Danke, liebes Heimatland, November 13, 2012, 20:15
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fuer diese guten Nachrichten.
Auch im Jahr 2011 ging wieder ein Großteil der Exporte in autoritär geführte Staaten der arabischen Welt. Auf die Vereinigten Arabischen Emirate entfielen Exportgenehmigungen in Höhe von 357 Millionen Euro. Besonders gefragt waren demnach Torpedos, Sprengvorrichtungen, Schiffe und Panzerteile.
Hurra, hurra, die Wirtschaft brummt.
Auch Saudi-Arabien blieb mit 139,5 Millionen Euro 2011 ein wichtiges Abnehmerland. Verkauft wurde ins Königreich hauptsächlich Hightech-Material, wie Kommunikationsausrüstungen, Drohnen sowie Teile für Kampfflugzeuge. Kräftig exportiert wurde auch in den Irak. Die Bundesregierung genehmigte Ausfuhren in Höhe von 244 Millionen Euro, ein Großteil der Exporte entfiel auf Kampfhubschrauber. Abnehmer war dem Bericht zufolge die Uno-Unterstützungsmission im Zweistromland.
Huebsch, huebsch. Moral predigen mit voller Lungenkraft, besonders in Richtung dieser aggressiven Israelis. Und gleichzeitig Geld verdienen mit Waffenexporten an Israels spezielle Freunde. Es passt sogar zusammen, denn man kann sich ja wuenschen, dass mithilfe deutscher Waffen dieser laestige Staat Israel in Schach gehalten wird.
Es muss wunderbar sein, so ein wasserdicht unterteiltes Gewissen zu haben.
In alten Zeiten, Juli 23, 2012, 22:14
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liebe Kinder, da gab es hier was zu lesen. Ja, richtig, kaum zu glauben, so verwüstet und leer, wie es jetzt hier aussieht!
Tja, ich weiß einfach nicht, wo anfangen. Der Tod meines Vaters und meine Reise und alle ihre Erlebnisse – hm, die sind kein richtiges Blog-Material, aber es ist Zeit darüber vergangen. Ich bin seit mehr als einer Woche wieder zurück, langsam akklimatisiere ich mich wieder und verarbeite die Früchte meiner Reise.
Zuerst war ich ja fast eine Woche mit einer Gruppe israelischer Studenten unterwegs, und das war sehr, sehr interessant und lehrreich. Ich freue mich, wenn die deutschen Studenten nach Israel kommen, und bin neugierig. Man lernt ja immer noch dazu, es ist absurd - ich war Begleiterin und habe doch so viel gelernt! Ein Höhepunkt war der Besuch eines Kindergartens – vier israelische Studentinnen, ein deutscher Student, alle aus pädagogischen Fächern – und ein deutscher Kindergarten, der ganz anders ist, als ich meinen alten Kindergarten in Erinnerung hatte. Das gegenseitige Interesse auf allen Seiten war riesengroß. Und so ein Gewimmel von zufrieden beschäftigten Kindern in einer guten Umgebung ist für mich immer eine Ermutigung und Freude. Ich hatte auch Freude an den israelischen Studentinnen, die professionelles und menschliches Interesse zeigten, und an den ebenso professionellen und menschlich warmen Mitarbeiterinnen des Kindergartens.
Schön war auch ein Abend in einem Biergarten, als Deutschland gegen die Niederlande Fußball spielte. Die Israelis, die wohl immer gedacht hatten, Deutsche sind würdevoll wie Eulen, fanden sich nun in einer ziemlich verrückten Atmosphäre wieder. Auf dem Rückweg zum Gästehaus wurden wir umarmt und die ganze Huperei drumherum und das viele Schwarzrotgold… “Ist hier Unabhängigkeitstag?” hatte eine Studentin gefragt, als sie die vielen Flaggen an den Autos sah. Ich war nicht weniger verblüfft als sie, denn es war das erste Mal, daß ich zu so einem Spektakel tatsächlich anwesend war.
Nachdem die Studenten abgeflogen waren (ich habe dem Flieger noch mit ein paar deutschen Studenten zugewinkt), fing der private Teil an. Ein großes Familientreffen mit viel Austausch, eine Trauerfeier für meinen Vater, eine Woche Amsterdam mit meiner Jüngsten und schließlich die Seebestattung meines Vaters an dem Ort, der ihm einer der liebsten war – so ging der Monat vorüber.
Bei meiner Mutter war es schön wie immer. Der herrliche Garten, das wunderbare Wetter, die Johannisbeeren und zu Anfang der Spargel – und das platte Land, das einen geradezu aufs Rad zwingt – das war richtig schön. Mir fiel wieder auf, wie herrlich doch so ein klarer Himmel ist, an dem sich die Wolken perspektivisch bis zum Horizont staffeln, so daß der Blick ein richtiges weites Himmelszelt sieht. Leider haben wir im Sommer meist nur einen undurchdringlich staubigen, metallisch-grellen Himmel, an dem der Blick abprallt. Meine Mutter würde sagen: und wir haben so tiefe, dicke Regenwolken, daß wir außer unseren Gummistiefeln gar nichts mehr sehen. Jedoch, ich habe mir sagen lassen, daß auch nach Deutschland eine Art Sommer zurückgekehrt ist… und als ich da war, war es angenehm, nicht zu heiß und nicht zu kalt, nicht zu trocken und nicht zu naß.
Morgens dann der Kaffee aus Mamas phantastischer Maschine (die einen endgültig für alle anderen Sorten Kaffee verdirbt), dann ein ruhiger Blick in die kleine Zeitung mit Nachrichten von gestern, und das war´s. Internet konnte ich nicht immer erwischen, ich wollte auch nicht immer, oder wenn, dann nur für die dringendsten dienstlichen Sachen. Daß es in Israel nicht ganz ruhig war, kriegte ich wohl mit. Syrien beschäftigt uns wohl alle – und das Dilemma, ob und wie man überhaupt eingreifen soll oder kann. Aber die große Welt ließ mich in Ruhe, und ich sie. In Amsterdam und Kiel erst recht, da war ich wie aus der Zeit gefallen.
Seit meiner Rückkehr nach Israel dann stürmen die Ereignisse wieder gegen meine innere Ruhe an – die Selbstverbrennung eines Aktivisten, der verzweifelt und hoffnungslos war, weil er zu spüren bekam, daß das sogenannte soziale Netz niemanden mehr auffangen oder halten kann. Er hat damit eine ganze Welle von versuchten Selbstverbrennungen ausgelöst, heute allein drei, und gestern ist es einem Mann auch gelungen. Er liegt nun ebenfalls im Sterben.
Nicht weit von ihm liegt der am schlimmsten verbrannte Burgas-Urlauber. Seine zwei Freunde, mit denen er unterwegs war, sind tot, er selbst hat schwerste Brandverletzungen erlitten. Seine Eltern stehen unentwegt an seinem Bett und streicheln ihn und sprechen mit ihm. Wenn er durchkommt, dann hat er das ihnen zu verdanken – ohne die Kunst der Ärzte in Zweifel zu ziehen, die ihr Bestes tun.
Die zwei Betten auf der Intensivstation symbolisieren unsere Lage. Von außen immer noch durch Terror bedroht, von innen von sozialer Härte und immer weiter klaffenden Gegensätzen. Gewinner und Verlierer. Der Mittelstand gerät langsam an seine Grenzen. Ich verstehe nicht viel von Wirtschaft, aber das Konzept einer sozialen Marktwirtschaft leuchtet mir ein – nur haben wir sie hier nicht, sondern eine reine Marktwirtschaft mit ein paar sozialen Zugeständnissen, die man sich durch einen Sumpf der Bürokratie erkämpfen muß, wenn man sie braucht. So kann es nicht weitergehen, aber es wird wohl so weitergehen. Ein Land der Zeitarbeiter, Leiharbeiter, die so wie ich eigentlich in der Luft hängen, jederzeit entlassen werden können, keinerlei Sicherheit haben. Und dabei geht´s mir ja noch gut.
Heute wurde irgendwo im Gazastreifen eine Schule eröffnet, die, wie viele palästinensische Schulen, nach einem Terroristen benannt ist. Selbstverständlich ist diese Lappalie keine Meldung in deutschen Zeitungen wert – auch viele israelische sind bei solchen Meldungen schon abgestumpft. Ich weiß nicht, wie viel Gewicht der Name einer Schule für die Schüler hat, denn meine Grundschule hieß einfach nur Nordschule. Aber ich kann mir vorstellen, daß die Schüler einer Erich-Kästner-, Geschwister-Scholl-, Helene-Lange- oder Elsa-Brandström-Schule ihre Namenspatrone kennen und dieser Name immer einen besonderen Klang für sie hat.
Nun, die Schüler der Adnan al-Ghoul-Schule können stolz darauf sein, daß der Namenspatron ihrer Schule die Qassam-Rakete entwickelt hat und aktiv an mehreren Anschlägen beteiligt war. Er hat die Bomben für Bet Lid (1995) und den Purim-Anschlag auf Dizengoff (1996) gebaut, zwei Anschläge, die jedem Israeli in deutlicher Erinnerung sind. Na ja, Peanuts, warum sollte eine deutsche Zeitung das erwähnen? Weil das Geld für die Schule von der UNDP kam, einer Unterorganisation der UNO? Weil Haniya, dessen Hamas eine Terrororganisation ist, auch in Augen der deutschen Regierung, die Eröffnungs-Ansprache halten durfte?
Eine weitere Meldung, die hier natürlich in den Nachrichten war, finde ich ebenfalls bisher nicht in deutschen Zeitungen. Der Ramadan hat begonnen, das haben wir wohl alle mitgekriegt. Und damit werden wieder die Serien ausgestrahlt, die man abends beim Festmahl im Fernsehen genießen kann. Die meisten dieser Serien, die wohl populärer sind als selbst die Advents-Vierteiler meiner Kindheit (welches war übrigens euer liebster?), beschäftigen sich mit der Perfidie Israels und schwelgen in Träumen, wie man den verhaßten zionistischen Feind demütigen und zermalmen kann. Ramadan karim, kann ich da nur sagen. Die Gehirnwäsche nimmt immer groteskere Formen an – die Ausschnitte aus diesen Serien waren einfach lächerlich, aber es scheint, Millionen von Menschen nehmen sie ernst. Das ist eine Tradition, von der vielleicht mancher nichts weiß.
Außerdem findet hier in Israel das albernste Geharke aller Zeiten statt. Die Kadima-Partei, die eigentlich seit ihrem Start immer nur an Bedeutung verlor, nicht gewann, zerbricht wohl jetzt in Stücke, und das sieht nicht schön aus, hört sich nicht schön an, und riechen tut es auch nicht gut. Avoda und Likud werden wohl die Reste zwischen sich aufteilen. Egal wie die Manöver in der Knesset ausgehen – ich kann mir nicht vorstellen, daß viele Leute für Kadima stimmen werden, wenn die nächste Wahl ansteht. Eigentlich schade, denn eine vernünftige, pragmatische, weltoffene Partei im Zentrum, in der weder linke noch rechte Themen tabu sind, die fehlt eigentlich. Aber so wie die anderen Versuche gescheitert ist, so geht nun auch die Kadima den Bach runter.
Ich nehme an, bis gegen Ende des Jahres oder ins nächste Jahr hinein kann sich die Regierung noch retten. Aber irgendwann gibt es Neuwahlen. Sie werden weniger drastisch vorgezogen sein als in anderen Legislaturperioden, aber bis zu Ende schafft Bibi es vermutlich nicht. Ich weiß leider nicht mehr, wer es gesagt hat, aber es trifft auf unsere Politiker zweifellos zu: sie haben eine so dicke Haut, daß sie auch ohne Rückgrat zurechtkommen.
Und sonst? Ja, sonst. Ich freu mich auf Primus und Quarta, die morgen nacht nach Hause kommen. Ich vermisse Deutschland und bin doch froh, hier zu sein. Obwohl Israel sich gerade düster und grimmig anfühlt. Ein Lichtblick: Vered bloggt.
Das Fußballspiel gestern – Deutschland gegen Israel… Juni 1, 2012, 12:13
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… für wen war ich eigentlich? Wäre die deutsche Nationalelf so stark wie sonst oft, wäre ich selbstverständlich für die weit unterlegenen Israelis gewesen. Aber weil ich für die EM die Deutschen mental ein bißchen aufgebaut sehen will, konnte ich nicht gegen sie sein. Ich war also eigentlich für beide und wollte keine Mannschaft zerschmettert oder gedemütigt sehen (das will ich ja sowieso eigentlich nie). Meine Mutter war für Israel, Secundus (mit dem ich das Spiel gesehen habe) natürlich für Deutschland.
Leider bin ich sofort eingeschlafen – ich sehe schon, daß ich bei der EM endlose Schlaf-Defizite nachholen werde, es gibt nun mal keinen erholsameren Schlaf als vor dem Fernseher, bei einem Spiel, das man eigentlich unbedingt sehen will. Je mehr ich schlafen will, desto schlafloser werde ich – je dringender ich wachbleiben will, desto unwiderstehlicher sinke ich in Schlaf. Tja, da kann man nichts machen.
Obwohl die Blechbläser-Band beide Nationalhymnen zur Unsingbarkeit zerblecht haben (so meine unmaßgebliche Meinung), habe ich beide gern gehört. Ich wüßte nicht, welches nun “meine” ist. Beide. Es sind auch beides wirklich sehr schöne Melodien. So wie ich nicht zwischen meiner Mutter und meinem Mann würde wählen wollen, so kann ich auch nicht zwischen Israel und Deutschland wählen. Gut, daß ich nicht wählen muß. Und gut, daß es nur ein Freundschaftsspiel war.
Erklärt mir mal, bitte, Januar 15, 2012, 0:21
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weil ich doch gar nichts davon verstehe. Nach Lektüre der täglichen schockierenden Enthüllung über Herrn Wulffs Vorleben (haltet euch fest – er ist zum Oktoberfest eingeladen worden und hat seine Übernachtung spendiert bekommen!) frage ich mich wirklich, ob noch jemand unterscheiden kann zwischen wirklichen Übertretungen und der berühmten Grauzone. Ich meine – es wird mir doch keiner weismachen wollen, daß Herr Wulff der einzige, allereinzige, erste und letzte Politiker ist, der sich mal eine Übernachtung schenken läßt. Wo verlaufen die Grenzen zwischen verboten, erlaubt aber halbseiden, und korrekt, wer bestimmt sie, und wer überwacht, daß alle sie einhalten?
Ich habe das Gefühl, die Grenze zwischen Wichtigem und Unwichtigem verschwimmt auf jeden Fall. Und ich habe auch das Gefühl, daß ein solches mediales Schlachtfest, wie angemessen auch immer der erste Auslöser gewesen sein mag, erstens Heuchelei derer fördert, die nie daraufhin kontrolliert werden, ob ihnen mal jemand eine Maß ausgegeben hat – und zweitens, letztendlich Wulff dient, dessen eventuelle echte Verfehlung in einem Sumpf von Banalitäten untergehen können. Und drittens löst es beim Leser riesigen, ärgerlichen Überdruß aus.
Dies jedenfalls ist meine von jeder Fach- und Sachkenntnis freie Einschätzung der Lage. Was meint ihr, die ihr näher dran seid? Wie läßt sich überhaupt noch Grund in die Sache bringen? Welcher Ausgang scheint euch angemessen?
Meine 50 Pfennig… März 1, 2011, 13:40
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… weil das immer meine liebste Münze war, der ich noch nachtrauere.
Ich habe mich kritisch zu Guttenberg geäußert, und darum ist es fair, daß ich jetzt auch zur Kenntnis nehme, wie er die Konsequenzen gezogen hat. Es tut mir leid, einen Menschen so gedemütigt zu sehen, und er hätte sich das durch einen früheren Abgang nicht ganz ersparen können – aber es wäre weniger bitter gewesen.
Zu gehen, während die öffentliche Meinung noch größtenteils auf seiner Seite war, wäre eleganter und einfacher gewesen. So blies ihm der Wind doch sehr scharf ins Gesicht. Ehrlich gesagt, er sah fix und fertig aus. Ich weiß nicht, wie lange er mit dem Unbehagen rumgelaufen ist, daß irgendjemand mal seine Diss. genauer anguckt. Wer weiß, wie er sich da verwickelt hat.
Wie ich schon vorher gesagt habe – ich bin für zweite Chancen. Und Guttenberg ist es auch von anderen zu leicht gemacht geworden, über manche Stufen einfach leichtfüßig hinwegzuspringen. Wie bei manchen Schauspielern, die von der Schauspielschule zum smash hit springen. Ein bißchen Repertoire-Theater mit echten Zuschauern und soliden Klassikern und ein bißchen unpopulärer Avantgarde – und mit den Lorbeeren dann wiederkommen. Das kann er bestimmt, und ich würde es ihm gönnen.
Und ab jetzt können wir ihn persönlich in Ruhe lassen und der Universität Bayreuth den Rest überlassen.
Aufbewahren! September 24, 2010, 11:20
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Ein Artikel über die Ängste der Menschen in einer deutschen Stadt. Nicht jeder lebt gut damit, daß Gewaltverbrecher aus dem Gefängnis entlassen werden und wieder frei rumlaufen können. Sagen wir mal so: wenn das irgendwo weit entfernt, im Nahen Osten, gemacht wird, dann nimmt man es gern in Kauf und sagt, “da müssen die Israelis schon mit fertigwerden, mit den paar hundert Terroristen und Mördern und Strippenziehern, wieso sind sie nur so bockig und lassen die nicht frei?”. Aber wenn es dann bei einem selbst um die Ecke ist… da fühlt es sich ganz anders an.
Ich wünschte, ein SPon-Journalist würde für unsere Ängste mal so viel Empathie aufbringen wie für die der Werler. Aber da können wir wohl noch ein Weilchen drauf warten. Bis dahin bewahr ich den Artikel mal auf.
Veit, Hilde, Dr. Hirsch und ich September 24, 2010, 11:15
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Das momentane Interesse an Veit Harlan, Jud Süß und der Familie Harlan hat für mich eine sehr persönliche Komponente. Ich habe ja schon vom Buch erzählt, an dessen Entstehung ich beteiligt war (Besprechung in Haaretz hier, eine andere, mit Bildern der Eltern, hier). Der Mann, der dieses Buch geschrieben hat, ist der (noch in Berlin geborene) Sohn eines bekannten Berliner Kinderarzts, Dr. Walter Hirsch. Irgendwann in den späten 20er oder frühen 30er Jahren war eines der Kinder von Veit Harlan und Hilde Körber schwer krank, und Dr. Hirsch schaffte es, das Kind zu retten. Seitdem waren die Harlans mit ihm und seiner unglaublich charmanten Frau befreundet. Auch nachdem die jüdischen Freunde nach Jerusalem auswanderten.
Ich hatte die Originalbriefe alle in der Hand: die herrische Handschrift Veits mit der genialischen Unterschrift, anfangs freundlich-vertraut, später dann sehr ärgerlich. Er hatte das Gefühl, die jüdischen Freunde in Jerusalem unterstützen seine Frau in der Ehekrise (wohl durch eine Affäre seinerseits ausgelöst). Hilde Körbers Handschrift ist großzügig und schwer leserlich, ihre Briefe an Dr. Hirschs Frau tatsächlich Briefe von Freundin zu Freundin. Als die Ehe in die Brüche ging, blieb Hilde mit den Hirschs in Kontakt, die Kinder kannten sich, der Kontakt brach nicht ab (und ich glaube, zwischen dem Autor des Buchs und Thomas Harlan besteht er bis heute).
Es stimmt also, daß Harlan jüdische Freunde hatte, und es ist aus den frühen Briefen keinerlei Distanz oder Abneigung zu spüren. Die Entfremdung hatte im Falle der Hirschs auch oder vielleicht sogar überwiegend private Gründe – eine Folge der Entfremdung von der Frau, die er verließ und die den alten Freunden treu blieb.
Jud Süß ist zweifellos ein böser Hetzfilm, und Harlan war vermutlich Antisemit aus karrierepolitischen Gründen, oder er war schon vorher einer und er machte für seine “jüdischen Freunde” eine Ausnahme. Schwer zu sagen im Nachhinein. Ich denke dabei unwillkürlich an Gustaf Gründgens und Hendrik Höfgen. Aber das ist kein Grund, seine Nachkommen in Acht und Bann zu tun und zu sagen, daß ihre versuchte Annäherung an das Volk der Opfer unmöglich war und ist. Ich glaube, das stimmt nicht. Sie tragen bestimmt schwer genug an ihrem Familiennamen und ihrer Familiengeschichte. Aber sie sind doch nicht Geiseln der Taten ihres Vaters.
Diese Doku über die Harlans, die würde ich schon gern sehen. Vielleicht habe ich ja irgendwann mal die Gelegenheit.
Wie es war Juli 30, 2010, 8:45
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Es war wunderbar, und Berlin ist eine Stadt, die selbst auf den widerstrebendsten Besucher sehr stark wirkt. Ich habe vieles neu entdeckt, auch durch die Augen der Studenten, die sehr beeindruckt waren von der Vielfalt der Erinnerungskultur. Das war ja unser Thema.
Ich weiß, daß Broder meint, mit dem Mahnmal an der Ebertstraße kauft das offizielle Deutschland sich frei, und kann jetzt nach Löschung der Sündenkartei getrost weiter sündigen. Das klingt zwar schön zynisch und einleuchtend, erklärt aber nicht, warum weiterhin viele kleine, eindringliche und punktgenaue Gedenkstätten entstehen. Und es erklärt auch nicht, warum junge und ältere Besucher auf eigene Faust (also ohne Gruppe oder Klasse) ins Dokumentationszentrum kommen, sich dort ernsthaft in das Material versenken und sehr, sehr nachdenkliche Gesichter haben. Mein geschätzter Kollege, dessen Familie von der Shoah schwer gezeichnet ist, war jedenfalls von den Gesichtern der jungen Deutschen an diversen Gedenkstätten positiv berührt und meinte, das hätte er nicht erwartet.
Und es waren nicht nur Gedenkstätten zum Thema Holocaust, die wir besucht haben, sondern auch zu anderen Punkten der deutschen Geschichte. Die ist ja mit schmerzenden Punkten gespickt wie eine Voodoo-Puppe. Die Studenten waren beeindruckt, und ich auch. Auch davon, daß die meisten dieser Gedenkpunkte sich ins alltägliche Leben integrieren lassen und dem Betrachter die Wahl lassen, wie er sie betrachtet.
Für mich war es auch ein herrliches Gefühl, wieder gesund zu sein und laufen zu können. Ich bin ja schon seit einiger Zeit wieder fit, aber ich habe nicht vergessen, wie deprimierend es war, durch Schmerzen in meiner Bewegungsfreiheit eingeengt zu sein. Zu diesen Zeiten habe ich immer mit großer Sehnsucht und Selbstneid daran gedacht, wie ich früher durch Berlin eilen konnte, ohne müde zu werden. Und jetzt war es wieder so – aber diesmal habe ich es nicht als selbstverständlich hingenommen, sondern mich gefreut. In Berlin laufe ich immer schnell, und da wir eine große Gruppe waren, war das auch gut so – sonst wären wir nirgends angekommen. Wir sind täglich viele, viele Kilometer gelaufen, ich mit Büchertasche und Madonna-Mikrophon, und es ist mir überhaupt nicht schwergefallen, im Gegenteil.
Ich habe natürlich im Nachhinein das Gefühl, überhaupt nichts über Berlin vermittelt zu haben. Da sind wir am Nollendorfplatz so oft vorbeigekommen und ich habe Erwin Piscator und Gründgens nicht erwähnt…. Außerdem haben die Studenten viele Fragen gestellt, auf die ich nur antworten konnte: weiß ich leider nicht. Wo kann man Zeugs kaufen, das man in der Nargila raucht? (Gegenfrage: WAS raucht man eigentlich in der Nargila?) Ich habe die Frager in Richtung Sonnenallee geschickt, da werden sie schon das Gewünschte finden. Warum ist diese Fassade so und nicht anders restauriert worden? Leider kenne ich nicht jedes einzelne Gebäude in Berlin, sonst hätte ich die Frage gern beantwortet… aber trotz meiner wie stets ätzenden Selbstkritik meinten beide Kollegen, daß ich ganz gut erklärt hätte. (Mir graut natürlich vor den Bilder und vor allem vor dem Film – ach wäre man unsichtbar!)
Ein irrwitziger Zufall bescherte mir das Zusammentreffen mit einer geschätzten Leserfamilie, die mir am ersten Tag mitten in Berlin auf einem U-Bahnhof über den Weg liefen. Viel Zeit hatte ich nicht für sie, aber dafür hat der Sohn der Familie auf meine Studenten großen Eindruck gemacht – nicht nur wegen seines jugendlichen Charmes, sondern weil er ein T-Shirt mit der hebräischen Aufschrift Shalom trug. Ob er das ungefährdet tragen könnte, meinten die Studenten. Und er meinte, ja, klar. Das hätte ich authentischer nicht planen können.
Im Laufe der Zeit werde ich bestimmt noch vieles aufschreiben, denn ich bin sowieso damit beschäftigt, die Studienfahrt-Website mit weiteren Informationen zu füllen. Meine neu erworbenen Bücher habe ich bei MyLibrary schon notiert (JA, ich mußte eine neue Tasche kaufen….) und jetzt räume ich sie langsam ein. Und oh, das Haus ist so leer….
Wir kamen am 28. morgens früh um 3:20 zurück, und ich schleppte mich sofort mit Sack und Pack zur Bahn und fuhr bis Carmel Beach. Dort befindet sich nämlich ein Sammelpunkt für Rekruten. Ich war gegen halb sechs da, und keine zwei Stunden später kamen Y. und die Jungens. Primus vergnügt und weltläufig (wie lang ist es doch her, daß er eingezogen wurde! anderthalb Jahre… für ihn eine Ewigkeit), Secundus mit gestutztem Haar und gespanntem Gesicht. Wir begleiteten ihn und nahmen vor den Bussen, mit denen die Jungens in ihre Basen fahren mußten, Abschied. Seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört und kann nur hoffen, daß er einen halbwegs erträglichen Anfang macht – nette Leute um ihn herum ist erstmal das Wichtigste. Ich habe ja an Primus gesehen, wie schwer der Übergang ist, die Fremdbestimmung und der verplante Tag. Das ist ja nichts für die Jungen und Mädchen. Auch Secundus, bei allem Engagement für Gruppe und Internat, ist es nicht gewöhnt, von morgens bis abends von anderen verplant zu werden und keine persönliche Sphäre mehr zu haben.
An Primus sehe ich aber auch, daß diese erste Schockphase vorbeigeht (nicht umsonst nennt man die neuen Rekruten „shockistim“…) und man sich sein eigenes kleines Reich erobern kann. Primus ist jetzt mit seiner Aufgabe sehr zufrieden und hat auch Leute gefunden, mit denen er sich gut versteht. Es war aber sehr schwierig für mich, meinen coolen Secundus so blaß und angespannt zu sehen. Ich mußte mich sehr beherrschen, um nicht wie viele andere Mütter meiner eigenen Spannung mit Tränen Lauf zu lassen. Aber das hätte dem Jungen nicht geholfen. Wir konnten nicht viel tun, außer ihn daran zu erinnern, wir gut er vorbereitet ist, und über das nächste Wochenende (das er zuhause verbringt) zu sprechen. Schritt für Schritt, und so normal wie möglich, so ging es. Ich warte jetzt mit großer Spannung auf seinen Anruf, hoffentlich kann er auch kommen.
Die Mädchen sind bei meiner Mutter. Germanwings hat sich zwar nicht geweigert, unsere Buchung für die Mädchen und auch unser Geld entgegenzunehmen, aber sie wollten Quarta trotzdem nicht befördern. Sie ist noch keine 12 Jahre alt, und Begleitung bieten sie auf internationalen Flügen nicht an. Und Tertia mit ihren fast 17 Jahren galt nicht als Begleitung. Ich war zu dieser Zeit noch unterwegs, aber Y. beschrieb mir hinterher die Szene, wie Quarta weinte und flehte, mitfliegen zu dürfen – schließlich flog Tertia allein, und Quarta mußte zurückbleiben. Sie war sehr enttäuscht. Y. hatte nicht mal Zeit, sich richtig um sie zu kümmern, weil er ja Secundus zu seinem Sammlpunkt bringen mußte – das war ja alles in derselben Nacht bzw am Morgen darauf. Mein Bruder hat sich aber sofort ans Telefon gehängt und für Quarta einen Tag später einen Lufthansa-Flug ausfindig gemacht, mit Begleitung – und so ist das Kind gestern gut bei meiner Mutter angekommen.
Wir aber sind seit gestern allein. Die Söhne bei der Armee, die Töchter bei der Oma – und wir sind, nachdem wir Quartas Flugzeug hinterhergeguckt hatten, erstmal in Nahariya Salat kaufen gegangen, haben uns dann an den Strand gesetzt, Salat gegessen, und sind dann lange am Strand entlanggegangen. Gut, daß wir uns gut verstehen und uns die Themen nicht ausgehen. Wir hatten einen schönen Abend. Aber noch schöner wäre er, wenn ich endlich wüßte, wie es meinem Secundus ergeht….
Bin ich die einzige, Juli 11, 2010, 23:08
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der ein verdienter, fröhlicher Sieg beim Spiel um den 3. Platz lieber ist als ein tieftrauriger 2. Platz?
Ach, das war eine schöne WM. (Hoffentlich kommt diesmal kein dickes Ende hinterher, so wie vor vier Jahren…. )
Was Israelis über Deutschland in der Zeitung lesen Oktober 12, 2007, 17:47
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In Haaretz. Jacques Schuster von der Welt über deutsche Kritik an den USA, deutsche Annäherung an Rußland und deutsche Distanz zum Westen.
Although Germans consider Russia anything but appealing, in comparison with the U.S., the Eastern empire doesn’t seem so bad at all.
Caught in a whirlpool of outrage, Germans completely overlook Russian behavior. This summer, Vladimir Putin threatened more than once to launch his missiles on European cities. He warned that Russia’s ballistic rockets could soon be stationed in Kaliningrad, that is, “very close to Europe.”
Yet in 2003, 45 percent of Germans felt threatened by their most important ally, the U.S. Although that number has dropped since Angela Merkel became chancellor, a deep distrust and an ill- tempered suspicion remain.
A growing number of Germans oppose the U.S., gleefully observe the increasing rift between the two countries and react sullenly when someone reminds them of the U.S. role in Europe’s liberation. They are annoyed about Europe’s dependence on the U.S., while masking their own weakness as a moral strength. In their view, Germany is an island of virtue whose citizens know how to turn swords into ploughshares.
A restless spirit is sweeping society. It drips with nostalgic longing for an alternative future in a different system of alliances, or – if everything else fails – on its own. Germany is de-Westernizing itself, in a creeping manner, but steadily. The more the past fades, the more its ghosts are rising. Fritz Stern, an expert on German history at Columbia University – who is anything but a neo-con – witnessed this trend in his recently published memoirs, where he wrote how “the revolt against ‘the West,’ its alleged materialism and its so-called spiritual emptiness, coupled with a hegemonic arrogance, has spread.”
Germany’s foreign policy will become increasingly torn, unpredictable and full of a vociferous moral rigor. In 1877, Dostoyevsky wrote about “Germany, the protesting empire.” May reason triumph, so that we need not have to remember his other, approving characterization of Germany: “Already from the first moment of its arrival in the historical world, the characteristic and major trait of this great, proud and special people was that it never wanted to unite with the Western world, neither in its destiny nor in its basic morals.”
Wie weit er das deutsche Stimmungsbild wiedergibt? Keine Ahnung. Das müßt Ihr mir schon sagen. Ich bin mal gespannt!



