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Nur ein kurzer Blick Mai 20, 2007, 13:47

Posted by Lila in Land und Leute.
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auf die Überschriften der Zeitungen, ach je. Ich prophezeie es seit Monaten, und doch macht mich das Eintreffen meiner Vorhersage nicht glücklich. Habe ich nicht immer wieder auf die fallenden Qassams hingewiesen, habe ich nicht immer wieder erwartet, daß sie mal irgendwo außer bei uns erwähnt werden? Nun, jetzt, wo Israel reagiert, macht diese Reaktion die Schlagzeilen, die der monatelange Beschuß nicht gemacht hat, und jeden Tag kann ich mir angucken, wie das aussieht. Detaillierte Schilderungen auf der ARD-Website. Sie zählen die Toten genau auf, die Israel zu verantworten hat – Dutzende Tote der vergangenen Monate am selben Ort waren egal, keiner hat sie erwähnt. Ja, es ist wahr, nur wenn die Kugel, die einen Menschen trifft, aus einer israelischen Waffen kommt, ist der Mensch erwähnenswert. Wäre ich Palästinenser, würde mich das treffen.

Der Blurb auf der Hauptseite sieht übrigens so aus:

Die israelische Luftwaffe hat in der Nacht die Angriffe im Gaza-Streifen fortgesetzt. Israels Premier Olmert drohte mit einer Ausweitung des Einsatzes, sollte der Beschuss israelischer Siedlungen mit Kassam-Raketen weiter gehen. Militante Palästinenser drohten ihrerseits mit neuen Attentaten. [mehr]

Siedlungen. Auch der ARD-Redakteur, der hier die kurzen Antexte verbricht, hält Sderot für eine Siedlung. Wie sich die Bilder gleichen!  Israel – Beschuß – muß sich um Siedler halten, und gegen die ist es ja erlaubt, die haben ja Anlaß dazu gegeben.  Oder hat da jemand verpennt, daß es im Gazastreifen keine Siedlungen mehr gibt, weil wir sie vor fast zwei Jahren geräumt haben – netterweise, um den Palästinensern günstige Abschußrampen für ihre Raketen freizumachen. Sie mußten sich ja vorher so drängeln, schrecklich.

Auch im Libanon brechen Feindseligkeiten aus , an denen wir nicht beteiligt sind, das gibt es also auch.

Bei Kämpfen zwischen radikalen Islamisten und der libanesischen Armee sind im Nordlibanon nach Medienberichten zehn Menschen getötet worden. Der Nachrichtensender Al Arabija meldete weiter, mehrere Mitglieder der Gruppe Fatah al Islam seien während der Kämpfe in einem palästinensischen Flüchtlingslager nahe der Stadt Tripoli festgenommen worden. Nach ersten Berichten waren unter den Toten Soldaten und mindestens drei Palästinenser.

Und die Bildunterschrift unter diesem Bild lautet:

 Martialisch im Auftreten: Palästinenser in einem Flüchtlingslager im Norden Libanons. (Archivbild vom März 2007)

In der Tat. Was für einen Grund haben sie denn, im Libanon, sich so zu bewaffnen? Droht ihnen auch dort der zionistische Feind, oder ist es nicht vielleicht doch eine Pose, die sich verselbständigt hat? (Nicht, als ob wir den Palästinensern nicht geholfen hätten, diese Pose zu entwickeln – aber eine weniger martialische Haltung hätte ihnen besser gedient.)

Hat sich auch mal einer gefragt, wieso die Palästinenser denn im Libanon in Flüchtlingslagern leben, im Staat Israel dagegen in ganz normalen Orten, Städten und Dörfern? Das muß wohl der israelische Rassismus sein, der da mit uns durchgeht.
Ja ja, ich weiß, ich wiederhole mich, tut mir leid. Eigentlich wollte ich ja davon erzählen, daß alle meine Kinder den Sommererkältungsvirus haben, mit schmerzendem Hals, leichtem Fieber und elendem Schnupfen auf Sofa oder Sessel rumlungern und ich – glücklich bin, sie alle um mich herum zu haben. Y. kam kurz zu Besuch und sah mich grinsend an. „Na, da hast du sie ja alle beisammen“. Er weiß,wie gern ich das habe. Sie haben auch bisher kaum gezankt, sind zu verschdupft  und heiser dazu.

Aber wenn ich dann wieder diese oberflächliche, immer gleiche, bequeme „Israel greift an“-Berichterstattung sehe…. dann geht mir das Hütchen wieder hoch, und bloggen erleichtert nun mal so. Tut mir leid, liebe Leser. Übrigens gehe ich nicht so weit, in Foren oder Leserbriefen nachzulesen, wie die Volksseele sich mal wieder reflexartig gegen uns empört. Ich warte ja noch darauf, daß mir eine Elefantenhaut wächst, leider wird da vermutlich nichts mehr draus.

Wir haben wieder mal die Wahl, uns unbeachtet von aller Welt beschießen zu lassen, oder uns verurteilt von aller Welt zu wehren. Elende Lage.

Kommentare»

1. willow - Mai 20, 2007, 15:09

Ich fürchte, die Zeitungen schreiben nur so, wie die Leser es erwarten. Aber natürlich erwarten die Leser es so, weil die Medien sie durch ihre Berichterstattung zu ihren Ansichten gebracht haben…. ein Teufelskreis, aber vielleicht sind Blogs ja das einzige, wenn auch schwache Mittel, das zu überwinden. Wenn ich mich nur erinnere, als letztes Jahr die Katjuschas der Hisbollah auf Nordisrael regneten, haben in einer Spiegel Umfrage 70% geantwortet, daß Israel kein Recht hätte sich zu verteidigen, und sie sollten mit den Raketen leben. Und da wunderst du dich, daß nach Meinung des Durchschnittskonsumenten der Mainstreammedien „die paar“ Kassam doch absolut kein Grund sind, auf Terroristen zu schießen! Und diese Menschen sind tatsächlich stolz darauf, durch Tagesschau und Spiegel seriös und umfassend informiert zu sein – es ist zum Speien!

2. Lila - Mai 20, 2007, 15:17

Na, da hast Du mich ja jetzt richtig gründlich aufgebaut, ich dank auch schön 😉

(Erkennt jemand das Zitat?)

3. meiomei - Mai 20, 2007, 15:56
4. Lila - Mai 20, 2007, 16:03

Ja, den Borgstede hat gerstern schon jemand verlinkt. So ist es. Aber auch er hat seinen Artikel erst veröffentlichen können, nachdem 1. Verletzte zu beklagen waren (vorher haben auch die israelischen Medien kaum registriert, was da unten eigentlich los ist) und 2. Israel zur „Vergeltung“ schritt.
Wenn man dann manche Lesermeinungen darunter liest, dann wird einem wieder schlecht.

5. willow - Mai 20, 2007, 16:05

Ja, solche Artikel gibt es, aber selten, sehr selten – und nur, wenn Israel tatsächlich „reagiert“. Und schau dir doch bitte den Kommentarbereich zu diesem Artikel an…

Und überhaupt, die Kernaussage ist doch

„Man müsse es den Palästinensern mal richtig zeigen, sie „in Grund und Boden“ bombardieren, schlägt Moshe vor. „Glaubt mir, dann wird Ruhe herrschen“, sagt er, und seine Freunde stimmen zu. Solch radikale Vorschläge hört man in der Stadt oft. Selbst Bürgermeister Eli Moyal fordert in Talkshows immer mal wieder die rücksichtslose Bombardierung der Zivilbevölkerung von Gaza.“

Somit schafft es auch ein Artikel, in dem die Zahl der Kassams realistisch genannt wird, die „übliche“ Aussage zu transportieren – Mitgefühl sieht anders aus, auch dieser Artikel hat viel „geschieht ihnen ganz Recht“!

6. Lila - Mai 20, 2007, 16:06

Zwei Doofe, ein Jedanke.

7. Lila - Mai 20, 2007, 16:10

Und wenn wir mal ganz brutal der Wahrheit ins Gesicht sehen: jedes andere Land hätte längst, aber LÄÄÄÄNGST schon die Zivilbevölkerung des Gazastreifens bombardiert. Und zwar in großem Ausmaß. Ich sehe die Franzosen, Russen oder Amerikaner nicht jahrelang Raketenbeschuß auf Zivilisten kassieren ohne MASSVIST zurückzuschlagen.

Daß wir, die das nicht tun, trotzdem an den Pranger gestellt werden, als täten wir es, ist mir unverständlich.

8. david - Mai 20, 2007, 16:57

Bei dem verlinkten Artikel der öffentlich-unrechtlichen ist ‚Siedlungen‘ nun etwas ungelenk durch ‚Territorium‘ ersetzt.
Bei meiner Hamuda und liegt das Interesse an der internationalen – und speziell deutschen – Presse über Israel derweilen knapp hinter dem Sack Reis.. Egal was man macht, für eine internationen Aufschrei und eine UN-Resolution wird’s eh reichen.

9. Lila - Mai 20, 2007, 17:14

Ja aber wie ermüdend sind die Diskussionen mit solchermaßen „informierten“ Mitmenschen, wenn ich dann nach Deutschland komme… denn daß jemand nur Bruchstücke weiß, hindert ihn keineswegs, eine herzhafte Meinung zu haben und mir die in unnachahmlich besserwissersich-moraltriefendem Tone zum Besten zu geben.

Kein Wunder, daß mein Haar langsam grau wird 😉 (Am Alter kanns ja nicht liegen!)

10. M - Mai 20, 2007, 18:16

Lerne Klagen, ohne zu Leiden.

11. Lila - Mai 20, 2007, 19:17

🙂

12. willow - Mai 20, 2007, 20:58

Putzig… gerade „arte“ war für mich bisher Inbegriff Pro-Palästinensischer Berichterstattung – und nun? Nicht nur ein Beitrag zu den rebellischen und kriminellen Bewöhnern der Flüchtlingslager im Libanon icl. vermumter Islamisten „tötet alle Ungläubigen!“ Nein, sogar über Sderot wurde angemessen und mitfühlend berichtet, über Bürger die friedlich in Jerusalem protestieren, traumatisierte Kinder, entnervte Bewohner die es nicht mehr aushalten. Nicht zu reden von einer positiven Beurteilung der Abwehrversuche der israelischen Regierung. Woher dieser Stimmungsumschwung? Scheint teilweise sogar die „Macher“ überrumpelt zu haben, bezeichnenderweise wurde, während Peretz zitiert wurde, ein Bild von Peres gezeigt… 🙂

13. Thatcher - Mai 20, 2007, 21:28

Man muss befürchten, dass hinter dieser Häufung von Fauxpas‘ Methode steckt. Die Wirklichkeitsingenieure von den Nachrichtenagenturen wählen gewisse Sprachregelungen, die sich alsbald in sämtlichen Radioprogrammen, Fernsehnachrichten und Zeitungen wiederfinden. So sickern sie allmählich – durch Wiederholung – in das Bewusstsein des unkritischen Konsumenten. Sie haben Sderot zu einer israelischen „Siedlung“ erklärt, bald wird es die Mehrheit dafür halten, und irgendwann später wird ganz Israel auf den Status eines illegitimen und völkerrechtswidrigen Gebildes herabgesunken sein, und für die Mehrheit der medienkonsumierenden Europäer wird „Israeli“ synonom werden zu „jüdisch-radikaler Siedler in Palästina, der, bis an die Zähne bewaffnet, täglich Menschen ihre Menschlichkeit raubt und palästinensisches Land besetzt, das diesen besonders heilig ist“. Zum Teil ist es das in der deutschen Linken wie in der Rechten schon längst. Zeit, die Koffer zu packen.

14. david - Mai 20, 2007, 21:57

Thatcher, die Sprachregelung ist in jeder grösseren Redaktion überlicherweise in einer verbindlichen Wörterliste geregelt, wobei es je nach Fitness der Schlussredaktion auch immer wieder mal Spielraum gibt.

15. Lila - Mai 20, 2007, 22:29

Für Bildungsschmocks: der Ursprung des Zitats „ich dank auch schön“.

16. eran - Mai 21, 2007, 3:12

„Wir haben wieder mal die Wahl, uns unbeachtet von aller Welt beschießen zu lassen, oder uns verurteilt von aller Welt zu wehren. Elende Lage.“

Wie sagte Shimon Peres schon. „Wir kämpfen um unser Leben und nicht um unser Image“

Und weil ein toter Jude gleich gutes Image ist, bevorzuge ich unbeliebt zu sein.

17. kaltmamsell - Mai 21, 2007, 7:59

Silberstreif am Horizont: Die Tagesschau um 20 Uhr hat recht sachlich berichtet. Aufhänger war die Olmert-Ankündigung, aber wie schon in den paar vorhergehenden Berichten wurde auf den ständigen Qasam-Beschuss hingewiesen. Es fiel, glaube ich, die Zahl von 200 Raketen, die allein in den letzten Wochen auf Sderot niedergegangen seien. Dazu Bilder von zerstörten Häusern in Sderot. Vielleicht wird’s ja doch noch.

18. Jakobo - Mai 21, 2007, 12:10

@ Kaltmamsell:
Ich hab die Tagesschau nicth gesehen, aber was ich
auf Tagesschau.de gesehen habe ist eine sehr
gefähriche und auch heimtückische Form der
„sachlichen Berichterstattung“, die mir ehrlich gesagt
mehr angst macht, als die offen unsachliche.

Da hab ich zum Beispiel folgende Bildunterschrift
gefunden:

„Alltäglicher Anblick in Sderot: Der Teil einer Kassam-Rakete vor einer von Granatsplittern perforierten Siedlungsmauer.“

Klar, einerseits wird dargestellt, dass der Beschuss was
Alltägliches ist. Aber was muss ich da weiterlesen?
Siedlungsmauer???? Sderot ist also eine Siedlung?
Was für Siedlungen könnte es wohl noch in Israel geben?
Ashkalon? Tel Aviv??

Abgesehen davon sieht auf dem Foto die „Siedlungsmauer“
eher aus, wie eine ganz normale Abgrenzung um ein
Haus. So dass ich mich schon auch frage, was dieser
sachliche Berichterstatter so geschluckt hat, bevor er
das verschrieben hat.

Jakobo

Ach ja.. der link:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6787538_,00.html

19. Jakobo - Mai 21, 2007, 12:16

Scheint so, dass Tagesschau.de mächtig stolz sind
auf ihre Journalistische Meisterleistung, so das sie
das Foto samt Bildunterschrift jetzt überall unterbringen
wollen.

hab gerade gesehen, dass das Foto von meinem
Link das selbe ist, wie das von Lilas Link, aber in
unterschiedlichen Meldungen untergebracht.

Jakobo

20. Fusel - Mai 21, 2007, 17:18

Hey Hey, nur mal so….dieser Artikel war gestern kurzzeitig auf der Spon Hauptseite. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,483779,00.html

Auch wenn es immer noch sehr wenige Artikel sind die sich mit Sderot und den Kassam raketen beschuss auseinandersetzen, so finde ich es doch zumindest erfreulich, dass es auch mal andere Stimmen gibt. Ist das eine geringfügig neue Dimension? Vielleicht Resultat des Abzuges aus Gaza? – das Journalisten anfangen die Situation etwas besser (zwar immer noch nicht annähernd gut), sprich objektiver zu beurteilen, oder ist das reines Wunschdenken meinerseits? Immerhin wird Sderot als Grenzstadt und nicht als Siedlung tituliert….

so far, take care

Fusa

21. eran - Mai 21, 2007, 18:54

jakobo,

der Richard C. Schneider, der aus Israel berichetet für die ARD, tut es oft sehr objektiv.

C steht in seinem Namen für Chaim…

22. Jakobo - Mai 21, 2007, 21:51

Hi, Eran:
Ich kenn den Verfasser leider nicht. Gut, wenn Du
das so sagst dann glaub ich Dir schon. Aber es
stellt sich mir immer noch die Frage was das mit
der Bildunterschrift soll? Vielleicth hat er sie ja auch
nicht verbrochen sondern die Layout Abteilung von
der Tagesschau.de. Is ja genauso möglich, dass er
gar nichts von seinem „Glück“ weis. Keine Ahnung.

Aber hast Du Dir das schon mal angeschaut? Also
bei der allgemeinen Ignoranz Israel gegenüber.
Wenn sowas Schule macht und auf einmal Orte
die eigentlich überhaupt nicht zur Diskussion
stehen als „Siedlungen“ dargestellt werden.
na dann gute nacht.

Wenn es so ist wie du schreibst dann sollte
man ihn vielleicht darauf aufmerksam machen,
vielleicht weis er ja wirklich nicht bescheid darüber.

Jakobo

23. Lila - Mai 21, 2007, 22:27

Jakobo, ich glaube, in allen drei Beispielen, in den Sderot als „Siedlung“ bezeichnet wurde, handelte es sich um Bild- oder Titelunterschriften, die vermutlich hastig von irgendwelchen Redaktionsknechten verbrochen wurden und damit die huddlig-fuddelige Unwissenheit ebendieser bloßstellten. In keinem der Artikel wurde Sderot so bezeichnet. Zumindest nicht bei denen, die ich gefunden habe.

Gerade darum bringen mich diese drei Fälle aber so zum Seufzen. Man sieht unverstellt die spontane Assoziation von Menschen, die eben nicht wie Schneider wissen, wovon die Rede ist.

Schneider und andere Leute vor Ort haben bestimmt keinerlei Einfluß darauf, was in der Redaktion noch dazugeschustert wird. Ich denke mir, sie rollen manches Mal mit den Augen…

24. Jakobo - Mai 21, 2007, 22:38

Wahrscheinlich haben Du, Lila, und Eran recht.
Aber ich denke gerade wenn es so ist sollte man
vielleicht den Journalisten eine Protestmal schreiben
und sie darauf aufmerksam machen oder nicht?

Jakobo

25. grenzgaenger - Mai 22, 2007, 0:57

na ja, jakobo, die idee ist gut, bloss: wo landen solche mails ?

aber natuerlich ist es immer besser zu protestieren als es nicht zu tun, stimmt !!

26. Xenos - Mai 22, 2007, 1:07

Um mich als Unbeteiligter, der seit Monaten immer mal wieder im Blog vorbeischaut, kurz einzubringen: Ich möchte hier nicht über suggestive Bildunterschriften diskutieren, auch wenn es interessant ist, was einen in den Medien alles auf den zweiten Blich an sachlich falschen und/oder manipulativen Darstellungen auffallen kann. Ich bin generell an Politik interessiert, auch an der im , wie es in Deutschland so schön heißt, Nahen Osten. Obwohl ich schon seit Jahren mit Schrecken dem offensichtlich unveränderlichen Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt verfolge, gebe ich zu, dass ich wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte von dem weiß, was es zu wissen gäbe. Meine Sympathien schwankten über die Jahre. Mittlerweile bin ich resigniert. Auf wessen Seite man stehen soll, ist nicht mehr guten Gewissens zu beantworten. Auf der Seite aller, die nur in Ruhe leben wollen, könnte man sagen. Doch wie groß ist der Einfluss dieser Menschen auf die Führungen beider Seiten? Friede kann es erst geben, wenn die Palästinensische Führung endlich das Existenzrecht Israels anerkennt. Doch glaubt die israelische Regierung wirklich, dieses Ziel erreichen zu können, während sie aller paar Monaten mit außerjustiziellen Tötungen auf Hamas-Führer losgeht. Sie erzeugt nur Hass und Märtyrer. Oft wird den deutschen Medien vorgeworfen, sie mäßen in Nahost mit zweierlei Maß. Aber darf man von einem demokratischen Staat nicht mehr erwarten als von Terroristen. Muss der Stärkere, und als solchen sehe ich Israel in diesem Konflikt immer noch, nicht nachgeben? Weil er sich es eher leisten kann. Wenn aber jetzt Rechtsaußen fordern, die Palästinenser müssten mit „Shock and Awe“, mit massiver Gewalt gegen Zivilisten, zur Räson gebracht werden, wird mir übel. Hat man nicht im Libanon gesehen, was es nützt? Und die Moral ist dabei endgültig vergessen…

P.S. Das war jetzt aber ein langer erster Eintrag…

27. grenzgaenger - Mai 22, 2007, 1:21

„Muss der Stärkere, und als solchen sehe ich Israel in diesem Konflikt immer noch, nicht nachgeben?“

um neuen terror zu produzieren ? das waere das ergebnis eines nachgebens.

es wuerde (zu recht ?) von den arabern im allgemeinen und den palaestinensern im besonderen als schwaeche intepretiert.

das denken im nahen osten ist ein anderes als in deutschland wo kompromisse zu schliessen immer noch (!) das mittel erster wahl ist.

kompromisse auch mit gruppierungen die es ebenfalls als schwaeche auslegen. deutschland mag sich dieses spiel (noch) leisten koennen, ein in seiner existenz bedrohter staat israel aber nicht.

ich weiss schon – wenn israel auf die araber zugehen wuerde waere seine exitenz nicht mehr bedroht …

wuerde und waere ….

die geschichte hat gezeigt das sich die feinde israels auch nicht mit einem juedischen staat abfinden wuerden der von tel aviv bis haifa reicht. (da koennten sie die juden gut ins meer treiben …)

endziel (!) der politik von israels „nachbar“staaten und auch der palaestinenser ist schlicht und einfach den staat israel auszuloeschen und ich sehe nicht das sich daran etwas aendern wuerde …

natuerlich gibt es in den arabischen gesellschaften auch menschen die anders denken. diese sind allerdings ihres lebens nicht sicher wenn sie die dummheit begehen diese meinung zu aeussern ….

es wird auch die meinung vertreten neben dem religioesen aspekt des andauernden krieges haetten die arabischen herrscher ein ganz anderes problem: naemlich angst vor der israelischen demokratie. wenn diese ueberwappen wuerde waere es das ende der diktaturen. das will man natuerlich mit allen mitteln verhindern …..

28. willow - Mai 22, 2007, 8:48

@Xenos: Deine Ansichten scheinen mir ziemlich repräsentativ zu sein… Du hast nicht wirklich etwas gegen Israel, aber Du möchtest vor allem, daß endlich Ruhe ist. Und wenn schon die Palästinenser nicht kleinbei geben, dann müssen es eben die Juden tun. Sollen sich bewegen, sollen sich nicht so haben, nicht wehren.

„als letztes Jahr die Katjuschas der Hisbollah auf Nordisrael regneten, haben in einer Spiegel Umfrage 70% geantwortet, daß Israel kein Recht hätte sich zu verteidigen, und sie sollten mit den Raketen leben.“

Die Frage ist doch aber: wer außer den Israeli hat jemals Zugeständnisse gemacht? Israel hat mit Jordanien und Ägypten „Frieden gemacht“, sich aus dem Libanon und Gaza zurückgezogen, den Palästinensern Selbstverwaltung ermöglicht und Aussicht auf ein eigenes Land gegeben undundundund.

Dennoch wird immer von Israel Nachgeben gefordert, Zurückhaltung – aber ich frage Dich, wann hat die palästinensische Seite jemals Zugeständnisse gemacht und diese Versprechen eingehalten? Was hat die palästinensische Seite außer Worten für die Weltöffentlichkeit je gegeben? Gegeben hat immer Israel, aber offensichtlich nie genug. Und wenn Israel den täglichen, sich über Wochen hinziehenden Raketenbeschuß nicht mehr ertragen kann und den politisch Verantwortlichen Verbrechern auch persönliche Konsequenzen androht, dann sind sie natürlich wieder die Bösewichter.

Im Prinzip siehst Du die Sache nicht viel anders als dieser Autor

http://www.jungewelt.de/2007/05-22/030.php

29. micha42 - Mai 22, 2007, 9:04

“Alltäglicher Anblick in Sderot: Der Teil einer Kassam-Rakete vor einer von Granatsplittern perforierten Siedlungsmauer.”

Anscheinend war mittlerweile der Korrektor am Werk: jetzt steht da „Hausmauer“.

30. Lila - Mai 22, 2007, 10:30

Ja Xenos, wo warst Du denn in den letzten Jahren und Monaten, als Sderot dauernd beschossen wurde und die israelische Armee NICHT reagiert hat? Ich habe es SO oft erwähnt, immer wieder darauf hingewiesen und auch immer prophezeit, daß dieser Beschuß erst zur Kenntnis genommen wird, wenn Israel reagiert. So ist es dann auch gekommen.

Wie ich schon oft gesagt habe: wir können entweder nicht reagieren – dann werden wir weiter beschossen. Das haben wir ja bewiesen. Wir haben stillgehalten, und die Palästinenser haben fröhlich fast täglich weiter geschossen.

Wir können militärisch reagieren – dann stellt sich die Frage, wie ist die wirksamste militärische Reaktion? Oft genug hat Israel vor einem Angriff gewarnt, damit Gebäude geräumt werden konnten, oder hat auf leere Felder geschossen, als Warnung. Als die Qassams anfingen, vor ein paar Jahren, hat die Armee es so versucht. Die Palästinenser haben nur darüber gelacht.

Also müssen, damit die militärische Reaktion Wirkung zeigt, echte Ziele beschossen werden. Sollen wir wie die Palästinenser wahllos auf Zivilisten schießen? Jede Qassamrakete, jeder Sprenggürtel richtet sich ja gegen Zivlisten. Würden wir wirklich tit for tat gehen, müßten wir eigentlich pausenlos ziellos Geschosse auf Gaza richten. Egal wo sie fallen.

Nein, das machen wir aber nicht, auch wenn Du das vielleicht glaubst, sondern unsere Armee hat eine Liste von Zielen: Werkstätten für Qassamraketen und Einrichtungen der Hamas oder anderer Terroroganisationen. Und die beschießt sie dann. Außerjustiziell, man stelle sich vor.

Denn die Menschen in Sderot leben im Krieg, und keine politische Maßnahme kann ihnen helfen. Guck Dir an, was im Gazastreifen los ist, und sag mir, was DU tun würdest, um den Menschen in Sderot wieder ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen.

Es ist leicht zu kritisieren, aber schwer, einen Ausweg zu finden.

Ich erinnere Dich daran, daß wir den Gazastreifen vor zwei Jahren geräumt haben und die Palästinenser die Chance hatten, zu beweisen, wie ein Palästinenserstaat funktioniert. Ich erinnere Dich daran, daß Olmerts Wahlprogramm den Rückzug aus der Westbank vorsah, und er damit die Wahl gewonnen hat. Ich erinnere Dich auch daran, daß die Palästinenser die Hamas mit ihrem Programm gewählt haben – wenn Du die Charta der Hamas nicht kennst, kann ich es auch nicht ändern….

31. Jakobo - Mai 22, 2007, 11:21

Hey.. die haben das ja tatsächlich geändert! Hab eben
nachgeschaut es steht da jetzt wirklich „Hausmauer“

Lila, vielleicht haben sie ja in deinem Blog gelesen,
immerhin bist du irgendwo in den Blogcharts plaziert.
Hast also doch was geändert vielleicht nur eine kleinigkeit
aber immerhin etwas 🙂

Letztens sind Deutsche Soldaten in Afganistan durch ein
Selbstmordatentat getötet worden in vielen Zeitungen
wurde der sinn der Afganistaneinsatzes in Frage gestellt
und in einer anderen Zeitung stand sinngemäß „dieser
feige Taliban führer brüstet sich mit unseren Toten
Soldaten“ oder in der richtung. Das war eine sehr
interessante reaktion. Man muss ja auch bedenken,
das in Afganistan keine deutschen Zivilisten ihren alltag
haben und die gefärdet sein könnten. Afganistan hat auch
keine Grenze zu Deutschland und die Deutsche Grenze ist
nicht gefärdet. Und was noch dazu kommt ist dass
Deutschland jederzeit die Möglichkeit hat sich in gesicherte
Grenzen zurückzuziehen.

dieser feige Taliban führer brüstet sich mit unseren Toten
Soldaten…

Einer seits hat mich diese Zeile etwas wütend gemacht
ABer anderer Seits.. vielleicht verstehen die Leute in
Deutschland ja jetzt etwas besser worum es geht.

Jakobo

32. Jakobo - Mai 22, 2007, 11:22

@ Micha42:
Danke, dass du bescheid gesagt hast 🙂

33. Xenos - Mai 25, 2007, 2:11

@Lila & willow
Ich akzeptiere ja, dass sich Israel in einer echt verzwickten (man könnte hier auch durchaus bestimmte Kraftausdrücke benutzen) Lage befindet. Natürlich kann sich kein Staat gefallen lassen, wenn seine Bürger fortlaufend Angriffen ausgesetzt sind. Und tatsächlich muss man zugeben, dass der Nahost-Konflikt immer dann in den deutschen Medien besondere Aufmerksamkeit genießt, wenn Israel sich wehrt, nicht wenn sich das israelische Militär ruhig verhält. Daher vielleicht das verzehrte Israel-Bild vieler Deutscher. Allerdings kann man das meines Erachtens nicht in erster Linie auf eine generell Israel überkritische Haltung in den deutschen Medien schieben, es ist meiner Meinung nach vielmehr ein Ausdruck dafür, das sich die Eskalation medientechnisch halt viel besser vermarkten lässt. Aber ist es nicht auch so, dass an der miserablen Lage in sderot auch teilweise die israelische Regierung schuld ist, die es Jahre lang versäumt hat, in dieser anscheinend (ich kann mich hier nur auf deutsche Medienberichte stützen) nicht fürchterlich wohlhabenden Stadt Schutzräume zu bauen?
Im Übrigen möchte ich dem israelischen Militär auch gar nicht vorwefen, es übe ziellose Vergeltung an palästinensischen Zivilisten, aber es nimmt zivile Opfer zumindest billigend in Kauf. Nun kann man sagen, dass ist immer noch viel besser, als wenn man Zivilisten gezielt töten will, wie Selbstmordattentäter. Und man hat ohne Zweifel recht. Aber: Jedes ziviles Opfer ist eines zu Viel, auch wenn es ein palästinensisches ist. Natürlich kann man sich solche rigorosen Urteile aus der sicheren Entfernung viel besser erlauben. Aber sie sind dennoch wahr.
Man muss anerkennen, dass Israel in den letzten Jahrzehnten immer derjenige wahr, der Kompromissbereiter wahr. Dennoch gibt es keinen Frieden. Das mag an den arabischen Diktaturen im Umfeld liegen, die an einem Frieden mit dem jüdischen, demokratischen Israel nicht interessiert sind. Aber auch solche Regime sind durchaus zu pragmatischen Lösungen fähig, wie nicht zuletzt Ägypten und Jordanien gezeigt haben. Tut Israel hier wirklich genug?
Und was die unabhängigen Gebiete angeht, in denen die Palästinenser zeigen konnten, wie gut sie alles selbstverantwortlich machen: Sicherlich hats sich die alte Führungsclique als so korupt und regierungsunfähig erwiesen, das sich die Mehrheit der Palästineser in die Arme der religiös-fundamentalistiscehn Hamas flüchteten. Das ist bedauerlich. Allerdings muss man sich fragen, wie wirtschaftlich erfolgreich ein „Land“ sein kann, dass aus einem schmalen, überbesiedelten Gebiet besteht, und dass auch keinen Seehandel unterhalten kann (womit denn auch?). Un die Westbank ist meines Wissens momentan nicht frei von israelisceh Siedlungen. Wie stellt sich die israelische Regierung also einen überlebens- weil handlungsfähigen Palästineserstaat vor?
Alles in allem ist es schon zum verzweifeln: Kaum beruhigt sich die Lage, kommt irgendein Fanatiker daher und wirft so lange mit Steinen (metaphorisch gesprochen) bis das israelische Militär wieder mit blutigen Strafaktionen reagiert. Und sie Spirale aus Hass und Gewalt geht wieder von vorne los.

34. Lila - Mai 25, 2007, 8:06

Lieber Xenos, niemand von uns hat die Antworten. Ich mag auch gar nicht so tun.
Ich erinnere mich noch genau an die Zeit der Osloer Verträge. Damals wurde in Gaza ein Flughafen gebaut, es entstanden Hotels, Investoren aus der ganzen Welt sahen dort schon ein richtig schönes Mittelmeer-Ressort entstehen.
Wären die Palästinenser nicht selbstmörderisch in die Zweite Intifada getaumelt, dann sähe es da heute ganz, ganz anders aus.
Ich will gar nicht abstreiten, daß unsere Regierung jede Menge Fehler gemacht hat – wie jede Regierung, wie jeder einzelne Mensch. Wer die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsalternativen hat, kann falsch wählen, das abzustreiten wäre töricht und selbstgerecht.
Aber Arafat hätte keine Intifada anzetteln müssen. Er hätte zu Barak sagen können, „mein lieber Freund, das ist nicht genau, was wir uns vorstellen, dein Vorschlag, aber ich sehe, mehr kannst du uns im Moment nicht bieten. Weißt du was, wir machen das jetzt mal so, aber in zehn Jahren sehen wir uns wieder. Bis dahin werden wir euch zeigen, daß von einem palästinensischen Staat keine Gefahr von euch ausgeht. Die 3%, die noch fehlen, sollen mich nicht daran hindern, einen funktionierenden Staat aufzubauen. Aber erinnere dich – in zehn Jahren komme ich wieder wie Rumpelstilzchen und wir verhandeln über die letzten 3%“.
Zehn Jahre, fünf oder zwanzig, egal. Grundsätzlich hätte Arafat, wäre er seinen Leuten ein guter, sorgender Landesvater, so sprechen müssen. Statt dessen hat er auf einen täppischen Vorwand gewartet, und uns alle in Elend, Terror, Furcht und Schrecken gestürzt.
Ja, Barak hat den Ausbruch der zweiten Intifada nicht eingedämmt, wie er es hätte tun können oder sollen. Aus demselben Grund übrigens, wie unsere Armee im letzten Sommer nicht total fit war: wir bereiten uns mental immer, immer auf den Frieden vor. Im Jahr 2001 waren wir eigentlich über die Hürde mit den Palästinensern schon gesprungen – im Geiste.
Der Ausbruch der Intifada traf uns völlig unerwartet, nachdem wir kurz vorher noch eine Übergabe nach der anderen an die Palästinenser gefeiert hatten, nachdem wir ihnen Waffen geliefert hatten und gemeinsame Patrouillen gemacht hatten. Ja wollen die denn wirklich das alles wieder verlieren, zunichte machen? Bis zum Dolphinarium haben wir gezögert, zurückzuschlagen. Der Anschlag war dann nicht mehr hinzunehmen.
Wir sind gerüstet, aber seufzend. Wir wollen nicht kämpfen, wir müssen es. Deswegen, wenn Du mal hier warst, wirst Du es gemerkt haben, ist die israelische Gesellschaft zivil, obwohl so viele Leute bei der Armee waren. Es gibt auch Israelis, die hassen, ganz bestimmt. Aber im großen und ganzen, wenn Du Dich zB bei mir an der Uni umguckst, läuft das alltägliche Zusammenleben noch immer relativ gut ab. Wir haben keine Vernichtungsphantasien, kein Haß treibt uns an, nur der Wunsch, unser Überleben zu sichern. Und wir warten immer lange, bevor wir eingreifen. Auch im Süden. So lange, wage ich zu sagen, hätte kein anderes Land zugesehen. Sechs Jahre.
Wir sind müde, wir wollen, daß so Leute wie die Hamas die Forderungen der EU und anderer endlich erfüllt und der Streß ein Ende hat. Was kann daran so schwer sein, sich zu verpflichten, ein Nachbarland, gegründet wie alle anderen Nachbarländer, einfach zu akzeptieren? Sich zu verpflichten, unterschriebene Verträge einzuhalten?
Wieso muß ich meinen Sohn nächstes Jahr in die Armee schicken, wenn wir doch nichts weiter wollen, als in unserem kleinen Land zu überleben? Wir wollen nicht expandieren, der Sechstagekrieg wurde uns aufgezwungen so wie alle anderen Kriege vorher. Gegen stabilen Frieden, auch von der kalten und nicht der Eierkuchen-Art, sind wir zu großen Gebietsabtretungen bereit. Wie wir bewiesen haben.
Wie hätten wir den Palästinensern noch entgegenkommen können, mehr als zu Oslo-Zeiten? Sie haben uns keine Zeit gelassen, unsererseits auf ihre Zugeständnisse zu warten, ihre eigenen Verpflichtungen zu erfüllen (Entwaffnung der Terroristen zB).
Würdest Du, wenn Du kein 30km von Jenin entfernt wohntest, wirklich aus vollem Herzen einen Rückzug ohne Verhandlungen befürworten? (Und MIT Verhandlungen geht nicht, weil sie entweder nciht mit uns verhandeln oder Abmachungen nicht einhalten). Andererseits: wie schwer würde es dir fallen, zu sagen, „wir müssen Jenin noch unter Kontrolle halten“, wenn du wüßtest, es ist dein Sohn in Uniform, der Jenin unter Kontrolle halten muß – und zusammen mit den bewaffneten Bombenbauern und Verrückten sind das eben auch ganz normale Leute, mit denen wir gemeinsame Interessen haben, die uns leidtun und denen wir gern helfen möchten?
Weißt Du, wie viele Palästinenser in israelischen Krankenhäusern behandelt werden? Wie viele gemeinsame akademische und pädagogische Projekte in Schubladen verstauben, weil die palästinensischen Unis nicht mitziehen? Wie viele ökologische und wirtschaftliche Bürgerinitiativen durch die Gewalt unmöglich geworden sind? Meinst Du nicht, daß uns das leidtut?
Und die Spirale ist keine Spirale. Es ist ein Pfeil, der ganz klar aus einer Richtung in die andere zeigt. Ich weiß, daß diese Vorstellung von der Spirale in Europa verbreitet ist, auch, weil es unerträglich ist, anzunehmen, daß wirklich die eine Seite unablässig angegriffen wird.
Aber zeig mir mal eine grundlose, ECHTE (nicht vorgeschobene) Aggression Israels. „Irgendein Fanatiker“ ist leider meist kein Israeli. Und wenn es einzelne Verrückte gibt, die meinen, sich an Arabern ihr Mütchen kühlen zu müssen, dann sitzen sie bei uns im Knast. Sind keine Volkshelden wie die Mörder Tali Hatuels. Sie werden nicht gefeiert. Sondern werden als Kriminelle behandelt, was Leute wie Ami Popper ja sind.
Wir hatten auch keine Fanatiker als Regierungschefs. Mir fällt zumindest keiner ein. Ja, unsere Politiker sind so pragmatisch, daß sie schon fast wieder gewissenlos sind. Sie reagieren vielleicht falsch, aber nicht aus Ideologie oder Fanatismus. Eher, weil manchmal JEDE Reaktion falsch ist. Ausweglose Situationen sind nun einmal nicht zu lösen, auch wenn der ferne Zeitungsleser das qualvoll findet. Glaub es mir, auch ich finde es qualvoll und unerträglich.
Die Palästinenser akzeptieren unsere Existenz nicht. Dagegen können wir nichts tun, außer uns selbst aufzulösen. Aber das ist ein bißchen viel verlangt, und es wird nicht geschehen. Die Juden haben 2000 Jahre lang Erfahrung damit, wie es sich ohne eigenen Staat lebt. Danke, das muß nicht noch einmal sein.
Alternativen? Mir fällt gerade keine ein. Noch mehr nachgeben? Wir haben ja schon fast unser Abschreckungspotential verloren vor lauter Zuwarten. Das können wir uns, auch mit Blick auf Syrien und Iran, nicht leisten. Sommer 06 war nur das Aufwärmspiel.


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