Kleine Linksammlung Mai 11, 2008, 14:29
Posted by Lila in Uncategorized.4 comments
In den letzten Tagen und Wochen sind enorm viele Artikel zum Thema Israel erschienen, ich scheue mich fast davor, da überhaupt einzusteigen. Aber ich muß den Artikel über Amos Neeman im SPon wenigstens erwähnen, weil er eine wichtige kleine Tatsache verschweigt: Bet Hashita ist keine Siedlung im Westjordanland. Bet Hashita ist ein Kibbuz in Israel. (Wir haben Freunde dort).
Bet Hashita hat ebensowenig wie andere Kibbuzim “martialisch” erzogen, aber wer in unserer Gegend überleben will, muß sich verteidigen können. Der Krieg an sich war nie ein Wert in der Kibbuzerziehung oder in der israelischen Erziehung überhaupt. Wenn überhaupt, dann wird der Krieg als Schritt auf dem Weg zu einer stabilen Lage (euphemistisch gern “Frieden” genannt) gesehen. Der Artikel führt also ein bißchen in die Irre, weil der durchschnittliche deutsche Leser bei “Siedlung” an das Westjordanland denkt. Aber Heumann spricht von einem Kibbuz wie dem unseren. Bet Hashita hat eine Olivenfabrik, ganz Israel ißt Oliven aus Bet Hashita.
Außerdem Hat Bet Hashita im Yom Kippur-Krieg viele Söhne verloren. Ich habe am Gedenktag das Lied von Chava Alberstein verlinkt, “ve ha-chita zomachat shuv”, und der Weizen wächst wieder. Kibbuzniks sind ihrem Selbstverständnis nach nämlich nicht in erster Linie Kämpfer. Obwohl sie können, wenn sie müssen. Leider müssen sie allzuoft.
Ansonsten gibt der Artikel aber ganz guten Einblick in die Erfahrungswelt, die die Generation der Offiziere prägt, die wiederum Zahal geprägt haben.
Ebenfalls im SPon (die hängen sich echt rein dieser Tage, 60. Geburtstag ist doch was Schönes!) ein Artikel von Avi Primor, der ja in Deutschland ganz bekannt ist. Ein weiterer Beweis dafür, daß Israelis (bis auf ein paar Spinner) die Brachial- und Wut-Rhetorik ihrer Gegner nicht teilen.
Ein Geburtstagsbrief, der mich beim Lesen mit wahrer Beglückung und Rührung erfüllte, kam von einem iranischen Blogger.
A noble and just Persian king, Cyrus the Great, rescued your people from captivity in a foreign land and empowered them to return home and build their sacred temple. By his action of freeing an entire people from captivity and restoring their rightful dignity, Cyrus the Great, the author of the first code of Human Rights, cemented a bond of friendship between the Jews and the Persians. It was the Just King’s way of setting the world on a course of freedom, equality, and justice for all people, irrespective of any and all considerations.
Now, Israel, you are a sovereign state but hardly safe. You are surrounded by nations and peoples who are bent on your destruction. It is tragic that your neighbors and you have not been able to find an equitable way of living side-by-side with mutual respect and in peace.
Many of us Iranians co-suffer with this tragic state of affairs that harms you as well as your neighbors. We earnestly hope that ways can be found for a peaceful resolution of this destructive impasse.
We appreciate the fact that you, Israel, have welcomed the Iranian Jews who could no longer tolerate the rule of the oppressive venomous mullahs. These mullahs are indeed traitors to the lofty long-standing tradition and values championed by Cyrus the Great and revered by Persians throughout the ages.
We applaud you for affording millions of Israeli Arabs opportunities denied to them in many other lands.
Your fair treatment of the Baha’is, Israel, is a further testimony to your ability and willingness to live in harmony with any and all people. In Iran, the birthplace of the Baha’i faith, Baha’is are ruthlessly subjected to a form of gradual genocide by the savage mullahs. Some Baha’is are executed for their faith, Baha’i children are denied university studies, Baha’i holy places destroyed and even their cemeteries are bulldozed, just to cite a few examples. You, Israel, by contrast, have provided the Baha’is freedom to care for their holy places which were established in the Holy Land during the 19th century, long before your rebirth.
Ach, man müßte eigentlich das ganze Stück kopieren, hab ich ja auch schon fast getan. So könnten Israel und Iran die traditionell guten Beziehungen noch immer haben, wenn das Mullah-Regime nicht dazwischengekommen wäre. Und das ist viel gefährlicher, als viele Leute im Westen glauben.
Ich habe noch einiges gefunden, werde es aber peu a peu hinzufügen. Ich freue mich auch, wenn Leser Links zu interessanten Artikel mitschicken. Ich kann ja nicht alles durchkämmen.
Albtraum Mai 9, 2008, 4:42
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.12 comments
Ich bin zu früh aufgewacht, ein Wolkenbruch mit Donner und Blitz hat mich aus einem Albtraum erlöst. Darin spielten eine riesige Spinne, die mir zu Heilzwecken ins Gesicht gesetzt wurde (sie sollte mich an-atmen, huh), und irgendwie auch Olmert, eine Rolle. Muß ich betonen, daß die Spinne im Vergleich ungeheuer sympathisch wirkte?
Ich bin gestern nacht noch wachgeblieben, bis die Sperre für die Medien aufgehoben war, obwohl dann natürlich nichts gesagt wurde, was ich nicht schon vorher aus Blogs wußte. Olmert hat als Bürgermeister von Jersualem seine Taschen großzügig polstern lassen. Pech, daß er seinen politischen Kurs so geändert hat, daß dieselben Leute, die ihn damals mit Geld überschüttet haben, nun stinksauer auf ihn sind und ohne Scheu gegen ihn aussagen. Noch weiß man nicht, wo die Gelder hingegangen sind, Olmert selbst meint natürlich, er hat NIE einen Shekel für sich verwendet. Sollen wir auf sein Ehrenwort warten? (Einzelheiten hier und hier.)
Interessant an dem Spektakel waren also weniger die Informationen, die nun ausgebreitet werden konnten. Sondern mehr die Erleichterung der Journalisten, die schon seit Tagen wortreich bedauerten und beklagten, daß sie uns nicht alles sagen konnten, was sie wußten. Sivan Rahav-Meir war vielleicht am schlimmsten dran. Sie hatte den Hauptzeugen bereits exklusiv interviewt, konnte aber nur ein verschwommenes Bild zeigen, in dem er ein frohes Fest wünschte, und sagen, daß er ein charmanter älterer Herr ist. Ach, wie sie durchatmete und loslegte, als Sperre fiel!
Ähnlich Ayala Hasson auf Kanal 1. Das war lustig. Nicht lustig genug, ich bin auf der Couch eingeschlafen und habe Olmerts Ansage glatt verpennt.
Dann der Albtraum und nun die Artikel im Internet. Der Mann ist doch tatsächlich nicht zurückgetreten! Was haben unsere Politiker nur am Hosenboden, daß sie so verflixt an ihren Stühlen festkleben? Wir haben aber auch Pech. Katsav, der Präsident mit den Büro-Angewohnheiten, die beim Nachrichtenhören Bürger zum Erröten bringen - da muß man Kinder aus dem Wohnzimmer schicken, wenn berichtet wird, wie es im Büro des Ex-Präsidenten (jedes Wortspiel verkneife ich mir) zuging.
Jede Menge Knesset-Abgeordnete, besonders aber nicht nur von der Shas-Partei, die korrupt sind, daß es zum Himmel stinkt, aber mit unschuldigem Augenaufschlag meinen, sie sind sich keiner Schuld bewußt. Natürlich nicht, dafür brauchten sie ja ein Gewissen!
Und Olmert - man verliert schon die Übersicht bei seinen Skandalen. Das kann kein Zufall sein, der Mann mag sich noch so vehement als verfolgte Unschuld ausgeben.
Ich weiß auch nicht, wieso die Politik so zwielichtige Biedermänner anzieht. Wir brauchen dringendst eine Regierung, auf die man sich in jeder Hinsicht verlassen kann. Ob es um Verhandlungen oder Verteidigung geht, wir leben nicht gerade in einem ruhigen Eckchen der Welt.
Peres macht als Präsident eine gute Figur, ich glaube, auch seine Kritiker müssen zugeben, daß er seinen Posten mit Würde und Intelligenz und Ehrlichkeit füllt. Wäre er schon anno wannwars in den Posten gewählt worden, statt dank Kungelei Katsav draufzuschieben, wäre uns viel erspart geblieben. Ich bezweifle, daß ein ähnlich kompetenter Ersatz für Grotten-Olmert gefunden wird.
Sehr deprimierend. Ein Albtraum wirkt dagegen geradezu eskapistisch.
Wie ist das in Deutschland? Mai 8, 2008, 20:20
Posted by Lila in Uncategorized.9 comments
Ich weiß es wirklich nicht. Gibt es in Deutschland eine Organisation wie hier in Israel Perach (die kriegt gerade den Israel-Preis)? Perach ist ein Projekt zur Unterstützung von Schülern und Jugendlichen. Es ist natürlich eine Abkürzung: Perach bedeutet Blume, aber es ist die Abkürzung für “projekt chonchut”, erzieherisches Projekt.
Studenten “adoptieren” Schüler, helfen ihnen bei den Hausaufgaben, unternehmen Verantwortung. Jeder Student übernimmt ein Kind, oft über Jahre hinweg. An allen Universitäten gibt es Perach, und die Kinder kommen aus sozialen Brennpunkten. Ihre Eltern können es sich nicht leisten, teure Nachhilfestunden zu bezahlen, vielleicht ist ihnen auch gar nicht klar, wie wichtig Schulbilding ist. Außerdem helfen die Studenten auch bei persönlichen Problemen, machen mit dem Kind Sport, unternehmen mit ihm Sachen, die die Eltern nicht machen, und erweitern seine Welt.
Viele Studenten, die ich kenne, machen das. Sie kriegen dafür ein kleines Stipendium, aber nichts Weltbewegendes. Es hilft den Kindern, und auch für die Studenten ist es gut. Es ist immer ein schönes Gefühl, was weiterzugeben, auch ein Beispiel zu geben, Verantwortung zu übernehmen.
Als ich studiert habe, war ich gut befreundet mit der Verantwortlichen für die Spiele-Bücherei. Alle Studenten, die einen Perach-Schüler hatten, konnten sich dort Lern- und Gesellschaftsspiele und Bücher ausleihen. Die Studenten erzählten, daß es in den Häusern, in die sie gehen, sowas oft gar nicht gibt.
(Ein alter Artikel über Perach hier.)
Y. fragt, ob es sowas auch in Deutschland gibt, ich weiß es nicht. Aber es gibt genügend Kinder, denen so ein Projekt helfen könnte, da bin ich sicher.
Feuersäule Mai 8, 2008, 15:43
Posted by Lila in Uncategorized.11 comments
Am 14. Mai soll, so steht es in Ynet, der erste Teil der Serie Amud-ha-esh, die Feuersäule, im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden. Das ist eine Doku über die Entstehung des Staats Israel. Nicht ganz frisch und, was vielen deutschen Zuschauern mißfallen wird, aus israelischer Perspektive. Aber mit viel dokumentarischem Material, das ich immer sehr interessant finde. Und die Tatsachen, die darin gezeigt werden, sind vielen Leuten in Deutschland vermutlich vollkommen unbekannt.
Ich habe auch den zweiten Teil der Serie, Tkuma, Auferstehung, über die Jahre seit der Entstehung des Staats Israel, in den 90ern im Fernsehen gesehen. Da kamen dann auch orientalische Juden vor, die in Amud-ha-esh eher zu kurz kommen. Außerdem auch die sozialen Probleme und Spannungen innerhalb der israeilschen Gesellschaft.
Also, es würde mich einfach mal interessieren, wie meinen Lesern diese Serie gefällt. Ich würde sie selbst gern sehen. Vielleicht kann sie ja jemand für mich aufnehmen, fällt mir gerade ein? Auf DVD kostet sie nämlich Hunderte von Shekeln, und die bin ich nicht bereit zu investieren… da warte ich lieber, bis sie im Fernsehen wiederholt wird.
Unabhängigkeitstag Mai 7, 2008, 20:18
Posted by Lila in Uncategorized.7 comments
Ich sehe im Fernsehen die jährliche Zeremonie. Jedesmal entzünden Bürger, die sich im Laufe des letzten Jahres besonders engagiert haben, eine Flamme und erzählen dabei ein bißchen über sich. Sie entzünden die Flamme im Namen der Sache, für die sie sich engagieren, und “le tiferet medinat-Israel”, zu Ehren des Staates Israel.
Ich höre mir das im Hintergrund an, während Y. mit den Mädchen das Feuerwerk gucken gegangen ist, weil ich in der Küche aktiv bin (bereite alles für das festliche Grillen morgen vor). Wenn ich was höre, das mich interessiert, komme ich näher.
Zwölf Flammen werden entzündet, für die zwölf Stämme Israels, und zwar machen das immer zwei Leute zusammen, diesmal jeweils ein Erwachsener und ein Kind oder Jugendlicher. Also insgesamt 24 Bürger und Bürgerinnen. Ein Junge, der an der Grenze zum Gazastreifen wohnt. Eine junge Beduinin, die sich für die Früherziehung bei den Beduinen einsetzt. Eine alte Dame, die ich mal kennengelernt habe. Sie war vier Jahre in Deutschland in einem Konzentrationslager, und nach ihrer Einwanderung nach Israel hat sie ein Institut für die Förderung von Hochbegabten gegründet. Schüler, die freiwillig an Jugendprojekten mitarbeiten. Der kleine Bruder des drusischen Offiziers einer Eliteeinheit, der neulich gefallen ist. Oh, Ynet hat die Liste, sehe ich gerade.
Dann eine Überraschung, ein Junge, an den ich oft gedacht habe. Oran Almog, schwerverletzt im Anschlag auf das Restaurant Maxim in Haifa. Der Albtraum dieses Tages. Seine Mutter war Studentin bei uns. Sie hat ihren Mann, einen Sohn und die Schwiegereltern verloren, und der andere Sohn, eben Oran, war schwerverletzt. Sein Gesicht ist verbrannt, und er ist blind. Aber er spricht mit klarer, fester Stimme.
Le tiferet medinat Israel.
Dann die Kultveranstaltung des Jahres, die Flaggenparade. Daglanim heißen die Flaggenträger, und ich habe erfolglos versucht, meine Söhne zu einer Karriere bei den Daglanim zu überreden. Neee.
Oha, unser Feuerwerk war dieses Jahr kniepig, aber die Nachbar gegenüber auf dem Hügel haben tief in die Tasche gegriffen. Wir haben gute Sicht. “Da geht der Bonus der Fabrik dahin”, meint Y. trocken, während wir zugucken, wie sie eine Rakete nach der andren anzünden.
Tja, jetzt sind wir 60 Jahre alt. Nicht schlecht. (So sah das letztes Jahr aus.) (Und so sieht Gisela Dachs die Feiern. Ich hatte mich schon gefragt, wo Dachs ist, ob sie vielleicht nicht mehr in Israel ist.)
Yom ha zikaron, Eindrücke Mai 7, 2008, 13:47
Posted by Lila in Uncategorized.2 comments
Dieses Jahr ist Quarta mit Y. zum Friedhof gefahren, auf dem sein Freund begraben liegt. Sie hat darum gebeten. Viele der alten Freunde bringen ihre Kinder mit.
Secundus: “Hm, also im Kibbuz ist die Feierstunde wirklich gut. Ich denke immer, bevor ich hingehe, uäh, noch ne Feierstunde, überstehen wir es irgendwie. In der Schule ist die Feierstunde auch immer langweilig, da tut sich bei mir gar nichts. Aber im Kibbuz… das ist anders.”
Bei den offiziellen Feiern, die ich heute im Fernsehen verfolge, fällt mir der junge Soldat auf, der die Nationalhymne singt und auch ein Lied. Ronen Ben Shmuel heißt er. Er singt ganz schlicht und wunderschön. Mal gucken, ob ich irgendwo eine Aufnahme finde. Ganz unpathetisch, er singt in Uniform aber gewissermaßen zivil. Überhaupt so un-zackig, so wie die Nationalhymne. Fast alle anderen Nationalhymnen handeln von Krieg und Sieg, aber nicht die israelische.
Es ist komisch, Olmert, den Politiker mit den vermutlich schmutzigsten Händen in dieser versuchten politischen Klasse, als Ehrenmann sich aufführen zu sehen. Hält salbungsvolle Reden, legt Kränze nieder. Y. vorgestern abend: “Zum Kotzen, der ganze Dreck hier in der Regierung. Ich hoffe, im Kalifat wird das besser.”
Es ist, wie ich gestern schon gesagt habe, der totale mediale Overkill, wenn das Wort nicht zu makaber ist. In einem Schwall regnen die Filme über Terroropfer und gefallene Soldaten und Soldatinnen über uns nieder. Bis sie sich fast gegenseitig neutralisieren. Ich würde lieber sehen, daß im Laufe des Jahres solche Filme besser verteilt auftauchen. Wenn die Trauer Teil des Lebens hier ist, dann soll man sie auch nicht auf einen Tag im Jahr verweisen.
Das Forum Parent Circle besteht aus Eltern, die ihre Kinder durch Krieg oder Terror verloren haben - Israelis und Palästinenser. Sie treffen sich und haben gemeinsam Hoffnung auf Frieden. Ich bewundere diese Menschen, die aus der größten Verzweiflung nicht in Haß und Hoffnungslosigkeit abgleiten, sondern einander Halt geben. Ich wünschte, alle Menschen hätten ihr Format. Und ich hoffe, daß ihre Hoffnungen noch zu ihren Lebzeiten wahrwerden. Auch wenn es manchmal so schwer ist, daran zu glauben.

Nir Hods Bild “Verlorene Jugend” fällt mir dabei ein, es war vor zwei Jahren in Berlin ausgestellt. Das Begräbnis eines Fallschirmjägers, vielleicht Michael Levins?
Ich wünschte, wir müßten unsere Jugend nicht mehr durch diese Mühle schicken, ich wünschte so, es wäre endlich ein Kompromiß auf dem Tisch, zu dem alle sagen, “na meinetwegen, unterschreiben wir es eben”, und es ehrlich meinen, und den Konflikt begraben. Das wäre das einzige Begräbnis, das ich noch ertragen könnte.
Und auch seltsam, wie ich im Hintergrund die traurigen Lieder höre, während ich für morgen schon mal das Fleisch in die Marinade packe. Morgen wird gefeiert und gegrillt. Verrückter Übergang. Auf dem Weg vom Friedhof geht Y. einkaufen, damit wir morgen futtern und feiern können.
Ein paar der Lieder, die uns heute begleiten. “Klassika israelit”.
Chava Alberstein singt das Lied “…und der Weizen wächst wieder”, zur Erinnerung an die Gefallenen des Kibbuz Bet HaShita im Yom-Kippur-Krieg.
Das Lied “Ma avarech” von Rahel Shapira und Yair Rosenblum (den Y. mal bei einem Konzert kennengelernt hat, das er bei uns im Kibbuz gegeben hat). Gesungen von einer der Gruppen der Armee, im typischen Sound der 60er Jahre. Es wird jedes Jahr bei uns im Kibbuz gesungen, eine junge Sängerin bei uns liebt das Lied und singt es sehr schön jedes Mal. (Text hier).
Noch ein altes Lied, von einer anderen Armee-Gruppe gesungen, “Wir kamen aus demselben Dorf“. Das war das Lied, das einer von Y.s Freunden jedes Jahr gesungen hat, er hat nie öffentlich gesungen, nur einmal im Jahr dieses Lied. Schade, er meint, er hat seine Stimme verloren. (Der Text von Noemi Shemer hier.)
Etwas neuer ist das Lied von Poliker, das für Mädchen und wird: Perach, Blume. (Text hier).
Ganz schön traurig, nicht wahr. Und dann heute abend das Feuerwerk. Dieses Jahr wird noch heftiger gefeiert als sonst, 60 Jahre sind doch eine schöne runde Zahl, wenn auch die Stimmung nicht mehr so optimistisch ist wie vor zehn Jahren.
Das Interview mit Shimon Peres ist in dem Zusammenhang sehr interessant, er sagt ehrlich, daß er sich nicht hätte vorstellen können, was für ein Chaos aus dem Gaza-Rückzug erwachsen würde. Das ist eher selten, daß ein Politiker ehrlich sagt: Leute, da lag ich total daneben. Und mit ihm viele Bürger, wir auch. Also ich bestimmt.
Die Frage ist nur, welche Konsequenzen ziehen wir für die Zukunft aus den Debakeln der Vergangenheit. Hoffentlich haben wir bald eine vernünftige, stabile, kompetente und zuverlässige Regierung. Wo die herkommen soll, keine Ahnung… aber es wäre doch mal ein guter Anfang.
Viel Zeit Mai 6, 2008, 18:57
Posted by Lila in Uncategorized.comments closed
ist seit meinem letzten Eintrag vergangen, und ich weiß auch nicht, wieso ich gerade heute schreibe. Vielleicht, damit sich niemand Sorgen macht.
In der Zwischenzeit hatte mein Mann Geburtstag und ich auch, meine Mutter und kleinen Geschwister waren hier, wir haben Pessach gefeiert (diesmal bei einer Tante en famille, war sehr schön und wir haben gesungen bis nach Mitternacht), es war Yom ha Shoah und heute abend fängt Yom ha Zikaron an. Morgen abend dann der Unabhängigkeitstag.
WordPress hat irgendwas am Layout verändert, ich muß mich erst dran gewöhnen, und viele Nachrichten sind inzwischen durch unsere Gehirnwellen geschwappt, zu viele, man kommt nicht mehr hinterher. Es ist auch mal schön, nur Blogs zu lesen und sich nicht selbst dem Streß auszusetzen, seine Meinungen öffentlich aufzuschreiben und dann mit den Reaktionen umzugehen. Es gibt ja viele Blogger, die in ihren Kommentarfred gar nicht reingehen. Das ist mir irgendwie nie gelungen (meine Hymne ist ja die Frau Schwalbe, das wäre ja auch ein schöner Blogname gewesen…)
Jedenfalls ein trauriger Abend. Wie jedes Jahr stört es mich eher, daß über die Shoah pflichtgemäß am Gedenktag gesprochen wird, und ebenso über die Gefallenen und Opfer. Wer betroffen ist, denkt natürlich viel öfter daran, und die mediale Feierstunde ist mir immer etwas zu sehr aus allen Rohren. Aber hier im Kibbuz ist es immer sehr schön. Ich muß los.
Blogfasten März 25, 2008, 10:48
Posted by Lila in Bloggen.7 comments
Ich bin zwar ein bißchen spät dran mit der Fastenzeit, aber ich habe im Moment einfach zu viel anderes um die Ohren, kann dem Blog und den Kommentaren nicht genügend Aufmerksamkeit widmen und fühle auch, daß ich leergeschrieben bin. Ich mache jetzt mal eine Pause.
Ich sperre auch die Kommentarfunktion, um gar nicht erst nachgucken zu müssen, ob da was steht. Wer sich mir unbedingt mitteilen muß, kann das ja per Mail tun, wie bisher. Ich bitte um Verständnis, aber es ist kräfteraubender, den Betrieb hier am Laufen zu halten, als es vielleicht erscheint. Und ich muß mir meine Kräfe einfach ein bißchen besser einteilen.
Kleine Geschichte März 23, 2008, 20:30
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.6 comments
aus den Nachrichten. (Für mehr reicht es im Moment nicht, tut mir leid, aber ich habe einfach zu viel zu tun, so unglaubhaft das auch klingt!)
Ein kleines Mädchen, nur anderthalb Jahre alt, starb überraschend. Ihre Eltern (religiöse Juden aus der Siedlung Tekoa) gaben die Erlaubnis, ihre Organe zu zu entnehmen und in den Körper kranker Kinder zu verpflanzen. Vier Kinder wurden dadurch gerettet. Solche Geschichten werden regelmäßig in den Nachrichten erwähnt, weil in Israel die Willigkeit, Organe zu spenden, relativ gering ist - die jüdische Halacha verlangt die Beerdigung des unverletzten Körpers. Das ist auch der Grund dafür, daß Juden normalerweise Brand- und Seebestattung ablehnen, daß nach Anschlägen versucht wird, möglichst alle Leichenteile einzusammeln und zuzuordnen, und daß das grausame, grablose Ende der Opfer der Shoah besonders schmerzlich empfunden wird. Oh, das kam jetzt ein bißchen makaberer raus, als es gemeint war. Aber die Medien bemühen sich, die positiven Seiten der Organspende, das gerettete Leben, zu zeigen.
So auch heute im Fall der Kleinen, deren Tod vier anderen Kindern neues Leben schenkte. Die Begegnung des Großvaters, Jude mit Bart und Kipa, mit den Vätern der vier Kinder. Was können sie einander sagen? Die Tragödie des einen ist die Rettung der andren, und da die anderen sich selbst der Katastrophe so nahe sahen, können sie sich nicht einfach freuen. Einer der Väter ist Araber, sein Sohn wird hoffentlich nun gesund werden. Die Männer stehen bewegt und wortlos herum, bis die Kamera sie in Ruhe läßt.
Dabei fällt mir auf, wie oft ich solche Bilder schon gesehen habe, auch umgekehrt - arabische Angehörige, die einer Organspende zustimmten und jüdisches Leben damit retteten. Vielleicht bin ich sentimental, daß ich aus solchen menschlichen Geschichten immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen lese. Manche Bereiche, darunter der medizinische, scheinen von dem Irrsinn, der die Welt besetzt und die Menschen vergiftet, frei zu sein. Die herzkranken Kinder aus arabischen Ländern, die von einer jüdischen Organisation nach Israel gebracht werden, um hier operiert zu werden. Die israelischen Ärzte, arabische und jüdische, die sich für die medizinische Versorgung des Gazastreifens einsetzen, hüben wie drüben.
Ich kann den Glauben nicht aufgeben, daß in uns Menschen ein unverletzlicher Kern existiert, und daß einer den Kern des anderen erkennen und anerkennen kann. Ich glaube auch, daß dieser Kern nicht von außen zerstört werden kann, sondern nur von innen: dadurch, daß ein Mensch sich dem Haß und der Todeswut verschreibt und den Kern in sich vernichtet. In krisenhaften Momenten, wenn es um Menschenleben geht, besonders junges Menschenleben, das einem anvertraut ist - da erkennt man diesen Kern der Menschlichkeit. Und ist für einen Moment wieder voller Hoffnung für dieses verkorkste Geschlecht, dem wir angehören dieses menschliche, unmenschliche.
Mondbedingte Dissonanz März 20, 2008, 20:14
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.11 comments
Alllloooou?????, wie man hier statt Hallo sagt. Allllou????? Wie geht das denn zu? Ostern und Purim zugleich? Das hatten wir lange nicht mehr, ich glaube, ich war mit irgendjemand schwanger, als das letzte Mal die Riesen-Purim-Party auf den Karfreitag fiel. Die PurimParty ist die einzige Gelegenheit im Jahr für Y. und mich, eine Nacht durchzumachen, uns mit zwei Gin Tonics ins Koma zu trinken (ja, wir vertragen nichts, also ich bestimmt nicht) und zu tanzen, bis außer uns nur noch ein paar mossadnikim mit glasigen Augen in die Morgendämmerung starren. (Mossad heißt institution, also sowohl der Geheimdienst als auch mental institution und eben auch educational institution heißen so - die High school heißt ha-mossad und seine Schüler mossadnikim.).
Ja, kann ich das denn diesmal machen? zu Karfreitag? Eigentlich wäre es eine festliche Gelegenheit. Die letzte meiner Single-Freundinnen, die seit fünfzehn Jahren zu dieser Party hier einfallen, sich umsonst betrinken (ja, zu Purim wird umsonst ausgeschenkt, wie in der guten alten Zeit) und mit Kibbuzniks tanzen und unser Männerballett beklatschen und sogar die kryptischen Filme, die jedes Jahr gedreht werden - also die letzte, die anspruchsvollste, die liebste dieser Freundinnen hat nun einen Partner gefunden. Das erste, was sie mir sagte, nachdem die Sache in Gang kam, war: “so, und dieses Jahr komm ich zu Purim nicht mehr allein!”
Also, mir gefällt das nicht. Pessach und Ostern, die passen zusammen. Purim und Karneval ebenfalls. Aber Purim am Karfreitag - das geht einfach nicht.
…und keiner guckt hin März 19, 2008, 1:17
Posted by Lila in Land und Leute.5 comments
Meretz, die Links-Außen-Partei, hat heute einen neuen Vorsitzenden gewählt. Yossi Beilin, der superkluge, geschliffen sprechende, von keinem Selbstzweifel angekratzte scheidende Vorsitzende, hat es nicht geschafft, die Partei der Idealisten und reinen Narren der brutalen Realität anzupassen. 1992, der große Sieg, da wurde auch hier im Kibbuz groß gefeiert. Denn traditionell ist unsere Kibbuzbewegung mit einer der Gründungsparteien von Meretz verbunden. Viele Kibbuzmitglieder sind oder waren mal bei Meretz aktiv. Jahrelang konnten diese linken Parteien auf eine satte Mehrheit in den Kibbuzim bauen.
Der neue Vorsitzende, Chaim Oron (den ich schon mehrmals bei Veranstaltungen im Kibbuz getroffen habe, er ist selbst Kibbuznik und sieht auch genauso aus), ist volkstümlicher als der stets geschniegelte Beilin mit seinem selbstzufriedenen Lächeln. Aber niemand kennt ihn, außer uns in unserer Kibbuz-Clique. Die anderen Kandidaten: Ran Cohen, seltsam glanzlos, und Zehava Galon, eine engagierte Feministin und kluge Frau, die innenpolitisch gute Ideen hat, der aber ihre schrille Stimme (eine Albtraumversion einer SoWi-Lehrerin) noch mehr als ihre vollkommen vorhersehbaren Empörungen Stimmen gekostet haben mögen.
Das Format von Shula Aloni (die gleichzeitig beißen und ätzen kann), Amnon Rubinstein (der stets die Ruhe bewahrt) (beide waren übrigens ausgezeichnet als Bildungsminister) oder auch Yossi Sarid (der so zynisch ist, daß nur mein Mann seinen Humor versteht - und hoffentlich Sarids Frau) erreicht jedenfalls niemand.
Für die Linke in Israel war ihr größter Erfolg auch gleichzeitig der Weg ins Abseits. Ideen, die von der Linken zuerst ins Getümmel geworfen würden (mit den Palästinensern reden, Siedlungen abbauen, einen Zaun als defensive Maßnahme zu bauen, um die Zahl der Offensiven gegen den Terror zu reduzieren, einseitige Rückzüge als Vorleistung) - all diese Ideen sind längt mehrheitsfähig, sind von Barak, Sharon und Olmert, übernommen und durchgeführt worden. Beilin ist stolz darauf, daß Dinge, die früher verlacht wurden, heute ganz normal wirken. Aber ich weiß nicht, ob er das zu Ende gedacht hat - Verzeihung, Beilin hat es garantiert zu Ende gedacht, nur nicht offen gesagt.
Interessanterweise nämlich haben diese Aktionen einen mehrfachen Effekt gehabt. Sie haben sich, bis auf den Schutzzaun, nicht als sehr ratsam erwiesen. Mit den Palästinensern ist Klasse und macht Spaß - nur leider machen sie trotzdem weiter Terror, das hatten wir nicht mit eingerechnet, wir dachten, wenn wir mit ihnen reden, hört der Terror auf. Weil normale Menschen denken: Terror ist da, wo kein Dialog ist. Nun, die Palästinenser beweisen nach Kräften, daß man beides kann: den Kuchen essen UND ihn in die Luft sprengen.
Rückzüge a la Libanon und Gaza mögen unsere Verlustzahlen an Soldaten mindern und sind daher in unserer “jeder Soldat ist mein Baby-lasst uns die Kinder beschützen”-Gesellschaft durchsetzbar. Doch auch hier erweist sich unsere schöne Rechnung (wo keine israelische Präsenz mehr ist, nimmt der Terror ab, bis er verschwindet) als schöne Illusion. Es braucht keine israelische Präsenz, um Terror zu erzeugen. Das geht auch prima ohne uns. Und wat machen wir dann? Zugucken, sich ducken? Über die Grenze rein und zurückschlagen? Ach Gott.
Die Idee vom Schutzzaun vermischte sich in der internationalen Wahrnehmung, ohne Zweifel aufgrund unzureichender Erklärungen unsererseits, mit der Idee einer Grenze. Was der Zaun nicht ist. Sondern er ist eine einfache sicherheitstechnische Maßnahme. Die Entscheidung, wo er verlaufen soll, wurde schlicht und einfach danach gefällt, wo er die meisten Menschenleben schützt. Da die internationale Meinung vielleicht nicht dachte, daß die Menschenleben wirklich gefährdet sind - oder daß sie es eben selbst schuld sind und daher keinen Schutz verdienen - eine Meinung, die in ähnlicher Form auch von der israelischen Regierung vertreten wird, Olmert in Sderot: “ich kann nicht versprechen, daß ich euch schützen kann, lebt mit den Qassams” - dachte man, das ist eine Form der Grenzziehung. Da kann man sich den Mund fusslig reden, daß wir das abscheulich häßliche Ding gern wieder einklappen würden, so nur die ewigen Anschläge aufhörten - es hört längst keiner mehr zu.
Kurz, die Ideen der Linken, unsere Ideen, sahen alle schön aus, solange sie wie die falsche Königstochter auf der Seite lagen und niemand sah, daß ihnen ein Auge fehlte (Brüderchen und Schwesterchen). Statt nun nachzudenken, wie ich privat und alle anderen Linken, die ich kenne, statt zu überlegen, wie man die hehren Vorstellungen von fair play und Gegenseitigkeit in einem Konflikt ersetzen kann, ohne deswegen gleich unfair und einseitig zu werden - statt dessen hat die offizielle Linie von Meretz weitergeträumt, als wäre Oslo nie gewesen.
So sprach Beilin neulich in einem Interview in der ZEIT:
Die arabische Inititiative aus dem Jahr 2002 sieht vor, die Beziehungen zwischen den arabischen Staaten und Israel im Falle eines Friedensschlusses zwischen Israel, den Palästinensern und Syrien zu normalisieren. Meine Hoffnung war, dass wenn es eine Einigung bezüglich der strittigen Fragen gegeben hätte, die arabischen Staaten ihrerseits bereit gewesen wären zu sagen: Gut, es herrscht zwar immer noch kein Frieden mit den Palästinensern und auch Verhandlungen mit Syrien stehen noch aus, aber wir sind bereit, einen Teil unserer Initiative umzusetzen. Zum Beispiel hätte man mit der Einrichtung von Interessenbüros in Israel beginnen könenn.
Ja, Yossi, das wäre unheimlich schön, leider waren aber die strittigen Fragen nicht in einer Diskussion zu klären! Denn die arabischen Staaten haben von Anfang an gesagt: entweder ihr freßt die Initiative in einem Stück, oder ihr kriegt gar nichts. Man kann sagen, es war kindisch von Israel zu sagen, dann lieber gar nicht!, aber wenn man sich das Angebot mal anguckt, wäre es ziemlich riskant gewesen, es einfach so als Paket anzunehmen. Das können wir uns nicht leisten, wir haben kein zweites Ländchen im Kosmetikköfferchen dabei, das wir auspacken können, wenn uns das erste abhanden kommt.
(In dem Artikel hat auch ein Übersetzer den totalen Klops von den 300 neuen Siedlungen reingebaut - hä???? Es geht um etwa 300 neue Wohnungen - wirklich den ganzen Lärm nicht wert, der darum entbrannt ist, aber zu dem Thema ein andermal, ich bin auch nicht begeistert von Bauprojekten, die hinterher geräumt werden müssen und nur böses Blut machen und zu Spannungen führen, aber im Fall von Ariel wäre wohl ein Gebietstausch die realistischste Lösung, - wie gesagt, dazu ein andermal. Wollte nur diese verblüffende Zahl korrigieren.)
Beilin weint seiner Genfer Initiative hinterher, was ich verstehen kann, denn sie war schön, und auch Ayalons Mifkad war schön. Versuche, mal einfach Ordnung zu machen. Das einzige, winzige Problem: daß die Palästinenser nicht imstande sind, solche Pläne durchzusetzen. Selbst wenn Sari Nusseibeh und seine Mutter dafür sind, das reicht leider nicht. Ließe sich die Hamas von einer Liste mit Unterschriften einschüchtern? Ach was, natürlich nicht. Leider.
Kurz, die israelische Linke verliert rapide an Wählern, auch bei alten treuen Wählergruppen wie den Kibbuzniks, weil sie Lösungen von gestern vorschlägt. Ich bin nach wie vor der Meinung, daß es gut war, diese Lösungen auszuprobieren - man kann eine Hypothese weder beweisen noch widerlegen, wenn man sie nicht ausprobiert, zumindest in diesem Genre, Politik, nicht. Aber ich glaube, nur ein blauäugiger Optimist kann daran glauben, daß diese Lösungen tatsächlich funktioniert haben.
Daß daraufhin große Ratlosigkeit zurückbleibt, wenn man Jahr um Jahr alles mögliche versucht und nichts funktioniert - dem müßte sich die Politik eigentlich stellen. Sie tut es nicht. Olmert redet drumherum, Livni redet allen nach dem Munde, Bibi donnert los, leider im Leerlauf, und Chaim Oron ist eine ehrliche Haut und ein netter Kerl. Ob er aus dem müden Material noch Funken schlagen kann? Ich bezweifle es.
Meretz hat sich einen neuen Vorsitzenden gewählt, und niemand hat auch nur hingeguckt.
Feiner Besuch März 17, 2008, 23:37
Posted by Lila in Land und Leute.39 comments
Wie mich die Nachrichtensprecher informieren, traf gestern die deutsche Kanzlerit ein, Frau Engela Markäl. Oder Engala Märkal.
Ah. Die Tücken der Schrift, die Vokale wegläßt! Willkommen, giveret-ha-kanzlerit. Ich bin auf die Rede morgen gespannt. Irgendwie habe ich das Gefühl, ihre Kritik an der israelischen Apartheidspolitik wird sich auf ein Minimum beschränken….
(Brauchte ich diese Umfrage, um zu begreifen, daß 70% der Focus-Leser keine Ahnung haben, was Israel eigentlich ist? Vermutlich nicht. Sie fühlen sich bestimmt unheimlich tapfer, daß sie sich nicht den Mund haben verbieten lassen von der zionistischen Weltverschwörung. Diese Verschwörer sind aber auch solche Nichtskönner!!! An deren Untüchtigkeit sollte mal jemand offen Kritik üben.)
Ideale Bedingungen März 15, 2008, 19:36
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.13 comments
Lucifer hat ein neues Lieblingsplätzchen. Als wir ihn photographierten, haben wir gar nicht gemerkt, was gerade für ein Werbespot lief (wir stellen bei Werbung ja immer den Ton ab). Und was da geschrieben steht.

תנאים אידיאלים
Tna’im idealim - Ideale Bedingungen
Katz kann lesen….
Von Hifil und Nifal März 15, 2008, 15:17
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Rat und Tat.10 comments
Was wie ein verfeindetes oder verbündetes Brüderpaar klingt, das sind die Namen der sogenannten hebräischen Fälle. Ich habe gestern einen vergnüglichen Nachmittag mit Tertia verbracht, sie bereitet sich nämlich auf eine wichtige Prüfung in hebräischer Grammatik vor. Ich kann den Kindern in Mathe überhaupt nicht helfen (ich ergreife die Flucht beim Anblick von Formeln, außerdem kann ich micht an die hebräischen Ausdrücke für “zum Quadrat” und “Wurzel” und so nicht gewöhnen), in Literatur bis zu einem gewissen Grade, Geschichte sehr gut - und auch, ha ha, in hebräischer Grammatik. Dabei ergreift nämlich Y. die Flucht!
Ich habe noch aus Studienzeiten ein ausgezeichnetes Buch, in dem alle Verbformen mit Beispielen durchkonjugiert werden. Es gibt nur sieben sog. Fälle, nach denen sie abegewandelt werden, und native speakers machen das automatisch richtig - aber eine Verbform genau zu bestimmen, das fand Tertia sehr verwirrend. Wie hält man die sieben binyanim, die Fälle, auseinander? Manchmal ist es ganz nützlich, eben nicht native speaker zu sein. Meine in harter Arbeit entdeckten Eselsbrücken und Erklärungen halfen, auf einmal machte es bei Tertia pling im Kopf und alles war ganz einfach.
Zuerst haben wir alle Übungsblätter ausgefüllt, die die Lehrerin ausgeteilt hatte. Dann meinte sie, ich soll ihr Verbformen geben, und sie bestimmt sie - in Form einer Liste: Infinitiv, Wurzel, aktiv oder passiv, Zeit, Person, Fall. Letzteres war ihr eben vorher schwergefallen. Ich gab ihr also eine Liste besonders fieser Verbformen, mit wegfallenden Konsonanten und veränderten Vokalen. Kein Problem, sie konnte sie alle bestimmen. Dann knöpfte sie sich ihre Mutter vor. Mit dem Buch in der Hand prüfte sie mich. Ging recht glatt. Insgesamt ein fröhlicher Nachmittag.
Danach sahen wir zusammen Abendnachrichten. Auf den Inhalt achteten wir kaum, statt dessen riefen wir uns bei jedem Verb zu: hufal! nifal! kal! hitpael! Hat großen Spaß gemacht. Tertia meint, sie wird meine Erklärung an ihre Freundinnen weitergeben.
Für meine hebräisch-geplagten Leser hiermit ein Bild als Eselsbrücke, man kann die Fälle nämlich in Form einer Menora anordnen.
Tertia und ich haben daraus ein schönes Bild gemacht, und ich habe die Ausdrücke in lateinischen Buchstaben dazugeschrieben. Die eine Seite der Menora ist aktiv, also rot, die andere passiv, also blau. Jeder aktive Fall hat einen passiven Gegenspieler: das normale Verb, Kal, den Nifal. Die Intensivform, der Piel, heißt im Passiv Pual. Und kausative Verben stehen im Hifil, im Passiv Hufal. Nur der reflexive Hitpael ist sowohl passiv als auch aktiv, deswegen haben wir ihn lila gemacht.
Wer gern Näheres wissen möchte, der kann mir eine Mail schicken, und ich schick ihm eine ausführlichere Anleitung. Ich habe zwar die tückische Absicht, die besorgniserregend angeschwollenen Zugriffszahlen wieder auf ein überschaubares Maß zu drücken
(wozu sich hebräische Grammatik trefflich eignet), aber ich will auch nicht ZU grausam sein. Ich hab auch noch eine ausführlichere Fassung der bunten Menora…
Na, wo sind die Proteste März 15, 2008, 14:07
Posted by Lila in Land und Leute.16 comments
gegen den Bau der brutalen Apartheids-Mauer, die die Palästinenser ins Ghetto sperrt?

Öh…. die Proteste werden wohl ausbleiben. Es sind nämlich gar nicht die Israelis, die sie bauen. Sondern nur die Ägypter. Und da will die Aufregung nicht recht in Gang kommen.


