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Mittag Februar 8, 2008, 15:18

Posted by Lila in Uncategorized.
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Wir sind gerade von einer VIEL zu langen Schulfeier zurückgekommen - wie kann man Freitagvormittag, wenn alle Eltern im Endspurt vorm Wochenende sind, eine SO lange Feier planen???? Wir sind schließlich vorzeitig gegangen - wie mindestens die Hälfte der Anwesenden - was wir bisher noch nie getan haben und was man bei einer Schulfeier sonst nie sieht. Kein guter Auftakt.

Inzwischen sind im Negev 17 Raketen gefallen. Ihr Echo hört man nirgends, auch nicht bei uns, ich lese es im Internet, aber ich spüre es nicht in meinem Leben. Es wird vermutlich im Laufe des Tages so weitergehen. Morgen, übermorgen. Irgendwann wird Barak unter Zugzwang stehen, er hat schon so oft versprochen, daß er den Beschuß unterbinden wird :roll: , aber ob er das schafft, ist eine anderen Frage.

Die Philadelphi-Linie, die mitten durch den Ort Rafiach (Rafah geschrieben, Rafiach ausgesprochen) verläuft und Ägypten von Israel trennt, soll vielleicht wieder von Israel bewacht werden, so lautet zumindest ein Lösungsvorschlag (gegen Ende des Texts von Ben Ishai, der ansonsten härteres militärisches Vorgehen befürwortet).

Diese Grenze ist unterirdisch durchlöchert wie ein Maulwurfsparadies, es wird dort pausenlos gebuddelt. Man kann sie theoretisch von israelischem Gebiet aus bewachen, wie so eine Art Landzunge oder Schneise, von der Gegend um Kerem Shalom aus. (Eine deutliche Karte ist hier, sie zeigt zwar noch die inzwischen geräumten und zerstörten Siedlungen, aber die Topographie ist recht deutlich zu erkennen).

Ich weiß nicht genau, was passieren wird, aber daß das nicht mehr lange so weitergehen kann, ist klar. Ich hab da eher ein mieses Gefühl.

Oh, und Nasrallahs Komplimente höre ich gern und gebe sie aus vollem Herzen zurück.

“It is worthy of respect that an investigative commission appointed by [Prime Minister Ehud] Olmert condemns him,” Nasrallah said. “When the enemy entity acts honestly and sincerely, you cannot but respect it.”

“Even though they’re our enemies, it is worthy of respect that the political forces and the Israeli public act quickly to save their state, entity, army and their existence in the crisis,” he added.

Ja, und wir bedanken uns wiederum für die zeitlich ideal passende Ohrfeige. Nah genug an der Fertigstellung der iranischen Atombombe (ich weiß, daß es widersprechende Einschätzungen gibt - aber daß es nur eine Frage der Zeit ist, scheint sicher zu sein), aber doch noch ohne. Jetzt haben wir Zeit, uns auf diese neue Gefahr einzustellen. Wie leichtsinnig wir waren, als wir dachten, nach den Rückzügen aus der Pufferzone im Libanon und dem Gazastreifen stünde nun eine Phase der Stabilisierung bevor, sehen wir im Rückspiegel nur noch deutlicher. Das wird uns nicht noch mal passieren, vielen Dank. Lieber verzichten wir auf weitere Rückzüge.

Hezbollah has come under criticism from some Arab governments early on in the fighting for triggering the war by kidnapping two Israel Defense Forces soldiers in a July 12 cross-border raid.

Vollkommen zu Recht. Wer zeigt einem Gegner, auch wenn es nur das kleine Israel ist, das so gern seine Ruhe haben möchte, seine Karten, bevor er mehr als ein Köpfchen gesammelt hat? Wer auf Hand spielt, braucht einen längeren Atem.


“It is regrettable that we, the Arab world, and Lebanon are waiting for an Israeli commission to settle for us this dispute and to tell us, ’seriously, you have won and we [Israelis] were defeated,’” Nasrallah said

Nein, Nasrallah, das sehe ich anders. Der Krieg hatte keinen eindeutigen Ausgang, und es ist eine Frage der Kriterien, nach welchen man seinen Ausgang beurteilt. Daß wir ihn nicht gewonnen haben, ist sicher, aber ob die Hisbollah wirklich gewonnen hat, ist fraglich. Welchen Vorteil hat sie gewonnen, den sie nicht schon vorher hatte? Ist es nicht schade um die vielen Zivilisten, die sterben mußten, weil die Hisbollah ihre Quartiere in Wohngegenden aufschlägt? Wäre es nicht menschlich feiner, da etwas sauberer zu trennen in Zukunft? Ich habe da eher wenig Hoffnung…

Und daß wir eine Kommission haben, und eine Mentalität in der Bevölkerung, die sich nicht selbst in die Tasche lügt mit Siegesfeiern und -reden - nun, das ist doch nichts Neues. Alle israelischen Kriege werden hier skeptisch und kritisch betrachtet wie Niederlagen, aus denen man lernen muß, was zu lernen ist.

Auch wenn wir heute mit den Kindern in der Schule die alten Lieder von Friedenssehnsucht gesungen haben, die zur DNA des Staates Israel gehören - wir haben keine Illusionen. Weder über unsere Feinde im Norden noch im Süden.

Bilder, Worte, Licht Februar 8, 2008, 9:49

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Durch einen Kommentar bei Ruth habe ich diese Bilderserie gefunden, die bei ntv gezeigt wird und der ich weite Verbreitung wünsche. Deswegen stell ich sie hier rein, obwohl sie nicht ganz taufrisch ist. Was sind zwei, drei Wochen im Nahen Osten!

Es geht dabei um eine der vielbeklagten Grausamkeiten Israels: die Sperrung der Elektrizität für den Gazastreifen. Ein normal denkender Mensch würde sich ja fragen, wieso beschießen die Palästinenser Ashqelon, wo 70% ihrer Elektrizität herkommen? oder aber: wieso liefern die Israelis denen, die sie beschießen, überhaupt Strom?, aber mit Logik kommt man hier ja bekanntlich nicht weit.

Nach nur sieben Jahren Beschuß ist diesen israelischen Hitzköpfen also die Geduldsschnur gerissen und sie haben den Gazastreifen hermetisch abgeriegelt, Strom und Wasser gesperrt und die Leute ausgehungert, so lautet die Version der Palästinenser. Erstaunlicherweise ist sie eins zu eins in der Welt so übernommen worden, wie mir auch Freunde aus Deutschland berichten.

Obwohl ein Bild doch mehr sagt als tausend Worte. Darum hier die Bilder.

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Eine der herzbewegenden Demos im Gazastreifen. Die armen, verhungert und abgerissen aussehenden Menschen halten Plakate hoch: end Israeli war crimes! Als Protest gegen die Stromsperre halten sie brennende Kerzen in der Hand.

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Kleiner Fauxpas: auf allen Bilder ist deutlich zu erkennen, daß die Straßenbeleuchtung brennt. Eindeutig.

Das kann den Demonstranten nicht entgangen sein, ich meine, so blöd sind sie wohl nicht. Aber beachtet den leidenden, ehrlichen Ausdruck ihrer Gesichter. Dies ist der Gesichtsausdruck der Palästinenser, wenn sie sich als Opfer stilisieren. Den Leuten von der Mahnwache vor der Kirche in meiner Heimatstadt tritt dabei das Wasser in die Augen vor Mitleid und ehrlich gefühlter Empörung. So leiden sie, die Palästinenser, mit ihren Lichtlein in der Hand wie Kinder zum Advent! und die Welt schaut zu! Und im Hintergrund strahlt die Straßenbeleuchtung.

Mir ist der Gesichtsausdruck der Menschen besonders wichtig. So sehen Leute aus, die wissen, daß sie lügen, daß sie inszenieren, daß sie eine Show abziehen, für die Kameras. Sie wissen, daß sie damit die Sympathien der Welt erringen werden, daß niemand sich die Mühe machen wird, zu untersuchen, ob das nun eine Show ist oder die Wahrheit. Die Demo wird in den europäischen Medien für bare Münze genommen werden.

Bis der Schwindel aufgedeckt ist, ist Israels Ruf wieder ein bißchen ruiniert und die braven Europäer werden gern zahlen. Warum für das Geld ein eigenes E-Werk bauen? Wenn die Waffen in Ägypten gerade so günstig sind? Und die Plasmafernseher und Motorräder…? und die Kartoffelchips… (Besonders wenn man mit gefälschtem Geld dafür zahlt.)

tageslicht.jpg

Der nette Herr von der Hamas mit dem verzweifelt-gefaßten Gesichtsausdruck  zeigt nun hier, wie das Parlament im Gazastreifen tagt. Das sind Parlamentarier, mit denen wir verhandeln und Kompromisse schließen sollen, Menschen, auf deren Ehrlichkeit wir eigentlich bauen müßten. Sie tagen bei Kerzenlicht, die armen Kerle - doch da die Vorhänge nicht gut geschlossen sind, fällt Tageslicht in den Raum.

Wiederum bitte ich, die Gesichter zu beachten. Sie alle inszenieren einen Schwindel und sind dabei vollkommen überzeugend. Warum auch nicht? Die Welt hat schon so viel geschluckt, warum nicht auch dies? Daß die Idee einer palästinensischen Identität (als Teil der arabischen Identität) noch relativ jung ist, hat die Welt längst vergessen - für die meisten Europäer ist das ein uraltes Kulturvolk, vertrieben von den jüdischen Upstarts.
Ob es Mohammed al Dura ist oder das Massaker von Jenin oder eine der anderen, unendlich vielen Lügen - die Welt hat sie alle geschluckt. Warum nicht diese? Ich würde ja zu gern sehen, wie sie anfangen zu grinsen, wenn die Photographen weg sind, die Vorhänge aufgezogen werden und sie sich dazu beglückwünschen, Israel mal wieder medial knock-out geschlagen zu haben. Und alles nur, damit die Qassam-Helden weiter ihre Raketen abschießen können, ohne daß dafür jemand Konsequenzen tragen muß! Der Yahud muß wirklich blöd sein.

Bei den letzten Bildern geht mir der Zynismus aus. Ich habe selbst bange Wochen neben einem Brutkasten verbracht, und wenn etwas meine Sympathie erregt, dann ist es ein Frühchen in seinem tapferen Kampf ums Überleben.

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Wenn es etwas gibt, womit man nicht spielt und was man nicht instrumentalisieren darf, dann ist es wohl das Bild eines Winzlings, der eigentlich noch hübsch geborgen im Bauch seiner Mutter liegen sollte, doch nun auf Hilfe von außen angewiesen ist. Und dazu braucht man nun mal Elektrizität. Einer der Gründe, weswegen Krankenhäuser Generatoren haben.

baby-2.jpg

Und wie beruhigend, daß trotz der Behauptungen in den Medien, daß dieses Kind dem Tod geweiht ist, nur wegen der Israelis und ihrer willkürlichen Grausamkeit! - wie beruhigend, daß der Monitor funktioniert. Nein, keine Sorge, da ist alles in Ordnung.

Entschuldigt, wenn ich wortreich bin - aber hier packt mich wirklich der Zorn. Wie zynisch und verlogen kann man eigentlich sein, um solche Bilder zu produzieren? Und wie überzeugt von der grundlegenden Richtigkeit der palästinensischen Behauptungen muß man sein, um diese Show als echt zu akzeptieren, zu verbreiten und darauf fußend Israel scharf zu verurteilen? Ob UN oder Leserbriefe in der ZEIT - der Chor der Entrüstung war einhellig.

Einen ähnlichen Chor der Empörung über so eine verlogene Zurschaustellung habe ich bisher nicht vernommen.

Versteht ihr - das sind die Menschen, denen wir gegenüberstehen. Sie lügen, manipulieren, verdrehen die Wahrheit - und wenn auch vielleicht nur ein paar diese Manipulationen planen, machen doch alle munter mit. Da kann ich nicht mehr sagen, wie ich es mir selbst zum Trost jahrelang gesagt habe: das ist nur die Führung, mit den ganz normalen Leuten würden wir prima auskommen.

Das mag sein oder auch nicht. Ich weiß nicht, wie viele ganz normale Leute, die nur ihre Ruhe wollen, es in einem Volk gibt, das sich im Laufe der Jahre an Lügen, Haß, Terror und Grausamkeit gewöhnt hat - auch gegeneinander. Wo politische Gegner einander vom Hochhaus werfen oder einer dem anderen die Kinder auf dem Schulweg ermordet. Wo Scharfschützen vor Krankenhäusern auf angelieferte Verwundete schießen. Eine Gesellschaft, die letztendlich an ihre eigenen Lügen glaubt. Denn ohne selbst daran zu glauben, könnte man wohl nicht so überzeugend agieren. Deswegen kann ich über diese Bilder nicht lachen, so sehr ich es auch versuche. Sie zeigen mir mehr darüber, mit wem wir es zu tun haben, als viele Reden von Mashal oder Haniya. Und ermutigend ist das alles nicht.

The battle of Winograd Januar 30, 2008, 16:03

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Der Name Winograd, der ja eigentlich nur der Name des vorsitzenden Richters ist, paßt so gut. Er klingt wie ein Ortsname, und zwar einer, dessen Name ohne weiteres an eine große Schlacht denken läßt.

Heute abend wird die Winograd-Untersuchungskommission die Ergebnisse ihrer Überprüfung des Zweiten Libanonkriegs 2006 (den ich ja lieber Hisbollahkrieg nennen würde, oder Sommerkrieg) öffentlich bekanntgeben. Natürlich wird schon spekuliert, manche Leute sehen Olmert seinen Hut nehmen, andere sehen eine schwere Beschädigung des Rufs der Armee, es gibt Gerüchte und Vermutungen, aber bis in ein paar Stunden weiß keiner genau, was dabei rauskommt.

Eins ist klar: die israelische Armee widerspiegelt die Gesellschaft, und die Gesellschaft ist heutzutage nicht mehr bereit, ihre Söhne und Töchter frag- und klaglos zu opfern. Dadurch kämpft die Armee halbherziger, als es früher mal der Fall war, was besonders fatal ist, wenn man einer Truppe von Selbstmördern gegenübersteht, von denen jeder einzelne bereit ist, sein Leben in die Schanze zu schlagen.

Die kann man nicht besiegen, wenn man eine Armee hat, die das Leben liebt, und eine Gesellschaft im Rücken, die ständig ruft: “paßt auf die Kinder auf! paßt auf die Kinder auf!” Der Begriff “ha-banim”, die Söhne oder die Jungens, ist praktisch zum Synonym für Soldaten geworden, oft werden auch die Mädchen dazugenannt. Diese Begriffsverwischung mag man beklagen - denn eine Gesellschaft, die ihre lebensnotwendige Armee mit umflorten, stolzen Augen anguckt wie auf dem Elternabend in der Grundschule, kann diese wunderbaren Kinder nicht in die Schlacht schicken und in Kauf nehmen, daß sie sterben.

Egal wie gut oder schlecht die Pläne der Armee sind oder waren, egal wie mutig und klug die Offiziere und Soldaten sind oder auch nicht, egal wie Nachschub und Versorgung und Kommunikation gehandhabt werden - es ist unsere Mentalität, die der Armee in den Arm fällt.

Natürlich aus meiner privaten Warte vollkommen zu Recht. Ich will doch meine Vier auch nicht auf einem Schlachtfeld sehen, chas-ve-chalila!, und habe endlose Diskussionen mit Primus, der partout in eine kämpfende Einheit will. Aber ich sehe auch, wie ich damit zu denen gehöre, die an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Ohne eine nicht nur militärtechnisch, sondern auch mental schlagfähige Armee, die auch Schläge einsteckt, können wir hier nicht überleben.

Gerade der zivile Geist, der daraus spricht, daß man dulce et decorum est nicht mehr für selbstverständlich oder akzeptabel hält, ist es aber, der Israel auch so stark macht. Das Dilemma ist unlösbar und auch von Richter Winograd nicht zu lösen.

Was die Armee angeht: da sage ich nicht viel zu, das ist nichts zum Bloggen. Nur meine private offene Frage noch einmal: ich habe mich schon während des Krieges gefragt und auch jetzt noch, wie viel eigentlich der dubiose Tennenbaum der Hisbollah verraten hat. Und wie viele Pläne für den Kriegsfall dadurch unbrauchbar wurden.

Dan Halutz war wohl wirklich eine Pleite, und der Entscheidungsprozeß, der ihn an die Spitze katapultiert hat, ist fragwürdig. Ein brillanter Mann und hervorragender Kampfpilot - aber vermutlich in Verein mit dem Amateur Amir Peretz nicht imstande, einen Krieg am Boden zu führen. Aber was ist mit dem Nördlichen Kommando - da saßen doch gute Offiziere der Infanterie, wieso hat es so viele Pannen gegeben? wieso war die Versorgung der Heimatfront so unzulänglich?

Wobei die Zivilisten selbst ja tadellos funktioniert haben - ein Teil hat in unbewohnbaren Bunkern ausgeharrt, andere sind in die Landesmitte gezogen und dort aufgenommen worden, und so Werte wie Nachbarschaftshilfe haben sich bewiesen. Natürlich gab es auch Hotels und Feriensiedlungen, die Profit aus der Lage schlagen wollten, aber insgesamt hat sich unsere hedonistische, materialistische, heterogene und viel gescholtene Gesellschaft bewährt.

Ich bin mal gespannt, wie die politische Landkarte morgen früh aussieht - die Armee hat ja eine ganze Reihe von Konsequenzen bereits gezogen. Ich weiß nicht, ob da noch viele Köpfe sind, die rollen könnten. Ich bin auch immer skeptisch, wenn man rein symbolisch Köpfe rollen läßt, denn ein Personalwechsel kann vertuschen, daß sich an der Sache selbst nichts geändert hat.

Der Krieg hätte eher beendet werden können, er hätte anders geführt werden können, er hätte anders beendet werden können. Was wirklich bei den Verhandlungen zum Waffenstillstand gelaufen ist, man wüßte es ja gern… Bolton hat ja neulich schon einiges angedeutet.

Y. kommt gerade rein, auf einen kurzen Besuch zuhause. Ich frage ihn, was er von Winograd erwartet. Er: “eigentlich nichts. Wir wissen auch ohne Winograd, was falsch gelaufen ist”. Es ist so schön, mit einem Mann verheiratet zu sein, der sich vom Winograd-Fieber ebensowenig anstecken läßt wie von anderen Massenphänomenen. Ich werde aber fernsehen und finde es gut, daß es hier so eine offene und auch leidenschaftliche Diskussion gibt, und das Bemühen, einmal gemachte Fehler nicht zu wiederholen.

Artikel, Januar 29, 2008, 0:35

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die mir am Ende dieses schrecklichen Tages ins Auge stechen, bei meinem kurzen Blättern in der Presse.

Ulrike Putz erzählt im SPon von ihrem Besuch bei den Qassambauern im Gazastreifen. Bemerkenswert, daß sie als bekannt voraussetzt, daß diese Raketen fliegen. Die jungen Männer schlagen vor ihr heftigst das Rad und kokettieren mir der Todesgefahr, der sie sich aussetzen.

“Seid ihr bereit?”, fragt er sie. “Ab jetzt können wir jede Minute ins Paradies eingehen.”

“Ich hätte meine Frau anrufen sollen”, sagt er nach einer Weile. “Sie soll schon mal nach einem neuen Ehemann Ausschau halten.”

Die Männer reißen Witze über die Jungfrauen, die sie nach islamischem Glauben im Paradies erwarten: Galgenhumor.

Na ja, man kann verstehen, daß Putz keine Lust hatte, kritische Fragen zu stellen. Schließlich muß sie sich in dieser Situation ziemlich ausgeliefert gefühlt haben.

Einer hält der Fremden eine Pistole ins Gesicht: “Ich wollte nur mal sehen, ob du dich erschrickst.”

Zum Einkaufs-Tourismus nach Ägypten:

Ob sie da Zutaten für den Kassam-Bau besorgen würden? “Von wegen”, erwidert der Gruppenälteste lächelnd. “Die kaufen Kartoffelchips. Wir haben noch genug Rohmaterial für die nächsten Jahren.”

Dass es an Nachschub niemals mangele, dafür sorge der Schmuggel durch die Tunnel unter der ägyptischen Grenze hindurch. “Das TNT zum Beispiel kommt aus dem Sudan über Ägypten zu uns.” Andere Bauteile gelangten per Boot übers Meer nach Gaza. “Wir beziehen einiges aus Osteuropa.”

Bis zu 500 Dollar koste das Rohmaterial für eine große Kassam. Das Geld, mit dem sie finanziert würden, nehme denselben Weg die Materialien. “Die Blockade der Israelis trifft uns nicht, die soll nur die Bevölkerung ins Elend stürzen.”

Und die Begründung für dieses sinnlose Heldenspiel:

“Wir sind bereit, zu sterben, das ist der Preis unserer Freiheit.” Es bliebe den Palästinensern keine andere Wahl, als den Kampf gegen Israel mit der Waffe zu führen. “Entweder wir gehen in den Widerstand, oder sie behandeln uns wie Sklaven.”

Ich kann dazu nur seufzend anmerken, daß die Israelis sich die Besatzung nicht ausgesucht haben. Und ob die Räumung des Gazastreifens als Versklavung gemeint war…? Welchen Zuwachs an Freiheit können die Bastler seit Einsatz der Raketen feststellen? Ich würde ja eher sagen, alle Terrorakte haben dazu geführt , daß Israel Schutzzäune baut, Checkpoints, niemanden mehr reinläßt… wogegen man sich dann wiederum mit Terror wehrt. Seltsame Logik.

Putz fragt aber nicht nach. Sie gibt ihren Gastgebern die Möglichkeit, ihre rührende Menschlichkeit zu unterstreichen.

Er mache sich schon Gedanken, wer von seinen Geschossen getroffen würde. “Wenn wir Soldaten töten, sind wir mehr als glücklich”, sagt er. “Wenn es ein Kind trifft, sind wir natürlich nicht froh.”

Wieso schießen sie dann auf Kinder? Da mit Qassams auf Städte und Dörfer und Kibbuzim geschossen wird, also zivile Ziele, muß es schon mit dem Teufel zugehen, wenn man ein Soldat getroffen wird. Und welchen Grund gibt es, isrealische Soldaten auf israelischem Staatsgebiet anzugreifen? Sowas gilt normalerweise als casus belli. Es ist nur logisch, wenn man Israels Existenzrecht als souveräner Staat nicht anerkennt. Keine Frage zu diesem Thema von Putz.

Die erste Kassam-Rakete dieser Nacht ist so gut wie fertig, Abdul ist ruhiger geworden. “Heute schützen uns die Wolken vor den Drohnen der Israelis.” Die Witwen- und Waisenkasse des “Islamischen Dschihad” wird wohl erstmal nicht für seine Hinterbliebenen sorgen müssen. Seine Mutter, die sich so oft Sorgen um ihn macht, darf sich morgen früh freuen, dass ihr Sohn in seinem Bett aufwacht. “Sie ist ja einerseits schon stolz auf mich”, sagt Abdul, der Raketenbauer. “Aber letzten Endes ist sie eben doch eine Mutter.”

Ja ja. Wenn Abdul seinen Heldentod erleiden sollte, werden wir seine Mutter in den Abendnachrichten jubeln sehn… Aber es ist schon eine fragwürdige Wahl, daß Pütz ihre Reportage mit diesen rührenden Worten über die Mutter schließt. Paßt irgendwie gut zu den oft gesehenen Bildern von den Müttern der Selbstmordattentäter, die durch die Presse gehen - manchmal ist ja schon vorgekommen, daß sie von ahnungslosen Redaktionsknechten zu Angehörigen von Opfern erklärt wurden…

Mich dünkt, daß die Empathie der Erzählerin auf Seiten von Abdul, dem Raketenbauer, und seiner stolz-besorgten Mutter liegt. Ein Wort zu den Opfern findet sich nicht - aus der Perspektive der Raketenbauer sieht man sie ja auch wirklich nicht. Ob eine Journalistin sich die Sichtweise dieser Männer so eindeutig zu eigen machen muß - das ist wiederum eine andere Frage.

Zu dem Thema findet sich einiges in einem alten Artikel von Sahm, der sich auf Fernsehberichte bezieht, aber auch das beliebte Thema “Mutter des Selbstmordattentäters” aufgreift:

Problematisch ist zum Beispiel der »Schmerz einer Mutter« nach einem Selbstmordanschlag mit zahlreichen Toten, wenn allein die Mutter des palästinensischen Massenmörders gezeigt wird, nicht aber die ebenso trauenden israelischen Mütter. Der ungeübte Fernsehzuschauer wird bei den Aufnahmen der Mutter des Selbstmordattentäters kaum bemerken, dass ihre »Trauer« möglicherweise inszeniert ist. Nach einem Anschlag in Jerusalem im November 2002 standen neben einer solchen »trauernden« palästinensischen Mutter lachende Kinder.

Solche Szenen werden von palästinensischen Kameraleuten gedreht. Die machen keinen Hehl aus ihrer »Verpflichtung« zum palästinensischen Kampf. Solange weder israelische noch ausländische Korrespondenten bei den Filmaufnahmen der »trauenden Mutter« anwesend sein können, lässt sich die »Echtheit« der Szenen nicht nachweisen.

Die lachenden Kinder neben der Mutter sind ein Hinweis dafür, das an der Szene etwas nicht stimmte. Unglaubwürdig wird die »Trauer« dieser Mutter zudem, wenn man später in Nachrichtenagenturen lesen kann, wie sie die »Heldentat« ihres Sohnes lobt und sich wünscht, dass auch ihre anderen Kinder zum »Schahid« (Märtyrer) werden mögen.

»Ich habe den Auftrag, ein emotionales Stück zu machen« sagte die Redakteurin eines deutschen Fernsehsenders. Deshalb waren für sie nur die Bilder der gestellten »Trauer« brauchbar. Der Wunsch, andere Kinder in den Tod zu schicken, passte »nicht ins Konzept«.

Ganz interessant. Zwar hat der eine Artikel nichts mit dem anderen zu tun, aber die Erwähnung der Mutter als Schlußakkord kam mir sentimental vor.

Das war also das eine, das ich gelesen habe, auch wenn es mich etwas ratlos zurückließ.

Das zweite war ein Artikel in Haaretz. Da ja der zweite Teil des Winograd-Berichts zum Libanonkrieg mit Spannung erwartet wird, karten wir alle nach - ein Volkssport wie die Beobachtung des See Genezareth-Wasserspiegels. Es überrascht mich kein bißchen zu hören, daß gegen Ende des Kriegs in der UN ein bißchen gemaggelt wurde, wie man das bei uns nennt.

The former U.S. ambassador to the United Nations, John Bolton, accused Secretary of State Condoleezza Rice of giving in to French and Lebanese demands over the terms of the cease-fire that halted the 2006 Second Lebanon War, according to a document recently obtained by Haaretz.

Natürlich dient dieses Dokument dazu, Olmerts höchst umstrittenen militärischen Entscheidungen gegen Ende des Kriegs zu rechtfertigen, der viele Menschenleben zum Opfer fielen. Trotzdem - es kann sein, daß Bolton die Wahrheit spricht und Olmert trotzdem falsch entschieden hat. Dieser Waffenstillstand war, wie die meisten Waffenstillstände, die Israel durch die UN aufgezwungen wurden, höchst unvorteilhaft für uns. Zu einem früheren Zeitpunkt gab es mal bessere Karten für einen Waffenstillstand. Noch weiß niemand, was wirklich los war - es schwirren viele Theorien, Anklagen und Verteidigungsreden herum.

In the letter, Carmon emphasized that Rice had agreed that the draft cease-fire resolution would stipulate that the international peacekeeping force in southern Lebanon would operate under Chapter VI of the UN charter, which would give it observer status only.

Mal sehen, ob wir in ein paar Tagen mehr wissen. Aber für den Waffenstillstand, dessen Konditionen die Wiederbewaffnung der Hisbollah zuließen, könnten wir in Zukunft noch einen hohen Preis zahlen. Unberufen.

Schönes altes Lied Januar 25, 2008, 11:29

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zum Wochenende.

Shlomo Artzi mit seinem Sohn, der inzwischen erwachsen ist.

Und damit wir nicht so ashkenazisch bleiben, stell ich auch Achinoam Nini rein.

all the stars he hid away
and the moon in a pitch black night
from the north
to yemen
not a ray of light
no light,
not a ray of light

morning, loyal widower
clutched his grey sack to his hips
from the north
to yemen
not a ray of light
no light, not a ray of light

light a small white candle
in this darkened tent
which is my heart,
from the north
and south to yemen
then a brillian light will shine!
the light,
the light will shine. 

Berührungsängste Januar 22, 2008, 9:05

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Vermutlich lesen es die meisten Leute sowieso, der SPon kann sich ja über Lesermangel nicht beklagen. Aber trotzdem noch mal ein kleines Bonbon zum Thema “Graben zwischen westlicher Welt und Islam”.

Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragte Muslime wie Nichtmuslime in 21 Ländern; Analysten des Schweizer Instituts Media Tenor untersuchten, wie Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender in 24 Ländern über die eigene Kultur und “das Andere” berichteten.

[...]

Ein [ähnlich] unerwartetes Ergebnis, wenn es um die Angst vor dem Miteinander der Kulturen geht. Klare Mehrheiten in allen untersuchten europäischen Staaten empfinden eine “verstärkte Interaktion zwischen dem Westen und der islamischen Welt” als Bedrohung: 79 Prozent in Dänemark, 68 in Spanien, 67 in Italien und den Niederlanden. Die Vermutung, Israelis und Amerikaner müssten sich mindestens ebenso bedroht fühlen, ist so naheliegend wie falsch: 70 Prozent der Amerikaner und 56 Prozent der Israelis finden mehr Interaktion gut - ebenso wie umgekehrt Mehrheiten in Ägypten, den Palästinensergebieten, der Türkei und Iran.

[...]

Eine zentrale Erkenntnis der Studie [von Media Tenor] lautet: “Medien aus islamischen Ländern berichten negativer über Individuen und Gruppen, die dem Christentum, dem Judentum oder nichtislamischen Ländern angehören.” Zwar gilt das auch umgekehrt, allerdings in geringerem Ausmaß.

Ganz interessante Studie, die weit über die altbekannte Nahostproblematik hinausgeht. Ich sehe es natürlich wieder aus meinem kleinen Winkel und frage mich verwirrt, wie es nur sein kann, daß so viele Europäer, auch Deutsche, Moslems, und besonders moslemische Araber, hassen und fürchten, gleichzeitig aber von Israel erwarten, daß es sich von ihnen mit Vernichtungsrhetorik und Bomben überziehen läßt, ohne sich zu wehren.

Hm, man könnte vermuten, daß es eben nicht jeweils dieselben Europäer sind. Ich weiß nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, daß es recht viele Leute in Europa gibt, die zwischen Islam und politischem Islam nicht unterscheiden, selbst vor beidem Angst haben und gleichzeitig Israel dämonisieren. Gewissermaßen ihre eigenen Berührungsängste auf Israel projizieren. Wäre mal eine Studie wert, zu untersuchen, inwieweit Abneigung gegen Islam und Abneigung gegen Israel zusammengehen. Wenn es schon so eine Studie gibt, her damit!

Nachrichtengucken Januar 18, 2008, 22:36

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sollte ich ein für alle Mal aufgeben. Auf verschlungenen Wegen hab ich heute, zum ersten Mal seit laaangem, geguckt. Auch Y. tut sich das nicht mehr an, normalerweise, wir lesen beide Zeitung und das reicht. Außerdem reden hier ja alle sowieso über “ha-mazav”, die Lage, und je weniger ich davon weiß, desto besser. Oder auch nicht.

Ach ja. Ich hätte in den letzten Tagen und Wochen einen Qassam-Ticker auf die Beine stellen können, der seinesgleichen sucht. (Kol-ha-kavod to Aussie Dave for his qassam ticker and liveblogging!)

Im westlichen Negev fallen die Mörsergranaten und Qassam-Raketen, daß es nur so brummt. Praktisch pausenlos. Dazu kommen Scharfschützen, die in den oberen Etagen der Stadt Khan Younis nur aus dem Fenster gucken müssen, um Ziele zu finden.

Es ist nicht nur die Stadt Sderot, die ja inzwischen auch in Deutschland bekannt ist. Über die reden viele. Aber die Kibbuzniks in den Kibbuzim an der Grenze, Ein haShlosha und Nir Am und Kerem Shalom, die halten mehr oder weniger den Mund. Sie haben keine politische Vertretung. Der Bürgermeister von Sderot Eli Moyal ist überall bekannt - die Kibbuzniks kennt keiner.

Während wir hier sitzen, herrscht im Negev Krieg. Das Dilemma ist groß. Natürlich wissen wir, daß die Palästinenser diesen Terror veranstalten, um die Armee nach Gaza zu locken, eine Eskalation in Gang zu setzen und jede Einigung noch unmöglicher zu machen als sie so schon ist. Das sagen sie ja auch ganz offen, es ist keine bösartige Interpretation meinerseits, sie machen kein Geheimnis draus. Soll man ihnen also den Gefallen tun und die Armee wirklich reinschicken?

Lebten dort keine Menschen, für die der Staat verantwortlich ist - Friseurinnen in Sderot, Landwirte in Ein HaShlosha, Schulkinder - dann könnten wir ganz cool sagen, laß sie ballern, und das Gebiet sich selbst überlassen. Aber das geht natürlich nicht. Erstens leben da Menschen - und viele von ihnen können nirgendwo anders hin. So groß ist das Land auch nicht. Heute ist Nir Am unter Beschuß, morgen Ashkelon, übermorgen Yafo, nächste Woche Tel Aviv, und da trifft sich das Feuer dann mit dem aus dem Norden, das sich über Nahariya, Ako, Haifa, Hadera, Netanya bis Tel Aviv ausweiten kann.
Ist alles überhaupt kein Problem, die Palästinenser haben Waffen, die Hisbollah hat Waffen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie mit ihren Grads auch größere Entfernungen überbrücken, besonders, wenn sie in der Westbank freie Hand bekommen. Wo sollen wir hin?

Das geht also nicht. Der jahrelange Beschuß zermürbt die Leute. Im Gazastreifen hat Abbas nichts mehr zu sagen, da herrscht Narren-Unfreiheit. Auch ohne den Vorwand der Besatzung wird jeder Israeli zur Schießscheibe.

Irgendwann, das wußte ich die ganze Zeit, wird die Armee was unternehmen müssen. Als der Volunteer aus Ecuador auf offenem Feld getötet wurde, ganz nah an der Grenze, dachte ich, was nun? Kinder werden verletzt, es sind nur Zivilisten, auf die gezielt wird. Soll es mich wundern, wenn das wohl in deutschen, europäischen Medien keine Schlagzeilen macht? Auch viele Aktionen der Armee finden ja kaum Echo in den deutschen Medien, auf die Schnelle find ich nur die Süddeutsche, da ist Israel letztes Item heute.

Interessant auch die Haltung von Abbas, die in dem Artikel so geschildert wird:

Israels Aktionen unterminierten die Autorität der Autonomiebehörde und trieben mehr und mehr Palästinenser in die offenen Arme radikaler Organisationen wie Hamas und Islamischer Dschihad. Abbas sei vor allem darüber erzürnt, dass Israel seine Militäroperationen so kurz nach dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in der Region forciert habe.

Nett, nicht wahr? Israelis sollen noch stiller halten, als sie es ohnehin schon tun, um Abbas´ Stellung zu halten. Hm. Und wie wäre es mal mit ein bißchen sauer sein auf die Militäroperationen der Hamas?

Tja, die Situation ist unwirklich. Wir leben im Frieden, während im Süden Krieg herrscht. Wir erwarten von der Regierung, daß sie gleichzeitig diesen Krieg beendet und irgendwie Frieden schafft. Nur weiß keiner wie. Nicht als ob ich unsere Regierung für kompetent hielte, Olmert ist ein Laberfax und nicht mal als solcher besonders gut. Aber wirklich, wer hat den mal einen konkreten Vorschlag, wie den Palästinensern die Lust am Ballern zu nehmen ist? etwas, das wir noch nicht probiert haben? wir oder die EU oder die Amerikaner?

Geld reinpumpen, sie mit Strom und Lebensmitteln versorgen, Siedlungen räumen, Gespräche, Verhandlungen, Angebote, oder aber Beschuß, Boykott, Sperrung von Geldern, Sanktionen, gezielte Tötungen von Terroristen in Aktion, Zerstörung leerer Häuser, Festnahmen, nichts hat gewirkt. Sie wollen nicht damit aufhören, es ist ihr Lebenszweck, sie haben nichts anderes, sie wollen nichts anderes. Die Palästinenser haben keinerlei Interesse daran, aufzuhören. Wir dagegen sind einfach nur müde, müde, müde.

Ich wußte doch, es ist ein Fehler, Nachrichten zu sehen! Ich stürze abgrundtief in Depressionen, wenn ich das mache.

Das nächste Item in den Nachrichten war so traurig, daß ich den Laptop holen gegangen bin. Es ging um eine Gruppe Väter, deren Söhne oder Töchter Opfer des Konflikts geworden sind - im Auto erschossen, im Armeedienst gefallen, bei einem Terroranschlag getötet. Diese Väter singen zusammen, in einem todtraurigen Chor, singen die optimistischen israelischen Lieder, ohne daran zu glauben, und finden so eine Art Zusammensein mit anderen in derselben Lage.

Ein gläubiger Mann, der seine beiden Söhne verlor (einen an einer Krankheit, den anderen bei einem Terrorüberfall), geht weiterhin in die Synagoge, ist dabei eigentlich mit seinem Gott zerfallen. und würde ihm gern harte Fragen stellen. Erschrocken über sich selbst meint er, “eigentlich bin ich ein Ketzer, daß ich zu Gott sage: du weißt nicht, was du tust”. Er wartet, ob er nach seinem Tod eine Antwort bekommt. Kein einziger Vater fand irgendeinen Sinn im Tode seines Kindes, weder politisch noch ideologisch oder religiös. Kein Triumph, kein Sieg, keine Märtyrermentalität. Einfach nur herzzerreißender Schmerz um jeden, der fehlt.

Ja ja, ich glaube, weitere Nachrichten tu ich mir nicht an. Immerhin werden die Nachrichten neuerdings von Yair Lapid präsentiert, und wie Y. anerkennend meinte: gut, daß er jetzt im Nachrichtenstudio sitzt, da kann er wenigstens nicht von sich selbst plaudern… wir sind nämlich keine Fans von Lapids Selbstdarstellungs-Talkshow gewesen und haben ihn boykottiert. Jawohl.

Ich glaube, ich beschränke mich wieder für eine Weile auf persönliche Themen…

Hagar Januar 17, 2008, 17:57

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Immer wenn ich Lorrains Bilder über Hagars Schicksal sehe, so wie soeben… erinnere ich mich an eine wahre Geschichte, die mir eine Bekannte mal erzählt hat.

Diese Bekannte und ihr Mann haben mal für ein paar Jahre in Deutschland gelebt, und es hat ihnen eigentlich ganz gut gefallen. Dann wurde ihre Tochter geboren. Der Vater ging aufs Standesamt, um die Geburt anzuzeigen - ich weiß nicht mehr warum ausgerechnet aufs Standesamt, als Israelis. Aber jedenfalls teilte er dem Standesbeamten mit, daß seine Tochter Hagar heißen sollte. Und der Standesbeamte, voll der Amtsgwalt, teilte ihm mit, daß das nicht geht.

Warum nicht? Das ist in Israel ein ganz normaler Mädchenname, er kommt aus der Bibel, ist seit Jahrhunderten bekannt. Wie sollten Israelis denn ihr Kind nennen? Grete oder Galadriel oder was gerade in Deutschland akzeptiert wird? Warum keinen israelischen, jüdischen Namen? Den Standesbeamten beeindruckte das nicht. Hagar ist in Deutschland unbekannt, meinte er, und es klingt zu sehr wie ein männlicher Name.

Die Bekannte erzählte mir diese Geschichte bis dahin, weil es sie seit diesem Vorfall gequält hatte, was das für ein Vorname sein könnte. Sie kannte keinen Deutschen mit Namen Hagar. Ich grübelte eine Weile, bis mir aufging, was der Standesbeamte gemeint haben könnte. Oh Gott, natürlich. Hägar den Schrecklichen. Und weil der Hagar für eine Form von Hägar hielt, wollte er israelischen Eltern, die zufällig in Deutschland ihr Kind geboren hatten, den Namen Hagar verbieten.

Die Eltern gaben aber nicht nach. Sie wollten den Namen Hagar. Der Standesbeamte gab ebenfalls nicht nach. Von Altem Testament, Abraham und Sarah, und auch von Lorrain oder einem anderen der vielen Maler des Hagar-Motivs hatte er noch nie was gehört, sein Bildungshorizont ging eben bis Hägar. (Auch meine Bekannte kam nicht auf die Idee, Rembrandt oder Lorrain ins Feld zu führen. Wer geht schon mit einer Enzyklopädie der Ikonographie der Bibel aufs Standesamt?)

Claude Lorrain, Die Verstoßung der Hagar, 1668
Der Standesbeamte ließ sich schließlich dazu herab, den Namen Hagar als Mädchennamen zuzulassen, aber nur in Verbindung mit einem eindeutig weiblichen Namen. Da in Israel im Moment Namen en vogue sind, die für beide Geschlechter in Gebrauch sind, kam den Israelis das höchst seltsam vor. Aber sie waren recht zermürbt und gaben einen eindeutig weiblichen Zweitnamen, ich weiß nicht mehr, welchen.

Deutschen kommt es ganz normal vor, daß ein Standesbeamter die Macht hat, ihnen Namen zu verbieten. Es scheint ihnen einsichtig, daß man Kinder davor bewahren muß, mit Namen wie Hägar oder Lurchi oder Pumuckl verschont zu werden. Und ein Standesbeamter scheint ihnen der beste Garant dafür zu sein. Schließlich hat er den Wasserzieher im Regal stehen. Und dann muß es stimmen.

In Israel kann man seine Kinder Osama Bin Laden nennen, wenn man will, oder auch Gachlilit (Glühwürmchen). Da mischt sich kein Amt ein. Und wenn jemand unter seinem Namen leidet, ist es nicht schwer, den Namen ändern zu lassen. So wird in Israel verhindert, daß jemand mit einem Namen rumlaufen muß, den er als unpassend empfindet. Nicht der Standesbeamte ist Wachhund des guten Geschmacks, sondern die Leute selbst.

Übrigens geht nicht fehl, wer hinter dieser Geschichte eine kleine persönliche Reminiszenz wittert. In der Tat war auf dem Heirats-Hürdenlauf eine Haupthürde die Übersetzung der Papiere meines Mannes, die ein alter Jecke angefertigt hatte. Selbstverständlich hatte er Y. als J. transskribiert, wie ja Yehoakim Joachim heißt und Yirmiyahu Jeremias. Das hebräische yud wird nun mal im Deutschen als j transskribiert. In seinem Reisepaß dagegen wurde natürlich die englische Schreibweise benutzt, also Y. Das konnte der Standesbeamte nicht verstehen. Wie war das möglich, daß für ein und denselben Namen zwei Schreibungen existieren? Schließlich griff er entnervt zum Wasserzieher und schlug den Namen nach. Sah uns entsetzt an und rief aus: “Den Namen gibt es gar nicht!” Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn er nun erklärt hätte, daß auch Y. nicht existiert.

Es ging alles gut aus, wir haben den Zermürbungskampf gewonnen und der gute Mann hat uns getraut. Er erinnert sich sogar noch an uns, behauptet meine Mutter, die ihn manchmal trifft.

Aber beim Gedanken an einen Standesbeamten, der den Namen Hagar nicht kennt, Hägar dagegen wohl, habe ich immer noch ein peinliches Gefühl. Obwohl - nichts gegen Hägar.

Klarstellung Januar 15, 2008, 16:57

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Rungholt ist kein Schwarzes Brett, wo man unkommentiert einfach Artikel reinkopiert. Das ist ein hirnloser Mißbrauch der Kommentarfunktion. Wer Agenturmeldungen lesen will, kann das woanders tun.

Es gehört sich auch nicht, ohne Angaben von Quellen einfach copy-paste Inhalte zu übernehmen, und noch weniger gehört es sich, ein privates Blog als Nachrichten-Wandzeitung zu mißbrauchen. Ich hab keine Lust mehr, das Zeug zu löschen, also hört einfach auf damit, okay? Es wäre unfair allen anderen Kommentatoren gegenüber, die Kommentarfunktion komplizierter zu machen oder ganz zu schließen, darum mach ich es nicht. Aber ich wollte doch mal ganz klar sagen, daß ich diese Kopierei nicht goutiere.

Betriebsausflug Januar 11, 2008, 17:18

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Y. und seine Kollegen hatten gestern einen langen Tag: sie waren gemeinsam in der Negev-Wueste, etwa zweieinhalb Autostunden von hier entfernt. Auf dem Programm standen: eine kleine Wanderung durch die winterliche Wueste, ein Kamelritt und anschliessende Gruppenspiele (wie heutzutage Belegschaften ja gern auf Teamwork und Problemloesung getrimmt werden…), Besuch einer heissen Quelle mit Sauna und so weiter, und dann ein ueppiges beduinisches Abendessen.


Er kam spaet wieder, aber er sagt, es war ein gelungener Ausflug.  Im Negev ist es gerade wunderschoen.

Flickr Januar 4, 2008, 19:51

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Klarstellung Dezember 19, 2007, 23:14

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Gegen DEN

hab ich nichts (obwohl ich damals Angst vor ihm hatte und seine Ausrede, warum sein Bischofsstab ein bißchen schäbig aussah, mir komisch vorkam — hatte ihm der Knecht Ruprecht auf der Himmelsleiter beschädigt).

Ich bekenne Dezember 19, 2007, 15:35

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(Herzlichen Dank dem Leser, der mir dieses Bekenntnis entlockt hat!)

Echte, runde Tränen Dezember 5, 2007, 0:37

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Wir kommen soeben vom Elternrat zurück. Drei Stunden Eltern und Erzieher im Clinch. Nur die revolutionären Tribunale der Französischen Revolution waren grausamer. Schlimm schlimm. (Unser Junge ist aber gar nicht unter den Schlimmsten, vielleicht ein andermal mehr darüber). Wir fühlen uns so, wie sich die Fingerspitzen nach einem zu langen Bad fühlen - aufgeweicht und unbrauchbar. Quarta schläft schon, Tertia wartet noch auf uns, Secundus ist von der Arbeit zurück und duscht (er bereitet die Feuerschrift für ein großes Fest vor - auch darüber ein andermal mehr).

Primus sitzt vorm Computer und chattet eifrig. Ich störe ihn.

Mama: Na mein Junge, wie war denn dein Rendezvous?

Primus: Ach es ging. Nichts besonderes. Die Chagit ist doch nicht so nett, wie ich dachte. Und hat einen gräßlichen Geschmack bei Filmen.

Mama: Ihr wart im Kino? Was habt ihr denn gesehen? [Ein Film, den Primus gesehen und gemocht hat, war 300, und als nächstes will er Beowulf sehen... Kampf, Blut, Drama, das ist sein Geschmack.]

Primus: Enchanted.

Mama: WAS???

Primus: Na ja sowas mit so´ner Prinzessin… [schüttelt sich mit angeekeltem Gesicht]

Mama: [bricht in haltloses Gelächter aus, weint echte runde Tränen und wirft sich begeistert übers Bügelbrett]

Primus: Mama, was ist daran komisch?

Mama [winselnd vor Freude]: Darf ich das bloggen???

Primus: Na ja, blogg es halt… [grinst schief und wendet sich wieder der Tastatur zu]. Aber bleib bei der Wahrheit!

Was ich hiermit getan habe.

Frage, Anfrage Dezember 1, 2007, 12:18

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Gerade hat mich eine Frau angerufen, die ich seit vielen Jahren gut kenne. Sie ist behindert (Polio, Rollstuhl), aber im Alltag selbständig (arbeitet als Sozialarbeiterin, fährt Auto). Ihr Vater, der schon sehr alt ist, kam aus Deutschland, er war ein Freund der Großeltern meines Mannes. Er sächselt bis heute, wenn er Ivrit spricht. Seine Tochter möchte nun gern selbst nach Deutschland fahren. Zuerst nach Berlin, was sie sowieso interessiert, und dann nach Leipzig.
Sie hat mich gefragt, ob ich Organisationen kenne, die behinderten Reisenden helfen, ohne daß es gleich ein Vermögen kostet. (Sie meint, Behinderte werden oft ganz schön ausgenommen, sie haben ja keine Wahl, wenn sie Hilfe brauchen). Jemand, der sie begleiten würde, ihr helfen könnte, wenn sie Hilfe braucht. Ich habe gesagt, mir fällt so aus der Lamäng niemand ein.

Da fiel mir natürlich sofort die freundliche Gemeinschaft meiner Blogleser ein. *Megaphon* Berliner und Berlinerinnen! Bürger und Bürgerinnen! Wie kann dieser Frau geholfen werden? Vorschläge werden per Email angenommen und vertraulich behandelt, aber auch die Kommentarfunktion bleibt ausnahmsweise bis nach Ladenschluß geöffnet! *Megaphon aus*

Hat jemand eine Idee????