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Ein Eintrag nach dem anderen Oktober 30, 2006, 0:09

Posted by Lila in Bloggen, Kibbutz, Kinder, Katzen.
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verschwindet im Limbo, der „your drafts“ heißt. Ich kann das nicht gerade writer´s block nennen, da ich berufsbedingt enorm viel schreibe, so viel, daß ich wieder die Rechte in einen häßlich-hautfarbenen Handschuh stecken muß, weil der Karpaltunnel sich beschwert. Aber irgendwie passieren hier nur so elende Dinge, von denen ich sowieso nichts mitkriege, sondern nur mit Grausen auf Haaretz davon lese, um mich dann schnell wieder abzuwenden… oder triviale kleine Geschichten aus der Familie. So wie heute, als die Sprache auf die neunschwänzige Katze kam und die grausamen Prügel die damit ausgeteilt wurden…. als Quarta sofort nachfragte, „und habt ihr mich auch mal damit gehauen?“

Die Nachrichten über den Präsidenten sind so peinlich, daß schon vor ein paar Wochen Y. seine Wochenendausgabe der Zeitung, sonst sein schönstes Freitagsvergnügen, entnervt in den Müll stopfte. „Unlesbar, das Ding, von vorne bis hinten nur Katsav, Katsav, Katsav. Das einzige, was ich von dem wissen will, ist, wann er zurücktritt“. Das hat sich seitdem immer noch nicht ereignet. Ich sehe mit ungläubigem Entsetzen seine Frau an, die tatsächlich mit dieser wandelnden Peinlichkeit noch offizielle Auftritte absolviert. Arme Frau.

Es ist besonders schade, weil Katsav doch mal endlich ein Präsident aus einer orientalischen Familie war, aus dem „anderen Israel“. Wäre schön gewesen, wenn seine Amtszeit skandalfrei über die Bühne gegangen wäre. Aber wenn nur ein Hundertstel der Geschichten stimmt, die von der Polizei ernstgenommen werden, dann ist der Mann untragbar.

Dann die Luftwaffe, was ist denn mit denen los? Ich höre keine Nachrichten und Kommentare, weiß also nicht, wie die Luftwaffe selbst ihre seltsamen Manöver deutschen Schiffen und Hubschraubern gegenüber rechtfertigt. Vielleicht haben sie ja eine logische Erklärung, obwohl es mir schwerfällt, mir eine auszudenken. Egal was es war, das die Luftwaffenpiloten dazu bewogen hat, deutsche Streitkräfte als feindlich zu behandeln und den dicken Max zu markieren – jedes Problem muß diplomatisch gelöst werden, aber doch nicht so. Da schüttelt man ja nur den Kopf und sagt, ja sind die denn übergeschnappt, seit ein Luftwaffengeneral Ramatkal ist?

Ich sah heute den ganzen Tag über Hubschrauber über den Carmel brummen, hier in der Nähe ist ja ein militärischer Flughafen, und hier merkt man manchmal, daß dort auch ausgebildet wird – auf einmal schwirren hier alle möglichen Modelle rum, in hübschen Formationen. Nicht oft – ich bemerke es jedesmal, denn sonst ist es hier so still. Heute dachte ich mir, als ich die Hubschrauber sah, „na vielleicht sind das ja zwei deutsche Hubschrauber auf der Flucht vor unseren größenwahnsinnigen F-16-Piloten“. Verrückte Welt. Es tut nicht gut, wenn militärische Systeme zu mächtig sind, sich verselbständigen und dann jede Bodenhaftung verlieren.

In ähnlichem Zusammenhang, auch wenn es eine ganz andere Geschichte ist, sehe ich die ekelhaften Vorfällen, bei denen deutsche Soldaten in Afghanisten mit Totenschädeln Unfug getrieben haben. Eine Armee braucht immer, egal wie klug oder moralisch ihre Führer sich vorkommen, eine starke Verankerung in der zivilen Gesellschaft. Wenn wir in Israel, weil wir die Armee nicht mehr wollen, nicht mehr für nötig halten oder mit ihr unzufrieden sind, unsere soziale Kontrolle über die Armee verlieren, dann sieht es finster aus. Anscheinend hat ein militärisches System nicht die inneren Bremsmechanismen, um so perverse und destruktive Tendenzen zuverlässig zu neutralisieren. Wobei ich immer davon ausgehen will, daß es sich um extreme Einzelfälle handelt, von denen man nicht auf die Allgemeinheit der Soldaten schließen sollte.

Aber auf Soldaten muß man aufpassen, auch in ihrem eigenen Interesse. Das sind unreife junge Männer, die ja in der Gesellschaft allgemein einen Risikofaktor stellen – viel Testosteron, viel Muskelkraft, aber noch nicht die mentale Reife, moralische Entscheidungen zu fällen. Als Mutter zweier solcher Kerle, die vor Kraft kaum laufen können, darf ich mir diese diskriminierende Bemerkung wohl erlauben. Und die Gegenwart von Frauen in der israelischen Truppen besagt noch gar nichts, solange coole Machos wie Chalutz den Ton angeben.
Ansonsten wie gesagt, ignoriere ich Nachrichten und Y. tut dasselbe.  Na ja, er liest Zeitung, wenn es nicht gerade um die Vorzimmer-Eskapaden unseres most embarrassing president geht.

Ich habe stressige Zeiten im Beruf, weiß auch nicht, wieso das mit der Beruhigung der Lage nicht klappt. Immer, wenn ich denke, jetzt laufe ich aber in ruhigere Gewässer ein, dann bums, kommt der nächste Peak und ich bin im Brassel. Na ja, vielleicht demnächst… wer weiß…

Also, ähnlich spannende Einträge schmeiße ich in den drafts folder, warum also diesen veröffentlichen? Vielleicht, damit sich niemand Sorgen macht. Alles okay, bitte keine Sorgen machen, ich lebe im Moment eben nur blog-untauglich.

Kommentare»

1. grenzgaenger - Oktober 30, 2006, 12:19

liebe lila,

schoen wieder etwas von dir zu lesen. hauptsache es geht dir gut !

herzliche gruesse,
dein grenzgaenger

2. Piet - Oktober 30, 2006, 12:49

Oh, die neunschwänzige Katze! 🙂 Ich werde gleich meine virtuelle Sammlung, die ich mir für die Spammer dieser Welt zugelegt habe, ergänzen (Teeren&Federn, Vierteilen, auf dem Keil knien oder in altes Frittierfett tauchen sind schon enthalten).

Tja, mit Politikern seit ihr auch nicht besser dran als andere Länder. Die einen versuchen dieses auszusitzen, die anderen jenes, ihr wartet auf den Rücktritt Katzavs, ich auf den Steinmeiers (der dann auch anderen erhebliche Kratzer zufügen dürfte, Schily und Fischer z.B.). Aber wie das mit Aussitzen so ist – sie alle verhalten sich auffällig still.

Es gibt ja noch -zig andere Themen, zu denen ich deine Meinung gerne gelesen hätte, aber schön, überhaupt wieder von dir zu hören.

(P.S. ich habe die Rezepte nicht vergessen ;-))

3. kaltmamsell - Oktober 30, 2006, 14:51

Hier findet sich eine mögliche Erklärung des militärischen „Missverständnisses“:
http://concord.antville.org/stories/1500519/#1500801
„Das in den Zwischenfall verwickelte deutsche Schiff gehört nicht zum internationalen Einsatzverband UNIFIL. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin bestätigte am Donnerstag entsprechende Berichte der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Welt“ (Freitag). Es handele sich um das Flottendienstschiff „Alster“, das „im Rahmen von UNIFIL“ vor der libanesischen Küste im Einsatz sei, nicht aber Teil der von der deutschen Marine geführten UN-Mission.“

4. Chajm - Oktober 30, 2006, 17:38

Das interessante ist doch, dass zuvor die „Vernünftigen” gesagt haben: „Deutsche Soldaten sollten nicht in die Situation kommen, israelischen Soldaten bewaffnet gegenüber zu stehen” und dann wurde beschwichtigt: „Irgendwie beschützen sie Israel” und jetzt kommt es tatsächlich zu Konfrontationen. Auch wenn die israelischen Piloten nur ihr Gebiet markieren 😉
Es sollte aber klar sein, dass sich Israel für seine Sicherheit nicht auf UNIFIL verlassen kann. In Deutschland ist am Wochenende bekannt geworden, dass das deutsche Kontingent, das da diesen Bootsausflug macht, überhaupt keine Befugnisse hat und im Prinzip auf das Wohlwollen der libanesischen Regierung angewiesen ist…

Charmant zum Thema Katzav war der Kommentar von Vladimir Putin, der sinngemäß meinte: „Respekt, mit 60 noch so aktiv…”

5. Lila - Oktober 30, 2006, 21:49

Neee, seid Ihr lieb, ich dachte schon, keiner guckt mehr hier rein. Ich freue mich und würde meine lieben, treuen Leser gern mit einem feinen Stück Kuchen traktieren. So eine Schreibpause hat doch ihr Gutes: ich glaube, es sind nur noch die Leser übrig, die mir am Herzen liegen.


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