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Immer wieder April 26, 2007, 20:38

Posted by Lila in Land und Leute.
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Die Studenten streiken immer noch, die Lehrer an den Schulen mal ja, mal nein. Die Lehrer sitzen nur zuhause, oder wo auch immer sie sein mögen, die Studenten aber demonstrieren.

Und wieder werden sie von Polizisten brutal zusammengeschlagen. Auch Journalisten, darunter bekannte Figuren, die die Polizisten bestimmt erkannten, werden angegriffen. Die Bilder von Polizisten, die Studenten und Studentinnen regelrecht prügeln, kehren allzu oft wieder. Beim langen, legendären Streik vor neun Jahren, als Sara Netanyahu den Studenten Pizza anbot (damals war Bibi PM), wurden Studenten krankenhausreif geschlagen, und zwar systematisch. Die Polizisten weigern sich auch oft, ihren Namen anzugeben – obwohl sie dem Gesetz nach dazu verpflichtet wären.

Und nicht nur in Israel geht die Polizei auf Studenten los, als seien sie Staatsfeinde. Stimmt, unsere Polizei legt erstaunlichen Eifer an den Tag, wenn es darum geht, Demonstranten aller Art zu knüppeln oder zu schubsen. Man würde ihnen den gleichen Eifer wünschen, wenn es um die Aufklärung von Verbrechen aller Art geht – da gab es schon öfter peinliche Pannen. Gut, sie sind überarbeitet und unterbezahlt, und viele von ihnen tun ihre Arbeit in aller Stille und Treue, und manche haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um andere zu retten. Das weiß ich ja alles. Aber es gibt eben auch die Polizisten, die brutal auf Demonstranten losgehen.

Ob es demonstrierende Araber sind oder Siedler – wir haben immer wieder solche Bilder gesehen. Doch besonders gegen Studenten laufen sie zu großer Form auf, unsere hellblauen Freunde. Als wären Studenten und Polizisten Urfeinde.  Mir scheint, da braucht jemand ein paar Nachhilfestunden.

Kommentare»

1. eran - April 26, 2007, 21:07

Gestern waren die Zusammenstöße besonders Hart. Ich habe aber den Eindruck gehabt, dass gestern ein Ausnahmefall war. Das Polizei besonders gewalttätig gegenüber Studenten vorgeht im Vergleich zu andere Protestgruppen sehe ich eigentlich nicht.

2. Lila - April 26, 2007, 21:11

Du bist vielleicht zu jung, um Dich an die Ereignisse vor neun Jahren zu erinnern. Das war entsetzlich. Natürlich hat die Polizei auch in Nazareth und den „orangen“ Demos vor einem Jahr überreagiert.

Wie siehst Du eigentlich israelische Nachrichten? Internet oder Kabel oder Telepathie? Und welchen Kanal? (Jedenfalls nicht 1, die haben gerade erst die Budke aufgemacht).

3. willow - April 26, 2007, 21:55

Ist hoffentlich bei euch anders… hier weiß ich von beiden Seiten (im konkreten Fall Atomkraftgegner & Polizisten – kenne Leute aus beiden Lagern), daß sie sich letztlich auf Randale und Brutalität freuen. Abartig.

Aber: Letztens hat ein Polizist sogar den Jungs von der Gegenseite paar Kästen Bier ausgegeben, weil sie seine verlorengegangene Dienstwaffe ohne großes Aufsehen abgegeben haben…

PS:Hatte gegen Ende der DDR paarmal mit „übereifrigen“ Sicherheitskräften zu tun, das war kein Spiel.

4. Lila - April 26, 2007, 22:07

Also, ich kenne ja die Studenten ein bißchen und kann auch das Publikum einschätzen, das ich im Fernsehen sehe. Das sind in der Mehrzahl absolut friedliche und harmlose Kinder. Besonders die Mädchen – ich sehe das sehr ungern, wie die Mädchen verprügelt werden. Und die Journalistin – die ist bestimmt nicht für die Randale hingegangen.

Unsere Polizei hat ein paar Probleme, das weiß ich auch von einer früheren Chefin, die jahrelang an der Polizeiakademie einen Kurs über Menschenrechte und Toleranz gelehrt hat – übrigens ehrenamtlich.

5. Carsten - April 26, 2007, 22:08

Studenten und Polizisten sind Urfeinde, oder? Der Eindruck entsteht zumindest immer wieder – wobei ich jetzt mangels Wissen gar nicht von Israel sprechen kann. Aber selbst hier in Deutschland, wo zwar die Zeit des blinden Zusammenknüppelns (zumindest in dieser Extremform – Knüppeln ist und bleibt wichtige Aufgabe des Bereitschaftspolizisten) am vorübergehen scheint (Ausnahmen bestätigen hierbei wieder einmal die Regel), sind es doch immer wieder diese beiden Gruppen, die besonders hart aneinander geraten. Das scheint mir eine klassische Rollenverteilung zu sein.

Willows Beobachtung, dass man sich auf beiden Seiten teils auf die Keilereien freut, kann ich bestätigen – habe das ebenfalls schon von beiden Seiten gehört.

Was mir aufgefallen ist ist, dass Polizisten hierzulande keine Schilde mehr tragen, nur noch Knüppel…

6. eran - April 26, 2007, 22:23

„Du bist vielleicht zu jung, um Dich an die Ereignisse vor neun Jahren zu erinnern.“

Naja, mit 31 nicht mehr so ganz Jung 😉

Aber die Ereignisse sind mir wirklich nicht so präsent.

„Wie siehst Du eigentlich israelische Nachrichten? Internet oder Kabel oder Telepathie? Und welchen Kanal? (Jedenfalls nicht 1, die haben gerade erst die Budke aufgemacht).“

Nachrichten kann man, ob Aruz 10, Aruz 2 oder Aruz 1 über Internet schauen. Teilweise auch Aufzeichnungen. Ansonsten gibt es eine Leiste (http://radioisrael.lihi.co.il/) mit praktisch alle Radiosendern, Kurznachrichten, Maariv, Jediot usw.

7. willow - April 27, 2007, 9:14

„Das sind in der Mehrzahl absolut friedliche und harmlose Kinder.“

Dann ist ein solches Verhalten der Sicherheitskräfte eines demokratischen Staates unwürdig. Auch wenn möglicherweise aufgrund der allgemeinen Lage bei den Sicherheitskräften die Nerven blankliegen, soetwas darf nicht passieren. Wie werden solche Ereignisse vom „einfachen Volk“ diskutiert? Irgendwie ist das ja doch eine Belastung für den Zusammenhalt in einer Gesellschft… Israel iss ja nicht Weißrussland oder so.

8. Lila - April 27, 2007, 9:21

Wer selbst Student war oder Studenten in der Familie hat, ist empört wie ich und schimpft auf die Polizisten (auch wenn ich wie viele andere den Streik für sinnlos halte – Protest ist berechtigt, weil Versprochen gebrochen wurden, aber Studenten-Streik ist idiotisch).

Wer keine Studenten kennt – nun, der wird sich wohl denken, was diese Schnösel wollen? Nicht arbeiten und vom Steuergeld sich einen schönen Lenz machen und dann als Akademiker automatisch Chef werden? Ist doch in Deutschland ähnlich – da identifiziert sich längst nicht jeder mit den Anliegen von Studenten. Und das ist auch verständlich. Jeder Stand hat seine eigenen Interessen. Was hat der Lehrling oder Arbeiter davon, wenn der Student billiger studiert? Das muß ihm erstmal jemand erklären, daß er da sehr wohl was von hat. Spätestens, wenn er seine eigenen Kinder zur Uni schicken will.

Unsere Bildungsministerin ist ja selbst Professorin, und sie hat sich auch empört. Wir hatten schon Bildungsminister, denen das gar nichts ausmachte, was mit den Studenten läuft. Leider kann sie die Gelder nur verteilen, aber bekommt ihr Budget auch nur zugeteilt.

Wenn die israelischen Nobelpreisträger mal vor die Kameras gingen und offen erklärten, wie sich die akademische Bildung und Kreativität zugunsten der gesamten Gesellschaft auswirken, das würde vielleicht mehr helfen.

Und die Polizei? Tja, so ne und solche, wie überall. Gestern erzählte mir eine Freundin, daß die meisten Übertretungen des Straßenverkehrsgesetzes von Polizisten begangen werden.Sie haben vielleicht eine Neigung, sich als über dem Gesetz stehend zu begreifen? Wäre jedenfalls nichts Neues, wenn sie das Gewaltmonopol etwas gewaltsam auslegten.

Wobei ich, wie gesagt, bei meinen eigenen Begegnungen mit der Polizei (kenne da einige) nur tüchtige und feine Leute kenne.

9. eran - April 27, 2007, 10:04

„Wenn die israelischen Nobelpreisträger mal vor die Kameras gingen und offen erklärten, wie sich die akademische Bildung und Kreativität zugunsten der gesamten Gesellschaft auswirken, das würde vielleicht mehr helfen.“

Besonders im Hinblick darauf, dass Israels wirtschaftliche Zukunft von wissensintensiven Branchen abhängig ist.

10. Lila - April 27, 2007, 10:06

Eben. Ich sage ja immer, unsere Ölquellen, so üppig sie auch aussehen, werden ja nicht ewig sprudeln 😉

Und als Geisteswissenschaftlerin finde ich, auch was sich nicht direkt in Exportschlager verwandeln läßt, ist für die Gesellschaft wichtig. Das muß den Leuten nur mal jemand erklären, daß ohne die Arbeit von Geisteswissenschaftlern kein Gedenktag und kein Fest Sinn hätten, daß man ohne die Aufarbeitung menschlicher Spuren in der Kultur blind durch die Welt tappen würde und nicht mal wüßte, wieso die Flagge so aussieht, wie sie aussieht. Auch wer sich nicht für Kunst, Literatur oder Geschichte interessiert, profitiert davon, daß es sie gibt.


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