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Nur Murks – November 29, 2006, 17:22

Posted by Lila in Land und Leute.
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wird in Israel getrieben, stöhnt heute Uzi Benziman in Haaretz. Wer Israel kennt, weiß, wovon er redet. Die Eisenbahnen kommen nicht pünktlich an oder entgleisen gar, die Klamotten ribbeln sich von innen auf, wenn im Laden was reklamieren will, muß man sich mit muffligen, inkompetenten Ladenfräuleins oder -herrleins rumärgern, und zum Kampf mit der Bürokratie möchte man gern einen Drachentöter mit dichter Rüstung schicken, so schrecklich ist das.

(Benzimans Ausführungen zu Armee und Polizei sind noch schärfer: ich habe mir zwar geschworen, die hier pausenlos be-nachrichtigte Flucht eines gefährlichen Vergewaltigers aus dem Gefängnis zu ignorieren, aber ebenso wie andere Fehlleistungen steht allzuoft diese Murks-Mentalität dahinter.)

Dann wundert einen, daß gleichzeitig israelische Ärzte geniale neue Behandlungsmethoden erfinden (und wie ironisch ist der Gedanke, daß auch die größten Boykotteure und Hasser davon profitieren können!), die Hi-Tech-Branche blüht und boomt, und unsere Wissenschaftler bringen nette kleine Nobelpreise nach Hause. Was sind wir denn nun, Wunderkinder oder Würste?

Ich weiß es nicht. Vermutlich beides. Heute früh wurde diese Frage jedenfalls ganz aktiv. Ich hatte absolut keine Lust, zur Arbeit zu gehen, weil zuhause noch so viel anderes auf mich wartete. Und da wurde doch tatsächlich in den Nachrichten verkündet: Generalstreik! Auch mein Arbeitgeber wird bestreikt. Ohne Zögern schloß ich mich dem Streik an und gab mich der Arbeit am heimischen Schreibtisch hin, innerlich das 1976er Gefühl wieder in mir spürend – erinnert sich außer Großtante Lila noch jemand an diesen Hitzefrei-Sommer? Oh Jubel! Bis irgendwann die Sekretärin anrief, wo ich denn bleibe. Wie was, ich dachte, es wird gestreikt! Hm ja, eigentlich wird auch gestreikt, aber ein paar Leute arbeiten trotzdem. Na gut, kein Beinbruch, komme ich eben morgen.

Aber da dachte ich mir, Benziman hat doch recht. Nicht mal einen vernünftigen Streik, der mir erlauben würde, den Reisberg auf meinem Schreibtisch aufzufressen, bringen diese Israelis fertig! Empörend.

Kommentare»

1. graphodino - November 29, 2006, 17:42

Ob das nur in Israel so ist? Ich weiß ja nicht . Erinnert mich auch irgendwie an die Täterä. Beides Länder an Grenzen zwischen Systemen… – Sorry!

2. Lila - November 29, 2006, 18:18

Graphodino, (übrigens ein besonders schöner Nick) warst Du schon mal in Israel….? Dann wüßtest Du, daß es kaum eine größere Unähnlichkeit gibt als zwischen der DDR und Israel. Und bei Benziman wird auch genau erklärt, woraus der Murks in Israel entsteht:
Israel has a different national stamp. As opposed to American professionalism, Israel has fostered the ethos of the off-the-cuff solution. As opposed to blind obedience to procedures, Israel has raised the banner of creativity. Not squareness, but suiting ourselves to the circumstances.
Over the years these characteristics Israel has adopted have undergone a pathological change: Operational flexibility has become carelessness, freedom of action in fulfilling the mission has become irresponsible shoddiness.
Also, gerade aus der Weigerung, zu tun, was in der DDR oberstes Gebot war, nämlich Anweisungen auszuführen… genau daraus entsteht hier das Chaos. Wenn wir eine Weltkarte des Murks entwerfen, ist Israel eher Italien ähnlich (wenn meine Freunde, die dort leben, nicht maßlos übertrieben haben…).
Und welche Grenze zwischen Systemen siehst Du hier? Ich hänge sehr an verrückten Vergleichen, aber dieser hier trifft glaube ich selbst für mein fantasievolles Gemüt nicht zu….

3. Carsten - November 29, 2006, 20:32

Hmmm… Okay, so verschieden die Ursachen auch sein mögen, aber: Ist das Ergebnis nicht dasselbe? Sich auflösende Klamotten, unpünktliche Züge und unfreundliches Ladenpersonal. Von der Bürokratie mal ganz zu schweigen;)

Moment, siehts nicht auch in der BRD so aus? Man sollte einen Mittelweg suchen, kreative Ordnung oder systematisches Chaos, beispielsweise.

4. Lila - November 29, 2006, 21:22

Also, ich kann mich an die DDR noch sehr gut erinnern… und wenn ich je auch nur einen Tag lang das Gefühl gehabt hätte, da ist eine Ähnlichkeit… wäre ich nach Deutschland zurückgegangen. Denn meine Erinnerungen an die DDR sind aus vielerlei Gründen nicht die besten.

Hat jemand, der selbst mal in Israel war, eine Ähnlichkeit ausgerechnet mit der DDR gespürt? Das würde mich ja nun doch interessieren.

5. Lila - November 29, 2006, 21:34

Aber, hm, ich klinge ja furchtbar judgmental hier, das meine ich gar nicht so. Ist das manchmal schwierig, per Tastatur den richtigen leicht foppenden Ton zu finden!

6. arabrabenna - November 29, 2006, 22:10

Es ist mir ein absolutes Rätsel, wie jemand Israel mit der DDR vergleichen kann!!! Graphodino, hast du in der DDR gelebt? Ich bin da groß geworden und auch da geblieben, trotz der Wiedrigkeiten und ich war kein Mitläufer. Und Israel habe ich inzwischen dreimal besucht. Ich weiß gar nicht, wo ich mit dem Aufzählen der Unterschiede anfangen soll. Israel ist eine Demokratie und das war die DDR keinesfalls… Ich werde gleich ganz kämpferisch bei diesem Thema! Da kann ich leider keinen foppenden Ton finden.

7. graphodino - November 29, 2006, 23:02

Danke! Grapho(manischer) Dino(saurier). Na ja. – Bitte keine Vergleiche Größe von Körper und Hirn. Hä-ähm.

Das mit DDR-Israel war ein bisschen geklaut. Aber nur ein bisschen! Feuchtwanger schreibt das irgendwo: Israel wäre an der Grenze von Orient und Akzident. Auch schon immer gewesen.

Ich habe 27 Jahre in der DDR, sagen wir: verbracht.

Und die DDR war an der Grenze von Ost- und West-„Bündnis“ usw.

Und ich bleibe dabei: in solchen „Grenzländern“ (im eben angedeutetem Sinne) spitzen sich Widersprüche, Eigenheiten, „Macken“ usw. beider „Blöcke“ zu. Und das führt auch zu Chaos. – Aber vielleicht ist das viel zu „philosophisch“ für die Betrachtung oben. Ist in der Tat eine „verrückte“ These – ich bleibe aber dabei…

MURKS jedenfalls wird jeder gelernte DDR-Bürger als was absolut Typisches kennen.

Dass es in der DDR oberstes Gebot war, Anweisungen auszuführen, halte ich nun wiederum für ein Klischee. Das sah vielleicht von außen so aus. Im Übrigen: Dienst nach Vorschrift…

8. aqualino - November 29, 2006, 23:44

Liebe Lila,

in der dadaer musst mo dor einfach unsre Freiräume nutzn, doa mussde dor greadiv sein ….
es ist einfach so, dass einem das bekannt vorkommt, wenn man an der Passkontrolle mißtrauig beäugt wird und ohne Lächeln ins Land gelassen wird, mit überfüllten Zügen fährt oder im Supermarkt unfreundlichen Kassiererinnen gegenübersteht, die mit einer geistigen Abwesenheit deine Sachen über den Scanner ziehen. Es ist die Oberfläche, die sich manchmal so anfühlt. Man muss ja nicht gleich von einem Déjà-vu reden – es sind Kleinigkeiten – aber es ist wie es ist …

Viele Grüße aus Haifa

9. Lila - November 29, 2006, 23:50

Armer Graphodino, da hast Du ja was losgetreten! Ich habe gerade meinem Mann diesen Austausch vorgelesen, und er findet es sehr lustig.

Vielleicht erinnert Dich das Wort Murks an die DDR, aber ehrlich… die Mentalität eines Landes beurteilen, das sollte man nur, wenn man dort schon mal den einen oder anderen Löffel Salz geleckt hat.

Du darfst gern bei Deiner Meinung bleiben (wir sind ja eine Demokratie hier….), aber ich lebe hier seit 18 Jahren und kann Dir versichern: es gibt nicht die kleinst, aber nicht die allerkleinste Ähnlichkeit. Und das mit den Grenzländern ist nicht philosophisch, sondern ungenau. Zu welchem Block übrigens gehört Israel Deiner Meinung nach, damit ich weiß, welche Eigenheiten sich Deiner Meinung nach bei uns zuspitzen? Zum westlichen doch wohl.

Allein schon das Wort Dienst nach Vorschrift… das läßt sich nicht mal ins Hebräische übersetzen. Ich habe anscheinend mit dem Wort Murks einen linguistischen Fehlgriff getan und hätte besser Tohu-va-bohu gesagt, das Wort aus der Genesis, oder Bardak, oder Balagan, die israelischen Worte. Ich glaube, das Mißverständnis habe ich selbst verschuldet. Das war irreführend.

Nur ein klitzekleines Beispiel: erinnerst Du Dich an die Uniformvorschriften in der Armee der DDR? Und dann guck Dir israelische Soldaten an, denen das Unterhemd rausguckt, die zerknittert und mit offenem Kragen daherkommen.

Ach, lieber Graphodino, wäre ich reich (halevai!), dann würde ich Dich einladen, mir eine lustige Woche mit Dir um die Ohren schlagen undd Dich dann noch einmal fragen: was genau erinnert Dich hier an die DDR?

10. Lila - November 29, 2006, 23:51

Hallo Aqualino –

die meisten Kassierinnen heißen hier Luba…. ;-))))

11. aqualino - November 30, 2006, 0:03

Klar, endlich kann ich mal mein Russisch rauskramen. Hab ichs doch nicht umsont gelernt im Osten. Also ,noch ne Sache …

Спокойной ночи!

12. mischpoke - November 30, 2006, 0:43

Nej also, Israel kann man nicht mit DDR vergleichen. Aber dafür sehr gut Schweden,oh wir haben hier vieles was an die DDR erinnert angefangen vom KONSUM, den gibt es hier auch sogar mit den Rabbaten(allerdings per Kunderkarte und nicht per Marken) bis hin zum gläsernenen Staatsbürger Dank Personennummer. Und die Bürokratie ist auch nicht zu verachten hier.
Das einzige was ich in Israel sehr gebrauchen könnte aus der DDR wäre mein leider schlechtes Russisch, aber wozu habe ich den meinen König, da kann ich mein bisschen Ivrit glatt auch vergessen.
ну ладно
לילה טוב
Anneka samt mischpoke

13. graphodino - November 30, 2006, 1:13

Danke, Lila, mich gruselt es selbst ein bisschen: und mir hat mal jemand gesagt, dass ich nix bewirken würde. Hihi. Ich bin nur so auf der Suche im Netz der Netze und kann immer einmal wieder nicht widerstehen, halt meinen Senf hinzuzugeben. Helga Königsdorf hat irgendwo geschrieben, dass sie lange gebraucht hätte, um heraus zu finden, dass es eine Kunst wäre, Leute zum Lachen zu bringen. Na ja…

Es stimmt: das Wort „Murks“ war der Aufhänger. Es gab sogar dieses geflügelte Wort, das auch auf Wendeplakaten erschien: Murks statt Marx…

aqualino hat es ein bisschen auf den Punkt gebracht, was ich da so im Hinterkopf hatte. Aber, okay: das Argument „wenn man dort schon mal den einen oder anderen Löffel Salz geleckt hat“ ist natürlich richtig.

Dennoch habe ich das Gefühl, ich hätte was ganz Furchtbares geäußert: DDR, Du liebes bisschen! Das, ich gestehe es, erheitert mich insgeheim denn doch ein wenig…

14. graphodino - November 30, 2006, 1:21

Ach ja, coole Einladung – aber ich will lieber nich‘ hin: eine halbe Stunde Jerusalem und ich halte mich für Melchisedek, den Gebenedeiten usw.

(Das sollte jetzt wieder sozusagen witzig sein, gewissermaßen…)

15. Tinolino - November 30, 2006, 9:40

Natürlich kann man die DDR und Israel vergleichen, man muß dann aber auch die Unterschiede sehen: Die DDR war starrsinnig nach innen und existiert nicht mehr, Israel ist starrsinnig nach außen und existiert noch …

16. mischpoke - November 30, 2006, 10:38

Guten Morgen,Lila, sind jetzt hier lauter deutschsprachige Italiener zu Gast bei Dir, soviele -inos auf einmal. Ist vielleicht modern sollte ich mir auch zu legen, ich meine neuen Namen: Annolino, nej das hört sich an wie anulliert. Übrigens Murks wird hier auch produziert und Schweden hat garantiert was gemeinsam mit Israel: unlustige VerkäuferInnen die dabei auch noch lächeln. Bei uns hier ist nämlich nicht der Kunde König, sondern der Verkäufer, Handwerker usw.
Man gut das meine Zahnärztin morgen Polin ist, uff ich bin ja gar nicht rassistisch….

17. arabrabenna - November 30, 2006, 12:13

Komisch, ich bin in Israel keinen unfreundlichen Verkäufer/innen begegnet oder liegt das vielleicht daran, daß ich zu Zeiten dort war, in denen die Touristen eher zur Rarität zählten? Oder daß die Verkäufer hierzulande auch nicht so toll nett sind? Unfreundlich Grenzer hab ich bisher nur in DDR , Tschechoslovakei und Rumänien erlebt, das war immer äußerst unangenehm!
Und,Tinolino, gibt es nicht doch einen gewissen Unterschied zwischen Starrsinn und Starrsinn? Die DDR war starrsinnig, um´s mal in deinen Worten auszudrücken, aus Angst, Bürger könnte selbständig denken und Handeln. Bei Israel ist´s wohl überlebenswichtig. Wenn es an mein Existenzrecht ginge, wäre ich auch starrsinnig! Und dann schildere mir doch bitte mal, was da so vergleichenswert ist! Oder habe ich in einer anderen DDR gelebt?Oder warst du vielleicht noch nie in Israel?
Doch, eine Ähnlichkeit habe ich mal gefunden, daß war das äußere Flair in einer Kibbuzkantine, so mit Sprelakart beschichtete Tische und so. War mir irgendwo vertraut. Ach und dann bekamen wir mal kein Bett in ´nem Youth Hostel, weil wir spät dran waren und der Chef keine Lust hatte, extra wegen uns hin zu kommen. Das sind für mich alles Äußerlichkeiten. Die eigentlichen Dinge sind so verschieden.

18. Tinolino - November 30, 2006, 12:52

arabrabenna, falls Du meine scherzhafte-gar-nicht-so-scherzhaft-besorgte Bemerkung etwas in den falschen Hals gekriegt hast: das wollte ich nicht.

19. arabrabenna - November 30, 2006, 18:33

Also, mein Hals ist wieder in Ordnung! Ich bin halt ziemlich emotional, da amüsieren sich die männlichen Wesen meiner Familie immer köstlich. Ich diskutiere gern leidenschaftlich und das geht dann leider manchmal schief.

20. vered - November 30, 2006, 19:32

Uzi Benzimans Artikel ist genau der Post, den ich seit langem zu schreiben versuche. Und was Du dazu meinst, Lila, stimmt auch – bis auf eines: Das mit der unfreundlichen und inkompetenten Bedienung in den Geschäften. Das war einmal so und noch schlimmer. Aber in den letzten Jahren hat sich einiges gebessert; die VerkäuferInnen sind viel zuvorkommender als früher und wissen auch mehr über die Ware (wenn auch noch lange nicht genug).
Zwei Ausnahmen gibt es: die Bankbeamten und die Wesen, die in den grossen Buchhandlungen Bücher verkaufen (Buchhändler nenne ich das nicht, ich möchte diesen ehrenwerten Berufsstand nicht beleidigen). Über die Bankbeamten möchte ich erst schreiben, wenn ich mal genügend in Rage bin. Du glückliches Menschenkind lebst ja fern von diesen Ausgeburten erzkapitalistischer Mentalität 🙂 Die Bücher verkaufenden Wesen – ach ja, die meisten wissen schon, dass ein Buch aus bedruckten Seiten zwischen zwei Deckeln besteht, aber oft nicht viel mehr. Wenn du etwas willst, das nicht in Zmora Beitan herausgekommen ist, kannst du Deine ganze Geduld aufwenden, eh es einer kapiert. Weiteres zum Thema siehe hoffentlich balde in meinem Blog – du hast mich angeregt.

21. Tinolino - November 30, 2006, 19:57

Was ein bißchen schiefgegangen ist, arabrabenna, ist eher mein Unernst im Minenfeld. Na, wenigstens scheint Dein Hals nicht von einem Granatsplitter getroffen. Das würde so schnell wohl nicht heilen. Freut mich, daß alles in Ordnung ist.

22. Lila - November 30, 2006, 20:10

Oha, da bin ich ja auf eine Goldmine gestoßen!

Zu den unfreundlichen Verkäuferinnen… hm, mein armer Mann ist gerade siegreich aus einem endlosen Ringen mit einer Kette für Unterhaltungselektronik hervorgegangen, da möchte ich nicht in Einzelheiten gehen. Aber er bekam, wie der Rheinländer sagt, enen dicken Halls, on dat net zo knapp. Aber ich habe durchaus auch schon Nette erlebt.

Bankbeamte, ja das bleibt mir erspart, aber glaub nicht, die ehrfurchtgebietende Matrone, die über unsere Kupat Bait herrscht, ist eine leicht zu knackende Nuß! Kein einziges Mal ist eine Transaktion leicht über die Bühne gegangen, sie erspäht mit sicherem Blick, daß ich in Geldsachen unsicher bin, besonders wenn alles auf Ivrit ist… und darum schicke ich meinen Mann vor, der nonchalant alles erledigt.Ich würde von ihr nicht mal einen Groschen kriegen!

Und Bücher. Da muß ich eine Lanze brechen. Wir haben in Yokneam nämlich eine dieser berüchtigten grünweißen Ketten, die ich eigentlich gar nicht mag! und das in einem Einkaufszentrum, das ich sonst meide wie Nesselfieber!! und drumherum Imbißstuben und rauchende Familienväter und Geschenkshops in rosa!!! ABER: der Chef dieser Filiale ist ein echter Büchernarr, er hat in den USA gelebt und liebt Kunst. Das heißt, da gehe ich nie ohne ein Buch raus! Noch dazu findet er mich toll (er schwärmt für Europäerinnen, da kann man nichts machen), und er hat für mich schon manches aufgetrieben, wo andere nur maulfaul sagen würden, „eyn“.

Aber trotzdem, mit deutschen Buchhändlern vom echten Schrot und Korn… da kann sich auch er nicht messen.

Und dann gibt es auch noch in Em ha Derech eine gute Filiale – die haben eine ausgezeichnete Auswahl an… na ja, auch an Kunstbüchern.

Aber sag mal, ich dachte, in Jerusalem gibt es noch diese legendären jeckischen Buchhändler, die seinerzeit mit Bialik gekegelt und Rachel ha meshoreret Bier getrunken haben…?

23. Lila - November 30, 2006, 20:12

Also Tinolino, im Gewimmel der -inos hier ist alles erlaubt! Ich hoffe auch, wir haben den graphischen Dino nicht für ewig verschreckt. Das täte mir aber sehr leid.

24. Lila - November 30, 2006, 20:34

Beim Thema Verkäuferin und Kompetenz fällt mir gerade ein kleines Erlebnis von vor… zwei, drei Wochen ein.

Ich stehe im Akademon bei uns in Haifa in der Kassenschlange (Beute: ein Buch über Venedig, unnütz aber so schööön!). Da höre ich , wie die Käuferin vor mir eine Frage an die junge Frau an der Kasse richtet: „ich weiß nicht, was ich kaufen soll. Auf der Liste, die meine Tochter in der Schule bekommen hat, stand Panda-Ölpastelle, aber die gibt es bei Ihnen nicht. Kann ich auch andere Ölpastelle nehmen? oder soll ich diese Pastellstifte nehmen? was ist denn eigentlich der Unterschied?“

Die junge Frau an der Kasse meinte sie mit vollkommen selbstsicherer Stimme, „Das kann ich dir sagen. Pastelle sind einfach hellere Farben, ansonsten ist da kein Unterschied!“ Oho. Da kam aus mir, wie eine Tigerin mit ausgestreckten Krallen, die Kunstlehrerin gesprungen! packte die junge Mutter am Nackenfell, schleifte sie zum richtigen Regal, drückte ihr die genau richtigen Ölpastelle in die Hand und erklärte ihr den Unterschied. So daß sie ihn nie wieder vergessen wird!

Wieso kann eigentlich so eine Verkäuferin nicht einfach sagen, „tut mir leid, das weiß ich auch nicht, ich bin hier nur zur Verzierung“???

25. mischpoke - November 30, 2006, 20:38

Lila, ehe ich die hungrigen Löwenmäuler stopfe, wenn Ihr hier nach Lund kommt dann gehe ich mit Dir in unsre vollen staubigen herrlichen Antiquariate (puh schreibt man das so) wir haben hier massig und alle voll mit vielsprachigen gammligen wunderbaren oft wertvolenn Zeug, wahre Fundgruben und billig.(man merkt das hier seit 1658 kein Krieg mehr war) Und man kann stundenlang wühlen ohne beachtet zu werden. Na haste Lust.
Und noch was in eigenenr Sache Mein König leidet unterDepriphase ich glaub dem ist das hier zu grau und weinerlich (O-ton Yoram, weil es sieht doch jetzt alles so weinerlich geschmückt aus). Hast Du ein Asylplatz für ihn im Kuhstall oder so, oder habt Ihr überhaupt Viehzeug, direkt gesehen hab ich ja man nichts. Ich glaub der muss irgendwas nicht geistiges machen und Schweden kann er im Moment auch nicht leiden, mit D brauch ich ihm gar nicht kommen, wollte ja schon nach Moskau auswandern,aber dann nicht mit mir, da komm ich dann doch liebr runter zu Euch da hats ja nu auch russisch.Liebe Grüsse falls ich morgen nicht mehr dazu in der Lage sein sollte (Hab um eins nach Islamkurs meine WurzelOP, da wo ,man das leiden auch noch selbst finaziertpuh)Gut Shabbes. Anneka + Löwenkinder + abwesenden Deutschlehrer, der ist wieder die Älteren quälen in der Folkuni

26. mischpoke - November 30, 2006, 20:42

Ich brauche glaub ich auch ein bisschen Deutsch Nachhilfe.

27. vered - November 30, 2006, 22:34

Ach, noch etwas, Lila. „Dienst nach Vorschrift“ lasse sich nicht ins Hebräische übersetzen? Hast Du schon erlebt, wie das ist „la´avod lefi hasefer“? Kommt das nicht ziemlich gut hin?:-)

28. Lila - November 30, 2006, 23:13

Hm, ich dachte mehr an shvita italkit. Das kommt bedeutungsmäßig eher hin als laavod lefi hasefer. Denn lefi ha sefer hast Du ja am Ende ein Ergebnis. Aber bei shvita italkit nicht. So wie bei den Fluglotsen damals, die mit Dienst nach Vorschrift den Flugverkehr lahmlegten. Hoho, gibt es sogar ein Wikipediadings für!
http://de.wikipedia.org/wiki/Dienst_nach_Vorschrift

29. mischpokenkönig - November 30, 2006, 23:21

Köstlich, Dein Beitrag, besonders der Reisberg, den Du da aufessen möchtest ist mir sehr sympathisch. Und dann weiter unten legtst Du dann noch die Verzierung nach. Wäre ich nicht so ein verdammt ernsthafter Mensch hätte ich mich hier vermutlich am Boden gekugelt vor Lachen. Hab ich im übrigen auch.

Betreffs des Vergleiches Israel-DDR scheint mir aber die ganze Diskussion ganz schön aus dem Ruder zu laufen – wer steuert bloss? Meine Erfahrungen mit Israel sind nicht so wahnsinnig erschöpfend, aber die mit Russland sind einigermassen intensiv gewesen in der Vergangenheit, und da fallen mir ewig maulende Ljubas ein, die hinter dem Tresen des Universams stehen und versuchen, Wurst und Butter unters Volk zu bringen Und gleiches sehe ich hier in Schweden.

Dazu vielleicht ein kurzer Kommentar unseres iranischen Freundes, der hier lebt seit er 17 war, als wir uns im Café der Unibibliothek trafen: So schöne Mädchen da am Tresen. Könnten die nicht mal lächeln?

Weitere Ähnlichkeiten: Wie wir, also meine Regierung, oben schon sagten – gläserner Mensch dank Personenkennzahl, KONSUM mit Markenkleben (naja, heutzutage per Chipkarte), Polikliniken als Stütze des Gesundheitswesens, keine oder kaum frei niedergelassene Ärzte, einheitliches Schulsystem. Und nicht alles ist schlecht – und war es auch nicht in der DDR, darf ich als gelernter DDR-Bürger, der immerhin auch 25 Jahre seines Lebens dort zubrachte, ja, trotz allem sogar lebte.

Eine letzte Frage, Lila, wie schaffst Du es eigentlich, innerhalb kürzester Zeit so viele Antworten auf Deinen Murks zu kriegen. Es gratuliert der mischpokenkönig.

30. mischpokenkönig - November 30, 2006, 23:24

Da fehlt noch was: Ich darf das sagen. Naja, Du hast es bestimmt mit gelesen…

31. Lila - November 30, 2006, 23:50

A propos Luba: guckst Du mal hier.

Luba, die Königin der Kassiererinnen, muß sich mit ruppigen, unentschlossenen Eingeborenen rumärgern. Ich weiß nicht, wie gut Dein Ivrit ist… aber Luba ist es wert.

32. vered - Dezember 1, 2006, 0:16

Grossartig, die Luba. Ich habe Tränen gelacht. Aber eigentlich ist´s doch eine trübe Geschichte. Wenn ich an die Bedingungen denke, unter denen Luba und Mustafa arbeiten müssen, fange ich an zu bezweifeln, ob der Neoliberalismus wirklich alleinseligmachend ist. Jedenfallskönnte ich sie begreifen, wenn sie schvita italkit machten. (Ich verstehe darunter langsam und schlampig arbeiten, nicht „Dienst nach Vorschrift“).

33. Elisabeth - Dezember 1, 2006, 2:33

Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht. Das Video ist natürlich eins, das einem fast im Hals steckenbleibt – man kann nicht nicht lachen und doch nicht lachen … ?!? Luba arbeitete meiner Meinung nach nicht wirklich langsam – ich glaube, sie arbeitet so, weil sie die Vergeblichkeit ihrer Anstrengungen einsieht … :0

Ich kann auch nicht mehr richtig lachen – meine letzten drei (!) Kommentare sind im Nirvana verschwunden, diesen hier werde ich kopieren und solange einfügen, bis er gezeigt wir – Dies ist keine leere Drohung!!!

34. Lila - Dezember 1, 2006, 2:39

Nein nein, Elisabeth, Luba versucht ihre Kunden zu erziehen. Er hat gesagt, er will die Sachen nicht nach Hause geschickt haben? Und dann ändert er seine Meinung? Nicht mit ihr. Auch das barsche yalla-yalla oder nuu??!!!, womit die Kunden Luba antreiben wollen…(wo man in meiner Kindheit dalli-dalli oder wirzbald sagte), hat genau den entgegengesetzten Effekt.

Das mit den Kommentaren tut mir leid. Vor dem Abschicken auf strg-A und strg-C drücken, dann ist der Kommentar in der Zwischenablage gespeichert. Falls der Computer ihn dann verschluckt hat, reicht es, per strg-V alles wieder herzuzaubern.

35. Elisabeth - Dezember 1, 2006, 2:52

Lila, vorab: Danke für den strg-tip, erzähle ich meinen Kunden ja auch immer, aber ab ca. 23h möchte ich ohne meine Dozententätigkeit nur noch meinen Rechner BENUTZEN und ihm nix mehr erklären. (das ist natürlich ironisch gemeint). Am meisten ärgere ich mich natürlich darüber, dass ICH die simpelsten Dinge nicht beachte und sie morgen meinen Seminarteilnehmer wieder einzubläuen versuche. Siehe Luba. Das meine ich mit der Vergeblichkeit. Auch ich habe im Hinterkopf einen Erziehungsauftrag ………
Nuuuu – geht hier (jedenfalls in meiner Familie,) aber besser noch komme ich mit einem scharfen Kadimah weiter, dann wissen Mann udn Kinder, dass es jetzt nicht mehr gemütlicher wird 😉

36. Lila - Dezember 1, 2006, 2:58

NU kvar!!!

37. graphodino - Dezember 1, 2006, 15:49

Nee, ich war nicht verschreckt: ich bin gar nicht auf den Gedanken gekommen, hier nochmal nachzusehen, weil ich dachte, das wäre nun abgegessen…

Aber jetzt gruselts mich wirklich, hihi… Und das auf einen so kleinen Satz hin! Stich ins Wespennnest? – Wahrscheinlich kriegt der Spießer in mir jetzt wieder Angst vor seinem bisschen lebensgeschichtlich übrig gebliebenem Restchen Zivilcourage. DDR-typisch? Mitnichten!

Jede Menge Klischees, für meine Begriffe. „Unfreundliche Verkäuferin“ oder so z. B. ist absolut nicht orts- oder landesgebunden. Das Phänomen erkläre ich mir so: ein weit verbreitetes Defizit (auch unabhängig von äußeren Umständen) bei modernen Menschen (nein, ich „projiziere“ nicht meine Problematik!) ist die Angst, sich zu zeigen, gesehen zu werden, im weitestem Sinne (der Exhibitionismus der Massenmedien ist gewissermaßen der nur auf den ersten Blick paradoxe Gegenpol dazu), die berufliche Situation zwingt Verkäuferinnen aber gerade dazu, sich zu präsentieren, unablässig in Kontakt zu treten… Ein ziemliches Dilemma, aus dem erhebliches Unwohlsein resultieren muss… Und deshalb „unfreundlich“…

Du liebes bisschen: schon wieder Theoriebildung! Es nimmt kein gutes Ende mit mir! Ich habe gesündigt, ich habe gefehlt…

Sorry!!!!!!


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