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Janeites to the fore November 27, 2006, 22:54

Posted by Lila in Bloggen.
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Ich habe gerade Lust auf eine kleine Umfrage: Lieblingsfiguren, für die man beim Lesen (oder Filmgucken) eine Schwäche entwickelt hat, aus sämtlichen Austen-Romanen. (Andere literarische Erzeugnisse sind auch zugelassen, aber Austen ist nun mal Kult).

Hier sind meine:

S&S: Mrs. Jennings – wunderbar im Buch, wunderbar auf der Leinwand.

P&P: Lady Catherine (genial verkörpert von Leigh-Hunt, wie ich finde).

Emma: ganz klar, Mr. Woodhouse und die John Knightleys, alle beide. Ich bin ein Fan der Beckinsale-Verfilmung, in der Mr. Woodhouse nicht schlecht gelungen ist – etwas zu kräftig vielleicht. Das Hollywood-Baiser ignoriere ich hier. John und Isabella sind im Film kaum sichtbar, im Buch sind sie für mich eine Quelle ungetrübter Heiterkeit.

MP: Lady Bertram – eine Figur, die von der Welt gänzlich mißverstanden wird, und die in jeder Verfilmung enttäuschte.

Persuasion: keine Frage, die Crofts, alle beide. Im Buch sind sie wunderbar, und in der Verfilmung hat Ms Croft meiner Meinung nach die schönste Szene. „… nothing ever ailed me“. Und ihr Mann guckt gerührt zur Seite.

Also, jetzt bin ich neugierig.

Kommentare»

1. dirk - November 28, 2006, 18:01

Um nicht Genannte zu repetieren: in Persuasion gefiel mir auch die Anne Elliot sehr, weniger duldsam, ertragend, als manch andere Austen-Heldin. Und in Northanger Abbey der Henry Tilney, obwohl er manchmal ein wenig zu künstlich wirkt. Und in Mansfield Park (nicht mein Austen-Lieblingswerk) der Edmund Bertram, den ich beim Lesen manchmal richtig anschubsen wollte…

2. kaltmamsell - Januar 4, 2008, 13:36

EXTRABLATT! EXTRABLATT! NEUE AUSTEN-VERFILMUNG AUF BBC!

Die BBC hat sich mal wieder Sense and Sensibility vorgenommen:
http://www.telegraph.co.uk/arts/main.jhtml;jsessionid=EOUOTNFZW1DSXQFIQMFSFFWAVCBQ0IV0?xml=/arts/exclusions/tvondemand/nosplit/LNoTV/bvsense01.xml

3. Lila - Januar 4, 2008, 16:48

Danke für den Tip!

Ich warte schon ungeduldig auf Cranford. Eine Verfilmung mit meinen liebsten Schauspielerinnen. Deborah Findlay und so. Oh, und Michael Gambon. http://www.bbc.co.uk/drama/cranford/

Sieht das nicht toll aus???

Hab mich selbst zu Weihnachten mit ein paar Dickens-Verfilmungen verwöhnt, Martin Chuzzlewit (arg predigerhaft) und Our Mutual Friend (besser). Und für die Mädchen David Copperfield mit der wunderbaren Maggie Smith.

Dickens ist mir aber eine Nummer zu rührselig, besonders seine jungen Mädchen gar zu rein und blumenhaft. Alte Männer macht er gut, junge Frauen weniger. Gaskell kann beides…

Oh, hier ist der Youtube-Link zu Cranford. Ich liebe Imelda Staunton.

4. kaltmamsell - Januar 4, 2008, 22:45

Oh ja, Frau Staunton hat mir Silvester mit „Peter’s Friends“ versüßt. Und Cranford sieht großartig aus.

5. Lila - Januar 4, 2008, 23:25

Oh, das hab ich verpaßt, wie schade! muß ja ein Vergnügen gewesen sein.

Täusch ich mich da ganz furchtbar – aber fehlen in Deutschland nicht so wunderbare Schauspieler, mit so skurrilen Physiognomien, schneidender Intelligenz und wunderbar ökonomischen Mitteln? Für einen fast unmerklich zuckenden Muskel in einer britischen Schauspielerwange oder -stirn gebe ich einen Scheffel deutscher (erst recht israelischer) Schauspieler dahin. Ob Bühne oder TV, hm hm, wer fiele uns da im Moment ein? in meinem Alter und darunter???

Oder kenn ich einfach nicht die richtigen? Dann helft mir aus, beflissene Leserscharen.

6. kaltmamsell - Januar 5, 2008, 11:21

Über das britisch-deutsche Gefälle an Schauspielkunst habe ich mir auch schon oft den Kopf zerbrochen (es ist definitiv vorhanden).

Zum einen mag es daran liegen, dass der gesellschaftliche Hintergrund des Schaupspielberufs sich unterscheidet: Der durchschnittliche englische Schauspieler ist Middle Class und hat einen Universitätsabschluss. An der Uni hat er sich bereits einen Namen in einer Schauspielgruppe gemacht. (Wir erinnern uns, dass bei Michael Caine immer betont wird, welche Ausnahme er war und ist, weil er aus der Arbeiterklasse kommt?) Wir kennen das ja schon aus Romanen des 18. Jahrhunderts, dass es ein beliebter Zeitvertreib der besitzenden Schichten war, im kleinen Kreis Theaterstücke zu inszenieren.

Ein zweiter Faktor ist meiner Meinung nach die enge Verbindung zwischen Theater und Film in England. Die vielen guten Schauspieler machen wild gemischt Film, Fernsehen, Theater, mal dies, mal das. Und Herr Branagh gründete seinerzeit symptomatischerweise nicht nicht nur die Renaissance Theatre Company, sondern auch eine Filmproduktionsfirma dieses Namens (die 1993 „Peter’s Friends“ rausbrachte, ich habe den Film auf Video). In Deutschland dagegen halten sich staatliches Theater (hohe Kunst, gut, für Bildungsbürger) und Fernsehen (bäh, existiert nur zum Geldmachen, für die unteren Schichten) voneinander fern, eine Vermischung der jeweiligen Schauspieler scheint es fast ausschließlich im Boulevardtheater zu geben. Mit Ausnahmen (in Tatorten tauchen immer wieder atemberaubend gute Schauspieler auf, kurz), aber im Gegensatz zu England sind das halt Ausnahmen.

7. Lila - Januar 5, 2008, 14:04

Das scheint mir in der Tat auch so – ich hatte schon befürchtet, daß ich etwas komplett übersehen habe… Es liegt auch ohne Zweifel an der BBC, die so ein Rundum-Prestige hat, mit dem sich wohl keine deutsche Anstalt messen kann. Schade.

Ich frage mich auch oft, warum eigentlich so wenig gute deutsche Literatur verfilmt wird, außer den ewigen Thomas Manns und Effi Briest. Die deutsche Literatur ist nicht weniger reich als die englische, vielleicht nicht zu Zeiten der Renaissance – sie hat aber im 18. und 19. eine Blüte. Na gut, Kleist mit Edith Clever… aber ich wünschte, es gäbe ein Äquivalent zu den Literaturverfilmungen der Briten.

Auch zweitklassige Werke werden dort ja verfilmt (ich denke gerade an Hardys Under the Greenwood Tree), das sind dann zwar keine atemberaubenden Meisterwerke, aber Unterhaltung, für die man sich nicht zu schämen braucht.

Ich habe gestern nacht übrigens damit verbracht, Cranford auf Youtube anzusehen! Nachdem ich gesehen hatte, daß es sämtliche Folgen dort schon gibt , habe ich es nciht mehr ausgehalten, bis Februar zu warten (wenn die DVD rauskommt) und habe Folge um Folge gesehen – immer gedacht, „okay, das gucke ich noch zu Ende, dann gehe ich schlafen“.

Ich war um sechs Uhr früh durch und konnte nicht einschlafen – habe mir das Buch Cranford ins Bett geholt und bis um sieben gelesen. Ein Film, in dem praktisch alle Hauptpersonen ältere Damen sind – ein kleiner Junge – ein paar jüngere Liebespaare, aber im Mittelpunkt stehen, wie im Buch, eindeutig die Amazonen in ihren Häubchen und ihrer feinen Sparsamkeit. Auch wenn die quirkiness manchmal an ihre Grenze getrieben wird – ich wüßte nicht, welche deutschen Schauspieler einen solchen Film tragen sollten.

Ich hoffe, daß in diesem Moment irgendwo in Deutschland ein junger Regisseur beschließt, Storm, Raabe, Fontane, Fanny Lewald, die Wahlverwandtschaften zu verfilmen – nicht für die Besucher eines LitWiss-Hauptseminars, sondern für alle, die gern ihre Nasen in die Angelegenheiten anderer Menschen stecken, also für uns alle. Und warum nicht das Sakrileg begehen und aus drei Romanen von Eichendorff oder Achim von Arnim eine Serie machen?

Kennst Du North und South? Die Annäherung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist viel fesselnder als die Liebesgeschichte, und genauso sorgfältig gemacht. Wenn ich wählen müßte zwischen Jane Austen und Elizabeth Gaskell, was ich Gott sei Dank nicht muß!, würde ich vermutlich Gaskell den Vorzug geben – ein Vergleich der Figuren von Hill (aus P&P) und Dixon (aus N&S) zeigt warum. Hill ist nur ein Versatzstück, Dixon eine wirkliche Person.

8. kaltmamsell - Januar 5, 2008, 16:40

Deutsche Literatur ist vielleicht nicht so reich an spannenden Geschichten: Shakespeare allein schon kann Jahre an TV-Produktionen füllen, und dann gab es halt die englische Hochblüte des Bürgertums mit all ihren Romanen. Selbst Faust hat zu wenig Geschichtenfleisch an den intellektuellen Rippen, als dass er alle paar Jahre neu verfilmt würde.
Gaskell ist ganz wichtig für den englischen Industrieroman (in Deutschland haben wir das Thema erst mehr als 100 Jahre später im Naturalismus und damit auf der Bühne), Austen hat einfach andere Themen – vielleicht ist letztere dadurch weniger zeitgebunden?


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