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Bei den Kindergärtnerinnen Januar 23, 2008, 23:23

Posted by Lila in Kunst.
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Ich hab ja schon ein paarmal erwähnt, daß ich eine Fortbildung für Kindergärtnerinnen mache, mit einer Kollegin zusammen. Dieser Kurs geht so gemischt, na ja, die Frauen gewöhnen sich langsam an mich und haben inzwischen mehr Spaß. Sie quasseln noch immer unaufhörlich, ich hatte im Leben noch kein so unruhiges Publikum! auch nicht, als ich 14jährige unterrichtet habe!, aber die Stunden haben auch ihre Höhepunkte.

Wir fragen vor Beginn der Stunde immer, ob jemand was zu erzählen hat. Dann kommen schöne Geschichten raus, von Aktivitäten und Ideen und “Farbfesten” im Kindergarten. Am schönsten war die einer Frau, die uns erzählte, wie sie mit den Kindern einen Miro-Tag gemacht hat. Sie hat ein Bild von Miro aufgehängt, die Kinder mit Grundfarben malen lassen, ein Mobile aus Miro-Linien mit ihnen gebastelt, kurz, es war ein kreativer Tag.

Gegen Mittag kam ein Opa zu Besuch, von einem der Kinder, und dem zeigte das Enkelkind stolz die Kunstecke. Der Opa war begeistert. Er ist Schreiner, und am nächsten Tag brachte er dem Kindergarten eine Überraschung mit: eine Staffelei für die Kinder. Die Kindergärtnerin wollte nun wissen, was sie damit alles machen kann und was der Unterschied zwischen Arbeit am Tisch und Arbeit an der Staffelei ist.

Außerdem sagte sie mit erstauntem Unterton: “Ich habe mich bisher nie an Kunst herangewagt, meine Stärke waren immer mehr Naturwissenschaften. Aber eigentlich macht es Spaß…” Sie war stolz auf sich selbst, und das kann ich gut nachempfinden. Es ist so ein schönes Gefühl, wenn man die eigenen Grenzen erweitert und sich auf Neuland traut - und dabei noch Erfolg hat! Ihre Kolleginnen haben ihre Ideen notiert. Da war sie noch stolzer.

Da habe ich also nicht umsonst ein paar Pfund Nervenstränge investiert, es kommt tatsächlich was dabei raus. Wobei ich natürlich fairerweise sagen muß, daß meine Kollegin die praktischen Anweisungen bringt (ich habe aber natürlich auch ein paar Asse im Ärmel, Kunstlehrerin, das sitzt drin!) und ich vorher den theoretischen Boden dafür lege.

Wir geben immer eine Doppelstunde: ich 90 Minuten, sie 90 Minuten. Das ist natürlich am Ende eines Arbeitstages im Kindergarten knochenhart, das sehe ich ein. Die insgesamt sieben Treffen bringen so viele Punkte ein wie ein ganzes Semester, das ja auch 14 Treffen (oft auch nur 13) beinhaltet.

Wir halten diesen Kurs an zwei Zentren und vergleichen ständig, was wir tun, verbessern, reflektieren, feilen an der Übereinstimmung und an der Präsentation. Wir bringen Materialien mit, empfehlen Bücher und Spiele, ich habe ja auch noch einen ganzen Fundus selbstgemachter Hilfsmittel und Ideen, von denen meine Kollegin ebenfalls profitiert.

Ich nenne den Kurs “Grundbegriffe der Kunstbetrachtung”, meine Kollegin nennt ihren Kurs “Kunst im Kindergarten”. Angefangen habe ich mit einer allgemeinen Stunde über den Zusammenhang von Kunst und Kindheit und Kreativität allgemein. Dann kam eine Stunde über grundlegende Informationen über Kunstwerke: Name des Künstlers, Name des Kunstwerks, Entstehungszeit, Größe, Format, Technik, Aufenthaltsort - und was diese Grundinformationen einem alles verraten können, wenn man sonst keine weiteren Quellen hat.

Dann eine Stunde über Linie und Form, und dann eine über Farbe und Farbtheorie. Die nächste Stunde, die wir heute vorbereitet haben, behandelt Raum, Perspektive und Komposition. Dann eine über figurative und abstrakte Malerei - das Verständnis abstrakter Malerei ist mir wichtig für Menschen, die mit Kindern arbeiten, denn kindliche Kunst hat oft mehr mit abstrakter Malerei gemeinsam als mit figurativ-realistischer. Die letzte Stunde wendet sich dann Inhalten zu: Kind und Familie, Gefühle und Beziehungen in der Kunst.

Wie gesagt, ich mach den theoretischen Teil, die Kollegin den praktischen. Die Kindergärtnerinnen können Reproduktionen zum Thema mitnehmen. Es besteht bereits Bedarf nach einem zweiten Teil im nächsten Jahr, meinte die Leiterin des einen Zentrums. Ich weiß noch nicht, ob ich das wirklich will… aber eine Idee dazu habe ich schon. Ich würde den zweiten Teil nur für Absolventen des Grundkurses öffnen, und dann würde ich die sieben Treffen jeweils verschiedenen Themen widmen: Tiere in der Kunst, Mädchen und Jungen, biblische Geschichten, Humor, optische Täuschungen und Spiele, Schiffe und Meer, Wetter in der Kunst, alt und jung, Außenseiter, Bäume, Essen und Trinken in der Kunst… das sind nur ein paar Ideen.

Ich finde immer, es ist einfacher, ein Thema zu verfolgen als einfach nur den Stil einer Epoche zu lernen. Wer nicht genau weiß, was Impressionismus ist, dem kann ich entweder eine ganze Stunde lang Renoir und Monet zeigen, oder nach Poussin und Chardin als Vorbereitung Renoir und Monet, und dann Cezanne und Picasso. Ich finde, die jeweiligen stilistischen Eigenheiten des Impressionismus kommen bei so einer Gegenüberstellung klarer und schmerzloser raus, als wenn ich eine ganze Stunde drauf rumreite. Außerdem lernt man dabei, ein Thema per Kunst aufzubereiten.

Meine Kollegin, die erstmal ganz sicher war, der nächste Kurs muß Stilrichtungen und Epochen behandeln, war begeistert von der Idee.  Darauf wäre sie gar nicht gekommen. Sie ist ja keine Kunsthistorikerin, sondern Frühpädagogin, und kennt aus den Kursen, die sie besucht hat, nur die typische Stilrichtungs-Salami. Also scheibchenweise einen Stil nach dem anderen schlucken, ohne Rücksicht auf Inhalte. “Nimm noch ein bißchen Klassizismus, der ist lecker… schieb die Romantik gleich hinterher…”

Ich halte davon nicht so viel, es ist natürlich für Kunsthistoriker unabdingbares Grundwissen, aber was soll man damit außerhalb von Museum und Seminar anfangen? Ich halte viel mehr von der Fähigkeit, eigenständig formal zu analysieren, wie mein Kurs es ja lehren soll. Einfacher gesagt: gründlich hingucken. Und dann wissen, was man sieht.
Ich kenne ja all die Fallstricke, wenn man an der Hochschule Stilrichtungen lehrt. Das 20. Jahrhundert wird dann zum katalogischen Albtraum. So fragen die Lernenden immer total verunsichert: “…und was fürn Stil ist das jetzt noch mal, Schmidt-Rottluff???”, und wenn man antwortet, “Expressionismus”, dann glauben sie erleichtert, mehr muß man nicht wissen. Und sehen gar nicht mehr, was das eigentlich bedeutet, Expression. Ich mag diese -ismus-Ballerei nicht sehr gern, sie ist nur für Kunsthistoriker interessant, aber nicht für Leute, die hinterher damit arbeiten müssen. Für die ist viel interessanter, wo sie interessante Bilder zum Thema Nashorn herkriegen.

Na ja, mal sehen, wie die Reaktionen auf unseren Kurs dieses Mal aussehen werden. Dann sehen wir weiter.

Wie immer bin ich für alle Anregungen aus dem Leserkreise dankbar…

Gearbeitet Januar 4, 2008, 0:33

Posted by Lila in Kunst.
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Heute hatte ich meine erste Verpflichtung, seit ich zurück bin. Ganz interessant, über französische und spanische Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts. Ich habe mich bei den Franzosen auf die Schule von Fontainebleau konzentriert, also verlängerte Figuren, verzerrte Haltung und oft auch Gesichter, Besessenheit mit menschlichen Figuren und textverdankten Narrativen (Mythologie, Allegorie, Dichtung), metallische oder Pastellfarben, fast schattenlose Ausleuchtung und eine gewisse nervöse, aristokratisch-laszive Haltung. Bei den Spaniern boten sich dann barocke Kompositionen an, kontrareformatorische Idole oder intensive Meditationen in dramatischem Helldunkel , außerdem die wunderbaren Stilleben mit dem dunklen, leeren Hintergrund, der sehr eindringlich zum Betrachter spricht - Leere ist ja durchaus nicht einfach auszuhalten.

Natürlich haben die Franzosen ihren helldunklen Caravaggisten Georges de la Tour und die Spanier ihren manieristisch spindelförmig-verzerrten El Greco (”mit Migrantenhintergrund” nennt man Leute wie ihn heute?). Es läßt sich natürlich nicht alles so einfach auseinanderdividieren. Aber es hat Spaß gemacht, mal wieder, das in wochenlanger Kleinarbeit angesammelte Wissen hübsch sortiert rauszulassen.

Ich bereite mich übrigens rein intuitiv vor. Ich habe weder ein Papier vor mir noch arbeite ich in der Vorbereitung mit Listen oder sonstwie linear-vernünftiger Vorbereitung. Y. meinte heute, bestimmt meinen Leute im Publikum, die noch nie unterrichtet haben: wenn ein Vortrag anderthalb Stunden dauert, dann kann die Vorbereitung auch nicht viel länger dauern, nicht wahr? Man sammelt halt die Bilder zusammen und es hat sich. Aber so funktioniert es natürlich nicht. Man liest, brütet, sammelt unendlich viele Bilder und ich bin am Ende der Sammelperiode immer soweit, daß ich über das Thema drei, vier gute intensive Seminar-Stunden geben könnte. Aber das geht natürlich nicht, also wird destilliert und ausgeschieden, nach Y.s Formel: drei Minuten pro Kunstwerk. Dann hab ich eine Bilderfolge, die mir etwas sagt und erzählt, aber ich könnte nicht genau sagen, was eigentlich. Erst beim Vortrag selbst kristallisiert sich die Geschichte heraus. Ich bin oft selbst überrascht, was dabei rauskommt. Vermutlich ist das auch für die Zuhörer interessanter, wenn auch schwieriger, als ein abgelesener Vortrag ohne Überraschungen.

Ja, das war also mein Tag.

Frage November 27, 2007, 14:47

Posted by Lila in Kunst, Uncategorized.
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an die Käufer von alten Scharteken unter meinen Lesern.

Was ist besser? Womit seid ihr zufriedener - ZVAB oder Abebooks? Was gibt es sonst noch?
Amazon, wo es ja auch viele vergriffene und gebrauchte Bücher gibt, kommt für mich nicht in Frage, weil sie nicht nach Israel versenden. Ebay ist Glückssache - weniger für die Suche nach wissenschaftlich brauchbaren Büchern geeignet.

Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft hat wunderbare Bücher, ist aber sehr teuer und hat nur ein begrenztes Angebot. Ich kaufe dort schon seit Jahren (seit meiner Schulzeit!), aber ich habe in ihrem Angebot noch nie ansonsten nicht aufzutreibende Schätzchen gefunden.

Ich habe bisher immer ZVAB bestellt, aber die haben mich heute mit einem Fragebogen überrascht. Gutmütig wie ich bin, habe ich alle ihre Fragen ausgefüllt. Dabei wurden dauernd die Leistungen, Werbungen und Präsenz von ZVAB und Abebooks erwähnt und verglichen. Bisher war ich mit ZVAB so zufrieden, daß ich Abebooks kaum wahrgenommen hatte. Jetzt hab ich aber die Anregung wahrgenommen, mich bei der Konkurrenz umzutun. Tatsächlich habe ich dort auch sofort ein interessantes Buch gefunden, kaum zu glauben ;-)

Ich bestelle auch oft direkt bei für mich in Frage kommenden Antiquariaten, wie Nijnatten oder Alephbooks, oder beim niederländischen Antiqbook (wobei für mich aber Nijnatten und Alephbooks immer die besten Ergebnisse bringen). Ich bin immer froh, wenn ich mit meinen Käufen echte Läden unterstütze, in denen Büchernarren arbeiten (Antiquare sind ja ein ganz besonderes Völkchen) und in denen ich mich auch physisch immer wohlgefühlt habe.

Hat jemand Tips fürs Stöbern und Auftreiben alter wissenschaftlicher Bücher für mich, Kataloge, kleine Ausgaben, akademisches Zeug…?

Problem gelöst November 6, 2007, 13:24

Posted by Lila in Kunst.
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Ich war in den letzten Wochen höchst unzufrieden mit mir selbst, was die Arbeit angeht. Ich unterrichte ja nun an einer bunten Auswahl von Institutionen, von denen jede andere Zeiten hält - seltsam, das ist mir noch nie passiert, normalerweise ist ja die 45 bzw 90-Minuten-Schiene die Norm. Nein, dieses Jahr sind überall irgendwelche Zwänge daran schuld, daß ich mal 60 Minuten unterrichte, woanders 75, wieder woanders 120 am Stück. Erfolg: meine innere Uhr ist total durcheinandergekommen. Ich verliere die Übersicht über die Zeit, die mir noch zur Verfügung steht, verkalkulier mich.

Uhr tragen hilft nicht, ich gucke ja nicht mittendrin auf die Uhr und rechne nach (eine Art Stoppuhr vielleicht…). Ich habe immer mehr Material, als ich in die vorgesehene Zeit stopfen kann. Auch wenn es nur ein Bild ist, das nicht mehr in die Stunde paßt, und kein Zuhörer das merkt: ICH ärgere mich und weiß nicht, wie ich das ändern soll. Nach jedem Vortrag überlege ich, hm, hätte ich den Mantegna mal weggelassen… warum habe ich so viel Giotto gezeigt… war der dritte David nicht zu viel… Mein Instinkt, der mir bis vor Beginn dieses verwirrenden Semesters genau sagte, wann ich in die Endgerade einlaufe, scheint zu versagen. Und ich gräme mich und will das unbedingt ändern.

Bis vor ein paar Tagen mein Mann mit im Publikum saß. Er ist ja wirklich immer wieder das Schwert, das durch meine gordischen Knoten mit schmerzloser Leichtigkeit fährt. “Du brauchst für jedes Dia ungefähr drei Minuten. Mal länger, mal kürzer. Rechne dir vor jeder Stunde aus, wie viele Dias du zeigen kanst. Du hast gern Reserve, also kannst du ein paar mehr nehmen, als du brauchst.”

Aber natürlich, warum ist mir das nie aufgefallen? Drei Minuten, genial. (Das bedeutet nicht, daß ich jedes Kunstwerk nur drei Minuten zeige. Aber ich habe viele verschiedene Bilder und Dias zu ein und demselben Kunstwerk - Vergleiche, Ausschnitte, Diagramme, Texte…. drei Minuten pro Dia kommt hin.) Ich habe ja sowieso in jeder Power-Point-Präsentation, die ich ausarbeite, wesentlich mehr Bilder und Text, als ich je brauche - so baue ich die Dinger auf, ich stecke viel rein und wähle dann aus. Unter dem Bild, im Notes-Teil des Dias, der für Zuschauer unsichtbar ist, sind meine sämtlichen Notizen, Verweise und so weiter, die sind auch dann nützlich, wenn ich das Dia selbst gar nicht zeige. Diese Verberg-Funktion ist sehr nützlich. Mein Motto lautet ja bekanntlich, “auch wenn ich nur ein Löffelchen verfüttere, muß der Topf Suppe doch gekocht werden”.

Kurz, ich jäte jetzt vor jeder Stunde nach der Y.-Formel aus. Dann gucke ich, welches Dia die Halbzeit markiert, und statt schwarzen Hintergrund (Kunst präsentiere ich nie farbig, das ist barbarisch! denn Umgebungsfarbe beeinflußt natürlich das Bild selbst, Stichwort Komplementärkontrast…) kriegt es einen dunkelgrauen. Ich habe meine letzten Stunden gestern so vorbereitet, und siehe da, ich bin haargenau hingekommen. Da meine Stunden oft kreisförmig aufgebaut sind und am Ende noch einmal zeigen, womit ich eröffnet habe, freut es mich sehr.

Wieso bin ich da eigentlich selbst nicht drauf gekommen? Weil ich noch gar nicht über das Stadium “grummelnde Unzufriedenheit mit mir selbst” hinausgekommen war. Y. verschwendet auf solches Grummeln keine Zeit, sondern denkt sofort: was tun?

Mal sehen, ob sich die Formel morgen bewährt. Morgen muß ich in 75 Minuten das Thema “Bildhauerei der Renaissance” abhandeln. Ein Kinderspiel, nicht wahr? Allein der Wettbewerb um die Tür des Baptisteriums in Florenz kann eine Stunde füllen. Nein nein, ich jäte pflichtgemäß, damit ich von Ghiberti bis Giambologna komme.

Motive, Metaphern Oktober 23, 2007, 10:16

Posted by Lila in Kunst.
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Ich habe leichtsinnigerweise zugesagt, eine Reihe von vier Vorträgen zu halten, in einer Art Club, die Vortragsreihen anbieten. Dieses Halbjahr ist ihr Thema “Kunst und Natur”, und sie haben wirklich interessante Künstler, Bildhauer, Architekturhistoriker, was weiß ich alles eingeladen. Ich habe spontan, nachdem ich das Programm gesehen hatte, gesagt, ich mache mit, und zwar möchte ich jeden Vortrag einer anderen Landschaft widmen. (Nur Malerei und Photographie, denn die dreidimensionalen Künste sind schon durch andere Vortragende abgedeckt.) Ich möchte über die Wüste sprechen, das Meer, das Gebirge (und den Berg) und den Wald (und den Baum). Die Organisatorin meinte, das klingt interessant, und so war ich schwupps, verpflichtet.

Nun ist es das eine, so eine Vortragsreihe vor dem inneren Auge auftauchen zu sehen - mir schwebte schon irgendwas vor. Aber das dann auch wirklich umzusetzen war eine HEI-denarbeit, die mir gerade noch gefehlt hat! Noch dazu war der erste Vortrag über die Wüste, ein Thema, das mich vorher noch nie interessiert hat. Ich habe erstmal eine Unmenge von Stoff gesammelt - wirklich, mein Merkspruch stimmt, auch wer nur ein Löffelchen verfüttern will, muß trotzdem den ganzen Eintopf kochen. Ich habe letztendlich nicht mal ein Viertel der gesammelten Bilder auch gezeigt. Aber aus der Masse ergeben sich dann die Motive, die Einsichten, die Ideen. Keine Abkürzungen möglich. Das destilliert sich dann.

Die Grundthemen waren dann die Geschichte der Hagar und der Auszug der Kinder Israels (Wüste als Gegenpol zur bewohnbaren Welt, Wüste als Prüfung und Exil, Wüste als Vorbereitung und Reinigungl), diverse Wüstenheilige (Wüste als Rückzugsort, Ort der Askese und Visionen, Ort der Umkehr, Einsicht und Weisheit), Orientalismus (Wüste, Kamel und Araber als Orte unberührter Authenzität, leere Projektionsfläche und extreme menschliche Erfahrung - das ging bis zu Bildern von Peter O´Toole als Lawrence of Arabia), Surrealismus (Wüste als Metapher des Unbewußten und Projektionsfläche für Fata Morganas aller Art) und schließlich Heimat-Kunst (Regionalismus, Sandmalerei der Navajos bis Jackson Pollock in den USA, Traummalerei in Australien, Wüstenbilder aus Afrika). Abgeschlossen habe ich mit einem Kibbuzniks aus dem Negev, der in der Wüste malt.

Das war interessanter, als ich selbst gedacht hätte, und ich bin schon mal gespannt, was ich aus  den anderen Themen raushole. Wäre ich  ein bißchen karrierebewußter, würde ich da einen Artikel oder sowas draus schnitzen. Aber irgendwie wird daraus nie was. Ich vergesse schnell, wie viel Arbeit es war und was ich alles dabei gelernt habe, und schon muß ich mich an die nächste Arbeit setzen. Aber die Idee, das Thema Landschaft mal so aufzufächern, die ist eigentlich nicht schlecht. Ich denke mir, ich bin nicht die erste, die auf die Idee gekommen ist (Simon Schama hat so über Wälder geschrieben, Robert Rosenblum über Berge und Bäume). Aber ich arbeite eigentlich am liebsten mit den Bildern selbst, sehe sie mir in Abfolge immer und immer wieder an, bis ich verstehe, was ich sehe.

Übrigens habe ich keine Ahnung, was das zuhörende Publikum wirklich denkt. Während eines Vortrags sind immer alle aufmerksam. Aber wie viel hängen bleibt und wie überzeugend meine Ableitungen sind, das weiß der liebe Himmel. Verrückt eigentlich, daß man für so ein Luftgeschäft auch noch bezahlt wird, denke ich manchmal.

Die guten Zeiten zum Bloggen… Oktober 17, 2007, 17:38

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Kunst, Uncategorized.
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…sind fürs erste wieder vorüber. Die hektischen Wochen mit der Nase im Computer, in denen ich den Semesteranfang vorbereite, aber immer zwischendurch mal eine halbe Stunde für einen schnellen Eintrag oder eine Antwort auf einen Kommentar habe (oder mir nehme…), die sind erstmal wieder vorbei.

Jetzt sind die hektischen Wochen dran, in denen ich jede Menge neuer Gesichter lernen muß (ich schreibe mir nach jeder Stunde die Namen auf, die ich mir gemerkt habe, mit einer kleinen physiognomischen Skizze…), und wieder mit Erstaunen feststelle, wie Recht doch die Gestalttheorie hatte: jede Klasse, jede Gruppe von Zuhörern ist mehr als nur die Summe ihrer Einzelmitglieder. Die Größe der Gruppe, ihre inneren Beziehungen, der Raum, das Thema, das alles kommt noch hinzu. Und dann etwas Undefinierbares. So eine Art ruach kvutza, Geist der Gruppe, oder Atmosphäre.

Ich stelle mich auf alle ein, passe meine Pläne für die nächsten Wochen an - da kann ich das Tempo anziehen, bei denen muß ich drosseln. Ich bin wieder mehr unterwegs - obwohl ich nach wie vor nicht die ganze Woche arbeite, und dann auch nicht von morgens bis abends. Hier ein Häppchen, da ein Häppchen. Eigentlich ein schönes Leben.

Draußen vor meinem Fenster wird es langsam Herbst - ich mag das und freue mich über jedes kühle Windchen, über jede Wolke, über jede Hoffnung auf den ersten Regenschauer. Ich mag es auch, daß die Tage kürzer werden.
Wir haben eine kleine Straßenkatze adoptiert, erstaunlicherweise ist das Tierchen stubenrein, lieb und geradezu wohlerzogen. Es muß sie jemand ausgesetzt haben - sie hatte eindeutig kein Zuhause, hat sich hier aber sofort zurechtgefunden. Die Kinder haben den Kleinen Leonardo genannt, Leo paßt ja zu Lutz, und sie sind beide schwarz - aber Kater Lutz ist keineswegs bereit, Leo in seine Pfoten zu schließen. Und Mini wendet nur schockiert die Augen ab - schon wieder so ein vulgärer Eindringling! Ihre Menschen haben den Verstand komplett verloren!

Wir werden ihn morgen von einem Tierarzt untersuchen lassen, impfen lassen und ihm dann ein neues Zuhause suchen, damit Mini und Lutz nicht schwermütig werden.  Ich habe schon ein Nachbarsehepaar im Auge, die für den Mann, nach einem Schlaganfall, ein Haustier suchen. Sie sind Katzenfreunde, und Quarta könnte Leo dort auch besuchen… mal sehen.

Am letzten Wochenende waren wir bei sehr guten Freunden, Studienfreunden von Y. Wir sind eine Gruppe von vier Familien, kennen uns seit über 15 Jahren und treffen uns alle paar Monate. Meist bei der ältesten Familie, in einem Kibbuz am See Genezareth. Wir schleppen Mengen von Essen ran, tauschen Rezepte aus, unsere Kinder wachsen heran, die Männer erinnern sich an vergangene Zeiten… das sind immer schöne Treffen. Gerade weil man sich nicht dauernd sieht. Wir haben alle Kibbuz-Hintergrund - im Vergleich sieht man auch, wie sich unsere Kibbuzim gewandelt haben. Ich freue mich schon auf das nächste Mal.

So, morgen steht mir wieder ein neuer Tag vor neuem, unbekanntem Publikum bevor. Die erste Stunde eines Kurses über die Renaissance.  Morgen  also rede ich über die Grundlagen der Renaissance, zeige den Zusammenhang mit der Antike, aber auch die Kontinuität mit dem Mittelalter. Ich habe mich entschlossen, mit der Malerei anzufangen - die läßt sich leichter zeigen als Architektur oder Skulptur, die ja immer einen viel größeren Sprung der Vorstellungskraft erfordern. Die bewahre ich mir also für später auf. Außerdem sind gerade die originären Leistungen der Renaissance in der Malerei am deutlichsten sichtbar, weil dafür antike Vorbilder fehlen - Pompeji war ja damals noch nicht ausgegraben. Die Maler mußten sich also selbst ihre klassischen Ideale schaffen.

Komisch, jedesmal, wenn ich Renaissance unterrichte, wie auch beim Thema Impressionismus, denke ich: nun, jeder liebt die Renaissance, kann ich ihr denn nicht widerstehen? Ist mir das nicht zu harmonisch, zu ideal, zu ausgewogen, zu intellektuell-allegorisch-neuplatonisch? Und jedesmal werfe ich mich dem bestrickenden Reiz, um dieses Klischee bis zu Ende zu bedienen, der Botticellischen Linien, der sanften Hälse von Filippo Lippi, der reinen Umrisse von Piero della Francesca und des milden Lichts von Ghirlandaio in die Arme…

Noch schlimmer wird es bei den allseits beliebten Madonnen von Raphael, deren Schönheit mich immer an die Experimente erinnert, in denen das Wesen der Schönheit psychologisch ergründet werden soll. Zu diesem Behufe überblenden die Forscher ein Bild nach dem anderen - und je mehr Bilder überblendet werden, je durchschnittlicher und allgemeiner das Gesicht wird, das da entsteht - je perfekter sich die jeweiligen individuellen Unvollkommenheiten gegenseitig aufheben — desto schöner wird das Gesicht empfunden. So empfinde ich auch Raphaels Madonnen - jede Unregelmäßigkeit ist aufgehoben, sie sehen alle aus wie Frauen, die nie die Stimme, ja nicht mal die Augenbraue heben, sondern in schönem Gleichmaß durch die Welt wandeln.

Dabei ist die Raphaelsche Welt so schön, seine Landschaften im Hintergrund sind so wunderbar, daß ich am liebsten die Madonna mal für einen Moment wegschicken würde, um die Landschaft einfach genießen zu können. Sie sitzt mir im Weg… Doch Raphael schenkt uns nur kurze Ausblicke auf diese Welt, wir sind wie Alice, die durch ein Türchen gucken muß, durch das sie nicht durchpaßt.

Aber egal wie ich mich wappne - schon nach kürzester Zeit lächele ich diese perfekten Madonnen versonnen an und merke, wie mein Blutdruck, Herzschlag und Atmung in seliges Nirvana taumeln. Ich gebe es auf. Renaissance, du hast gewonnen. Himmlische Schönheit, ich tue Abbitte. Irgendwas weht in dieser Kunst - und wenn alle sie lieben, dann haben eben alle Recht.  (Dasselbe gilt für Monet - wie ich auch versuche, den allzu beliebten Seerosen zu widerstehen, ich versinke auch hier im dämmernden Grünblau… da ist nichts zu machen.)

Arbeit, Arbeit Oktober 15, 2007, 21:17

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Kunst, Uncategorized.
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Gestern war das erste Treffen mit den Kindergärtnerinnen - vielleicht erinnert sich jemand, ich habe angefangen, an zwei Fortbildungsstätten für Pädagogen zu arbeiten. Die Fortbildung für Kindergärtnerinnen mache ich zusammen mit einer kunstbegeisterten ehemaligen Kindergärtnerin, die einen M.A. in Früherziehung hat und nun eine Art Schulrätin, nur eben für Kindergärten ist. Wir verstehen uns gut, sie und ich, haben ähnliche Ideen, die wir von verschiedenen Seiten aus angehen - und die erste Stunde war puuuh, anstrengend. Die Kindergärtnerinnen kommen nach einem langen Arbeitstag und es ist genau die Nachmittagsstunde, wenn man eigentlich nur noch mit einem Kaffee pausieren möchte… Statt dessen werden sie bei uns mit anspruchsvollem Material konfrontiert.

Ich habe sofort gemerkt, daß die über 30 Frauen, die mir gegenübersitzen, in Grüppchen zerfallen, die sich kennen - sie haben wohl jahrelang zusammen Kurse in diesem Fortbildungszentrum gemacht, sind befreundet. Viele waren begeistert, daß sie eine relativ gründliche Einführung in kunsthistorische Grundbegriffe bekommen werden, damit sie nicht nur auf fertige Arbeitsmappen oder Ideen aus Büchern zurückgreifen müssen - aber ich habe sofort gespürt, daß hinten links drei Freundinnen saßen, die total enttäuscht waren und sich was ganz anderes vorgestellt hatten.

Das Konzept sieht so aus, daß ich die ersten zwei Stunden unterrichte, eben diese Grundbegriffe, und danach meine Kollegin eine Stunde praktische Ideen liefert. Von den praktischen Ideen meiner Kollegin waren alle total begeistert, von mir einige sehr, andere wohl nicht. Ich habe Spaß, wenn ich herausgefordert werde - ich hatte gestern großen Spaß und freue mich auf das Semester. Aber ein Publikum, das bisher gewöhnt war, in Fortbildungskursen zum Thema Kunst auszuschneiden, aufzukleben und nur praktische Tips zu kriegen, auf einmal mit abstrakten Begriffen zu konfrontieren - und das viele Jahre nach dem Studium - das reißt nun mal nicht alle vom Stühlchen.

Aber es bedeutet, daß ich mich einfach anstrengen muß, um meine Sachen wirklich gut zu verkaufen, um interessant und relevant und verständlich zu bleiben. Ich habe gestern mein Bestes getan, aber es war vielleicht doch nicht gut genug. Zumindest für mich nicht. Mal sehen, wie es nächstes Mal wird - ich gebe diese Serie ja in zwei verschiedenen Zentren, und ich bin gespannt, ob in der Großstadt die Atmosphäre anders ist als in der Kleinstadt, in der ich gestern war.

Hinterher kam übrigens eine Frau vom Schulamt, wie meine Kollegin eine Art supervisor für Kindergärten (mefakachat), und meinte, “ihr habt ein tolles Konzept, das hat uns hier schon seit Jahren gefehlt”. Wir haben also den ausdrücklichen Segen von oben - nur das Publikum müssen wir noch überzeugen.
Jeder Tag dieser und der nächsten Woche bringt mir Neues, das akademische Jahr fängt an und wie jedes Jahr habe ich viele neue Projekte. Jeden Tag bin woanders, muß mich auf anderes Publikum einrichten. Ich mach das sehr gern. Aber anstrengend ist es.

PS: Da kommt gerade eine Mail von der Kollegin. Sie ist begeistert, daß sie mich gefunden hat - genau, was sie gesucht hat und ich auch. Mir scheint, das wird gut weitergehen.

News-Bloggen September 25, 2007, 21:32

Posted by Lila in Kunst, Land und Leute.
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Hier wird gerade der Besuch Ahmedinijads in New York breitgetreten. Ich halte es für einen kompletten Fehler, diesen Besuch zu einer Kraftprobe zwischen “uns” und “IHM” hochzuspielen.

A. (entschuldigt, wenn ich diesen Namen abkürze, Challas!) ist nicht Staatsgast der Amerikaner, sondern der UNO, die dort extraterritorial sitzt und noch nie Probleme damit hatte, Leute einzuladen, die ich nicht im Wohnzimmer würde haben wollen. Aber das ist Sache der UNO.

Daß ein demokratisches Land wie die USA ihn außerdem wie ein Kurisoum an eine Uni und ins Fernsehen einlädt und ihm die Möglichkeit gibt, seine Meinungen darzulegen, ist doch selbstverständlich. Ich bin gegen Boykotts, und ich finde auch, es ist doch nur gut, wenn die Leute selbst hören, wie dieser Mensch tickt. Auf die Gefahr hin, daß manche ihn eben gut finden. Diese Gefahr würde ich in Kauf nehmen. Es ist ja keine echte Gefahr für die Demokratie, wenn ein durchgedrehter Regierungschef eines anderen Lands seine merkwürdigen Theorien publik macht. Man beantwortet das besser mit Fakten und sachlicher Diskussion als mit Redeverbot, besonders, wenn es um ein einmaliges Ereignis geht.

Außerdem halte ich es für absolut kontraproduktiv, A.s eigenen Ansatz, er gegen die Juden, auch noch mitzutragen. A. ist das Problem der internationalen Gemeinschaft, wenn es sowas gibt, aber doch nicht nur unseres. Es ist wieder mal typisch, daß, während die Juden laut protestieren, die anderen, die vielleicht auch was zu sagen hätten, dann passiv und still werden. Dieses Muster sehe ich auch oft genug in Deutschland. Sobald der Zentralrat der Deutschen Juden pflichtgemäß gemahnt hat, finden alle anderen, nun ist es aber genug und man muß nicht ins selbe Horn tuten.

Wäre mal interessant zu sehen, was passiert, wenn die Juden mal einfach gar nichts sagen. Würden die Goyim dem A. dann zujubeln oder antisemitische Vorfälle unkommentiert lassen? Das wäre doch mal ein Experiment…

Jedenfalls finde ich, man muß in einer Demokratie mit einem stabilen Bildungssystem, kritischen Medien und intelligentem öffentlichen Diskurs darauf vertrauen können, daß die Fernsehzuschauer und Studenten sich ihre eigene Meinung zu A. bilden können. Wenn man darauf nicht vertrauen kann, dann würde ich eher Bildungssystem, Medien und öffentlichen Diskurs fitmachen statt von den Menschen jeden Irren sorgsam fernzuhalten.

Nebenbei: Ich fand es übrigens immer idiotisch, daß NS-Kunst in Deutschland nicht gezeigt werden darf. Als wären Deutsche arme, hirnlose Pavlovsche Hunde, die beim Anblick von Zieglers hageren Nackten, Brekers muskelschwellenden Jünglingen oder Elk Ebers stereotyp-edlen SA-Männern und Soldaten sofort anfangen zu sabbern und ihren Führer wiederhaben wollen. Wer gute Kunst kennt, wird sich nur mit Schaudern abwenden. Und wenn ein NS-Künstler technisch ein Könner ist, wie Wilhelm Petersen, aber inhaltlich heimattümelnd bis offen rassistisch ist, dann muß man das eben erklären, wie es sich von Nicht-NS-Heimatkunst unterscheidet.

Mit diesem Vergleich, der mir gerade einfiel, will ich aber nicht in den Chor derer einstimmen, die Mahmud A. und Adolf H. in eine Schublade stecken. Differenzieren ist immer wichtig, nie wichtiger als in solchen Fragen. Es fiel mir nur gerade ein beim Thema “gefährliches Gedankengut”. Gedanken sind keine Viren, und ein intellektuelles Immunsystem kann man trainieren.

Und noch ein Nachtrag: ein Kommentator hier, Ehud Yaari, erinnerte daran, daß im Iran Mahnwachen zur Ehrung der Toten vom 9-11 gehalten wurden. Im Gegensatz zur arabischen Welt, wie zB den palästinensischen Gebieten, wo Jubel und offene Schadenfreude herrschten, waren die Iraner mitfühlend und respektvoll. Yaari meinte, er hätte es A. erlaubt, einen Kranz an Ground niederzulegen - im Namen seines Volks, das damals dem amerikanischen Volk kondoliert hat.)

Sag ich halt mal was dazu… September 16, 2007, 0:09

Posted by Lila in Kunst, Uncategorized.
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“Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kult im Ritualismus und die Kultur entartet” diese Worte soll der Kardinal Meisner gesagt haben. Er kann sich getrost beschweren, daß seine Worte aus dem Zusammenhang gerissen wurden, denn den Rest der Predigt kenne ich nicht und wenn ich sie irgendwo verlinkt bekäme, fände ich das sehr cool ;-)

Und da er das Wort “entartet” verwendet hat, noch dazu in Zusammenhang mit “Kultur”, schäumt, zischt und brodelt es ganz fürchterlich. Der Mann muß doch wissen, daß die Nationalsozialisten immer wieder von “entarteter Kunst” gesprochen haben, sogar eine Schimpf-und-Schande-Ausstellung in München so genannt haben, daß diese ganze Ideologie vom Gegensatz zwischen völkischer, organisch-gewachsener Kunst und intellektuell-individueller-internationaler Kunst in eine ganz bestimmte, miefige Rumpelkammer der deutschen Geschichte gehört! Den Begriff kann doch ein Bischof nicht so naiv benutzen! Und so weiter.

Ach Gott. Mir scheint, das kann er sehr wohl. Ich habe den Verdacht, nach diesem verquast-vagen Ausspruch Meisners zu urteilen, weiß er gar nicht, wovon er redet. Er weiß, daß das Wort Kultur mit Kultus zu tun hat, denn Latein kann er garantiert besser als ich. Und es gibt in der Tat die Theorie, daß das, was wir heute kulturelles Leben nennen, seinen Ursprung in religiösen Ritualen hat. Künstler-Priester und so weiter. Es stimmt auch, daß wir heute mit einer Andacht in Museen, Aufführungen oder Ausstellungen gehen, die früher religiösen Orten vorbehalten waren - Mircea Eliades “heilige Orte” sind in säkularisierter Form zu Museen mutiert.

Wer nach Delphi geht, fühlt nicht mehr heiligen Schauer vor der Weisheit der Pythia. Der besondere atmosphärische Zauber des Orts ist auch Touristen erkennbar, die wegen der Baedeker-Punkte kommen und sich an den Säulen ergötzen. Aber es ist kein religiöses Gefühl mehr. Meisnern mag es ärgern, wenn dieselben ästhetischen Touristen ihm durch seinen Dom poltern, ohne Respekt vor Betenden oder Gottesdienst, nur um zu gucken, ob er wirklich Amiens so ähnelt.

In der westlichen Welt ist der Kultus vielen Menschen fremd geworden, weniger Leute gehen regelmäßig in die Kirche oder begehen sämtliche Fastenzeiten oder Heiligen-Feiertage als noch zwei Generationen. Es mag sein, daß das einen Bischof ärgert, und daß er meint, eine Kultur, die sich vom Kultus losgesagt hat, ist nicht mehr viel wert.

Das ist natürlich als Aussage über Kultur banausisch. Es bedeutet nichts anderes, als daß auch Meisner Sokrates den Schierlingsbecher reichen würde, wenn er ihn im Verdacht hätte, Gottlosigkeit zu verbreiten. Na ja, vielleicht nicht den realen Schierlingsbecher, aber den rhetorischen. Meisner gehört damit zu einer langen Reihe Geistlicher aller Traditionen, die kulturelle Praktiken ablehnen, die mit ihrem Glauben nicht vereinbar sind - ob es das Bilderverbot in Islam und Judentum ist oder die tridentinischen Vorschriften zur Darstellung religiöser Inhalte. Die innere Renitenz der Kunst, beispielsweise Max Ernst in seiner Madonna, die den Jesusknaben übers Knie legt, muß einem Kirchenmann gegen den Strich gehen. Ich verstehe das, auch wenn ich es für banausisch halte.

Auch die zweite Aussage, daß Kultus Kultur braucht, ist ja nicht völliger Blödsinn. Denn den Kultus kann man auch als äußere Schale sehen, die übrigbleibt, wenn der innere Gehalt schon nicht mehr da ist. Das heißt, auch wer an nichts mehr glaubt als an seinen neusten elektronischen Gimmick und seine Börsenkurse oder seine Oberweite, wird doch noch kirchlich heiraten wollen. Der Kultus ist gewissermaßen der folkloristische Rest, der beibehalten wird, wenn die Religion eigentlich schon tot ist - auf diese Art und Weise haben sich heidnische Überreste in die christliche Kultur geschmuggelt. Das meint er wohl mit “Ritualismus”.

Kurz, Meisners Aussage lese ich als Klage über den Rückgang der Gläubigen, die in seinen Bankreihen sitzen. Die Kunst, die Kultur - die sind in diesem Zusammenhang gar nicht wichtig, sie sind nur Hintergrund. Er ist ja kein Kunstkritiker, der sich um die Zukunft der Kultur sorgt und mehr Kultus einfordert. Wie das zum Beispiel die Nazarener gemacht haben, die als Künstler gegen die Entleerung der Kunst von religiösen Inhalten protestierten. Wie gut das ihrer Kunst getan hat, ist eine andere Sache.
Es geht Meisnern um den Kultus. Deswegen kam ihm auch das “entartet” vermutlich einfach so daher. Es ist ja nicht so, als wäre das Wort “entartet” nun so mausetot wie “Aufnordung” oder “rassisch wertvoll”. Zwar führt Google bei der Suche nach dem Wort schon an zweiter Stelle Wikipedias Eintrag über Entartete Kunst, aber ich denke, Meisner wird da nicht lange gegoogelt haben. Entartete Zellen, das ist ja noch gebräuchlich. Er wollte ja nicht “pervers” sagen. Hat er halt”entartet” gesagt. Das Wort ist vermutlich nicht auf seinem Radar.

Ich weiß nicht, wie viel Meisner über NS-Kunst weiß. Ich würde mal annehmen, wie die meisten Leute, recht wenig. Ich bin mir auch sicher, daß sie ihm auf den ersten Blick gefallen könnte. Viele Leute seiner Generation sind einfach von einem naiven Glauben an Realismus und seine Überlegenheit geprägt und würden lieber eine nette Landschaft aus dem “inneren Exil” von Otto Dix sehen als seine neusachlichen Anklagen - oder gar seine Erinnerungen an die Schlachtfelder Flanderns.

Aber auf den zweiten Blick würde es ihn vermutlich höchlich stören, daß die NS-Künstler jede religiöse Aussage konsequent zu einer völkischen umgemünzt haben und aus Dürers Madonna auf der Mondsichel eine dralle Mutti gemacht haben, die für das NS-Hilfswerk Mutter und Kind wirbt. Das kann er also nicht ernstlich gemeint haben.

Man sollte einem Kirchenmann schon zugute halten, daß er nicht gemeint hat, wir sollten nun wieder Kultur treiben wie zu Adolfs Zeiten. Also. Er würde vielleicht ungern zwischen Max Ernst und dem unten gezeigten Plakat aus den 40er Jahren wählen, doch ich denke, wir sollten ihm nicht unterstellen, daß er wirklich diese Art von Säkularisierung für wünschenswerter hält als die von Max Ernst.

hilfswerk-mutter-u-kind.jpg

Ich halte die Diskussion ehrlich gesagt für eine typische Ausweich-Diskussion. Kommt, regen wir uns mal ein bißchen auf. Das ist ja viel bequemer als zu sagen, na, da hat er sich im Ausdruck vergriffen, das dürfte einem so wichtigen Mann nicht passieren - und ich bin recht sicher, daß das nicht Meisners Absicht war. Aber differenzieren? mal zuhören? nein, lieber gleich empört sein. Die Kirche ist nicht besser in ihrer Reaktion. Statt zu sagen, na gut, die Wortwahl war daneben, wir sehen es ein, reagiert sie ebenfalls empört. Wie schön, da kann man ja wieder einen wunderbaren, vollkommen bedeutungslosen verbalen Schlagabtausch leisten. Wieso auch zuhören, was der jeweils andere eigentlich meint?

Meisner meint jedenfalls, “Ich wollte nur ganz schlicht damit sagen: Wenn man Kunst und Kultur auseinanderbringt, dann leidet beides Schaden”, sagte der Kardinal im Kölner “Domradio” (Er wird wohl “Kunst und Kultus” gemeint haben). Ja Jong, dann hätteste dat doch mal so jesacht, dann hätte mer dat auch jleich rischtig verstonge, ne.

Schaf im Schafspelz September 9, 2007, 20:22

Posted by Lila in Kunst, Uncategorized.
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Ich habe im Laufe der letzten Monate so viele Jobs oder Jöbchen angeboten bekommen, daß ich nicht alle annehmen kann. Natürlich ist dabei beileibe kein richtig festes, vollangestelltes, wohldotiertes Arbeitsverhältnis, sowas gibt es für Leute meiner Profession in Israel gar nicht mehr. Es handelt sich um einen Kurs hier, zwei Lehrstunden dort, eine Vortragsreihe in Puse und eine in Muckel. Ich sage natürlich erstmal zu, dann bibbere ich, ob ich das auch wirklich alles machen muß. Mein Lebenslauf sieht inzwischen reichlich gescheckt aus, weil ich manches nur ein Jahr lang mache.

Ich habe ein tolles Angebot angenommen, an einem Weiterbildungszentrum für KindergärtnerInnen. In Israel gibt man ja bekanntlich seinen Nachwuchs “in fremde Hände”, d.h., man glaubt, daß eine kompetente Kindergärtnerin, ein gut ausgestatteter Kindergarten und eine Gruppe in etwa Gleichaltriger für Kinder wichtig sind. Darum verlangt man von zukünftigen KindergärtnerInnen Abitur, ein vierjähriges Studium an einer Pädagogischen Hochschule und einen akademischen Abschluß, B.Ed. genannt - genau wie von Lehrern für alle Altersstufen. Oberstufenlehrer machen vielleicht einen B.A. oder B.Sc. statt B.Ed., kommt auf den Studiengang an.

Genau wie Lehrer haben Kindergärtner ein Anrecht auf ein bezahltes Sabbatical alle sieben Jahre, das sie zu einer vom Staat bezahlten Weiterbildung nützen. Sie können statt Sabbatical auch einen Tag pro Woche zur Fortbildung wählen. Ein abgeschlossener Kurs gibt ihnen Punkte, und je mehr Punkte, desto höher das Einkommen. (Immer noch lächerlich niedrig, unsere Gehälter für Lehrkräfte sind einfach nur ein Witz und liegen unter dem Minimum…. das sei fairerweise dazu gesagt).

Außerdem stehen allen Lehrern und Kindergärtnern Lernzentren mit wohlausgerüsteten Bibliotheken für didaktisches Material zur Verfügung, mit kompetenten Beratern und Werkstätten, in denen man eigene Ideen umsetzen kann. Ich hab da schon öfter von erzählt, denn an der PH, an der ich ein paar gute Jahre lang arbeiten konnte, waren solche Zentren mit Schwerpunkt Mathe (uff), Natur und Biologie, Frühe Kindheit, Englisch und Ivrit.

Dieses Jahr haben diese Zentren, die ebenfalls Fortbildungen anbieten, beschlossen, sich auf mehrere Themen zu konzentrieren: Schulvorbereitung, mathematische Erziehung (uff) und - Kunst. Auf geheimnisvollen Wegen hat mein Name sich durch die Institutionen geschlängelt, und ich bin von zwei solcher Zentren angeworben worden. Ich fühle mich in diesem Grenzgebiet zwischen Kunst und Erziehung sehr wohl (interessanterweise gibt es in Israel kein Studienfach Kunstpägdagogik für weiterführende akademische Grade - ich habe ein komplettes Programm für einen solchen Studiengang in der Schublade, und daß ich ihn nicht längst an der Uni vorgelegt habe, dafür gibt es keine rationale Begründung!). Ich hatte sofort den Kopf voller Ideen. Und so habe ich zugesagt, obwohl einer der Kurse auf einen Wochentag fällt, an dem ich schon eher halbherzig was anderes zugesagt habe.

Bei der anderen Stelle habe ich heute angerufen und gefragt, wie viele Leute sich eingeschrieben haben. Bedauernd meinte die Leiterin, “nur vier Leute”, und ich bemühte mich, mir meine Erleichterung nicht anmerken zu lassen. Ich meinte, wenn es bis nächste Woche nicht mindestens 10 oder 12 Leute sind, kann ich den Kurs nicht geben - wie gut, daß ich nun ein viel besseres Angebot habe! Das habe ich natürlich nicht gesagt. Die Leiterin hat sehr viel Verständnis gezeigt, aber ja. Also ich hoffe, das geht gut.

Dann war ich heute in der großen, feinen Stadt, in der einer der Kurse stattfinden soll. Alle waren begeistert von mir, auch die Große Chefin, die mir manche Tür öffnen könnte… und ich bin auch lange genug in Israel, um sofort gemeinsame Bekannte aufweisen zu können. Ah, du bist aus Kibbuz Ramat Chaim, da kennst du doch bestimmt Arale und Berale? Kenn ich, aber wenn du Arale und Berale kennst, dann kennst du bestimmt auch Moshik und Rafik? Kannte sie. Dann zeigte sie mir die Arbeitshefte, mit denen bisher die Kunstkurse für Kindergärtnerinnen abgehalten wurden, und vor meinen professionellen Augen taten sich Abgründe auf.

Nicht nur, daß diese Arbeitshefte von einer mir aus der PH bekannten Frau geschrieben wurden, die mich im Lehrerzimmer anno dazumal als “junge Nichtskönnerin” abtat (das könnte sie heute nicht mehr, ich bin sichtbar gealtert, weiß aber immer noch nicht viel). Sie enthalten genau DIE Art Arbeitsanweisungen, die ich wie nichts anderes auf dem Kieker habe. Auf dem Titelbild: ein Selbstporträt von van Gogh, düster und pessimistisch. Daneben: eine von einem kleinen Mädchen sorgsam abgemalte Kopie dieses Selbstporträts, darüber in großen Buchstaben ihr Name.

Was soll das, Kinder einfach van Gogh nachmalen zu lassen? Seit wann wird kindliche Kreativität durch Nachmalen befördert? (Kunststudenten, die ihre Technik perfektionieren wollen oder in Stilen experimentieren - das ist was anderes, die müssen Meister kopieren - aber Kinder???) Was versteht ein Kindergartenkind von van Goghs innerer Welt? Ich will doch hoffen, nichts. Außerdem entsteht ein Selbstporträt, wenn jemand sich im Spiegel betrachtet und malt, was er sieht. Wenn ich das platt abmalen lassen, verliere ich gerade den Kick eines Selbstporträts, der ja daraus besteht, daß der Maler sich soeben selbst in die Augen sieht. Daß das kleine Mädchen ihren eigenen Namen groß schreibt, ist das einzige Zeichen einer selbständigen Äußerung an diesem gräßlichen Beispiel komplett fehlgeleiteter Arbeit mit Kunst.

Ein weiteres Beispiel: der Sonnenaufgang von Roy Lichtenstein, bekanntlich “mit Absicht” in Comicmanier, als Antwort auf die ekstatischen Lichtspiele von Lorrain oder Monet. Also recht sophisticated, auch wenn er das natürlich als Manier ziemlich strapaziert hat, wenn ihr mich fragt. Ein Kind kann den kulturellen Hintergrund für die Entscheidung der Pop-Art-Künstler, die Welt zu Comics gerinnen zu lassen, nicht nachvollziehen. Soll es auch nicht. Aber ein Kind mit Wachsmalstiften dransetzen, daß es diesen Sonnenaufgang nun nachmalt??? Häää??? Wat soll dat denn????

Mit Wachsmalstiften kommen natürlich nur krumme, bunte, farblich vibrierende Sonnenuntergänge raus. (Schöner als der Lichtenstein, wenn ihr mich fragt, aber was weiß ich schon?) Das Kind kann sich dann mit der glatten, künstlichen Perfektion des Originals vergleichen und denken, “blöd, ich kann wirklich nicht malen, ich wußte es doch”. Und da haben wir dann wirklich was erreicht!

Was statt dessen? Künstlerische Betätigung und Kunstbetrachtung TRENNEN. Den Kindern viele interessante Materialien geben. Sie experimentieren lassen: Handabdruck mit Farbe, Handabdruck in Gips, Handabdruck in Sand mit Gips ausgießen - dann alle drei vergleichen. Selbstporträts (aber glücklichere) vergleichen, vielleicht selbst mal in den Spiegel gucken, aber noch keine selbst malen. (Finde ich zu früh dazu, Kindergarten). Die Sterne von van Gogh angucken, sich überlegen, wieso er die wohl so gemalt hat. Kindern dann ein Bild von Hubble zeigen: der Maler wußte mehr als seine Zeitgenossen, und man sollte niemals sagen “das sieht doch gar nicht so aus, das ist aber falsch gemalt”. Falsch gibt es nämlich nicht.

Und so weiter.

Natürlich habe ich kein Wörtchen gesagt sondern nur gemeint, hm hm hm, interessant. Ich werde die Fortbildung mit einer Frau zusammen machen, sie ein Drittel, ich zwei Drittel, die praktische Erfahrung hat, eine erfahrene Kindergärtnerin. Und ich werde still und heimlich dieses fiese, dumme Lehrbuch untergraben. Nicht offen, aber so, daß die Kindergärtnerinnen selbst es nicht mehr zufriedenstellend finden. Jawohl. Ein Schaf im Schafspelz, so werde ich Kunstbetrachtung und Kunst im Kindergarten sanft blökend umstürzen!

Und darauf, ihr Lieben, darauf freue ich mich, und daran arbeite ich gerade. Obwohl es noch mindestens zehn dringlichere Projekte mit SEHR enger Deadline gibt, die mich beißen wollen.

Morgen unterrichte ich. Danach bin ich als festlicher Teil einer Rosh-haShana-Feier für ein therapeutisches Zentrum geladen, mit einem Vortrag, “Kind, Familie, Liebe im Bild”. Am Tag danach bin ich an der Uni, muß einen endlosen Berg Papier bewältigen. Dann ist Fest, Rosh haShana, wir sind eingeladen und haben Gäste. Dann ist wieder eine große Kampfabstimmung im Kibbuz, Privatisierung in kleinen Schritten - ich muß Stunden um Stunden an der Wahlurne sitzen. Und zwischendurch noch tausend kleine Dinge machen… und weniger bloggen.

Von der Arbeit August 2, 2007, 23:39

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Ja, ich muß mal wieder ein bißchen von der Arbeit erzählen, das hab ich in der letzten Zeit nicht mehr gemacht. Es mag daran gelegen haben, daß meine neuste Vortragsreihe mir selbst nicht so gut gefällt, wie ich anfangs dachte. Ich mache eine Reihe über Museen.

Die Idee fand ich gut und habe sie richtig schön ausgearbeitet: jedes Museum stelle ich nach bestimmten Kriterien vor. Ich fange mit dem Ort an (so richtig schön mit Google Earth - das ist bei Museen wie dem Louvre wirklich aufschlußreich), spreche über das Gebäude (ist ja ein Unterschied, ob es ein Neubau ist, ein altes Schloß oder ein umfunktionierter Bahnhof, und ob da mal angebaut oder erweitert wurde und wie…), gehe dann zu den Sammlungen über. Geschichte der Sammlungen, wie sind sie aufgeteilt, wie gehängt? Schwerpunkte, Highlights, Reserven.

Und dann stelle ich jeden Teil der Sammlung vor, mit einer repräsentativen Auswahl. Das ist der Hauptteil. Zum Schluß spreche ich ein bißchen über die politische, gesellschaftliche oder erzieherische Funktion des Museums - Selbstdarstellung von Herrschern ist ein Stichwort. Wenn spektakuläre Restaurationen dort stattgefunden haben, erzähle ich auch davon. Ich zeige auch Bilder vom Museumsshop. Also rundherum.

Ohne Internet wäre natürlich so eine Reihe nicht zu machen. Ich dachte, es ist doch mal interessant, weder thematisch noch chronologisch vorzugehen. Trotzdem bin ich mit der Reihe irgendwie nicht zufrieden. Ich habe sie in einem kurzen Kurs ausprobiert, das war nicht gut, weil ich da sehr schnell durch die einzelnen Museen rasen muß. Im Moment habe ich dieses Problem nicht- ja ich weiß auch nicht, vielleicht ist das zu sehr “the best of”, ist nicht so gut geworden, wie ich dachte.

Aber jetzt habe ich mir drei Wochen für das Museum of Modern Art genommen. Und das, wo ein Teil meiner Zuhörer über 80 ist (ich hab auch Leute um die 50, und eine junge Studentin kommt auch von Zeit zu Zeit) und beim Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert schon kalte Füße kriegt! (Ich habe auch drei aktive Maler dabei, darunter ein Franzose, die finden das natürlich superb, wenn ich mal über moderne Kunst spreche…)

In meiner vorherigen Reihe (die auch eklektisch war, aber irgendwie besser “zusammengenäht”) ging es um Meisterwerke. Ich habe die Leute in der ersten Stunde einfach sagen lassen, über welche Meisterwerke sie was hören wollen. Da kamen dann die üblichen Verdächtigen, von der Mona Lisa über Rodins Denker bis Munchs Schrei, Vermeers Mädchen mit Perlenohrring und die sog. Nachtwache von Rembrandt - aber auch unerwartete Bitten wie Cezannes Badende und die Rokeby-Venus von Velazquez.

Es hat Spaß gemacht, die Meisterwerke schön aufzubereiten. Ich habe mal mit dem Künstler angefangen, bei Velazquez war das sinnvoll, mal mit dem Genre, die Badenden habe ich richtig schön aufgerollt. Und dann Vergleiche, Stilmittel, und auch die Rezeptionsgeschichte. Ich finde das Mädchen mit dem Hermelin viel schöner als die Mona Lisa, auch geheimnisvoll, aber Leonardo hat sie nun mal nicht überall mit sich rumgeschleppt, niemand würde in ihr ein geheimes Selbstbildnis vermuten und sie hängt nun mal in Krakau. Kein gutes Sprungbrett für globalen Ruhm.

Und so haben wir am Ende gesehen, daß Meisterwerke ein ganz interessanter Kreuzungspunkt vieler Fäden sind. Und ich habe natürlich gegen Ende auch moderne Meisterwerke eingeschummelt, so habe ich vier Stunden über Bacon, Hockney und Freud gemacht. Das war wirklich schön. Oh, und natürlich Jackson Pollock und Mark Rothko, ebenfalls zusammen. Das bietet sich ja an.

Na ja, jetzt habe ich also die klassischeren Museen, Louvre und Prado, durch. Diesmal durchbreche ich auch die chronologische Folge, nach dem MOMA ist die Akropolis dran. Aber ich habe in den letzten drei Stunden so richtig schön von Monet bis Max Ernst (weiter sind wir noch nicht gekommen) rauspräpariert, was moderne Kunst alles kann bzw sich rausnimmt. Natürlich macht es Spaß, daß meine Zuhörer vielfach seit Jahren bei mir sitzen und auf einen Vergleich von Boccionis voranstürmender Skulptur mit der Nike von Samothrake selbst kommen. Meine alte Lehrerin für moderne Kunst würde einen Schlag kriegen, wenn sie wüßte, daß ich so keck bin, Malewitsch und Popova zu zeigen und noch was dazu zu sagen. Aber ich habe erst beim Erklären selbst kapiert, worum es Malewitsch ging. Oder mir das zumindest eingebildet.

Nächste Woche geht es weiter. Dann komme ich bis Eva Hesse und Rachel Whiteread. Mal gucken, wie ich mich da reinstürze. Es macht aber Spaß, in Fachgebieten zu wildern, an die mich eine normale akademische Umgebung nie ranließe. Da hat jeder sein Töpfchen und sein Kröpfchen, und wenn die Fachfrau für antike Kunst von “zeitlich nahe” spricht, kann sie damit 200 Jahre meinen… während der Kollege von der modernen Kunst säuberlich trennen muß, in welchem Monate des Jahres 1911 Picasso und Braque diese oder jene Bucht gemalt haben…

(Wollte eigentlich alle erwähnten Künstler und Werke verlinken, aber …. Google ist doch in letzter Zeit billiger geworden? Kann sich jetzt jeder leisten? Darum stelle ich diesen Sermon einfach mal so ein.)

Albtraum Juli 29, 2007, 7:06

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kurz vorm Aufwachen. Ich träume, ich gebe einen Vortrag vor riesigem Publikum. Ich zeige die Iphigenie von Feuerbach und frage rhetorisch, “nun, woran denkt sie? daran, was sie zum Abendessen machen soll?” Da fällt mein Auge auf eine Frau im Publikum. Es ist Iphigenie selbst, eindeutig, und sie lächelt spöttisch.

Anselm Feuerbach, Iphigenie, 1871

Gut, daß Y. mich genau in dem Moment weckte.

Ab nach Kassel, Juli 28, 2007, 13:06

Posted by Lila in Kunst.
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ein interessantes Bild angucken.

Maerten van Heemskerck, Familie, c. 1530

Es ist sehr bekannt, ich weiß, aber nicht weniger interessant. Das Bild läutet eine gloriose Zeit für Familienporträts ein, ein Genre, das ich spannender finde als viele andere. Nein nein, Familienbilder sind überhaupt nicht idyllisch, Familienleben ist ja auch nicht idyllisch, wir bilden uns das nur ein, um es zu ertragen.

Für so ein frühes Bild zeigen sich die Figuren sehr selbstbewußt. Der Vater trinkt uns zu , die Mutter spielt mit den Zehen des jüngsten Kinds. Obwohl sie die Augen züchtig niederschlägt, sieht sie nicht unterdrückt aus, sondern schließt den Bildrand recht kräftig ab. Interessant auch die Tischecke und die spitze Form zwischen Häubchen der Tochter und Ärmel der Mutter - trennen die Mutter optisch von der Gruppe, obwohl Mädchen immer an Mutters Seite sind.

Obwohl der Vater uns kühl ins Auge sieht und uns höflich zutrinkt oder ein Glas anbietet, hat er seine Familie doch voll unter Kontrolle. Er und seine Frau, die beiden massiven seitlichen Blöcke, die die Familie halten - und er hat natürlich den Kopf am höchsten. Die Kinder, die miteinander was zu kichern haben, sind lebendiger kaum zu denken. Wer erinnert sich nicht an die Lachanfälle, die zu den besten Erlebnissen gehören, die man mit Geschwistern haben kann? Wenn man wie verrückt versucht, das Lachen einzudämmen, aber es kommt immer wieder. Und das nun ausgerechnet, wenn Leute zugucken! Heemskerck hätte ohne weiteres die Kinder ruhig und distanziert zeigen können, aber er wählt gerade die kleine, kichernde Entgleisung und die mahnende Vaterhand auf der Schulter des Mädchens. (Der Junge ist natürlich viel assertiver als seine Schwester, man beachte seinen Ellenbogen.)

Ich habe das Bild schon oft gezeigt, in Vorträge und vielleicht auch hier, und jedesmal finde ich es faszinierend. Ich mache mir gerade Gedanken über die Kirsche in der Hand des kleinen Mädchens, über die Korallenkette der Mutter und die Nacktheit des Jüngsten. Aber Brüderchen und Schwesterchen, wie sie so über die Jahrhunderte hinweg einen Scherz miteinander teilen, sind für mich sehr lebendig.

Übrigens war der Himmel über Jahrhunderte hinweg übermalt, mit einer braungrauen, neutralen Hintergrundfarbe. Ich stelle mir gern vor, wie aufgeregt der Restaurator gewesen sein muß, als der kühle Himmel zum Vorschein kam, mit den Wolken, die die Eltern noch weiter  als Achsen setzen.

Ich wäre jetzt gern in Kassel, um das Bild im Original zu sehen. Wieso ist das auch so weit weg?!

Wo ich jetzt gern wäre und warum April 3, 2007, 13:28

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In Amsterdam.

Weltfrauentag März 9, 2007, 16:42

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Kunst.
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Gestern stöhnte ein Kollege “…und das am Weltfrauentag!” Sonst wäre es mir gar nicht aufgefallen, daß der gestern war. Ich meinte, “ist das der Muttertag für kinderlose Frauen?”, aber dann fiel mir ein, daß es ja heute “Familientag” heißt, Familie haben ja alle. Auf jeden Fall ist es ein Ehrentag für besondere Spezies - so wie das “Jahr der Geisteswissenschaften” oder wie Loki Schmidt jedes Jahr eine gefährdete Blume schützt. Nun, ich halte Blumen und Geisteswissenschaften in der Tat für schutzwürdig, warum also nicht auch uns Frauen.

Der Ehrentag fiel mir wieder ein, als mich mein Mann von der Arbeit abholte. Er legte mir einen wunderschönen, schweren Katalog auf den Schoß. Vorne hatte er reingeschrieben “jeder Tag ist Tag der Frau”. War das nicht genial von ihm? Für mich ist jeden Tag Tag des Mannes. Dieses Mannes jedenfalls.

Und nun zu van Dyck:

Es hat mich noch niemand gefragt, obwohl auf Fragebögen aller Arten diese Frage durchaus interessant wäre: von welchem Maler hättest du gern Dein Porträt malen, zeichnen, modellieren, bildhauern, photographieren… sonstwie herstellen lassen? Ich würde van Dyck wählen.

Van Dyck hält die weltkluge Mitte zwischen eleganter Schmeichelei und Durchschimmernlassen des Charakters. Seine Farbigkeit ist mal venezianisch-reich, mal britisch blaßküh, aber immer stimmen Kleidung, Hintergrund und Unterton des Inkarnats (wie deutsche Bücher das nennen) wunderbar zusammen - besser, als jede Vierjahreszeiten-Beraterin es abstimmen könnte.

Wie fast alle Porträtisten, die ich kenne, zeichnet van Dyck die weiblichen Gesichtszüge und Körper sanfter als die männlichen. Auch Männern schmeichelt er mild, aber es läßt sich durchaus erkennen, daß der Earl of Arundel kein schöner Mann war. Hingegen hat jede Frau, auch die nicht schöne, bei van Dyck das Potential zur Schönheit. Wobei man wohl über die Hürde springen muß, daß van Dycks Zeit fast busenlose Frauen mit breitem Körperbau schön fand - auch seine eigene Geliebte Margaret Lemon würde sich heutzutage mit Diät eine Taille anquälen und Silikonbusen einsetzen lassen müssen, um als schön zu gelten.

Es gibt Maler wie Degas, die ihren unbarmherzigen Blick auf Frauen wie Männer richten und niemandem schmeicheln, auch der eigenen Familie nicht - daher werden sie auch nicht Porträtisten, denn nur Menschen, denen die Kunst wichtiger ist als ihre Eitelkeit, würden sich diesem Blick aussetzen. Es gibt auch die reinen Schmeichler, bei denen alle Subjekte genau gleich aussehen. Aber van Dyck ist nicht unbarmherzig und nicht glatt. Van Dyke zeigt seine Modelle so schön wie möglich, ohne künstlerische oder menschliche Kompromisse einzugehen.

Wie sein Urenkel im Geiste, John Sargent Singer, bringt er in seinen Subjekten die elegante Haltung, den funkelnden Blick, die sprechende Geste, perfekt mit Format und Komposition zusammen. (Wobei van Dyck wesentlich stärker ist als JSS!) Van Dyck aber hat den Willen, seine Modelle und Auftraggeber schön erscheinen zu lassen, auch wenn das der heutige Betrachter nicht sofort erkennen mag.

Wer es also fertigbringt, die von Plastikprinzessinnen verschleierten Augen klar zu halten und seinen Schönheitsbegriff zu erweitern, so daß er auch andere Zeiten einbezieht, der wird schnell sehen, daß bei van Dyck die Schönheit unter der Oberfläche zu fassen ist. Schönheit bedeutet Ausgewogenheit, Gelassenheit, Eleganz - alle seine Frauen sind damenhaft, auch die kleinen Mädchen sind es schon.

Damenhaftigkeit ist irgendwie aus der Mode gekommen, was außer mir vielleicht niemand bedauert - und auch ich bedaure es ja nicht, wenn ich es gerade eilig habe. Aber es hat doch etwas für sich, dieses damenhafte Ideal, weil es mit Selbstdisziplin, einer gewissen inneren Haltung und auch Diskretion zu tun hat. Eben nicht alles nach außen stülpt, sondern Gefühle oder innere Vorgänge nur erraten läßt.

In meinen alten Kunstbüchern, die ich von meinem vor meiner Geburt verstorbenen Großvater geerbt habe, einem Kunstliebhaber, dessen Gegenwart ich manchmal spüre…. (meine Oma pflegte nämlich zu sagen, “wie hätte Unser Vater sich über dich gefreut!” - womit sie mir meinen nie gekannten Opa eigentlich schenkte!)… also in diesen Büchern wird van Dyck als Hofmaler, als oberflächlicher, seelenloser Drechsler abgetan.

Rembrandt, das ist Seele. Rubens, das ist königliche Souveränität über alle Genres. Jordaens, das ist authentische Flämischkeit. (Damals wurde nämlich künstlerisches Temperament so unbefangen mit ethnischem gleichgesetzt, wie wir das heute gar nicht mehr können) Doch van Dyck, das ist das zu Markte getragene Kompliment, der Höfling, der Immergleiche-Hände-Maler. (Und ich verweise hier nur auf Porträts, nicht auf andere Genres.)

Antoon van Dyck/Anthony van Dyke, Maria Lugia di Tassis, 1629

Es hat gedauert, bis van Dyck den Ruhm gefunden hat, der ihm gebührt. Ich entdecke auch an seinen religiösen Monumentalbildern Farbigkeit, dramatische Gedrängtheit der Komposition und kühne Pinselzüge, die mir gefallen. Doch am besten gefallen mir seine Porträts, dabei auch die Zeichnungen. Es ist bewundernswert, wie er mit ein paar sparsamen, ohne Absetzen sicher gezogenenen Feder- oder strichen einen Menschen festhält.

Dann das Bild von Charles I, das Bernini als Vorbild für eine Büste diente - wie oft habe ich es schon im Unterricht gezeigt, um vorzuführen, was Profil, Dreiviertelprofil und Frontalansicht für das Gesicht und den Betrachter bedeuten - er ist unglaublich genau, ohne geschwätzig zu werden. Das kann nicht jeder.

Van Dyck bringt es fertig, zwei sich sehr ähnelnde Brüder, die beide elegant gekleidet sind und ähnliche Posen einnehmen, allein durch Blick und Gesichtszüge völlig unterschiedlich zu charakterisieren - selbst wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht, dann auf den zweiten bestimmt. Ich rate übrigens Studenten, die Schwierigkeiten mit der Charakterisierung auf Bildern haben, einfach mal den porträtierten Menschen genau anzusehen und sich vorzustellen, sie müßten ihn in einem Film darstellen. Also dieselbe Pose einnehmen, den Gesichtsausdruck nachahmen, die Blickrichtung… auf einmal versteht man den Porträtierten, es macht Klick. Bei diesen beiden Brüdern klappt es richtig gut, die Unterschiede werden so deutlich!

Ich liebe auch van Dycks Kinderporträts. Besonders Geschwistergruppen finde ich ja ungeheuer spannend und kann stundenlang gucken, wie Brüder und Schwestern ihren Platz innerhalb der Geschwistergruppe (der Große, der Kleine, die Große, die Kleine… und alles was dazwischenliegt) einnehmen. Die wichtige Rolle des Prinzen ist jedenfalls bei den wirklich königlichen Kindern van Dycks wesentlich diskreter herausgestellt als bei seinen Nachfolgern.

Antoon van Dyck/Anthony van Dyke, Philadelphia und Elizabeth Wharton, 1640

Bilder von Gr0ßeltern und Enkeln interessieren mich ebenfalls besonders - oft ist nämlich in den spannungsvollen innerfamiliären Konstellationen diese Beziehung die liebevollste und unkomplizierteste, eine Art Verständnis überspringt die erziehende, gespannte Elterngeneration. Selbst der gestrenge Lord Arundel schüchtert seinen Enkelsohn nicht ein, sondern beide sind durch durch ein ausgewogenes System von Linien eng verbunden. Der Marschallstab, den der Großvater stolz hält, wird in der Schulterlinie des warmfarbig gekleideten Jungen wiederholt. Auch das Glanzlicht auf der großväterlichen Rüstung hat sein Pendant in der Kette über der Brust des Enkelsohns. Trotz des Größenunterschieds ist der Junge deutlich herausgehoben und wichtig - es ist kein Einzelporträt mit Attribut, sondern ein Doppelporträt.

Dann seine Pferde - so seelenvoll, daß man erwartet, sie tun jeden Moment den Mund auf wie Falada. Ich habe eine Vorliebe für Bilder mit Pferden, ob Franz Marcs Pferdchen oder Gauguins oder das von Constable, Delacroix´ edle schnaubende Rosse, Gericaults rührend ausdrucksvolle Pferde, George Stubbs und ich habe sogar eine ganze Unterrichtsreihe über Tiere… wobei mehrere Stunden dem Pferd gewidmet sind.

Van Dycks Pferde stehen nicht so deutlich im Vordergrund, doch ein Blick auf das berühmte Porträt des Königs auf der Jagd genügt, um ein Pferdegesicht zu entdecken, das mit seinen riesigen Augen geradezu Porträtcharakter hat. Und die goldene Mähne!

Ja, das ist ein Meister. Irgendwie bin ich sicher, daß er mich so gemalt hätte, daß selbst ich Meckerliese nichts an dem Bild auszusetzen hätte, das der Welt von mir erhalten bleibt. Leider wird daraus nichts, schade. Ich freue mich aber, daß ich mich nun am Wochenende voller Genuß dem Katalog widmen kann. Dem Weltfrauentag sei Dank!
Ich habe hier übrigens nicht viele Bilder gepostet, weil ich keine Lust habe, mich wieder mal mit drohenden Emails auseinanderzusetzen. Dank Tabs kann ja jeder die Bilder und virtuellen Museumswände öffnen und gleichzeitig weiterlesen. Außerdem lasse ich für solche Fälle diese merkwürdigen, aufspringenden Fensterchen, mit denen man einen Blick auf die verlinkte Seite werfen kann, ohne zu klicken.