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Blogger zum Thema Sderot Mai 25, 2007, 12:00

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Rinat war dabei, als Schüler in Sderot Abiturklausuren schreiben sollten, während die Stadt beschossen wurde. Liza ärgert sich über Kommentare in den deutschen Medien und demontiert die unterschwelligen Anschuldigungen gegen Israel. Beide Einträge nicht taufrisch, aber ich bin vorher nicht zum Verlinken gekommen.

Man wundert sich nicht, daß harmlose Gemüter in Deutschland schwere Bedenken Israel gegenüber haben, wenn man sich die von Liza verlinkten Artikel anguckt. Ach, und was nervt mich am meisten? Daß ich etwa ein dutzendmal auf die Qassams hingewiesen habe im Laufe der letzten Monate und dumpf prophezeit habe: sobald wir reagieren, wird das ein Thema! Und daß es genauso gekommen ist. (Mal nachgeguckt: 29. Januar. 4. Februar. 6. Februar. 22. Februar. Da hat eine Leserin den Hinweis auf die Jungle-World gegeben, fast die einzige Zeitung, die zu diesem Zeitpunkt Notiz von den Qassams genommen hat. 6. März. Und so weiter.)

2. März.

Gestern: zwei Qassams, drei Mörsergranaten. Heute: bisher fünf Qassam-Raketen. Für einen Waffenstillstand keine schlechte Bilanz, würde ich sagen. (Pardon wenn ich zynisch werde).

Also, vermutlich informiert man sich mit den „traditionellen“ Medien doch nicht immer zum besten. Denn was Liza da aufzählt, ist schon nicht mehr Huddeligkeit, sondern gezielte Disinformation. (Liza ist übrigens kein Eigenname, sondern bezieht sich auf den Fußballer Lizarazou oder wie de Jong heißt.) Wer hier mitgelesen hat, dem wäre das nicht passiert.

Es tut mir leid, wenn genervte Leser sich von mir abwenden und sagen, „nu, wir haben es kapiert, vielleicht erzähl uns mal was Neues! Du wirst ja zum Anti-Defamations-Blog!“ Es tut mir ja auch leid, aber ehrlich, es ist ein ekelhaftes Gefühl, wenn man sich gleichzeitig bedroht und verleumdet fühlt. Eins von beiden ginge noch – meinetwegen bedroht, wenn die Welt sich schützend und unterstützend um uns stellte. Meinetwegen verleumdet, wenn wir wenigstens in Ruhe und Sicherheit unser tägliches Leben führen könnten.

Aber die Kombination aus echter Sorge um die nächste Runde im Krieg und das bittere Gefühl, immer die imagemäßige Barschkarte zu ziehen und als Aggressor verachtet zu werden – das ist fast unerträglich für moralinsaure Besserwisser wie mich. Ein Bad in kochender Milch. Wenn ich aus dieser kochenden Milch wenigstens verjüngt und verschönt hervorginge – aber nichts da, Falten und graue Haare sind der Preis für Gram und Unruhe.

Und nervige Blogeinträge. Ehrlich, es tut mir leid. Ich hoffe, es kommen wieder ruhigere Tage. Und wenn Ihr ausgewogenere, kompetentere Artikel findet, verlinkt sie hier, bitte. Es ist ja so gut für meine Nerven!

Kommentare»

1. david - Mai 25, 2007, 12:33

Lila, al tidagi. Du bist hier, was interessieren dich die Medien dort? Nur weil du deutsch kannst, musst du den Schmarrn doch nicht immer lesen. Und übehaupt: wenn SZ, Speigel & Co was über Israel schreiben, was erwartest du. Was würdest du von einem Fachblatt der Metzger erwarten, das über einen Vegetarier-Kongress berichtet?

2. Lila - Mai 25, 2007, 12:43

Ich bin hier, aber ich kann nicht einfach sagen, ist mir egal, was der Rest der Welt denkt. Erstens fahre ich mehrmals im Jahr nach D., wo ich einige mir sehr teure Menschen leben habe (wat fürn Satz). Und was man sich da anhören muß bzw was meine Mutter sich anhören muß, das ist schon kryptisch. Denn „wohlmeinende Kritiker Israels“ halten ja mit ihrer Meinung nicht still zurück, sie hören das Wort „Israel“ und gehen los wie eine Eins.

Zweitens, wir müssen die Meinung der „wohlmeinenden Kritiker Israels“ sehr wohl zur Kenntnis nehmen. Wir leben nämlich nicht allein, sondern haben z.B. den Ausgang des letzten Kriegs internationalen Gremien zu verdanken, die auch nicht im luftleeren Raum ihre Urteile fällen.

Mache ich mir Illusionen über meinen Einfluß? Ha ha. Ich wundere mich über jedes tapfere Leserlein, das hier anzutreffen ist. Aber ich muß mir Luft machen. Du hast leicht sagen, „al tidagi“. Mir das zu sagen, „don´t worry“, hat noch nie und in keiner Hinsicht geholfen! Leider bin ich eine unbelehrbare Sorgentante.

Aber danke für die Metapher mit dem Fachblatt der Metzger. Wieso sind wirklich die meisten europäischen Medien ausgerechnet im Metzgerei-Fachverband organisiert? Weil Möhren nicht muhen?

3. Fusel - Mai 25, 2007, 12:59

Ich glaube dich verstehen zu koennen. MIr geht das ähnlich. Wenn man einmal angefangen hat in den voreingenommenen mainstream medien zu stöbern, wissend, dass die Realität anders aussieht, macht das wirklich mürbe. Jeden Tag immer wieder. Das wird wohl vorerst nicht abklingen.

‚ Es tut mir leid, wenn genervte Leser sich von mir abwenden und sagen, “nu, wir haben es kapiert, vielleicht erzähl uns mal was Neues!‘

Ich glaube nicht das das passieren wird. Ich mein, du und andere müssen es immer wieder wiederholen, man darf diese breite Öffentlichkeit nicht unkommentiert lassen. Respekt das du das so tapfer ausdauernd immer wieder zur Sprache bringst. Sobald die Gegenöffentlichkeit, wie dein Blog und inzwischen unzählige andere, aufhören würde gegen die einseitige diffamierende BErichterstattung in den anderen Medien zu protestieren und empirisch eine andere Sichtweise darzustellen, dann wäre der ‚Kampf‘ verloren. Ich bin leider zu faul einen Blog zu schreiben, versuche aber in täglichen Diskussionen mit meinen Freunden und Bekannten immer wieder auf eine andere Sichtweise hinzuweisen, Anreize zu geben (in Form von links zu bestimmten Artikeln, Videos etc.) sich anders oder alternativ zu informieren. Das ist anstrengend und hat was von einer Syssiphus-arbeit. Aber ich glaube das es notwendig und unerlässlich ist.

Man muss dir und anderen Bloggern immer wieder danken, das ihr eine alternative Öffentlichkeit aufrechterhaltet.

take care

Fusa

4. Miriam Woelke - Mai 25, 2007, 14:36

B“H

Lila, ich stimme David zu. Du liest zuviel dt. Presse.

Aus Zeitgruenden und auch deswegen, weil mir nicht jedesmal schlecht werden soll, lese ich selten dt. Presse, bin aber dennoch Dank Dir immer aufgeklaert. 🙂

Zu den Bloglesern kann man vielleicht sagen, dass das Thema sie ganz einfach nervt. Nerven tut es alle und wer nicht dabei war oder in Israel lebt, der kann sich die Noete der Leute nicht vorstellen. A la, „Was jammert ihr staendig rum. Jetzt gebt doch endlich mal Frieden.“
Ich persoenlich habe eher das Gegenteil erlebt und bei mir haben sich Leute ueber die Aufklaerung bedankt, da es in deutschen Medien soetwas nicht zu sehen bzw. lesen gibt. Und siehe da, es gibt doch eine Menge Leute, die sich fuer das Thema interessieren.

Shabbat Shalom

5. Lila - Mai 25, 2007, 14:46

Hm, erstmal hab ich wochenlang gar nichts gelesen und jetzt soll ich wieder aufhören. Böh.

Meinst Du, wie langweilig mein Leben ist. Worüber soll ich denn sonst bloggen????

Übrigens krieg ich immer wieder rührende Briefe von Leuten, die mal in Israel waren und sich freuen, bei mir mitzulesen, weil sich das, was sie gesehen haben, nicht mit den üblichen Darstellungen reimt.

Und natürlich picke ich mir fieserweise auch immer die üblichen Verdächtigen raus. So gesehen verzerre ich ja auch. *diabolisches Gelächter*

6. Miriam Woelke - Mai 25, 2007, 14:55

B“H

Aus den Kibbutzim gibt es auch genug Kriege zu berichten: Die Schlacht im Chadar Ochel oder was in der Laundry wieder gelaestert wird. Wer mit wem und so. 🙂

Liest der SPIEGEL nicht in Deinem Blog mit ? Sollten sie vielleicht.

7. jakobo - Mai 25, 2007, 14:55

Ich finds auch gut, dass Du das machst, Lila.

Aber wenn ich ehrlich bin. Würde ich in Israel lebe
dann würde ich nicht mehr so zürückblicken.

Jakobo

8. grenzgaenger - Mai 25, 2007, 14:59

hi lila,

danke fuer die interessanten links !

es ist bestimmt interessant die deutsche presse zu verfolgen, nur lohnt sich das aufregen nicht 🙂

liebe gruesse, schabbat schalom,
grenzgaenger

9. Lila - Mai 25, 2007, 15:08

Ach Miriam, über die neusten Seifenopern in der Wäscherei weiß ich leider nichts. Ich arbeite doch draußen. Außerdem bin ich für die Klatschbörse unergiebig, weil ich wiederum nichts zu bieten habe. Ich bin mit niemandem verkracht und habe über niemanden Skandalgeschichten zu erzählen. An meine Ohren gelangt wirklich nichts, meine Schwägerin ist immer ganz entsetzt. „Ja aber die Grubitz sind doch schon seit Jahren geschieden, wußtest du das denn nicht?“ Nö, wußte ich nicht.

Ich werde sie mal morgen ausfragen, sie weiß immer alles. Versprochen, wenn es eine schöne Geschichte gibt, kriegst Du sie.

10. Lila - Mai 25, 2007, 15:16

Ja und zu Jakobos mildem Wundern: ich habe gezögert zu bloggen, noch dazu auf Deutsch, weil ich wirklich eigentlich gar nicht von Deutschen gelesen werden wollte. Deutschland war wirklich komplett versunken und ist es mir noch. Irgendwie hat sich das mit der Bloggerei dann so ergeben, auf einmal hatte ich lauter total nette deutsche Leser, und auch Leute mit sehr seltsamen Meinungen. Das war mir vorher nicht so bewußt, vor der 2. Intifada war in Deutschland auch nie Anlaß gewesen, diese Sachen zu diskutieren. Erst ab 2001 kriegte ich so richtig mit, was die Volksmeinung eigentlich so ist. Und durch dieses elende Bloggen 😉 habe ich angefangen, mir deutsche Medien im Internet mal genauer anzugucken.
Ich vermeide es übrigens immer noch, wenn ich in D. bin, fernzusehen. Letzten Sommer, das war richtig spooky. Y. hat mir am Telefon erzählt, was in Israel los war, und meine Mutter, was in den Nachrichten erzählt wurde. Ich hab sie nicht angeguckt, konnte ich nicht.
Aber ehrlich, es ist auch sehr schwer, ein ehrliches Bild zu geben. Jeder hat eben seine eigene Suppenschüssel, in die er ehrfürchtig starrt, ich ja auch. Und alles hier ist so kompliziert.
Aber Internet lebt nun mal von der Verlinkung. Nicht daß ich mir einbilde, Journalisten läsen Blogs – Gisela Dachs, Ulrich Sahm oder Richard C. Schneider brauchen das ja auch gar nicht. Ich verlinke ja auch oft genug Artikel, die ich gut finde – oder bilde ich mir das bloß ein???
Aber ich kann auch gern über meine Handarbeiten berichten. Ich sehe gerade im SPon, daß das der große Trend ist. Dem bin ich 20 Jahre voraus oder hinterher, wie mans nimmt.
Häkel mir gerade einen leichten Sommerschal.Nicht als ob ich den hier brauchte, außer wegen air condition, aber ich häkel abends so gern. Oder sticke.

11. jakobo - Mai 25, 2007, 15:44

Ich bin auch nicht unbedinngt jemand der sich
groß informiert was los ist und eigentlich höre
ich mir sehr gerne an was die Leute so zu sagen
haben. Für mich ist das hier eine Sache… es gibt
Dinge über die ich einfach nicht rede außer mit
ein paar sehr engen Freunden und in der Familie
natürlich. Und wenn dann gewisse Themen doch
angeschnitten werden, dann gehe ich in einen
anderen Raum. Aber Du bist ja schon in einem
anderen Raum, deshalb ist es etwas schwer
für mcih zu verstehen. Und deshalb hab ich auch
den einen Text nicth so gut verstanden den Du
mal verlinkt hast. Weist Du noch welchen ich
meine?

Aber klar, das sind natürlich auch gleichzeitig alles
Gründe dass ich deinen Blog noch etwas mehr zu
schätzen weis.

Jakobo

12. Lila - Mai 25, 2007, 16:00

Nein, ich weiß leider nicht mehr, welchen Du meinst. Aber frag ruhig nochmal….manchmal dauert es, bis man von mir eine Antwort kriegt!

13. Loco - Mai 25, 2007, 17:25

Erstens einmal weise ich Davids Metzger-Metapher aufs Schärfste zurück. Denn auf französische, englische, us-amerikanische Medien hätte er sie nicht angewandt.
Diejenigen, die Israel zur Schlachtbank führen wollen, sitzen woanders – in Beirut, Teheran, Ramallah.

Zweitens: in einem neueren, aber nicht mehr ganz staubfreien jüdischen Witz beschwert sich mal ein kleiner Junge bei seiner Mama: „es ist doch unfair. Die ARaber haben Rußland, Arabien, Ägypten, halb Afrika, halb Asien, sie haben das Öl und das Geld – und wir? Wir haben nur uns und Amerika!“

So langsam frag ich mich nur noch, warum die israelische Regierung eigentlich nicht bei jeder Rakete, jedem Attentat den Repräsentanten der Palästinenser-Selbstverwaltung einbestellt und nebenbei beim UN-Sicherheitsrat heulen geht, wie das doch die Palästinenser auch ständig machen.
JEDE einzelne Rakete muß in NY aktenkundig werden!

14. medbrain2001 - Mai 25, 2007, 17:36

„Also, vermutlich informiert man sich mit den “traditionellen” Medien doch nicht immer zum besten. Denn was Liza da aufzählt, ist schon nicht mehr Huddeligkeit, sondern gezielte Disinformation.“

Das Gleichgewicht zwischen Information, Desinformation und berechtigter Kritik zu halten ist scheinbar nicht so leicht.
Wer in seinem eigenen Blog kritisch hinterfragte Statements samt dem dazugehörigen Artikel (Shavuot) umgehend herausnimmt – im Gegensatz zu israel*feindlichen* Formulierungen in Kommentaren, die als Demonstration (?) belassen werden,sollte etwas vorsichtiger umgehen mit Kritik an der Darstellung von Sachverhalten durch andere. Andere zu kritisieren fällt leicht, Kritik/ kritische Darstellung anderer Sachverhalte selbst auszuhalten wohl weniger.

Dass die (insbes. deutsche) Berichterstattung allenfalls auf Randfakten, die als zentral dargestellt werden und auch auf Desinformation beruht, sei hierbei unbestritten.

15. Lila - Mai 25, 2007, 19:09

Medbrain – ich lasse mein Blog nicht zum Schauplatz persönlicher Kämpfchen umfunktionieren, von deren Hintergrund ich keinerlei Ahnung habe und die voll mit Andeutungen sind, die ich nicht verstehe. Der Beitrag von „Kari“ hat mir mißfallen, und daß sofort eine Meute Gleichgesinnter hinterherkam, noch mehr. Also raus damit. My blog, my rules.
Keiner muß hier mitlesen. Ich habe in meinem Impressum deutlichst geschrieben, daß ich keinerlein Alleinvertretungsanspruch auf die Wahrheit erhebe. Wäre für manchen mal nützlich, das nachzulesen. Ein paar Zeilen weiter oben schreibe ich:
Aber ehrlich, es ist auch sehr schwer, ein ehrliches Bild zu geben. Jeder hat eben seine eigene Suppenschüssel, in die er ehrfürchtig starrt, ich ja auch. Und alles hier ist so kompliziert.
Ich unterliege also keineswegs der Täuschung, daß ich allein den einzigen Standpunkt innehabe, von dem ich Wahrheit erkenne und objektiv bin. Traditionelle Medien erheben, besonders wenn sie sich gegen Amateure wie mich wehren, diesen Anspruch auf Objektivität sehr wohl. Und das ist der Unterschied.

Und zu den manchmal ermüdend gleichen „das wollte ich immer schon mal sagen“-Ergüssen: tja, das ist ein Dilemma. Einerseits möchte ich keinen Platz an der Sonne für idiotische, manchmal sogar antisemitische Sprüche bieten und antworte auch meist nicht. Andererseits mag ich auch nicht ratzekahl alles rausnehmen, was nicht partout auf meiner Linie liegt. Ich bin kein Großinquisitor. Ich bin auch schon von Lesern auf Ungeauigkeiten hingewiesen worden, und ich respektiere Meinungen, die von meiner abweichen, wenn sie fundiert sind (und nicht auf reinen Vorurteilen beruhen). Ich nehme eigentlich nicht oft Kommentare raus und wenn, dann ungern. Aber wenn ich das Gefühl habe, ich trete mit einem Beitrag etwas los, an dem ich nun gar kein Interesse habe, dann nehme ich es raus. Ist auch schon ein paarmal passiert.

Desinformation ist dafür ein etwas starkes Wort, finde ich.

16. Lila - Mai 25, 2007, 19:14

Loco: ich weiß gar nicht, ob die Metzger-Metapher so blutig gemeint war. Als Vegetariern fand ich sie aber sehr nett. Meinst Du, da ist eine anti-deutsche Spitze drin? Das täte mir leid.

Ich glaube, verglichen mit den deutschen und französischen Medien schneidet Deutschland noch gut ab. Und unsere israelischen Medien? An denen habe ich auch genügend zu bemängeln….

Also, legen wir die Metapher wieder an die Leine. War nicht böse gemeint.

17. Add a link - Mai 25, 2007, 19:44
18. Lila - Mai 25, 2007, 19:47

Danke für den Link!

19. Add a link - Mai 25, 2007, 20:16
20. Add a link - Mai 25, 2007, 21:47

Der Breite wegen noch zwei, wenn auch keine Reportagen:
„Obwohl Sderot mit Raketen beschossen wurde, will Israel nicht eingreifen“
http://www.zeit.de/online/2007/21/gaza-sicherheit-sderot
„Palästinensische Raketenangriffe halten an“
http://www.sueddeutsche.de/ausland/artikel/403/115288/

21. Lila - Mai 25, 2007, 21:55

Oh, da ist ja jemand richtig fleißig. DANKE!!!

22. Loco - Mai 25, 2007, 23:23

zu 16. Ja, ich hab die Sache mit den Metzgern ein paarmal zu oft gehört, und gemeint waren damit üblicherweise die KZ-Aufseher.

Die Franzosen sind traditionell sehr palästinenserfreundlich, das merke ich vielerorten. Nun hat man ja auch viele Araber im Land, während Juden eher selten sind – es gibt eine recht große Gemeinde in Paris, aber die ist kleiner als die von Straßburg, und ansonsten gibt es wenig -, aber das ist ja nicht unbedingt ein Grund für staatspolitisches Handeln und die Einstellung der Presse (die noch dazu in diesem Land immer vorgibt, streng areligiös zu sein).
Wie lang ist das aber jetzt her, daß der damalige Ministerpräsident Jospin vor Studenten der palästinensischen Universität sprach und gesteinigt wurde, weil er forderte, man solle endlich mal Intelligenz statt Gewalt einsetzen, denn Gewalt sei kein Mittel zur Durchsetzung der Ziele? Acht Jahre?
„Add a link“ hat einen Artikel aus dem Figaro verlinkt; der beschreibt recht anschaulich, was in Sderot so vor sich geht. Natürlich kommt dann der obligatorische Dämpfer „diese Toten scheinen natürlich vernachlässigbar neben den vielen Leichen, die die israelischen Bodenaktionen im Gazastreifen in den letzten Jahren hinterlassen haben“, und natürlich fehlt der Hinweis, daß Israel diesen Streit nicht angefangen hat. Aber man spricht immerhin auch davon, daß diese Attacken nach dem Abzug der Armee erst richtig losgingen. Am Schluß wird dann Oberstleutnant Avi Fahran zitiert mit den Worten: „Wir sind nicht im Westen hier. Hier muß man mit den Arabern ihre Sprache sprechen, die Sprache des Terrors. Sie verstehen nur das Recht des Stärkeren.“

Frieden würde das aber nicht schaffen… bleibt zu fragen: was schafft denn überhaupt Frieden?

23. Add a link - Mai 26, 2007, 20:14

Hier noch ein sehr ausgewogener britischer Magazinartikel. (Doch, selbst Magazine können guten Journalismus bieten). Allerdings nicht zu Sderot, sondern zum etwas größeren Thema des Sechs-Tage-Kriegs und der vierzig Jahre danach, falls Dich das vielleicht zufällig auch interessiert:
http://www.economist.com/world/displaystory.cfm?story_id=9222979
Da möchte man jeden einzelnen Satz unterschreiben.

24. willow - Mai 26, 2007, 20:37

Nun, Großbritannien…“Eine Gruppe von 130 britischen Ärzten rief kürzlich in einem Brief an die britische Tageszeitung The Guardian dazu auf, die Israel Medical Association (IMA) zu boykottieren und sie aus der Dachorganisation World Medical Association (WMA) auszuschließen.“

http://www.guardian.co.uk/israel/comment/0,,2062435,00.html

Genaueres und ein sehr schöner Beitrag über eine absolute Frechheit hier: http://lizaswelt.blogspot.com/2007/05/unheilbare-mediziner.html

25. Lila - Mai 26, 2007, 20:47

Der Artikel im Economist ist interessant, hier wird ja im Moment sehr viel über 67 und die Folgen diskutiert. Ohne historische Perspektive kann man die heutige Lage einfach nicht verstehen.

Und was die Boykotteure angeht: wenn diese Ärzte wirklich Ernst machen wollen, dann sollen sie auch keine Medikamente und Technologien mehr benutzen, die Israelis zu verdanken sind. Dann stehen eine ganze Menge Leute dumm da. Und sie sollen am besten alle Computerteile wegwerfen, die in Israel produziert werden, konsequenterweise! Auch da könnten sie ganz schön dumme Gesichter machen.

Pfui Teufel, kann man da nur sagen. Gerade wo wir in israelischen Krankenhäusern Kranke aus aller Welt behandeln – ob aus afrikanischen oder arabischen Ländern. Aber diese britischen Boykott-Propagandisten haben nicht die Spur von Schamgefühl.

Mal sehen, was Liza dazu sagt.

26. grenzgaenger - Mai 26, 2007, 23:12

liebe lila,

ich fuerchte mit dem fehlenden schamgefuehl befinden sich die britischen propagandisten in sehr guter gesellschaft 😦

und natuerlich werden sie weiterhin medikamente und computerteile benutzen die aus israel kommen. auch konsequenz ist von solchen leuten nicht zu erwarten, sie richten ihr faehnchen nach dem winde, was sie wiederum mit gutmenschlichen deutschen gemeinsam haben, vor allem wenn sich diese pazifisten und/oder globalisierungsgegner nennen.

inzwischen habe ich es aufgegeben mit dieser sorte mensch zu diskutieren, es ist ohnehin sinnlos mit gutmenschen zu streiten die alles gute, edle und humane auf ihre seite gepackt haben. realitaet stoert da nur das (geschlossene) weltbild. fuer solche „diskussionen“ ist mir meine (zu wenig) vorhandene kraft denn doch zu schade ….

herzliche gruesse, schavua tov,
grenzgaenger

p.s. alles klar bei dir ?

27. Add a link - Mai 28, 2007, 16:54

Historisch denken heißt historisch verstehen wollen. Es freut mich, daß der konzise Artikel des Economist Dein Interesse findet. Daneben gibt es zum selben thematischen Schwerpunkt des aktuellen Heftes einen Leitartikel, ebenso ausgewogen und commonsensical, „Israel’s wasted victory“:
http://www.economist.com/opinion/displaystory.cfm?story_id=9225670
Dieser wird nun von Sever Plocker in Ynet herausgefordert:
http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3404921,00.html
Der Economist versprüht keinen Pessimismus, doch Plocker ist noch optimistischer, wenn ich ihn recht verstehe: Die Versäumnisse im Konflikt mit den Palästinensern seien nicht so schlimm angesichts dessen, was aufgrund des Sieges von 1967 alles erreicht wurde. Gefahren, die aufgrund des Konflikts für Israels Existenz entstehen könnten, gibt es für ihn also gar nicht. So schön diese Furchtlosigkeit ist, ich finde den Economist etwas differenzierter. Doch Plocker fügt mit dem Hinweis auf die positiven Folgen des Sechs-Tage-Krieges noch eine Differenzierung hinzu.


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