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Aus Haaretz Januar 22, 2007, 20:59

Posted by Lila in Land und Leute.
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Gestern: zwei Qassams, drei Mörsergranaten. Heute: bisher fünf Qassam-Raketen. Für einen Waffenstillstand keine schlechte Bilanz, würde ich sagen. (Pardon wenn ich zynisch werde).

Kommentare»

1. grenzgaenge - Januar 22, 2007, 21:12

nun ja, hast du wirklich was anderes erwartet, lila ? tut mir leid, aber der rueckzug aus gaza scheint sich doch nicht als positiv zu erweisen. es geht mir wirklich nicht darum recht zu haben (falls du mir das glaubst) und ich habe natuerlich meine eigenen gruende gegen diesen abzug zu sein wie du weisst. aber jetzt sind das alles ohnehin diskussionen ohne sachliche grundlage, denn es denkt wohl niemand ernsthaft daran gaza wieder zu annektieren und zu schauen was passiert, oder ? g“tt alleine wird wohl frieden bringen koennen und das nicht mehr zu unserer zeit ….

grenzgaenger

2. Lila - Januar 22, 2007, 21:16

Hast Du hier in der letzten Zeit mal mitgelesen???

Übrigens bin ich nach wie vor froh, daß wir Gaza geräumt haben.Wer weiß, wie viele Menschenleben dadurch geretttet wurden. Hast Du mal nachgerechnet? Im Gazastreifen sind viele Soldaten und Zivilisten gefallen.

Ich war nämlich nicht für die Räumung, weil ich dachte, sie ist gut für die Palästinenser (obwohl sie das durchaus hätte sein können, und ich es den Bauern dort sehr gegönnt hätte). Ich war und bin für die Räumung, weil sie gut ist für uns.

Daß die Anderen das Falsche tun, sollte uns nicht daran hindern, das Richtige zu tun.

3. beer7 - Januar 22, 2007, 23:25

Lila,

ich waere mir nicht so sicher, dass die Rechnung, wenn jemand sie ordentlich durchfuehren wuerde, unter’m Schlusstrich ergibt, dass der Abzug aus dem Gazastreifen zu unseren Gunsten war. Es kommt natuerlich auch sehr darauf an, wann der Schlusstrich gezogen wird. Der Abzug aus dem Suedlibanon wurde bis letzten Sommer ueberwiegend als positive Bilanz gesehen. Manche Leute fuehrten zwar den Beginn der sog. 2. Intifada u.a. darauf zurueck, dass die Palaestinenser dem Beispiel der Hisbollah folgten. Aber an der Nordgrenze blieb es meist ruhig und die Zahl der Todesopfer war deutlich niedriger als in der Zeit, als die Pufferzone besetzt war. Der Krieg im vergangenen Sommer aber hat diese positive Bilanz in Frage gestellt. Offensichtlich hat die Hisbollah die Zeit seit dem Abzug zur Aufruestung und Vorbereitung genutzt. Wenn unsere Toten seit dem Abzug aus dem Suedlibanon inkl. der Toten im Krieg auf die Jahre umgerechnet werden, ist die Bilanz negativ.

Dein Abschluss erinnert mich ein bisschen an die Haltung Ghandis zum Holocaust.

4. Lila - Januar 22, 2007, 23:54

Eigentlich wollte ich hier nur, wie ich das alle paar Tage mache, in Erinnerung rufen, daß die Qassams fallen, auch wenn die Musen schweigen.

Die Hisbollah hat auch schon gerüstet, als wir noch da saßen. Haben ihren Kram halt ein bißchen weiter nördlich untergebracht. Die Syrer sind sowieso bewaffnet. Die paar Kilometer, ob die uns retten? („baada baada baada Haifa…“) Schwer zu sagen. Ich kann da nicht alles sagen, was ich denke.

Vielleicht haben wir unsere Rückzüge ungenügend abgesichert oder zu hastig durchgeführt, so daß wir damit die Illusionen („wir haben sie in die Flucht geschlagen“) gefüttert haben. Vielleicht hätten wir im Libanon nicht eine Generation lang bleiben sollen. Vielleicht kann die andere Seite auch einfach nicht verstehen, daß ein Rückzug ebenso wie ein Rücktritt Zeichen von Stärke sein kann, nämlich von Demokratie. Vielleicht haben wir auch nicht hart genug auf Grenzverletzungen aller Art reagiert – nach einem Rückzug ist nämlich so eine Grenzverletzung casus belli, in jedem Fall. Wir haben vielleicht jedesmal zu lange gewartet mit einer Reaktion, und die Reaktion dann zu lange ausgewalzt. Zu oft gedroht, zu viele fashlot. Wir haben bestimmt nicht alles richtig gemacht…

Wir werden sehen. Raus müssen wir sowieso, das ist zumindest meine Sicht der Dinge. Die Frage ist, wann und wie und zu welchen Bedingungen. Leider machen uns die Palästinenser wirklich die ganze Sache sehr schwer. Selbst ich fühle nicht die geringste Lust, mich ab nächstem Sommer in Beschuß von Jenin zu sonnen.

Für eine ordentliche Analyse muß man eigentlich auch genauer zwischen Libanon und Gaza unterscheiden, zwischen Hisbollah und Hamas.

Nein, wenn ich mir in Erinnerung rufe, unter welchen Bedingungen die Siedlungen im Gazastreifen gehalten wurden und wie gefährdet sie jederzeit waren, wenn ich mich an die vielen, vielen „Zwischenfälle“ erinnere, kann es mir nicht leidtun, daß wir sie geräumt haben. Das war eine weiche Stelle, die wir uns hier nicht leisten können. Wir brauchen klare Grenzen, die wir auch verteidigen können. Aber nicht mehr dieses Mischmasch.

5. Lila - Januar 22, 2007, 23:56

Oh, und zum Beginn der 2. Intifada habe ich meine ganz eigene Theorie. Durban, Camp David, Libanon – da spielen viele Faktoren mit. Leider werde ich nicht mehr erleben, wie Historiker diese Sache in 150 Jahren beurteilen.

6. beer7 - Januar 23, 2007, 9:34

Lila,

ich bin ganz Deiner Meinung. Fruehestens in 50 Jahren werden ernsthafte historische Analysen moeglich sein. Mein Einwand kam nur, weil Deine Behauptung, der Rueckzug aus dem Gazastreifen sei auf jeden Fall zum Vorteil Israels gewesen, etwas zuviel Sicherheit vermittelte.

7. schmetterlingsfrau - Januar 23, 2007, 15:53

Ich war, war!, glühend für den Abzug. Eigentlich waren es alle um mich herum, alle für Kadima, Scharons Vision. Damals war das so, daß niemand die Farbe Orange tragen wollte, weil es sofort Witze auf sich zog. Na gegen Hitnatkut. Die Wahlen wurden dann ja vorgezogen, ausgerechnet auf einen Termin, an dem wir schon lange zuvor eine Reise gebucht hatten. So kann ich jetzt wenigstens sagen: Ich habe die Bagage nicht gewählt! Der letzte Sommer hat gezeigt, daß es nichts bringt, Kontrolle aufzugeben.

8. Eva - Januar 23, 2007, 16:16

Gut, dass Du immer mal wieder erinnerst, wie Israel fast tagtaeglich angegriffen wird. Denn nur selten hoert man davon in den deutschen Medien, meist, wenn Israel Massnahmen ergreift. Ich bekomme meist einen dicken Hals bei der Berichterstattung, denn die israelische Reaktion wird in den Vordergrund gestellt und die initiative Aktion so oft komplett ausgeblendet.
Ja, der Abzug aus Gaza war prinzipiell gut fuer Israel – Schade, ja fatal, dass es die Palaestinenser anders verstehen und es als ihren Sieg, Ergebnis ihres Widerstandes, definieren.

9. Lila - Januar 23, 2007, 16:54

Tja, schwer zu sagen. Mich hat an der ganzen Räumung auch vieles gestört, unter anderem, daß es hauruck ging, daß nicht auf lange Zeit geplant wurde und vieles andere mehr. Ich erinnere mich übrigens, daß Zyniker genau dieses Szenario vorausgesehen haben: mit ihrem Verhalten ersparen die Palästinenser selbst uns weitere Räumungen. Es gibt Leute, die behaupten, das war Sharons heimliche Absicht…. was ich gruslig fände.

Time will tell.

10. schreihals - Januar 25, 2007, 19:09

einfach nur schade.

11. grenzgaenge - Januar 25, 2007, 20:43

was GENAU ist “ einfach nur schade“ ?

schabbat schalom, grenzgaenger


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