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Ah, die Erbse Mai 24, 2007, 16:09

Posted by Lila in Persönliches.
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Meine Eltern hatten Recht, ich bin’s. Im Nebenbuero (wo niemand sitzt, weil ausser ein paar Irren in dieser Abteilung noch Feiertag ist und niemand arbeitet) piepst irgendein elektronisches Geraet. Ich hoere es mir nun schon acht geschlagene Stunden an. Es dringt durch den Ventilator, den ich angestellt habe. (Weisses Rauschen! Ich stell mir beim Laerm der Klimaanlage immer vor, ich dampfe uebers Meer, ueber mir Moeven, unter mir Fische und Quallen….)

Nein, es nuetzt nichts. Es ist nicht im Maschinenraum des Dampfers, es ist ein Buerogeraet. Ich winde mich. Die Kollegin hoert es nicht!

Auch durch hundert Decken spuere ich die Erbse, es reicht zu wissen, dass sie da ist, und ich wache mit blauen Flecken auf.

Kommentare»

1. mona lisa - Mai 25, 2007, 0:50

Kenne ich zu Genüge: Wo da nichts ist, da ist auch nichts.!Heißt aber im Klartext eigentlich: Ich höre nicht’s, heißt aber nicht, dass da nichts sein kann. Nur wer gibt schon gerne zu, dass er etwas nicht wahrnimmt? Da ist es allemal einfacher zu behaupten: da gibt es nichts, also kann man auch nichts wahrnehmen.
Ich bin dazu übergegangen meinen eigenen Wahrnehmungen zu trauen – dann eben Prizessin auf der Erbse oder mit dem „vorwurf“ klar kommen, man höre das Gras wachsen. – Doch wer kann das schon?! Prinzessinnen auf der Erbse.

2. Thatcher - Mai 25, 2007, 1:17

OT:
Lila, wir hatten letztens, als es um die einseitigen europäischen Medien ging, über die ’68er in Europa diskutiert. In diesem Zusammenhang interessierte mich, ob es ein ähnliches Phänomen wie die massiven Studentenproteste um 1968 auch in Israel gegeben hat, und wie man dort den Vietnamkrieg wahrgenommen hat.
Kannst Du dazu Näheres sagen? Sicher hatte man wegen der Araber genug eigene Sorgen, aber irgendwas wird dann schon los gewesen sein; evtl. gibt es auch ein paar israelische Politiker, die man als „’68er“ bezeichnen könnte, etc.

3. Lila - Mai 25, 2007, 7:35

Für Thatcher, aus der Lamäng.

Hm, den 68er Protest hat es hier so nicht gegeben, es war das Jahr nach dem Sechstagekrieg und das Land war dabei, sich total zu verändern. Idealistische Vorstellungen, weltfremde Ideen gab es hier auch, so die „humane Besatzung“. Dokument dieser Zeit, mit starken Einflüssen von Musicals und amerikanischer Alltagskultur, die sich mit der spezifisch israelischen mischt, ist der Film „The Troupe“, den ich schon öfter empfohlen habe.

Das Buch „Der siebte Tag“, das nach dem Sechstagekrieg entstand, aus Interviews mit Soldaten, die meisten von ihnen Kibbuzniks, widerspiegelt die Gespaltenheit Israels den eigenen militärischen Erfolgen gegenüber, und die moralischen Dilemmata, mit denen Israel es sich viel weniger leicht macht, als manche Leute glauben.

Allerdings war unser Vietnam 1982 – und auch nicht in diesem Ausmaße. Auch die größten Kritiker von Sharons Feldzug wissen, daß schwerer Beschuß des Nordens dem Einmarsch vorausging und es, nach militärischer Logik, durchaus Gründe gab, den Christen im Libanon zu helfen. Es war umstritten, es ging nicht gut aus, und die Kriegsführung wurde von den Zivilisten kritisiert und als unaufrichtig empfunden – und auch von vielen Soldaten.

Kann man auch nicht richtig mit dem Vietnamkrieg vergleichen.

Politiker. Hm. Das kann man nicht vergleichen. Es gibt auch hier Friedensbewegung und Linke. Mein Mann sagt immer, und zu Recht!, daß die israelische Friedensbewegung so ziemlich die einzigen sind, die bereit waren und sind, sich für die Palästinenser wirklich ins Zeug zu legen. Aber hier gibt es, was es in Deutschland nie gab, in der linken Bewegung noch immer nachweisbare Spuren der Mapai-Herrschaft. In Israel war nämlich 68 eine „linke“ Regierung dran. HIer ist der große Bruch 77, mit dem Aufstieg des Likud unter dem Ashkenasi Begin, der von benachteiligten, empörten Mizrachiim gewählt wurde.

Ich muß über Deine Frage noch weiter nachdenken, aber mir scheint, daß unsere Uhren da ein bißchen anders ticken.

Wo keine uralte akademische Tradition da ist, sondern ein moderner, von Anfang an brillanter Neuaufbau nach amerikanischem Vorbild, da rebellieren die Studenten nicht. Wo jeder Mensch am eigenen Leib echte Bedrohung erfahren hat, ist auch die Friedensbewegung nicht so von Illusionen, Projektionen und unbegründeten Annahmen getränkt wie im friedlichen Europa. Und so weiter. Und in den meisten Israelis, auch den Meretz-Politikern, ist ein harter patriotischer Kern auszumachen. Nur sehr, sehr wenige gehen so weit, bis zum Selbsthaß die eigene Überlebensstrategie zu verleumden. Daß diese Art Politiker a la Lebrecht und Avinery besonders gern in europäischen Medien präsentiert wird, sagt nichts über ihren häuslichen Einfluß aus.

Auch Yossi Sarid und Yossi Beilin und Shula Aloni sind Friedensfreunde, aber nicht bis zur Selbstaufgabe. Jeder von ihnen hat auf seine Art das Interesse Israels im Auge. Ich würde sagen, Beilin ist das äußerst Linke, was hier noch irgendwie wählbar ist. Auch extreme Rechte sind nicht häufig. Eine wachsende Mehrheit der Israelis wählt, trotz der dramatischen Bedrohung von außen, Mitte. Das ist sehr ermutigend, daß die Mitte, der Pragmatismus, die meisten Anhänger finden. Eine Polarisierung ist auch im Moment nicht abzusehen, wo die aussichtsreichen Kandidaten für die anstehenden Wahlen in der Arbeiterpartei Leute der Mitte sind.

Und wo schon in den 1920er, 30er Jahre junge Frauen wie Y.s Oma mit Shorts und kurzen Haaren rumliefen, war der Verzicht auf Hüftgürtel, Haarspray, Cocktailschürze und andere Insignien der Weiblichkeits-Wahn-Frau gar kein Thema. Die harten Schalen der Adenauerzeit oder der amerikanischen 50er Jahren, die von Jugendlichen so nicht mehr akzeptiert wurden und mit Schwung und Pathos öffentlich über Bord geworfen wurden, die gab es hier sowieso nie.

Hier liefen Regierungschefs in Sandalen oder eben Golda-Schuhen rum, und alle duzten sich sowieso. In einem Land, in dem zu der Zeit Kibbuzim eine kleine, doch sehr einflußreiche Minderheit bildeten und viele Politiker Kibbuzniks waren, konnte man per Kommune keinen Bürger nach Luft schnappen lassen. Und so weiter.

Ungeordnet, sorry. Ich mach vielleicht noch was draus.


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