Nachrichtengucken mit Quarta Mai 14, 2008, 6:21
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute, Presseschau.4 comments
Ich stelle die Morgennachrichten nur an, wenn ich unruhig bin, und heute war so ein Tag. Während ich Quarta Zöpfe mache, jeden Tag auf Bestellung, sehen wir die Morgennachrichten um sieben.
Sie eröffnen mit Olmerts neuem Skandal (ha-parasha ha-chadasha shel Olmert), berichten über die neusten Ermittlungen. Dann geht es zu Peres´ großer Party (Vorsicht, der Link tröötet), wo Olmert eine Rede hält und was von den Palästinensern tönt und was er alles erreicht hat und erreichen wird. Quarta schnappt nach Luft. “Mama, der ist aber frech!”, und dann gedankenvoll, “ich glaube, das ist der schlechteste Premierminister, den wir je hatten”.
In den internationalen Items erscheint Hillary Clinton in einem schreienden lachsrosa Jacket und flirtet mit den Wählern West-Virginias, die ihr soeben einen bedeutungslosen Sieg serviert haben. Quartas Kommentar: “die wird nicht Präsidentin, die macht ja viel zu viele Witze”. Sie mag es nicht, wenn Erwachsene Späße machen, außer ihrem Papa.
Es ist wirklich ein Vergnügen, mit ihr Nachrichten zu gucken, sie hat zu allem was zu sagen. Leider kann ich mir nicht alles merken. Dann nimmt sie ihren Ranzen und zischt ab.
Mondbedingte Dissonanz März 20, 2008, 20:14
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.11 comments
Alllloooou?????, wie man hier statt Hallo sagt. Allllou????? Wie geht das denn zu? Ostern und Purim zugleich? Das hatten wir lange nicht mehr, ich glaube, ich war mit irgendjemand schwanger, als das letzte Mal die Riesen-Purim-Party auf den Karfreitag fiel. Die PurimParty ist die einzige Gelegenheit im Jahr für Y. und mich, eine Nacht durchzumachen, uns mit zwei Gin Tonics ins Koma zu trinken (ja, wir vertragen nichts, also ich bestimmt nicht) und zu tanzen, bis außer uns nur noch ein paar mossadnikim mit glasigen Augen in die Morgendämmerung starren. (Mossad heißt institution, also sowohl der Geheimdienst als auch mental institution und eben auch educational institution heißen so - die High school heißt ha-mossad und seine Schüler mossadnikim.).
Ja, kann ich das denn diesmal machen? zu Karfreitag? Eigentlich wäre es eine festliche Gelegenheit. Die letzte meiner Single-Freundinnen, die seit fünfzehn Jahren zu dieser Party hier einfallen, sich umsonst betrinken (ja, zu Purim wird umsonst ausgeschenkt, wie in der guten alten Zeit) und mit Kibbuzniks tanzen und unser Männerballett beklatschen und sogar die kryptischen Filme, die jedes Jahr gedreht werden - also die letzte, die anspruchsvollste, die liebste dieser Freundinnen hat nun einen Partner gefunden. Das erste, was sie mir sagte, nachdem die Sache in Gang kam, war: “so, und dieses Jahr komm ich zu Purim nicht mehr allein!”
Also, mir gefällt das nicht. Pessach und Ostern, die passen zusammen. Purim und Karneval ebenfalls. Aber Purim am Karfreitag - das geht einfach nicht.
Ideale Bedingungen März 15, 2008, 19:36
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.13 comments
Lucifer hat ein neues Lieblingsplätzchen. Als wir ihn photographierten, haben wir gar nicht gemerkt, was gerade für ein Werbespot lief (wir stellen bei Werbung ja immer den Ton ab). Und was da geschrieben steht.

תנאים אידיאלים
Tna’im idealim - Ideale Bedingungen
Katz kann lesen….
Von Hifil und Nifal März 15, 2008, 15:17
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Rat und Tat.10 comments
Was wie ein verfeindetes oder verbündetes Brüderpaar klingt, das sind die Namen der sogenannten hebräischen Fälle. Ich habe gestern einen vergnüglichen Nachmittag mit Tertia verbracht, sie bereitet sich nämlich auf eine wichtige Prüfung in hebräischer Grammatik vor. Ich kann den Kindern in Mathe überhaupt nicht helfen (ich ergreife die Flucht beim Anblick von Formeln, außerdem kann ich micht an die hebräischen Ausdrücke für “zum Quadrat” und “Wurzel” und so nicht gewöhnen), in Literatur bis zu einem gewissen Grade, Geschichte sehr gut - und auch, ha ha, in hebräischer Grammatik. Dabei ergreift nämlich Y. die Flucht!
Ich habe noch aus Studienzeiten ein ausgezeichnetes Buch, in dem alle Verbformen mit Beispielen durchkonjugiert werden. Es gibt nur sieben sog. Fälle, nach denen sie abegewandelt werden, und native speakers machen das automatisch richtig - aber eine Verbform genau zu bestimmen, das fand Tertia sehr verwirrend. Wie hält man die sieben binyanim, die Fälle, auseinander? Manchmal ist es ganz nützlich, eben nicht native speaker zu sein. Meine in harter Arbeit entdeckten Eselsbrücken und Erklärungen halfen, auf einmal machte es bei Tertia pling im Kopf und alles war ganz einfach.
Zuerst haben wir alle Übungsblätter ausgefüllt, die die Lehrerin ausgeteilt hatte. Dann meinte sie, ich soll ihr Verbformen geben, und sie bestimmt sie - in Form einer Liste: Infinitiv, Wurzel, aktiv oder passiv, Zeit, Person, Fall. Letzteres war ihr eben vorher schwergefallen. Ich gab ihr also eine Liste besonders fieser Verbformen, mit wegfallenden Konsonanten und veränderten Vokalen. Kein Problem, sie konnte sie alle bestimmen. Dann knöpfte sie sich ihre Mutter vor. Mit dem Buch in der Hand prüfte sie mich. Ging recht glatt. Insgesamt ein fröhlicher Nachmittag.
Danach sahen wir zusammen Abendnachrichten. Auf den Inhalt achteten wir kaum, statt dessen riefen wir uns bei jedem Verb zu: hufal! nifal! kal! hitpael! Hat großen Spaß gemacht. Tertia meint, sie wird meine Erklärung an ihre Freundinnen weitergeben.
Für meine hebräisch-geplagten Leser hiermit ein Bild als Eselsbrücke, man kann die Fälle nämlich in Form einer Menora anordnen.
Tertia und ich haben daraus ein schönes Bild gemacht, und ich habe die Ausdrücke in lateinischen Buchstaben dazugeschrieben. Die eine Seite der Menora ist aktiv, also rot, die andere passiv, also blau. Jeder aktive Fall hat einen passiven Gegenspieler: das normale Verb, Kal, den Nifal. Die Intensivform, der Piel, heißt im Passiv Pual. Und kausative Verben stehen im Hifil, im Passiv Hufal. Nur der reflexive Hitpael ist sowohl passiv als auch aktiv, deswegen haben wir ihn lila gemacht.
Wer gern Näheres wissen möchte, der kann mir eine Mail schicken, und ich schick ihm eine ausführlichere Anleitung. Ich habe zwar die tückische Absicht, die besorgniserregend angeschwollenen Zugriffszahlen wieder auf ein überschaubares Maß zu drücken
(wozu sich hebräische Grammatik trefflich eignet), aber ich will auch nicht ZU grausam sein. Ich hab auch noch eine ausführlichere Fassung der bunten Menora…
Das Haus März 7, 2008, 21:52
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.2 comments
ist auf seine Fundamente zurückgekehrt. Der Hausvater ist wieder zurück aus der großen Welt, er war in Venedig und Prag, hat neue Technologien kennengelernt, die er nun in der Fabrik umsetzen wird, und hat wunderbar ruhige katzenfreie Nächte verbracht (die Katzen wecken einen ja pausenlos auf, Mini will fressen, Lutz nach draußen und Leo spielen). Ich hingegen habe schlafe miserabel ohne ihn, obwohl Quarta so nett war, in Papas Bett zu schlafen, während er weg war. Sie hat sogar versucht, ihm ihr Bett als gemütliche Alternative zu seinem angestammten Platz zu verkaufen - erfolglos.
Aber jetzt ist er wieder da.
Und jetzt Secundus. März 6, 2008, 0:50
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.6 comments
Mashina, Tachzor tachzor (Komm zurück, komm zurück)
Das habe ich neulich schon mal reingestellt, aber Secundus meint, das kann man auch nochmal vertragen. Text hier.
Teapacks, HaTachana heYeshana (der alte Busbahnhof)
Corinne Allal, K’she ze amok (Wenn es tief geht)
HaBanot Nechama, Lehiot so far
Ebenfalls ohne Bilder, kannte ich ebenfalls nicht. Das ist wohl was ganz Neues. Wurde neulich auf einem Schulabend gesungen.
Shotei haNevua, Kol Galgal
Und noch eins ohne Bilder, ich kannte ebenfalls weder die Band noch das Lied. Der Text ist hier. Und hier noch eine Version, die seltsamerweise galgal als circle übersetzt. Ist aber ein Rad.
Das hört die israelische Jugend in unserem Milieu wohl im Moment, ja ja.
Zum Abschluß etwas klassika israelit, David Broza. Das Lied von den Veilchen. Hier mit Fehlernl übersetzt (von Flaggen ist keine Rede im Lied….
). Das legendäre Konzert in Massada, das sich bis in die Morgendämmerung erstreckte.
Musikabend, ausgesucht von Primus März 6, 2008, 0:46
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.add a comment
(Immer wenn ich das Wort Musik hinschreibe, erinnere ich mich an die gute Freundin, die mit einem Mann Schluß gemacht hat, weil der das Wort Musik auf der ersten Silbe betont hat. Musik. Verständliche Entscheidung.)
Ich hab die Jungens aussuchen lassen. Das hat Spaß gemacht. Wichtig ist die Musik, nicht die Clips.
Primus:
HaYehudim, Im Kvar (Wenn schon)
Text hier.
HaDag Nachash, Shirat haSticker (Das Lied der Sticker - Text besteht aus Stickern, die auf Autos kleben)
Yetziath Cherum, Kchi lach zman (Lass dir Zeit)
Ist zwar kein Bild dabei, aber das Lied ist schön. Kannte ich gar nicht.
Beit haBubot, Le maani (Für mich)
Ist ein Fanvideo, aber wir mögen Beit haBubot gern. Text auf Ivrit hier. Und auf Youtube in einem der Kommentare die englische Übersetzung.
Dienstreise März 3, 2008, 17:13
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.1 comment so far
Mein lieber Y. ist unterwegs, diesmal auf einerDienstreise in Norditalien. Ich wäre ja gern mitgekommen, aber es geht nicht. Er wird also allein durch Venedig traben, während ich ihn hier vermisse. Er ist gerade mal 12 Stunden weg, aber das ist mir schon zu lang. Gut, daß ich genügend zu tun habe. Und ihm tut ein bißchen Tapetenwechsel ganz gut.
Zum letzten Mal einstellig Februar 19, 2008, 16:12
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.6 comments
Letzte Nacht haben Y. und ich in perfekter Synchronarbeit Luftballons aufgeblasen, Girlande und Herzchen-Lichterkette aufgehängt, Kuchen gebacken und Geschenke eingepackt. Über 50mal haben wir das schon gemacht, hat Primus uns vorgerechnet. Als ich die hölzernen Geburtstagslichter und -zahlen auspackte und die Glückskerzen reinsteckte, Schornsteinfeger, Schweinchen, Glücksklee und Hufeisen, wurde ich ganz wehmütig. So sah mein Geburtstagstisch auch aus, als ich Kind war, und ich habe diesen hölzernen Tischschmuck aus Deutschland mitgebracht und hier eingeführt. Das war heute das letzte Mal. Es war der letzte einstellige Geburtstag in diesem Haus - selbst ich gehe nicht so weit, den schwarzen Katern mit morgndlichem Gesang und Kerzenlicht die Geburtstage zu versüßen.
Volunteers Februar 18, 2008, 14:59
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.add a comment
kommen wieder. Ach, ich wünschte, wir hätten noch welche bei uns.
Klassenfahrt Februar 11, 2008, 20:22
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.add a comment
Wer mich kennt, weiß ich, daß ich die Kinder höchst ungern auf Klassenfahrt fahren lasse. Ich mag das nicht, so ein leeres Haus - denn die Schulen setzen ihre Klassenfahrten zeitnah an. Das heißt, gleichzeitig verschwinden meine drei Großen, und gleich hinterher noch die Kleine. Ich renne kopflos durchs Haus und weiß nicht, wohin mit meinem Sorgetrieb. Selbst Y. gibt zu, daß es ohne die Kinder reichlich still ist hier. (Außerdem fange ich dann an, ihn zu betüddeln….)
Secundus packt gerade, fröhlich und aufgekratzt. Tertia hat noch zwei Tage, dann fährt sie auch. Primus´Klassenfahrt ist abgesagt, weil so kurz nach dem langen Streik und mitten im Abitur keine Zeit dafür bleibt. Dafür fährt Primus eifrig mit seiner Sportgruppe, nur kurze Fahrten, aber öfter.
Erschwerend kommt hinzu, daß die beliebten Ausflügsziele mir stets unglücklich gewählt vorkommen. Ich erinnere mich mit Grausen an den Tag, als alle in Richtung Norden fuhren - das war natürlich während einer Terrorphase, und ich saß mit ein paar Freundinnen im Auto und grämte mich. Aaach, meinten sie, im Norden ist es nicht gefährlich, sei froh, daß sie nicht nach Tel Aviv fahren! Und da kam im Radio die Nachricht, daß in Zfat ein Anschlag war, an einer Bushaltestelle.
Ja ja, ein andermal wurde ein Ausflug abgesagt, weil die Grenze im Norden mal wieder “heißlief”, das kommt alle paar Monate vor. Katyushas, eindringende Terroristen, Warnungen.
Auch die Kurzfahrten nach Tel Aviv, ins Museum und wo sie die Kinder sonst noch mit hinnehmen, waren mir immer unheimlich. Ich weiß, ich weiß, die Schule wägt sorgsam ab und setzt die Kinder keinem Risiko aus, außerdem leben da überall Leute, für die das ganz normal ist. Ich fahre da ja selbst überall hin und setze mich ohne zu zögern in Busse und Sammeltaxen.
Komme mir keiner mit rationalen Argumenten, bitte. Ich lache ja auch nicht über meine Familie und Freunde in Deutschland, die mich nach Anschlägen anrufen und denken, nur weil ich hier lebe, muß ich danebengestanden haben.
Secundus fährt natürlich, genau wie Tertia - in den Süden. Er denkt an die Naturschönheiten, ans Wandern und die Übernachtung im Zelt. Ich denke an Hochwasser (es soll regnen, und das ist in der Wüste gefährlich), an Terrorwarnungen und überhaupt.
Also, wer hier schon länger mitliest, leidet jährlich mit. Ich bin ein Klassenfahrten-Muffel. Hätt ich sie nur alle wieder schön hier.
Enttäuschte Liebe Februar 8, 2008, 20:24
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.add a comment
Ich habe ja schon ein paarmal erzählt, daß zur Oberschule, in die meine großen Kinder gehen (Klassen 7 bis 12) auch ein Internat gehört - pinimia auf Hebräisch, ein besseres Wort als Internat fällt mir leider nicht ein. Natürlich ist es nicht so ein Internat wie bei Hanni und Nanni, sondern hm, eben anders. Eher wie ein Studentenwohnheim - also Schülerwohnheim?

Auf dem Gelände der Schule, das ja riesig und unübersichtlich ist wie ein Kibbuz, befinden sich eben auch Wohnhäuser. Dort leben Erzieher und Erzieherinnen, teilweise ausgebildete, teilweise Studenten, die selbst an so einer Schule waren und nun nebenher dort abends arbeiten. Ab dem 9. Schuljahr können die Schüler sich aussuchen, inwieweit sie das abendliche Angebot der Schule nutzen. Es gibt drei Modelle, “Kreise” genannt.

Der dritte Kreis bedeutet: keine Teilnahme, kein Interesse am Angebot. Dazu gehört zum Beispiel meine Tertia, die sich zu keinem Konzert, zu keiner Party in die Schule quälen mag. Neee, sie und ihre Freundinnen treffen sich privat, was abends in der Pnimia passiert, ist ihr egal.

Der zweite Kreis sind Schüler wie Primus. Er hat keine Lust, dort zu schlafen (obwohl er mal eine Zeitlang ein Zimmer hatte), aber nimmt manchmal an Aktivitäten teil, die ihn interessieren, und stellt sich auch freiwillig als Begleiter bei Ausflügen zur Verfügung (wo er dann den kleinen Mädchen geduldig das Gepäck schleppt).

Secundus hat bis zur kurzen Phase seiner Unfugmacherei zum ersten Kreis gehört: Schüler, die ein Zimmer in der Schule haben und das auch nutzen, die außerdem bei allen Aktivitäten mitmachen. Secundus ist bis über beide Ohren aktiv, er organisiert Ausflüge, Spiele, Kulturabende, er sitzt in einem Ausschuß und einem Forum für engagierte Schüler und Erzieher und mischt überall mit. (Außerdem arbeitet er nach wie vor einen Tag pro Woche im landwirtschaftlichen Betrieb, den er ja sehr liebt, ist dort für die Gewächshäuser zuständig - auch der Betrieb gehört zur Schule, und ein Arbeitstag ist Pflicht).

Landwirtschaft
Letzte Woche war “Abend des Schreckens” (erev eyma), dabei hat er auch mitgemacht, aber nur ein bißchen. So richtig reingekniet hat er sich in den Abend, der heute stattfindet. Obwohl der hebräische Kalender einen eigenen “Tag der Liebe” kennt, haben die Schüler mitgekriegt, daß es einen Valentine´s Day gibt, und haben das Thema Liebe für diesen Abend gewählt (erev ahava). Secundus hat vorgeschlagen, den Abend der enttäuschten Liebe zu widmen (erev ahava nichzevet).

Es ist üblich, am Ende des einen Abends schon für den nächsten Werbung zu machen, wie im Fernsehen. (Das war aber schon so, meint Y., bevor es Fernsehen in Israel gab - er ist ja auch in der Pnimia aufgewachsen). Letzte Woche also sind Secundus, zwei weitere Jungen und drei Mädchen schweigend auf die Bühne geklettert. Die Mädchen und Jungen haben sich einander gegenüber aufgestellt.
Erst haben die Jungen den Mädchen einen Kuß gegeben, dann haben die Mädchen den Jungens eine gescheuert, und dann haben die Jungen ein Ei aus der Tasche gezogen und den Mädchen über den Kopf geklatscht. Secundus meinte, die Shani hätte aber ordentlich zugehauen, und die Willigkeit der Mädchen, sich ein Ei über den Kopf schlagen zu lassen, hätte allen total imponiert. Schweigend sind sie dann wieder von der Bühne gestiegen. Jetzt warten alle gespannt auf den Abend.
Wir sind heute, auf dem Weg von Quartas Grundschule zur Halle, in der dieses elend lange Programm stattfand, durch die Schule der Großen gekommen und haben sie dort auch prompt getroffen. Überall hängen Plakate: erev ahava nichzevet, Abend der enttäuschten Liebe. Secundus ist seit drei Tagen eigentlich nur noch in den Vorbereitungen, wir sehen ihn kaum noch, und er hat sogar Erlaubnis, wieder dort zu schlafen. (Seit dem großen Krach während des Streiks hat er sich tadellos benommen - es war wohl ein einmaliger Ausbruch seiner Gangart).
Zum Dank hat er uns eingeladen, uns den Abend anzugucken. Für mich ist es das erste Mal, Eltern sind normalerweise nicht willkommen. Für Y. ist es eine Rückkehr an die Schule, an der und seine Eltern und Geschwister, Onkel, Tanten, Kusinen und Vettern, Nichten und Neffen alle gelernt haben. Bei dem Schulfest heute trafen wir natürlich wieder die vielen alten Schulkameraden, von denen einer Y. richtig um den Hals fiel und brummte, “Mensch, der Weg durch die alte Schule… da kennt man doch jeden Stein…. eyze nostalgia… welche Nostalgie…”

Wohnheim für Schüler - das Wandgemälde zeigt Araber und Jude als Freunde (an der Schule lernen auch arabische Schüler, ebenso wie geistig Behinderte, Neueinwanderer und “Städter”)
Das sind immer komische Situationen für mich. Im Kibbuz bin ich ja inzwischen selbst längst zuhause, aber die Schule kenne ich nur aus Elternperspektive, und die Pnimia gar nicht - während es für Y. ein Teil seiner Biographie ist, und zwar viel wichtiger als das Elternhaus. Er war immer entweder in der Schule oder in der Pnimia oder bei der Arbeit. Elternzeit war einmal die Woche, dienstagabends. Ich erinnere mich noch an die Zeit, als mein Schwager Schüler war und wir diesen Abend immer zusammen verbracht haben… In der Pnimia, fühle ich mich wie eine Zuschauerin.

Namen ehemaliger Schüler, die verstorben oder gefallen sind - die Schule gehört zu den drei Schulen in Israel, die den höchsten Prozentsatz von Freiwilligen für die riskanten kämpfenden und Elite-Einheiten stellen
Ich freue mich aber auf heute abend. (Die Bilder von der Schule sind zwar schon fast zwei Jahre alt, aber da sieht es immer noch so aus - und wird wohl auch so bleiben.)
Nachruf Februar 2, 2008, 20:52
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.2 comments
Shabat spätnachmittags haben wir ja immer die Familie hier, heute war es nur mein Schwager mit den Kindern. Mein Schwager erzählt: “Wir kriegen ja jede Woche einen Brief aus dem Kindergarten, wo drinsteht, was die Kinder die Woche über gemacht haben. Diesmal stand drin, daß zwei von den Hamstern gestorben sind, und daß der Kindergarten sie begraben hat. Und dann eine ganz lange Liste von Sachen, die diese Hamster nie wieder machen werden: nie wieder gestreichelt werden, nie wieder fressen….” Und er fing an, so unbändig zu lachen, wie nur mein Schwager lachen kann.
Er hat nicht über die armen Hamster gelacht, sondern über die Anwendung der Literatur auf das Leben.
Denn damit fängt auch das Buch an, das ich hiermit empfehle. Der Film ist, wie ich schon mehrmals erwähnt habe, sowohl meinem Mann als auch meinem Schwager (die beide lange Zeit im Beaufort verbracht haben) zu gestellt. Sie meinen, die Atmosphäre in Beaufort läßt sich nicht in einem Nachbau einfangen. Trotzdem ist er für Leute, die nicht da waren und sich nicht über Ungenauigkeiten ärgern können, sehenswert.
Mein Schwager jedenfalls hat sich über die Anwendung dieser Elegie auf zwei tote Hamster sehr amüsiert, und ich auch. Beim allem Mitleid mit den Hamstern. Immerhin, die Kindergärtnerin liest gute Bücher…
Schnee auf dem Carmel! (Vielleicht, morgen) Januar 30, 2008, 22:10
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.33 comments
Wir haben Hoffnung auf Schnee! Ich glaube es zwar nicht, aber wie schön klingt es in den Ohren. “Es ist möglich, daß morgen auf dem Carmel Schnee fällt”.
Seit ich hier lebe, hab ich einmal hier Schnee erlebt - im Januar 1991, als Primus ein kleiner Kerl war und Secundus ein Neugeborenes, das ich warm, warm einpuscheln mußte. Y. erinnert sich, daß er als Kind mal Schnee erlebt hat, und mein Schwiegervater behauptet, er hat im Laufe seines Lebens mindestens viermal den Kibbuz na ja, nicht verschneit, aber ein von Schneeflocken verziert gesehen…
Die Kinder jedenfalls sind überglücklich. Es hat heute dreimal gehagelt, jedesmal ist Quarta rausgelaufen und hat Hagelkörner aufgesammelt. Wir hatten über 70 mm Niederschlag, nicht schlecht. Temperaturen knapp über Null. Ha. Winter!!!!
Schöne Momente Januar 29, 2008, 15:22
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.2 comments
im Mama-Dasein: draußen stürmt und hagelt es, wildes, dramatisches, hier eher seltenes Wetter. Die Kinder kommen rein, patschnaß trotz Regenschirmen, festen Schuhen und Anoraks. Sie sind aufgekratzt durch das Wetter. Sie stürzen sich aufs warme Essen, auf die trockenen Klamotten, auf die gemütliche Couch. Sie freuen sich, daß es das erbetene Lieblingsessen gibt.
Wie schön sind die Tage, an denen ich zuhause bin oder schon früh zurückkomme. Ich kann die Freuden einer stay-at-home-mum sehr gut nachempfinden. Man ist wirklich wichtig für die Menschen, die einem selbst am wichtigsten sind, und kann ihre Bedürfnisse erfüllen.
Allerdings weiß ich nicht, ob ich das auch so zu schätzen wüßte, wenn ich nicht auch Aufgaben außer Hause hätte. Ich weiß es nicht. Ich genieße jeweils den Moment. Ich hab´s schon sehr gut….



