Marsch geblasen April 20, 2013, 16:11
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In der ZEIT kriegen wir unser Fett weg, wir Babyboomer. Unbestreitbar ist da was dran – meine Altersgruppe plus minus zehn Jahre beherrscht nicht nur in Deutschland, sondern auch in Israel die Welt. Obwohl ich durch meine eigenen Lebenentscheidungen (Geisteswissenschaft studieren, Ausländer heiraten, ins Ausland ziehen, vier Kinder kriegen) meinen Platz an der Tafel des Wohlstands und der Sicherheit geräumt habe, sehe ich an meinen gleichaltrigen Vettern und Cousinen und Geschwistern, wie das aussieht.
Es schmeckt ihnen, das Leben. Sie sind ausnahmslos erfolgreich im Beruf, tüchtig, und sie leben tatsächlich in einem Wohlstand, den vermutlich ihre Kinder nicht so leicht erreichen oder werden halten können (trotz Erbschaften). Auch wenn ich persönlich ausgestiegen bin, gehöre ich mental zu dieser Generation der Selbstzufriedenen, der Gewinner, sicher aufgewachsen, was kostet die Welt.
Meine Kindheitswelt habe ich in Erinnerung als unendlich optimistisch. Ein Verdiener pro Familie reichte für bescheidenen, aber sicheren Wohlstand, alle bauten oder kauften irgendwann, jedes Auto, das der Papa kaufte, war besser als das vorige. Ich erinnere mich nicht daran, daß in unserem Milieu jemand arbeitslos wurde, sich etwas nicht leisten konnte, Angst vor der Zukunft hatte. Die Großeltern hatten sich abgerackert, damit unsere Eltern studieren konnten, bei uns wurde das vorausgesetzt. Wir erwarteten nicht anders, als daß das so weitergehen würde. Daß die Welt unsere Ansprüche erfüllt, daß wir selbst sie erfüllen.
Wir, unsere Generation, legen schwere Lasten auf die schmalen Schultern der nachfolgenden Generation.
Vom Jahr 2015 an werden so viele Deutsche in Rente gehen, so wenige Junge ins Arbeitsleben eintreten wie nie zuvor. Mit der Zahl der Erwerbstätigen sinkt aber fast immer auch die Wirtschaftskraft eines Landes. “Wenn wir Deutschen es schaffen, trotz erheblich schrumpfender Bevölkerung wirtschaftlich zu wachsen, wären wir die Ersten, die diese Logik aushebelten”, sagt Steffen Kröhnert.
Selbst wenn die Wirtschaft weiter wachse, sagt Kröhnert, werde dies ein Scheinwachstum sein, weil der Wohlstand von steigenden Kosten aufgefressen werde. “Bis 2040 werden wir doppelt so viele Menschen über 80 haben – und mit ihnen Demenz- und Alzheimer-Patienten.” Die meisten Immobilien würden an Wert verlieren, viele würden sogar unverkäuflich. Es bestehe die Gefahr eines “Asset Meltdown”: Die Älteren lösen massenhaft ihre Wertpapier-Depots auf, und weil es nicht mehr genug Junge gibt, die Aktien und Anleihen kaufen können, sinken die Kurse.
….
In deutschen Unternehmen sitzen Ältere, die großzügige Betriebsrenten kassieren werden – neben Jüngeren, denen jeglicher Anspruch verwehrt bleibt. Die Einstiegsgehälter sinken oder stagnieren, während die Einkommen der über 50-Jährigen weiter steigen. Inzwischen verdienen 50- bis 60-jährige Arbeitnehmer rund fünfzig Prozent mehr als ihre 20- bis 30-jährigen Kollegen. Unter den unter 35-Jährigen gibt es viermal so viele befristet Beschäftigte wie unter den über 50-Jährigen.
…
Früher waren es die Kinder, die eine Party schmissen, und die Eltern, die das Desaster beseitigten. Die Babyboomer haben es geschafft, das Verhältnis umzukehren.
Zu jeder Zeit ihres Lebens profitierten sie von gut finanzierten Staatsprogrammen: Als sie jung waren, wurden für sie die Universitäten ausgebaut, das Bafög wurde erfunden. Als Berufstätige freuten sie sich über massive Steuersenkungen. Als Ältere kommen sie in den Genuss eines historisch einmaligen Versorgungswesens. Zum Dank haben sie den Staat zurückgebaut, wo sie nur konnten.
Dabei dominieren wir das kulturelle Leben, den Alltag, die Medien.
Die Popkultur war immer auch ein Spiegel, in den die Jungen schauten, um sich selbst zu erkennen. Heute betrachten sich darin meist Menschen, die über 50 sind. Längst habe ich mich daran gewöhnt, dass der größte Popstar der Welt Madonna (54) heißt – und sie ihren Thron für Lady Gaga (27) nicht räumen wird. War früher James Dean (24) das globale Sexsymbol, ist es heute George Clooney (51). In den sechziger Jahren stieg die 26-jährige Ursula Andress als Bond-Girl aus den Fluten, ihre Nachfolgerin im Jahr 2002 hieß Halle Berry und war 36 Jahre alt.
“Wir haben uns daran gewöhnt, Frauen unter 30 als halbe Kinder zu betrachten und Männer in diesem Alter als Grünschnäbel”, schreibt der Kulturjournalist Claudius Seidl in seinem Buch Schöne junge Welt. “Man muss die 35 schon überschritten haben, wenn man überhaupt ernst genommen werden will, und mit welchem Alter die Jugend endet, war noch nie so ungewiss wie heute.”
Bräsig, selbstbewußt und ohne Rücksicht auf unsere Nachkommen, so sehen wir aus in diesem Artikel. Und wie eine subtile Quittung kommt mir dann, bei ganz anderem Thema, diese Meldung vor:
Großtrend bleibt die Wiederkehr von Namen aus der Großväter- oder Urgroßvätergeneration: Anton (21), Emil (23) oder Karl (34) verbesserten ihre Ränge. Namen der Nachkriegsgeneration wie Uwe, Jürgen und Horst sind derzeit nicht gefragt, ebenso wenig die Spitzenreiter jüngerer Jahrzehnte wie Christian oder Sebastian.
Wer seine Kinder lieber Emma und Felix nennt als Stefan und Sabine, der geht tatsächlich mindestens eine Generation in die Vergangenheit. Wenn erstmal Heinz und Günther, Erika und Elfriede ebenfalls ein Comeback machen und auf Spielplätzen zu hören sind, dann hat die junge Generation uns endgültig den Rücken zugekehrt. Dann sind die 60er und 70er Jahre wirklich nur ein opulenter Schlenker gewesen.
Gefangen April 20, 2013, 10:36
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Natürlich habe auch ich die Jagd auf den 19jährigen Mörder und Terroristen in Boston mit Spannung verfolgt, und ich bin froh, daß er lebend gefangengenommen werden konnte. So kann er aussagen und es wird hoffentlich möglich, die Motive besser zu verstehen, eventuell sogar ähnlichen Tätern zuvorzukommen.
Aber ich kann mich nun mal nicht vom israelischen Blickwinkel auf solche Taten lösen. Bei uns sind solche Anschläge oft vorgekommen, und seit die Terroristen dank Zaun und guter Aufklärung mit Bombengürteln nicht mehr durchkommen, setzen sie schwere Steine gegen fahrende Autos und andere simple Waffen ein, die trotzdem Tod und Leid bringen können (die kleine Adele Biton liegt immer noch auf der Intensivstation – ob ihr Gehirnschaden reversibel ist…?) . Bevorzugt schicken sie Kinder und Jugendliche mit Zwillen und dicken Steinen vor.
Der Terror hat also nicht aufgehört, er hat sich nur andere Waffen gesucht. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, daß Steine und Schleudern viel weniger Schlagzeilen machen als eine Bombe. Darum ist es außer innerhalb von Israel praktisch unbekannt, womit sich Israelis konfrontiert sehen – nicht nur in den Gebieten, sondern auch in Wadi Ara und Faradis sind Autos mit Steinen beworfen worden.
Terroristen, die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken versetzen und verletzen und töten wollen, fängt unsere Armee regelmäßig, ohne Live-Begleitung von Twitter, CNN und der halben Weltbevölkerung. Eine häßliche, ermüdende, schwierige Routine – Nichtstun würde nur mit weiteren Anschlägen beantwortet. Sobald irgendwo ein Checkpoint aufgehoben wird, häufen sich in der Nähe die Anschlagsversuche.
Aber was kommt dann? Befragung, Prozeß, und je nach Urteil Inhaftierung. Wie es auch dem mußmaßlichen Täter von Boston ergehen wird. Nur ein Kapitel werden die Amerikaner nicht erleben müssen. Den Druck von außen, einen überführten Terroristen aus politischen Gründen freizulassen.
“President Abbas stressed that the release of the prisoners is a priority that creates an appropriate climate for the possibility of moving the peace process forward,” his spokesman Nabil Abu Rudeina told AFP.
In a public speech last week, Abbas said that the freeing of terrorists serving time in Israeli prisons was a “priority” for his leadership.
“The Palestinian leadership gives priority to the prisoners issue and ending their suffering,” Abbas said in a speech to a meeting of his Fatah party in Ramallah.
“We cannot be silent about their staying behind bars… (we) have demanded the freeing of all prisoners, especially those arrested before the Oslo accords, and sick, child and women prisoners,” he said.
Wir können uns also darauf gefaßt machen, daß John Kerry diese Bedingungen an Israel weitergibt, als wären sie berechtigt – obwohl ihm bestimmt nicht einfiele, Terroristen aus amerikanischen Gefängnissen freipressen zu lassen.
Channel 10 News reported that Kerry is planning on offering Israel and the PA an outline which would see Israel releasing terrorists from its prisons and transferring areas from Area B, which is under joint PA-Israeli control under the Oslo Accords, to Area A which is under full PA control.
Kerry’s outline would have the PA undertaking a return to the negotiating table and promising not to file lawsuits against Israel with the International Criminal Court.
Wohlgemerkt – eine Verpflichtung der Palästinenser, endlich, nach fast hundert Jahren, auf den Terror zu verzichten, ist nicht vorgesehen.
Und wenn sie dann frei sind, was tun sie dann? Manche bleiben dem Terror fern, das schließe ich nicht aus. Andere halten große Reden
und lassen sich als Helden feiern, wie Samir Kuntar.
Und wieder andere machen weiter, was sie am besten können. Terror.
Ich stelle mir gerade vor, daß Netanyahu zu Kerry sagt: “wenn ihr den Mann aus Boston freilaßt, laß ich auch mit mir reden”. Aber sowas tut man ja in der Politik nicht. Man findet sich damit ab, daß das Leben und die körperliche Unversehrtheit amerikanischer Bürger ein schützenswertes Gut ist, unseres dagegen eine Münze, die in Verhandlungen eingesetzt wird.
Mein Beileid April 16, 2013, 22:45
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haben die Opfer des Anschlags in Boston. Solche Bomben mit vielen Metallteilen sind hier ja auch während der Terrorwelle täglich, manchmal zweimal täglich, hochgegangen – entsetzlich. Die Opfer sind für ihr Leben gezeichnet, und noch Jahre später tauchen aus ihrem Körper Schrapnellteilchen auf, die sich langsam den Weg durchs Gewebe gebahnt haben – anschaulich und unumwunden geschildert von Gila Weiss, deren Blog ich unregelmäßig gelesen habe, bevor er einschlief.
Unless the shrapnel is causing damage, doctors will leave it where it is. Unfortunately there appear to be some differences between “causing damage” as defined by doctors and “causing damage” as defined by the average layman. For instance, many doctors do not define shrapnel which makes one’s face numb in parts and lumpy to the touch as “causing damage”.
But enough of the bad stuff, now it is time for what makes shrapnel fun. After it goes in (not the fun part), it comes out! All by itself! What I have learned is that shrapnel often slowly but surely works its way up to the surface and is expelled from the body. Every day I check my body for objects which, like lounge lizards slinking out late at night from a singles event, are starting to emerge. I then do the following:
I examine the item, and try to guess what it is. Metal? Glass? Plastic? I brush it gently with my fingers, to see if it will dislodge. If it does, and it isn’t really, really teensy-weensy and non-impressive, and if it doesn’t fall from my finger onto the floor and get lost, I put it into my “Official Machane Yehuda Bombing Shrapnel Collection Test-Tube”. If it doesn’t dislodge, I gently feel the area around the shrapnel to check for swelling, edges, etc. This gives me some indication as to the size of the piece, and whether it is going to require medical assistance to remove. Size and/or swelling be damned, I try to remove the item myself. I jiggle it a bit, push around it like you do with splinters and try to pull it out with my eyebrow tweezers. I smack myself on the hand and tell myself to stop playing with the shrapnel and to let it come out on its own. Bad BAD Gila!!!!! If my cooler friends are around (cooler being defined as anyone who find this whole process fascinating as opposed to disgusting”), I call them over, and show them. If no friends are present, I make a mental note to show them the next time I see them. I put a glop of iodine ointment on the area and cover it with gauze and tape. The combination of iodine ointment, gauze and tape is wonderful, and has become my standard medical treatment for just about everything.Every day is a new adventure as I find all sorts of foreign objects emerging from my body
Von den seelischen Wunden will ich gar nicht sprechen, die auch körperlich Unverletzte davontragen. An das Leid der Angehörigen, die Menschen begraben müssen, kann man nicht denken, ohne daß einem die Augen brennen.
Wie krank muß jemand sein, einen Schnellkochtopf mit extra bösartigen Metallteilchen zu füllen, damit sie in die Körper von Menschen eindringen, dort Tod und Schmerzen anrichten, aus was immer für Gründen?
Wir wissen noch nicht, was für ein Mensch das war, ob er sich als Teil einer Bewegung verstand, ob er auf eigene Faust gehandelt hat, warum er die Läufer und Zuschauer bei diesem Marathon so gehaßt hat, was sie für ihn bedeuten.
Bei jeder Nachricht über solche Anschläge wende ich die Augen ab, mit Grauen und Mitleid, und es gibt ja dauernd solche Anschläge. Wenn es aber im Irak oder in Pakistan oder Somali geschieht, halten die Medien sich mehr zurück – vielleicht aus der zynischen Erwartung heraus, daß wir solche schlimmen Nachrichten besser “wegstecken”, wenn sie in Ländern passieren, wo wir niemanden kennen, vermutlich noch nie waren, wo die Menschen sowieso so “anders” sind, so daß unser Empathiequotient in den einstelligen Zahlen liegt. Und es ist ja wirklich so, daß man nicht mit allen mitleiden kann, nicht jedes Unglück eines anderen mitempfinden kann wie das eigene, sonst wäre niemand von uns lebensfähig. Wie schon Dorothea Brooke in einer ihrer stärksten Szenen sagt: ”If we had a keen vision and feeling of all ordinary human life, it would be like hearing the grass grow and the squirrel’s heart beat, and we should die of that roar which lies on the other side of silence.”
Für mich sind diese Nachrichten kaum erträglich, sie erinnern mich einfach zu sehr an diese Jahre, in der ein durchdringender Terror-Gestank über jeder Alltags-Routine lag, in der jede Nachrichtensendung neue Greuel, neue Namen, neue Schrecken brachte. Ich schäme mich dafür, daß ich diese Nachrichten nach kurzem Hochschnellen des Grauens wegschiebe – ich kann mir ungefähr denken, wie die Menschen in Ländern leben, in denen man jederzeit gewärtig sein muß, daß der nächste Passant sich neben einem in die Luft sprengt, und sie tun mir so leid.
Aber wenn es Boston ist, wo man liebe Menschen hat, der Marathon, wo man Läufer kennt (auf deren Mail man dann beklommen wartet), dann ist das Interesse groß, die Berichterstattung dramatisch und bildreich, und es ist unmöglich, die Nachricht wegzuschieben.
Kriege sind schlimm genug. Ich kann die Ostermarschierer und die ganze Friedensbewegung schon verstehen, wenn sie gegen die Perversität kämpfen, die darin liegt, einen ganzen Industriezweig und eine ganze professionelle Tötungs-Industrie zu betreiben, während wir gleichzeitig mit allen Mitteln für die Erhaltung und Verbesserung des Lebens kämpfen. Aber verglichen mit Terror ist Krieg geradezu zivilisiert. Krieg ist brutal und tötet Menschenleben, aber Krieg hat sich Regeln gegeben, Staaten müssen sich daran halten, Kriege sind beendbar. Sie sind Mittel zum Zweck. Häßliche und grauenhafte Mittel, aber nach jedem Krieg kommt der Friedensschluß, das Verhandeln, und dann zwei Generationen später ein Händedruck über Gräbern. Oder, wie Zuckmayer beschreibt, schon in der Generation der ehemaligen Feinde ein Gefühl der Schicksalsvebundenheit. Viele Jahre nach dem Krieg erzählt er:
Vor wenigen Jahren ging ich an einem Frühlingstag in Paris auf den Champs Elysees spazieren. Plötzlich stockte der Verkehr, die Leute blieben auf der Straße stehen, alle Männer nahmen die Hüte ab. Man hörte eine rhythmisch näherkommenden Trommelschlag und sah auf dem Fahrdamm einen Trupp von Zivilisten marschieren (…) Ich fragte einen Herrn neben mir, was das für ein Aufmarsch sei. “Les vieux combattants”, antwortete er mir, “de la grande guerre”. Er meinte natürlich den Krieg von 1914-18. Die alten Kriegsteilnehmer…
Auch ich nahm den Hut ab, hätte es auch getan, wenn die anderen es mir nicht vorgemacht hätten.
Voran ging ein Kahlkopf mit weißem Schnurrbart, der die Fahne trug. (…)
Ich hatte das Gefühl, ich müßte mitmarschieren, mich anschließen, zu jenem “Grabmal des unbekannten Soldaten” hin (…). Ich hatte das Gefühl, ich müßte hingehen und sie umarmen, diese Groß- und Kleinbürger, Pesionäre und Handwerker, und müßte zu ihnen sagen: “Hier bin ich! der auf euch geschossen hat, dem ihr nach dem Leben trachten mußtet.” Ich hatte das Gefühl, ich gehöre zu ihnen, mehr als zu allen anderen auf der Welt. Denn sie waren die “Feinde”. Ich mußte weinen.
Ich habe diesen Absatz ewig nicht mehr gelesen, aber sofort gefunden und endlich abgeschrieben(Als wär´s ein Stück von mir, 245).
Ja, Krieg ist schlimm, und vielleicht ist es nicht richtig zu sagen: Terror ist schlimmer. Aber man kann sich vorstellen, daß Soldaten einander respektieren und persönlich nichts Böses wünschen, daß sie einen Sinn dafür gewinnen oder wiedergewinnen oder bewahren, daß auch der “Feind” eigentlich lieber zuhause wäre und auf der Terrasse säße. Mein Mann hat für den toten “Feind”, neben dem er in einem Hof irgendwo im Libanon geschlafen ist, ein Gedicht geschrieben und sehr stark empfunden, wie leicht es andersrum hätte sein können.
Rabin und König Hussein haben beide betont, daß es einen Frieden der ehemaligen Feinde gibt, der auf Respekt beruht. Ja, auch im Krieg gibt es Abgründe der Menschenverachtung, Leichenschändung und Brutalität. Nichts beschönigen! Aber trotz allem ist eben denkbar, daß ein Veteran dem anderen eines Tages Reverenz erweisen kann.
Aber der Terrorist? Ob Einzeltäter oder organisiert, US-Amerikaner oder Ausländer, es ist nicht vorstellbar, daß er die Menschen, denen der die Schrauben und Metallkugeln zudenkt, die er in den Schnellkochtopf füllt, je als Menschen sieht, als seine Spiegelbilder, als seine Brüder und Schwestern, vor denen er den Hut abnehmen kann.
Es ist die banalste Aussage der Welt und man muß sie eigentlich nicht wiederholen. Aber für mich ist Terror der Abschaum der Welt, und wer gegen Krieg protestiert, aber Terror rechtfertigt, irgendwie, der ist für mich ein Mensch ohne moralische Maßstäbe. Krieg kann man zumindest potentiell eindämmen, regulieren, in Vertragwerke einbinden, beenden. Aber Terror? Unkontrollierbar, unmenschlich. Da gibt es keine Brücke mehr.
Dem Terror ins Gesicht sehen ist schwer und unerträglich. Es ist leichter, gegen die Rüstungsindustrie und die Armeen zu sein, denn die gucken unbewegt zu, wie die Menschheit Geld, Zeit und Kreativität an Drohnen und Kanonen wendet, um Interessen durchzusetzen, die man eigentlich genausogut in einem offenen Gespräch lösen könnte, wenn die Welt nicht so arm und der Mensch nicht so schlecht wäre. Aber zu erkennen, daß es blanken Haß gibt, daß diese Schrauben und Nägel auch für uns zubereitet sind – das geht weit darüber hinaus und ist erschreckend. Es fällt mir schwer, diesen Schrecken abzuschütteln.
Fahrerflucht April 15, 2013, 15:05
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Gerade las ich es mit Schrecken in Ynet: ein Radfahrer wurde in Katzir heute beim Radfahren angefahren und schwer verletzt. Der Fahrer, ein Palästinenser, ließ ihn am Straßenrand sterben und setzte sich in die Westbank ab (wo er sich der palästinensischen Polizei stellte, nachdem die sein blutbeflecktes Auto entdeckt hatte).
Und während ich noch über die Schrecken eines solchen Tods nachdachte, rief mich Y. an. Es ist Gabi. Gabi, der in der Familie von Y.s Kindheitsfreund Dror aufwuchs, Gabi, der als Waise im Kibbuz aufgenommen wurde und in der Gruppe von Y.s Schwester war. Gabi ist tot.
Und dann traf es mich mit Wucht. Drors Familie wird die Nachricht auf dem Friedhof bekommen haben. Es ist eine Familie, die zwei Gefallene zu beklagen hat. Drors Onkel fiel im Sechstagekrieg – seine Eltern (die ich beide im Altersheim gepflegt habe) haben sich nie davon erholt. Auch Drors Mutter Rachel hat den Tod ihres kleinen Bruders (der eigentlich ihr Halbbruder war) nie verwunden.
Für Rachel und ihre Mutter war es besonders hart, weil schon Rachels Vater gefallen war – noch vor dem Unabhängigkeitskrieg, 1946, in der “Nacht der Brücken“, einer Aktion der Palmach gegen die Briten (übrigens einer höchst umstrittenen Aktion). Hier ganz in der Nähe, an der Achziv-Brücke, wurde er bei einer Explosion getötet. Yizhak hießen beide Gefallenen. Rachels Mutter hatte ihren Sohn aus zweiter Ehe nach ihrem ersten Mann benannt.
(Der Grenzgänger, der mich im Kibbuz besucht hat, kann sich vielleicht noch daran erinnern, daß wir zusammen einen besonders netten einarmigen alten Herrn getroffen haben? Das war der Bruder des 1946 gefallen Yizhak.)
Rachel selbst lebt nicht mehr. Sie hat ihren Vater nie kennengelernt, ihren Bruder im Krieg verloren, war durch Kinderlähmung behindert und hatte als junge Mutter eine Tochter durch eine schwere Krankheit verloren (woran Y. sich noch deutlich erinnert). Sie hatte kein leichtes Leben. Und heute wird ihr geliebter Adoptivsohn begraben. Ich kann es kaum glauben. So ein netter Kerl war er, immer freundlich. Viele Jahre arbeitete er am Flughafen, war verantwortlich für die Sicherheitsüberprüfungen. Er brachte in die von Tod und Trauer überschattete Familie Fröhlichkeit und lebte sich im Kibbuz gut ein, wo er seine Schulzeit verbrachte und auch später noch oft zu Besuch war. Gabi, Dror und die jüngeren Schwestern verließen den Kibbuz, die Großeltern und Eltern blieben. Nur Drors Vater ist noch im Kibbuz, allein. Was für ein Schlag.
Gabi wird in Karkur begraben, in einer halben Stunde. Ich kann nicht dabeisein, leider. Y. fährt allein zu der Familie, die heute, am Gedenktag für ihre Toten, ein weiteres Mitglied begraben muß.
(Ob der palästinensische Fahrer Gabi mit Absicht umgefahren hat – das wird die Polizei herausfinden müssen, und ich will es ihm nicht unterstellen. Er hat ihn jedenfalls ohne Hilfe sterben lassen. Vielleicht wäre er noch zu retten gewesen.)
Gute Nachrichten April 14, 2013, 6:25
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Während Yair Lapid, dem ein boshaftes Schicksal das Finanzministerium beschert hat, so daß er uns jetzt mit weiteren Leistungskürzungen und Steuererhöhungen beglücken muß, gegen die er im Wahlkampf noch so gewettert hat…. während also Yesh Atid sich als ganz normale Partei erweist, setze ich meine Hoffnungen auf einen aus ihren Reihen. Der neue Erziehungsminister Shai Piron macht einen intelligenten Eindruck, aber das machten ja bis auf eine Ausnahme fast alle Bildungs-und Erziehungsminister der letzten Jahre. Erziehung und Bildung scheinen ihm auch wirklich am Herzen zu liegen, und er ist auf diesen Posten nicht aus machtpolitischen Erwägungen verschoben worden (in Israel gilt dieses Ministerium als sehr wichtig, nur Außen- und Finanzministerium haben höheres Prestige).
Seine Erklärung, daß Schulen, die die grundlegendsten Fächer (Englisch, Mathematik, Staatsbürgerkunde) nicht unterrichten, auch keine Subventionen mehr vom Staat erhalten, ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Es steht ultra-orthodoxen Schulen frei, ihre Schüler für die aktive Teilnahme am Leben des Staats nicht vorzubereiten und sie dazu zu verurteilen, ohne echte Wahlmöglichkeit das für sie vorgezeichnete Leben weiterzuführen – aber bitte nicht auf unsere Kosten. Es macht einen frommen Juden nicht weniger fromm, wenn er imstande ist, sich sein Brot selbst zu verdienen, weil er eine solide Bildungsgrundlage auch in “säkularen” Fächern hat.
Mathematik verdirbt nicht den Charakter, und Englisch ist eine Weltsprache, die auch viele ultra-orthodoxe Juden beherrschen, ohne deswegen gottlos zu werden. Und Staatsbürgerkunde ist ja wohl die geringste Reverenz, die man einem Staat erweisen kann, der einen von der Wiege bis zur Bahre unterstützt und ernährt. Wenigstens seine Gesetze und sein Selbstverständnis sollte man kennen, wenn schon nicht anerkennen. (Dazu kann und sollte man niemanden zwingen.)
In den letzten Wochen und Monaten haben die Medien sich mit dem Thema “Die ultra-orthodoxe Welt im Staat Israel” recht intensiv auseinandergesetzt, ich habe nicht viel davon mitgekriegt, weil ich zum Fernsehen kaum Zeit habe. Aber einen Film über die Nahal Haredi, die Einheit ultra-orthodoxer Männer, habe ich gesehen, und habe vor Mitleid mit den Soldaten geweint, die von ihren Familien brutal geschnitten werden. Selbst zu ihren stolzesten Ereignissen, nach dem anstrengenden Marsch zur Erlangung des Baretts, kamen manche Familien nicht.
Sie wohnen in Soldatenheimen und einer ist für den anderen Familien-Ersatz. “Ich glaube schon, daß meine Mutter mich liebt, aber ich darf mich nicht in der Nachbarschaft sehen lassen, sonst schadet es auch meinen Geschwistern…” meinte einer wehmütig, der seine Familie seit seiner Meldung zur Armee nicht mehr gesehen hat und vielleicht nie mehr sehen wird. Eine so konsequente Bestrafung für eine Entscheidung, die der Familie nicht paßt, finde ich unerträglich. Das Erziehungsziel scheint nur zu sein, die Söhne zu Klonen ihrer Eltern zu machen – nicht eigenständige Erwachsene aus ihnen zu machen, die auch abweichende Entscheidungen treffen können, die die Eltern dann aus Liebe mittragen. Manche Familien sind anders und akzeptieren die Entscheidung der Söhne. Dann kommen die Mütter mit riesigen Körben voller Essen auch für die anderen Soldaten, von denen sie wissen, daß niemand mit ihnen feiert.
Viele der jungen Männer, die sich entschlossen haben, zur Armee zu gehen, und damit bereits den ihnen vorgezeichneten Weg verlassen (Yeshiva, später Kollel, frühe Heirat, immer lernen, nie arbeiten, Leben von der Unterstützung des Staats und evt. der Arbeit ihrer Frauen, Erziehung ihrer zahlreichen Kinder für ebendieses Leben), tun das, weil sie Schwierigkeiten haben, sich auf das Lernen zu konzentrieren, weil sie in ihrer Welt als Versager gelten und nach einer Alternative suchen. Die Armee unterstützt sie in ihrem religiösen Leben – wer am Shabat raucht, der kann nicht in dieser Einheit bleiben.
Traurig fand ich die Aussage eines jungen Offiziers, der selbst nicht ultra-orthodox ist. Er sagte: “ich komme aus einem Haushalt, wo seit meiner Kindheit klar war, daß ich zur Armee gehe, und die Armee positiv gesehen wurde. Ich bin dafür gelobt und unterstützt worden. Viele der ultra-orthodoxen Soldaten, die ich trainiere, sind nie gelobt worden. Sie wurden immer als dumm bezeichnet. Für viele sind meine Worte des Lobs und der Unterstützung das erste Mal in ihrem Leben, daß sie angespornt und gelobt werden. Sie trauen sich gar nichts zu. Sie sind gewöhnt, wie eine Null behandelt zu werden.” So stand er neben ihnen und lobte sie, und sie sahen ihn ganz überrascht an.
Ich glaube nicht, daß der Staat diese Lebensform noch unterstützen sollte. Wir können uns das auch einfach nicht leisten. Es muß auch nicht jeder zur Armee gehen – aber mindestens zwei Jahre der Allgemeinheit schenken, in Form von Zivildienst, das kann man schon verlangen, auch von arabischen Israelis. Warum nicht zwei Jahre lang Essen auf Rädern austeilen, mit gefährdeten Jugendlichen Tischtennis spielen und Bibel lesen, oder alte Menschen betreuen? Es gibt einfach keinen guten Grund, sich davon auszuschließen.
Irgendwann kurz nach den Wahlen muß es gewesen sein, eine Reportage in den Nachrichten. Der Journalist saß mit zwei jungen Männern zusammen, beide bereits verheiratet und Väter mehrerer Kinder, die in einem Kollel studieren, mit staatlicher Unterstützung (während säkulare Hochschulen natürlich horrende Studiengebühren verlangen). Der Journalist fragte sie: “warum könnt ihr von meinen Steuern umsonst euer Leben lang lernen und studieren, während meine Kinder ihre Ausbildung bezahlen müssen und danach arbeiten gehen?” Einer der jungen Männer antwortete geschmeidig, “ein Jude ist des anderen Bürge”. “Sehr schön,” sagte der Journalist, “was tut ihr denn für mich?”
Da war Stille. Einer der jungen Männer errötete und sagte leise, “ich kann schon verstehen, daß die Säkularen sich ärgern”. Er war aber ein Einzelfall, ansonsten waren die Ultra-Orthodoxen nicht mal zu einer Diskussion bereit. Ihr Lebensstil ist der einzig richtige, fertig.
Meir Porush, Politiker einer ultra-orthodoxen Partei, protestierte auch prompt gegen Pirons Erklärung. Sein Argument: daß an säkularen Schulen geraucht und getrunken wird. Nun, erstens kamen auch schon Skandale mit ultra-orthodoxen Schülern vor, die von ihren Schulen verschwinden und irgendwo rumlungern und sich betrinken, während sie von der Schule weiter als Schüler geführt werden und damit Geld für sie fällig wird. Und zweitens macht die Einführung von Mathestunden die Schulen noch nicht zu säkularen Schulen. Drittens sollten die Lehrer ohnehin ein Auge auf die Schüler haben, egal was im Lehrplan steht.
Die Argumente sind in meinen Augen schwach, der Wille, sich gegen Piron zu wehren und die staatliche Unterstützung weiter zu bekommen, dagegen sehr stark. Es ist eine Art Kulturkampf, dem wir uns langsam aber sicher nähern.
Die heldenhaften Österreicher April 13, 2013, 17:03
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überlegen, ob es für ihre Friedenstruppen in den Golanhöhen nicht zu riskant wird. Sie würden sie wohl gern abziehen.
“We have decided, as Austrians, to stay as long as we can, this is our mandate … (but) we have to decide every day if it’s possible,” Foreign Minister Michael Spindelegger said.
“We will do so as long as is possible,” he told Reuters after visiting Austria’s UN contingent on the Golan Heights, where he was briefed about the situation.
In the past three months, Japan and Croatia have both said they were withdrawing their troops from the United Nations Disengagement Observer Force (UNDOF).
Ein solcher Abzug ist natürlich ein deutliches Signal an Israels Feinde: keine Sorge. Wenn es heikel wird, lassen wir Israel allein, Versprechen hin, Versprechen her.
Inzwischen häufen sich die Zwischenfälle an der syrischen Grenze. Sehr ungemütlich für die armen Österreicher. Die Mehlspeisen sollen auch unter aller Kritik sein. Unzumutbare Zustände!
Kurze Nachrichten aus Israel April 2, 2013, 15:36
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In den Gefängnissen randalieren die palästinensischen Häftlinge – sie machen Israel für den Tod eines Gefangenen verantwortlich. Maisara Abu Hamdiyeh war (unter anderem) an der Planung des Attentats auf das Cafe Kafit in Jerusalem beteiligt, das 2004 beinahe zur Ausführung gekommen wäre. Er wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.
Im Februar wurde unheilbarer Speiseröhrenkrebs bei ihm diagnostiziert. Die bürokratische Prozedur seiner vorzeitigen Freilassung aus humanitären Gründen ging nicht schnell genug über die Bühne, und der Mann starb im Krankenhaus in Beer Sheva. Nun haben die palästinensischen Häftlinge einen neuen Märtyrer und wüten.
Palestinian Authority Minister of Prisoner Affairs Issa Qaraqe accused Israel of medical negligence and demanded an international investigation of Abu Hamdiyeh’s death.
Qaraqe described the death as a “heinous and dangerous crime that was deliberately committed as a result of medical negligence.
Aber ja, immer nur her mit dem internationalen Komittee, der Richter Goldstone ist doch nicht etwa schon in Ruhestand getreten?
Bestimmt erinnern sich noch Leser an die Qassam-Raketen, als Obama zu Besuch war? Eine der Raketen wurde nicht gefunden – bis heute früh. Als nach den Pessach-Ferien ein Kindergarten wieder geöffnet werden sollte, fand man die nur teilweise explodierte Rakete dort. Riesiges Glück gehabt. Nicht auszudenken….
Außerdem beschäftigt der arabische Paramedic, der hoffentlich der kleinen Adele Biton das Leben gerettet hat, die Medien weiter. Er wurde gestern bei der Mimouna-Feier im Ort der Bitons als Held gefeiert. Ich hoffe, daß die Kleine sich erholen kann.
Das sind drei Nachrichten, die vielleicht außerhalb von Israel nicht viel Widerhall finden, uns aber wichtig sind.
Unwiederbringlich April 1, 2013, 11:13
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Eine uralte Synagoge in Damaskus ist zerstört, die Jobar-Synagoge. Die Existenz solcher Altertümer, 2000 Jahre alt, beweist, daß Juden im Nahen Osten heimisch waren, Hunderte von Jahren vor der Erfindung moderner Nationalstaaten. Daß ein Zeugnis dieser Geschichte jetzt dahin ist, tut mir weh, auch wenn ich diese Synagoge niemals hätte besuchen können. Die Altstadt von Aleppo ist auch so ein Verlust. Ich habe Angst, daß am Ende auch Dura Europos dran glauben muß – dabei war es immer mein Traum, da mal hinzufahren, Hauskirche, Synagoge und Mithräum anzusehen.
Auf iranischen und arabischen Seiten kreisen auch andere Interpretationen der Zerstörung – es waren natürlich verkleidete Zionisten, die ja überhaupt für die ganze Krise in Syrien zuständig sind. Ob jemand dieses Zeug glaubt?
Spät und müde März 29, 2013, 0:14
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kam Secundus nach Hause. Y. holte ihn aus Akko ab, ich kochte ihm einen ziemlich großen Pott Paprika, Reis und Fleisch, wie er es gern mag. Nicht immer erzählt er uns viel, aber heute hatte er viel auf dem Herzen. Das Lazarett in 105 ist wohl nicht ganz neu, und es war ein riesiger Aufwand, bei sehr starkem Wind die Zelte aufzustellen. Secundus sagt, zu zehnt hielten sie die Planen fest und flogen alle davon. Die Armee stellte extra einen Bautrupp an, um tiefe Löcher in den Boden zu bohren, sonst hätte man die Zelte gar nicht verankern können. Mobile Röntgenzimmer und OPs und eine besondere Reserve-Einheit von erfahrenen Ärzten und Pflegekräften, alles wartet auf den Einsatz. Die Ärzte meinten, bei dem Wind kann man in Zelten nicht arbeiten, und sie stellten statt dessen Container auf.
Die “leichtverletzten” Syrer, die vor Ort behandelt wurden, hatten Verletzungen, die ich nicht als leicht bezeichnen würde, sondern als schrecklich… aber im medizinischen Jargon gilt wohl alles, was nur schmerzhaft ist und verstümmelt, nicht aber lebensbedrohlich ist, als mittelschwer oder leicht. Im Vergleich zu anderen Einsätzen handelt es sich um Verletzte, die schon seit ein oder zwei Tagen mit ihren Verletzungen leben, sich zur Grenze geschleppt haben, sich in gewisser Hinsicht daran gewöhnt haben. Also nicht der Schock, die Überraschung und das Entsetzen, das die Sanis bei anderen Einsätzen sehen. Nur Verletzte, die lebensrettende OPs benötigen, wurden in Krankenhäuser transportiert, und jetzt, wo das mobile Feldhospital fertig ist, ist auch das nicht mehr nötig. Sie können an Ort und Stelle behandelt werden.
Ich habe Secundus gefragt, ob sie sich mit den Syrern verständigen konnten, und er sagte, selbstverständlich. Er hat ja schon auf der Schule Arabisch gelernt und kann es jetzt noch besser. Er sagt, es war kein Problem, mit ihnen zu sprechen. Er hat auch erzählt, daß die Soldaten untereinander diskutiert haben, wie weit unter diesen Umständen Hilfe gehen kann oder soll – immerhin sind mehrmals israelische Soldaten gezielt aus Syrien beschossen worden, und es ist nicht selbstverständlich, daß diese Mühen für Feinde gemacht werden. Aber letztendlich, sagt er, waren sich die Sanis sowieso und auch die anderen Soldaten einig, daß man helfen muß, wenn man kann.
Als Quarta fragte: aber hassen die uns denn nicht?, hat Secundus ihr erklärt, daß manche uns hassen, andere nicht, aber daß wir keinen Haß auf einzelne Menschen eines Volks fühlen, auch wenn wir mit dem Volk keinen Frieden haben oder die Regierung dieses Volks Haß gegen uns predigt. “Wenn du in Deutschland einen Iraner träfst, würdest du dich nicht mit ihm unterhalten wollen?” “Kommt drauf an, ob er Israel haßt oder nicht,” meinte Quarta. Secundus meinte, in lebensbedrohenden Situationen spielt Haß keine Rolle mehr, und er tut seine Arbeit, egal wen er vor sich hat.
Interessant auch, daß es zwar Kombattanten sind, die er behandelt hat, aber (höchstwahrscheinlich) eben keine ausgebildeten Soldaten. Es ist ein brutaler Krieg, ein Bürgerkrieg, ein Bruderkrieg, der sich ganz nah bei uns abspielt und der mir heute durch Secundus´ Erzählung noch näher gekommen ist. Was tun wir, wenn zivile Flüchtlinge an unsere Tore klopfen und um Einlaß bitten? Wir nehmen Flüchtlinge aus Afrika auf, können wir vor den Nachbarn die Tür abschließen? Was würden wir tun, und was würde sich auf Dauer daraus ergeben?
Einige der post-kolonialen Staatsgebilde sind in Gefahr, zu zerfallen, in die Stämme und ethno-religiösen Gruppen, die durch gerade Linien auf der Landkarte in einen Staat gezwungen wurden. Im Balkan haben wir so etwas auch schon gesehen. Wie wird es in Libyen oder Syrien in zehn Jahren, in dreißig Jahren aussehen? Keiner kann es vorhersagen. Angesichts der Unwägbarkeiten – wie viel Mut zum Risiko darf man Israel in dieser Nachbarschaft abverlangen?
Es sind kleine Geschichten und Einzelfälle, bisher, darum wundert es mich nicht, daß die internationalen Medien sich nicht dafür interessieren, was israelische Soldaten und Sanitäter an der Grenze tun. In Jordanien und der Türkei und im Libanon sind so viele Flüchtlinge gelandet, auch über sie hört man wenig. Mir kommt die Geschichte groß vor, weil mein Secundus dabei ist. Aber auch wenn die Geschichte größer wäre, weiß ich nicht, wie die normalen deutschen Medien darüber überhaupt berichten können. Manchmal kommt es mir vor, als ob sie außerhalb des Palästina-Israel-Konflikts gar kein Interesse an Palästinensern oder Israelis hätten, und auch gar kein Vokabular. Was nicht ins Schema paßt, ins Narrativ, das bemerkt man vielleicht gar nicht.
Konsequenzen März 28, 2013, 20:25
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Die Armee hat die Konsequenzen aus den Vorfällen an der syrischen Grenze gezogen. In den letzten Wochen haben mehrmals verletzte syrische Kämpfer am Grenzzaun um Hilfe gebeten und sind in Israel behandelt worden.
Welche Konsequenz? Wollt ihr raten? Nach allem, was ihr aus den Medien über Israel hört, was wäre eine typisch israelische Konsequenz?
Ein Feldhospital natürlich.
In light of the steady increase in the number of wounded SyriansIsrael has been treating, the IDF has set up a “military field hospital” at army outpost 105 in the Golan Heights, AFP reported Thursday.
Israeli officials confirmed that the hospital was set up to treat injured Syrians near the border fence and avoid having to evacuate them to hospitals inside the country.
Oh, diese Unmenschen.
Steine März 27, 2013, 19:31
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Das kleine Mädchen, Adele Biton, das so schwer verletzt wurde bei einem Autounfall, der durch Steinwürfe auf das Auto ihrer Mutter ausgelöst wurde, schwebt nach wie vor in Lebensgefahr. An ihr Krankenbett kam auch der Rettungssanitäter, der Ersthilfe geleistet hat – ein Araber. Immer wieder erweist sich der medizinische Bereich als der menschlichste (nein, nicht Dr. Rantissi, aber sehr sehr viele andere). Wer helfen kann, hilft ohne Ansehen der Person. Vielleicht hat sein schnelles Eingreifen ihre Überlebenschancen verbessert.
Ich hoffe, daß die Kleine durchkommt. In die Eltern kann ich mich sehr gut reinversetzen, auch wenn die Umstände bei uns damals anders waren. Aber so hilflos danebenzustehen,wenn das Kind leidet und man es vielleicht verlieren könnte – das ist so ziemlich das Schlimmste, was man durchmachen kann.
Wunderschön März 27, 2013, 18:45
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In der FAZ – Bilder aus einer Glockengießerei in der Eifel, wo ich als Kind mal bei einer Klassenfahrt war, ich erinnere mich noch ganz genau. Dazu die Erläuterungen eines Glockengießers. Manche Arbeiten kann man eben nicht abkürzen, automatisieren, modernisieren. Höchstens daß der Kran die fertige Glocke aus der Grube hebt statt Menschenkraft, und daß der Ofen nicht mehr mit Kohle oder Holz beheizt wird. Aber die Arbeit tun Menschenhände.
Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich bei der Arbeit die Hände schmutzig machen, sich körperlich anstrengen und genau wissen, was sie tun, ob es Hebammen, Fliesenleger, Bergleute, Posamentierer oder Glockengießer sind. Manchmal scheint es so, als würde alle Welt nur noch im Büro arbeiten, alle sind Manager, alle tun ihre Arbeit vor Bildschirmen. Nein.
Die Bilder sind sehr schön, und ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir das Läuten der Glocken fehlt. Einmal bin ich an einem Sonntag an einer Kirche in Haifa vorbeigefahren, da bin ich aus dem Bus gestiegen, um dem Läuten zuzuhören.
Verwundete Syrer März 27, 2013, 16:04
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haben auch heute den Weg an den Grenzzaun gefunden, und sind wie zuvor eingelassen und behandelt worden. Zwei Leichtverwundete wurden von Sanis an Ort und Stelle behandelt, zwei Schwerverletze liegen in Nahariya im Krankenhaus. In Zfat liegt übrigens noch immer der Schwerverletzte von der ersten Aufnahme, in Intensivpflege. (Wer dafür zahlt? Keine Ahnung. Vermutlich der rassistischste Staat der Welt, der partout boykottiert werden muß. Ob Assad oder die Rebellengruppen einen Kassenwart für solche Ausgaben haben? Wohl kaum.)
Übrigens sind die verletzten Syrer Einwohner des syrischen Teils der Golanhöhen. Die Leichtverletzten werden sich bestimmt interessiert im israelischen Teil umsehen. Hoffentlich sind sie nicht so klug wie Eli Cohen.
PS: Ich habe gerade mit Secundus telefoniert. Er hat bestätigt, daß der Bericht bei Ynet korrekt ist. Und ja, er war einer der Sanis, die die Syrer behandelt haben. Bilder wird es nicht geben, aus Sorge um die Syrer und was ihnen zustoßen könnte, wenn sie zuhause in Syrien erkannt werden.
Mein tüchtiger Secundus.
Ich lese soeben, daß einer der Schwerverletzten gestorben ist. Jetzt wäre doch der richtige Moment für die europäischen Medien den Fall aufzugreifen – Schlagzeile: “Israel kidnappt schwerverletzte Syrer zwecks Organraub”.
Vor einem Jahr März 25, 2013, 13:15
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haben wir hier über die Beduinen auf dem Sinai diskutiert. Damals waren Raketen auf Eilat der Anlaß. Ich habe damals gesagt:
Im Sinai muß aufgeräumt werden, aber wir können das nicht machen. Das müssen die Ägypter anpacken. Sonst entsteht ihnen da ein beduinischer Freistaat, der nur von Menschen-, Waffen- und Drogenschmuggel lebt, von Unterstützung des Terrorismus jenseits der Grenzen, und in dem kein Gesetz herrscht.
In Camp David haben die Ägypter den Sinai von Israel zurückbekommen. Es wäre schön, wenn sie ihn so in Ordnung halten würden, daß Ägyptens Nachbarländer ihn nicht fürchten müssen. Vielleicht sollten die USA, die den Vertrag damals vermittelt haben, die Ägypter mal sanft daran erinnern, daß das ihre Verantwortung ist.
Die Kommentare sind leider ziemlich entgleist, und ich würde sie gern nachträglich etwas souveräner umfälschen
… aber heute fiel mir dieser Wortwechsel wieder ein.
Der Sinai, der Ägypten mit Israel verbindet, ist zum Ort des Martyriums für Tausende Migranten aus Subsahara-Afrika geworden. Sie kommen aus Eritrea, Somalia und dem Sudan und hoffen auf ein besseres Leben in Israel oder Europa. Unterwegs werden sie gekidnappt, festgehalten, gefoltert. Kriminelle Beduinen erpressen Lösegeld von den Familien der Geiseln in deren Heimatländern. Nicht selten quälen sie die Afrikaner bis zum Tod. Die Regierung in Kairo ignoriert die grausamen Verbrechen.
Es ist fast unerträglich, diesen Bericht zu lesen, so grausam sind die Verbrechen, die dort begangen werden, jenseits aller Rechtsstaatlichkeit. Israel warnt davor schon länger, und Israel nimmt auch Flüchtlinge auf. Der Artikel vergißt zu erwähnen, daß in Israel inzwischen Zehntausende Flüchtlinge leben, besonders in ohnehin schon sozial schwachen und armen Gegenden.
Wenn einer von ihnen ein Verbrechen begeht (was mit erschreckender Regelmäßigkeit geschieht, besonders Vergewaltigungen haben in letzter Zeit von sich reden gemacht), dann protestieren die Anwohner dagegen, werden aber mit dem Vorwurf des Rassismus abgespeist. Richtige Vorstellungen, was der Staat Israel tun soll, um diesen Menschen wirksam zu helfen und sie nicht nur einfach abzuschieben in das Elend, aus dem sie kamen, hat keiner, die Frage ist auch, ob Israel das kann, soll, ob es nicht nur weitere Hoffnunglose auf eine Odyssee lockt, die grauenhaft enden kann.
Kurz, wir haben dieses Problem vor der Haustür. Meine beiden Söhne waren bei Einsätzen dabei, um solche Flüchtlinge an der Grenze aufzupicken und zu retten, bevor sich von ägyptischen Soldaten erschossen werden konnten, und Secundus hat die Todesschreie eines Mannes gehört, der es nicht geschafft hat.
Vielleicht nimmt es ja jetzt auch mal jemand anders zur Kenntnis. Oder fragt sich mal, wie es kommt, daß Sudanesen und Eritreer, Moslems wohlgemerkt, ausgerechnet nach Israel fliehen wollen, in diesen brutalen Apartheids- und Polizeistaat. Und ob Israel wirklich moralisch so verkommen ist, wenn es Menschen aufnimmt, und sie nicht vor Lampedusa ertrinken läßt.
Es kann jedenfalls nicht so weitergehen. Und ich sage das ohne eine Spur von Rassismus.Falls ich das noch mal unterstreichen muß.
Wenn die Geschichte stimmt… März 24, 2013, 12:02
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… was man nicht ohne weiteres voraussetzen kann, dann ist klar, warum Ben Zygier im Gefängnis saß. Und auch, warum seine Festnahme auf gar keinen Fall durchsickern sollte, weil damit die Hisbollah weitere Schlußfolgerungen ziehen konnte.
Dann hatte er also den Verrat an zwei Libanesen auf dem Gewissen. Kein Wunder, daß er damit schwer fertig wurde. Ich beneide niemanden, der in die Hände der Hisbollah fällt, als Spion Israels.
Wie gesagt, ob es stimmt oder nicht, wissen wir nicht, und auch nicht, wie es genau passiert ist, was er sonst noch an die Hisbollah verraten hat, ob er es mit Absicht und aus welchen Gründen, oder aber aus Dummheit getan hat.
Augen auf den Golan März 24, 2013, 11:06
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Gestern das bereits erwähnte Feuer auf den Jeep, heute auf eine Patrouille zu Fuß. Diesmal hat Israel zurückgeschossen. Bei der Entscheidung zwischen ignorieren und reagieren balanciert man auf einer dünnen Linie. Wir wollen weder als ungefährliches Opfer oder Zielscheibe von Provokationen gesehen werden (kann man sich in dieser Nachbarschaft ohne Beißhemmung einfach nicht leisten), noch leichtsinnig eine Eskalation in Gang bringen. Ich muß mich darauf verlassen, daß die Menschen, die diese Entscheidungen fällen, wissen, was sie tun.
Interessant auch, ob weitere syrische Verwundete wieder aufgenommen würden, sollten sie sich in Grenznähe begeben und um Hilfe bitten. Bisher hat Israel das zweimal gemacht und die Verwundeten behandelt. Sollten sich die Zwischenfälle häufen, wird das vermutlich nicht mehr der Fall sein, allein schon aus Vorsicht.
Bisher hat es keine Verwundeten gegeben, weder bei den Syrern noch bei uns. Wenn chalila das erste Mal jemand bei einem Schußwechsel verletzt wird, wird es vermutlich kritisch.
Übrigens hat Israel eine Beschwerde bei der UNO eingereicht – korrekt, wenn auch vermutlich vollkommen nutzlos.
PS. Ich habe Secundus angerufen – er ist unterwegs auf die Golanhöhen, aber noch nicht angekommen. Irgendwie klingt das Wort “Golanhöhen” ganz anders als zu Primus´ Zeiten….
Und wieder ein syrisches Geschoß März 24, 2013, 7:52
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auf einen Jeep in den Golanhöhen. Zufall, Irrtum, Absicht? Keiner weiß es.
Eines aber ist mir klar: die ganze Show um den Mavi-Marmara-Zwischenfall, um Entschuldigung mit oder ohne Kniefall ist nur deswegen beendet worden, weil Syrien zunehmend unberechenbarer wird, und weil Israel und die Türkei einander doch brauchen. Netanayhu hat eine weitere vorsichtig formulierte Entschuldigung abgegeben, die gar nicht viel weiter geht als das bereits vorher geäußerte Bedauern über den Verlust von Menschenleben, Erdogan hat sie akzeptiert und seinerseits kein bißchen Bedauern darüber ausgedrückt, daß eine schon länger anhaltende Kampagne seinerseits gegen Israel mit einer Pseudo-Hilfsflotte ohne Hilfsgüter, rein zu Propagandazwecken gestartet und mit gewaltbereiten Demonstranten bestückt, kulminiert ist. Netanyahu nimmt den Gesichtsverlust in Kauf, um Obama einen Gefallen zu tun und um wieder halbwegs normal mit den Türken zusammenarbeiten zu können, besonders militärisch.
Erdogan haßt Israel wie eh und je, und er hat Israel einen Gefallen damit getan, diesen Haß so unverhüllt zu zeigen, in vielen umjubelten Reden. Falls jemand die Illusion einer wirklichen Freundschaft gehegt hatte, ist diese Illusion nun dahin, und so möge es allen Illusionen gehen. Aber eine Kooperation, die die Auswirkungen einer Implosion Syriens minimieren kann, ist für alle Seiten gut. Israel ist isoliert, und auch eine minimale, kühle, mißtrauische Kooperation ist besser als gar nichts.
Wer weiß, was als nächstes aus Syrien kommt.
Hamas nimmt Salafisten fest März 23, 2013, 13:17
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wegen der auf Sderot abgefeuerten Raketen. Das ist wahrlich eine Neuigkeit. Wenn die Hamas ihrer Regierungsverantwortung nachkommt und die Abmachung einhält, nach der Israel nicht mehr beschossen wird, dann wären das gute Neuigkeiten. Ein größerer Durchbruch als so manches, was als Durchbruch gefeiert wird. Wenn die Hamas pragmatisch würde und es sich nicht nur um eine leere Geste handelt – das wäre gut für alle Seiten, nicht zuletzt für die Menschen im Gazastreifen.
Die Ghetto-Arbeiter März 22, 2013, 4:16
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Ich habe schon ich weiß nicht wie oft alten Menschen geholfen, die seitenlangen Formulare auszufüllen, mit denen sie sich um eine Rente bewerben. Obwohl die meisten von ihnen Deutsch verstehen und manche Formulare zweisprachig sind, finden sie sie verwirrend. Dabei höre ich dann ihre Geschichten. Es sind ausnahmslos Menschen über 80, die für die Zeit, in der sie für die deutsche Wirtschaft gearbeitet haben, und das unter schwersten, unmenschlichen Bedingungen, eine Rente beantragen. Und sie meist nicht bekommen.
Ehrlich, ich schäme mich dafür. Ich bin froh, daß es im SPon endlich mal einen Artikel darüber gibt, aber mir graut schon wieder vor den Kommentaren. Ja, ja, die raffgierigen Juden, die hätten gern, was ihnen zusteht, und warten seit vielen Jahrzehnten darauf. Die redlichen Deutschen dagegen, die warten mit der Lösung, bis der letzte Überlebende den 120. Geburtstag feiert. Dann wird bestimmt eine großzügige Lösung gefunden, in deren Genuß leider keiner mehr kommt. Eine Moralpredigt kriegt Israel dann bestimmt noch gratis mit dazu.
Irrsinn März 21, 2013, 8:50
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Manche Leute kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Nach wie vor habe ich den Eindruck, daß Obama mehr Verständnis und Empathie für die Palästinenser hat als die meisten US-Präsidenten vor ihm, auch wenn das Thema in den Hintergrund geraten ist und er inzwischen aus was weiß ich für Gründen auch mehr Verständnis für Israel hat. Es ist ja durchaus menschenmöglich, beide Seite zu verstehen, und das ist sogar ein ganz guter Ansatz.
Aber warum, warum, warum müssen dann irgendwelche Idioten im Gazastreifen Qassam-Raketen auf Sderot schießen, während Obama in Jerusalem ist? Wie genau soll das den Palästinensern helfen? Reichen die Bilder nicht, auf denen Palästinenser auf Bilder von Obama treten, spucken, mit Autos fahren und mit Hakenkreuzen besprühen? Zum Glück ist niemand verletzt worden. Aber soll das Obama und Netanyahu dazu ermutigen, weitere Räumungen in Betracht zu ziehen? Wenn aus dem geräumten Gazastreifen Raketen auf Zivilisten fliegen?
Obama war als Senator in Sderot, hat Sderot im Wahlkampf erwähnt und er hat die “eiserne Kuppel” überhaupt erst möglich gemacht durch seine Unterstützung. Gestern hat er eine Batterie besucht (wie gestern erwähnt). Und heute zeigen ihm ein paar Verbrecher im Gazastreifen, wie nötig das war. Der reinste Irrsinn.
(Ob die deutschen Medien das aufgreifen werden? Man darf gespannt sein.)
PS: Die in den Kommentaren geäußerte Vermutung, daß es sich um vom Mossad abgerichtete Frettchen handelte, konnte nicht bestätigt werden. Eine Gruppe Mungos hingegen, die an das heiße mediterrane Klima besser angepaßt sind als Frettchen, wurde neulich bei einer Friedens-Demonstration gesichtet.



