Abbitte Mai 14, 2008, 22:29
Posted by Lila in Presseschau.6 comments
Nachdem die ZEIT uns letzthin geradezu durch ein Fantasialand intellektuell verhüllter oder offen geäußerter Israel-Feindlichkeit geschickt hat (unbestrittener “Höhe”punkt der unsägliche Ilan Pappe, naiv Geffen, klug und nicht feindselig Sarid, ermüdend Zuckerman… ), dachte ich heute bei der Lektüre von Judith Butlers unappetitlich selbstgerechtem Stücklein schon, was ich nur ganz selten denke: “verdammte arrogante Intellektuelle, verdammter akademischer Elfenbeinturm, verdammter kritisch verblümter jüdischer Selbsthaß!!!” und schloß mit meinem Milieu ab, voll Ingrimm.
Doch ein verdammt arroganter Intellektueller hat sich auf die Seiten der ZEIT verirrt wie ein Stachelschwein ins Fantasialand. Dan Shueftan sagt´s, wie´s ist. Es ist nicht schön, es ist nicht angenehm, es ist nicht hoffnungsfroh, es ist nicht bunt und postmodern und ein echter Israel-Kritiker wird es nur mit Schaudern lesen. Ich denke, schon bald wird sich die Leserbriefseite mit dem bekannten Geifer füllen, vor allem, da ja Pappe, Butler und andere schöne neue Vokabeln im Kampf gegen das expansionistische Apartheidsregime namens Israel geliefert haben.
Dan Shueftan weiß, wovon er spricht. Er unterrichtet arabische Studenten, die wild mit ihm diskutieren und aus unerfindlichen Gründen sehr gern in seine Kurse kommen. (Was sehr für sie spricht! und auch für Dan). Er kanzelt deutsche Journalisten ab, bis sie ihm gern eine runterhauen würden (verständlich, ich laß mich auch ungern so unverhohlen belehren). Sein direkter Vorgesetzter ist Araber (was für die Uni spricht). Aber seine Darstellung Israels entspricht meiner Erfahrung.
Menschen, die mehr oder weniger knapp Verfolgung und Tod entronnen sind und sich nicht etwa einen starken Führer unterworfen haben, sondern sich vertrackt labile, demokratische Regierungen gewählt haben. Menschen, die sich langsam damit abfinden, daß trotz aller Besessenheit mit Frieden dieser eine Schimäre ist, die außer uns niemand in der Region wünscht oder anstrebt. (Jedes kleine Kind antwortet hier auf die Frage, was es sich am meisten wünscht, SHALOM). Israelis sind keine blutrünstigen, “systematisch tötenden” Menschen.
Ich bin nicht so hart wie Dan Shueftan (Shiftan), ich finde die Aussicht, noch generationenlang wie in einer belagerten Zitadelle auszuharren, ohne offene Grenzen, ohne Einkaufen im Nachbarland, ohne Autos mit fremden Kennzeichen auf unseren Straßen… einfach nur beklemmend und traurig. Aber es kann gut sein, daß er Recht hat, und daß der Tagesordnungspunkt “Vernichtung Israels” in absehbarer Zeit nicht von der arabischen Welt abgehakt wird. Im Gegenteil, es könnte noch schlimmer kommen, melach maim und gute Gesundheit für Mubarak!
Wenn Ihr mich fragt, in welchem Text ich Israel wiedererkenne, das Land, in dem ich nun seit 20 Jahren lebe, bei Ilan Pappe oder Judith Butler oder Yossi Sarid oder Dan Shiftan, würde ich sagen: eindeutig bei letzteren. Allen beiden. Israelis sagen viel eher achselzuckend “ein breira”, wir haben keine Wahl, als “denen zeigen wirs”. (Übrigens war die Frau, die Butler interviewt hat, mit recht guten Fragen gerüstet.)
Also, ich leiste der ZEIT Abbitte. Dan sticht Ilan.
Nachrichtengucken mit Quarta Mai 14, 2008, 6:21
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute, Presseschau.4 comments
Ich stelle die Morgennachrichten nur an, wenn ich unruhig bin, und heute war so ein Tag. Während ich Quarta Zöpfe mache, jeden Tag auf Bestellung, sehen wir die Morgennachrichten um sieben.
Sie eröffnen mit Olmerts neuem Skandal (ha-parasha ha-chadasha shel Olmert), berichten über die neusten Ermittlungen. Dann geht es zu Peres´ großer Party (Vorsicht, der Link tröötet), wo Olmert eine Rede hält und was von den Palästinensern tönt und was er alles erreicht hat und erreichen wird. Quarta schnappt nach Luft. “Mama, der ist aber frech!”, und dann gedankenvoll, “ich glaube, das ist der schlechteste Premierminister, den wir je hatten”.
In den internationalen Items erscheint Hillary Clinton in einem schreienden lachsrosa Jacket und flirtet mit den Wählern West-Virginias, die ihr soeben einen bedeutungslosen Sieg serviert haben. Quartas Kommentar: “die wird nicht Präsidentin, die macht ja viel zu viele Witze”. Sie mag es nicht, wenn Erwachsene Späße machen, außer ihrem Papa.
Es ist wirklich ein Vergnügen, mit ihr Nachrichten zu gucken, sie hat zu allem was zu sagen. Leider kann ich mir nicht alles merken. Dann nimmt sie ihren Ranzen und zischt ab.
Späte Einsicht Mai 13, 2008, 17:24
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.add a comment
Ich weiß, daß die Christen im Libanon einen schweren Stand haben und aus Angst oft nicht sagen können, was sie denken. Nicht umsonst haben wir ja hier eine kleine Gemeinde maronitischer Christen, die aus dem Libanon nach Israel geflohen sind.
Aber trotzdem muß ich heftig schlucken, wenn ich diese Sätze im Interview des SPon mit Nayla Mouawad, einer libanesischen Politikerin, lese.
SPIEGEL ONLINE: Offiziell drehte sich der Streit um das militärische Kommunikationssystem der Miliz. Hat dieses Telefonnetz, das der Hisbollah im Kampf gegen Israel dienen soll, den Staat bedroht?
Moawad: Anfangs war es tatsächlich ein Telefonnetz für den libanesischen Widerstand gegen Israel; es verband den Südlibanon mit Beirut.
Wofür bitte war das Telefonnetz gut, nachdem sich Israel im Jahr 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen hatte? Hat sie sich das mal gefragt? Oder reicht es zu sagen, “das dient dem Widerstand gegen den zionistischen Feind”, und schon ist alles paletti?
SPIEGEL ONLINE: Bisher hat die Regierung den Widerstand der Hisbollah gegen Israel doch offiziell unterstützt.
Moawad: Auf den Widerstand der Hisbollah gegen Israel waren alle Libanesen stolz. Jetzt aber ist die Maske der Hisbollah gefallen. Sie ist nur noch eine gewöhnliche Miliz: Denn sie setzt die Waffen, mit denen sie den Israelis entgegentreten soll, gegen libanesische Bürger ein.
Ja, sehr stolz wart ihr auf den wunderbaren Widerstand der Hisbollah gegen den südlichen Nachbarn. Ihr habt sie nicht davon abgehalten, unsere Dörfer zu beschießen, auf unser Staatsgebiet zu kommen und unsere Soldaten zu töten oder zu kidnappen. Ihr habt schön stillgehalten, weil ihr dachtet, die Hisbollah macht für euch die dreckige Arbeit. So groß ist der Haß gegen Israel. Schon mal das Märchen vom Geist in der Flasche gelesen?
SPIEGEL ONLINE: Will die Hisbollah einen neuen libanesischen Bürgerkrieg?
Moawad: Das ist kein Kampf zwischen den Religionsgruppen. Es ist ein versuchter Staatsstreich gegen die demokratische, pluralistische und freiheitliche Struktur des Landes. Die Hisbollah will dem Libanon ihre Ideologie aufzwingen. Eine extremistische, theokratische Ideologie, die aus Iran stammt und später vom Libanon aus der gesamten arabischen Welt aufgezwungen werden soll.
Zu sowas sagen wir, boker tov Efraim, guten Morgen, Ephraim. Gut geschlafen? Wir haben mit allen Mitteln während des Kriegs versucht, Kontakt zu Libanesen zu bekommen, die nicht in einer Linie mit der Hisbollah leigen. Wir haben gebloggt, Artikel geschrieben, es gab Sendungen mit Liveschaltungen im Fernsehen, Gillerman hat die libanesische Regierung in bewegten Worten beschworen, sich nicht von Hisbollah instrumentalisieren zu lassen.
Es hat nichts geholfen. Richtig, es gibt auch immer wieder in libanesischen Blogs klarsichtige Stimmen, hier zum Beispiel, anläßliche eines Manövers unserer Armee im Norden.
Resigned Foreign Minister Fawzi Salloukh said Sunday Israel’s major missile attack drill was in violation of international law.
“Any maneuver along the border of any country is tantamount to war against that country,” Salloukh told reporters in south Lebanon.
Was this Mr. Salloukh’s position in the summer of 2006? I wonder.
I wonder how long we have to hate them (the guys to the south. the guys to the east. the guys in the next neighborhood that dress a bit differently than us). I wonder how long it will take for us to grow up. I wonder when we’ll start bringing back politicians that care about the public good a bit more than their secret (and not so secret) agendas.
I wonder when we’ll stop giving a shit when another country does something that has absolutely no effect on life in Tripoli, Beirut, Sidon, Tyre and the border villages.
I wonder when guns will belong only to an army. So that they too can flex their muscles at the border. And Mr. Salloukh, and many like him, will change their stances and think that it is their absolute right to defend themselves. Because they are the strong ones who declare when war is war isn’t war.
Aber die libanesische Regierung, die offiziellen Medien haben sich im Sommer 2006 mit der Hisbollah identifiziert. Der Haß auf Israel ist zu groß.
Am Ende wird man uns noch den Schwarzen Peter zuschieben, daß wir die Hisbollah nicht vernichtend besiegt haben (obwohl man weiß Gott nicht sagen kann, die Hisbollah hätte gewonnen - und wenn sie sich hundertmal prahlerisch zum Sieger ausruft, die Hisbollah hat schwere Verluste erlitten und sich ohne die Hilfe der UNIFIL nicht so schnell wiederbewaffnen können). Wir haben nicht mit voller Kraft zugeschlagen, aus Rücksicht auf dieselben Zivilisten, die jetzt von der Hisbollah tyrannisiert werden und vor ihr schlottern. Denn die Hisbollah ist nicht so nett, mit Flugblättern zu warnen, bevor sie in Wohngegenden kämpft.
Schämen sich manche Libanesen, manche hitzköpfigen deutschen Parteigänger der Hisbollah heute nicht ein bißchen?
Zum Beispiel die Leserin, die mir diesen Kommentar hinterließ:
Ich verstehe inzwischen den Hass auf Israel - so leid es mir tut. Die Führung Israels tut aber auch alles, um ihn zu schüren. Immer schon. Man macht immer wieder die gleichen Fehler, ignoriert die verheerenden Folgen für sich selbst, die man in die Köpfe der Attakierten - ja, der gesamten arabischen Welt - pflanzt, kennt nur Gewalt als Konfliktlösung, sperrt sich arrogant gegen Gespräche und Diplomatie - mit der Begründung, man rede nicht mit Terroristen. Dabei ist Israel in der Region - bewaffnet bis an die Zähne und allzeit bereit zu Gewalt, zum Töten, zum Unterdrücken, Ab- und Ausgrenzen und Beherrschen, dort der größte Terrorist!
Vermutlich hat sie bis heute nicht kapiert, wieso Israel gegen die Hisbollah reagieren mußte. Daß es im Falle eines casus belli nicht gut tut, den Stellvertreter des größten Bully der Nachbarschaft zu beschwichtigen. Wie wir es viel zu oft getan haben. Als ob die Hisbollah mit uns würde reden wollen! Als ob es an Israels Arroganz läge!
Ich erinnere mich an manchen Eintrag mitten im Krieg, an die Berichterstattung in Deutschland, die so sicher war, wer der Aggressor ist, wer das arme Opfer. So sicher wie meine Kommentatorin.
Aber zurück in die Gegenwart - der Clou ist, daß diese libanensische Politikerin sich nun beklagt.
SPIEGEL ONLINE: Wenn Iran tatsächlich versuchen würde, dem westlich orientierten Libanon seinen Willen aufzuzwingen, müsste der Westen Ihnen doch zu Hilfe kommen?
Moawad: Die internationale Gemeinschaft hat diesen Staatsstreich mit betont lautem Schweigen kommentiert. Das ist erschreckend, denn der Libanon ist als Geisel genommen worden. Wir sind enttäuscht von den Europäern.
Ihr seid enttäuscht von den Europäern? Ihr habt in Europa die Geschichte so dargestellt, daß Israel der Bösewicht ist, der gestoppt werden muß, und schluchzt nun, daß die Hisbollah daraus Gewinn schlägt? Leutchen, wir wollten Euch helfen, habt ihr das damals nicht kapiert?
Auf die Arabische Liga ist sie natürlich nicht sauer, obwohl die gerade beschlossen hat, die Hisbollah nicht zu verurteilen.
The Arab League eventually decided that it would try to mediate between the rival factions in Lebanon but did not condemn Hizbullah.
Vielleicht weiß Moawad ja, daß Schuldkomplex-Spielchen auf die Arabische Liga keinen großen Eindruck machen.
SPIEGEL ONLINE: Was fordern Sie?
Moawad: Wir wollen endlich härtere Sanktionen gegen Syrien, den zweiten Hintermann der Hisbollah. Ohne Syrien könnte Iran niemals solche Mengen an Waffen an die Hisbollah liefern. Ohne Syriens Logistik hätte die Hisbollah nie zum Staat im Staat werden können.
Schöner und schöner! Mädel, das sagen wir seit JAHREN. In Deutschland heißt es dann, daß Israel die USA an der Nase führt wie einen Bullen zur Kuh, und daß die Syrer ebenso schuldlos sind wie Saddam Hussein - es ist wirklich genug, einen an der Welt verzweifeln zu lassen!
Ich frage mich ja schon im Stillen, ob Ulrike Putz oder wie sie heißt, die das Interview geführt hat, sich mal die Parallelen zu den Helden imt den Qassamraketen im Gazastreifen überlegt hat. Auch die nehmen eine Bevölkerung als Geisel - als willige Geisel, aber doch als Geisel und kamerawirksames Menschenopfer. Vielleicht geht sie mal in sich und fragt sich, ob Israel der Menschheit nicht einen Gefallen tut, wenn wir als einzige gegen diese Sorte “Freiheitskämpfer” und “Widerständler” vorgehen.
Und jetzt? We geht es weiter im Libanoni? Jetzt ist es zu spät. Jetzt kann sich die libanesische Politikerin mal fragen, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, mit uns gemeinsam gegen die Hisbollah zu kämpfen. Dann wäre sie nämlich nie so stark geworden.
Es ist doch überall dasselbe Elend. Ehrlich, zum Kotzen. Einfach nur zum Kotzen.
Weitere Links, ungeordnet Mai 11, 2008, 22:33
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.3 comments
Alles Sachen, die mir letzthin ins Auge gefallen sind.
Mona Charen (via Israel Matzav) über die Flüchtlingsfrage. Ein interessanter Artikel über den großen Unterschied zwischen den historischen Tatsachen und der Verleumdung, die die Erinnerung an dei Tatsachen leider längst verdrängt hat.
Even now, even after triumphing over so much adversity in its all-too-eventful first 60 years, Israel is not considered a normal country. The campaign of deligitimization launched by its enemies has succeeded to a tremendous degree in persuading ordinary people that Israel was conceived in sin. That sin was the dispossession of the Palestinians, the rightful inhabitants of the land now called Israel. Second only to the claim that Iran seeks nuclear power for peaceful purposes, this is the most sinister lie in circulation.
Ebenfalls bei Israel Matzav habe ich einen Link zu einem Artikel gefunden, der der Entstehung und Verwendung des Begriffs Naqba nachgeht. Vielleicht für fortgeschrittene Nahost-Freaks… aber für die dann wirklich aufschlußreich.
The term was not invented in 1948 but rather in 1920. And it was coined not because of Palestinians suddenly getting nationalistic but because Arabs living in Palestine regarded themselves as Syrian and were enraged at being cut off from their Syrian homeland.
The bulk of the Palestinian Arabs had in fact migrated to Palestine from Syria and Lebanon during the previous two generations, largely to benefit from the improving conditions and job opportunities afforded by Zionist immigration and capital flowing into the area. In 1920, both sets of Syrian Arabs, those in Syria and those in Palestine, rioted violently and murderously.
Before World War I, the entire Levant – including what is now Israel, the “occupied territories,” Jordan, Lebanon and Syria – was comprised of Ottoman Turkish colonies. When Allied forces drove the Turks out of the Levant, the two main powers, Britain and France, divided the spoils between them. Britain got Palestine, including what is now Jordan, while France got Lebanon and Syria.
The problem was that the Palestinian Arabs saw themselves as Syrians and were seen as such by other Syrians. The Palestinian Arabs were enraged that an artificial barrier was being erected within their Syrian homeland by the infidel colonial powers – one that would divide northern Syrian Arabs from southern Syrian Arabs, the latter being those who were later misnamed “Palestinians.”
Interessante und weithin unbekannte Aspekte der Geschichte des kleinen Stückchens Land, um das sich alle balgen, und seiner Einwohner.
Obwohl es sich beim Begriff Naqba und den des palästinensischen Volks um erst in den letzten Jahrzehnten entstandene Gebilde handelt, würde ich den Palästinensern das Recht auf einen eigenen Staat nicht absprechen. So neu dieses Konstrukt auch ist, es existiert: das Gefühl der Palästinenser, eine ethnische Einheit zu sein und ein gemeinsames Schicksal zu haben. So entsteht eine Nation.
Ich wünsche den Palästinensern aber wirklich, daß sie diesen Begriff einer Nation mit Inhalt füllen, AUSSER der Feindschaft zu Israel, Kampf, Blut und Leid. Eine nationale Identität besteht aus vielen Teilchen, aus Kunst, Literatur, Tradition, allen möglichen kleinen, intimen Kennzeichen, an denen sich die Menschen erkennen. Bei allen kulturellen Erzeugnissen palästinensischer Araber, die mir gerade einfallen, geht es um den Feind, um den Kampf. Immer spukt irgendwo der Schatten Israels herum.
Und das halte ich für ungesund. Als würde sich ein Mensch sein Leben lang nur über die Gegnerschaft zu seinem Feind definieren und nie irgendwelche Interessen entwickeln, die mit dieser Feindschaft nichts zu tun haben. Vielleicht gibt es ja in ein paar Jahrzehnten kritische Historiker an palästinensischen Universitäten, die die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs Naqba und ihren Gebrauch erforschen?
Bei Shrink Wrapped habe ich einen Link zu einem Artikel gefunden, der zwei Staaten vergleicht, die aus dem britischen Reich geschnitzt wurden:
Two religiously-identified new states emerged from the shards of the British empire in the aftermath of World War II. Israel, of course, was one; the other was Pakistan.
They make an interesting, if infrequently-compared pair. Pakistan’s experience with widespread poverty, near-constant internal turmoil, and external tensions, culminating in its current status as near-rogue state, suggests the perils that Israel avoided, with its stable, liberal political culture, dynamic economy, cutting-edge high-tech sector, lively culture, and impressive social cohesion.
Natürlich ist der Vergleich zwischen Pakistan und Israel heute etwas unfair und der Abstand sehr groß. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, daß das was zu vergleichen wäre. Aber so abstrus ist das eigentlich gar nicht. Ich weiß einfach nicht genug über die Hintergründe der Entstehung Pakistans. Man lernt nie aus. Hier ist der Link zum Vergleich.
Ich stimme ihm zu, wenn er den Konflitk zwischen Israel und den Palästinensern einordnet:
The Middle East’s deep and wide political sickness points to the error of seeing the Arab-Israeli conflict as the motor force behind its problems. More sensible is to see Israel’s plight as the result of the region’s toxic politics. Blaming the Middle East’s autocracy, radicalism, and violence on Israel is like blaming the diligent school child for the gangs. Conversely, resolving the Arab-Israeli conflict means only solving that conflict, not fixing the region.
Der Irrglaube, daß die Gründung des Staats Israel oder irgendeine Handlung Israels den gesamten Nahen Osten ins Unglück stürzt, und man nur diesen Fehler rückgängig machen müßte, um weltweiten Frieden zu stiften - der ist weitverbreitet, aber er hat mich immer schon gewundert. Wenn nur alles so einfach wäre!
Im Libanon zum Beispiel spielt sich ein Kampf ab, mit dem wir nichts zu tun haben. Ebensowenig wie mit den Konflikten in Ägypten oder anderen arabischen Ländern, wo sich westlich-weltlich orientierte Regierungen oder Oberschichten gegen den Islamismus zur Wehr setzen. Die einzige Verbindung zu Israel ist die brutale Instrumentalisierung unserer Existenz, um die feindlichen Lager oberflächlich zu vereinigen, und am besten dann gemeinsam gegen Israel vorgehen. Wir können immer in solche Konflikte reingezogen werden, auch wenn wir nicht im geringsten daran interessiert sind.
Der Gazastreifen ist ein weiteres Beispiel, so gern wir die Hamas los wären, sie hört einfach nicht auf mit ihrer obsessiven Raketenschießerei… und er zeigt auch, wie schwierig solche Lagen sind. Egal was wir tun und wie wir reagieren - es gibt keine gleichzeitig moralisch vertretbare und wirksame Reaktion. Man setzt in jedem Fall Menschenleben aufs Spiel. Unsere oder die der anderen Seite oder beide.
Albtraum Mai 9, 2008, 4:42
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.12 comments
Ich bin zu früh aufgewacht, ein Wolkenbruch mit Donner und Blitz hat mich aus einem Albtraum erlöst. Darin spielten eine riesige Spinne, die mir zu Heilzwecken ins Gesicht gesetzt wurde (sie sollte mich an-atmen, huh), und irgendwie auch Olmert, eine Rolle. Muß ich betonen, daß die Spinne im Vergleich ungeheuer sympathisch wirkte?
Ich bin gestern nacht noch wachgeblieben, bis die Sperre für die Medien aufgehoben war, obwohl dann natürlich nichts gesagt wurde, was ich nicht schon vorher aus Blogs wußte. Olmert hat als Bürgermeister von Jersualem seine Taschen großzügig polstern lassen. Pech, daß er seinen politischen Kurs so geändert hat, daß dieselben Leute, die ihn damals mit Geld überschüttet haben, nun stinksauer auf ihn sind und ohne Scheu gegen ihn aussagen. Noch weiß man nicht, wo die Gelder hingegangen sind, Olmert selbst meint natürlich, er hat NIE einen Shekel für sich verwendet. Sollen wir auf sein Ehrenwort warten? (Einzelheiten hier und hier.)
Interessant an dem Spektakel waren also weniger die Informationen, die nun ausgebreitet werden konnten. Sondern mehr die Erleichterung der Journalisten, die schon seit Tagen wortreich bedauerten und beklagten, daß sie uns nicht alles sagen konnten, was sie wußten. Sivan Rahav-Meir war vielleicht am schlimmsten dran. Sie hatte den Hauptzeugen bereits exklusiv interviewt, konnte aber nur ein verschwommenes Bild zeigen, in dem er ein frohes Fest wünschte, und sagen, daß er ein charmanter älterer Herr ist. Ach, wie sie durchatmete und loslegte, als Sperre fiel!
Ähnlich Ayala Hasson auf Kanal 1. Das war lustig. Nicht lustig genug, ich bin auf der Couch eingeschlafen und habe Olmerts Ansage glatt verpennt.
Dann der Albtraum und nun die Artikel im Internet. Der Mann ist doch tatsächlich nicht zurückgetreten! Was haben unsere Politiker nur am Hosenboden, daß sie so verflixt an ihren Stühlen festkleben? Wir haben aber auch Pech. Katsav, der Präsident mit den Büro-Angewohnheiten, die beim Nachrichtenhören Bürger zum Erröten bringen - da muß man Kinder aus dem Wohnzimmer schicken, wenn berichtet wird, wie es im Büro des Ex-Präsidenten (jedes Wortspiel verkneife ich mir) zuging.
Jede Menge Knesset-Abgeordnete, besonders aber nicht nur von der Shas-Partei, die korrupt sind, daß es zum Himmel stinkt, aber mit unschuldigem Augenaufschlag meinen, sie sind sich keiner Schuld bewußt. Natürlich nicht, dafür brauchten sie ja ein Gewissen!
Und Olmert - man verliert schon die Übersicht bei seinen Skandalen. Das kann kein Zufall sein, der Mann mag sich noch so vehement als verfolgte Unschuld ausgeben.
Ich weiß auch nicht, wieso die Politik so zwielichtige Biedermänner anzieht. Wir brauchen dringendst eine Regierung, auf die man sich in jeder Hinsicht verlassen kann. Ob es um Verhandlungen oder Verteidigung geht, wir leben nicht gerade in einem ruhigen Eckchen der Welt.
Peres macht als Präsident eine gute Figur, ich glaube, auch seine Kritiker müssen zugeben, daß er seinen Posten mit Würde und Intelligenz und Ehrlichkeit füllt. Wäre er schon anno wannwars in den Posten gewählt worden, statt dank Kungelei Katsav draufzuschieben, wäre uns viel erspart geblieben. Ich bezweifle, daß ein ähnlich kompetenter Ersatz für Grotten-Olmert gefunden wird.
Sehr deprimierend. Ein Albtraum wirkt dagegen geradezu eskapistisch.
Kleine Geschichte März 23, 2008, 20:30
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.6 comments
aus den Nachrichten. (Für mehr reicht es im Moment nicht, tut mir leid, aber ich habe einfach zu viel zu tun, so unglaubhaft das auch klingt!)
Ein kleines Mädchen, nur anderthalb Jahre alt, starb überraschend. Ihre Eltern (religiöse Juden aus der Siedlung Tekoa) gaben die Erlaubnis, ihre Organe zu zu entnehmen und in den Körper kranker Kinder zu verpflanzen. Vier Kinder wurden dadurch gerettet. Solche Geschichten werden regelmäßig in den Nachrichten erwähnt, weil in Israel die Willigkeit, Organe zu spenden, relativ gering ist - die jüdische Halacha verlangt die Beerdigung des unverletzten Körpers. Das ist auch der Grund dafür, daß Juden normalerweise Brand- und Seebestattung ablehnen, daß nach Anschlägen versucht wird, möglichst alle Leichenteile einzusammeln und zuzuordnen, und daß das grausame, grablose Ende der Opfer der Shoah besonders schmerzlich empfunden wird. Oh, das kam jetzt ein bißchen makaberer raus, als es gemeint war. Aber die Medien bemühen sich, die positiven Seiten der Organspende, das gerettete Leben, zu zeigen.
So auch heute im Fall der Kleinen, deren Tod vier anderen Kindern neues Leben schenkte. Die Begegnung des Großvaters, Jude mit Bart und Kipa, mit den Vätern der vier Kinder. Was können sie einander sagen? Die Tragödie des einen ist die Rettung der andren, und da die anderen sich selbst der Katastrophe so nahe sahen, können sie sich nicht einfach freuen. Einer der Väter ist Araber, sein Sohn wird hoffentlich nun gesund werden. Die Männer stehen bewegt und wortlos herum, bis die Kamera sie in Ruhe läßt.
Dabei fällt mir auf, wie oft ich solche Bilder schon gesehen habe, auch umgekehrt - arabische Angehörige, die einer Organspende zustimmten und jüdisches Leben damit retteten. Vielleicht bin ich sentimental, daß ich aus solchen menschlichen Geschichten immer wieder kleine Hoffnungsstrahlen lese. Manche Bereiche, darunter der medizinische, scheinen von dem Irrsinn, der die Welt besetzt und die Menschen vergiftet, frei zu sein. Die herzkranken Kinder aus arabischen Ländern, die von einer jüdischen Organisation nach Israel gebracht werden, um hier operiert zu werden. Die israelischen Ärzte, arabische und jüdische, die sich für die medizinische Versorgung des Gazastreifens einsetzen, hüben wie drüben.
Ich kann den Glauben nicht aufgeben, daß in uns Menschen ein unverletzlicher Kern existiert, und daß einer den Kern des anderen erkennen und anerkennen kann. Ich glaube auch, daß dieser Kern nicht von außen zerstört werden kann, sondern nur von innen: dadurch, daß ein Mensch sich dem Haß und der Todeswut verschreibt und den Kern in sich vernichtet. In krisenhaften Momenten, wenn es um Menschenleben geht, besonders junges Menschenleben, das einem anvertraut ist - da erkennt man diesen Kern der Menschlichkeit. Und ist für einen Moment wieder voller Hoffnung für dieses verkorkste Geschlecht, dem wir angehören dieses menschliche, unmenschliche.
So schnell geht das März 12, 2008, 12:30
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.21 comments
Outside the asylum hat mich angepingt, und gleichzeitig einen Artikel aus dem Kölner Stadtanzeiger verlinkt, den ich niemandem vorenthalten möchte. Es geht darum um den letzten und den nächsten Krieg, und daß es eigentlich derselbe ist.
Ich weiß nicht, wie nah der richtig große Schlagabtausch ist, wann Assad aus der Deckung kriecht und wann Achmedinijad seine Drohungen in die Tat umzusetzen gedenkt - ich habe nach wie vor das Gefühl, es wird noch eine Weile dauern. Der Zweite Libanonkrieg ist ja schon bald zwei Jahre um. Alle paar Jahre kracht es hier, es kann also noch weitere zwei, drei Jahre so weiterlaufen.
Aber ganz stark hat sich bei mir das Gefühl verstärkt, daß der Krieg schon läuft. Normalerweise unterdrückt man das, ich weiß zwar, daß der Krieg, der 48 ausgebrochen ist, nie ganz beendet, sondern immer irgendwo wieder aufgenommen wurde. Wie eine langsame Handarbeiterin, die ihr Werk irgendwann beenden wird, es manchmal in den Schoß sinken läßt, um zu planen oder den Plan zu ändern, dann ein paar kleine Fädchen vernäht, dann wieder mit großem Schwung ans Werk geht - so zieht sich dieser Krieg hin, aber oft fühlen wir es nicht.
Es ist doch seltsam, ich lebe relativ abgeschieden in meiner glücklichen kleinen Luftblase, dem Kibbuz, der Beschäftigung mit Kunst und Kunstgeschichte und Erziehung, mit meiner Familie und den kleinen Ärgernissen des Alltags. Ich spreche mit niemandem über die Lage und sehe zwar von Zeit zu Zeit Nachrichten, beschränke aber meinen Medienkonsum, weil ich sonst verrückt würde, nur aufs Blognotwendigste. Und doch erfüllt mich im Moment wieder das dräuende Gefühl, das ich nach dem Krieg so stark hatte.
Ist das die Osmose der Bedrohung, der sich niemand hier wirklich entziehen kann, und die man unterschwellig mitbekommt? Ich spreche vor den Kindern nicht davon, und doch fragte mich Quarta heute früh beim Zöpfemachen (immer eine schöne Gelgenheit zum Gespräch) richtiggehend aus. “Mama, sind die Amerikaner unsere Freunde?” “Ja, das sind sie” “Und die Franzosen? und die Deutschen? und die Engländer? Mama, was ist eigentlich der Unterschied zwischen den Engländern und Amerikanern? ich verwechsel die immer…. Aber Mama, wenn der Krieg kommt und uns jemand angreift, helfen uns die Deutschen dann? Mama, haben wir Freunde? wer ist auf unserer Seite?”
Natürlich sind ihre Fragen von der Vorstellungswelt des dritten Schuljahrs bestimmt - wenn Lior Noah haut, wer hilft ihr dann? Wer ist auf ihrer Seite? Sie hat die Kinderausdrücke benutzt. Aber es hat mich schwer erschüttert, daß sie so darüber redet, als wäre “der Krieg” etwas, das sie erwartet, auf das sie sich vorbereitet. Keine Ahnung, ob die Trübsinns-Osmose auch durch ihre Membrane stattfindet oder ob das Fragen der Selbst-Versicherung sind, die jedes Kind stellt.
Natürlich habe ich gesagt, daß ich sehr hoffe, es gibt gar keinen Krieg, weil man sich mit Worten doch immer viel besser verständigen kann, und Erwachsene das eigentlich wissen. Und daß ich mir sicher bin, wenn wir einmal Hilfe brauchen, werden uns weder Amerikaner noch Europäer im Stich lassen (bei der Gelegenheit habe ich ihr auch kurz den Unterschied zwischen Engländern und Amerikanern erklärt - sie lernt Englisch, und das verwirrt sie wohl). Und außerdem sorgen Mama und Papa dafür, daß ihr nichts passiert, auch wenn ein Krieg kommt.
Ist es nicht merkwürdig, wie wir Erwachsene eigentlich Kinder benutzen, um uns selbst der Ordnung der Dinge zu versichern? Wie wir nach einem Trauerfall uns selbst dadurch trösten, daß wir den Kindern eine hoffnungsfrohe Version des Todes erzählen, so beruhige ich mich selbst dadurch, daß ich Quartas Fragen beantworte. (Sie fragte übrigens nicht ängstlich, sondern neugierig-interessiert).
Ja, und hier ist der Artikel, der meiner unbestimmten inneren Beklommenheit konkrete Worte leiht.
Die UN-Friedenstruppe hat zwar formal die Vormachtstellung der Hisbollah beendet. Aber entwaffnet oder gar entmachtet ist die Schiitenmiliz nicht. Im Gegenteil: Die pro-syrischen Kräfte leisteten in den vergangenen Monaten ganze Arbeit. Mit Attentaten wurde das pro-westliche Lager, das vernünftige Beziehungen zu Israel garantieren sollte, geschwächt.
Ja, die Attentate - sie waren nicht nur innerlibanesische oder libanesisch-syrische Explosionen, sondern müssen immer in Hinsicht auf die Zukunft gelesen werden.
Vor allem aber geht der Waffenschmuggel weiter, einer UN-Truppe zum Trotz, die dafür eingerichtet wurde, den Schmuggel zu unterbinden. Das beklagen nicht nur die Israelis - auch der UN-Sicherheitsrat hat dieses Problem mehrfach benannt. Ohne Folgen.
Ja, das muß man leider so sagen. Dieses Kind ist in den Brunnen gefallen, und wir wissen, daß Nasrallah die Waffen, die er hat, auch einsetzt.
Dabei denke ich immer an einen fernen, fernen Tag. Vor vielen Jahren saß ich mal mit Y. und ein paar Freunden zusammen, ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Die Rede kam auf die Hisbollah und ihre Pläne. Und Y. sagte, “die Hisbollah bewaffnet sich nicht zum Spaß, sie will und wird diese Waffen auch gegen uns einsetzen”. Und sie diskutierten die Reichweiten und so. Ich dachte mir damals, das kann nicht sein, das gibt es nicht. Ich war noch von Deutschland geprägt, von den enormen Waffenlagern, die nie zum Einsatz kommen, sondern nur dazu dienen, die einen reich und die anderen beschäftigt zu halten.
Ob Y. sich noch an dieses Gespräch erinnert? Er war natürlich davon geprägt, daß praktisch seine ganze Jugend hindurch aus dem Libanon auf Nordisrael geschossen wurde. Auch ich weiß heute, daß es auch Leute gibt, die Waffen nicht nur zum Horten oder Geschäftemachen kaufen oder herstellen, sondern sie tatsächlich auch einsetzen. Und zwar gegen jemand ganz Bestimmtes. Leider sind das allzuoft - wir.
Auch wenn ein Teil der Verlautbarungen von Hisbollah-Funktionären über ihr angebliches Waffenarsenal der psychologischen Kriegsführung zuzurechnen ist, bleibt immer noch genug, um Israel ernsthaft zu alarmieren. Denn die Hisbollah verfügt über genügend Geld, über moderne Waffen, und sie ist zu allem bereit. Nicht zuletzt dazu, libanesische Zivilisten zu opfern.
Ja, da sind sie wieder, die dahingeopferten Zivilisten, die ja ohnehin uns zur Last gelegt werden und daher Nasrallah auch propagandistisch und innenpolitisch nicht weiter belasten müssen. Wie sich die Bilder gleichen, im Norden und im Süden.
Selbst im Fernsehen lässt sich verfolgen, wie im Iran auf offener Straße für die Hisbollah Geld gesammelt wird. Dass deren Vertreter vom Iran und Syrien beherbergt, ausgebildet und mit modernen Waffen versorgt werden, ist ein offenes Geheimnis. Beide Regimes wollen einen erneuten Stellvertreterkrieg und untergraben so den Kampf der UN gegen den internationalen Terrorismus. Aber diese Formen staatlichen Terrorsponsorings werden nicht geahndet. Die Hisbollah steht bis heute nicht einmal auf der Terrorliste der EU.
Und auch die Hamas hat natürlich beste Verbindungen zum Iran. Allerbeste.
Wer ausschließen will, dass Israel auf dem Rücken des Libanon Krieg führt, muss die Bedrohung Israels aus dem Libanon unterbinden. Dies ist die Logik hinter der UN-Resolution 1701 vom August 2006. Aber in der Praxis ist sie nicht umgesetzt. Deshalb trägt die Staatengemeinschaft auch eine Mitverantwortung für die drohende Katastrophe.
Die Staatengemeinschaft hat wieder einmal verhindert, daß Israel einen brutalen, aber entscheidenden Schlag führt - auch wir selbst haben dazu 06 nicht den Mumm gehabt, auch uns haben die Opferzahlen erschreckt und die Laienspielschar an der Spitze unserer Verteidigungspyramide noch mehr. Vielleicht war das auch richtig so - angesichts der Kriegsführung der Hisbollah bleibt ja keine andere Wahl, als sich selbst Zügel anzulegen. (Wie praktisch für die Hisbollah hingegen, daß sie das nicht braucht!)
Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah war nie beendet. Er ist nur unterbrochen.
Und damit hat der Artikel mir dann endgültig den Vormittag vermasselt. Ja ja, ich weiß es ja! Aber ich hoffe, hope against hope, daß sich vielleicht mal jemand besinnt und der Hisbollah die Klauen stutzt. So daß wir nicht mehr hilflos vor einer wilden Melange von Kämpfern und Zivilisten stehen und sie mit allen Flugblättern der Welt nicht auseinanderdividieren können. Oh, und ich hoffe, daß ich heute früh Recht hatte und wir das nächste Mal nicht allein stehen.
So, ich geh mir jetzt die Beklemmung vom Herz putzen. (Nie war es bei uns sauberer als zur Zeit des Kriegs. Putzen hilft tatsächlich.)
Eine Zwillingsgeburt in Ashkelon März 11, 2008, 17:44
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Leider nur im englischen SPon gefunden, vielleicht hab ich es im deutschen verpaßt???, und von Aussie Dave verlinkt: eine Reportage über eine Palästinenserin aus dem Gazastreifen, die ihre Zwillinge im Krankenhaus von Ashkelon bekommt, wo sie jetzt im Inkubator liegen. Sie und ihr Mann lernen auf diese Weise Israel von der anderen Seite her kennen.
Wie der Ashkeloner Chefarzt, den ich ja neulich per Video hier gezeigt habe, meint auch der Arzt, der die Kinder betreut, er kümmert sich nicht darum, ob seine Patienten zu diesem oder jenem Volk gehören.
Dr. Shmuel Zangen, the director of the hospital’s neonatal unit, doesn’t care who he treats. “As a doctor, I enjoy the privilege of not having to think about it,” he says. “It certainly is odd that we take care of Palestinian children while they shoot at us. It’s the sort of thing that only happens in the Middle East.”
Das ist höflich ausgedrückt. Um es genauer zu sagen: es kommt eigentlich auch im Nahen Osten nur in einem Land vor, nämlich Israel. Es ist mir noch nie zu Ohren gekommen, daß Israelis in Saudi-Arabien oder Syrien im Krankenhaus behandelt werden. (Wir brauchen das auch nicht, Gott sei Dank - aber selbst wenn wir es brauchten, würden sie uns wohl kaum helfen. Doch Geben ist seliger denn Nehmen… und vielleicht wird es ja eines Tages anders, besser.)
Die Palästinenserin und ihre Babies sind nun in Reichweite der Grad-Raketen.
On the second day after the birth of Bayan and Faisal, a Soviet-made “Grad” rocket landed on the hospital grounds. “I heard it hit, 200 meters away from me,” says Shafii. The neonatal unit was moved to a bunker the next day. “The groups that are firing the rockets are not fighting a just war,” says the Palestinian mother, adding that they are not abiding by what the Prophet Muhammad said: that wars may only be waged between soldiers, but not against civilians.
Ja, ich kenne das. Mein Frühchen, Tertia, lag in Nahariya im Inkubator, zu Zeiten des Katyusha-Beschusses. Da fühlt man sich verdammt ausgeliefert. Hoffentlich ist jetzt erstmal wieder Ruhe.
Bei solchen Gelegenheiten zeigt es sich dann, daß es die normalen, freundlichen Palästinenser durchaus noch gibt, an deren Existenz ich manchmal verzweifle. Und sie leben in Angst und Schrecken - vor den Terroristen, die sie als Schutzschilde mißbrauchen und bedrohen.
Ashraf Shafii describes how young, masked men repeatedly set up their rocket launchers under the cover of houses in Beit Lahia. “They shoot at Israeli civilians, which is completely unacceptable,” says Shafii. “And they put us Palestinian civilians in grave danger, because the Israelis shoot back.”
Why doesn’t he object? “They are armed,” says Shafii, “and they shoot at anyone who gets in their way.”
Ich wünsche den Babies, daß sie gut gedeihen, und daß die Eltern ihre positiven Erfahrungen mit Israel nicht vergessen. Es könnte alles so unproblematisch sein da unten im Süden…
Danke, Kuwait, März 11, 2008, 15:24
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für diesen Artikel in Al-Watan.
Jubel, Trubel, Heiterkeit März 11, 2008, 12:09
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Aus den Nachrichten von Channel 10. Der Hintergrundtext ist nicht wichtig zum Verständnis der Bilder. Ausgelassener Jubel auf den Straßen von Gaza, als bekannt wird, daß acht unbewaffnete Jugendliche bzw junge Männer in der Bibliothek einer religiösen Schule beim Lesen in der Heiligen Schrift ermordet wurden. In der Tat eine wahre Heldentat. Ich sehe solche Bilder und frage mich: die reden von Mut? von Ehre? fordern Respekt für Religion und Glauben? Sie verstehen wohl gänzlich was anderes darunter als ich.
Und so sah das von der andren Seite gesehen aus.
Zwei kleine News März 8, 2008, 13:12
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Dies ist eine echte kleine Rosine: die jordanische Polizei hat es der in Amman lebenden Familie des Yeshiva-Mörders untersagt, ein Trauerzelt zu errichten. Danke, Jordanien. Eine elegante Form, zu zeigen, was sie von den Methoden ihrer palästinensischen Vettern halten. Es ist eine zu kleine Meldung für weltweite Schlagzeilen, aber mich freut sie.
Außerdem hat die Regierung angekündigt, nach wie vor zwischen “Extremisten” und “Moderaten” zu unterscheiden (so künstlich die Unterscheidung oft ausfallen mag), und mit letzteren weiterhin zu verhandeln. Ich erinnere daran, daß es Abu Mazen war, der die Gespräche abgebrochen hat. Israel ist trotz allem noch bereit, wohl auf amerikanischen Druck hin, die Gespräche weiterzuführen.
Israel will push ahead with the talks “so as not to punish moderate Palestinians for actions by people who are not just our enemies but theirs as well,” said the official, speaking on condition of anonymity because the government had yet to make a formal announcement.
It was the second time in a month that Israel chose not to halt talks after an attack. When a Palestinian suicide bomber blew struck in the town of Dimona, killing one woman and wounding 11 people on Feb. 4, Israeli and Palestinian officials went ahead with a planned negotiating session.
Nun, diese Gespräche sind in vieler Hinsicht eine Farce, solange die Palästinenser nicht 1. total und in all ihren Fraktionen auf Gewalt verzichten und 2. einmal klipp und klar sagen, daß sie Israel nicht vernichten wollen.
Das klingt, als würde ich sagen, was uns sonst vorgeworfen wird: daß man schon mit Forderungen anfängt, bevor man sich überhaupt hinsetzt. Aber ich hoffe, es ist klar, daß es bei diesen beiden Bedingungen um so grundlegende Dinge geht, daß sie eigentlich gar nicht zu den Verhandlungen selbst gehören. Seit Jahren und Jahrzehnten gibt es Verhandlungen, und gleichzeitig gehen Terror und Vernichtungsrhetorik weiter. Ich wünschte, die Palästinenser sähen endlich ein, daß sie ohne den Einsatz von Gewalt schon längst ihren eigenen Staat hätten…
Leider ist den meisten westlichen Beobachtern diese Asymmetrie immer noch nicht klar. Ich wünschte, das obige Zitat würde mal Schlagzeilen im SPon oder der FAZ oder gar der SZ machen…. da kann ich lange weiterträumen. Schläge gegen die Hamas machen Schlagzeile, Weiterführung der Gespräche über Gräbern nicht.
Die Macht der Bilder März 7, 2008, 13:26
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Honest Reporting hat sich mal ein Jahr lang die Bilder angeguckt, die als “Bilder des Monats” von Reuters ausgesucht wurden. Es sind jeden Monat ca. 250 Bilder, aus verschiedenen Bereichen, die von Reuters besonders herausgehoben und für gut gehalten werden. 124 Bilder präsentieren den Koflikt zwischen Israel und den Palästinensern und wurden von Honest Reporting analysiert.
Haltet euch fest, wenn ihr die Ergebnisse hört. Die Überraschung könnte euch sonst umwerfen.
62% der Bilder erwecken Empathie für die Palästinenser. 28% sind neutral. Und 10% zeigen die Israelis in sympathischem Licht.
In dieserBilderauswahl waren fünfzehn Darstellungen von palästinensischen Beerdigungen - keine israelische Beerdigung - und auch keine von anderen Opfern anderer Konflikte.
Auf der überwältigenden Mehrheit der Bilder wurden die Israelis als Angreifer und die Palästinenser als Opfer gezeigt. Es lohnt sich, auf den Link zu klicken und die Bilder anzugucken. Sie dürften auch deutschen Zeitungslesern bekannt vorkommen. Ich erinnere mich noch an die Photomontage, die lange Zeit die Berichterstattung des SPon über den Nahostkonflikte begleitete: die Überschrift “haßerfüllte Nachbarn” (an sich schon durch die Gleichsetzung eine Verzerrung), eine klagende alte Palästinenserin und ein israelischer Soldat, der durchs Zielfernrohr guckt.
Tja, so sieht die Welt den Konflikt und so stellt man ihn dar. Ein Teufelskreis. Die Pressestelle der Regierung hat beschlossen, die Bilder vom Massaker gestern nacht offensiv einzusetzen, etwas, das Israel bisher eher vermieden hat. Wir ziehen unsere Leichen nicht vor die Kameras, auch um die Gefühle der Überlebenden und Hinterbliebenen zu schützen.
In diesem Fall sind die Bilder besonders eindrücklich, wegen der religiösen Bedeutung der blutbefleckten Kleidungsstücke und Gegenstände. Ich habe mir die Seite von Arutz 7 nicht zu Ende angucken können. Aber ich habe darauf die Namen einiger Verletzter gefunden, die dort mit Mutternamen angegeben sind, damit Leser sie in ihre Gebete einschließen können. Ein Junge aus Sderot ist dabei. Bestimmt haben die Eltern gedacht, in Jerusalem ist er sicher….
Wohlgemerkt: März 7, 2008, 8:09
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.16 comments
der Sicherheitsrat der UN hat den Anschlag gestern NICHT verurteilt.
The UN Security Council failed to reach an agreement overnight Thursday on issuing an official condemnation over the deadly shooting attack in Jerusalem’s Mercaz Harav Yeshiva because of Libyan opposition.
“Most members (of the council) wanted to condemn (the attack) but Libya blocked it,” Israel’s ambassador to the UN, Dan Gillerman, told reporters.
US Ambassador Zalmay Khalilzad said US efforts to issue a statement condemning the attack “in the strongest terms” failed because Libya sought to link it to its own resolution urging condemnation of Israel over the IDF operation in the Gaza Strip last week.
Khalilzad criticized Libya, saying that a terror attack specifically targeting civilians could not be equated to military operations aimed at stopping rocket fire.
Ambassador Vitaly Churkin of Russia, which currently holds the rotating monthly presidency of the Security Council, expressed his frustration over the fact that UNSC member states could not come to a decision to issue a condemnations for a terror attack and were instead getting bogged down by complexities over the history of the Israeli-Palestinian conflict, Israel Radio reported.
Earlier Thursday, UN Secretary-General Ban Ki-moon strongly condemned the shooting, calling it a “savage attack.”
In a statement issued by his spokesperson, Ban deplored the deliberate killing and injuring of civilians and offered his condolences to the families of those killed.
“The Secretary-General is deeply concerned at the potential for continued acts of violence and terrorism to undermine the political process, which he believes must be pursued to achieve a secure and lasting peace for Israelis and Palestinians, based on a two-State solution,” the statement said.
(Ich habe mir die berechtigte Kritik eines Lesers zu Herzen genommen und nicht mehr so scharf geschnitten!)
Der letzte Absatz des SPon-Artikels durch die Abfolge der Sätze suggeriert einen kausalen Zusammenhang mit der Militäraktion im Gazastreifen:
Nach Bekanntwerden der Bluttat strömten in Gaza Palästinenser auf die Straße und feuerten Freudenschüsse in die Luft. “Dies ist die Rache Gottes”, war aus Lautsprechern zu hören. Erst vor kurzem hatte dort das israelische Militär eine Offensive gegen Extremisten beendet, bei der mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen waren.
Der Versuch, jeden Akt der Gewalt gegen Israel mit israelischen Verteidigungsmaßnahmen zu “begründen”, hinterläßt einen faden Geschmack. Die “Offensive” war nämlich eine Defensive, nachdem jahrelang Tausende Raketen auf israelische Zivilisten gefallen waren… Außerdem braucht auch ein solcher Anschlag eine lange Vorbereitungszeit, länger als eine Woche oder zwei.
Aber der Eindruck der “Spirale der Gewalt” muß aufrechterhalten werden.
Mit gespaltener Zunge März 6, 2008, 1:01
Posted by Lila in Land und Leute, Presseschau.32 comments
Obwohl ich zu dem Thema schon mehr als genug geschreiben habe, wird es so schnell nicht aus dem Diskurs verschwinden, da Gaza ja nach wie vor ein aktuelles Thema bleibt. (Heute war ein “ruhiger” Tag: nur sechs neun Raketen.) Ich stell es also nach einigem Zögern trotzdem in den Blog, wer vom Thema die Nase voll hat, MUSS es ja nicht partout lesen.
Eine Analyse des Forschungszentrums Terroismus in Herzliya hat Beweise dafür zusammengestellt, was uns schon Ulrike Putz bildhaft geschildert hat: daß die Hamas die palästinensische Zivilbevölkerung systemisch als menschliche Schutzschilde mißbraucht. Auszüge bei Israel Matzav und auch hier.
During the IDF activity in the Gaza Strip both Hamas and the PIJ called upon Palestinian civilians to gather in places where, they claimed, the IDF was about to attack. That was done to have them serve as human shields, exploiting the fact that the IDF avoids deliberately harming Palestinian civilians. The terrorist organizations operating in the Gaza Strip have used the tactic beforeThe following are examples of calls in the Palestinian media for Palestinians civilians to serve as human shields:
Hamas’s Al-Aqsa TV and PalMedia Website called upon civilians to form a human shield at the home of Abu al-Hatal in the Sajaiya neighborhood (in Al-Sha’af according to other version) because the IDF had threatened to blow it up (March 1).
Die Genfer Konvention erlaubt es, in solchen Situationen trotzdem zu schießen. Dazu Melanie Philipps (auch bei Israel Matzav gefunden, ich Faulpelz!):
For what the myopic or bigoted west fails to grasp is that the new reality of asymmetric warfare reverses the usual calibration of a country’s military strength. This is because the asymmetry is not confined merely to military hardware. It is because it also relates to the moral calculus of that country. The bitter irony of the western liberals’ grotesque claim that Israel is involved in ‘disproportionate’ violence in Gaza is that, on the contrary, Israel is totally constrained by its own ethical code from fighting on the same basis as the Arabs.
Sag ich ja auch immer, nur nicht so schön. Und es stimmt auch - sonst hätten wir den Gazastreifen schon längst in ein Trümmerfeld verwandelt.
Das ist also die eine Seite der arabischen Kriegsführung: Zivilisten werden skrupellos ausgenutzt. Wo bleibt der Aufschrei der zilivisierten Welt? Er richtet sich gegen Israel.
Denn die andere Seite der arabischen Kriegsführung ist die rhetorische. Während die Palästinenser gegen die Menschenrechte verstoßen, spielen ihre Verteidiger mit beneidenswerter Virtuosität mit den Zauberworten der westlichen Demokratien, die ich hier einfach mal gefettet habe.
The Arab League condemned Israeli attacks on the Gaza Strip as “crimes against humanity” on Wednesday.
Arab foreign ministers said they “strongly condemn the barbaric crimes that the Israeli occupation forces committed in Gaza and the rest of the occupied Palestinian territories”.
Meeting to prepare for an Arab summit in Syria this month that is expected to focus on Gaza and Lebanon, the ministers said in a statement they were “recording these Israeli crimes as crimes of war and crimes against humanity“.
Arab League Secretary-General Amr Moussa said: “The criminal aggression against Gaza shows that Israeli policy against the Palestinian people is based on genocide and ethnic cleansing.”
Bis auf Hollokost alle Phrasen dabei. Diese aufgeplusterte Rhetorik steht den Fürsprechern der Palästinenser wahrlich nicht gut zu Gesicht, wenn man die Fakten prüft, und sich zum Beispiel daran erinnert, wie “proportional” die Ägypter selbst neulich auf die palästinensischen Touristen reagiert haben…
Egypt’s foreign minister said that no further violations of its borders would be tolerated in the wake of a 12-day breach of its frontier with Gaza and said anyone daring to cross would have their legs broken, the state news agency reported.
Aber diese Doppelzüngigkeit prüft wohl mancher nicht nach. Es reicht, mit überzeugender Empörung die oben fett formattierten Buzzwords auszustoßen, als ob man selbst an sie glaubte, und die Welt ist hypnotisiert.

(Ich konnte dem Bild einfach nicht widerstehen…)
Jedenfalls ist eines klar: würde die Hamas fair kämpfen, ihre Zivilbevölkerung aus dem Schlamassel raushalten und auf deutliche Trennung von Kombattanten und Zivilisten achtete, dann wären viel weniger tote unbeteiligte Frauen, Männer und Kinder zu beklagen. Denn es ist für die meisten Israelis sehr bedrückend, daß unsere Einsätze so schreckliche Folgen haben. Auch wenn ich begründete Zweifel am hohen Prozentsatz der Zivilisten unter den Opfern hege - auch einer ist einer zuviel, und auch menschliche Schutzschilder haben ein Recht auf Leben.
Könnte man die Hamas doch dazu zwingen, auf diese brutale Geiselnahme der eigenen Nachbarn und Familien zu verzichten! Das wäre doch mal eine Aufgabe für die internationale Gemeinschaft, der die palästinensischen Zivilisten so am Herzen liegen….
Ich sehe, daß sowohl Ruth als auch Meryl Yourish sich des Themas annehmen. Elder of Zion ebenfalls. Kurz, wer zu dem Thema eine Seminararbeit abliefern muß, darf diesen Eintrag als Materialgrube gebrauchen….
Schlimme Erinnerungen März 5, 2008, 21:51
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Vor zwei Jahren wurde in einem Vorort von Paris ein junger Mann von einer Bande gekidnappt und zu Tode gequält. Ilan Halimis Todeskampf, der sich über drei Wochen hinzog, war so grauenhaft, daß ich nicht mal daran denken mag - er ist in Israel begraben, denn er war Jude. Seine Mörder waren moslemische Franzosen aus Einwandererfamilien. Es war ein Mord aus Judenhaß und Geldgier: die Bande wollte die “reichen Juden” erpressen. Es war zwar in den französischen Medien keineswegs unumstritten, daß Antisemitismus das Motiv war, aber Sarkozy sagte dazu:
“The truth is that these crooks acted primarily for sordid and vile motives, to get money, but they were convinced that ‘the Jews have money’, and if those they kidnapped didn’t have money, their family and their community would come up with it.
“That’s called anti-Semitism by amalgam.”
Das war also vor zwei Jahren. Vor kurzem ist wieder ein junger Jude von einer ähnlichen Bande festgehalten und gequält worden. Auf sein Gesicht wurde “dreckiger Jude” geschrieben.
A police official, speaking on condition of anonymity, said the words “dirty Jew” were written on the 19-year-old victim’s face, but the incident, which took place two weeks ago, was not being treated as having a racial motive.
Auch die jüdische Gemeinde in Frankreich ist vorsichtig mit dem Vorwurf, es handle sich um ein antisemitisches Verbrechen:
Philippe Obadia, president of Bagneux’s Jewish community, told Reuters: “It’s incredible. We’re all shocked.” He said the reasons for the attack were unclear.
“We don’t know if it’s an anti-Semitic attack or a settling of scores, so I would prefer to wait before saying more.”
Die berüchtigte A-Keule wird also hier nicht geschwungen. Die Vorstellung, daß Juden so gejagt und mit Absicht als Opfer ausgesucht werden, ist auch zu schrecklich. Man hofft geradezu auf eine weniger albtraumhafte Konstellation. Aber wo dem Opfer eine solche Beschimpfung ins Gesicht geschmiert wird, liegt der Verdacht auf ein antisemitisches Verbrechen allzu nah…
Danke an Willow für diesen Link zu einem Artikel über diesen Albtraum. Auf Deutsch - und mit sehr vielen Ausrufezeichen.



