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Es ist schwer, Juli 31, 2006, 0:20

Posted by Lila in Land und Leute.
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an einem solchen Tag überhaupt was zu schreiben, ich bin ja keine Blogmaschine und auch kein Profi mit einer Schublade voller sogenannter Worthülsen (dieses Wort selbst ist eine Worthülse übelster Sorte!), sondern einfach nur ein Privatmensch, der versucht, sich über die Zeit zu retten. Während meine Albträume einer nach dem anderen eintreten und die Zeit mir unter den Augen zu Stein wird.
Heute hat uns die Hisbollah besiegt – ein Sieg in einer langen Reihe von Siegen. Wir sind von Mohammad Dura besiegt worden, obwohl der Junge höchstwahrscheinlich von palästinensischen Kugeln erschossen wurde – doch als das herauskam, hörte die Welt schon nicht mehr zu. Wir sind vom sogenannten Massaker von Jenin besiegt worden – das nie stattgefunden hat, aber als sich das herausstellte, hörte die Welt schon nicht mehr zu. Wir sind von der Explosion am Strand von Gaza besiegt worden – deren Umstände ungeklärt und keineswegs eindeutig bleiben, doch auch wenn das eines Tages geklärt werden sollte, wird schon keiner mehr hören wollen. Wir sind von den vier UN-Beobachtern besiegt worden – zwar hat einer von ihnen schon Tage vor seinem Tod beklagt, daß die Hisbollah ihn und seine Kollegen als Schutzschild mißbrauchte, und gerade um dieses zu verhindern, waren er und seine Kollegen da – doch bevor der genaue Ablauf der Dinge ans Licht kommen wird, wird schon keiner mehr zuhören.

(Ja es gibt selbst Leute, die uns für den Anschlag auf das WTC verantwortlich machen – wobei doch Al Quaida-Leute sich so gern vor dem Bild der brennenden Türme filmen lassen! Aber das ist vielleicht der vom Mossad eingeschmuggelte Studiodesigner, der da seine tückischen Fingerchen am Werke hatte…)

Und die Tragödie von Kfar Kana heute – wer wird die Bilder sehen wollen von mobilen Raketenwerfern, Lastwagen, die in Garagen von Privathäusern verschwinden? die Luftaufnahmen, auf denen zu sehen ist, daß genau aus dieser Ecke des Örtchens eine Kette von Raketen in Richtung Haifa, Akko, Maalot gefeuert wurde? wer untersuchen wollen, ob in dem Haus nicht explosive Materialien gelagert wurden, so daß es Stunden nach dem Angriff zusammenbrach? und wer will wissen, warum in einer Gegend, von der alle wußten, daß von dort pausenlos Raketen auf Zivilisten (nur eben israelische, an denen die Welt weniger interessiert ist) abgefeuert wird, warum sich dort so viele Zivilisten aufhalten? Ob es nicht vielleicht doch stimmt, daß die Hisbollah die Flüchtlinge nicht weiterziehen läßt? (Wobei wir ihm natürlich durch die Bombardierung von Straßen und Brücken kräftig geholfen haben – wir haben ihm so gut geholfen, daß er vermutlich eine dicke Spende für Tsahal zeichnen sollte…)

Wer wird den Soldaten zuhören, die davon erzählen, wie unentwirrbar Zivilisten und Kämpfer im Südlibanon ineinander übergehen – Häuser sind mit Spielzeug und Munition gefüllt, Väter füttern ihre Kinder, stehen auf und nehmen die Waffe, um zu kämpfen, und die Unterscheidungen, die die Armee sonst kennt, gelten nicht mehr. Wer wird hören wollen, was auf den warnenden Flugblättern stand, die seit fast drei Wochen über dem Libanon abgeworfen wurden? Es klingt ja lächerlich, das überhaupt zu erwähnen, nicht wahr? Krieg ist a priori böse, aber vermeidbar, und darum braucht man sich über die Einzelheiten der Kriegsführung auch keine Gedanken zu machen. Wer in Krieg verwickelt ist, ist sowieso böse – außer es handelt sich um einen Aufstand Verzweifelter gegen Israel. Dann kann man schon mal ein Auge zudrücken.

All diese Bilder und Szenarios sind zu komplex, zu kompliziert. Zu viele Teile des Puzzles bleiben unbekannt, unbestimmt, unaufgeklärt. Diese Bilder zeigen uns wie ein Land in der Falle, die immer weiter zuschnappt, während jede Bewegung, mit der wir uns gegen diese Falle wehren könnten, Unschuldige zerquetscht. Wer sich das genau anguckte, der kriegte am Ende noch einen Begriff davon, wie qualvoll es sich anfühlt, in dieser Falle zu sein. Nur das nicht! Entmenschlicht die Israelis, sie haben keine Gefühle. Ein moralisches Dilemma kann es für uns nicht geben, es muß so dargestellt werden, daß wir von einem Dilemma nichts wahrnehmen („weiterbomben“ wollen). Auch hier im Blog gießen flüchtige Besucher Gift und Galle, die ich stehen lasse, damit sie mich schmerzen, wenn ich sie ansehe – damit ich nicht einen Moment vergesse, daß das die Realität ist, in der wir leben. Die Welt sucht einen Schuldigen, sie hat ihn schon.

Wer interessiert sich noch dafür, daß die Hisbollah ausschließlich auf zivile Ziele feuert? daß es nur unserer jahrelangen Gewöhnung an den Terror und unserer relativen Vorsicht zu verdanken ist, daß wir nicht in viel größeren Zahlen sterben? (Was wäre gewesen, wenn das Krankenhaus Nahariya nicht schon geräumt gewesen wäre, in den riesigen Bunker, als die Rakete einschlug? Was, wenn das heute getroffene psychiatrische Krankenhaus nicht so große Rasenflächen hätte? wenn der Flugplatz Rosh Pina nicht schon am ersten Tag der Kämpfe geschlossen worden wäre? was wäre, wenn die Menschen, die heute bei uns verletzt wurden, gestorben wären – wie die Hisbollah es geplant hat – würde dann auch die UN zusammentreten, um Nasrallah zu mahnen? was, wenn die Angriffe aus dem Norden, Süden, die Sprenggürtel mitten im Lande nur ein bißchen treffsicherer wären? ) Die hohen und grausamen Opferzahlen, von der Hisbollah eiskalt lächelnd einkalkuliert, richten uns.
Nein, wir können nicht siegen. Ich bin auch nur ein Mensch und Leute wie Ulrike oder Ärztingattin, im frohen Bewußtsein ihrer nie auf die Probe gestellten moralischen Überlegenheit (SIE wüssten genau, wie der Nahostkonflilkt zu lösen ist!), gehen anscheinend davon aus, daß ich frohlocke und jubele, wenn tote Kinder aus Trümmern geborgen werden und kleine Füßchen über Laken hängen. Natürlich, wir haben hier auf den Straßen gejubelt und Süßigkeiten verteilt, das machen wir immer so – oder??? Und deswegen haben diese braven Bürgerinnen auch das Recht, ihren Zorn an mir persönlich auszulassen und mir klarzumachen, daß es schlimm ist, wenn Kinder sterben. Das wäre mir ja sonst nicht aufgefallen.

Ich hatte heute das Gefühl, wir werden uns an diesen Tag lange erinnern. Nicht unsere Opfer haben uns besiegt, sondern die der anderen Seite. Man wird uns nun zu einem einseitigen Waffenstillstand zwingen, keiner hat die Weitsicht, zu erkennen, was das bedeutet – die Hisbollah bewaffnet und durch unsere Torheit gestärkt zu belassen, wo sie ist. Die nächste Runde wird die Hisbollah mit dem Kredit der Welt, schönen neuen Waffen und einem kalten Lächeln beginnen. Wann? Das ist doch egal. Ich habe das Gefühl, die Uhr tickt. Wir hätten uns weiter, wie die letzten sechs Jahre, beschießen und beschimpfen lassen müssen. Wir hätten gleich die weiße Flagge hissen müssen oder einen von Achmedinidjads kreativen Vorschlägen annehmen sollen. Denn gegen Leute, die sich hinter Kinderbettchen verstecken, kann man nicht gewinnen. Und wenn man es versucht, dann ist der Versuch so bitter, daß man am liebsten die Augen schließen möchte und sein eigenes Leben im Tausch bieten möchte.

Soll ich wirklich so bitter schreiben? Geht es eigentlich jemanden an, wie ich mich fühle? Ich sitze noch an meiner Stundenvorbereitung für morgen, bin heute vor Arbeitslast und Streß gar nicht fertiggeworden, und verschiebe das Drücken auf Schaltfläche „publish“ schon seit Stunden… und später: David Horovitz und Ulrich Sahm sind lesenswert, bestimmt lesenswerter als ich heute, sorry.

Kommentare»

1. Kevin - Juli 31, 2006, 0:37

Ja, es ist traurig. Vorhin als ich die Nachricht und die Berichterstattung auf CNN – v.a. die UN-Sicherheitsratsdiskussion- gesehen habe, habe ich mich genauso niedergeschlagen gefühlt.
Die Propagandamaschine der Hisballah hat gewonnen… All die toten Kinder und Frauen, die ohne Skrupel als Schutzschilde benutzt werden, machen mich so wütend.
Und die Bigotterie der arabisch-islamischen Welt macht mich noch vile wütender: ich meine die ermordeten Muslime im Irak, oder die getöteten arabischen Kinder in Haifa,oder,oder… Jetzt wird es jedenfalls noch schwerer für Israel einzutreten, doch umso wichtiger!
Dieser Blog ist sehr wichtig, weil man merkt, dass man nicht alleine ist, auch wenn man räumlich 1000de Kilometer entfernt ist.

2. grenzgaenge - Juli 31, 2006, 0:50

liebe lila, was soll ich schreiben ausser „du hast recht“ und „ich bin in gedanken bei dir“ ? liebe gruesse, dein grenzgaenger

3. Soeren Onez - Juli 31, 2006, 1:16

ich verstehe die Welt auch nicht mehr, sagt mal wie oft ist sowas im Irakkrieg passiert? Aber da kämpfte ja Amerika gegen einen Atomdiktator. ich kann dich verstehe, sehr gut verstehen und danke dir für jeden deiner Beiträge, man fühlt sich nicht so allein. Fühl du dich auch nicht, ich denke an dich und hoffe, dieser Konflikt findet vielleicht doch noch ein wirkliches Ende und kein Erpresstes auf dem Rücken vieler Kinderleben.

4. yoram - Juli 31, 2006, 1:18

ich bin bei euch in gedanken — und bin froh das du den „publish“ button gedrückt hast.

woher nimmst du die energie so viel gedanken und worte zu schreiben? wann schläftst du? wenn ich könnte würde ich euch eine hühnersuppe schicken.

(und wenn du mal support/hilfe mit wordpress o.ä. brauchst zögere nicht bescheid zu geben — wäre mehr als bereit dir zu helfen.)

5. rc - Juli 31, 2006, 1:33

ich war grad drei tage weg und hab kaum mitbekommen, was da drüben gerade los ist, aber ich habe vielleicht eine antwort auf die frage, warum nasrallah nicht „abgemahnt“ wird: er ist kein staat. auch die hisbollah ist kein staat.
überhaupt finde ich das ganze hier etwas einseitig auf die opferrolle zurückgezogen, aber ich bin ja auch nur gelegenheitsleser. vielleicht kommt die kritik an israel nur so stark (rüber), im verhältnis, weil klar ist, dass auf der anderen seite ein fiesling sitzt.

6. Liisa - Juli 31, 2006, 1:44

Liebe Lila,

ich kann mir lebhaft vorstellen, wie frustriert und traurig Du und viele mit Dir gerade sind – ich bin es auch. Krieg ist immer furchtbar für alle Beteiligten. Krieg heißt immer auch unschuldige Tote. Krieg ist schmutzig und nicht „sauber“ wie man es uns so gerne schon seit langem weismachen will. Krieg, das bedeutet Blut und Tränen genauso wie Kriegsgewinnler und Kriegsverlierer. Geht die Hisbollah wirklich gestärkt aus diesem Konflikt hervor, dann verliert nicht nur Israel, dann verliert auch der Libanon und seine Menschen und vermutlich noch viel mehr Menschen in der Region.

Die „Politik“ die zur Zeit in dieser Frage von Seiten der UN, Amerikas und der EU stattfindet, ist im Grunde keine Politik. Es ist – wie schon so oft in der Vergangenheit (übrigens nicht nur auf den Nahen Osten bezogen) – der verzweifelte Versuch den Deckel wieder auf den explodierenden Topf drücken zu wollen in der Hoffnung, daß wenn der Deckel wieder drauf ist, der Gestank unterdrückt ist und man wieder zur Tagesordnung übergehen kann. Ich verstehe nicht, daß „die Welt“ mal wieder zusieht und „abwarten“ will. Abwarten … was denn, bitte schön?

Wer mein Blog regelmäßig liest, der weiß, daß ich alles andere als kriegsbegeistert bin, aber wer die Geschichte einigermaßen kennt und versteht und seinen Verstand nicht völlig an der Garderobe abgegeben hat, der weiß, daß Krieg manchmal das kleinere Übel ist, so furchtbar diese Wahrheit auch ist.

Auch ich denke an Euch … genauso wie an alle anderen auf beiden Seiten, die in diesen Tagen ihr Leben verlieren.

Liebe Grüße,
Liisa

7. Piet - Juli 31, 2006, 2:27

Du hast Recht, die Falle, in der sich Israel befindet, ist ein Dilemma. Nicht, weil die Welt nicht hören oder wissen wollte (abgesehen vom Problem der Masse und der Geschwindigkeit, mit der Nachrichten durch die Medien rauschen), sondern weil in diesem Medienkrieg, der ja auch geführt wird, die Wahrheit so schwer zu erkennen ist. Ist es Israel, das keinen Fluchtkorridor zulässt, sodass die arme und schon immer benachteiligte Bevölkerung zurückbleiben muss? Ist es die Hisbollah, die die Familien nicht gehen lässt? Sind es Familien dort selbst, die eben beides sind, leidende Familien und Milizen? Die Trennlinie ist vermutlich oft nicht scharf zu ziehen.

Tatsächlich aber ist das Elend groß, auf allen Seiten (und ja, auch das Elend in Israel wird gezeigt, die Medien sind gar nicht so einseitig!) Die Hisbollah scheint (aber das ist natürlich kaum zu beurteilen, schon gar nicht von hier aus), trotz der Stärke der Israelischen Armee, kaum geschwächt, im Gegensatz zu den zivilen und demokratischen Strukturen im Libanon; im Gegenteil verzeichnet die Hisbollah, z.T. sicher aus taktischen Gründen (Ägypten), offensichtlich einen Zulauf, den sie noch vor einer Woche nicht hatte (welch tragische Parallelen zum Irak-Krieg). Mein subjektiver Eindruck ist, dass Israel vom Erreichen seines Zieles immer weiter entfernt scheint, je länger dieser Krieg dauert.

Ob ich mit dieser Beobachtung richtig liege, weiß ich nicht. Nachrichten zeigen Bilder und Geschichten, aber die Wahrheit?

Ich kenne inzwischen viele, die den Krieg anfangs verurteilten, aber mit großen Bauchschmerzen leiser wurden und zu verstehen versuchten, dass er möglicherweise notwendig sein könnte, ich selbst gehöre ja auch dazu. Tatsächlich komme ich aber immer wieder an den Punkt zurück, dass ohne Waffenstillstand und Verhandlungen keine dauerhafte Lösung möglich scheint, ob überhaupt eine möglich ist. Wie soll das gehen, wenn Menschen, die die Entwaffnung der Hisbollah eigentlich wünschten und Frieden wollten, angesichts dieses Grauens, das Krieg immer ist, sich immer tiefer in die Arme der Extremisten getrieben fühlen? Zumindest ist das das Bild, welches sich mir im Augenblick darstellt.

Wenn mit diesem Krieg aber das Gegenteil dessen erreicht wird, was man eigentlich möchte, Sicherheit und Frieden – was ist er dann wert? Ja, es ist schreiend ungerecht! Israel hat diesen Krieg nicht angefangen. Und trotzdem, wie viel Wert ist ein Pyrrhussieg?

So sehr es richtig sein mag, dass Iran und Syrien die Kriegstreiber in diesem Krieg und für ihr Tun und ihre Haltung zu verurteilen sind, so sehr recht sich (aus meiner Sicht) der verheerende Irak-Krieg und die US-Rhetorik von der sog. „Achse des Bösen“, welches die Menschen ganzer Staaten verteufelt. Es hilft alles nichts: Man wird eben genau diese Achse brauchen, fürchte ich, um überhaupt so etwas wie die Entwaffnung der Hisbollah hinzubekommen, von Frieden oder gar dauerhafter Lösung will ich gar nicht sprechen. Das ist bitter. Vielleicht klingt es für manche sogar zynisch. Aber ich _sehe_ die Alternative nicht.

Ach Lila…

Nur bitte glaube nicht, dass Menschen, auch wenn die Lage außerhalb von Israel/Umgebung natürlich eine andere ist, weniger (mit-)leiden. Möge Gott euch behüten.

P.S. Bevor ich’s vergesse: Zu so einem Schwachsinn, Israel sei Schuld an nine eleven, muss man sich doch wohl nicht ernsthaft äußern!

8. Lila - Juli 31, 2006, 3:02

Nein nein, zu Deinem letzten Satz, das habe ich auch mehr spasseshalber dazugeschrieben, ich finde, das ist ein besonders nettes Kuriosum.

Ansonsten: tja, so ist es. Was koennen wir machen? Nichts. Zumindest nichts richtiges. Oder zumindest nicht im Moment.

9. Manuela - Juli 31, 2006, 3:13

Guten Morgen Lila,

da sitze ich hier, und habe Tränen in den Augen. Soviel Leid, Bitterkeit spricht aus deinen Worten…..
Auf dein Blog wurde ich durch einen Freund aufmerksam gemacht. Wir hatten uns über die „Berichterstattung“ unterhalten und fragten uns, wie schon häufiger; Wie glaubhaft ist das was man uns hier, in Deutschland und weltweit sehen und hören läßt?.

Mir fehlen einfach die richtigen Worte, um meine Gedanken zu deinen Texten mittzuteilen. Vielleicht möchte ich auch nur das du weißt , wie Piet es schon ähnlich sagte, ich leide nicht – aber ich fühle mit dir,außerhalb Israels mitten in Deutschland, und frage mich wann wird dieser Wahnsinn mal ein Ende haben? Alles was ich dazu sagen könnte haben meine „Vorredner“ schon gesagt.

Es bleibt mir nur dir, deiner Familie und den Menschen dort unten eine friedlicher Zukunft zu wünschen.

10. B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade - Juli 31, 2006, 8:21

Urlaubslektüren 30.07.2006

Da gerade das Kosmoblog Betriebsferien macht (dafür ist bestimmt der Blogbetriebsrat verantwortlich!), habe ich endlich mal wieder eine Chance, auf einige Quellen hinzuweisen; der Herr Speck lässt einem ja ansonsten kaum etwas übrig. Si…

11. Club der halbtoten Dichter » Von Kehrseiten und ihren Medaillen - Juli 31, 2006, 8:50

[…] ueber diese Seite ansehen. […]

12. Will Mal Was Sagen - Juli 31, 2006, 9:16

Ja, das mit der Falle, die so oder so immer weiter zugeht, klingt leider sehr, als ob es stimmt.

Ich mag es ganz und gar nicht, dass zu sagen, aber ich fürchte, dass eure langfristigen Aussichten wohl eher schlecht stehen.

Wie soll Israel auf Dauer gen soviel Feindseligkeit bestehen? Egal wie sehr einige versuchen, der Welt euren Standpunkt zu erklären, im Vergleich zu den vielen, vielen Angriffen auf Israel von Leuten überall auf der Welt kann das wohl nicht viel ausrichten. Und egal wie oft einige Sachen, die ganz einfach nicht stimmen, korrigiert weren, sie werden trotzdem immer wieder wiederholt werden.

Dadurch werden sich die Israel-Hasser immer wieder bestätigt fühlen, und ihr Hass wird sich immer stärker verbreiten. Und ich brauche wohl nicht zu sagen, dass eure Lage in Sachen „gehasst werden“ schon mehr als schlimm genug ist. Weiße Rassisten sehen euch als „nichtweiß“, und Rassisten mit anderer Hautfarbe, die Weiße hassen, sehen euch als „weiß“. Praktisch die ganze Dritte Welt ist anscheinend mehr oder weniger gegen euch. In der westlichen Welt sind auch in Ländern, deren Regierungen euch mehr oder weniger unterstützen, oft große Teile der Bevölkerung gegen euch. Anscheinend sind die USA das einzige Land, in dem sowohl die Politiker als auch viele einfache Menschen euch unterstützen. Und wenn die USA einmal weniger mächtig sind als jetzt (was früher oder später passieren wird) oder sich der politische Mainstream dort ändert- ich will lieber nicht weiterschreiben.

13. Tania - Juli 31, 2006, 9:55

zuerst war ich erbost – aber jetzt, wo ich lese, dass da granatwerfer in den garagen standen, ist es natürlich völlig ok, dass da – wie viele warens? – „56 menschen, darunter 37 kinder“ getötet wurden.

14. anmerker - Juli 31, 2006, 10:53

Liebe Lila,

Du weißt: Du mußt nicht bloggen, wenn Dir nicht danach ist – ich glaube, niemand erwartet das. Aber Du mußt Dich auch nicht entschuldigen, daß Du Dich trostlos fühlst und das zeigst. Die Lage ist schwierig. Du kannst nicht, wie ich aus einigen Kilometern Entfernung, einfach abwarten, was da denn nun herauskommt.

Doch eines: Lies bitte noch einmal, was Du über die UN-Beobachter geschrieben hast. Das Mandat mag nicht sehr sinnvoll sein. Aber was wäre den Soldaten selbst vorzuwerfen? Sie haben unbewaffnet in gefährlicher Lage für den Frieden in fremden Ländern Dienst getan und ihr Leben verloren. Willst Du sie wirklich posthum zu Feinden stempeln?

Alles Gute weiterhin — und schon jetzt einen schönen Urlaub, sonst vergesse ich das noch. Wird dieses Jahr, jedenfalls bis zu einem eventuellen Waffenstillstand, vielleicht etwas ambivalent werden, aber es bringt auch die Kinder aus der Gefahr und befreit Euch auch von den Einschränkungen. Freu Dich also trotzdem ein bißchen, ja?

15. Marlin - Juli 31, 2006, 11:23

Lila, Du hast mein Mitgefühl.

Aber ich kann Dir nicht ganz zustimmen. Noch ist überhaupt nichts verloren.

Sofern kein wirkliches Ende der Kampfhandlungen eintritt, kann die Hisbollah noch erlegt werden.. oder entscheidend geschwächt.

Sieh es als taktische Atempause.

Allerdings sind die Informationen über Erfolge der IDF wirklich sehr gering. Das ist schade.

Ich hoffe, die Zivilisten in der Regierung pfuschen der IDF nicht hinein, dann kann es nämlich noch was werden.

Ich habe eben schonmal in einem Kommentar geschrieben, daß ein extrem großer Unterschied zwischen Israel/IDF und Hisbollah/etc. besteht:

Die IDF entschuldigt sich, wenn solche Tragödien passieren, die Hisbollah macht nichteinmal den Versuch, militärische Ziele zu treffen.

Klammere Dich an diesen Unterschied. Es ist doch ganz eindeutig.

Eine zivilisierte Armee gegen eine Terrorgruppe. (Dieser Terror geht auch gegen das Wirtsland)

Solange die IDF so bleibt und sich bemüht, Zivilistenopfer zu vermeiden, ist alles gut.

Wenn sie richtig losschlagen würde, sähe der Südlibanon ganz anders aus. Dann würden dort keine Zivilisten mehr leben. Aber auch keine Terroristen.

Daß das nicht so ist, ist Isreal hoch anzurechnen.

Bleibt stark.

16. Huflaikhan - Juli 31, 2006, 12:46

Furchtbar. In dem eingeschränkten Horizont, wie er sich einem der üblichen Medien ausgesetzten Fernbeobachter, bietet, ist das nicht eingeblendet.

Ich bin dankbar für die Erläuterungen von Deiner Seite. Das macht das alles zwar auch nicht verstehbarer, aber es ist eine gute Möglichkeit (privat) ein wenig geimpft zu werden (oder zu sein).

17. Ludovika - Juli 31, 2006, 13:12

liebe lila-
beim lesen fing mein herz wie rasend an zu klopfen.
ich denke an dich/euch!!!
Sonia

18. Etelka - Juli 31, 2006, 16:40

Hallo Lila,

auch ich habe Tränen in den Augen, und das obwohl ich im weit entfernten Deutschland sitze, und quasi nur aus Interesse involviert bin.

Deinen Blog lese ich seit mehren Wochen recht interessiert. Einfach weil ich immer wieder Bedenken habe, wieviel Wahrheit erfährt man über die Medien. Was wird geschönt oder nur die halben Tatsachen erzählt. Dein Blog liest sich nicht, als wäre Dir die andere Seite egal, als würdest Du nicht über den eigenen Tellerrand hinausschauen, auch wenn das in diesen Zeiten sicherlich nicht einfach sein dürfte.

Für mich stellt sich allerdings die Frage, ob sich die Hisbollah überhaupt mit den Wurzeln ausrotten lässt? Ohne gleich neuen Ablegern neue Kraft durch neuen Hass zu geben?

Ich möchte daran glauben, damit es endlich ein Ende hat.

Mit den besten Wünschen für Dich und die Deinigen

Etelka

19. Witha - Juli 31, 2006, 16:53

Natürlich sollst und darfst Du so bitter schreiben, wenn nicht Du, wer sonst?
Wir sitzen weit weg…hier fallen keine Bomben….unsere Kinder können draußen spielen, wann immer sie wollen…..
Dieser Krieg ist so unnötig wie alle Kriege…..
Ich werde nie die Gründe verstehen, warum sich Völker bekriegen müssen…..
Es gibt jedenfalls genug Menschen in Deutschland, die nicht den Israelis für alles die Schuld geben…..
Ich wünsche eurem Land, dass es bald in Frieden leben kann….

20. Jonas - Juli 31, 2006, 17:17

Ich kann deinen Worten nur zustimmen. Doch auch mir wird keiner mehr zuhören von den Leuten die es nötig hätten.

Jonas

21. Kosta - Juli 31, 2006, 17:48

Wenn ich so etwas lese, muss ich immer wieder eine Sache feststellen: wir (damit meine ich die menschliche Rasse) neigen dazu blind zu sein für das Elend der anderen. Ich bedauere wirklich die Menschen, die im Nahen Osten leben, unabhängig ob Israeli oder Palästinenser, Libanese oder was auch immer. Irgendwie scheint jedem sein Leid überdimensional und ungewöhnlich groß und sehr ungerechtfertigt zu erscheinen, während die anderen, quasi nur das ernten, was sie gesät haben.
An einem Konflikt dieses Ausmaßes trägt keine Seite die alleinige Verantwortung und die Weltöffentlichkeit verurteilt die Angriffe der Hisbollah auf Zivilisten nicht weniger als sie die zivilen Opfer auf Seiten Libanons verurteilt. Lila, es ist ganz und gar nicht so, dass Israel alleine dasteht.
Es ist jedoch traurige Wirklichkeit, dass die vielen toten Kinder mehr betrauert werden und ihr Tod auf mehr Verständnislosigkeit trifft, wenn sie von der Armee eines geachteten Staates Tag für Tag getötet werden, als von einer allgemein bekannten Terrororganisation. Und tote Kinder sind nun mal medienwirksam. Ich fühle mich ebenfalls hilflos, weil im Moment beide Seiten kräftig dafür sorgen, dass der gegenseitige Hass ins Unermessliche wächst, und ich nicht mal ansatzweise weiß, was man dagegen unternehmen könnte. Und selbst, wenn die Hisbollah aus dem Südlibanon vertrieben werden könnte, es sind genau diese staatlichen Angriffe, diese toten Kinder, die ihre Arme stärken. Und ich persönlich bin froh, dass ich mich nicht entscheiden muss, zwischen: soll ich tatenlos zusehen, wie ich angegriffen werde oder soll ich zurückschlagen in der Hoffnung unter den toten Kindern werden schon einige Terroristen sein. Beides würde ich verurteilen, doch eine weitere Möglichkeit gibt es kurzfristig schlichtweg nicht. Ich weiß nicht was ich noch sagen soll, außer dass ich die Menschen im Nahen Osten bedauere und hoffe, dass das Wunder eines Friedens doch möglich ist.

22. Samuel - Juli 31, 2006, 19:00

Recht haben ist relativ, Glaube überzeugt.

Israel ist meiner Meinung nach, der mit Abstand klügere Kriegsteilnehmer.

Krieg gegen die Hisbollah ist genau das, was diese Menschen erwarten und sich jahrelang drauf vorbereitet haben.

Der Wind kann der Hisbollah nur aus den eigenen Reihen genommen werden. Und Israel kann das Problem nicht alleinen lösen. Frau Rice hat gute Lösungsansätze. Es wird Generationen dauern bis alles überstanden, aber es kann eine Lösung geben

23. Karin - Juli 31, 2006, 19:38

Liebe Lila,
Es ist so schrecklich, wenn Du schreibst „Wir sind besiegt“.
Das darf einfach nicht passieren. Ich habe an der jüdischen Bevölkerung schon immer die Entschlossenheit und Stärke und die Einigkeit in Krisensituationen bewundert.
Nun müßt Ihr leider stellvertretend für die westliche Welt den Haß Mullahs aufhalten.
Es ist schlimm, dass dies hier in Deutschland von so wenigen Menschen verstanden wird.
Niemand mag sich wirklich vorstellen, die eigene Existenz auf diese Weise verteidigen zu müssen und dafür von der ganzen Welt angeprangert zu werden. Von allen mit Haß verfolgt, ohne auch nur ansatzweise einen vernünftigen Grund zu kennen.
Immer wenn ich Menschen frage „Nennt mir einen Grund, warum ihr das jüdische Volk nicht mögt“, bekomme ich hilfloses Schulterzucken zur Antwort. Häufig wird noch die Ermordung Jesu vor 2000 Jahren angeführt oder der angeblich unermeßliche Reichtum einiger jüdischer Familien. Ja, handelt es sich hier denn doch um Dummheit und Neid?
Bitte, gebt nicht auf, auch hier in Deutschland leben Menschen die mit Euch fühlen und hoffen und für eine friedliche Existenz Israels im nahen Osten beten.

24. Karin Kammann - Juli 31, 2006, 23:22

Liebe Lila

dir nur von Herzen ein DANKE für den Mut, tapfer weiter zu schreiben: gegen die innere Wut, gegen diese so selbstverständliche Kiegskälte, gegen das Abwägen und Kommentieren. Gewalt ist so selbstverständlich geworden, dass man sie nicht mehr wahrnehmen möchte. Oft nicht kann. Da hilft nur die Träne, die Geschmack gibt der Wirklichkeit.

Du bist in guter Tradition mit so vielen, die durch Schreiben lebendig blieben ….

25. Buster - August 1, 2006, 1:04

Ich möchte kein Gift und keine Galle verspritzen. Hier und auch anderswo nicht.

Ich war in meinem Leben in Gebieten, die vom Krieg verwüstet waren, auch in Kriegen. Aber ich war bislang nie in der verzweifelten Lage, dass meine Freunde, Bekannte, meine Familie von Krieg bedroht waren. Ich weiß nicht wie es ist, wenn ich von Menschen fortgehe und hoffen muss, dass sie morgen noch leben.

Die Familie meines Schwagers lebt in Beirut, zwei gute Freunde ebenso und ein anderer Freund ist Kibbuznik im Norden Israels, bei Kiryat-Shmona – beschossen von Granaten aus dem Libanon derzeit und dennoch einer der wenigen, die noch zur geschmähten Friedensbewegung zählen und demnächst wahrscheinlich wieder im Gefängnis sitzen, weil er sich der Mobilisierung widersetzen wird. Alle schreiben sie mir Mails. Ich schreibe zurück „Ich verstehe“ und verstehe dennoch nichts, keinen und niemand.

Ich möchte danken für die persönlichen Berichte hier (nicht für die Links zum Außenministerium) die auch mir helfen, etwas zu verstehen!

26. jeremiah stefan (anneka-anaths bessere hälfte) - August 1, 2006, 3:13

Liebe Lila,

tausend Dank, dass Du in all dem Chaos, das Dich und übrigens uns alle derzeit umgibt, den Kopf oben behältst und nicht müde wirst, Deine Sicht der Dinge aufzuzeigen. Danke, dass Du zeigst, dass Israelis keine blutrünstigen Ungeheuer sind, wie das auch hier im friedlichen, aber naiven, ja, grenzenlos naiven Schweden dargestellt wird. Von der Katastrophe in Kana habe ich im Auto gehört, ganz beiläufig in den Nachrichten des schwedischen Rundfunk. Und natürlich stand der Schuldige schon fest, und das war nicht etwa dieser Hisbollah-Fritze und seine Gönner. Ich habe die ZDF-Nachrichten gestern nicht gesehen, aber ich könnte wetten, dort war die Berichterstattung ähnlich. Sicher auch dort kein Wort darüber, dass es Gründe gegeben haben könnte für diese Katastrophe, die nicht auf israelischer Seite liegen, sondern bei der Menschenverachtung der Hisbollah selbst. Denen geht es nämlich schon längst nicht mehr um Israel. Da hast Du wohl recht. Das ist doch bloss ’nen Scharmützel. Denen gehts ums Ganze. Und davor ist dann auch unser Schwedchen nicht mehr sicher, auch wenn man es hier nicht wahrhaben will.

Ich würde gern Deiner Stimme hier mehr Gehör geben, wenn ich das dürfte und könnte, weil Du keinerlei Hurrapatriotismus an den Tag legst, sondern diesen ganzen verdammten Krieg als das bezeichnest, was er ist, nämlich eine grenzenlose Katastrophe nicht nur für Israel und den Libanon, sondern für uns alle, aus der es wohl vorläufig auch keinen Ausweg gibt, und wenn es einen gebe, wie schon könnte der aussehen? Ein paar Szenarien hast Du ja angedeutet…

Haltet durch, Ihr alle, Lila, Du und die Deinen, ihr alle, Juden, Christen, Moslems, Araber, Palästinenser, Libanesen, Ihr Menschen im Heiligen Land, im Kampf gegen diese selbsternannten Gotteskrieger, die in Wahrheit ganz einfache banale Faschisten sind, weil sie sich selbst und ihre Ziele über andere Menschen stellen und damit billigend in Kauf nehmen, dass deren Leben ausgelöscht werden, wie das Faschisten aller Coleur schon immer taten, wie auch immer sie sich nannten. Wir wünschen Euch dazu die Kraft, die Ihr braucht, und werden Euch helfen, wo immer wir können, wenngleich wir im Moment noch ohnmächtig sind ob der Ereignisse.

Jegliches hat seine Zeit. So wird auch diese grausame Zeit ein Ende finden. Lasst uns, liebe Lila, liebe Bloggleser, dafür sorgen, diese grausame Zeit zu verkürzen.

Shalom und Salam Euch allen.

27. Georg - August 1, 2006, 4:06

Ich bedanke mich auch bei dir für dein alltägliches Schreiben, sehe die Zukunft allerdings nicht ganz so pessemistisch wie du. Es wird sich schon wieder ändern und normalisieren – und ich glaube an einen Frieden.
Haste meine E-Mail bekommen?

Viele Grüße

28. Ulrike - August 1, 2006, 7:37

Du wirst es kaum glauben, liebe Lila, auch ich bedanke mich für deine Berichte und deine Gedanken, die ich aufmerksam verfolge, und die meine Sicht der Dinge zum Teil schon ein wenig zurecht gerückt haben. Wenn du also in meinem Denken etwas bewirkst, gelingt dir das sicher auch bei anderen. Deshalb: Nicht resignieren und aufhören!

Nein, ich gehe NICHT davon aus, dass du „frohlockst und jubelst, wenn tote Kinder aus Trümmern geborgen werden und kleine Füßchen über Laken hängen“, ich weiß, dass deine Empfindsamkeit und dein Mitgefühl beide Seiten gleichermaßen mit einbeziehen. Mein Eintrag neulich betraf im Grunde auch gar nicht dich persönlich (natürlich nicht! – so wie es viele nette Menschen in Israel nicht im Einzelnen betrifft), sondern war eigentlich eher ein Ablassen meines Ärgers über militärische „Lösungen“, die es meiner Meinung nach in keinem Fall geben dürfte, eben weil davon immer auch eine Menge Unschuldiger betroffen sind, die einfach nur in Ruhe leben wollen – auf beiden Seiten. Ich hätte meinen Frust besser in einem Hardliner-Blog ablassen sollen, nicht ausgerechnet bei dir. Nur …, ich lese halt nicht in solchen Blogs, weil ich mich lieber bei dir aufhalte. So hast du es halt abbekommen. Tut mir Leid.

Ich frage mich halt immer, ob diejenigen in Israel, die mit der Gewalt ihrer Waffen massiv (z.B. im angekündigten 1 zu 10-Verhältnis) die Gewalt Einzelner und einzelner Gruppen bekämpfen und damit immer auch völlig Unbeteiligte treffen (so hatte ich es bisher immer gesehen) , gar nicht über die verheerenden Folgen in den Köpfen eigentlich friedlich fühlender Nachbarn nachdenken. Das ist für Israel doch eine große Gefahr!
Aber ich sehe inzwischen auch, dass das Problem sehr komplex ist.
Schwierig, schwierig …

29. Ingrid - August 1, 2006, 22:19

Liebe Lila,
ich hatte neulich schon einen langen Kommentar geschrieben, aber er war weg, weil ich meine E-Mail-Adresse nicht angegeben hatte … jetzt noch mal, hier zu einem anderen Eintrag. Aber die Stimmung, die Gedanken, sind jedesmal andere.

Auch wenn das Problem noch so komplex ist und nie einer ganz und gar informiert sein kann, so darf man doch Stellung beziehen, finde ich. Es tut mir so unendlich leid, was ihr erdulden müsst, nicht nur die Raketen, sondern auch die Meinung vieler in der Weltöffentlichkeit. Wie kommt das nur? Man muss es wohl verstehen, die Presse und die Bildersprache für sich zu nutzen und das klappt wohl irgendwie bei den Israelis nicht. So entsteht ein ganz falscher Eindruck, nicht bei mir, denn ich verfolge dein Blog lange genug und ich kenne deine Geradlinigkeit und Objektivität und Friedensbereitschaft lange genug, um dir jedes Wort zu glauben, aber bei vielen rundherum.-
… alles Gute … (ich brech mal mitten drin ab)

30. sjpyjswco - August 2, 2006, 7:34

vnkjplfzro

xhxzfr ovuwvgdpu nrkkzjy

31. ich - August 2, 2006, 16:02

Frage: Warum bombt Israel eigentlich die Elektizitäts- und Wasserwerke kapput?

32. kranich05 - August 2, 2006, 18:31

Hallo Lila,
mich haben diese Bilder sehr beeindruckt.
http://opablog.twoday.net/stories/2433968/

Haben Deine Kinder auch Granaten beschriftet?
Oder nicht?

33. Lila - August 2, 2006, 19:57

Falls Du wirklich an der Geschichte interessiert bist (die hier schon des langen und breiten diskutiert wurde), hier ist der Link
http://ontheface.blogware.com/blog/_archives/2006/7/20/2142505.html

Wie schön für alle Freunde Israels, ENDLICH mal ein Bild gefunden zu haben, mit dem sich die Hunderte von Haßbildern der arabischen Welt beantworten lassen. Aaaaah, diese blutrünstigen Israelis.

34. sally - August 2, 2006, 22:21

Hallo Lila,

danke für Deine Berichte. Glaub mir, auch in Deutschland sind sich viele Menschen darüber im Klaren, daß die Mullahs nicht wirklich „siegen“, sondern die Leute im Libanon und anderswo schändlich mißbrauchen. Schlimm ist, daß so viele Leute sich „ein X für ein U“ vormachen lassen und nicht selbst nachdenken. Ich wünsche Dir und Israel viel Kraft.

35. Lila - August 3, 2006, 0:05

Danke, Sally. Ich frage mich immer, woher dieser besondere hämische Unterton kommt, den manche Kommentare haben – seltene, aber doch immer wieder auftauchend.

Ich habe nie behauptet und würde es nie behaupten, daß Israel alles richtig macht, über jede Kritik erhaben ist und nun alle rundherum auf die Knie fallen müssen, um uns anzubeten. (Obwohl ich natürlich niemanden daran hindern werde 😉 Ich sage nur, daß wir in einer Zwickmühle sind, in der jedes Handeln, und auch Verzicht auf Handeln, fatale Folgen hat, und daß wir uns in einem ständigen Prozeß der Reflektion unseres Handeln befinden – ein Blick in die israelischen Zeitungen zeigt, daß wir sehr gut Kritik an uns selber üben können und kein hämischer Ton nötig ist, um uns unsere Fehler, Irrtümer und Holzwege aufzuzeigen.

Und mir ist wichtig, daß nicht aus dem Blick gerät:
1) Israels Existenz ist seit der Staatsgründung (der vollkommen legalen und völkerrechtlich wasserdichten Staatsgründung!) bedroht, und die Konflikte, die immer wieder hier toben, gehören in den Kontext der Versuche, diese Staatsgründung rückgängig zu machen

2) Ich bin nicht sicher, ob diese Interpretation stimmt, und möchte es nicht 100% behaupten, aber ich hege die starke und stärker werdende Befürchtung, daß unser Kampf ein Nebenschauplatz des größeren Kampfs ist, in dem sich der expandiere Islamismus gegen den Westen absetzt und versucht, die westlichen Werte zu überwinden und durch islamistische zu ersetzen. In diesem Kampf, so er denn stattfindet, muß jeder Stellung beziehen. Und in diesem Kampf ist Israel ein Teil des Westens, und Israel braucht die Solidarität (meinetwegen kritische Solidarität!) des Westens.

Wie gesagt, ich hoffe, daß Annahme 2) übertrieben ist, nicht stimmt, falsch ist, daß sich die real existierenden extremen Islamisten nicht durchsetzen können oder ihre Ziele ändern. Wer weiß.

Aber beide Annahmen sind mir wichtig, und sie müßten eigentlich zu einer ernsteren, tiefergehenden Auseinandersetzung mit dem Geschehen hier führen, als sich in bestimmten fiesen kleinen Nadelstichen niederschlägt. Das reicht irgendwie nicht. Das große Bild geht auch die Menschen in Deutschland, überall in der westlichen Welt an.

Und wenn Deutschland mal vor solchen Herausforderungen steht wie wir, dann wollen wir die deutsche Reaktion mal genauso kritisch überprüfen wie unsere.

36. Haltungsturnen - Klopfzeichen aus der Wirklichkeit - August 4, 2006, 10:45

Ich bin unheimlich unsicher

Die Eskalation der Gewalt, des Terrorismus und des Krieges hatte begonnen, als ich nicht online und nicht mit Nachrichten befasst war. Wie immer schon gerate ich bei einem Krieg rund um Israel mit meinem eigenen an sich militanten Pazifismus und den me…

37. Die Zeit - Kosmoblog » Eine israelische Perspektive - August 10, 2006, 22:22

[…] Ein Eintrag im Blog Letters from Rungholt vom 31. 7. 2006: […]

38. Hisbollah rüstet weiter auf « Letters from Rungholt - März 1, 2008, 19:06

[…] Schöne Aussichten. Ich habe nachgelesen, was ich im Sommer 06 geschrieben habe – weiter gehen ja meine Archive leider nicht mehr zurück. 31. Juli 2006 […]

39. Späte Einsicht « Letters from Rungholt - Mai 13, 2008, 17:25

[…] erinnere mich an manchen Eintrag mitten im Krieg, an die Berichterstattung in Deutschland, die so sicher war, wer der Aggressor ist, […]

40. Letters from Rungholt » Es ist schwer, | Enzyklopädie der Kritischen Masse - Juni 19, 2008, 4:00

[…] Letters from Rungholt » Es ist schwer, 31. Juli 2006 – 11:40 – huflaikhan „Es ist schwer, July 31, 2006, 0:20“ Letters from Rungholt » Es ist schwer, […]

41. Thomas - Februar 6, 2009, 15:08

Its interessting to see how things have changed. Lets hope this history will not be repeated.


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