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Wie ist das in Deutschland? Mai 8, 2008, 20:20

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Ich weiß es wirklich nicht. Gibt es in Deutschland eine Organisation wie hier in Israel Perach (die kriegt gerade den Israel-Preis)? Perach ist ein Projekt zur Unterstützung von Schülern und Jugendlichen. Es ist natürlich eine Abkürzung: Perach bedeutet Blume, aber es ist die Abkürzung für “projekt chonchut”, erzieherisches Projekt.

Studenten “adoptieren” Schüler, helfen ihnen bei den Hausaufgaben, unternehmen Verantwortung. Jeder Student übernimmt ein Kind, oft über Jahre hinweg. An allen Universitäten gibt es Perach, und die Kinder kommen aus sozialen Brennpunkten. Ihre Eltern können es sich nicht leisten, teure Nachhilfestunden zu bezahlen, vielleicht ist ihnen auch gar nicht klar, wie wichtig Schulbilding ist. Außerdem helfen die Studenten auch bei persönlichen Problemen, machen mit dem Kind Sport, unternehmen mit ihm Sachen, die die Eltern nicht machen, und erweitern seine Welt.

Viele Studenten, die ich kenne, machen das. Sie kriegen dafür ein kleines Stipendium, aber nichts Weltbewegendes.  Es hilft den Kindern, und auch für die Studenten ist es gut. Es ist immer ein schönes Gefühl, was weiterzugeben, auch ein Beispiel zu geben, Verantwortung zu übernehmen.

Als ich studiert habe, war ich gut befreundet mit der Verantwortlichen für die Spiele-Bücherei. Alle Studenten, die einen Perach-Schüler hatten, konnten sich dort Lern- und Gesellschaftsspiele und Bücher ausleihen. Die Studenten erzählten, daß es in den Häusern, in die sie gehen, sowas oft gar nicht gibt.

(Ein alter Artikel über Perach hier.)

Y. fragt, ob es sowas auch in Deutschland gibt, ich weiß es nicht. Aber es gibt genügend Kinder, denen so ein Projekt helfen könnte, da bin ich sicher.

Feuersäule Mai 8, 2008, 15:43

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Am 14. Mai soll, so steht es in Ynet, der erste Teil der Serie Amud-ha-esh, die Feuersäule, im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden. Das ist eine Doku über die Entstehung des Staats Israel. Nicht ganz frisch und, was vielen deutschen Zuschauern mißfallen wird, aus israelischer Perspektive. Aber mit viel dokumentarischem Material, das ich immer sehr interessant finde. Und die Tatsachen, die darin gezeigt werden, sind vielen Leuten in Deutschland vermutlich vollkommen unbekannt.

Ich habe auch den zweiten Teil der Serie, Tkuma, Auferstehung, über die Jahre seit der Entstehung des Staats Israel, in den 90ern im Fernsehen gesehen. Da kamen dann auch orientalische Juden vor, die in Amud-ha-esh eher zu kurz kommen. Außerdem auch die sozialen Probleme und Spannungen innerhalb der israeilschen Gesellschaft.

Also, es würde mich einfach mal interessieren, wie meinen Lesern diese Serie gefällt. Ich würde sie selbst gern sehen. Vielleicht kann sie ja jemand für mich aufnehmen, fällt mir gerade ein? Auf DVD kostet sie nämlich Hunderte von Shekeln, und die bin ich nicht bereit zu investieren… da warte ich lieber, bis sie im Fernsehen wiederholt wird.

Unabhängigkeitstag Mai 7, 2008, 20:18

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Ich sehe im Fernsehen die jährliche Zeremonie. Jedesmal entzünden Bürger, die sich im Laufe des letzten Jahres besonders engagiert haben, eine Flamme und erzählen dabei ein bißchen über sich. Sie entzünden die Flamme im Namen der Sache, für die sie sich engagieren, und “le tiferet medinat-Israel”, zu Ehren des Staates Israel.

Ich höre mir das im Hintergrund an, während Y. mit den Mädchen das Feuerwerk gucken gegangen ist, weil ich in der Küche aktiv bin (bereite alles für das festliche Grillen morgen vor). Wenn ich was höre, das mich interessiert, komme ich näher.

Zwölf Flammen werden entzündet, für die zwölf Stämme Israels, und zwar machen das immer zwei Leute zusammen, diesmal jeweils ein Erwachsener und ein Kind oder Jugendlicher. Also insgesamt 24 Bürger und Bürgerinnen. Ein Junge, der an der Grenze zum Gazastreifen wohnt. Eine junge Beduinin, die sich für die Früherziehung bei den Beduinen einsetzt. Eine alte Dame, die ich mal kennengelernt habe. Sie war vier Jahre in Deutschland in einem Konzentrationslager, und nach ihrer Einwanderung nach Israel hat sie ein Institut für die Förderung von Hochbegabten gegründet. Schüler, die freiwillig an Jugendprojekten mitarbeiten. Der kleine Bruder des drusischen Offiziers einer Eliteeinheit, der neulich gefallen ist. Oh, Ynet hat die Liste, sehe ich gerade.

Dann eine Überraschung, ein Junge, an den ich oft gedacht habe. Oran Almog, schwerverletzt im Anschlag auf das Restaurant Maxim in Haifa. Der Albtraum dieses Tages. Seine Mutter war Studentin bei uns. Sie hat ihren Mann, einen Sohn und die Schwiegereltern verloren, und der andere Sohn, eben Oran, war schwerverletzt. Sein Gesicht ist verbrannt, und er ist blind. Aber er spricht mit klarer, fester Stimme.

Le tiferet medinat Israel.

Dann die Kultveranstaltung des Jahres, die Flaggenparade. Daglanim heißen die Flaggenträger, und ich habe erfolglos versucht, meine Söhne zu einer Karriere bei den Daglanim zu überreden. Neee.

Oha, unser Feuerwerk war dieses Jahr kniepig, aber die Nachbar gegenüber auf dem Hügel haben tief in die Tasche gegriffen. Wir haben gute Sicht. “Da geht der Bonus der Fabrik dahin”, meint Y. trocken, während wir zugucken, wie sie eine Rakete nach der andren anzünden.

Tja, jetzt sind wir 60 Jahre alt. Nicht schlecht. (So sah das letztes Jahr aus.) (Und so sieht Gisela Dachs die Feiern. Ich hatte mich schon gefragt, wo Dachs ist, ob sie vielleicht nicht mehr in Israel ist.)

Yom ha zikaron, Eindrücke Mai 7, 2008, 13:47

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Dieses Jahr ist Quarta mit Y. zum Friedhof gefahren, auf dem sein Freund begraben liegt. Sie hat darum gebeten. Viele der alten Freunde bringen ihre Kinder mit.

Secundus: “Hm, also im Kibbuz ist die Feierstunde wirklich gut. Ich denke immer, bevor ich hingehe, uäh, noch ne Feierstunde, überstehen wir es irgendwie. In der Schule ist die Feierstunde auch immer langweilig, da tut sich bei mir gar nichts. Aber im Kibbuz… das ist anders.”

Bei den offiziellen Feiern, die ich heute im Fernsehen verfolge, fällt mir der junge Soldat auf, der die Nationalhymne singt und auch ein Lied. Ronen Ben Shmuel heißt er. Er singt ganz schlicht und wunderschön. Mal gucken, ob ich irgendwo eine Aufnahme finde. Ganz unpathetisch, er singt in Uniform aber gewissermaßen zivil. Überhaupt so un-zackig, so wie die Nationalhymne. Fast alle anderen Nationalhymnen handeln von Krieg und Sieg, aber nicht die israelische.

Es ist komisch, Olmert, den Politiker mit den vermutlich schmutzigsten Händen in dieser versuchten politischen Klasse, als Ehrenmann sich aufführen zu sehen. Hält salbungsvolle Reden, legt Kränze nieder. Y. vorgestern abend: “Zum Kotzen, der ganze Dreck hier in der Regierung. Ich hoffe, im Kalifat wird das besser.”

Es ist, wie ich gestern schon gesagt habe, der totale mediale Overkill, wenn das Wort nicht zu makaber ist. In einem Schwall regnen die Filme über Terroropfer und gefallene Soldaten und Soldatinnen über uns nieder. Bis sie sich fast gegenseitig neutralisieren. Ich würde lieber sehen, daß im Laufe des Jahres solche Filme besser verteilt auftauchen. Wenn die Trauer Teil des Lebens hier ist, dann soll man sie auch nicht auf einen Tag im Jahr verweisen.

Das Forum Parent Circle besteht aus Eltern, die ihre Kinder durch Krieg oder Terror verloren haben - Israelis und Palästinenser. Sie treffen sich und haben gemeinsam Hoffnung auf Frieden. Ich bewundere diese Menschen, die aus der größten Verzweiflung nicht in Haß und Hoffnungslosigkeit abgleiten, sondern einander Halt geben. Ich wünschte, alle Menschen hätten ihr Format. Und ich hoffe, daß ihre Hoffnungen noch zu ihren Lebzeiten wahrwerden. Auch wenn es manchmal so schwer ist, daran zu glauben.

Nir Hods Bild “Verlorene Jugend” fällt mir dabei ein, es war vor zwei Jahren in Berlin ausgestellt. Das Begräbnis eines Fallschirmjägers, vielleicht Michael Levins?

Ich wünschte, wir müßten unsere Jugend nicht mehr durch diese Mühle schicken, ich wünschte so, es wäre endlich ein Kompromiß auf dem Tisch, zu dem alle sagen, “na meinetwegen, unterschreiben wir es eben”, und es ehrlich meinen, und den Konflikt begraben. Das wäre das einzige Begräbnis, das ich noch ertragen könnte.

Und auch seltsam, wie ich im Hintergrund die traurigen Lieder höre, während ich für morgen schon mal das Fleisch in die Marinade packe. Morgen wird gefeiert und gegrillt. Verrückter Übergang. Auf dem Weg vom Friedhof geht Y. einkaufen, damit wir morgen futtern und feiern können.

Ein paar der Lieder, die uns heute begleiten. “Klassika israelit”.

Chava Alberstein singt das Lied “…und der Weizen wächst wieder”, zur Erinnerung an die Gefallenen des Kibbuz Bet HaShita im Yom-Kippur-Krieg.

Das Lied “Ma avarech” von Rahel Shapira und Yair Rosenblum (den Y. mal bei einem Konzert kennengelernt hat, das er bei uns im Kibbuz gegeben hat). Gesungen von einer der Gruppen der Armee, im typischen Sound der 60er Jahre. Es wird jedes Jahr bei uns im Kibbuz gesungen, eine junge Sängerin bei uns liebt das Lied und singt es sehr schön jedes Mal. (Text hier).

Noch ein altes Lied, von einer anderen Armee-Gruppe gesungen, “Wir kamen aus demselben Dorf“. Das war das Lied, das einer von Y.s Freunden jedes Jahr gesungen hat, er hat nie öffentlich gesungen, nur einmal im Jahr dieses Lied. Schade, er meint, er hat seine Stimme verloren. (Der Text von Noemi Shemer hier.)

Etwas neuer ist das Lied von Poliker, das für Mädchen und wird: Perach, Blume. (Text hier).

Ganz schön traurig, nicht wahr. Und dann heute abend das Feuerwerk. Dieses Jahr wird noch heftiger gefeiert als sonst, 60 Jahre sind doch eine schöne runde Zahl, wenn auch die Stimmung nicht mehr so optimistisch ist wie vor zehn Jahren.

Das Interview mit Shimon Peres ist in dem Zusammenhang sehr interessant, er sagt ehrlich, daß er sich nicht hätte vorstellen können, was für ein Chaos aus dem Gaza-Rückzug erwachsen würde. Das ist eher selten, daß ein Politiker ehrlich sagt: Leute, da lag ich total daneben. Und mit ihm viele Bürger, wir auch. Also ich bestimmt.

Die Frage ist nur, welche Konsequenzen ziehen wir für die Zukunft aus den Debakeln der Vergangenheit. Hoffentlich haben wir bald eine vernünftige, stabile, kompetente und zuverlässige Regierung. Wo die herkommen soll, keine Ahnung… aber es wäre doch mal ein guter Anfang.

Viel Zeit Mai 6, 2008, 18:57

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ist seit meinem letzten Eintrag vergangen, und ich weiß auch nicht, wieso ich gerade heute schreibe. Vielleicht, damit sich niemand Sorgen macht.

In der Zwischenzeit hatte mein Mann Geburtstag und ich auch, meine Mutter und kleinen Geschwister waren hier, wir haben Pessach gefeiert (diesmal bei einer Tante en famille, war sehr schön und wir haben gesungen bis nach Mitternacht), es war Yom ha Shoah und heute abend fängt Yom ha Zikaron an. Morgen abend dann der Unabhängigkeitstag.

WordPress hat irgendwas am Layout verändert, ich muß mich erst dran gewöhnen, und viele Nachrichten sind inzwischen durch unsere Gehirnwellen geschwappt, zu viele, man kommt nicht mehr hinterher. Es ist auch mal schön, nur Blogs zu lesen und sich nicht selbst dem Streß auszusetzen, seine Meinungen öffentlich aufzuschreiben und dann mit den Reaktionen umzugehen. Es gibt ja viele Blogger, die in ihren Kommentarfred gar nicht reingehen. Das ist mir irgendwie nie gelungen (meine Hymne ist ja die Frau Schwalbe, das wäre ja auch ein schöner Blogname gewesen…)

Jedenfalls ein trauriger Abend. Wie jedes Jahr stört es mich eher, daß über die Shoah pflichtgemäß am Gedenktag gesprochen wird, und ebenso über die Gefallenen und Opfer. Wer betroffen ist, denkt natürlich viel öfter daran, und die mediale Feierstunde ist mir immer etwas zu sehr aus allen Rohren. Aber hier im Kibbuz ist es immer sehr schön.  Ich muß los.

Sichere Grenzen März 11, 2008, 13:02

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Danke an Eran, der diesen Link in den Kommentaren hinterlassen hat: Defensible Borders, eine Materialsammlung zum Thema Grenzen und Grenzsicherheit.

Da finden sich ein paar Karten, die recht klar machen, wie Israels Problem aussieht, und daß wir nicht notwendigerweise spinnert sind, wenn wir uns als verletzlich empfinden. (Und daß die israelischen Lieder vom kleinen Land nicht verniedlichend gemeint sind, sondern einfach realistisch.)

Also, sehr groß ist Israel nicht…

Die nächste Karte zeigt die Grenzen Israels VOR dem Sechstagekrieg, also vor 1967.

Es gilt als Grundlage einer jeden Friedensregelung im Nahen Osten, daß Israel sich in diese Grenzen zurückzieht, in denen es 1967 verletzlich war. (Wieso die Araber überhaupt damals angegriffen haben, wenn diese Grenzen doch so wünschenswert sind, entzieht sich meiner Logik aber gut - es sind seitdem ein paar Tropfen Wasser den Jordan runtergeflossen, nehmen wir mal an, sie wollen das wirklich, die Lage von damals wiederherstellen).

Nun gilt es als ausgemacht, daß die israelische Forderung nach einem Stopp der Angriffe auf Israel als Zeichen der Verstockheit und Friedensunwilligkeit Israels gedeutet werden muß. Wären die Israelis nämlich nicht so verstockt und friedensunwillig, so würden sie doch bestimmt bereit sein, die 67 besetzten Gebiete entschädigungslos zu räumen, ohne jede Vorbedingung? Nicht wahr?

Nun ist es so, daß Israel einen Großteil der 67 gewonnenen Territorien schon längst zurückgegeben hat, nämlich in Camp David an die Ägypter - den gesamten Sinai. Und wenn man sich die erste Karte nochmal zu Gemüte führt, kann man sehen, daß das ein ganz fetter Brocken war - also für israelische Verhältnisse zumindest! Der Sinai ist größer als Israel selbst, und gegen das sichere Versprechen, von dort nicht mehr angegriffen zu werden, hat Israel ihn geräumt. (Israel hätte damals Sadat gern auch Gaza aufgeschwatzt, aber Sadat war klug genug, es auszuschlagen.)

Nun, aber die Pufferzone im Südlibanon (die vor dem Libanonkrieg anno 82 pausenlos als Abschußrampe für nach Israel gefeuerte Raketen diente - eine ganze Generation von Kindern in Nordisrael ist im Bunker großgeworden) hat Israel doch geräumt, und es ist nichts weiter passiert! Nein, bis auf Raketenangriffe von Zeit zu Zeit, den Libanonkrieg 2006 (der durch wahre Raketenschauer auf Shtula und Zarid eingeleitet wurde) und ständige Drohungen Nasrallahs ist dort Ruhe… würde der verehrte deutsche Leser gern in der Nähe einer solchen geräumten Zone leben? Vermutlich nicht. Israel ist dort ohne Vorbedingungen und ohne Verhandlungen abgezogen, gewissermaßen als Vorleistung. Keine Erfolgsgeschichte.

Und der Gazastreifen? Auch ihn hat Israel ohne Vorbedingungen und Verhandlungen geräumt. Die anhaltenden Angriffe durch Qassams und Mörsergeschosse haben nicht aufgehört, im Gegenteil, sie haben sich verstärkt und sind durch Grads mit größerer Reichweite noch verschlimmert worden.

Ich sehe also nicht genau, was mich dazu bewegen sollte, die Westbank zu räumen, auch wenn ich theoretisch und im Rahmen eines sicheren Friedensplans dazu wohl bereit bin. Aber die Erfahrung hat bisher gezeigt, daß die Palästinenser und die mit ihnen verbündeten Organisationen von Israel geräumte Gebiete als ideale Abschußrampen nutzen.

Und hier sind nun die Karten, die zeigen, welche wunderbaren Entfaltungsmöglichkeiten sich dem bieten, der die Westbank als Abschußrampe zur Verfügung hat:

Da sind sowohl Ruth als auch ich dabei, Ruth in Beer Sheva, ich nordwestlich von Jenin (da zieht sich so ein kleines Tal hoch, in den Höhen westlich davon lebe ich). Hm. Leider ist die sicherste Ecke Israels die Negev-Wüste - aber nur der Osten, der Westen wird ja von Gaza aus beschossen.

Verständnis, daß Israelis sich nicht mit Begeisterung auf ein Experiment mit der palästinensischen Friedenswilligkeit einläßt?

Noch dazu kommt, daß wir sehr auf unseren Flugplatz Ben Gurion (mit israelischer Abkürzungswut Natbag genannt …) angewiesen sind. Es ist nämlich peinlicherweise unser einziger internationaler Flughafen. Es ist auch so ziemlich der einzige Ort, von dem aus Israelis ins große, lockende Ausland gelangen können. Gut, es gibt ein paar Leute, die per Schiff fahren, es gibt auch welche, die nach Jordanien oder Ägypten fahren, aber so richtig einladend sind die im Moment nicht.

Wer Ben Gurion in Schußweite hat, kann kontrollieren, wer und was Israel verläßt und betritt. (Der Name Strela erinnert Israelis an den Angriff auf eine El-Al-Maschine in Kenia, am Tag des Attentats in einem Hotel dort, dem viele Israelis zum Opfer fielen).

Da die Grenze zu Ägypten nur unzureichend gesichert ist und von dort, wie auch durch Tunnel in den Gazastreifen, jede Menge Waffen (gern iranische und russische) zu den Palästinensern gelangen, kann man sich vorstellen, wie das aussähe. Die gesamte Küstenlinie Israels, wo die meisten Israelis leben, arbeiten oder leben UND arbeiten, wäre unter Beschuß.

Wer das für Theorie hält, soll mal bei den Bewohnern von Sderot nachfragen, wie diese Theorie sich anfühlt, wenn sie in Realität umgesetzt wird.

Stellt euch einen Moment lang vor, ihr würdet irgendwo in Israel wohnen. Würdet Ihr nicht VOR einer Räumung der Westbank gern einen Beweis dafür sehen, ja nur einen Hoffnungsschimmer oder Hinweis darauf, daß sich nicht das ganze Land in ein einziges Sderot verwandelt?

Und das sage ich, die ich die ganzen letzten 18 Jahre damit verbracht habe zu hoffen, daß meine Kinder NICHT als Soldaten in die Westbank müssen. Oh, und natürlich auch nicht die von irgendjemand anders! Daß das Problem vorher zu lösen ist. Daß es eine friedliche, einvernehmliche Lösung gibt und Soldaten nur mehr Radkappen polieren oder Antennen entstauben müssen. Und daß wir in Jenin einkaufen können, und die Geschäftsbeziehungen dahin wieder aufnehmen können, ach ja, und daß die Kollegen aus der Gegend wieder bei uns arbeiten können und man sich einfach mit gewohnt-nachbarlichen gemischten Gefühlen betrachtet wie der deutsche Autofahrer den niederländischen - nicht besser, nicht schlechter.

Ich sage es ungern, und ich sage es seufzend, aber im Moment sieht es einfach nicht danach aus, als hätten wir einen Partner für Ruhe. Von Frieden ganz zu schweigen.

Schweigeminute März 5, 2008, 9:42

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Falls es noch jemanden gibt, der an die Objektivität und Fairness des UN-Auschusses für Menschenrechte glaubt, weise ich auf diese Meldung hin:

The United Nations Human Rights Council held a moment of silence Tuesday for martyrs in Gaza killed in an Israel Defense Forces offensive in the Strip, after a request by Iran’s foreign minister.

Iranian Foreign Minister Manouchehr Mottaki called for the gesture on behalf of the women and children who are “nowadays under attack by the Zionist regime,” the term Iranian officials use for Israel because they do not recognize its right to exist.

….

The U.S. mission in Geneva said it had no comment on what happened.

The council, created in 2006, is dominated by a bloc of African and Islamic countries, and has denounced Israel in a series of resolutions. The body has no power beyond international scrutiny.

Daran denkt das nächste Mal, wenn jemand als anti-israelisches Argument die vielen, vielen offiziellen Verurteilungen Israels durch UN-Organe und -Offizielle anführt.

Es gibt so viele Menschen auf der Welt, die unschuldig leiden, und für die man schweigen müßte. Wenn man sich die Ausmaße menschlichen Leids ansieht, müßte man eigentlich in einen Schweigeorden eintreten und nur noch für die Menschen beten, die unter politischer Verfolgung leiden, gefoltert werden, vom Erdboden verschwinden oder vollkommen rechtlos und ausgebeutet sind. Gerade in manchen der Mitgliederstaaten dieses Rats haben die Menschenrechte einen schweren Stand.

Aber ausgerechnet die Palästinenser werden solchermaßen herausgehoben, die ihre Situation kräftig mitgestaltet haben und die durch einfachen Verzicht auf Raketenbau und -abfeuern sich den ganzen Streß in Gaza von Anfang an hätten sparen können… die selbst so wild bei jeder Gelegenheit herumballern, Kindern Waffen in die Hände geben, so extrem unvorsichtig mit Waffen umgehen und dann jedes Opfer eigener Kugeln als “Opfer zionistischerAggression” ausgeben können, ohne daß jemand kritisch nachfragt… die ihre Terroristen in Zivilkleidung stecken, damit sie sie als zivile Opfer zählen können, und schon öfter beim Lügen ertappt wurden als Pinocchio…

Diese Schweigeminute halte ich angesichts des echten Leids auf der Welt für geschmacklos. Aber die zeigt die schamlose Parteinahme eines Organs, das bei vielen als Inbegriff der Weisheit und Fairness gilt.

Kurze Presseschau März 1, 2008, 22:50

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FAZ-Net:

Dutzende Tote und Verletzte bei Kämpfen

Bei den schwersten Gefechten im Gazastreifen seit Wochen haben israelische Soldaten am Samstag 31 Palästinenser getötet. 16 der Opfer seien Zivilisten, die übrigen Extremisten, berichteten Krankenhaus-Mitarbeiter und die radikal-islamische Hamas. Damit kamen innerhalb von vier Tagen 66 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen ums Leben. Auslöser der jüngsten Gewalteskalation war die Tötung eines Israelis durch eine palästinensische Rakete am Mittwoch.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Einsätze des israelischen Militärs scharf. „Was wirklich in Gaza geschieht, ist mehr als ein Holocaust“, sagte er in Ramallah bei einem Treffen der Organisation zur Befreiung Palästinas (PLO).

Es gibt also Zivilisten und Extremisten, aber keine Terroristen im Gazastreifen. Paradiesische Zustände.

Mit den Einsätzen reagiert das Militär auf den fortwährenden Beschuss israelischer Grenzorte mit selbst gebauten Raketen aus dem Gazastreifen. Augenzeugen zufolge brachen die Gefechte nach dem Eindringen eines israelischen Stoßtrupps in den nördlichen Gazastreifen aus. Die Soldaten rückten nach Augenzeugenberichten in Richtung der Städte Beit Hanun und Dschabalja vor. Unter den Opfern seien auch Kinder.

Und so weiter…. daß der Beschuß seit Jahren andauert, fast täglich Raketen fallen und dabei ein Dutzend Israelis getötet worden sind - nicht der Rede wert.

FR nimmt erwartungsgemäß noch deutlicher für die Sicht der Palästinenser Stellung.

Militäraktionen im Gazastreifen

Palästinenser beklagen rund 30 Tote

Bei neuen israelischen Boden- und Luftangriffen im Norden des Gazastreifens sind am Samstag offenbar 32 Palästinenser getötet worden. Weitere 100 sollen verletzt worden sein. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Behörden mindestens drei Kinder.

n-tv:

“Mehr als ein Holocaust”

32 Tote im Gazastreifen
Bei neuen israelischen Boden- und Luftangriffen im Norden des Gazastreifens sind 32 Palästinenser getötet worden. Weitere 100 wurden verletzt. Unter den Todesopfern waren nach Angaben der von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Behörden mindestens drei Kinder.

Damit reagierte das Militär am vierten Tag in Folge auf den fortwährenden Beschuss israelischer Grenzorte mit selbst gebauten Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen.

Auch hier keine Erwähnung, wie lange der Beschuß schon anhält und wie gefährlich er noch werden kann - die neusten Grad-Modelle haben 30 km Reichweite.

Die Süddeutsche:

Dutzende Tote bei heftigen Kämpfen

Die Kämpfe zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen sind dramatisch eskaliert: Bei den neuen Gefechten wurden bislang 45 Palästinenser getötet. Die Palästinenser im Westjordanland drohten Israel daraufhin mit einem Abbruch bislang geplanter Friedensgespräche.

Daneben: ein Bild des Babys, das schwer verletzt wurde und dann starb - allerdings an den Folgen einer falsch abgefeuerten Qassam, was die Süddeutsche natürlich zu erwähnen vergißt. Die Rollen sind allzu klar verteilt: Israel als Aggressor, die Palästinenser als Leidende. Ein weiteres Bild zeigt eine palästinensische Mutter mit Kind - Verletzte Israelis sucht man nicht nur heute vergebens.

Die NZZ überrascht mich positiv - sie erwähnt tatsächlich schon im zweiten Satz den Beschuß auf Ashkelon.

Eskalation der Kämpfe im Gazastreifen

Ashkalon von Raketen getroffen

Die Kämpfe im Gazastreifen haben sich verstärkt. Erneut gab es Tote, Kämpfer und Zivilisten. Die Palästinenser feuerten drei Raketen auf die israelische Stadt Ashkalon ab.

 

(ap) Bei Kämpfen im Gazastreifen sind in der Nacht zum Samstag nach palästinensischen Angaben 33 Palästinenser getötet worden, unter ihnen mindestens 16 Zivilpersonen. Unter diesen hätten sich auch mehrere Kinder befunden. Am Samstag früh brachen schwere Kämpfe östlich der Stadt Jebeliya aus.

Stellungen in Wohngebieten

Nach offiziellen Angaben ging die israelische Arrmee nur gegen Raketenabschuss-Operationen der palästinensischen Kämpfer vor. Die Extremisten hätten teilweise in zivilen Wohngebieten Stellung bezogen, hiess es. Bei den Kämpfen seien fünf israelische Soldaten verletzt worden.

Zwar zitiert die NZZ nur die Aussage, die Raketen würden aus Wohngebieten abgeschossen - als ob nicht genügend Aufnahmen vorlägen, und auch Aussagen der Palästinenser selbst, die das bestätigen. Aber immerhin wird es erwähnt.

Der Kölner Stadtanzeiger erwähnt sogar die israelischen Soldaten, die heute gefallen sind, sieht die Eskalation aber in Gaza, nicht im von dort ausgehenden Raketenbeschuß. Auch nicht von den Verletzten in Ashkelon.

Eskalation in Gaza

Bei den seit Jahrzehnten blutigsten israelischen Militärangriffen im Gazastreifen sind am Samstag 46 Palästinenser getötet und 160 verletzt worden. Auch zwei israelische Soldaten kamen nach Armeeangaben ums Leben. Wie die von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde berichtete, war es die höchste palästinensische Opferzahl an einem Tag bei Einsätzen der Armee im Gazastreifen seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967. Insgesamt sind seit Mittwoch 80 Palästinenser bei Militärangriffen getötet worden.

Unter den Opfern am Samstag waren nach palästinensischen Angaben mindestens sechs Kinder und 14 weitere Zivilisten. Die Hamas und die radikale Organisation Islamischer Dschihad beklagten den Tod zahlreicher Mitglieder. Auch sechs Soldaten wurden verletzt.

Es ist immer derselbe AP-text, den alle übernehmen. Auf die Kommentare, denen Tenor ich mir vorstellen kann, muß man wohl noch ein bißchen warten.

Auch der Tagesspiegel bezieht eindeutig Stellung: es ist klar, wer hier Angegriffener, wer Angreifer ist.

Abbas: Israelische Angriffe sind “schlimmer als Holocaust”

Die Gewalt im Gazastreifen nimmt kein Ende: Zahlreiche Palästinenser fallen den israelischen Angriffen zum Opfer, die Armee rückt mit Bodentruppen und Panzern in den Norden vor. Palästinenserpräsident Abbas hofft auf die Hilfe der Vereinten Nationen.

Tja, es sollte mich nicht wundern, daß harmlose Zeitungleser, die meinen Qassamticker nicht gesehen haben und nicht mitgekriegt haben, wie viele Warnsignale Israel schon ausgesandt hat (Stromlieferungen, anyone?), sich nun empören. Diese brutalen Israelis.

Ähnlich ist übrigens auch die Lage in amerikanischen Medien, gesammelt von Meryl Yourish. Rundherum lesenswert. Sie resümiert ihre Übersicht mit den Worten:

What time is it, folks? That’s right. It’s Israeli Double Standard Time. But don’t worry—that only happens on days that end in a “y”.

Die palästinensischen Flüchtlinge, 1961 Februar 26, 2008, 14:48

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Ich verdanke den Hinweis auf diese mehr als spannende Lektüre wieder einmal David, der sich wiederum bei Yaeli für den Hinweis bedankt.

1961 fuhr Martha Gellhorn, Reiseschriftstellerin und als Hemingways Frau bekannt und in seinem Schatten, in den Nahen Osten, um sich die palästinensischen Flüchtlingslager anzusehen und die Flüchtlinge als Menschen kennenzulernen und zu verstehen. Wohlgemerkt 1961: drei Jahre vor Gründung der PLO, und sechs Jahre vor dem Sechstagekrieg, vor der vielgeschmähten Besatzung, vor dem Siedlungsbau und all den anderen Sünden, die Israel gern angelastet werden und die als einzige Friedenshindernisse gesehen werden. Wir haben fast vergessen, wie die Welt damals aussah.

Es tut gut, sich das noch einmal in Erinnerung zu rufen, wie damals eine objektive, von humanitärem Interesse und Ethos getriebene Beobachterin die Flüchtlingsfrage beurteilte. Eine intelligente Zeitreise, mit beklemmenden Aussichten…

Nur ein paar Auschnitte hier, der Text lohnt die Lektüre, und ich werde versuchen, mir die Zeit aus den Rippen zu schneiden, ihn zu übersetzen, denn auf Deutsch habe ich ihn leider nicht gefunden.

Gellhorns Ausgangsfrage:

What do they look like, the undifferentiated mass known as the “Palestinian Refugee Problem”? What do they think, feel, say? What do they want? How do they live, where do they live, what do they do? Who takes care of them? What future can they hope for, in terms of reality, not in terms of slogans, which are meaningless if not actually fatal, as we know.

Gellhorns Ausführungen zu jedem Thema ihres Artikels sind Wort für Wort lesenswert, man könnte sie eigentlich per ctrl-A kopieren. Es fällt schwer, die Rosinen rauszufinden.

Ich kann nur dazu raten, sich den Text gründlichst zu Gemüte zu führen - sowohl den ewigen Israel-Hassern, die jedes Bröckchen palästinensischer Propaganda gutgläubig schlucken, egal wie oft man sie der Lüge überführt hat… als auch den verzweifelnden Israel-Verteidigern, die kaum wissen, wie sie sich durch den Sumpf von Unwissen, Vorurteil, Ressentiment und Besserwisserei kämpfen sollen, der in fast jeder Diskussion über den Nahen Osten sichtbar wird.

Im Sommer fragte mich eine liebe Freundin verzweifelt, “was soll ich nur machen - immer wenn ich dich bei Freunden, Bekannten oder Familie erwähne, kommt immer sofort eine ganze Welle der Verurteilung für Israel - auch von Leuten, bei denen ich es gar nicht erwartet hätte. Ich weiß gar nicht, was ich erwidern soll, wenn alle sagen, Israel hat den Palästinensern das Land gestohlen und sie brutal vertrieben, hält sie wie Tiere gefangen, begeht Völkermord an ihnen… was soll ich da nur sagen?” Ich habe ihr geraten, sie soll gar nichts sagen, sondern nur das Thema wechseln. Sie ist ein zartes Wesen und ich möchte sie nicht in diese Schlammschlacht schicken, nur weil sie das Pech hat, meine Freundin zu sein.

Eigentlich sollte man allen, die mit solcher Vehemenz glauben zu wissen, was im Nahen Osten falsch gelaufen ist, wer allein es verbockt hat und allein davon profitiert und es allein richten kann - denen sollte man diesen Text in die Hand drücken, lang und elegant wie er ist, und sie danach zum Nachdenken ins stille Kämmerlein schicken.

Wie bilden wir unsere Meinungen? Warum glauben wir manche Lügen gern? Warum dringt manche Wahrheit nie durch? Fragen über Fragen…

Ich möchte mit Gellhorns Schlußworten schließen:

The Palestinian refugees could have been absorbed into the economic life of the Arab countries long ago, despite the remark of UNRWA’s Director–in his 1960 report–that jobs do not exist for the refugees in the Arab countries. Of course they do not exist; if they did, the Arab standard of life would be a finer and a better thing than it is now. The jobs must be made; but the Arab countries need to have the jobs done as much as the refugees need to do them. The Director of UNRWA states, in the same report, that the majority of Palestinian refugees are unskilled peasants and there are enough or too many of those in the Arab countries already. No doubt.

But unskilled peasants, all over the world, have learned to become skilled factory workers or scientific farmers, at very short notice; that ability to learn is what makes our modern industrial civilization tick. The Yemenite Jews who moved in a week from the Middle Ages to Israel, the unskilled Polish peasants operating the Nova Huta steel mills are obvious examples of this transformation. Neighboring Arabs regard the Palestinian Arabs as outstandingly intelligent. I would think this reputation deserved. There is no reason to believe that they cannot learn as others have.

According to Arab politicians and apologists, the Palestinian refugees refuse to become integrated in the Arab world; it is Palestine or nothing for them. Everyone shouts for the Palestinian refugees, and at them, and about them, but no one has ever asked the refugees what they themselves want: where do you want to live; what do you want to do? My tiny personal Gallup poll unearthed plenty of refugees who were happy where they were and had no desire to return to Palestine, no matter what; and plenty of refugees who longed to emigrate to the richer Arab countries, where the future looks brighter, or out into the great non-Arab world. Except for one Christian Arab from Jaffa, who thinks Jews more honest than Arab Muslims and better people to do business with, none of them wanted to return to Israel, as Israeli citizens, and dwell in peace with their Jewish neighbors.

We need a secret poll of both sexes, from the age of twelve onward, to discover the refugees’ own wishes for their own lives. The poll would have to be secret because it is impossible, even perilous, for an Arab refugee openly to disclaim interest in Palestine. Such a freethinker would be marked as a traitor to the Arab cause. Man is a political animal, but he also wants to live. Politics have offered a very dry crust to these refugees for a very long time.

Yet the Arab governments insist that the Palestinian refugees are a political problem. Once a year, formally, they brandish these waiting lives at the UN Assembly. The rest of the year, with different degrees of intensity, depending on their domestic politics, they wield these waiting lives to stir up Arab hate at home. The Arab governments say they will not accept the existence of the state of Israel, now or ever. The logical conclusion is that, when ready, they intend to burst from their cold belligerent status into hot armed conflict and terminate Israel’s existence.

We cannot force the Arab nations to make peace with Israel, but we have to prevent them from making actual war for the sake of all human life, their own included. A vital preventive act would be to remove the Palestinian refugees as a justification of war.

The Palestinian refugees are unfortunate victims of a brief moment in history. It is forgotten that Jews are also victims in the same manner, of the same moment. The Arab-Israel war and its continuous aftermath produced a two-way flight of peoples. Nearly half a million Jews, leaving behind everything they owned, escaped from the Arab countries where they lived to start life again as refugees in Israel. Within one generation, if civilization lasts, Palestinian refugees will merge into the Arab nations, because the young will insist on real lives instead of endless waiting. If we can keep the peace, however troubled, the children of Palestinian refugees will make themselves at home among their own kind, in their ancestral lands. For the Jews there is no other ancestral land than Israel.

Martha Gellhorn 

Daumen drücken Februar 24, 2008, 8:29

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Die Erwartungen sind hoch, vielleicht zu hoch: ein israelischer Film ist für den Oscar nominiert, Beaufort. (Hab schon genug zum Thema gesagt.) Es wäre schön, wenn nach dem deutschen Gewinn dieses Jahr ein weiterer Oscar für mich drin wäre ;-)

Was mich nervt Februar 21, 2008, 22:18

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Ich bin pingelig. Wie heißt der Singular von Antiobiotika? Richtig, Antibiotikum. Ein Antibiotikum, viele Antibiotika.

Im Hebräischen gibt es die Endsilbe -um nicht, aber die Endsilbe -a ist als weibliche Singularendung gebräuchlich: eine menorah, viele menoroth. Also heißt es auch ein Antibiotika, viele Antibiotikot.

Und ich winde mich vorm Fernseher, nachdem sowohl die Ankerdame als auch die interviewte Ärztin von “antibiotikot” oder “einem Antibiotika” spricht. Das tut weh!!!

(Dasselbe geht mit dem Visum. Ein Visa, viele Visot. Ei ei ei….)

Gut, daß sie schon zum Thema Virusim übergegangen sind…

Kampfabstimmung, Neuigkeiten Februar 15, 2008, 23:57

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Trotz dicker Erkältung und Matschkopp bin ich heute abend meiner Pflicht nachgekommen und habe die Wahl an der Urne überwacht. Diesmal war es besonders heikel, denn es wurde über den Wirtschaftsplan für das nächste Jahr abgestimmt. Und das hat konkrete Auswirkungen. Der Wirtschaftsplan selbst ist in mehreren Sitzungen vom Finanzteam des Kibbuz und der einzelnen Wirtschaftszweige vorgestellt und erläutert worden, er ist auch mehrmals abgeändert worden und schließlich als Heftchen in die Postfächer der Mitglieder gelegt worden. Es ging jetzt nur darum: wird er abgesegnet oder nicht? (Er wurde.)

In diesem Plan geht es darum: wieviel Geld hat der Kibbuz eingenommen, und wie investiert er das Geld? Wieviel investieren wir zurück in die Fabrik und andere Arbeitszweige? Wieviel geht in gemeinschaftliche Einrichtungen (z.B. Altersheim), wieviel in die Erhöhung des Lebensstandards (z.B. Bau von neuen Wohnhäusern)? Über verschiedene Vorschläge zur Verwendung des Gelds wurde abgestimmt. Ganz interesssant, zu sehen, was durchgeht. Und was nicht.

Ich habe noch mal kurz in Ynet reingeguckt und stelle fest:

auf jeden Fall diese Bilder anklicken! Das Kibbuzleben, wie es früher mal war. Gerade heute abend hingen in unserem Dining Room wieder interessante Bilder aus, unsere Archivarin ist sehr gut darin, immer schöne alte Wandzeitungen und Plakate mit Erklärungen auszuhängen.  So sahen wir heute abend Bilder von einer Dreifach-Hochzeit - darunter Y.s Eltern. (Damals heirateten oft mehrere Paare auf einmal). Y.s Großeltern und Eltern sind darauf zu sehen. Die Bilder in Ynet zeigen die goldene Zeit des Kibbuz: Idealisten bei der Feldarbeit. Wunderbare Bilder.

Außerdem  sind erste Festnahmen im Fall Mughniya (über den ich bisher noch nichts gesagt habe, weil ich nichts darüber weiß) erfolgt. Interessanterweise: Palästinenser. Das sagt noch nichts darüber, wer es war. Aber die einfachste Erklärung, Israel, ist wohl nicht die einzige. Viele Menschen hatten eine Rechnung offen mit dem Mann.

Syrian security forces have arrested several suspects in the assassination of senior Hizbullah commander Imad Mugniyah in Damascus on Tuesday night, a Lebanese security source reported Friday.According to the report, the suspects arrested were mostly Palestinians residing in Syria.

Auch im Falle der sieben Toten in Gaza glaube ich nicht, daß es gerechtfertigt ist, sofort Israel zu beschuldigen. Wenn Israel ein Ziel angreift, streitet die Armee das nicht ab.  Ich schätze mal: ein Arbeitsunfall, oder ein Insider-Job.

The Hamas police, however, reported that the circumstances of the explosion were unclear. The IDF Spokesperson’s Office said that it was unaware of an airstrike in that area.

Haaretz berichtet auch davon, dort klingt die Antwort der Armee klarer.

Islamic Jihad said Israel targeted the house in an air strike, but Hamas police said the cause of the blast was not clear and the Israel Defense Forces denied an attack had taken place.

Aber das ist egal. So wie Nasrallah uns schon blutige Rache geschworen hat für etwas, das vielleicht Leute seiner Organisation zu verantworten haben, so schwört uns der islamische Jihad Rache für etwas, mit dem wir vielleicht gar nichts zu tun haben.

“We will respond to this Zionist massacre painfully,” Abu Ahmed, a spokesman for Islamic Jihad said. “We will strike the enemy everywhere.” 

Sowas ist schon zu oft vorgekommen, als daß man sich darüber verwundern könnte.  Sie scheinen ihre Rache nach dem Sack-Prinzip zu betreiben: steck das Volk Israel rein und hau drauf, da kannst du nur den Richtigen erwischen.

Übrigens bedauert Mughniayas Mutter, nicht noch mehr Söhne zu haben, die sie im Jihad verlieren kann - wie Eltern so drauf sein können, kapier ich nicht.  Drei hat sie schon verloren, reicht das nicht?

So, und ich gehe jetzt schlafen.

Mittag Februar 8, 2008, 15:18

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Wir sind gerade von einer VIEL zu langen Schulfeier zurückgekommen - wie kann man Freitagvormittag, wenn alle Eltern im Endspurt vorm Wochenende sind, eine SO lange Feier planen???? Wir sind schließlich vorzeitig gegangen - wie mindestens die Hälfte der Anwesenden - was wir bisher noch nie getan haben und was man bei einer Schulfeier sonst nie sieht. Kein guter Auftakt.

Inzwischen sind im Negev 17 Raketen gefallen. Ihr Echo hört man nirgends, auch nicht bei uns, ich lese es im Internet, aber ich spüre es nicht in meinem Leben. Es wird vermutlich im Laufe des Tages so weitergehen. Morgen, übermorgen. Irgendwann wird Barak unter Zugzwang stehen, er hat schon so oft versprochen, daß er den Beschuß unterbinden wird :roll: , aber ob er das schafft, ist eine anderen Frage.

Die Philadelphi-Linie, die mitten durch den Ort Rafiach (Rafah geschrieben, Rafiach ausgesprochen) verläuft und Ägypten von Israel trennt, soll vielleicht wieder von Israel bewacht werden, so lautet zumindest ein Lösungsvorschlag (gegen Ende des Texts von Ben Ishai, der ansonsten härteres militärisches Vorgehen befürwortet).

Diese Grenze ist unterirdisch durchlöchert wie ein Maulwurfsparadies, es wird dort pausenlos gebuddelt. Man kann sie theoretisch von israelischem Gebiet aus bewachen, wie so eine Art Landzunge oder Schneise, von der Gegend um Kerem Shalom aus. (Eine deutliche Karte ist hier, sie zeigt zwar noch die inzwischen geräumten und zerstörten Siedlungen, aber die Topographie ist recht deutlich zu erkennen).

Ich weiß nicht genau, was passieren wird, aber daß das nicht mehr lange so weitergehen kann, ist klar. Ich hab da eher ein mieses Gefühl.

Oh, und Nasrallahs Komplimente höre ich gern und gebe sie aus vollem Herzen zurück.

“It is worthy of respect that an investigative commission appointed by [Prime Minister Ehud] Olmert condemns him,” Nasrallah said. “When the enemy entity acts honestly and sincerely, you cannot but respect it.”

“Even though they’re our enemies, it is worthy of respect that the political forces and the Israeli public act quickly to save their state, entity, army and their existence in the crisis,” he added.

Ja, und wir bedanken uns wiederum für die zeitlich ideal passende Ohrfeige. Nah genug an der Fertigstellung der iranischen Atombombe (ich weiß, daß es widersprechende Einschätzungen gibt - aber daß es nur eine Frage der Zeit ist, scheint sicher zu sein), aber doch noch ohne. Jetzt haben wir Zeit, uns auf diese neue Gefahr einzustellen. Wie leichtsinnig wir waren, als wir dachten, nach den Rückzügen aus der Pufferzone im Libanon und dem Gazastreifen stünde nun eine Phase der Stabilisierung bevor, sehen wir im Rückspiegel nur noch deutlicher. Das wird uns nicht noch mal passieren, vielen Dank. Lieber verzichten wir auf weitere Rückzüge.

Hezbollah has come under criticism from some Arab governments early on in the fighting for triggering the war by kidnapping two Israel Defense Forces soldiers in a July 12 cross-border raid.

Vollkommen zu Recht. Wer zeigt einem Gegner, auch wenn es nur das kleine Israel ist, das so gern seine Ruhe haben möchte, seine Karten, bevor er mehr als ein Köpfchen gesammelt hat? Wer auf Hand spielt, braucht einen längeren Atem.


“It is regrettable that we, the Arab world, and Lebanon are waiting for an Israeli commission to settle for us this dispute and to tell us, ’seriously, you have won and we [Israelis] were defeated,’” Nasrallah said

Nein, Nasrallah, das sehe ich anders. Der Krieg hatte keinen eindeutigen Ausgang, und es ist eine Frage der Kriterien, nach welchen man seinen Ausgang beurteilt. Daß wir ihn nicht gewonnen haben, ist sicher, aber ob die Hisbollah wirklich gewonnen hat, ist fraglich. Welchen Vorteil hat sie gewonnen, den sie nicht schon vorher hatte? Ist es nicht schade um die vielen Zivilisten, die sterben mußten, weil die Hisbollah ihre Quartiere in Wohngegenden aufschlägt? Wäre es nicht menschlich feiner, da etwas sauberer zu trennen in Zukunft? Ich habe da eher wenig Hoffnung…

Und daß wir eine Kommission haben, und eine Mentalität in der Bevölkerung, die sich nicht selbst in die Tasche lügt mit Siegesfeiern und -reden - nun, das ist doch nichts Neues. Alle israelischen Kriege werden hier skeptisch und kritisch betrachtet wie Niederlagen, aus denen man lernen muß, was zu lernen ist.

Auch wenn wir heute mit den Kindern in der Schule die alten Lieder von Friedenssehnsucht gesungen haben, die zur DNA des Staates Israel gehören - wir haben keine Illusionen. Weder über unsere Feinde im Norden noch im Süden.

Bilder, Worte, Licht Februar 8, 2008, 9:49

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Durch einen Kommentar bei Ruth habe ich diese Bilderserie gefunden, die bei ntv gezeigt wird und der ich weite Verbreitung wünsche. Deswegen stell ich sie hier rein, obwohl sie nicht ganz taufrisch ist. Was sind zwei, drei Wochen im Nahen Osten!

Es geht dabei um eine der vielbeklagten Grausamkeiten Israels: die Sperrung der Elektrizität für den Gazastreifen. Ein normal denkender Mensch würde sich ja fragen, wieso beschießen die Palästinenser Ashqelon, wo 70% ihrer Elektrizität herkommen? oder aber: wieso liefern die Israelis denen, die sie beschießen, überhaupt Strom?, aber mit Logik kommt man hier ja bekanntlich nicht weit.

Nach nur sieben Jahren Beschuß ist diesen israelischen Hitzköpfen also die Geduldsschnur gerissen und sie haben den Gazastreifen hermetisch abgeriegelt, Strom und Wasser gesperrt und die Leute ausgehungert, so lautet die Version der Palästinenser. Erstaunlicherweise ist sie eins zu eins in der Welt so übernommen worden, wie mir auch Freunde aus Deutschland berichten.

Obwohl ein Bild doch mehr sagt als tausend Worte. Darum hier die Bilder.

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Eine der herzbewegenden Demos im Gazastreifen. Die armen, verhungert und abgerissen aussehenden Menschen halten Plakate hoch: end Israeli war crimes! Als Protest gegen die Stromsperre halten sie brennende Kerzen in der Hand.

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Kleiner Fauxpas: auf allen Bilder ist deutlich zu erkennen, daß die Straßenbeleuchtung brennt. Eindeutig.

Das kann den Demonstranten nicht entgangen sein, ich meine, so blöd sind sie wohl nicht. Aber beachtet den leidenden, ehrlichen Ausdruck ihrer Gesichter. Dies ist der Gesichtsausdruck der Palästinenser, wenn sie sich als Opfer stilisieren. Den Leuten von der Mahnwache vor der Kirche in meiner Heimatstadt tritt dabei das Wasser in die Augen vor Mitleid und ehrlich gefühlter Empörung. So leiden sie, die Palästinenser, mit ihren Lichtlein in der Hand wie Kinder zum Advent! und die Welt schaut zu! Und im Hintergrund strahlt die Straßenbeleuchtung.

Mir ist der Gesichtsausdruck der Menschen besonders wichtig. So sehen Leute aus, die wissen, daß sie lügen, daß sie inszenieren, daß sie eine Show abziehen, für die Kameras. Sie wissen, daß sie damit die Sympathien der Welt erringen werden, daß niemand sich die Mühe machen wird, zu untersuchen, ob das nun eine Show ist oder die Wahrheit. Die Demo wird in den europäischen Medien für bare Münze genommen werden.

Bis der Schwindel aufgedeckt ist, ist Israels Ruf wieder ein bißchen ruiniert und die braven Europäer werden gern zahlen. Warum für das Geld ein eigenes E-Werk bauen? Wenn die Waffen in Ägypten gerade so günstig sind? Und die Plasmafernseher und Motorräder…? und die Kartoffelchips… (Besonders wenn man mit gefälschtem Geld dafür zahlt.)

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Der nette Herr von der Hamas mit dem verzweifelt-gefaßten Gesichtsausdruck  zeigt nun hier, wie das Parlament im Gazastreifen tagt. Das sind Parlamentarier, mit denen wir verhandeln und Kompromisse schließen sollen, Menschen, auf deren Ehrlichkeit wir eigentlich bauen müßten. Sie tagen bei Kerzenlicht, die armen Kerle - doch da die Vorhänge nicht gut geschlossen sind, fällt Tageslicht in den Raum.

Wiederum bitte ich, die Gesichter zu beachten. Sie alle inszenieren einen Schwindel und sind dabei vollkommen überzeugend. Warum auch nicht? Die Welt hat schon so viel geschluckt, warum nicht auch dies? Daß die Idee einer palästinensischen Identität (als Teil der arabischen Identität) noch relativ jung ist, hat die Welt längst vergessen - für die meisten Europäer ist das ein uraltes Kulturvolk, vertrieben von den jüdischen Upstarts.
Ob es Mohammed al Dura ist oder das Massaker von Jenin oder eine der anderen, unendlich vielen Lügen - die Welt hat sie alle geschluckt. Warum nicht diese? Ich würde ja zu gern sehen, wie sie anfangen zu grinsen, wenn die Photographen weg sind, die Vorhänge aufgezogen werden und sie sich dazu beglückwünschen, Israel mal wieder medial knock-out geschlagen zu haben. Und alles nur, damit die Qassam-Helden weiter ihre Raketen abschießen können, ohne daß dafür jemand Konsequenzen tragen muß! Der Yahud muß wirklich blöd sein.

Bei den letzten Bildern geht mir der Zynismus aus. Ich habe selbst bange Wochen neben einem Brutkasten verbracht, und wenn etwas meine Sympathie erregt, dann ist es ein Frühchen in seinem tapferen Kampf ums Überleben.

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Wenn es etwas gibt, womit man nicht spielt und was man nicht instrumentalisieren darf, dann ist es wohl das Bild eines Winzlings, der eigentlich noch hübsch geborgen im Bauch seiner Mutter liegen sollte, doch nun auf Hilfe von außen angewiesen ist. Und dazu braucht man nun mal Elektrizität. Einer der Gründe, weswegen Krankenhäuser Generatoren haben.

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Und wie beruhigend, daß trotz der Behauptungen in den Medien, daß dieses Kind dem Tod geweiht ist, nur wegen der Israelis und ihrer willkürlichen Grausamkeit! - wie beruhigend, daß der Monitor funktioniert. Nein, keine Sorge, da ist alles in Ordnung.

Entschuldigt, wenn ich wortreich bin - aber hier packt mich wirklich der Zorn. Wie zynisch und verlogen kann man eigentlich sein, um solche Bilder zu produzieren? Und wie überzeugt von der grundlegenden Richtigkeit der palästinensischen Behauptungen muß man sein, um diese Show als echt zu akzeptieren, zu verbreiten und darauf fußend Israel scharf zu verurteilen? Ob UN oder Leserbriefe in der ZEIT - der Chor der Entrüstung war einhellig.

Einen ähnlichen Chor der Empörung über so eine verlogene Zurschaustellung habe ich bisher nicht vernommen.

Versteht ihr - das sind die Menschen, denen wir gegenüberstehen. Sie lügen, manipulieren, verdrehen die Wahrheit - und wenn auch vielleicht nur ein paar diese Manipulationen planen, machen doch alle munter mit. Da kann ich nicht mehr sagen, wie ich es mir selbst zum Trost jahrelang gesagt habe: das ist nur die Führung, mit den ganz normalen Leuten würden wir prima auskommen.

Das mag sein oder auch nicht. Ich weiß nicht, wie viele ganz normale Leute, die nur ihre Ruhe wollen, es in einem Volk gibt, das sich im Laufe der Jahre an Lügen, Haß, Terror und Grausamkeit gewöhnt hat - auch gegeneinander. Wo politische Gegner einander vom Hochhaus werfen oder einer dem anderen die Kinder auf dem Schulweg ermordet. Wo Scharfschützen vor Krankenhäusern auf angelieferte Verwundete schießen. Eine Gesellschaft, die letztendlich an ihre eigenen Lügen glaubt. Denn ohne selbst daran zu glauben, könnte man wohl nicht so überzeugend agieren. Deswegen kann ich über diese Bilder nicht lachen, so sehr ich es auch versuche. Sie zeigen mir mehr darüber, mit wem wir es zu tun haben, als viele Reden von Mashal oder Haniya. Und ermutigend ist das alles nicht.

The battle of Winograd Januar 30, 2008, 16:03

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Der Name Winograd, der ja eigentlich nur der Name des vorsitzenden Richters ist, paßt so gut. Er klingt wie ein Ortsname, und zwar einer, dessen Name ohne weiteres an eine große Schlacht denken läßt.

Heute abend wird die Winograd-Untersuchungskommission die Ergebnisse ihrer Überprüfung des Zweiten Libanonkriegs 2006 (den ich ja lieber Hisbollahkrieg nennen würde, oder Sommerkrieg) öffentlich bekanntgeben. Natürlich wird schon spekuliert, manche Leute sehen Olmert seinen Hut nehmen, andere sehen eine schwere Beschädigung des Rufs der Armee, es gibt Gerüchte und Vermutungen, aber bis in ein paar Stunden weiß keiner genau, was dabei rauskommt.

Eins ist klar: die israelische Armee widerspiegelt die Gesellschaft, und die Gesellschaft ist heutzutage nicht mehr bereit, ihre Söhne und Töchter frag- und klaglos zu opfern. Dadurch kämpft die Armee halbherziger, als es früher mal der Fall war, was besonders fatal ist, wenn man einer Truppe von Selbstmördern gegenübersteht, von denen jeder einzelne bereit ist, sein Leben in die Schanze zu schlagen.

Die kann man nicht besiegen, wenn man eine Armee hat, die das Leben liebt, und eine Gesellschaft im Rücken, die ständig ruft: “paßt auf die Kinder auf! paßt auf die Kinder auf!” Der Begriff “ha-banim”, die Söhne oder die Jungens, ist praktisch zum Synonym für Soldaten geworden, oft werden auch die Mädchen dazugenannt. Diese Begriffsverwischung mag man beklagen - denn eine Gesellschaft, die ihre lebensnotwendige Armee mit umflorten, stolzen Augen anguckt wie auf dem Elternabend in der Grundschule, kann diese wunderbaren Kinder nicht in die Schlacht schicken und in Kauf nehmen, daß sie sterben.

Egal wie gut oder schlecht die Pläne der Armee sind oder waren, egal wie mutig und klug die Offiziere und Soldaten sind oder auch nicht, egal wie Nachschub und Versorgung und Kommunikation gehandhabt werden - es ist unsere Mentalität, die der Armee in den Arm fällt.

Natürlich aus meiner privaten Warte vollkommen zu Recht. Ich will doch meine Vier auch nicht auf einem Schlachtfeld sehen, chas-ve-chalila!, und habe endlose Diskussionen mit Primus, der partout in eine kämpfende Einheit will. Aber ich sehe auch, wie ich damit zu denen gehöre, die an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Ohne eine nicht nur militärtechnisch, sondern auch mental schlagfähige Armee, die auch Schläge einsteckt, können wir hier nicht überleben.

Gerade der zivile Geist, der daraus spricht, daß man dulce et decorum est nicht mehr für selbstverständlich oder akzeptabel hält, ist es aber, der Israel auch so stark macht. Das Dilemma ist unlösbar und auch von Richter Winograd nicht zu lösen.

Was die Armee angeht: da sage ich nicht viel zu, das ist nichts zum Bloggen. Nur meine private offene Frage noch einmal: ich habe mich schon während des Krieges gefragt und auch jetzt noch, wie viel eigentlich der dubiose Tennenbaum der Hisbollah verraten hat. Und wie viele Pläne für den Kriegsfall dadurch unbrauchbar wurden.

Dan Halutz war wohl wirklich eine Pleite, und der Entscheidungsprozeß, der ihn an die Spitze katapultiert hat, ist fragwürdig. Ein brillanter Mann und hervorragender Kampfpilot - aber vermutlich in Verein mit dem Amateur Amir Peretz nicht imstande, einen Krieg am Boden zu führen. Aber was ist mit dem Nördlichen Kommando - da saßen doch gute Offiziere der Infanterie, wieso hat es so viele Pannen gegeben? wieso war die Versorgung der Heimatfront so unzulänglich?

Wobei die Zivilisten selbst ja tadellos funktioniert haben - ein Teil hat in unbewohnbaren Bunkern ausgeharrt, andere sind in die Landesmitte gezogen und dort aufgenommen worden, und so Werte wie Nachbarschaftshilfe haben sich bewiesen. Natürlich gab es auch Hotels und Feriensiedlungen, die Profit aus der Lage schlagen wollten, aber insgesamt hat sich unsere hedonistische, materialistische, heterogene und viel gescholtene Gesellschaft bewährt.

Ich bin mal gespannt, wie die politische Landkarte morgen früh aussieht - die Armee hat ja eine ganze Reihe von Konsequenzen bereits gezogen. Ich weiß nicht, ob da noch viele Köpfe sind, die rollen könnten. Ich bin auch immer skeptisch, wenn man rein symbolisch Köpfe rollen läßt, denn ein Personalwechsel kann vertuschen, daß sich an der Sache selbst nichts geändert hat.

Der Krieg hätte eher beendet werden können, er hätte anders geführt werden können, er hätte anders beendet werden können. Was wirklich bei den Verhandlungen zum Waffenstillstand gelaufen ist, man wüßte es ja gern… Bolton hat ja neulich schon einiges angedeutet.

Y. kommt gerade rein, auf einen kurzen Besuch zuhause. Ich frage ihn, was er von Winograd erwartet. Er: “eigentlich nichts. Wir wissen auch ohne Winograd, was falsch gelaufen ist”. Es ist so schön, mit einem Mann verheiratet zu sein, der sich vom Winograd-Fieber ebensowenig anstecken läßt wie von anderen Massenphänomenen. Ich werde aber fernsehen und finde es gut, daß es hier so eine offene und auch leidenschaftliche Diskussion gibt, und das Bemühen, einmal gemachte Fehler nicht zu wiederholen.