Blogfasten März 25, 2008, 10:48
Posted by Lila in Bloggen.7 comments
Ich bin zwar ein bißchen spät dran mit der Fastenzeit, aber ich habe im Moment einfach zu viel anderes um die Ohren, kann dem Blog und den Kommentaren nicht genügend Aufmerksamkeit widmen und fühle auch, daß ich leergeschrieben bin. Ich mache jetzt mal eine Pause.
Ich sperre auch die Kommentarfunktion, um gar nicht erst nachgucken zu müssen, ob da was steht. Wer sich mir unbedingt mitteilen muß, kann das ja per Mail tun, wie bisher. Ich bitte um Verständnis, aber es ist kräfteraubender, den Betrieb hier am Laufen zu halten, als es vielleicht erscheint. Und ich muß mir meine Kräfe einfach ein bißchen besser einteilen.
Nur zur Erinnerung März 2, 2008, 0:08
Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.10 comments
an die vielen Gelegenheiten, bei denen ich über Qassams berichtet habe. Ich habe mich aufs letzte Jahr beschränkt und auch nicht alle Beispiele aufgeführt.
Ich gebe nicht so viel auf scharfe Kritik aus Deutschland, gebe ich gern zu, weil ich mir nur vorstellen muß, was in Jülich los wäre, wenn die Holländer mit kleinen Raketen täglich die Große Rurstraße beschießen würden, und wie schnell man da nach harten Maßnahmen rufen würde, um den Beschuß zu stoppen. Da würde ich ihnen aus der Ferne auch zurufen, “mal langsam, Leute, da stirbt doch nur alle paar Monate jemand dabei, das solltet ihr doch verkraften können, Hauptsache, es bleibt friedlich!”. Ich hab da auch noch nie einen konkreten Ratschlag gehört, nur so allgemeine Phrasen von Gutem Willen und Aufhören, so arrogant zu sein, und lauter so Sachen, mit denen ich prinzipiell übereinstimme. Aber die gegen Qassams irgendwie nicht richtig helfen.
Ich habe es nicht anders erwartet. Solange Israel stillhielt - keine Reaktion der UN auf den Beschuß mit Qassams. Sobald sich Israel wehrt - Besorgnis und Ermahnungen.
Im Süden fallen Qassams nicht nur auf Sderot, das zu einer Art Metapher geworden ist - unter anderem wieder aus dem Wunsch heraus, komplizierte Realität in Schlagworte zu fassen. Alle umliegenden kleinen Orte, auch die Kibbuzim der Gegend, werden beschossen.
Drei Qassams heute. Keine Verletzten, sie landeten auf dem Feld. Glück gehabt.
Für die Leute, die da leben, ein Russisches Roulette. Für den Rest der Welt, ein No-item. Für mich, ein Anlaß, meinen Ticker zu schreiben. Damit auch meine Leser ein bißchen nachfühlen können, wie sich der Waffenstillstand in Israel anfühlt. Und wer ihn täglich bricht. UND dann noch von uns Strom und Wasser umsonst erhält, und noch weitaus mehr fordert…
23. Juli 2007
Und so weiter, und so weiter.
Das ermüdet den Leser? Dann stelle er sich vor, wie UNS das ermüdet.
Eine Idee Februar 28, 2008, 14:23
Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.13 comments
von David Bogner. Lesenswert.
David macht sich Gedanken darüber, was eine asymmetrische Kriegsführung ausmacht. Wir sind nämlich mit Hamas, Hisbollah, Islamischer Djihad und all den anderen Gruppen tatsächlich im Kriegszustand. Da diese Terrorgruppen die Genfer Konvention nicht unterzeichnet haben, brauchen sie sich auch nicht daran zu halten. Da sie das Image des wehrlosen Underdog genießen, denkt auch niemand daran, das von ihnen zu verlangen. Und da Israel sich von der sinnlosen Sorge geplagt sieht, sich vor (sowieso eintreffenden) internationalen Verurteilungen zu schützen, gesteht es sich nicht ein, im Krieg zu leben. Sondern schnappt nach jeder noch so leeren Geste, die so etwas wie einen “Friedensprozess” ankündigen könnte.
Das heißt, die Lage ist asymmetrisch. Die eine Seite hat alle Mittel, darf sie aber nicht einsetzen. Die andere Seite macht skrupellosen Gebrauch ihrer begrenzten Mittel, hinter sich ein weites internationales Hinterland (arabische Staaten, moslemische Staaten, Europa).
Das ist Davids Analyse der Situation. Und hier ist sein Vorschlag:
Here’s what I propose:
Rather than negotiating ‘final status agreements’, borders, or the so-called right of return we should, for the time being, take ‘peace negotiations’ off the table.
Once the seductive distraction of peace is out of the way we must begin by sending negotiating teams to meet with each of the groups who are currently in an active state of belligerence against us. Each Israeli team should bring unsigned copies of the Geneva Convention, all current agreements on prisoner treatment and protection of medical vehicles/facilities and the inviolate nature of civilian populations.
In addition, the Israeli negotiating teams should bring pictures and diagrams clearly showing all current IDF uniforms and insignias. They should provide photos of military and civilian ambulances as well as maps showing the location of vital humanitarian infrastructure facilities that provide water and electricity to civilians and hospitals.
Once all of these documents are spread out on the conference table, the Hezbollah, Hamas, Islamic Jihad, Al Aksa Martyrs Brigade, PFLP, (et al) representatives will be invited to sign each and every convention, agreeing to treat POWs humanely and to allow Red Cross access to all prisoners… to outfit combatants in recognized uniforms and insignia… to exclude civilians from attacks… to refrain from placing military infrastructure in or near civilian centers… and to insure that humanitarian facilities remain outside the scope of hostilities.
If they balk at agreeing to any of these most basic terms of warfare, our negotiating teams should be instructed to gather up their papers, photos and drawings and to leave behind only Israel’s unambiguous declaration of our intent to carry out unrestricted warfare until an unconditional surrender agreement is duly signed.
Let the international community go ahead and wring their hands and gnash their teeth at this rude departure from chivalry. Sooner or later they will have to come to terms with the fact that Israel’s current war is the test run for the wars they will each have to fight in the years to come. They will need to finally understand that when no quarter is offered by an enemy, none can be given in return.
Simply put, we must prove beyond even the smallest doubt that it is entirely within our power to deprive these vicious insurgencies the unfair advantage they’ve enjoyed from the asymmetrical warfare model. To do this, we must demonstrate in word and deed that the heavy shackles of humane / civilized behavior must either be worn by all parties in a conflict… or by none.
Das ist noch nicht probiert worden, und ich bezweifle, daß wir es tun können. Weil wir es nicht in uns haben, mit den schmutzigen Waffen der Terrororganisationen zu kämpfen. Aber als Gedankenspiel - interessant und aufschlußreich. Denn wir sind tatsächlich im Krieg, seit Jahrzehnten, und dieser Krieg ist bisher völlig unabhängig davon, was Israel tut oder nicht tun, weitergegangen.
Auch wenn Leute wie Saeb Erekat auf Englisch immer gern vom durch Israel vermasselten Peace Process lallen, während seine Kumpel uns mit Raketen beschießen und den 1948 verlorenen Krieg mit immer neuen Mitteln weiterführen - Vielleicht müssen wir wirklich diese Kriegserklärung annehmen, laut und deutlich.
Ich bin mal gespannt auf die Kommentare zu Davids Eintrag.
Frage an Leser Februar 24, 2008, 8:26
Posted by Lila in Bloggen.29 comments
Wer von euch kann eigentlich blind tippen? Gelernt, sich selbst beigebracht, nie gelernt, eigene Methode entwickelt? Lohnt es sich, blind tippen zu lernen?
Hat sich eure Handschrift durch das vermehrte Tippen verändert?
Meine Antworten: ich hab es mir als Studentin selbst beigebracht, weil ich alle Arbeiten getippt einreichen mußte. Ich habe mir ein Programm aus dem Internet runtergeladen und gelernt, fürs englische Keyboard. Später dann für die deutsche und hebräische Tastatur. Ich habe es nicht geschafft, meine Kinder zu überzeugen, daß blind Tippen eine der nützlichsten Fähigkeiten ist, die man erwerben kann. Ich tippe inzwischen recht schnell, muß eigentlich mal die Geschwindigkeit überprüfen. Interessanterweise passe ich mich sofort der Sprache an, die ich tippe - ich stelle meine Tastatur jedesmal um und wechsle in die andere Sprache über. Reine Gewohnheit.
Meine Handschrift, an der ich jahrelang gefeilt habe, ist den Bach runtergegangen. Leider.
Bad news is good news Februar 7, 2008, 14:01
Posted by Lila in Bloggen.2 comments
Ich bin anscheinend nicht so auf dem Laufenden in der Blogosphäre wie manche meiner Leser optimistisch annehmen
Erst durch einen Artikel in Haaretz bin ich richtig aufmerksam geworden auf ein ganz interessantes Experiment, die Bad News Blogs. Der Initiator dieser Idee, Manfred Gerstenfeld aus Jerusalem, hat sich überlegt, was wäre eigentlich, wenn man mal über andere Länder so berichtete wie über Israel? also nur Negatives berichtete, Kontext und Positives aber konsequent wegließe?
Sein Blog Bad News from the Netherlands läßt tatsächlich beim Lesen ein düsteres Bild entstehen, Schlechte Nachrichten aus Deutschland ist nicht besser. Es vergeht einem sofort sämtliche Lust, da mal je hinzufahren.
Ich finde das besonders passend heute, weil ich mir vorstelle, wie sich Deutsche fühlen, wenn sie lesen, wie in türkischen Medien die Deutschen als fremdenfeindliche Brandstifter angeprangert werden, obwohl noch nicht mal raus ist, ob die Brandkatastrophe in Ludwigshafen überhaupt auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Es ist nicht angenehm, wenn man sieht, wie Leute über das eigene Land vehement urteilen, ohne den ganzen Zusammenhang zu kennen.
Ich selbst fände es ermüdend, mich auf eine reine Aufzählung von Negativen zu beschränken - wie ich auch die Good News from Israel-Bemühungen selbst auf Dauer sammeln könnte (obwohl die Lektüre manchem die Augen öffnenen könnte, der das alles nicht eh schon weiß).
Mir ist mein gemischtes Blättchen lieber, Pik Sieben und Herz As, alles beieinander, wenn ich selbst schreibe. Um eine vielseitigere, offenere, ehrlichere Sicht auf Israel zu bekommen, kann ich auch Isreality empfehlen, die sich aus allem politischen Balagan raushalten und einfach erzählen. Ich versuche das ja manchmal auch, aber ich kann irgendwie nicht richtig planen, worüber ich nun für den Rest meiner Tage bloggen werde. Mal so, mal so.
Aber als Gedankenexperiment finde ich so ein einseitiges Bloggen sehr interessant. Besonders, wenn man die Links anklickt, die einen zu bad news auch aus Ländern führt, die man bisher als friedliche, idyllische Inseln wahrgenommen hat. Oh Mann, wollt ihr etwa behaupten, in Finnland und Schweden ist nicht alles Bullerbü??? Weichet von mir, Dämonen!
Kleine Geschichte Februar 2, 2008, 16:01
Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.1 comment so far
Bei Imshin gelesen: ein Israeli in Deutschland.
Wieder da Januar 3, 2008, 2:00
Posted by Lila in Bloggen, Edle Selbsterkenntnis.8 comments
Nach einem ziemlich anstrengenden Nachtflug vor ein paar Tagen finden die Kinder und ich langsam wieder ins normale Leben zurück. Für die Kinder ist die Schule hilfreich, ich habe ein paar Vorbereitungstage und und bin deswegen noch immer ein bißchen zeitverwirrt. In den Ferien stellen sich die inneren Uhren ja schnell um - und ich habe viele neue Bücher, die ich nachts lesen kann.
Y. war froh, uns wiederzusehen. Auf die Dauer sind auch die verrücktesten Katzen kein Ersatz für eine schwierige Frau und vier streitlustige Kinder…
Wir hatten ein ausgesprochen schönes Weihnachtsfest, und es war gut, daß wir diesmal schon am 20. in Deutschland waren. So hatten wir schon einen Tag vor Heiligabend den Baum fertig. Mit dem Geschenkebesorgen (”dieses Jahr ohne Geschenke…”) habe ich schon im Oktober angefangen, was ich nur empfehlen kann… und insgesamt gab es dieses Jahr tatsächlich deutlich weniger Geschenke. Was ich gut finde. Aber viele Wiedersehen mit lieben Menschen und schöne Abende, wie immer, wenn ich bei meiner Mutter bin.
Die ersten Tage waren kalt, und obwohl es nicht geschneit hat, konnte ich mich am Rauhreif nicht sattsehen. Den Anblick hatte ich seit vielen, vielen Jahren nicht mehr - Primus hat schöne Photos gemacht, die ich bald in Flickr stellen werde. Ansonsten gab es das von mir sehr geliebte, wenn auch allgemein beklagte rheinische Schmuddelwetter - grauer Himmel, kleine Tropfen, mattes Licht und kühle, aber angenehme Temperaturen. Ich fand es schön.
Wieder einmal kam eine unserer Reisetaschen mit einem Tag Verspätung an, wurde uns dann nach Hause gebracht. Mir graut vor dem Tag, an dem so eine Tasche auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Und wie ermüdend, um vier Uhr früh hebräische Formulare auszufüllen. Na ja, es war ja nicht das erste Mal.
Jetzt packe ich die Adventsdekorationen wieder ein, wie jedes Jahr etwas wehmütig. Ich hoffe, wie jedes Jahr, daß es beim nächsten Auspacken allen nach wie vor gutgeht wie jetzt… tfu tfu tfu.
Manchmal denke ich, eigentlich würde ich am liebsten per Bahn und Schiff reisen, damit ich den Übergang nicht als so heftig empfinde. Aber dafür hat man ja leider weder Zeit noch Geld, nicht wahr, und plumpst so von einem Leben ins andere, guckt sich verwirrt um, weiß beim Aufwachen nicht, welches Zuhause einen anguckt.
Ja, ist es nicht gräßlich, wochenlang nichts zu schreiben und dann fäll mir trotzdem nichts Rechtes ein???? Meine Schreibhand ist ein bißchen eingeschlafen, ich schüttel sie gerade.
Meine Glückwünsche November 17, 2007, 14:01
Posted by Lila in Bloggen.9 comments
an Christiane, deren Blog den diesjährigen BOB-Award gewonnen hat. Ich kann mir vorstellen, daß sie sich jetzt vor Pingbacks, Kommentaren, Mails und Zugriffszahlen nicht retten kann. Ich habe sie schon ewig auf der Blogroll und freue mich für sie - obwohl ich weiß, daß so ein Gewinn ein zweischneidiges Schwert sein kann.
Ich hab ja nach meinem Gewinn vor einem Jahr so getan, als wäre nichts gewesen. Ich weiß nicht mal, ob ich was dazu geschrieben habe. Mir wurde der Anstieg der Zugriffszahlen unheimlich, und als sie ebenso steil wieder abfielen, war die Botschaft überdeutlich: die meisten Neugier-Besucher waren enttäuscht und klickten nie wieder rein oder schnell wieder raus. Nicht sehr schmeichelhaft - obwohl verständlich.
Irgendwo habe ich noch die Graphik der Zugriffsstatistik in diesem irrsinnigen Monat November, steil ansteigend und fast ebenso steil wieder abfallend, die mir deutlich gezeigt hat, wie interessant ich wirklich bin - auf die Dauer nämlich nur für einen kleinen Leserkreis verträglich und für viele Neugierklicker einfach eine glatte Enttäuschung. Wenn ich diese Graphik finde, stelle ich sie hier mal rein…
Ich hab auch diese Gewinner-badge nie installiert (hätte gar nicht gewußt, wie) und mir war es teuflich unangenehm, so aus meiner ruhigen Ecke rausgezerrt zu werden. Ich habe ja die Neigung, wenn die Zugriffszahlen zu sehr in die Höhe schnellen, entweder gar nicht mehr zu bloggen oder nur noch über die Kinder und Katzen, damit Streithansel sich hier gar nicht erst wohlfühlen.
(Nein, nein, damit meine ich niemand bestimmtes, erst recht nicht meine Diskussionspartner, die ich schon kenne… sondern einfach nur diese Einmal-Besucher, die ihren Senf ablassen und nie mehr wiederkommen… die ich “Vorgartenpinkler im Vorübergehen” nenne… da diese Typen nie mehr wiederkommen, kann niemand, der mitliest, sich gemeint fühlen!)
Grundsätzlich finde ich, fürs Bloggen Preise zu verteilen, ist sowieso subjektiv und kann nicht viel über ein Blog aussagen. Bloggen ist ja keine Wettkampf-Sportart und kein Beliebtheitswettbewerb. Beim Bloggen hört man die ganz persönliche Stimme eines Menschen, und ebensowenig wie ich die liebsten Menschen in meinem Leben, die mit ihren Stimmen meinen inneren Chor bereichern, staffeln und bepreisen wollte, würde ich die Blogs, die mir lieb und wert sind, nach Qualität sortieren wollen. Na klar, besonders in stressigen Zeiten schält sich heraus, welche Stimmen mir lieb und unverzichtbar sind, welche ich seltener, dann aber mit besonderer Freude aufsuche, und welche mich freuen, auch wenn ich lange ohne sie auskomme.
Um überhaupt Qualität beurteilen zu können, muß man ja Maßstäbe haben, und solche Maßstäbe ergeben sich aus der Überlegung: was muß ein Blog leisten, welchen Charakter macht ein Blog aus, und in welchem existierenden Blog ist mein Ideal-Blog am überzeugendsten verkörpert? So wie man früher Skulpturen an Polykleitos und Praxiteles gemessen hat. Je praxitelischer, desto besser, fertig. Aber dann hat Giacometti keine Chance… und deswegen sind IMO Blogs viel zu quirky, um sie beurteilen, nach Güte staffeln und mit Preisen bedenken zu können.
Zugriffszahlen als Grundlage überzeugen mich ebenfalls nicht. Ich bin sicher, daß ich nicht die Einzige bin, die ihre Zugriffszahlen gern auf Mittelmaß sieht und deren inneres Thermostat bei steilem Anstieg sofort Blog-Abstinenz verordnet. Welche Themen muß man beackern, um hohe Zugriffszahlen zu bekommen? Klatsch, Tratsch, Pikantes? Oder pausenlose Nahost-Knechtsprügelei a la Backhorva? Oh, im Krieg hatte ich hohe Zugriffszahlen. Weder der Krieg selbst noch ein Teil der Kommentare zu der Zeit waren besonders erfreulich. Auf eine Wiederholung habe ich keine richtige Lust…
Ich weiß zwar, daß es die Deutschen Blogcharts gibt, aber die meisten Blogs da drin kenne ich gar nicht, hab sie nicht verlinkt, bin nicht bei ihnen verlinkt und ich guck sie nur an, wenn ich sie irgendwo erwähnt finde. Auch was die diversen Blog-Kriege angeht, bin ich vollkommen unbeleckt - da habe ich nichts mit zu tun. Wer politisch wie steht und mit wem aus welchen Gründen nie mehr sprechen würde, ich krieg es einfach nicht mit. Ich bin nicht in der coolen Blogger-Szene, so wie ich in der Schule auch nie in der coolen Clique war, sondern immer nur Einzel-Freundinnen hatte, mit denen ich ganz uncool über Bücher sprechen konnte. In meinem Alter ändert man sich nicht mehr.
Ich bin auch Lobeshymnen gegenüber mißtrauisch, in jedem Bereich meines Lebens. Von allen Kommentaren zu meinem Blog ist mir nur einer klar im Gedächtnis geblieben. Da schrieb jemand auf seinem eigenen Blog: die hätte den Preis für so ein banales Blog doch nie gekriegt, wenn sie nicht in Israel sondern in Deutschland wäre! Und ich fand, da war was dran. Ich wußte gar nicht so genau, als ich anfing zu bloggen, was für ein emotional geladenes Thema Israel für viele ist, ich habe aus Neugierde angefangen zu bloggen, und nicht um in Glaubenskriege verwickelt zu werden, und die für manche offensichtliche Brisanz wurde mir erst im Laufe der Zeit klar - man kann ja alles und jedes in einen Beweis für die Perfidie und Unmenschlichkeit Israels um-interpretieren, ein Blick in die Talkbacks bei Haaretz reicht, und man kriegt die Motten. Daß Leute das bei mir versuchen würden, hätte mir klar sein sollen.
Nein nein, mir war ganz recht, als das Interesse schnell abebbte, und ich habe nichts getan, um es am Laufen zu halten. (Mir hat aber auch niemand einen tollen Job oder die Hauptrolle in einem Hollywoodschinken angeboten…) Ich konnte das aber auch nicht so offen sagen, das wäre fies den Juroren gegenüber gewesen, die sich ja dabei was gedacht haben und deren Urteil ich nicht einfach abtun wollte - und die mit der Verleihung des Preises ja nicht beabsichtigt hatten, mich in Panikanfälle von Rampenlicht-Scheu zu versetzen! Ich habe also gar nichts gesagt, glaube ich. Es freut einen ja auch bei aller Rampenlicht-Phobie, anerkannt zu werden - auch wenn man selbst ganz anders urteilen würde.
Ein Blog ist ja keine akademische Arbeit, bei der man jedes Wort sorgsam wählt und sich ewig Gedanken macht, wie man nun alles zu perfektem Sitz zusammennäht. Beim Bloggen kommen auch sich verändernde, inkonsequente, emotional gefällte Urteile und Ansichten zum Ausdruck. In vielen Dingen schwanke ich ja oder fühle mich bei Zustimmung sofort zum Widerspruch gedrungen - Spuren meines Charakters, der sich in meiner Kleinkindzeit darin ausdrückte, daß man mich ins Bettchen STELLEN mußte, damit ich mich hinlege - hätte man mich reinGELEGT, wäre ich natürlich sofort aufgestanden.
Ich schreibe spontan, aber eigentlich ist es schade, daß ich mir manche Post verkneife, weil ich keine Lust auf “Beifall aus der falschen Ecke” habe. Es ist auch so schwierig, nicht mißverstanden zu werden - ein einzelner Eintrag ist ja so leich mißverständlich, weswegen mich manchmal die Lust verläßt, jemandem zu antworten, der nur einen einzigen Eintrag gelesen hat, darauf vehement reagiert und die wildesten Schlußfolgerungen über mich, meine Weltanschauung und meinen politischen Standpunkt zieht.
Ja, für mich war dieser Gewinn ein zweischneidiges Schwert, cherev pipiot, wie fast alles im Leben. Ich bin nun beruhigt, daß diese Krone an Christiane weitergewandert ist, die sie mit mehr Grazie als ich wird tragen können.
Keine Überraschungen Oktober 10, 2007, 18:48
Posted by Lila in Bloggen.5 comments
via Sprechblase
Deutschland von außen Oktober 3, 2007, 9:48
Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.50 comments
Hat nicht beim Chat jemand gefragt, wie Deutschland in den israelischen Medien wahrgenomen wird? Aus verständlichen Gründen liegt das Augenmerk besonders auf fremdenfeindlichen und rassistischen Ausschreitungen.
Some 500 racist attacks were registered in Germany over the past year, a 33 percent increase from the previous year. Most of the incidents took place in former East Germany. Since the reunification, 130 racist murders have been registered, more than a fifth of them in Berlin and the state of Brandenburg. At the same time, radical right-wing and neo-Nazi parties in east Germany have increased their power and entered local parliaments, while opinion polls are reflecting growing xenophobia.
Der Artikel ist kurz, bemüht sich aber trotzdem um Erklärungen für diese Entwicklungen. Keine angenehme Lektüre, weder für Exil- noch Inlandsdeutsche.
Da man ansonsten von innerdeutschen Nachrichten nichts (nein, der Lokführerstreik war hier kein Thema…) und von international-deutschen Nachrichten wenig mitkriegt, wenn man nicht gerade deutsche Zeitungen liest, sieht so das Bild Deutschlands in israelischen Zeitungsleser-Augen aus. Nun kann man sagen, das ist unfair und verzerrt. Wenn man nur alle vier Monate was über Deutschland liest und dann jedesmal anläßlich eines Ausländermords oder einer rassistischen Gewalttat oder eines Siegs einer neo-NS-Partei bei irgendwelchen Wahlen - was weiß man dann über Deutschland?
Ja, und umgekehrt funktioniert das genauso. Wenn in deutschen Medien Israel nur im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt vorkommt, verzerrt das eben die Wahrnehmung. Obwohl wegen des unproportional großen Interesses der Welt an unserem kleinen Land auch der Katsav-Skandal und die Wahl Peres´ zum Präsidenten Erwähnung fanden.
Aber trotzdem, ich weiß auch nicht, wie sich so Dinge wie “Nachrichtenwert” entscheiden. Ich bin da auch selbst nicht konsequent. Einerseits finde ich, die Konzentration auf Konflikte, Gewalt, politischen Sprengstoff oder echten, reduziert die Welt auf ein Polizist-und-Krokodil-Szenario (wobei jeder die Rollen jeweils anders verteilt). Andererseits finde ich auch oft die starke Aufmerksamkeit auf rein symbolische oder äußerliche Vorgänge oder banale Ereignisse störend, wenn die dahinter liegenden Sachverhalte unerwähnt bleiben oder unwichtig werden. Dann wird der Sack gehauen, der Esel erscheint unwichtig.
Worauf soll man sich also konzentrieren: auf die großen, spektakulären, konfliktgeladenen Dinge? auf die kleinen, alltäglichen, zivilen? Beides zusammen? Mal so, mal so?
Es ist also nicht leicht für Journalisten, das gebe ich zu. Für Blogger ist es einfacher, weil wir gar nicht erst so tun müssen, als wären wir objektiv (wobei schon die Auswahl, WAS Nachricht wird oder Reportage, nicht objektiv ist - nicht objektiv sein KANN). Es ist auch einfacher, weil Blogger auch bloggen, wenn mal gerade nichts passiert.
Aber da ist immer noch die Sprachbarriere. So vielfältig und interessant das bloggende Bild Deutschlands sein mag - solange man Deutsch braucht, um deutsche Blogs zu lesen, dringt es nicht weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raums. Das ist schade, nicht nur im Falle Deutschlands. Vielleicht kriegt Babelfish ja irgendwann mal Flügel..
Deutsche Leser, saget an: wie deutlich wirkt sich diese Fremdenfeindlichkeit, diese Gefährdung ausländisch aussehender Menschen auf Euer Leben aus? Merkt Ihr was davon? Ist das ein Thema? Oder ist es ein Medien-Phänomen, das mit Euch nichts zu tun hat? Ich frage das, weil ich es wirklich wissen will.
Verrückte Sache, September 25, 2007, 18:08
Posted by Lila in Bloggen.Tags: blogs, chats, Israel, politics
72 comments
so ein Chat. Die Zeit vergeht im Nu. Ich verstehe jetzt besser, wieso mein Sohn einen ganzen Abend chattenderweise verbringen kann, ohne es zu merken.
Fragen sind willkommen! Es ist nämlich gemütlicher, sie im Blog zu beantworten.
Blogger-Frage September 16, 2007, 21:54
Posted by Lila in Bloggen.17 comments
Fiel mir gerade ein, als ich einen Backlink sah - eine Frage an die Blogger unter meinen Lesern (”die Gebildeten unter den Verächtern”). Wie seid Ihr eigentlich auf die Blog-Namen gekommen, die Eure Seiten heute zieren? Wie auf die Nicks? An die Schreiberin von “Schreiben-Lesen-Bloggen” natürlich zuerst gerichtet! (Wie wär es mit Schlafen-Essen-Bloggen?)
Ich habe ja schon oft genug erzählt, wie ich auf Rungholt gekommen bin. Ich wußte ja nicht, wie sich das Dingen auswachsen würde, sonst hätte ich es bestimmt “Letters from” genannt, sondern einfach nur “Rungholt”. Ich dachte ja auch, wenn deutsche Leser zu fürchterlich sind, schreibe ich eben auf Englisch. Das habe ich ja schnell wieder gelassen.
Ich änder das vielleicht irgendwann mal - hab einfach Angst, das ganze pummelige Blögchen verschwindet, wenn ich das mache. So wie mein erstes Rungholt eigentlich nur noch auf CD existiert und auf das Internet-Genie wartet, der es hier mal reinschleusen kann.
Aber Rungholt ist meine Metapher für das Vergangene, Versunkene, wo man nicht wieder hin kann. Ich habe da Heimatgefühle, in dieser versunkenen Stadt. Erfreulicherweise bedenken mich nette Leser immer wieder mit Links zu Büchern, Websites, Hotels und Booten mit dem schönen Namen Rungholt. Ja, es scheint, der Name Rungholt wird von vielen mit mir assoziiert. Das freut mich sehr. Vielleicht werde ich ja mal Rungholter Ehrenbürgerin?
Und Lila, auch wenn manche Leser schon gerätselt haben, ob es meine Lieblingsfarbe ist oder einen feministisch-latzbehosten Hintergrund hat…, ist einfach einer meiner zahlreichen Spitznamen, die sich aus einem seltsamen Vornamen ergeben haben. Mein Mann nannte mich als erster so, noch bevor wir uns näher kannten, und von ihm haben es viele Leute übernommen. Meine besten Freundinnen in Israel nennen mich sogar Lilush, die Israelis müssen ja jeden Namen verhunzen und ein -ke, -le, -push oder -lush anhängen. (Ruvke für Reuven, Rivkele für Rivka, Papirush für Ophir, Lilush für Lila…. gräßlich, gräßlich). Ich habe da auch nicht drüber nachgedacht - sonst hätte ich bestimmt einen etwas weniger kindischen Namen gewählt.
Ich wiederhole meine Aufforderung zum Erzählen lieber nicht - ich habe nach meiner langen Schweigepause so herrlich niedrige Zugriffszahlen, daß gähnende Stille ausbrechen könnte… und Stöckchenwerfen werde ich nicht initiieren, da steh ich unter Eid.
Sauer Juli 28, 2007, 0:13
Posted by Lila in Bloggen.16 comments
auf Flickr. Hätte ich nicht so viele Bilder dort gespeichert, würde ich einfach meinen Account löschen und fertig. Seit Yahoo Flickr geschluckt hat, ist der Service unter aller Kritik. Auf Mails kriegt man keine Antwort. Bezahlen geht nur noch mit Kreditkarte. Ich habe nur eine israelische, und die wird natürlich nicht akzeptiert. Früher, bis zur Yahoo-Übernahme, konnte man ganz einfach mit Paypal zahlen. Jetzt wird man auf Yahoo Wallet verwiesen, einen Dienst, der natürlich - eine Kreditkarten-Nummer sehen will. Und zwar eine amerikanische. Selbst wenn ich eine hätte, würde ich sie wohl kaum online einsetzen.
Kurz, ich ärgere mich richtig. Hat jemand einen Tip - einen anderen Photo-Dienst? Bestimmt bedeutet das, manuell die ganzen Bilder wieder einstellen - weiß der liebe Himmel, auf wie viele CDs ich sie gebrannt habe, ich mache doch die Festplatte so gern leer und sauber. Yahoo Wallet austricksen geht nicht. Ohne Kreditkarte geht nichts.
Ich bin anscheinend nicht die einzige, die sich ärgert. Wieso etwas einfaches, das funktioniert, kompliziert und unmöglich machen? Ich habe das Gefühl - hätte der Google-Krake Flickr verspeist, wäre der Dienst noch stromlinienförmiger und internationaler geworden…
Neu-, Stamm-, Mitleser, merket auf Juli 20, 2007, 22:37
Posted by Lila in Bloggen.26 comments
Ist es Euch schon aufgefallen? Mir scheint, in meinem Blog sind lauter verhinderte Blogger versammelt. Ich empfehle, statt der Beiträge gleich die Kommentare zu lesen. Da findet man viel Stoff zum Nachdenken, Links, Diskussionen - und ich fühle mich manchmal wie Trittbrettfahrerin meiner KommentatorInnen!
Ich wünsche, liebe KommentatorInnen, allen Euren grundsätzlichen, interessanten, wohlüberlegten und klugen Beiträgen ein möglichst großes Publikum. Ich weiß nicht, ob Euch hier jemand findet, in langen, sich windenden Kommentarsträngen - und ob Ihr nicht doch eines Tages lieber entnervt, weil ich Euch immer dazwischenquatsche, eigene Blogs aufmacht… Ein warmes Plätzchen auf meiner Blogroll wäre Euch sicher.
Jedenfalls danke.
Disclaimer: womit ich keineswegs sagen wollte, daß die Kommentare, die hier von Mit-Bloggern hinterlassen werden, geringer zu schätzen sind!!!
Die Antwort Juli 16, 2007, 13:43
Posted by Lila in Bloggen.6 comments


