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Nu, ich wußte es Mai 17, 2007, 15:16

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich sollte mich nicht über SPon ärgern, aber ich ärgere mich trotzdem. Ich habe die ganzen letzten Tagen ihre Website beobachtet. Keine Erwähnung von Sderot, die ganze Zeit. Jetzt, wo unsere Armee zurückschlägt, macht der SPon eine große Schlagzeile. Oh, diese Heuchler! Ich hoffe allerdings, daß sich niemand nur dort informiert. Es gibt ja noch andere Medien (laut Ynet ist aber das Interesse der ausländischen Presse an den Qassams in Sderot minimal.) Heute früh ist in Sderot eine Rakete in ein Schulgebäude eingeschlagen. Die Schulkinder waren Gott sei Dank in bombensicheren Klassen (Abiturprüfungen wurden trotzdem abgehalten). Es war dem SPon kein Wort wert. Seit fünf Jahren wird Sderot bombardiert, mal mehr, mal weniger. In den letzten Tagen praktisch pausenlos.

Ich wußte es, und ich weiß auch, daß ich mich nicht ärgern sollte. Aber es ist eine Art, Nachrichten zu verzerren und Leser zu manipulieren. Mal sehen, was noch folgt.

PS: auch interessant: ein Artikel über die in Gaza festgehaltenen und eingesperrten Journalisten. Gestern in den Nachrichten meinte einer, ein Araber übrigens!, daß die Schlächterei auf der Straße mit nichts zu vergleichen ist. (Die meisten Leute kommen dort übrigens nicht bei Schußwechseln ums Leben, sondern durch Exekutionskommandos.)  Er meinte, das ist der Grund, weswegen die Palästinenser keine Berichterstattung wollen. Weil sie einander in einer Art und Weise abschlachten, die vielleicht doch selbst für Europäer ein paar kritische Fragen aufwirft…

Kommentare»

1. david - Mai 17, 2007, 16:28

Na, der Speigel mal wieder. Reg dich erst mal ab, du wusstest ja eh schon, wie der investigative Journalismus bei Spon aussieht – zusammengeklebte Agentur-Meldungen, die der Redaktions-Volontär zusammntragen musste. Wirst sehen, bei SZ, Welt und Co wirds auch nicht anders zu lesen sein.
Was mich eher besorgt ist das vorhandene Potenzial in Gaza, Raketen bis nach Ashkelon zu feuern.

2. Lila - Mai 17, 2007, 16:55

Ja, ich reg mich ja nicht richtig auf, nur so ein kleines Ärgerchen… das macht einem Stier gar nichts.

Die haben noch ganz anderes Potential als Ashkelon. Im Gazastreifen sind Grad-Raketen und alles mögliche andere aufgehäuft. Wir sind besorgt.

Ich ärgere mich auch, daß diese Idioten es uns unmöglich machen, einen politisch-diplomatischen Weg zu beschreiten. Ich bin nie gegen Unterredungen, aber ich glaube, auch der idealistischste Israeli hat nicht mehr die Hoffnung, daß wir nach einem Abzug, vermittelt oder unilateral, NICHT beschossen werden.

Sehr schade, sehr dumm, sehr unglücklich, diese Lage. Schmerzlich.

3. grenzgaenger - Mai 17, 2007, 19:05

die berichterstattung (auch) von spon bedient halt das in deutschland so beliebte feindbild von den israelischen besatzern, wer macht sich schon die muehe nachzufragen wenn es das feindbild ueberall zu konsumieren gibt ? man koennte sich wirklich aufregen, aber das bringt nichts. es ist ohnehin hopfen und mal verloren !!

4. niels | zeineku.de - Mai 17, 2007, 20:03

„Es gibt ja noch andere Medien (laut Ynet ist aber das Interesse der ausländischen Presse an den Qassams in Sderot minimal.)“

Das halte ich auch für eine schiefe Wahrnehmung. Ich habe jedenfalls zuerst im deutschen Fernsehen (weiß nicht mehr, ob ARD oder ZDF) davon erfahren und es dann hier im Blog gelesen.

Und es waren recht ausführliche Berichte.

5. Marlin - Mai 17, 2007, 20:42

Ich lese Spon recht häufig, wenn auch nur wegen neuester Schlagzeilen.

Ansonsten ist der Spiegel ohnehin nur noch ein Käseblatt.

Wenn jemand eine bessere Quelle für schnelle Infos hat, nur her damit. Für meine israelischen Freunde habe ich Lila. 😀

Und, Niels, sehe ich anders. Nirgendwo sehe ich, dass Sderot schon monatelang beschossen wird. Wenigstens jetzt sollte das mal eindeutig und deutlich wahrnehmbar geschrieben sein. Bisher gab es keine Wirkungstreffer, deswegen wird das verschwiegen. Das ist unlauter. Ich kann es nirgendwo explizit, auch für Hohlköpfe sichtbar, entdecken.

6. Thatcher - Mai 17, 2007, 21:44

Tja, unsere Medien sind der Hamas in die Falle gelaufen. Keine Redaktion hat Korrespondenten in der Region, die wäre viel zu teuer – schon wegen der Gefahrenzulage. Das haben höchstens noch die Nachrichtenagenturen von Reuters, AP und Co., die lokale Kameramänner rekrutieren – für die Agenturen günstig, aber für arme Palis ein hoher Lohn. Und die Hamas weiß das – und spielt regelmäßig Theater. In der Bloggerszene wird es „Pallywood“ genannt. Wenn die Kamera mal nicht so offensichtlich dabei ist und man das Ganze von weiter weg betrachtet, stehen plötzlich die Toten von den Bahren auf (ein islamisches Wunder?), der Krankenwagen wird zurückdirigiert, um dann mit lautem Getöse erneut angefahren zu kommen, und so fort. Sogar in der „offiziellen Version“ erkennt man noch die lautstark agierenden Regisseure – die sich im Fall von Qana (Libanon) gar als Hizbollah-Aktivisten herausstellten.
Nun, solange noch die Werbekunden dafür bezahlen, ihre Namen in einseitigen Propagandablättern wie stern, Spiegel und Co. abgedruckt zu sehen (die lesende Kundschaft spielt schon keine Rolle mehr), wird sich an diesem schlechten Journalismus wohl wenig ändern.

Für Israel sehe ich langfristig zwei Perspektiven, die beide bitter sind. Die palästinensische Bevölkerung vermehrt sich wie die Kaninchen, und für diejenigen, die jetzt 0 – 10 Jahre alt sind (mehrere Hunderttausend), wird die Zukunft kaum rosiger aussehen als für die heute jungen Männer. Sie werden noch radikaler, noch hasserfüllter, noch fanatischer gemacht für ihre Djihad-Zukunft. EU und UNO zahlen sich dumm und dämlich, doch die „humanitären Verbesserungen“, die sie erreichen zu wollen vortäuschen, gibt es nicht. Nur totalen Krieg. Das wissen diese Politverbrecher, die Israel für billiges Öl preisgegeben haben. Mit „begrenzten Operationen“ wird Israel da nicht weiterkommen, da muss – so sehr man auch dagegen ansieht – eine radikale Lösung her.

Ansonsten wird Israel ausgelöscht.

7. Ostap Bender - Mai 17, 2007, 23:04

Passend dazu die Meldung des ostdeutschen Verdummungssenders MDR (http://www.mdr.de/nachrichten/meldungen/4492669.html)

„Erstmals seit einem halben Jahr hat Israel wieder Angriffe auf Hamas-Kämpfer im Gazastreifen geflogen. Dabei wurden mindestens sechs Angehörige der radikalen Palästinenser-Organisation getötet. Zu den Zielen gehörte auch das Hauptquartier der Hamas-Polizeimiliz. Bei dem Luftangriff wurde das dreistöckige Gebäude nach palästinensischen Angaben fast völlig zerstört.“

Ja und das wars. Anlass und Grund dafür werden nicht genannt. Nichts neues, eigentlich.

8. Lila - Mai 17, 2007, 23:10

Na, wenn Israel die Polizeiwache kaupttschießt, aus Jux und Dollerei, dann ist ja kein Wunder, daß sich die Bewohner des Gazastreifens gegenseitig die Köppe einhauen, nicht wahr. Diese Israelis!

Uäh. Und Leute, die sich von solchen Nachrichten geistig nähren, attackieren mich dann mit harten Worten, wenn sie hören, daß ich aus Israel komme. Und fühlen sich dabei 1. vollkommen im Recht und 2. wohlinformiert.

Na ja, ich höre ja, daß die Tagesschau eine etwas differenziertere Linie hat. Das tut gut zu hören, denn ich glaube, das ist doch die wichtigste Nachrichtenquelle.

9. Regn i Sderot « mischpokiska nyheter - Mai 17, 2007, 23:37

[…] fick evakueras från området. Allt detta läste vi ingenting om i svenska tidningar utan hos Lila eller i Miriams blogg om hennes liv i […]

10. david - Mai 17, 2007, 23:52

Thatcher, das sagt sich alles recht leicht im fernen Europa. Wie sieht denn deine radikale Lösung aus? Das ist doch grotesque. Willst du Israel eine Lecture über eine radikale Lösung der Araberfrage halten? Sorry, aber der zionistische Staat ist auf anderen Ideal gebaut und zu irgendwelchen Endlösungensphantasien nicht kompatibel.

11. Thatcher - Mai 18, 2007, 0:14

Ich weiß, David, das haben mir schon manche gesagt. Es ist aber wohl bezeichnend, dass dann gleich an Endlösungsphantasien gedacht wird, als gäbe es keine Sub-Holocaust-Lösung. Die Linken in Europa unterstellen einem auch immer Massenmordgedanken: sicher wollen sie einen diffamieren, aber andere Ideen zur Lösung des Problems haben sie anscheinend auch nicht.
Möglich wäre vieles: eine verminte Sperrzone von ausreichender Tiefe, um Kassamraketen bis auf weiteres zu verhindern. Konsequente Vergeltung für jeden Anschlag: irgendwann müssen dann sogar die Dümmsten lernen, dass Terror ihnen selbst schadet. Auf die europäische Öffentlichkeit einwirken, dass die Regierungen die Zahlungen an die Palästinenser einstellen – dies ist nicht zuletzt im Interesse des europäischen Steuerzahlers. Oder eine symbolische Aktion wie die Zerstörung des Felsendomes. Glaubwürdigkeit des Drohpotentials ist ein wichtiges Element in der Kommunikation mit Terroristen: Wenn Israel sowieso nichts Böses tut, dann kann man es ja bedenkenlos attackieren.
Möglicherweise ist man in Israel gläubiger als in Europa. Ich zumindest vermag nicht mehr daran zu glauben, dass es eine friedliche Lösung des Konflikts gibt. Die fanatischen Heißsporne in Grün vermehren sich noch schneller als die eingeschmuggelten Waffen und Sprengstoffe. Die wenigen zivilisatorischen Ansätze, die es in den Palästinensergebieten gab, sind seit der Intifada 2000 immer mehr zurückgedrängt worden, den Rest erledigten Hamas und die israelische Luftwaffe. Das Militär wird die Sache entscheiden müssen. Und ob es noch israelische Generäle gibt, die an einen dauerhaften Frieden glauben? Generäle sind meistens keine Träumer, sondern Realisten.

12. Lila - Mai 18, 2007, 0:48

Ach Thatcher, wenn die Palästinenser noch nicht gelernt hätten, daß Terror ihnen selbst am meisten schadet, dann würden sie es auch nicht mehr lernen. Das Problem liegt woanders: sie wissen es, aber sie haben sich entschlossen, eher den eigenen Untergang zu riskieren, als Israel zuzulassen. Nein, das ist keine billige Propaganda, das sagen genügend Palästinenser selbst ganz offen. Da kannst Du mit Sanktionen etc gar nichts ausrichten, das kommt aufs selbe raus, was die Motivation für Terror, Krieg oder Kassams angeht.

Sperrzonen am Boden richten gegen Waffen, die man abschießt, gar nichts aus. Und die Luftwaffe? Kann auch nciht viel tun. Wenn A beschließt, B zu beschießen, kann man A nur dadurch aufhalten, daß man ihm das Gewehr wegnimmt. Aber wie machen wir das??? Der Preis ist zu hoch. Da opfert unsere Regierung lieber brutal die Bewohner von Sderot, die ohnehin arme Schweine sind, und läßt sich diesmal auf einen weiteren zwecklosen Militäreinsatz nicht ein. Die Alternative? Sie existiert leider nicht.

Was würde passieren, wenn wir Bibis Vorschlag befolgten und würden dem Gazastreifen stundenweise, sanktionsweise Wasser und Licht abdrehen? Da hätten wir sofort wieder eine UN-Resolution an der Backe… Sollen die Schüler von Sderot doch Abi machen, während nebenan Raketen auf die Klassenzimmer fallen. Wehren gilt nicht! Aber würde wehren helfen?

Frieden? Davon träume nicht mal ich. Wir wollen unsere Ruhe, nicht mehr beschossen werden, nicht mehr dauernd in Sorge sein, welche Mätzchen unsere Nachbarn nun wieder ausbrüten. Sie sollen unsere Existenz endlich anerkennen, mit dem Terror aufhören „and get a life“, wie die jungen Leute im Internet („von dem man ja letzthin so viel hört“) immer sagen.

Get a life. You had enough death. Oder so.

Aber auf mich hört ja niemand.

Das Militär wird die Sache nicht entscheiden können. Militäraktionen sind nur ausführendes Organ einer politischen Entscheidung. Wenn man nicht weiß, was man mit der Militäraktion erreichen will, und nicht sicher ist, daß dieses Ziel auf keinem anderen Wege als mit ebendieser Militäraktion erreichbar ist – nur dann sollte man zu dieser Option greifen. Wenn man es andersrum versucht, kommt ein Winograd dabei raus.

Was für ein Ziel hätte die Militäraktion denn? Was wir im Gazastreifen sehen wollen: stabile Verhältnisse und die Entstehung eines zivilen Gemeinwesens, das kann uns keine Luftwaffe herbeibomben und kein Panzer zugänglich machen. Das können wir so oder so nicht beeinflussen.

Ägypten kann da viel mehr machen.

Waaaah, ich bin todmüde, gute Nacht.

13. niels | zeineku.de - Mai 18, 2007, 1:22

Mir ist bewusst, daß die Berichterstattung deutscher Medien zuweilen arg schief ist. Aber ich habe heute in den tagesthemen ganz bewusst drauf geachtet.

Die Militäraktion Israels wurde ausdrücklich in den Zusammenhang der Hamas-Raketenangriffe gestellt. Weiterhin wurde in dem Bericht betont, daß Israel erst nach mehreren Tagen des Beschusses reagiert hat und daß die Ziele des israelischen Angriffs (Auto mit Hamas-Führern und ein Hamas-Gebäude) präzise ausgewählt worden seien.

Ich bin immer dafür zu haben, Medien zu kritisieren, wenn es angemessen ist, aber wenn ordentlich berichtet wird, sollte man das auch nicht übersehen.

14. Thatcher - Mai 18, 2007, 2:02

Ja, das wäre kein schlechter Vorschlag. Zwingt die Palästinenser dazu, sich ihr täglich Brot selbst erarbeiten zu müssen wie jede andere Nation der Welt auch. Gewächshäuser für die Erzeugung von Nahrungsmitteln habt ihr ihnen schließlich kostenlos zur Verfügung gestellt, als Israel abzog. Gibt es so etwas wie ein Menschenrecht auf Elektrizität? Lasst sie ihren Strom selbst erzeugen, wenn sie welchen haben wollen. Das Wasser kann man ihnen schlecht abstellen, da es keine Quellen im Gazastreifen gibt. Liefert ihnen aber sonst nichts mehr. Riegelt die Grenze zu Ägypten ab, verhindert, dass weiter Waren und Waffen hereinkommen. Weshalb tut man denn so, als ob bei den massiven Provokationen so etwas wie eine Berlin-Blockade nicht durch das Kriegsvölkerrecht gedeckt wäre. Sicherlich würde es durch solche Aktionen Tote geben, aber genau darin liegt die Abschreckung: Sie hätten nicht ihr Leben dem Djihad geopfert, sondern wären schnöde verschmachtet.

Jemand, der am Verhungern ist, denkt nicht an Terror. Die jetzige Dimension des Problems ist erst durch die quasi vollständige Versorgung Gazas von außen entstanden. Für die einen sind es „humanitäre Gesten“, zu denen man „moralisch verpflichtet“ sei, für die anderen dagegen ist es die carte blanche, sich nur noch dem Djihad und der Produktion künftiger Djihadisten zu widmen. Schluss damit! Denkt lieber daran, wie das großartige SPQR um 70 n. C. mit jüdischen Zeloten umgesprungen wäre, wenn die ähnlichen Ärger gemacht hätten. Die Gutmenschen werden zwar maulen, aber was soll’s noch?

Ich weiß gar nicht mehr, was an Bibi so schlimm sein soll. Letztens las ich hier, dass man ihm vorwirft, dass unter seiner Regierung „die Schere zwischen Arm und Reich weiter aufgegangen“ sei (eine unter europäischen Linken sehr beliebte Formulierung). Wenn das alles ist, dann hat er seinen Job gut gemacht. Das ist in allen westlichen Industriestaaten so passiert und der Preis der Globalisierung.

Und weshalb macht man sich in Israel wegen der UNO noch Gedanken? Wie viele Beweise braucht es noch, dass die UNO der verlängerte Arm der Israelfeinde ist? Dazu die wohl korrupteste Organisation der Welt? In der Robert Mugabe Vorsitzender der Kommission zur Armutsbekämpfung wird, um nur ein aktuelles groteskes Beispiel zu nennen? Dauert nicht mehr lang, und die USA ziehen der UNO den Stecker.

15. Elisabeth - Mai 18, 2007, 2:31

Ohh – Thatcher – ich gestehe, mich machen Deine Gedanken ganz kribbelig – weil ich (politisch völlig unkorrekt) sie schrecklich einleuchtend finde. Wie bei Drogensüchtigen, die kehren auch nicht eher um, bis sie sich entweder den goldenen Schuß setzen oder so in der Gosse sind, das ihnen niemand mehr hilft, den Schein zu wahren.
Und wie wahr: wegen welcher (scheinheiligen) Institution macht sich Israel eigentlich noch Gedanken? Wieviele einseitige Verurteilungen steckt sich Israel denn noch an den Spiegel, Resolutionen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben sind? Schade um die Bäume. Manchmal könnte man echt bedauern, daß Menschenleben – auch palästinensische – in Israel so viel zählen und jeder Tote so schwer auf der Seele lastet. Aber diesen blasphemischen Gedanken verzeiht Ihr mir bitte, heute vor vier Jahren ist mein kleiner Neffe auf dem Weg zur Schule erschossen worden. Zugegebenermaßen hat er in einer Siedlung gelebt, aber trotzdem – er war auf dem Weg zur Schule und wurde nicht als „Schutzschild“ mißbraucht.

16. Lila - Mai 18, 2007, 9:12

Nur kurz.

Niels, ich habe nichts gegen die Tagesthemen gesagt, die sehe ich nicht, sondern habe geschrieben, daß Tagesschau (ist doch auf demselben Kanal, oder?) anscheinend vernünftiger berichten. Trotzdem weiß ich nicht, ob sie in anderen Medien Bilder von Sderot zeigen, von Familien, die aus ihrer Stadt flüchten, von Leuten, deren Gehör durch die ewige Knallerei beschädigt ist, von Traumatisierten, kaputten Häusern, beschossenen Schulen und Synagogen und Fußballplätzen. Auch im Libanonkrieg II sind zerstörte Häuser in Beirut wesentlich öfter gezeigt worden als zerstörte Häuser in Nahariya, so sehr, daß viele Leute glaubten, Beirut liege in Trümmern.

Ich habe noch nicht gehört, daß irgendjemand in Deutschland eine Mahnwache zugunsten israelischer Zivilisten macht – unsere Freunde von der Friedensbewegung haben zu dem Thema ebensowenig zu sagen wie der Papst oder der UN-Fritze. Doppelmoral eben.

Zu Bibi. Entschuldigung für die Phrase von der Schere, mir fiel nicht ein, wie man diesen Index noch mal nennt, der die sozialen Unterschiede mißt. Egal. Es gefällt mir nun einmal nicht, wenn Schulen für Behinderte geschlossen werden, Sozialleistungen für Neueinwanderer gestrichen werden und ähnlich feine Maßnahmen. Bibi hat die Reichen reicher gemacht und die Armen ärmer, wieder eine Phrase, aber zutreffend. Der Mittelstand ist, meiner bescheidenen Ansicht nach, Anker der Demokratie und sehr wichtig, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Wenn die Mittelschicht schwindet, wenn die Hoffnung schwindet, sich dort halten oder dorthin aufsteigen zu können, schwindet, das halte ich für einen großen Verlust.

Ich habe es jetzt nicht nachgeblättert, aber ich meine, ich habe auch dazugeschrieben, daß ich nicht genug von Wirtschaft verstehe, um abzuschätzen, inwieweit diese Tendenz auf lange Sicht für die Gesellschaft dann doch wieder gut ist. Schließlich brummt unsere Wirtschaft trotz aller Probleme, vielleicht hat es sich „gelohnt“. Aber es ist leicht zu sagen, „das ist der Preis der Globalisierung“, wenn man selbst nicht zu denen gehört, die den Preis bezahlen. Ich kenne genügend Leute, denen dieser Preis wehtut.

Außerdem war Bibi trotz seiner eisenharten Worte in Taten butterweich. Und inkonsequent. Zickzack-Bibi hieß er als PM, weil er dauernd seine Meinung änderte. Er ist ein intelligenter Mann, kann Israels Politik besser erklären als jeder andere und ich würde ihn als Außenminister einsetzen. Aber nicht als PM. Da muß man für Taten Verantwortung übernehmen. Auch in Bibis Amtszeit sind Israelis angegriffen worden, da war kein markiges Wort zu hören und er hat, soweit ich mich erinnere, auch niemandem den Strom abgedreht.

Und warum wir immer noch von den Ansichten voreingenommener Heuchler wie der UN abhängen? Nicht etwa, weil wir sie für eine Institution wahrer Gerechtigkeit halten – das ganz bestimmt nicht, es reicht, sich die Zusammensetzung der Menschenrechtskomission anzugucken und man weiß, was das für ein Verein ist. Daß viele Deutsche die UN nach wie vor als Hort edler Menschlichkeit verehren, zeugt nur von deren Naivitiät und Wunschdenken.

Aber leider hat die UN Macht und Einfluß, uns an der Selbstverteidigung zu hindern und tut das auch systematisch. Und darum müssen wir uns danach richten. Das sind reine Sachzwänge.

Wieso die UN nicht die Palästinenser daran hindert, uns zu beschießen, sondern nur uns, uns dagegen zu verteidigen? Gute Frage. Mit dieser Lage müssen wir leben, daß wir nur als Täter interessant sind, nicht als Opfer. Wir zahlen hier auch für den einseitigen Abzug aus dem Gazastreifen, den wir ohne jede Garantien oder Verpflichtungen der anderen Seite durchgezogen haben.

Und die Palästinenser werden auch wenn wir ihnen das Wasser und den Strom abstellen und die Kinder auf der Straße verhungern nicht aufhören, gegen uns zu kämpfen! Im Gegenteil. Das käme ihnen wie gerufen, sie würden alles filmen und inszenieren und einen riesigen Lärm machen und die Friedensfreunde würden ihre Transparente sofort ausrollen. Und die Qassams würden trotzdem weiter fallen. (Und sagt mir nicht, das würden die Palästinenser NIE tun. Ihr zynischer Einsatz von Kinderleichen ist einfach unvorstellbar für uns.)

Aber wir, wir würden wirklich den sogenannten „zelem enosh“ verlieren, die ethische DNA, der das jüdische Volk meiner bescheidenen Meinung nach sein Leben und Überleben verdankt. Auch wenn es eine heuchlerische Aussage ist, von Israel mehr zu erwarten als von anderen (das ist so gerecht, als gäbe es im Strafrecht dopelte Strafen, für Leute, an die wir Ansprüche stellen, und für andere, denen wir durch die Finger sehen, weil wir sie für primitiv und zurückgeblieben halten!)…. also auch wenn ich davon nichts halte, bleibt es eine Tatsache, daß für uns jedes Menschenleben zählt und für die Palästinenser nicht. Wie sich ja täglich zeigt, wenn sie einander ohne Rücksicht auf Verluste abschlachten – eine Kultur des Todes und Blutrauschs.

Dahin wollen wir nicht kommen, daß wir zynisch abschätzen, wie viel Tote die Palästinenser wohl verkraften können, bis sie nachgeben. Das würden andere vielleicht tun, bei uns geht das nicht, und darauf bin ich stolz. Es finden sich nach wie vor in Israel genügend Leute, die das nicht mittragen würden. Und zwar nicht aus Furcht vor UN-Resulutionen (die kommen sowieso), sondern aus Anstand.

Wir haben Arafat Pitta und Humous geliefert, wir liefern Medikamente in den Gazastreifen, und wir schicken nicht einfach die Luftwaffe los, um den gesamten Gazastreifen plattzumachen – was wir ohne weiteres könnten. Ich sehe das nicht als Schwäche, sondern als Stärke.

Daß der Welt Elisabeths Neffe und unsere vielen Toten egal sind, das ist nun einmal so. Es ist entsetzlich und ungerecht, aber es ist so. Was Elisabeths Neffe passiert ist, ist ein rassistischer Mord. Rassistisch, weil sein einziges Vergehen war, als Jude zu leben, wo Juden nicht geduldet sind. Doch in den Augen der Welt hat ein Siedlerkind sein Lebensrecht von vornherein verwirkt. Das ist sehr bitter und traurig, aber es überrascht nicht. Leider.

Die Weigerung der Araber, einen jüdischen Staat anzuerkennen, ist rassistisch – und trotzdem bezeichnen die Europäer Israel als „Apartheidsstaat“. Dieses Wort wird für sonst niemanden angewendet, es ist für uns reserviert, genau wie die Phrase „wie die Nazis“.

Mit all diesem Dreck müssen wir leben. An Herausforderungen sollt ihr wachsen, rät uns jedes Lebenshilfe-Büchlein, und siehe da: wir wachsen.

17. Jean - Mai 18, 2007, 12:26

Schwere Gefechte zwischen Israelis und Palästinensern:
http://www.tagesschau.de/video/0,,OID6771008,00.html

Hat schon übler ausgesehen, die Berichterstattung. Hier stimmt vor allem mal die Reihenfolge der Ereignisse. In der 20-Uhr-Tagesschau vom Vortag kommt Sderot erst am Ende vor! (über das Sendungsarchiv abrufbar)

18. schoschana - Mai 18, 2007, 15:32

spiegel online führe ich mir äusserst selten zu gute. mir reicht schon die tägliche süddeutsche, die ein wohlmeinender arbeitskollege meines mannes uns für 2 monate ins haus schicken lässt (:-(). heute auf seite eins im seitenkasten:
„IM GAZA-STREIFEN ESKALIERT DIE GEWALT – Gaza – Andauernde Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen der Hamas und Fatah haben die Palästinenser erneut an den Rand des Bürgerkrieges gebracht. Bis zum Donnerstag wurden bei den Gefechten fast 50 Menschen getötet.“
soweit so gut. der nächste satz, zum abschluss, lautet dann so: „Israels Luftwaffe zerstörte ein Verwaltungsgebäude der Hamas in Gaza“.

was denkt sich hänschen meier nun dabei? böse israelis, die nun AUCH NOCH draufhauen? (aber wahrscheinlich sehe ich nur gespenster oder habe schlechte laune).

19. david - Mai 18, 2007, 18:10

Gerade bei bei der SZ ist es eine Schande, dass die Geschäftsführung den Laden so runtergewirtschaftet hat und kaum noch auf Qualität achtet. Alle Guten sind weg, bei der meist konservativen Konkurrenz. Die damaligen Gesellschafter, Schwingenstein, Goldschagg, Schöningh und Friedmann hatten 1945 eine anspruchsvolle, intelligente Tageszeitung im Sinn, davon ist nun nichts mehr übrig.

20. Lila - Mai 18, 2007, 23:36

Ich habe den Tag verschlafen (Post-Erschöpfungs-Syndrom), aber eine kleine Presseschau hat gemischte Ergebnisse gebracht. Ein kleiner Klops ist dem Untertitel-Titler des Hamburger Abendblatts unterlaufen:
http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/18/741828.html

Raketen auf israelische Schule
Jüdische Siedler müssen ihre Häuser verlassen. Israels Luftwaffe fliegt Angriffe gegen Hamas.

Jüdische Siedler? Na, da wird wohl jemand gedacht haben, alle Israelis sind ja eigentlich Siedler. Oder er hat überhaupt nicht gedacht und reflexartig „Siedler“ geschrieben. Oder es war ein Spaßvogel, der gucken wollte, ob es jemandem auffällt….

21. Sheygetz - Mai 19, 2007, 3:51

Heute 02:30h bei SpOn gesehen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,483631,00.html
Viele Tote bei israelischen Luftangriffen
Israel reagiert mit militärischer Härte auf den anhaltenden Raketenbeschuss durch die Hamas: Israelische Kampfflugzeuge haben Ziele der radikal-islamischen Organisation angegriffen – mindestens acht Palästinenser kamen ums Leben.
[…] Unterdessen griffen Hamas-Kämpfer erneut die israelische Stadt Sderot mit Kassam-Raketen an. Drei Bewohner wurden von Splittern verletzt, drei weitere erlitten einen Schock. Seit Mittwoch schlugen nach Angaben der israelischen Streitkräfte etwa 90 Raketen im Süden Israels ein, allein heute waren es mindestens 13.[…]

Ich habe nun wirklich keine Veranlassung, SpOn zu verteidigen, möchte nur der Fairness halber auf den verlinkten Artikel hinweisen, der m.E. eine recht ordentliche Zusammenfassung bietet. Und so bescheuert auch der „Siedler“-Lapsus ist, auch der HA-Artikel ist nur als ausgewogen zu bezeichnen.

Bei dem doch recht häufigen Monieren der ausländischen Berichterstattung hinsichtlich einer Vernachlässigung des Ursache-Wirkung-Prinzips oder auch „Keiner schreibt, wie böse die Anderen zu uns sind, aber immer hacken alle auf uns rum“, gebe ich zu bedenken,
* daß die Welt von Hamburg aus betrachtet – oder von wo auch immer – naturgemäß anders aussieht, als vom nördlichen Israel aus,
* daß nur Tote News sind (der psychische Terror, den auch Rohrkrepierer auslösen, fällt da leider durch den Rost),
* daß die Seite mit dem Etikett „Underdog“ immer einen Bonus hat.

Die letzten beiden Punkte kann man kritisieren, anprangern gar, aber sie sind nicht SpOn- und/ oder Israel-spezifisch.

22. Sheygetz - Mai 19, 2007, 4:06

Apropos: Die Faz sehr umfänglich zu
„4500 Raketenangriffe in sechs Jahren“,
hier
http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~EFDC031EA08CB46818663E46191D8111F~ATpl~Ecommon~Scontent.html
oder falls der LInk nicht funzt unter Aktuell >Politik >Ausland

23. Marlin - Mai 19, 2007, 9:03

Jaa, Faz wollt ich auch gerade nennen. Den Artikel kann ich doch mal akzeptieren.
Ich denke, Faz schreibt ausgewogener über Israel, jedenfalls was ich gestern und heute gesehen habe.

Mal schauen, wie es sich entwickelt.

Lila: wachst weiter.

24. Lila - Mai 19, 2007, 9:48

Ja, ja, das mit den Siedlern fiel mir nur ins Auge, weil es im Artikel gar nicht auftauchte und eben so aussah, als hätte es jemand hastig dazugeschrieben.

Zum Artikel mit den „vielen Toten bei israelischen Luftangriffen“. Wenn bei inner-palästinensischen Kämpfen 54 Menschen ums Leben kommen, bei einem israelischen Luftangriff dagegen „mindestens acht“, dann kann man daraus alle Arten von Überschriften machen. Die Überschrift „Viele Tote bei israelischem Luftangriff“ weist aber eindeutig darauf hin, welche Tote der Schreiber zählt. Und welche nicht.

Und diese Überschrift ist auch immer noch auf der Hauptseite zu sehen. Wer sich also nur durch Überschriften informiert, weil er keinen Bock hat auf Nahost, bei dem bleibt nur das hängen: viele Tote bei israelischem Lutangriff. Von den anderen Toten ist keine Rede. Von Qassams auch nicht. ich habe es tagelang verfolgt.

Das sind alles keine weltbewegenden Sachen, es sind kleine Indikatoren einer Denkweise, die in Israel tendenziell den Angreifer, in den Palästinensern tendenziell das Opfer sieht. Und in dieses Raster alle Nachrichten einordnet.

Der FAZ-Artikel ist mir auch aufgefallen. Das gibt es natürlich auch, Berichterstattung ohne dieses Raster. Auch im Zweiten Libanonkrieg sind Artikel aller Art geschrieben worden. Und das Endergebnis war trotzdem, daß die meisten Menschen sich an zerstöte Häuser in Beirut erinnern, aber nicht an zerstörte Häuser in Haifa. Und dementsprechend urteilen.

Und diese Urteile übersetzen sich in politische Haltungen.

Man kann nun bis Weihnachten darüber streiten, ob diese allgemein verbreitete Haltung des Unbehagens Israel gegenüber mit Vorurteilen gegen Juden zu tun hat oder ob es das sachlich gerechtfertigte Ergebnis israelischer „Greueltaten“ ist. Aber daß die meisten Menschen in Europa schwere Vorbehalten Juden gegenüber hat, ist in letzter Zeit von einer ganzen Reihe von Untersuchungen belegt worden, nicht nur von der ADL. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25286/1.html

Ach ja, das heißt dann „Antisemitismuskeule“ und ist gänzlich inakzeptabel…

25. Haltungsturnen - Klopfzeichen aus der Wirklichkeit - Mai 19, 2007, 21:39

Schwerpunkte und Untertitel

26. Fusel - Mai 19, 2007, 22:29

oh nee oh nee, ich gucke gerade an meinem schönen Samstag abend in der UK, Channel 4 Dispatches ‚Battle for the Holy Land: Jerusalem‘, da kommt mir dir deutsche Berichterstattung ja noch ausgewogen vor. Es ist unglaublich wie zur besten Fernsehzeit am Samstag Abend hier extremst unausgewogen über Israel hergezogen wird.

Die Sicht der producer, über Israel’s angeblichen ‚offenen Rassismus‘, wird anhand der Siedlungspolitik in Jerusalem, natuerlich mit Stimmen aus beiden Lagern, wobei diese fein gewählt wurden, immer und immer wieder wiederholt, so dass es ja jeder mitbekommt. Zu den Stimmen aus beiden Lagern zählen sehr moderate Palästinenser, die ganz ruhig ihre Story/Sicht der Dinge erzählen und Israelis die aufgrund ihrer individuellen Meinung, na ja sagen wir mal nicht besonders repräsentativ sind. Ein ganz toll ausgewähltes Beispiel eines Israelis der in Jerusalem palästinensische Immobilien aufkauft und von sich selbst behauptet ein Rassist zu sein -ehrlich das sagte er vor laufender Kamera…na ja overall wird immer sehr düstere Musik eingespielt und dunkle Wolken am Himmel gezeigt sobald es um die Israelische Sichtweise geht und bei der anderen Seite ist nichts zu hören und meistens, wie es wohl in Jerusalem normal zu sein scheint, Sonne und blauer Himmel….na ja ich will mich mal nicht zu sehr aufregen….

Alles Gute, take care

Fusa

27. GeistesWelt :: Noch mehr Bilder aus Sderot :: May :: 2007 - Mai 19, 2007, 22:57

[…] habe ich noch weitere Videos gefunden, die wahrscheinlich in deutschen Medien nur verkürzt und sinnentstellt wiedergegeben würden: Israelische Nachrichtensendung mit Untertiteln über die Ereignisse in und um Sderot Amateurvideo […]

28. niels | zeineku.de - Mai 20, 2007, 16:39

Auf den FAZ-Artikel wollte ich auch gerade noch werbend aufmerksam machen. Schön, daß ich damit schon zu spät bin.

Lila, Du schriebst:

„Man kann nun bis Weihnachten darüber streiten, ob diese allgemein verbreitete Haltung des Unbehagens Israel gegenüber mit Vorurteilen gegen Juden zu tun hat oder ob es das sachlich gerechtfertigte Ergebnis israelischer “Greueltaten” ist.“

Ich glaube, es ist eine Kombination. Bei vielen Menschen sind es leider nach wie vor antisemtische Vorurteile, die zu einer israelfeindlichen Perspektive führen. Dann gibt es aber auch Leute, die ohne antisemitisch eingestellt zu sein das Vorgehen Israels häufig für überzogen halten, weil sie den Palästinensern einen gewissen „underdog“-Bonus einräumen.

29. micha42 - Mai 21, 2007, 17:22

„Nirgendwo sehe ich, dass Sderot schon monatelang beschossen wird.“

Das ist leider schlicht Normalität. Berichterstattung gibts hier in D nur, wenns tatsächlich Tote gibt. Und/oder wenn Israel zurückschlägt, äh, „angreift“. Ansonsten fällt der Beschuss unter „das Übliche“ und das ist uninteressant.

Ich erinnere mich daran, dass ich vergangenen Sommer vergebens jemandem klarmachen wollte, dass bereits seit Herbst 2005 mehrere hundert Kassams aus Gaza abgeschossen wurden, also de facto täglich ein paar. Er hat mich ausgelacht, weil ich in seiner Wahrnehmung wohl der Propaganda auf den Leim gegangen bin.

30. Lila - Mai 21, 2007, 19:31

Also, da muß man ganz klar von einem Versagen unsererseits sprechen. Wie kann es sein, daß wir praktisch dauernd angegriffen werden und niemand weiß davon? Dafür haben wir Außenpolitiker und ein auswärtiges Amt, damit sich sowas rumspricht.

Im Norden haben die Bewohner über Jahrzehnte hinweg den Beschuß mit Katyusharaketen ertragen müssen, ohne daß in Europa jemand davon Notiz nahm. Der Süden wird nunmehr seit sechs Jahren beschossen. Von Terroranschlägen, Schußattentaten etc ganz zu schweigen, und von mörderischer Rhetorik erst recht nicht.

Vergessen wir auch nicht die endlosen Kriege, ein Angriff auf Israel nach dem anderen.

Und trotzdem sind deutsche Nachrichtenkonsumenten davon überzeugt, daß Israel der große Angreifer ist. All unsere defensiven Maßnahmen, ob Checkposts oder Trennzaun, werden als Aggression ausgelegt.

Das kann doch nicht allein am deutschen Nachrichtenkonsumenten liegen! Da haben wir doch schlicht gepennt. Und haben runtergespielt, um des lieben „Friedens“ willlen, daß wir angegriffen werden. Haben hohl gedroht und im Endeffekt an allen Fronten verloren.

Wenn britische Akademiker uns vollen Ernstes boykottieren (und sie tun es, ein Kollege hat mir heute geklagt, wie seine sämtlichen Versuche einer Zusammenarbeit mit einer britischen Uni unbeantwortet blieben), wenn wir der Buhmann Europas sind, wenn wir der einzige Staat sind, der permanent mit den Nazis oder Apartheids-Südafrika verglichen wird, wenn wir Ermahnungen über die Menschenrechte von Syrern und Libyern kassieren müssen und keiner das als Skandal empfindet….

…dann haben wir schlicht versagt beim Versuch, der Lüge die Wahrheit entgegenzusetzen.

31. Marlin - Mai 21, 2007, 20:19

Und andere haben Ihre Lügen dafür ungestört verbreiten können, und tun es noch.

😦

Da hast Du wohl recht, Lila.

32. willow - Mai 21, 2007, 22:26

Den Vogel schießt natürlich wieder die „Junge Welt“ ab… schon die Überschrift:

„Israel will Hamas-Politiker ermorden“

und so geht das dann weiter, schönste Formulierung:

„Der palästinensische Regierungschef Ismail Hanijah sprach in einer ersten Reaktion von einem »schrecklichen, von den Zionisten verübten Verbrechen gegen ein Parlamentsmitglied und Zivilisten«. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, der »gefährlichen Aggression«, die zur Erhöhung der Spannungen beitrage, ein Ende zu setzen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte die Gewalt Israels gegen Zivilisten in Gaza«. Er forderte das sogenannte Nahost-Quartett aus USA, UNO, Rußland und EU auf, Druck auf Israel auszuüben, um dieses zur Beendigung der Eskalation zu bewegen – keiner der Genannten äußerte sich am Montag zu Israels Gewaltverbrechen von Gaza.“

und ganz am Ende des längeren Artikels dann

„Militante Palästinenser feuerten vom Gazastreifen vier Raketen auf den Süden Israels. Wie auch bei früheren Angriffen wurde nach Angaben eines israelischen Militärsprechers kein Schaden angerichtet. Es gab keine Verletzten.“

Ja, ich habe mitbekommen, daß in Sderot eine Frau ermordet wurde… es ist alles zum kotzen…

33. Lila - Mai 21, 2007, 22:30

Die Spaßvögel. Wahllos auf Zivilisten zu knallen ist also okay – gezielt Drahtzieher aus dem Verkehr zu ziehen (die teilweise in Autos fuhren, die mit Qassams vollgestopft waren und deswegen so stark detoniert sind) ist aber unmoralisch?

Und sage uns keiner, am moralischsten ist es, gar nicht zu reagieren. Vielen Dank, das haben wir sechs Jahre lang praktiziert. Wer uns diesem Rat gibt, soll erst mal selbst sechs Jahre lang ohne Gegenwehr unter Raketenbeschuß stehen. Es ist wohl verständlich, daß irgendwann mal Schluß sein muß. Die Zivilisten von Sderot haben Schutz verdient.

34. grenzgaenger - Mai 22, 2007, 0:55

„Und sage uns keiner, am moralischsten ist es, gar nicht zu reagieren.“

stimmt, liebe lila, es wird zeit nicht weiter auf solchen schwachsinn zu hoeren !

die ereignisse heute sprechen eine deutliche sprache, aber auch die tote zivilistin in sderot wird die meinung der ach so gutmenschlichen, pazifistischen und aufgeklaerten „westlichen welt“ nicht aendern.

wen interessieren schon tote israeelische zivilisten ?

natuerlich sind palaestinensische terroristen bessere menschen, denn die ueben ihren terror ja nur aus weil sie gegen die besatzung protestieren wollen – oder ?

die kleine tatsache das es im gazastreifen keine besatzung mehr gibt, der terror sich aber vervielfacht hat, spielt ja keine rolle.

man muss schliesslich das grosse ganze sehen, unwichtige details stoeren da nur ….

😦

trotzdem, soweit man das unter diesen umstaenden wuenschen kann: CHAG SAMEACH !

35. Thatcher - Mai 23, 2007, 1:55

Ich glaube, auch wenn sich das israelische Außenministerium noch so anstrengen würde, seine Sicht der Dinge in Europa zu verbreiten, und wenn es professionelle PR-Arbeit leisten würde, wäre der Effekt gering. Die Schwachstelle sind die europäischen Medien. Nicht nur, dass die Medienarbeit so brutal schnell geworden ist, dass für genaue Recherchen keine Zeit bleibt und die Einnahmen so gering, dass man sich Korrespondentennetze kaum noch leisten kann (und daher auf lokale Hamas-Informanten zurückgreift, die das hollywoodreife Bildmaterial gleich mitliefern), es ist auch so, dass die Redaktionen mit voreingenommenen Leuten durchsetzt sind, die ihre Arbeit weniger als Information, sondern eher als Erziehung verstehen. Erziehung zum besseren Menschen, allen Realitäten zum Trotz. Wer könnte einen Tabakverkäufer dazu bringen, zuzugeben, dass Rauchen der Gesundheit schadet? Genausowenig wird man einen überzeugten ’68er (die es in Israel anscheinend nicht gibt, glückliches Land) und Volkserzieher dazu bringen, gewisse Realitäten, das brutale Wesen der palästinensischen Aggression betreffend, einzugestehen. Er hält seine Leser aus ideologischen Gründen für latente Nazis, die permanent mit Gerede vollgequatscht werden müssen, damit sich das Mörderische nicht Bahn bricht. Er glaubt, dass es morgen in Deutschland zu Pogromen gegen Ausländer kommen wird, wenn heute in der Zeitung steht, dass diese überdurchschnittlich gewalttätig sind (was der Wahrheit entspricht, aber besser als ein Staatsgeheimnis gehütet wird – und zwar von den Redaktionen, deren Job es doch wäre, solche Sachen aufzudecken).

Die ’68er haben ihren Traum, die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, nicht aufgegeben. Die zweite Stoßrichtung betrifft die immer stärker werdenden islamischen Minderheiten in den europäischen Ländern. Immer wieder werden sie als Popanz hingestellt, als eine Art „neue Juden“ anstelle der ermordeten früheren, die man zu tolerieren und bevorzugt zu behandeln habe, anderenfalls man ein Nazi sei. Insgeheim wissen sie natürlich um deren Aggressionspotential und erwarten von ihnen, dass sie als eine Art Hilfstruppe die letzten nationalistischen, kulturalistischen, bürgerlichen oder freiheitlichen Kräfte Europas zerschlagen. Daher werden sie von den ’68er-Kreisen in Deutschland vor jeglicher Kritik, sogar vor innerislamischer Selbstkritik, in Schutz genommen.

Sie vertreten die Doktrin, es würde ein antiislamisches Ressentiment bedient, wenn geschrieben würde, dass Israel insgesamt vorbildlich und zurückhaltend reagiert, während die Palästinenser machen konnen, was immer sie wollen. Die seien irgendwie nicht zurechnungsfähig, wie schlecht erzogene Kinder, die alles nicht so meinen und sich über die Konsequenzen ihres Tuns nicht im klaren seien.

Es ist kaum fassbar, welchen demagogischen Einfluss diese Gutmenschenclique der ’68er in Deutschland, aber auch in Frankreich inzwischen hat. Man kann es mit der Inquisition vergleichen, die im Mittelalter jedes Abweichen von derr offiziellen Doktrin grausam verfolgte. Das Label „Nazi“ ersetzt dabei den Scheiterhaufen – wer einmal so tituliert wurde, der ist für Monate mundtot gemacht. Das fürchtet jeder, und die ’68er wissen es und nutzen es aus.

Dabei wissen sie nicht, oder wollen nicht wissen, dass sie von den Muslimen getäuscht werden. Diese sind keineswegs irgendjemandes Hilfstruppen, sondern entscheiden selbst, wann und gegen wen und wie sie losschlagen. Sie haben Europa im Jahre 1973 für sich geöffnet, als man auf höchster EG-Ebene entschied, in den vergifteten Apfel der arabischen Welt zu beißen, der vorsah, als Gegenleistung für weiterhin günstig fließendes Öl arabisch-islamische Parallelgesellschaften in Europa anzusiedeln, die selbstverständlich nach ihren eigenen Regeln würden leben können – inclusive Schari’a-Islam, exorbitanter, unsere Demographie massiv bedrohender Geburtenrate, Vollverschleierung (allen Erfolgen der europäischen Frauenbewegungen zum Hohn) und Großmoscheen inclusive Muezzinruf. Die Saat geht nun langsam auf und verändert Europa nachhaltig – eventuell wird die Deformation binnen 100 Jahren zum Verschwinden der europäischen Kultur geführt haben.
In Großbritannien kann man beobachten, wohin die Reise uns führen wird. GB ist in Europa das Land mit der aggressivsten und militantesten muslimischen Minderheit. Jeder hat die Hosen voll, keiner möchte diese Herrschaften provozieren, indem er etwas ihnen Unangenehmes sagt oder schreibt.

Man unterschätze nicht den Einfluss, den die faschistische Muslimbruderschaft in Europa inzwischen hat. Zwar gibt es keine Terroristen, wie Israel sie zuhauf an seinen Grenzen hat, doch hat sich das Muslimnetzwerk mit viel saudischen Petrodollars in die Zeitungen und in viele andere Bereiche eingekauft, sie sitzen in Banken und bestimmen deren Politik, sie unterhalten Schulen, führen Gerichtsprozesse, die unsere europäischen Gesetzsysteme schleichend der Schari’a anzugleichen versuchen – in GB gilt in muslimischen Communities bereits Sonderrecht. Gleiches gilt für Kanada, in Frankreich wird in den Banlieues unter anderem dafür gekämpft. Mittelfristig wird sich das Gesicht Europas sehr stark ins Islamische verwandeln, und die Handlungsspielräume für kritische Europäer werden zusehends kleiner.

Ich möchte keinesfalls die Situation Europas mit der von Israel vergleichen, aber man darf auch nicht glauben, Europa wäre die Heimat der Freiheiten (die sehe ich eher in den USA; Europa und speziell Deutschland kann mit „Freiheit“ wenig anfangen) und der Hort des Friedens, und man müsse sich wundern, warum die Menschen dort so ignorant gegenüber den Problemem Israels sind. Ihr könnt wenigstens das Militär gegen die islamische Bedrohung einsetzen, aber wie soll man gegen die klandestinen, wie Geheimbünde vorgehenden Muslimbrüder und ihren ebenso heimlichen wie geldstarken, illegitimen und hinterhältigen Einfluss vorgehen?

36. Lila - Mai 23, 2007, 10:34

Thatcher, ich bin nicht sicher, daß das von Dir entworfene Bild so stimmt, auch wenn ich Dir leider in manchem zustimmen muß: was die Angst der Europäer vor den Moslems, die versteckte Verachtung und die politisch-korrekten Sprachregelungen angeht. Auch der Antiamerikanismus und Antizionismus gehören dazu.

Ich glaube, die Propagandisten der immergleichen Feindbilder, von Journalisten der Süddeutschen bis zur „roten Heidi“ und Ströbele, sind selbst fest davon überzeugt, auf Seiten des Guten zu stehen. Sie sehen in den Arabern die Schwachen, die Wehrlosen, die Harmlosen, die man vor den weit überlegenen, brutalen Amerikanern und Israelis schützen muß. Ich weiß nicht, in wie weit das mit der Aufarbeitung der NS-Zeit zusammenhängt.

Wenn man sich ansieht, wie die NS-Zeit in den letzten Jahren doch wieder rehabilitiert wird und differenzierter gesehen wird – was ja grundsätzlich nicht schlecht ist – wenn man sieht, wie heutige Deutsche sich als Nachgeborene von Widerstandskämpfern definieren – dann bin ich nicht sicher, daß die political correctness Bestien im Zaum halten soll. Ihre Verbreiter sehen uns als die Bestien, nicht ihre Leser oder Wähler.

Aber inwieweit steht hinter der Islamisierung Europas ein Plan? Wie sah 1973 der Islamismus aus? Das war doch noch vor der Revolution der Mullahs.

Insgesamt neige ich weniger dazu, an eine „Verschwörung“ von Islamisten und 68ern zu glauben. Die 68er haben ja durchaus ehrenwerte Ziele gehabt und wir verdanken ihnen manches. Daß sie dem Islamismus gegenüber naiv sind und damit gekoppelt sehr, sehr selbstgerecht – das ist leider wahr. Trotzdem, guck Dir einen 68er wie Joschka Fischer an – seine Analysen zum Nahen Osten sind oft zutreffend und nicht von Vorurteilen verstopft.

Ich würde sagen, an der westlichen Gleichgültigkeit dem Islamismus gegenüber ist sogar eine Art Blindheit Moslems gegenüber schuld. Die ersten Opfer des Islamismus sind nämlich immer Moslems. Algerien. Daß die westliche Welt da nicht laut aufgeschrieen hat, war ein großer Fehler. Darfur ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Ein anderes der Irrtum der deutschen Friedensbewegung, den Interessen der Palästinenser zu dienen, indem sie sich für die Rechte der Terroristen einsetzen. (Wieso erhebt Pax Christi nicht die Stimme für die arabischen Christen im Heiligen Land? Wieso demonstrieren die immer gegen Israel? Will mir nicht in den Kopf, bin ich wohl zu blöd zu.)

Was in den Köpfen der Muslimbrüder und ähnlicher Leute vorgeht, das weiß ich nicht. Ich bin sicher, daß auch in deutschen Moscheen Dinge gepredigt werden, die den meisten Deutschen wirklcih Angst machen würden, wenn sie sie wüßten. Aber da schließt man lieber die Augen.

Ich kann den Deutschen dafür nicht mal böse sein. Guck Dir uns an, wir sind nach Oslo gefahren. Auch ich habe geglaubt, wir können eine friedliche Lösung finden, mit Nachgeben, mit Kompromiß. Grundsätzlich glaube ich immer noch, daß Menschen so miteinander umgehen sollten, im privaten Leben, im geschäftlichen und auch im politischen: fair, gleichberechtigt, kompromißbereit und großzügig. Daß das mit den Palästinensern leider nicht klappt, war für mich wie für die meisten Israelis ein böses Erwachen. Wir wollten das nicht einsehen.

Ich kann die Europäer gut verstehen, die das auch nciht einsehen wollen. So wie man sich einer unheilbaren Krankheit nicht gern ergibt. Da soll nichts zu machen sein? Nein, das kann nicht sein! Her mit den homöopathischen Tropfen, mit dem positiven Denken, irgendwas!

Ich sehe mir die Irrationalität, das unbegrenzte Gewaltpotential, die Selbstzerstörung der Araber untereinander an – und ich möchte verzweifeln. Was können wir ihnen entgegensetzen? Sie sind ja bereit, ihre Kinder verhungern zu sehen, nur um dem Westen eins auszuwischen. Die Wertesysteme sind so unterschiedlich, daß unsere Kategorien nicht mehr fassen.

Wirklich, ich sehe da ganz, ganz schwarz. Was seit der Räumung des Gazastreifens passiert ist, hat meinem Meliorismus den Todesstoß gegeben.

Und Europa? Wenn die Europäer bereit sind, ihre Kultur, ihre Werte, ihr Rechtssystem aufzugeben, aus Angst, „rassistisch“ zu sein – das würde mir sehr leidtun. Was muß passieren, bis Europa erwacht? Die spanische Reaktion auf die Anschläge von Madrid war leider nicht sehr ermutigend… und in England hat sich nichts geändert.

Der Untergang des Römischen Reichs. Ein Verfallsprozeß, zu dem viele Faktoren beitragen, unter anderem der sinkende Wille, das Eigene zu verteidigen. Eine Art moralischer Lähmung. So sehe ich das. Es kann noch lange dauern. Irgendwann werden die Leute nämlich doch krebenstig. Wenn es ans Eingemachte geht – aber was ist das Eingemachte? In manchen Orten ist es die Erbauung einer Moschee. Bei manchen Leuten ist beim Karikaturen-Spektakulum ein Äuglein aufgegangen, oder beim Papst-Reden-Drama.

Ich hoffe auf den harten, festen Kern in der europäischen Kultur. Auf eine Art Selbstbesinnung. Doch wenn Europa untergeht – nun, auch Rom ist untergegangen.

Und Am Israel? Solange Mirakulix der Zaubertrank nicht ausgeht…..

37. Thatcher - Mai 23, 2007, 13:02

Lila, du sprichst zwei Komplexe an, die irgendwie parallel verlaufen: ’68er und die Organisation ihrer Macht und die Muslimbruderschaft. Ich kann natürlich nicht vollumfänglich schildern, wie beides funktioniert, aber in groben Zügen glaube ich, es erfasst zu haben.

Zunächst die ’68er. Ihre theoretische Basis erhielten sie in den späten 60ern von linken Philosophen wie Sartre (der furchtbar blind auf dem linken Auge war, was die Verbrechen Maos und Ho-Chi-Minhs war), Habermas (damals, heute soll er ja etwas konservativer sein) und Dahrendorf (ein bis heute einflussreicher Pädagoge; er lehrte, dass der Mensch prinzipiell gut sei und höchstens durch äußere Umstände wie Armut und Elend schlecht würden), aber auch von Antonio Gramsci. Dieser Spätmarxist erkannte die „christliche Seele“ des Europäers als der Revolution hinderlich und entwarf daraufhin einen detaillierten Plan, wie man den Einfluss des Christentums in Europa zurückdrängen könne.

Und zwar wollte er das durch die Einführung anderer Moralen erreichen. Vor diesem Hintergrund betrachte ich inzwischen die ganzen Anstrengungen in Sachen Umweltschutz, Klimaschutz, Menschenrechte (sofern es die Rechte der angeblich guten Seite sind) und „political correctness“. Der Mensch will gerne gut sein und moralischen Vorgaben gerecht werden, denn es ist überlebenswichtig, besonders für Kinder, und es setzt sich ins Erwachsenenleben fort. Nur wer definiert, was „gut“ ist? Früher hatte diese Definitionsmacht die katholische Kirche, und wir wissen alle, wie sie diese missbraucht hat. Heute lernen die Kinder im Kindergarten, dass Umweltschutz gut, Rassismus böse, das Erwähnen der Menschenrechte gut, militärische Unterdrückung böse ist, und so fort. Später sorgt die einseitige mediale Information dafür, dass dieses schwarz-weiße Weltbild immer mehr gefestigt wird und die Konflikte der Welt stets vor dem Hintergrund der neuen Moralen gesehen werden – das Damoklesschwert, anderenfalls als Nazi zu gelten, steht als Drohung mit im Raum. So wird das feststehende Interpretationsschema, das zum Nachteil des Bürgerlichen, ergo des Westens, der USA und – da es als imperialistisch und unmenschlich wahrgenommen wird, auch Israels – konstruiert wurde, immer fester betoniert.

Der Einfluss der christlichen Kirchen ist stark zurückgegangen (was anj sich ja begrüßenswert wäre eingedenk der Fehlleistungen), doch die Menschen hören nicht auf, religiös zu sein. Wenn sie es auch nicht mehr im christlichen Sinne sind, so sind sie weiterhin sehr religiös, bis hin zum Fundamentalismus, im Sinne der neuen Öko- oder Menschenrechtsreligion, die aus strategischen Gesichtspunkten von der „Oberkirche“ der Sozialisten eingeführt wurden und deren Protagonisten jene kaum fassbare psychologische Macht in die Hand gibt, über die früher Päpste und Priester verfügten.

Nun zu den Muslimbrüdern. Dort ist die Situation um ein Vielfaches verfahrener, weil sich dort die neue faschistische Ideologie mit der alten muslimischen Herrschaftstradition nahtlos verbindet und aus dieser Wurzel ein konkreter Plan zur Expansion hervorgegangen ist. Der Islam war niemals eine wirklich „offene“ Religion, ist es zumindest seit dem Hochmittelalter nicht mehr. Wer intelligent und gebildet war, tat stets gut daran, sich nicht allzu stark öffentlich zu äußern, denn die Schergen der orthodoxen Machthaber waren nie weit und drohten mit dem Tod. Statt dessen entwickelte sich eine Geheimniskrämerei der Islamgelehrten. Die 1928 gegründeten Muslimbrüder waren keine Primitivlinge, sondern hervorragend gebildete Männer, und sie hatten den „Willen zur Macht“. Sie wussten aber, dass sie diese im Verborgenen würden anstreben müssen, durch Unterwanderung der Machtsphären zunächst der islamischen, danach der restlichen Welt. Ersteres haben sie inzwischen geschafft – die weltweite Rückbesinnung auf den Islam ist eine Konsequenz. Die Muslimbrüdern stecken hinter allen möglichen Organisationen, friedlichen wie terroristischen, weltlichen wie religiösen, akademischen wie volkstümlichen. Weil es im Islam eine jahrhundertelange Geschichte von Willkür und Gewissenlosigkeit gibt und die Muslimbrüder immer sagten, sie vertreten die Tradition, entwickelte sich niemals nennenswerter Widerstand gegen diese Form der Machtergreifung.

Zufrieden sind sie mit dem Erreichten aber noch lange nicht, schließlich stammt der Auftrag, die Welt zu islamisieren, von Mohammed bzw. Allah persönlich. Aufgrund ihrer Intelligenz und Anpassungsfähigkeit schafften sie es, die kulturelle Grenze zum Westen zu überschreiten, ohne dabei ihre Grundabsicht aufzugeben. Im Gegenteil, das Einschleichen und geschickte Täuschen und Lügen ist ihr Metier. Sie erdreisten sich rücksichtslos die Sprecherpositionen über islamische Zuwanderer, und diese sind vergleichsweise ahnungslos und politisch desinteressiert, während die MB eloquent und lügnerisch vorgibt, die Traditionen und muslimische Interessen zu vertreten. Es ist wie mit der Machtergreifung der Nazis: Eine vergleichsweise kleine, skrupellose Gruppe täuscht eine weitgehend desinteressierte Mehrheit, erschleicht sich die Macht und setzt ihr Programm um. Dass es sogar persönliche Verstrickungen zwischen den Original-Nazis und den Muslimbrüdern gibt (Großmufti Amin al-Husseini, Freund von Hitler und nebenbei Arafats Onkel, war MB), verdeutlicht die unheilige Allianz.

Den Plan zur Unterwanderung des Westens ist gut vorbereitet. Houari Boumedienne, algerischer Staatschef, sagte 1974 Folgendes: „Eines Tages werden Hunderttausende von Menschen die südliche Hemisphäre verlassen und in die nördliche eindringen. Sie werden nicht als Freunde kommen, sondern sie werden sie erobern. Der Bauch unserer Frauen wird uns den Sieg schenken.“ Bei dem Durchdringungsgrad, den die Muslimbrüder in der arabischen Welt unter den Staatsmännern bereits hatten, ist es unmöglich, dass sie an dem „Kapitulationsvertrag“, den die Europäer zur Beilegung der Ölkrise unterzeichnen mussten, nicht beteiligt waren.

Und man muss sagen, dass sie diese Chance beeindruckend gut genutzt haben. Schon in den 80ern waren die wichtigsten Moscheegemeinden Deutschlands unter ihrer Kontrolle, der bayerische Verfassungsschutz (der erste, der das Problem erkannte) erfuhr erst 10 Jahre später davon. Und unser Staat hört nicht auf, die Bedrohung zu ignorieren, und schafft weitere Chancen für die Muslimbrüder: die Islamkonferenz, der neugegründete, mit zusätzlicher Repräsentativität ausgestatette „Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland“, die Einräumung islamischen Religionsunterrichts, die Einrichtung islamischer Studiengänge an europäischen Universitäten und was noch so alles im Gerede ist. Wenn Wolfgang Schäuble sagt „Der Islam muss in Deutschland integriert werden“, so übernimmt er – anscheinend völlig naiv – islamistische Formulierungen.

Es ist dennoch symptomatisch für die Gesamtsituation: Eine klandestine, verlogene, aggressive und völlig skrupellose Gruppe trifft auf eine europäische Gesellschaft, die an Naivität und „guten Absichten“ kaum zu übertreffen ist und sich geradezu davor fürchtet, die Dimension des Problems zu erfassen. Ich glaube fast, der Satz „Die Geschichte wiederholt sich nicht“ ist falsch. Sie wiederholt sich, aber während alle sie im braunen Gewand zurückerwarten, erscheint sie im grünen Gewand, was anscheinend ausreichend ist, um die Entwicklung komplett zu verschlafen.

38. Thatcher - Mai 23, 2007, 17:39

Sehen die ’68er ihre „Schäfchen“ wirklich als die „Guten“ an? Ich denke, das beschränkt sich eher auf sie selbst, die sie die Weisheit als Einzige mit Löffeln gefressen zu haben glauben, um damit alle anderen umzuerziehen. Um ihr Wertesystem zu verstehen, muss man in ihre Entstehungszeit zurückgehen. Damals waren sie heißspornige junge Männer, die aus dem Babyboom hervorgegangen waren, den die Nazis mit ausgelöst hatten. Sie wussten um die Verbrechen der Nazis (denn das wurde in Deutschland nicht tabuisiert, wie etwa in der Türkei heute noch ein Verbrechen begeht, wer den Armeniermord erwähnt), waren aber mit einer Gesellschaft konfrontiert, die sich nicht persönlich mit den Greueln auseinandersetzen wollte und zum Teil auch persönlich in Verbrechen verstrickt war. Als die Alliierten im Zuge des Kalten Krieges die Entnazifizierung lascher handhabten, war der Ehrgeiz deutscher Ermittler, die selber einiges auf dem Kerbholz hatten, sehr mäßig.

Dazu kam der Vietnamkrieg, noch mehr aber dessen Rezeption durch die jungen Leute in den USA: ein hart und grausam geführter Krieg, bei dem den Berichterstattern, wie im II. Weltkrieg, kaum oder keine Beschränkungen auferlegt wurden. Was propagandistisch an der Heimatfront ’41 – ’45 noch gewirkt hatte, ging nun völlig nach hinten los, denn das südvietnamesische Regime erschien als eine Despotie, die amerikanischen Soldaten als deren Helfershelfer und das vietnamesische Volk nicht als böse Kommies, sondern als arme Bauern, die in Ruhe gelassen werden wollten.

Das griffen die pathetisch auftretenden „studentischen Wortführer“ auf, die – ohne Zweifel – kommunistisch geschult waren. Moskau und Ost-Berlin kannten ihre Namen und zahlten vielleicht auch Geld; was damals als „böswillige Unterstellung seitens der Reaktionären“ hingestellt wurde, war so unzutreffend nicht. Sie stellten sich als das neue moralische Gewissen Deutschlands dar, das die eigenen Väter anklagte und endlich aufräumen wollte mit den Kontinuitäten der Adenauer- und Erhard-Zeit.

Doch sie waren keineswegs strahlende Helden; sie beherrschten das schmutzige Geschäft genauso hervorragend wie alle anderen. Es geht ja nicht so sehr um wirkliche Moral, sondern eher um den Anschein, moralisch zu handeln, und damit seine Gegner zu zermalmen. Und dann starteten sie ihren „Marsch durch die Institutionen“, der 1998 mit dem Wahlsieg Schröders und Fischers seinen Triumph feierte.

Beide, Schröder und Fischer, sind voller Widersprüche und würden – wären sie nicht in der Politik so erfolgreich gewesen – wohl als gescheiterte Existenzen bezeichnet werden. Fischer ist tatsächlich sehr klug, doch seine Einsichten passen partout nicht mit seinem Handeln zusammen. Die Demagogie, mit der er 1999 Deutschland in den Kosovo-Krieg trieb, war sein Meisterstück, denn er musste dafür, dass den Landräubern, Brandstiftern und Zerstörern serbischer Kultur von der UCK militärisch auch noch geholfen wurde, den urgrünen Grundsatz der Gewaltfreiheit aufgeben. Es war dennoch kein Bruch mit den grünen Zielen: das Kosovo ist schließlich nur der Präzedenzfall für das multikulturelle Menschheitsexperiment, das in Europa veranstaltet wird.

Eine andere Geschichte, die stark beachtet wurde, waren die Vorgänge im Außenministerium. „Zugunsten der Reisefreiheit“ wurde zahlreichen Leuten mit zwielichtigen Absichten gestattet, nach Deutschland zu kommen. Es fielen fast alle Beschränkungen, ohne dass es an die große Glocke gehängt worden wäre. Schließlich hatte Fischer in einem seiner Bücher geschrieben, dass „Deutschland durch Zuwanderung von außen heterogenisiert, quasi verdünnt“ werden müsse. Anscheinend hat er sich vor dem, was er für „deutsch“ an den Deutschen hielt, so sehr gefürchtet, dass er einen schweren Eidbruch zum Schaden des inneren Friedens und der Sicherheit Deutschlands beging, um seinen Plan zu verwirklichen.

Nietzsche hatte geschrieben, dass die Verkommenen und Niedrigen über das Edle und Erhabene nur dadurch siegen könnten, indem sie es schwächen und krank machen. Er bezog das auf das Christentum, das sich an den Werten des Römischen Reiches vergangen hätte. Die ’68er triumphierten mit einer ähnlichen „Wir sind die Guten und wer gegen uns ist ist böse“-Strategie über die Nationen Europas. Die Konsequenzen sind heute kaum abzusehen, werden aber in jedem Fall furchtbar sein.

Was mich wundert, was ist eigentlich 1968 in Israel los gewesen? Wie wurde der Vietnamkrieg in der Öffentlichkeit dargestellt, gab es überhaupt keine linken Studentenproteste oder schreckte der andauernde Konflikt mit den Arabern davon ab, dort Ähnliches wie in Europa ins Werk zu setzen? Mir scheint, als sei Israel von der „’68er-Epidemie“ nicht infiziert worden. Zum Glück hatte es wohl ein starkes Immunsystem, denn ähnliche Vorgänge wie in Europa hätten in Israel schon längst zur Vernichtung geführt.

39. pakapaka - Mai 28, 2007, 23:06

hallo zusammen – (ich habe nur den anfang der diskussion gelesen und den rest nur grob überflogen, meine aber trotzdem unbedingt meinen senf dazu geben zu müssen…)ich war die ersten zwei maiwochen in sderot um da einen dokufilm drüber zu drehen und stimme allen aussagen über mediale unterpräsenz und ungenauigkeit zu und halte das auch für fatal, weil: israel als agressor hingestellt. aaaber: habe mich etwas an verallgemeinernden formulierungen betreffs der palästinenser gestört. es sympatieren ja nicht alle (wie viele wär interessant!!) mit hamas, islamischer jihad oder al aksa die da wohnen. nur zwei beispiele: letztens (ich glaube) bei heute journal gesehen, wie sich ein palästinenser dessen haus von der idf zerstört wurde tierisch aufgeregt hat und zwar nicht etwa über israel sondern über hamas und auch fatah. und andersrum: als ich in sderot war, sind wir zur grenze gefahren um da mit palästinensern die rüberkamen zu reden- haben gefragt was die vom kassambeschuss sderots halten und stießen auf (ich meine ehrliches) erstaunen – was echt, das gibts, so etwa. woraufhin sich mir die vorstellung aufdrängte: jemand weiß garnicht dass kassams geschossen werden und erlebt dann die idf-aktionen, der muss sich na klar denken israel ist der teufel schlechthin…schade dass es lebensmüde wär, da mal persönlich vorbei zu schauen. wenn jemand mehr infos hat wär super.

40. beer7 - Mai 29, 2007, 9:05

pakapaka,

die Behauptung nichts vom Kassambeschuss aus dem Gazastreifen zu wissen, ist absoluter Bloedsinn. Die Geschosse zischen, waehrend sie in der Luft sind und die Einschlaege sind ebenfalls nicht gerade leise. Die Entfernungen betragen immer nur ein paar Kilometer. In den pal. Medien wird auch stolz ueber die Erfolge berichtet.

Du hast Dir ein X fuer ein U vormachen laessen.

41. pakapaka - Juni 1, 2007, 13:26

liebe beer7,
ich glaube nicht dass man in gaza stadt das zischen der kassams hört, da muss man doch etwas näher dran sein. und knallende geräusche gibt´s dort ja insgesamt viele, wenn vorher kein alarm kam, war ich mir auch nie sicher ob ein knall eine kassam war, die irgendwo in der pampa eingeschlagen war oder sonst was. dass die leute über die medien darüber bescheid wissen müssten ist allerdings wahr…ob dies tatsächlich bei allen der fall ist würde ich jetzt aber auch nicht beschwören wollen…also „absoluter blödsinn“ find ich ein bißchen hart 😦

42. grenzgaenge - März 9, 2008, 18:17

http://www.n-tv.de/931158.html

„Friedenstruppe für Nahost
Nur eine Illusion

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem

In keiner anderen Region der Welt gibt es so viele Friedenstruppen wie in Nahost. Die UNTSO beobachtet seit 1949 den seitdem dutzende Male gebrochenen Waffenstillstand zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Die UNDOF steht seit 1974 im Niemandsland zwischen Israel und Syrien auf den Golanhöhen. Die UNIFIL wurde nach einer Invasion der Israelis 1978 in den Südlibanon eingerichtet, um den Abzug der Israelis und das Vorrücken der libanesischen Armee zu beobachten. Doch die libanesische Armee rückte erst 2006 nach einer weiteren UNO-Resolution vor. Israel hatte sich schon im Jahr 2000 zurückgezogen, was aber den Libanonkrieg von 2006 nicht verhindern konnte.“

(…..)


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