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Umgeguckt Juli 26, 2006, 23:18

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich habe ein paar Tage, na ja, zwei Tage?, ohne Bloglesen und ohne ausgiebige Nachrichtenlektüre verbracht. Erstens, weil ich wenig Zeit habe und noch weniger Nerven, und weil meine Leser schlau genug sind, selbst zu lesen, wenn sie wollen. Zweitens, weil ich doch öfter auf solche Ungenauigkeiten stoße, daß ich schon längst das nässende Quaddelfieber hätte, wenn ich zu sowas neigte. (Wobei die deutschen Medien im Vergleich zu den britischen noch lobenswert sind und auch mal jemand in den Archiven gräbt, so wie die Welt in einem Artikel über UNO-Friedenseinsätzen und einem über Resolution 1559).

Irgendwie ist man hier so zapplig, auch wenn man nicht will, weil Nasrallah ja genau das will. Er grinst aasig, kündigt an, daß nun die nächste Stufe erreicht ist und weiter reichende Raketen eingesetzt werden, und obwohl ich weiß, daß er das nur sagt, um uns alle in Vibrationen zu versetzen, kann ich es ja auch nicht ignorieren. Es ist ja albern, aber man muß sich doch drauf einrichten, daß es noch näher kommt. Mehr als 100 Raketen heute, alle etwas nördlich von uns, vielleicht schon morgen noch näher. Ich richte mich also seelisch ein, und dann frißt enorm viel Energie, besonders weil ich ja auch häuslich ausgleichen, auffangen, Ruhe ausstrahlen muß. Irgendwie geht es. Also, privat ist nichts Neues bei uns.

Ich habe aber doch ein bißchen rumgelesen. Erstmal hat mich die Unifil interessiert. Der neuste Bericht ist ein langes PDF-Dokument, da hatte ich dann doch keine Nerven für… doch ich habe bei LGF einen Ausschnitt gefunden, den ich interessant finde. Falls er unsauber zitiert ist, korrigiere ich mich oder nehme ihn raus, aber so sieht es aus:

Another UN position of the Ghanaian battalion in the area of Marwahin in the western sector was also directly hit by one mortar round from the Hezbollah side last night. The round did not explode, and there were no casualties or material damage. Another 5 incidents of firing close to UN positions from the Israeli side were reported yesterday. It was also reported that Hezbollah fired from the vicinity of four UN positions at Alma ash Shab, Tibnin, Brashit, and At Tiri. All UNIFIL positions remain occupied and maintained by the troops.

Wenn das also stimmt, dann hat wieder mal ein Trick der Hisbollah, die sich ja zu ihrem Glück an keinerlei Regeln der Kriegsführung zu halten hat, uns schachmatt gesetzt. Sich zwischen Zivilisten und hinter der UN zu verstecken…. da haben wir so oder so verloren, verspielt, egal wie. Trotzdem natürlich warten wir alle auf die Untersuchungen, und auch hier in Israel ist der Schock groß. Wie passiert sowas???

Auch Israpundit widmet sich dem Thema, und ich mache mir ein einfaches Leben und zitiere von ihnen (wobei mir klar ist, daß sowohl LGF als auch Israpundit alles andere als objektiv sind – aber da alle Welt Israel schon verurteilt hat, erlaube ich mir, sie zu verlinken, aber betone noch einmal, daß wir alle auf die Untersuchungsergebnisse warten müssen).

Retired Canadian General Lew MacKenzie — who is speaking in Toronto tonight at a Stand with Israel rally — was interviewed on CBC Toronto radio this a.m.

He told the show’s anchor that he had received an e-mail only days before from the dead Canadian observor who was a member of his former battalion. MacKenzie says that the message indicated in effect that the UN position was being used as cover by Hezbollah, who, MacKenzie explained, can do so quite freely as they are not members of the UN and not subject, therefore, to official condemnation. MacKenzie further took issue with the misleading reportage (citing CNN in particular) that suggests that Beirut is being bombarded by the IDF and that the city is in ruins. He said that the bombing is no where near the saturation levels that constitute a bombardment and the IAF have specifically targetted a twelve-block area that is, more-or-less, Hezbollah City, and only after dropping leaflets warning civilians to vacate well in advance of the planned airstrikes.

So viel also nur zur Ergänzung des Gesamtbilds. Der Vorfall ist auch für uns eine Katastrophe.

Interessant und wirklich erhellend ist Fouad Ajamis Artikel über den Libanon. Während ich es las, fiel mir eine Szene aus meiner Jugend ein. Ich hatte natürlich Geschichte-LK und unsere Lehrerin war eine konservativ-katholische Rheinländerin, nennen wir sie hier mal de Frau Küpper. Wir nahmen in aller Gründlichkeit das 19. Jahrhundert durch, aber sie meinte, wir könnten auch nach aktuellen Problemen fragen, sie würde dann eine Stunde dafür einräumen. Ich weiß nicht mehr genau, es war vielleicht zur Zeit von Sabra und Shatila, jedenfalls gab es Nahen Osten in rauhen Mengen im Fernsehen, und ich kapierte nichts. Also zeigte ich auf, immer die olle Streberin!, und fragte, „Ach bitte, Frau Küpper, vielleicht können wir ja mal über den Libanon sprechen, es ist so schwierig zu verstehen, was da vorgeht und wie es dazu gekommen ist“. Muß ich erwähnen, daß es zu der Extrastunde über den Libanon nie gekommen ist?

Darum also lese ich heute Ajami…

No one can say with confidence how this crisis will play out. There are limits on what Israel can do in Lebanon. The Israelis will not be pulled deeper into Lebanon and its villages and urban alleyways, and Israel can’t be expected to disarm Hezbollah or to find its missiles in Lebanon’s crannies. Finding the political way out, and working out a decent security arrangement on the border, will require a serious international effort and active American diplomacy. International peacekeeping forces have had a bad name, and they often deserve it. But they may be inevitable on Lebanon’s border with Israel; they may be needed to buy time for the Lebanese government to come into full sovereignty over its soil.

The Europeans claim a special affinity for Lebanon, a country of the eastern Mediterranean. This is their chance to help redeem that land, and to come to its rescue by strengthening its national army and its bureaucratic institutions. We have already seen order’s enemies play their hand. We now await the forces of order and rescue, and by all appearances a long, big struggle is playing out in Lebanon. This is from the Book of Habakkuk: „The violence done to Lebanon shall overwhelm you“ (2:17). The struggles of the mighty forces of the region yet again converge on a small country that has seen more than its share of history’s heartbreak and history’s follies.

Aus dem Artikel schälen sich, trotz seiner Ausrichtung auf die heutige Situation, ein paar grundlegende Einsichten über den Libanon und seine tragische Geschichte heraus. Hoffentlich wird ein Weg gefunden, und zwar schnell.

Ein Kommentator in der Washington Post, Faiza Saleh Ambah, beschäftigt sich mit der Diskrepanz zwischen der Popularität auf der „arabischen Straße“ und dem Mißtrauen, das die arabischen Regierungen der Hisbollah entgegenbringen, weil der iranische Einfluß ihre eigene Bevölkerung gegen sie aufbringen könnte.

While rebuking Hezbollah, most Arab governments hope the United States, through Secretary of State Condoleezza Rice, can persuade its ally Israel to cease hostilities, analysts say, because each day the assault continues, they lose popularity and the respect of their people.

Das ist wirklich bedenklich und ich hoffe, die ohnehin schon explosive Situation wird nicht noch durch innere Unruhen in Ägypten, Jordanien oder Saudi-Arabien verschärft.

 

Dann habe ich noch beim Schnüffeln einen uralten Text gefunden, die Mitschrift eines Interviews mit Ariel Sharon. Zwischendurch muß die Leitung wohl gerauscht haben, vieles ist unverständlich und Sharons etwas rauhes Englisch klingt durch. Sharon warnt vor iranischen Atomwaffen und vor den Folgen, den der syrische Rückzug haben wird – das Interview fand zur Zeit der Zedernrevolution statt.

 

One, first, let’s say that the Hezbollah terrorist organizations, they are the surrogates of Syria, and no doubt they are in very close relations with the Syrians. … Iran, Syria, and the Hezbollah of course are working together. I think that Hezbollah no doubt that they work together with the Syrians. … I do know that Syria never will recognize Lebanon as an independent country, and the declaration of independence of Lebanon took place in 1943. Syria never — Syria never have recognized Lebanon. They regard Lebanon as part of Syria. …

QUESTION: But will Hezbollah be cut off if Syria is out of there? Will they become more peaceful if Syria is gone?

SHARON: I think it’s very hard to assume that the Hezbollah, equipped so heavily by rockets in southern Lebanon, even if they participate in the elections there, and that doesn’t make Lebanon to become a democracy when, say, one of the sides are so heavily armed. And I think that what should be done if first of all, it should be really pressure on Syria to really withdraw from Lebanon and stop their influence there.

 

Die Syntax der gesprochenen Rede ist ein bißchen eigenwillig, aber leider sind Sharons Sorgen berechtigt gewesen. Hätte ich das damals gehört, hätte ich gesagt, „ach was, Nasrallah wird sich hüten, das relative Gleichgewicht zu stören“. Tut mir leid, Kassandra, daß ich so schlecht zugehört habe….

 

 

In Liberty first finden sich Links zu Dokumenten, von denen man hofft, daß sie nicht echt sind, daß es so etwas einfach nicht gibt (wie bei den Links, die ich heute zur Frage der Shahidim reingestellt).

“My message to the loathed Jews is that there is no god but Allah, we will chase you everywhere! We are a nation that drinks blood, and we know that there is no blood better than the blood of Jews. We will not leave you alone until we have quenched our thirst with your blood, and our children’s thirst with your blood. We will not leave until you leave the Muslim countries.

In the name of Allah, we will destroy you…”

 

Ja, wir haben oft solche Bilder gesehen und Reden gehört, meist von Vermummten mit Waffen vor einer Flagge, im Nachhinein, nach einem Anschlag. Jedesmal dreht sich einem der Magen um. Ist das ein Feind, mit dem man verhandeln kann, zu einer Kompromißlösung finden kann, mit dem man später in korrekt-nachbarschaftlichem Verhältnis leben kann? Und das ist die Hamas, der z.B. David Grossman pragmatische Fähigkeiten zutraut, mit uns zu einem für beide Seiten erträglichen Ausgleich zu kommen. Ich hoffe, er hat recht, aber vielleicht ist er doch zu optimistisch?

 

Mal sehen, was morgen auf uns wartet. In den Krankenhäusern liegen verletzte Soldaten und Zivilisten, morgen früh werden wir mit einer Liste neuer Namen aufwachen, und keiner weiß genau, was auf dem Schlachtfeld passiert. Miri Regev hat einen Journalisten gerade ganz schön abgebürstet, als er fragte, wieso sie ihn denn nicht näher an den Kampf ranlassen. „Und wenn dir was passiert, dir oder einem anderen Journalisten, sollen wir dann Menschenleben riskieren, um dich zu bergen? Das ist Krieg, da wird geschossen, da ist kein Platz für Zivilisten“. Also was wirklich los ist, auf dem Boden, ist schwer zu entscheiden.

 

Die verletzten Soldaten brennen auf die Gesundung, um in den Kampf zurückzukehren. Ein Zeichen, daß es hart auf hart geht, sonst würden sie ruhig im Bettchen liegen. Die Mutter von einem dieser Soldaten meinte vor der Kamera, sie hat eine Tochter in Haifa, deren Haus von einer Rakete getroffen wurde, einen Bruder in einem Grenzkibbuz, der seit Jahren beschossen wird, und einen Sohn, der gerade verletzt von der Front wiederkam – und sie sieht den Zusammenhang. „Da müssen wir jetzt durch“, meinte sie. Wer bin ich dann, zu jammern?, denken sich da alle Zivilisten… und ich danke dem Himmel, daß ich meine Vier noch zu Hause habe.

 

Kommentare»

1. ein Jude - Juli 26, 2006, 23:37

Interessant die österreichische Version (einer der UNO-Männer war Österreicher):

Angeblich habe Israel die UNO aufgefordert, den Posten zu räumen, die UNO habe sich aber geweigert.

2. Lila - Juli 26, 2006, 23:42

Na, da kann man ja gespannt auf die chinesische, finnische und kanadische Version sein… ich hoffe, alles ist aufgezeichnet worden, und wir können herausfinden, was wirklich passiert ist. Egal wie es nun passiert ist: es hätte nicht passieren dürfen.

3. luizcruz - Juli 27, 2006, 0:12

@Lila
Wenn es nicht gelingt, die Hisbollah entscheidend zu schwächen und Nasrallah gefangen zu nehmen, wenn die Hisbollah trotz Einnahme Bint Jbail südlichere Orte in Israel mit Raketen noch bedrohen kann, dann hat Nasrallah gewonnen.

Er hat dann den Mythos der Unbesiegbarkeit der israelischen Armee zerstört. Dann ist eure größte Abschreckung dahin. Alleine schon die hohen israelischen Verluste durch diese Handvoll Hisbollah in Bint Jbail sind ein fatales Signal an die Araber.

Das mögen ja tapfere Soldaten sein, aber die Offiziere des Generalstabs können nicht politisch und nur bedingt strategisch denken. Anscheinend haben sie sich nicht einmal überlegt, welches Kriegsziel der Nasrallah hat.

4. anneka-anath - Juli 27, 2006, 9:53

Hallo zu Euch da unten, denken sehr an Euch.
Besondere Grüsse von
Hannah- Rosalila. Die eigentlich selber schreiben will, oijoi. (muss Du aber noch ein paar Jahre warten ehe Du das dann lesen kannst.


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