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Religion, Arbeit und die Religion der Arbeit Oktober 1, 2006, 17:50

Posted by Lila in Uncategorized.
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Als ich in den Kibbuz kam, war der 1. Mai ein großer Feiertag. Es wurde nicht gearbeitet, am Tag vorher wurde in den Kindergärten das Lied von der roten Fahne gesungen, natürlich waren überall rote Fahnen gehißt, ein Bus des Kibbuz fuhr nach Tel Aviv, zur großen Demo, und stolz gingen die alten Leute voran, die zu ihrer Zeit in Wien oder Berlin schon in den 20er Jahren immer vorneweg marschierten. Der Erste Mai, da wurde nicht gearbeitet, da wurde die Religion der Arbeit zelebriert, die dem Kibbuznik alles andere ersetzte.

Die Generation der Großeltern meines Mannes war von einem Fleiß, der einfach nur staunen macht. Die gute Oma Lotte stand Tag für Tag an ihrer Drehbank, ja selbst als sie kaum noch laufen und stehen konnte, schaffte das Altersheim des Kibbuz eine alte Drehbank an, damit sie kleine Bleistifthalter und Vasen aus Olivenholz anfertigen konnte, die dann im Laden verkauft wurden – einer davon steht neben mir, während ich diese Zeilen schreibe, ein schlichtes kleines Kunstwerk, gefertigt von fleißigen Händen. Der Großvater war zwar ein legendäres mathematisches Genie (jawohl, so sehr, daß noch in seinen Urenkeln meine mathematische Talentlosigkeit mehr als kompensiert ist! danke, ihr genialen Gene!), aber er wies die Einladung einer Hochschule, dort zu unterrichten, entrüstet zurück – er wollte mit den Händen arbeiten, feste zupacken.

Auch meine Schwiegereltern sind fleißig wie die Bienen. Obwohl meine Schwiegermutter schon im Pensionsalter ist, arbeitet sie noch und hält nach wie vor den Kostümfundus des Kibbuz und der ganzen Umgebung in Schwung. Mein Schwiegervater brasselt den ganzen Tag rastlos in Haus und Garten, und wenn da nichts mehr zu brasseln ist, zieht er mit der Bohrmaschine durch die Häuser der Nachbarn, repariert und berät (er ist nicht mehr im Kibbuz, wo er selbstverständlich weiter arbeiten würde). Mein Mann ist ebenfalls sehr fleißig – ich ja bekanntlich weniger, wäre ich es, könnte ich nicht so viel bloggen!

Und meine großen Kinder arbeiten, nicht für eigenes Geld, sondern für die Kasse der Gemeinschaft. Primus arbeitet im Zoo der Schule, der ja zu einem landwirtschaftlichen Betrieb umfunktioniert wird, er hilft außerdem im Schafhaus und im Dining Room. Secundus kloppt Stunden ohne Ende im Schulzoo, viel mehr, als er bräuchte. Er ist begeistert von der Arbeit mit den Tieren und möchte gern Tierarzt werden. Tertia hat einen typischen Mädchen-Arbeitsplatz gewählt, trotz der Überzeugungsarbeit ihrer Brüder arbeitet sie lieber im Peuton, dem Kleinkindergarten, bei den Zweijährigen. Da hilft sie zweimal die Woche, die Kinder nachmittags zu wecken und zu versorgen, und die Kindergärtnerin hat mich extra angerufen und ihren Fleiß gelobt.

Das ist eben Kibbuz-Erziehung, wo schon von klein auf nicht gesagt wird, „wir spielen im Sand“ oder „mit Bauklötzen“, sondern „wir arbeiten im Sand“. Gern wird auch gesagt, wenn ein Kind fragt, wo die Eltern sind, „der Vater arbeitet in der Fabrik, die Mutter arbeitet in der Gärtnerei, dein großer Bruder arbeitet in der Schule und du hier im Kindergarten“. Die Arbeit, das ist das höchste Gut. Wenn man über einen Menschen im Kibbuz den Stab brechen will, dann sagt man, „der kann nicht arbeiten“ oder „die ist faul“. Kurz und brutal nennt man solche Leute Parasiten, parasitim: sie bekommen vom Kibbuz alles, geben aber nichts zurück.

Ja, das ist klassischer Kibbuz, das Arbeitsethos, auch wenn es schon längst aus der Mode ist, auch hier. Der erste Mai wird schon seit ein paar Jahren nicht mehr gefeiert. Man hat die alten Leute an diesem Tag nicht zur Arbeit gezwungen, wer wollte, konnte nach wie vor mit dem inzwischen zum Minibus geschrumpften Wagen des Kibbuz zur Demo fahren, aber die meisten Leute gingen und gehen am ersten Mai ganz normal arbeiten. Rote Fahnen habe ich hier schon ewig nicht mehr gesehen, die Illusionen des seligmachenden Kibbuz-Sozialismus (die ganze Welt ein solidarischer, flexibler, freundlicher, fairer Kibbuz!) sind zerstoben, keiner erinnert sich mehr richtig dran.

Doch als ich in den Kibbuz kam, war Yom Kippur, im Gegensatz zum 1. Mai, ein ganz normaler Arbeitstag. Es gab wohl ein paar Sonderlinge, die fasteten – der Kibbuz spendierte ihnen die Mahlzeit vorm Fasten, die mafseket, und die danach. Meine Schwiegermutte hatte jahrzehntelang das Pöstchen inne, die Liste der Fastenden zu führen, für sie das Essen zu bestellen und sie zu bewirten. Aber gearbeitet wurde. Ich weiß noch, wie seltsam ich es fand, als Volunteer, daß eine der Frauen an meinem Arbeitsplatz den ganzen Yom Kippur über Kopfschmerzen, Schwindel und alle möglichen Wehwehchen klagte. Sie lehnte sich dramatisch an die Wand, um zu zeigen, wie sehr sie litt. Ich dachte bei mir, „dann soll sie doch zuhause bleiben, wenn es für sie so wichtig ist, zu fasten – oder sich nicht beschweren, denn aus dem Fasten soll man doch keine große Demonstration machen“. Diese seltsame Einstellung zum Yom Kippur – arbeiten, fasten und klagen – machte mir großen Eindruck.

Inzwischen wird schon längst am Yom Kippur nicht gearbeitet. Ich weiß nicht, wie viele Leute im Kibbuz fasten, es gibt keine offiziellen Mahlzeiten mehr und keine Liste. Yom Kippur ist Privatsache. Ein engagierter Mann organisiert jedes Jahr eine Gesprächsrunde mit einem interessanten Menschen, in dem es manchmal um den Yom Kippur-Krieg geht, oft aber auch andere ernste Themen. Und es gibt sogar Kibbuzim, wie unsere Nachbarn in En Hashofet, die mit neuen Ritualen experimentieren. Die Religion der Arbeit hat ihren Reiz verloren, die Arbeit hat keinen religiösen Status mehr, und so suchen die Menschen nach neuen Inhalten. Sie wollen nicht orthodox religiös werden, aber sie wollen auch nicht gänzlich die Bindung an ihre Tradition verlieren.

Übrigens wird heute, einen Tag vor Yom Kippur, mit „tsom kal“, also „leichtes Fasten“, gegrüßt. Meine protestantische Seele versteht diesen Gruß nicht ganz. Wenn das Fasten leichtfällt, verliert es dann nicht an Wert? Gerade daß es nicht leichtfällt, daß es nicht die gewöhnliche Routine ist, das ist doch das Besondere daran. Egal wie oft mir das gläubige Juden schon erklärt haben, ich finde den Gruß noch immer merkwürdig. Natürlich wünsche ich keinem, an einem Tag mit Chamsinwinden und brüllender Hitze weder essen noch trinken zu dürfen, aber wenn es eine Tablette gäbe, die das Fasten zur Unmerklichkeit erleichtern würde, wäre das dann noch immer „gültig“ als Yom Kippur- Fasten? Hm.
(Hingegen ist der Gruß gmar chatimah tova, der zwischen Rosh ha Shana und Yom Kippur benutzt wird, bedeutungsvoll und schön. Es ist schon etwas Besonderes, wenn sich Kollegen und Bekannte gegenseitig wünschen, ins Buch des Lebens eingetragen zu werden.)

Früher, als es nur einen Fernsehkanal gab, war zu Yom Kippur wirklich nur Schnee im Fernseher zu sehen. Wer schon so technologisch auf der Höhe war, ein Videogerät zu besitzen, der konnte sich zu Yom Kippur bei der Videothek des Kibbuz Filme ausleihen, um diesen Tag nicht in elender TV-losigkeit verbringen zu müssen, und auf dem Videokanal des Kibbuz ließ die dafür Verantwortliche den ganzen Tag Filme laufen. Das habe ich nie ganz kapiert, wieso sie den gesamten Yom Kippur mit einem wahren horror vacui Film um Film durchlaufen ließ. Ich finde die Enthaltsamkeit von Autofahren und Fernsehen auch für Nicht-Religiöse eine gute Gelegenheit, mal die eigenen Prioritäten zu überprüfen.

Der Gegensatz zwischen Religiösen und Nicht-Religiösen tritt am Yom Kippur schärfer als sonst zutage. Wer Auto fährt, wird schon mal von empörten Religiösen mit Steinen beworfen – so meiner Schwägerin passiert, die mit ihrer Tochter ins Krankenhaus fuhr, weil die sich beim Radfahren den Arm gebrochen hatte. Denn weil die Straßen so autoleer sind, sind viele Radler, Skateboarder und Inline-Skater unterwegs. Am Abend des Yom Kippur wird immer berichtet, wie oft Mada (Magen David Adom, der Rote Davidsstern) ausrücken mußte: so und so oft zu Leuten, die wegen Entkräftung umgekippt sind, und so und so oft zu Rad-Unfällen.

Wir mußten nur einmal in all den Jahren zu Yom Kippur Auto fahren: als Tertia in der Intensivstation des Krankenhauses in Nahariya lag und meine Muttermilch brauchte. Hätte jemand nach uns einen Stein geworfen, ich glaube, ich wäre wie eine Furie aus dem Auto gesprungen und ihm mit den Krallen ins Gesicht, kchchch. Aber nichts da, alles war ruhig, und im Norden, wo viele arabische Dörfer sind, fuhren sogar noch ein paar Autos. Natürlich würde ich nicht durch eine religiöse Gegend fahren, ich würde ja niemanden kränken wollen, aber daß auch schon mal Krankenschwestern und Ärzte auf dem Weg zur Arbeit beschimpft werden, finde ich schon schwer zu verstehen. Na ja, Rowdies gibt es eben leider überall, und sie verderben den Anderen den guten Ruf.

Das ist also Yom Kippur: ein stiller Tag, dessen religiöse Bedeutung durch die historische Erinnerung an den Yom Kippur-Krieg noch verstärkt wird. Denn wenn Israels Feinde es schaffen, Juden am höchsten Feiertag, einem Tag des Fastens und der Einkehr, anzugreifen (als Christ stelle man sich den Karfreitag vor), dann muß man wohl mit allem rechnen.

Bald geht er los, der Yom Kippur (im Judentum beginnt der Tag schon am Vorabend). Tsom kal ve gmar chatimah tova.

Kommentare»

1. grenzgaenger - Oktober 1, 2006, 19:18

liebe lila,

du kennst meine meinung in dieser frage, deshalb muss ich das hier nicht wiederholen.

aber die formulierung „ein paar sonderlinge die fasteten“ finde ich schon vielsagend. na gut, man koennte natuerlich fragen warum die im kibbutz ihre heimat gesucht und vielleicht auch gefunden haben.

ich persoenlich habe uebrigens gar kein problem damit zu fasten, einerseits weil es genug dinge gibt wofuer ich fasten sollte, andererseits auch weil ich nicht glaube das es mir schadet einen tag nichts zu essen und zu trinken. ich glaube nicht das es noetig ist staendig etwas in mich hineinfuttern, ich kann eine zeit lang auch ganz gut ohne nahrungszufuhr leben. vielleicht ist das sogar gesund ? keine ahnung ….

jedenfalls stellt sich fuer mich die frage bzgl. „leichtes fasten“ nicht weil mir fasten schlicht nicht schwerfaellt, ich mache es sogar freiwillig mehrmals im jahr.

aber am yom kippur hat fasten fuer mich eben eine religioese bedeutung und ist verbunden mit der synagoge. das eine gehoert fuer mich zum anderen und das gebot zu fasten ist ja nur eines das man am yom kippur einhalten soll wie du weisst …. das alles zusammen ist fuer mich yom kippur.

was arbeiten angeht kann ich mich dem von dir beschriebenen ethos nicht anschliessen. ich glaube arbeit ist kein lebensinhalt, sondern teil eines erfuellten lebens, neben anderen dingen die ein erfuelltes leben ausmachen. fuer mich dient arbeit dazu ein stueck zufriedenheit zu erreichen, das heisst aber auch das ich von meiner arbeit ueberzeugt sein muss. deshalb haette ich keine freude an einer zugewiesenen taetigkeit. g“tt hat mir eben das glueck gegeben eine arbeit machen zu koennen die ich gerne verrichte – ohne angst um meinen arbeitsplatz haben zu muessen. alles andere waere fuer mich nur noch schwer vorstellbar.

genug fuer heute, gleich ist schabbes !

schabbat schalom,
grenzgaenger

2. Lila - Oktober 1, 2006, 20:42

Ich beschreibe nur, wie es im Kibbutz war. Es ist eine säkulare Gesellschaft, und wer zu der Minderheit gehörte, die fasten wollte, fiel eben auf. Ich habe das Wort Sonderling ironisch gebraucht, vielleicht war das nicht deutlich genug. Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie es funktioniert, wenn jemand das ganze Jahr über das unkoschere Essen ißt, das es hier gibt, am Shabat Auto fährt, keine Synagoge besucht und nicht betet, in einem Haus ohne Mesusa lebt etc. – aber am Yom Kippur mit großem Aufwand fastet. Das kommt mir so vor wie die Weihnachtschristen, die den Weg zu ihrer Religion nur finden, wenn sie ein folkloristisches Backdrop zu ihrer Familienfeier bildet.

Übrigens finde ich das Ethos der Arbeit bewundernswert, es hat der westlichen Welt (s. Max Weber) und insbesondere Israel einen Vorsprung vor den Gesellschaften gegeben, in denen es nicht herrscht – ein zweischneidiges Schwert. Natürlich essen wir die bitteren Früchte der rastlosen Arbeit und rastlosen Ausbeutung der Resourcen nun weltweit.

Ich ziehe den klassischen, arbeitsbesessenen Kibbuznik oder Moshavnik (wo dasselbe harsche Ethos der karierten Hemden herrscht) hundertmal den heutigen Anbetern des Götzen Entertainment und Shopping vor.

Und denk mal an Deine eigenen Großeltern. Haben die nicht viel mehr gearbeitet als wir? Sie mußten es auch. Deine Oma hat, da bin ich mir sicher, Socken gestopft und Laken gewendet. Sie hat bestimmt schwer gearbeitet und das Geld nicht so einfach für neue Sachen ausgegeben, wenn man die alten flicken konnte. Auch das ist Ethos der Arbeit, wenn auch nicht so extrem wie im Kibbuz und Moshav, wo es ums Überleben ging.

Ohne die Knochenarbeit der Pioniere, die hier die Steine vom Feld gesammelt haben, sähe es hier noch genauso aus wie in weiten Teilen des Nahen Ostens jenseits unserer Grenzen. Was ich nicht unbedingt schlechter finde – ich habe ja ein gespaltenes Verhältnis zu den Wolkenkratzern, Schnellstraßen und Einkaufszentren, mit denen das vollbesiedelte Land vollgestellt wird.

Aber wer nicht bereit war, klaglos zu arbeiten und die Arbeit als Lebenssinn zu sehen, der ist nun mal nicht in einen Kibbuz gegangen. Auch in seinen stärksten Zeiten war nur ein geringer Prozentsatz von Israelis im Kibbuz. Und doch sind in der Armee und der akademischen Welt erstaunlich viele Kibbuzniks, auch in der Wirtschaft. Wer als Kibbuznik großgeworden ist, kommt später überall zurecht.

3. MartinM - Oktober 2, 2006, 11:13

Danke für den amüsant-aufklärenden Bericht. Bisher hatte die „Anbetung der Arbeit“ im Kibbuz immer für eine Art Klischee gehalten. Im übrigen hast Du recht, eine Gesellschaft mit hohem Abeitsethos ist gegenüber einer, die das Arbeiten-Müssen tief verachtet, deutlich im Vorteil. Solange jedenfalls nicht „die Arbeit“ zum Selbstzweck wird, es also egal ist, was denn letzten Endes die Früchte des Fleißes sein sollen. (Auch das hatte Weber irgendwo beschrieben, wenn ich mich recht erinnere.)
Übrigens, ich habe irgendwo (leider nicht notiert) mal eine Statistik gefunden, der zufolge die Kibbuzniks nicht nur bezogen auf Israel, sondern sogar Weltweit eine Art „Innovationselite“ sind, unter den Spitzenwissenschaftlerin und Erfindern sind sie extrem „überrepräsentiert“. Eben jene Leute, die nicht „nur“ viele gute Idee haben (was an sich schon bemerkenswert ist) sondern auch die Zähigkeit, diese Ideen auch zu verwirklichen.

4. grenzgaenger - Oktober 2, 2006, 23:49

liebe lila,

so wie du es beschreibst ist mir sehr klar das der kibbutz kein ort ist an dem ich leben wollte.

ich habe kein problem damit das es sich um eine saekulare gesellschaft handelt (ich liebe ja auch tel aviv tief und innig und man kann dieser stadt bestimmt nicht vorwerfen uebermaessig religioes zu sein), aber ich brauche nun mal die schul wie die luft zum atmen, daran wuerde auch kein kibbutz etwas aendern.

die schul in tel aviv ist ein paar schritte entfernt was ich natuerlich sehr geniesse.

gerade heute – am yom kippur – ist mir das mit der schul wieder bewusst geworden, ich habe schliesslich fast den ganzen tag dort verbracht und es ging mir richtig gut.

trotzdem bin ich natuerlich neugierig darauf deinen kibbutz zu sehen ….

tja, das sind die wehwehchen von konvertiten, ich werde morgen in meinem blogg mehr dazu schreiben und auch etwas zum „arbeitsethos“, ich denke gerade in deutschland ist es eher eine sekundaertugend (um es vorsichtig zu formulieren), aehnlich wie die „deutsche gruendlichkeit“.

du hast gute gruende gebracht warum dies im falle israels anders aussieht.

mir aber dreht sich der magen um wenn ich an „arbeitsethos“ und „greundlichkeit“ denke weil es mich an eine bestimmte zeit erinnert, ich werde diesen beigeschmack bei solchen begriffen nicht los …

und das bedeutet das ein beitrag ueber diese themen nicht ohne zynismus auskommt und sehr lang werden wird, deshalb hat er hier nichts zu suchen, sondern ist in meinem eigenen blogg gut aufgehoben.

wofuer hast du mich schliesslich motiviert zu bloggen ??

jetzt hast du den salat …

(hi,hi,hi,hi ….)

laila tov, ich muss meinen schlafmangel ausgleichen …..

dein/euer grenzgaenger

5. Lila - Oktober 3, 2006, 0:00

Bei den Worten „Arbeitsethos“ und „Gründlichkeit“ fallen mir so viele verschiedene, mir durchaus sympathisch Gesellschaften und historische Situationen ein (Holland im 17. Jahrhundert mit seinen Besen und Schrubbern)… ich weigere miich, mich von der deutschen Vergangenheit in den Sack stecken zu lassen. (Außerdem war Hitler selbst ein ausgemachter Faulpelz und Nichtskönner, ein Schwafler, der von nichts was verstand und andere für sich arbeiten ließ. Das wußten die vielen fleißigen Lieschen nur nicht, die ihm so begeistert zujubelten…)
Und jedem Tierchen sein Pläsierchen. Es gibt nicht viele Kibbuzniks auf dieser Welt. Ich bin glücklich, daß ich im Kibbuz gelebt habe – ab Januar wird auch hier privatisiert, leider. Die meisten Leute können das nicht aushalten, auf die Dauer.

6. grenzgaenger - Oktober 3, 2006, 0:15

na ja, das mit den interreligioesen andachtsraeumen ist sicherlich eine gute idee, aber in der zeit in welcher wir nun mal leben ist es vielleicht auch ein wenig an der realitaet vorbei gedacht solche raeume zu schaffen, oder ? ich gebe zu das ich sehr pessemistisch denke ….

7. Lila - Oktober 3, 2006, 0:26

Ach, ich Doof, habe ich beim Editieren mal wieder den ganzen Absatz rausgeschmissen, das kommt davon, wenn man zehn Sachen gleichzeitig macht.

Ich finde, nie war ein interreligiöser Andachtsraum so wichtig wie heute. Vielleicht gibt es ja sogar einen. Wenn in Berlin ein Raum der Stille eingerichtet wird, warum dann nicht in Haifa? Vielleicht müßte eine Gruppe Künstler ihn gestalten? Hmmm…

8. grenzgaenger - Oktober 3, 2006, 0:38

ich glaube einfach nicht das interreligioeser dialog in diesen zeiten irgendeinen sinn hat …. das liegt sicherlich daran das ich viel von samuel huntington halte …..

9. MartinM - Oktober 3, 2006, 0:39

Ja, grenzgaenger, das (nicht nur, aber auch) in Deutschland zur „Sekundärtugend“ geronnne Arbeitsethos meinte ich mit er zum „Selbstzweck“ gewordenen Arbeit. Das ist etwa die Haltung eines Technikers, der sich freut, dass er etwas zum Funktionieren gebracht hat, sich aber nicht darum kümmert, was da so prächtig funktioniert.
Diese Gefahr sehe ich in einem Kibbuz nun ganz und gar nicht. Die von Lila genannten sympathischen arbeitsamen und gründlichen Gesellschaften zeichnen sich garade dadurch aus, dass in ihnen die nicht über den Tellerrand ihre jeweiligen Arbeit hinausdenkenden „Technokraten“ nicht den Ton angeben. Das es diese oft „unpolitischen“ Technokraten waren, ohne deren Fleiß die die mörderischen Ideen der Nazis für alle Zeiten mörderische Ideen geblieben wären, ist eine der schlimmsten Tatsachen der Weltgeschichte. Daraus abzuleiten, Arbeitsethos und Gründlichkeit seine etwas schlechtes, zieht aber meines Erachtens genau den falschen Schluß: zum Arbeitsethos gehört zwingend eine Arbeitsethik, die sich nicht auf das „tut mir leid, das war nicht mehr meine Abteilung“-Denken zurückzieht, auf das sich so viele Mit-Täter der Shoa und des Vernichtungskrieges zurückgezogen haben.
Aber mit einer intakten Verantwortungsethik sind Fleiß, Gründlichkeit, Genauigkeit uws. wertvolle Tugenden.

10. MartinM - Oktober 3, 2006, 0:52

@Lila: wir haben einen interreligiösen Andachtsraum, einen „Raum der Stille“, an unserem Krankenhaus. Sicher, das ist in Deutschland bestimmt einfacher als in Israel, aber Skeptiker und Gegner gab es zuhaufe.
Es geht bei interreligiösen Dialog ja nicht um „Friede, Freude, Eierkuchen“, und Differenzen werden mit Harmoniesoße zugedeckt – „Dialog“ ist immer auch Streitgespräch, wenn er mehr als Smalltalk sein soll. Da müssen denn auch deutliche Worte ausgesprochen – und ausgehalten – werden.
Von Huntigton halte ich herzlich wenig – es ist ein zu sehr vereinfachtes Modell der Realität. Denn der „Kampf der Zivilisationen“ tobt auch und gerade innerhalb der von Huntington postulierten „Blöcke“ – im „Westen“ zum Beispiel zwischen Anhängern eines „aufgeklärten Humanismus“ und religiösen und ideologischen „Fundamentalisten“.

11. Lila - Oktober 3, 2006, 1:07

Lieber Martin, danke, ich stimme voll und ganz mit Dir überein. Wahres Arbeitsethos ist nämlich ETHOS, und davon sehe ich bei den NS nichts. Und den vielbeschworenen Kampf der Kulturen ausgerechnet in unserem Haifa heraufzubeschwören, nein, Grenzgänger, das finde ich kontraproduktiv. Ich weiß nicht, ob meine private Idee eines solchen Andachtsraums jemandem außer mir ein Bedürfnis erfüllen würde, aber die Moslems, Christen und Juden, die zusammen in einer Statistikklausur schwitzen oder in der UB, die gemeinsam in der Werkstatt Holzskulpturen erschaffen oder eine Ausstellung organisieren, die können wohl auch eine kleine Stunde der Andacht miteinander verbringen.

Schon mal was von Bet ha Gefen gehört und dem Drei-Feste-Straßenfest? Haifa ist ziemlich stolz darauf, daß sich die verschiedenen Religionen eigentlich ganz gut vertragen – von den normal-nachbarlichen Spannungen, die auch zwischen Katholen und Evangelen nicht ausbleiben, mal abgesehen. Ich jedenfalls habe mich immer gefreut, wenn meine arabischen Studentinnen zu Idr el Fitr die Klasse mit Knafe und Baklava versorgt haben. Das kannst Du Dir vielleicht nicht vorstellen, aber die Moslems,die ich kenne, sind allesamt friedliche, liebenswerte Menschen, die von den Islamisten mehr zu fürchten haben als Du. Huntingdon ist auf dem Papier, Mohammed und eine freundliche Tasse Kaffee in der Cafeteria ist die Realität.

Es geht mir ja nicht um einen voll ausstaffierten Zeremonialraum oder gar einen heiligen Ort, sondern mehr, wie Martin sagt, um einen Ort der Stille, der niemandem was aufdrängt, niemanden kränkt und jedem eine stille Zuflucht bietet. In Jerusalem gibt es garantiert eine Synagoge auf dem Campus, in hiesigen Krankenhäusern ebenfalls. Ich werde mich mal bei ein paar Leuten umhören, was sie davon halten. Ein Versuchsballon.

12. ein Jude - Oktober 9, 2006, 5:21

Ich meine, das letztes Jahr schon geschrieben zu haben, aber nochmal zur Klarstellung:

Bei Fasten gehr es nicht darum, sich zu quälen, oder es sich mit Absicht schwerfallen zu lassen. Sondern an Yom Kippur soll der Jude G’tt dienen und ihn preisen, wie das sonst nur die Engel tun. Und die tun das auch voll und ganz und unterbrechen das nicht mit Essen, trinken, etc.

Übrigensist Yom Kippur auch ein Shabbat, also sind auch die 39 Tätigkeiten verboten.

13. Lila - Oktober 9, 2006, 9:15

Ja, danke, das stimmt. Vielleicht gewoehne ich mich bis naechstes Mal an den Gruss.


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