lupe genommen werden!

Aus reinem Taktgefühl frage ich auch nicht weiter nach, was eigentlich britische Soldaten in Irak machen. Und wie sie sich dort aufführen. Und auch nicht, woher der Wunsch kommt, den arabischen Standpunkt mit Sinker und Blinker oder wie das heißt zu schlucken. Stockholm-Syndrom oder Angst vor den eigenen Minderheiten? Schweigen wir davon!

Neulich hörte ich zu, als ein deutscher Journalist den geradezu wonnevoll struppigen Dan Shiftan interviewte. Der deutsche Journalist, der es nicht verdient hatte, so abgebürstet zu werden, wie Shiftan wohl europäische Journalisten gern abbürstet, fragte ihn schließlich, ob er seine Ansichten denn auch äußern würde, wenn er arabische Studenten hätte. „Aber ich HABE arabische Studenten“, erklärte ihm Shiftan, „und nicht nur das – auch mein Chef, der zwei Türen weiter sein Büro hat, ist Araber“. Das ist akademische Freiheit, das ist Demokratie, und auch wenn man sonst mit Shiftan nicht übereinstimmt – das ist nicht Apartheid. Die britische Weigerung, israelische Studenten und Dozenten in ihre Hallen zu lassen, schmeckt schon viel mehr nach Apartheid.

Ich muß ehrlich zugeben, daß mir außerdem die stereotype Deutschen-Wahrnehmung der Briten auf den Nerv geht. In Gesprächen mit britischen Volunteers (die liegen allerdings schon ein paar Jahre zurück) habe ich mehr als einmal eine gröhlende, unwissende Abneigung gegen Deutsche zu fühlen bekommen, die ich in Medienberichten bestätigt fand. Mir scheint, daß vor lauter Stolz auf ihre eigene Überlegenheit (und auch das haben mir Briten gesprächsweise stolz bescheinigt, daß sie ihr Land und ihr Volk wirklich für auserwählt halten – na ja, Anekdoten sind noch kein Beweis, zugegeben!) manchen Briten die realistische Einschätzung anderer Länder und Völker manchmal abhanden kommt, und sie sich statt dessen auf Ressentiments, Vorurteile und Mischmasch-Ignoranz verlassen. Ich sehe jedenfalls keinen Zusammenhang zwischen den derben Vorstellungen über Deutsche, die dort kreisen, und der Wirklichkeit, die ich na ja, nicht mehr SEHR gut aber noch etwas kenne. Aber wirklich keinen. So gar keinen, daß die Witze nicht witzig sind, denn um witzig zu sein, müßten sie einen wahren Kern haben. Aber sie sind einfach nur – äh, peinlich. (Mir ist Unwissenheit bei anderen peinlicher als bei mir.)

Kein Mensch, der die historische Lage unbestechlich, mit kühler Objektivität und mit Wissen sämtlicher Vorfälle, Irrtümer, Entscheidungen, Wagnisse und Unwägbarkeiten analysiert, kann zum Urteil kommen, daß von allen Ländern der Welt allein Israel boykottiert werden muß. Um zu diesem Urteil zu kommen, muß man bestimmte Tatsachen verzerren, aufpusten, weglügen, verdrehen oder relativieren. Und anderen Ländern, auch der eigenen Geschichte gegenüber, flugs und fest die Augen schließen. Alles Dinge, die für anständige Akademiker eigentlich außerhalb ihres Verhaltens-Kanons liegen sollten. Echte Akademiker verweigern niemandem den Dialog, sondern verbinden die Leidenschaft am Dialog eines Paganel mit der gelassenen Aufnahmefähigkeit dem Unerhörten gegenüber, die ein McNabb an den Tag legt. Und doch haben britische Akademiker beschlossen, daß allein Israel boykottiert gehört.

Was für ein Glück, daß ich meiner Liebe zu van Dyck und besonders Jan Mijtens nicht so weit nachgegeben habe, daß ich nun beruflich auf britische Museen und Unis angewiesen wäre. Dann sähe ich aber wirklich alt aus.

Und ich frage mich, wie Akademiker anderer Länder nun reagieren. Sind es wieder mal nur Juden, die für Juden einstehen? Oder werden britische Akademiker, wenn ihre un-akademische und eigentlich un-britische Haltung von Intoleranz und Haß bekannt wird, ihrerseits auf Probleme stoßen?

Ich wünschte, die Welt wäre edel und gerecht und den britischen Akademikern würde nun eine internationale Welle der kritischen Nachfrage entgegenschwappen. Statt dessen bin ich mir sicher, die Welt kümmert sich nicht drum, macht einfach weiter, wen interessiert das schon? Und wir werden eben boykottiert. Wer keine israelischen Blogs oder Zeitungen liest, weiß nicht mal davon.

Es tut mir leid, daß die britischen Journalisten, Architekten und Akademiker mich und meine KollegInnen und StudentInnen nun zum Paria erklären, denn ich werde nicht aufhören, Mary Garth die Daumen zu halten und englische Gärten zu lieben und Orangenmarmelade auch. Und die Herzoginwitwe von Denver erst recht, und Bunter!!! Ich kriege es wirklich in meinem Kopf nicht auf die Reihe, daß für mich nun Großbritannien einen doppelten Kopf hat: einen geliebten und einen als perfides Albion. Es schmerzt mich. Wie ein Riß in einer schönen Vase, der mir vorher nicht aufgefallen ist.

Das einzige, was mich dafür schadlos hält, ist der Gedanke, wie verhaßt ich so einem Briten sein muß! Nicht nur Deutsche, nicht nur Israelin, sondern beides! Ich bin gewissermaßen der Abschaum der Menschheit, Inbegriff dessen, was man wirklich nur noch mit Verachtung und Boykott strafen kann. Und das ist schon wieder hilarious. Vielleicht sollte ich mich spaßeshalber mal um irgendwas in den UK bewerben???

Zwei Tage später: Bradley Burston sagt es mal wieder deutlich.

Just for the sake of argument, let’s suppose that you’re a British academic. You believe strongly that the occupation must end, that the Palestinians should have an independent state, that Israel’s military and diplomatic policies are wrongheaded to the point of immorality.

What to do? Simple. Find the one group within Israeli society which has consistently, vigorously and courageously campaigned against the occupation since its inception. Then attack them.

Single them out for professional ruin. Do your best to get as many of their colleagues around the world to shun them.

Select the one group which has, from the very beginning, spoken out eloquently for the rights of the Palestinians to self-determination, to freedom from Israeli domination, to freedom from disproportionate and often indiscriminate use of force, to freedom from social injustice.

Then denounce them.

You really must envy the U.K. far-left for its blindness. Its consummate inability to see more than one side, which is to say, its demonstrated refusal to see Jews as fellow human beings, is only exceeded by its exquisite sense of timing.

No matter that in the whole of the 1991 Gulf war, Saddam Hussein managed to hit all of Israel with a total of 39 missiles, and that two weeks ago, Hamas sent 40 rockets into the Sderot area in the space of a single day.

No matter that Sapir College, Israel’s largest public college, has for years been a primary target of Qassam crews.

No matter that in boycotting all Israeli academics on the basis of their being Israelis, the measure is patently racist, a grotesque reprise of the history of curbing academic freedom.

Leftists abroad would do well to respect their Israeli counterparts for defying societal norms to work for the rights of people with whom their nation is at war. Perhaps the Israeli left deserves respect, as well, for having to do this while enduring the racist abuse of leftists abroad.

Die Kommentare dazu sind teilweise haarsträubend.

The occupation is kept going thanks to the hard work of ordinary Jews spread across Israeli society. Including the academic community. If you don`t have the balls to destroy Yesha we will have to push you.

The only way to end the Occupation is to start boycotting israel. You have had 40 years to get the point. You prefer the ease of the status quo to the hard choices of pulling out. Fine. Just quit whining.

Die machen es sich wirklich leicht. Wir haben ja mehrmals versucht, die Besatzung beendet – per Verträge, die die Palästinenser gebrochen haben oder von Anfang an abgelehnt haben. Per einseitigem Abzug, die die Palästinenser bzw ihre Verbündeten zu physischen Angriffen genutzt haben. Sagt mir doch mal konkret, wie wir diese Besatzung, die uns aufgezwungen wurde, beenden können, ohne dabei Selbstmord zu begehen?

Und wieso sind die Briten noch in Irland? Die Iren schießen keine Katyushas oder Qassams…  und die Bewohner von Gibraltar auch nicht.

Oder der Moralist hier:

If you care to read the text of the boycott this has nothing to do with racism or for that matter antisemitism. You are not party to the UK press and news reports of the pain felt by academics who supported this boycott.

But they felt they have been driven to this point by the moral imperative, of seeing Israel time and again stick its middle finger up at the world`s calls to honour UN, EU, US and Quartet calls to end the Occupation and cease expanding the illegal settlements, whilst it gets on with ensuring it is municipally and demographically impossible for the Palestinians ever to have a contiguous State, ripping up olive trees, assaulting foreigners whilst its Police encourage such attacks or look the other way.

Of course, none of this would happen if Israelsimply does what has been asked of it for 40 years – withdraw from the non-Israeli territories it occupies and give peace a chance.

Your partiality does your profession a discredit.

Er selbst fühlt sich aber keineswegs parteiisch. NUR Israel und immer wieder Israel ist unmoralisch. Aber der Moralist leidet selbst am meisten unter dem Boykott. Erinnert mich an prügelnde Väter, die auch behaupten, die Notwendigkeit, das böse Kind zu prügeln, sei schmerzhafter als die Prügel selbst. Ach, mir kommen die Tränen vor Mitleid! So weit hat das böse, böse Israel die armen Moralisten getrieben. I feel your pain.

Es ist wirklich unglaublich.

Kommentare»

1. Christiane - Mai 31, 2007, 2:53

Ups, jetzt komme ich mir gerade sehr uninformiert vor. Ich bin ja seit ein paar Monaten auf der Insel, aber das ist völlig an mir vorüber gegangen. Die britischen Zeitungen feiern das in der Donnerstagsausgabe ab, aber nicht wirklich umfangreich, was ich bislang ergoogelt habe. Aber was ist ein Boykott, wenn er öffentlich nicht wahrgenommen wird?

Übrigens habe ich noch nie irgendwelche Anfeindungen erlebt, weil ich Deutsche bin. Man muss aber auch mal über die Deutschen lachen können. Die Vorurteile, die mir bislang begegnet sind, waren eher überzogen positiver Natur: Deutsche sind effizient, gut organisiert, pünktlich, zuverlässig…

Ich bin sicher, Du wärst hier willkommen. Eines meiner Lieblingslokale hier ist eine Hummusbar. Inhaber sind zwei junge Israelis. Der Wirt sprach letztens langsam Jiddisch mit mir, nur so aus Spaß. Die Briten lauschten interessiert, auch als wir über Israel und Deutschland sprachen. Alles ganz normal. Und ich dachte hinterher noch, wie schön es ist, dass so etwas möglich ist. Dass ich als junge Deutsche in England mit jemandem aus Israel, dessen Großeltern vor ein paar Jahrzehnten aus Deutschland fliehen mussten, heute über die Wurzeln der Sprache reden kann und Briten sitzen daneben und hören interessiert zu. Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu blöd, aber wenn man sich das bewusst macht, dann kann man den Wert von Frieden ein wenig erahnen.

Großbritannien ist so ein vielfältiges Land… Im Kleinen funktioniert die Völkerverständigung oft besser als in der großen Politik. Ich würde nie von der Politik einzelner Gruppen, Regierungen etc. auf die Menschen des Landes schließen. Auch nicht von den mehr oder weniger intelligenten Äußerungen von Austauschschülern,.. 😉

2. Jessica - Mai 31, 2007, 3:57

So’n Quatsch. Was soll das? Wer kommt auf sowas? *wundert sich*

Aber Bunter ist toll. Keine Frage.

3. Hendrik - Mai 31, 2007, 10:41

Liebe Lila, gut gebrüllt. Solltest Du zufällig in den nächsten vier Wochen noch auf eine zitierfähige Quelle über die Wurzel und Geschichte des britischen Boykotts stoßen, würde ich das ja glatt in meiner Magisterarbeit verwenden (Blogs gelten da nicht 😉 ) , die sich grob um europäische Nahostpolitik dreht. Auf der politischen Ebene gelten die Briten ja noch als Teil der mehr oder weniger pro-israelischen Achse Italien-Deutschland-Niederlande-Britannien. Ich persönlich kann mir übrigens eine Art Überkompensation der von Dir angeführten britischen Mitverantwortung für das nahöstliche Chaos ganz gut als Auslöser dieser absurden Boykottideen vorstellen. In einem will ich Dir aber widersprechen. Ich denke, der oft unternommene Versuch, mit Fakten über die nahezu Gleichberechtigung und großen beruflichen und gesellschaftlichen Chancen der israelischen Araber dem Gerede von Apartheid etc. beizukommen, läuft ins Leere. Denn um diese Araber geht es m.E. nach gar nicht. Meine Erfahrung in Deutschland mit jenen auch im studentischen Umfeld, die als Rächer der Enterbten und Unterdrückten meinen, gegen Israel das Wort ergreifen zu müssen ist, dass die meisten gar nicht wissen, dass es überhaupt „echte“ Araber in Israel gibt. Und mit Blick auf die Araber in den besetzten Gebieten wird die Argumentation doch etwas komplizierter, erstmal ungeachtet der dann folgenden endlosen Diskussion über die Ursachen und die Verteilung von Schuld zwischen terroraffinen arabischen Kleptokraten und den Wirren der israelischen Innenpolitik. Selbst für die ruhigeren Jahre nach Oslo habe ich es da oft sehr schwer, für die israelische Politik um Verständnis zu werben. Für Israel gelten in der Bewertung der Ergebnisse aber tatsächlich andere Maßstäbe. Aber nicht aus einem Antisemitismus heraus, sondern – und das ist meine Einschätzung und Hoffnung – weil Israel in Europa als Teil unserer Zivilisation wahrgenommen wird. Anders als der Sudan, Syrien oder (räusper) auch Russland. Und da macht man „sowas“ eigentlich nicht, nicht zwischen Hebron und Jenin, aber natürlich auch nicht in Bagdad, Kabul oder vormals in Algier. Nur haben wir offensichtlich auch kein Konzept, wie man sich in einer etwas wilderen Gegend verhält, und nicht umsonst durften früher immer wieder mal die Deutschen im europäischen Namen für die politische Selbstbestimmung der Palästinenser werben, weil sie selbst keine Basken, Iren, Südtiroler oder andere separatistische Leichen im Keller hatten. Aber wer ist schon frei von ein bisschen Doppelzüngigkeit. Liebe Grüße, Hendrik

4. Lila - Mai 31, 2007, 11:03

Lieber Hendrik, vielen Dank fuer Deine Korrektur. Es kann gut sein, dass ich mich mit meiner Einschaetzung des Wissensstandes verschaetze. Tatsaechlich glauben ja viele Leute, Israel sei ethnisch gereinigt worden und wissen nicht zu antworten, wenn ich sie frage, wie es denn kommt, dass es hier noch Araber gibt. (Womit ich nicht leugne, dass es im Krieg auch zu Vertreibungen gekommen ist. Aber eben nicht als grundsaetzliche, konsequent durchgezogene Politik.)

Ich glaube, wenn Du in der naechsten Zeit mal in Haaretz die Berichte ueber die israelischen Reaktionen auf den Boykott verfolgst, koenntest Du vielleicht ein paar Quellen finden. Zeitungen darfst Du doch zitieren? Ich werde mich auch mal umhoeren, ob es jemanden in meiner Umgebung gibt, der da mehr drueber weiss. Als Magistrand kannst Du auch Leute in UK anschreiben und um Originaldokumente bitten – Resolutionen etc. Bestimmt gibt die Website der Union Material her. Auch der Guardian und andere Zeitungen. Ich selbst beziehe meine Bildung ja grundsaetzlich aus dem Internet ;-))))

5. jakobo - Mai 31, 2007, 11:13

Deutschland hat zwar keine Basken Iren oder Südtiroler,
dafür haben aber haben aber die Polen und Tschechen
und Kalingrader Deutsche oder hatten sie zumindest.
Und umgekehrt fällt die geschichte der Juden in
Europa aus diesen Denkweisen völlig herraus und
zwar überall.

Ein interessanter Punkt finde ich ist wie in Europa
einerseits mit den Schuldgefühlen gegenüber den
ehemaligen Kolonien und dem Imperialismus ihnen
gegenüber umgegangen wird und wie mit den
Schuldgefühlen in Europa und da auch explizit in
Deutschland gegen über Juden und dem Antisemitismus
umgegangen wird. Das ist ein Unterschied wie zwischen
Tag und nacht.

Auch zu dem was Lila geschrieben hat… wenn ich mich
erinnere, wie die ganzen Linken aufgeschrien haben
als der Irak boikotiert werden sollte! Dieselben Linken
fordern ein Boikot gegen Israel. Die selben die sich
„ihrer VErantwortung gegenüber der dritten Welt“
stellen wollen“ finden es ganz verständlich wenn wegen
der israel. Politik der Antisemitismus steigt. Die fühlen
sich als Teil ihrer Geschichte und der ihres Landes solange
es um die imperialistische Geschichte ihres Landes geht.
Und sobald es um die antisemitsche Geschichte ihres
Landes geht stecken sie ihre Hände in die Hosentaschen
und Pfeifen ein liedchen und starren in den blauen Himmel.

Wobei ich sagen muss das auch das was so als Verantwortung
gegenüber der dritten Welt verkauft wird oftmals sehr
arrogant ist und nichts weiter. Da kann ich auch Geschichten
erzählen….

Irgendwie sind dich noch nicht so ganz von ihrem Tripp
runtergekommen sich als die einzigen zivilisierten
Menschen auf der Welt darzustellen.

Jakobo

6. Carsten - Mai 31, 2007, 15:24

Und ich hab mich schon gewundert, warum von all den Briten, die ich kenne, keiner ICQ benutzt.

Aber jetzt ist es ja klar: Istael und alle Istaelis sind irgendwie böse. Wie konnte ich das nur vergessen?

Also manchmal, da wundert man sich schon über manche Menschen. Ist eigentlich die ganze Welt verrückt?

7. Miriam Woelke - Mai 31, 2007, 20:26

B“H

Lila, jetzt hast Du mir das Thema weggenommen. Auch ich wollte heute ueber den brit. Boykott gegen israel. Unis schreiben. 🙂

Ich finde das ganze genauso mies wie die Norweger und Schweden, die oftmals keine israel. e – mail – Adressen wie hotmail.co.il etc. durchlassen.

Da wird Israel angegriffen, aber in Gaza wird alles so dargestellt als seien die Palaestinenser die eigentlichen Opfer der israel. Luftangriffe.
Wie bloed ist die Welt eigentlich ?

8. eran - Mai 31, 2007, 20:39

und die nähsten, die Israelis boykottieren möchten.

http://www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1180527974042&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull

Britain’s largest labor union threatens to boycott Israel

A day after the British Union of Colleges and Universities (UCU) voted to consider imposing a boycott on Israeli academics, UNISON, the largest labor union in Britain, threatened to impose a boycott of their own on Israeli products.

In response, Histadrut Chairman Ofer Eini sent a letter to the UNISON chairman to try and avert the potentially harmful vote, scheduled for mid-June.

„Despite the aggression of the Palestinians, it never occurred to me to impose a boycott on Palestinian workers or employers,“ Eini wrote. „The boycott against Israel will only cause the situation to deteriorate further.“

Eini noted with concern that if the boycott was passed, UK pension funds would stop investing in Israel and UNISON’s 1.6 million members would themselves boycott Israeli goods.

9. Lila - Mai 31, 2007, 21:03

Tja, die Welt ist anscheinend … recht blöd. Müssen wir uns wohl mit abfinden.
Aber in ein paar Tagen habe ich eine optimistische Gegen-Geschichte zu erzählen. Es gibt auch Menschen, die gegen diesen Strom schwimmen. Man möchte sie dafür herzen!

Übrigens findet Dershovitz, auch wenn man sonst nicht immer mit ihm übereinstimmt, klare Worte. Es lohnt sich vielleicht, den ganzen Eintrag zu lesen, um die Böswilligkeit einschätzen zu können, die sich in immer neuen Vorwürfen gegen Israel austobt. Nazis, Apartheid. Ich habe das selbst oft genug gehört, von Leuten, die keinem anderen Land gegenüber diese Worte benutzen würden. Rationale Begründung? Keine.

This name-calling – “Nazis,” “Holocaust,” “apartheid” – turns a complicated issue into simple-minded sloganeering. It dumbs down the debate. It drowns out the nuanced constructive criticism of particular Israeli and Palestinian policies. And it discourages peace efforts.

10. Lila - Juni 1, 2007, 15:32

Christiane – was ist ein Boykott, der öffentlich nicht wahrgenommen wird? Das boykottierende Land nimmt es vielleicht nicht wahr, aber wir als Boykottierte nehmen es sehr wohl wahr. Euch in den UK schadet es ja auch nicht, nicht wahr? Fünf oder sechs Boykottaufrufe aus den UK sind in den letzten Jahren und Monaten versucht worden. Das läßt doch wohl darauf schließen, daß es sehr wohl ein Interesse daran gibt, Israel zu boykottieren.

Ist es Euch außerhalb von Israel aufgefallen, als Israel jahrzehntelang wirtschaftlich boykottiert wurde? Und trotzdem haben wir es hier in Israel sehr wohl gemerkt. Das ist ja wohl kein Gradmesser für die anti-israelischen Gefühle, ob man es bei Euch wahrnimmt oder nicht. Im Gegenteil – daß keiner was dabei zu finden scheint, macht mich schon nachdenklich.

Und wieso Dein Erlebnis in der Hummusbar repräsentativer sein soll als meins mit englischen Volunteers, ist mir nicht ganz klar… Du hast es so erlebt, andere haben andere Erlebnisse.

Und wer Israelis wirklich haßt, wird in dieser Humusbar wohl kaum anzutreffen sein.

11. grenzgaenger - Juni 1, 2007, 16:09

„Ist eigentlich die ganze Welt verrückt ?“ (kommentar 6)

carsten, ich wuerde eher sagen weite teile der welt sind von den gleichen stereotypen und denkweisen geleitet wie vor hunderten von jahren, man koennte vielleicht auch sagen von instinkten. die faehigkeit aus fehlern zu lernen scheint sich jedenfalls nicht weiter entwickelt zu haben.

grenzgaenger

12. Philologisches Klo - Juni 2, 2007, 14:17

Das Mittel des Boykott

Nicht nur in den stinkenden Hinterzimmern der Radikalinskis von rot bis braun werden Kampagnen gegen Israel ausgeheckt.

Seit längerer Zeit hecken unverbesserliche Rackets aus der antiimperialistischen Intelligenzia der freien Welt Pläne aus,wie Isra…

13. Loco - Juni 5, 2007, 1:16

Hm. Aus über 17jähriger Nichtpraxis der englischen Sprache heraus ist mir ein Boykott der gesamten Textproduktion sowohl der britischen Inseln als auch der USA quasi notwendig geworden – ich versteh das nämlich alles nicht. Und seltsamerweise meint heute jeder, daß jeder Englisch können müßte… also wird nicht übersetzt. (Diejenigen, die es können, sagen mir aber: du hast nichts verpaßt.)
/ironie.off/

Wer im Schlachthaus sitzt, soll nicht mit Schweinen werfen, sagte mein Lehrer. Ich hab daran gedacht, als die Franzosen, die damals so laut gegen Haiders Partei in Österreichs Bundesregierung gekräht hatten, auf einmal einen J.-M. Le Pen im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen hatten. Ich muß daran denken jedes Mal, wenn von den Inseln große Töne kommen über den Umgang mit anderen Völkern, oder auch der hunderttausendzweihundereinunddreißigste Hinweis auf NS-KZ (und natürlich redet niemand drüber, wer die erfunden hat). Ganz schräg geguckt hab ich bei Daniel Goldhagen, der mal eben den Deutschen ein Nazi-Gen einreden wollte.

Wenn wir ehrlich sind, dann werfen doch eigentlich alle mit Schweinen. Weil das, was ich tu, vielleicht nicht ganz richtig ist, aber nie so falsch wie wenn das der andre tut. Wenn ich mit 60 durch die SPielstraße donnere, ist das was ganz anderes, als wenn das der Maier von nebenan tut. Sinnigerweise in der großen Politik auch. Und deshalb baut der Putin jetzt Raketen gegen Westeuropa, weil Bush unbedingt welche gegen Korea in Polen aufbauen will.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s