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Richtig so Februar 14, 2013, 10:23

Posted by Lila in Presseschau.
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Es steht leider nicht dabei, welche Strafen die vier Grenzschützer bekommen haben, die einen offensichtlich geistig behinderten Palästinenser eingeschüchtert, gedemütigt und gequält haben. Die Bilder waren schlimm, schlimm, schlimm, und ich hoffe sehr, die Familie dieses jungen Mannes und er selbst wissen, daß sie Rechte haben, und daß die Soldaten bestraft worden sind. Die Grenzschützer haben sich von der abscheulichsten, unmenschlichsten Seite gezeigt.

Ich kann gar nicht sagen, wie entsetzt ich war und bin, jedesmal, wenn solche Filme oder Bilder durch die Presse gehen. Für mich einer der wichtigsten Gründe, FÜR eine Abtretung der Gebiete und eine größtmögliche Trennung zu sein. Wir können uns einfach nicht leisten, über Generationen hinweg Autorität über ein anderes Volk auszuüben. Das korrumpiert moralisch. Diese Korruption drückt sich auch in den hart bekämpften, aber immer wieder berichteten Mißhandlungen und Demütigungen junger Soldaten durch ältere (Stichwort zubo).

Der Gedanke, daß dieser Konflikt in unserer Generation anscheinend nicht zu lösen ist und wir gezwungen sein werden, unsere Jugend in Situationen zu schicken, in denen solche abscheulichen Verfehlungen möglich werden, ist quälend. Eine Mehrzahl Israelis will das nicht mehr oder hat es nie gewollt.

Gegen Terroristen und Gewalttäter muß man vorgehen, in den Wegen, die Gesetz, Recht, Armee, Staat vorgeben. Aber einen Wehrlosen zum Spaß zu demütigen – mein Gott, wenn das meine Söhne wären, die sich so verhalten haben, ich weiß nicht, was ich tun würde.

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Kommentare

1. Dorothee - Februar 14, 2013, 11:18

Jeschajahu Leibowitz widersetzte sich gleich nach dem Sechs-tagekrieg der Annexion der besetzten Gebiete.
In einem Interview (vielleicht im Film: ‚Wegen dieses Krieges‘ ?) sagte er etwa dies:
„Um unserer selbst willen dürfen wir nicht Besatzer sein…“
Daran mußte ich denken, als ich heute morgen Lilas
Nachricht /Kommentar las. Wie einfach haben es unsere Jungen
in Deutschland heutzutage!!!

2. Lila - Februar 14, 2013, 11:27

Richtig annektiert wurden sie ja nicht. Sie haben einen anderen legalen Status als Petach Tikva oder Haifa.

Auch wer dagegen war, wußte keine bessere Antwort – weil es niemanden gab, dem man die Gebiete hätte “zurückgeben” können, und weil sie schon vorher besetzt waren und also gar keinen definierbaren Status hatten. Die Araber verweigerten jeden Dialog (Sprichwort Khartoum).

Dann schien die beste Lösung, die Gebiete als Pfand zu halten, für zukünftige Friedensgespräche. Der Konflikt darum, ob und wie weit gehend man dort siedeln kann, sollte, dürfte oder muß, ist seitdem in Israel heiß diskutiert. Die meisten sind, wie ich, für eine Kompromißlösung, die weder eine komplette ethnische Säuberung von Juden noch eine simple Annexion vorsehen, oder eine ausgehandelte, faire Lösung.

Nota bene: 1967 sprach kein Mensch von einem palästinensischen Staat. Den hätte man ja logischerweise schon von den Jordaniern fordern müssen…

Bis zur Intifada schien es eine nicht ideale, aber lebbare Lösung zu sein, die Gebiete in der Schwebe zu halten. Zu Oslo-Zeiten schien die Lösung gefunden. Die Intifada II und ihre Folgen hat jede Lösung verbaut.

Auf Kosten unserer Jugend, die ihre schönsten Jahre mit dem Gewehr in der Hand an irgendwelchen öden Checkpoints verbringt.

Wenn Obama meint, er kann das was dran ändern – nur zu, ich ließe mich zu gern überraschen.

3. Silke - Februar 14, 2013, 12:17

Yaacov wählte in einem seiner Posts diese Formulierung

in the territories Israel took control of in 1967

nu können wir uns streiten, wie wir “take control of” übersetzen wollen.

http://israelsdocuments.blogspot.de/2013/02/how-to-sell-arab-property-in-east.html

4. Silke - Februar 14, 2013, 13:11

warum wir uns zu Recht über bestimmte Wörter und/oder Ausdrucksweisen erregen, erklärt ungefähr im letzten Drittel des Audios ein Werbefachmann namens Robert Widmann(?) sehr schön, sehr knapp, sehr entlarvend und sehr umfassend (nachdem er erst mal in Fahrt ist). Dan Ariely erzählt übrigens in seinen Book Talks oft von ähnlichem Experimenten wie dem letzten, von dem Widmann(?) spricht.

Besonders beeindruckend fand ich übrigens (kannte ich von Ariely nicht) das Experiment mit der Werbung in Befehlsform.

http://www.hr-online.de/website/radio/hr2/mediaplayer.jsp?mkey=47459911&rubrik=77493

Ich habe insgesamt 5 Ariely O-Töne. Das hier ist der längste
http://www2.lse.ac.uk/publicEvents/events/2008/20080211t1106z001.aspx
und der hier hat den erhellendsten Gedankengang (Christopher Lydon ist ein Anti-Israel-Fan, hält sich aber im Interview mit Ariely im Zaum)

http://www.radioopensource.org/dan-ariely-on-the-irrationality-of-american-inequality/

Der Mann in “Der Tag” hat den Vorteil, daß er direkte Beispiele bringt, wie Sprache uns “steuert”.

5. Silke - Februar 14, 2013, 13:32

PS:
wenn ich also Juliane von Mittelstädt nicht verzeihe, daß sie in ihrem Bericht über Eichmann’s Henker als erstes erwähnt, daß an seinem Ärmel? ein Blutfleck ist und dann erst erklärt, daß er von Beruf Schlachter ist, dann ist das perfide und nu hat sie die Wahl, entweder sie ist Profi und weiß, was sie tut oder sie soll sich ihr Lehrgeld wiedergeben lassen.

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/22645/henker_fuer_einen_tag.html

Lila
was die Bilder anlangt, glaube ihnen nicht zu viel, warte das Verfahren ab

- ich habe mich einmal mit einem Video sehr gründlich beschäftigt, in dem Soldaten angeblich eine alte Frau (Palästinenserin) mißhandelten – es war nicht so, es war ganz anders, es war etwas schief gegangen mit dem Hund und die Frau war nicht kooperativ und konnte es wohl nicht sein.

Doch beim ersten Hinschauen, wie schrecklich, shit happens, nur daß der Shit eben nicht Fehlverhalten war. Seit dem lasse ich praktisch alles, was mir per Video bewiesen werden soll, unbeachtet.

Mir das Wissen anzueignen, was ich da wirklich sehe und immer wieder gucken, hat damals fast einen ganzen Tag gebraucht und ich arbeitete nicht alleine dran.

6. Silke - Februar 14, 2013, 13:37

PS für Lila

kennst Du diesen Mann?
ich habe seine Artikel über Baklava gelesen – faszinierend und zu Abu Ghraib habe ich ihn, glaube ich, nur im Interview gehört.

und ja, vermutlich ist er ein Hardcore-Leftie … doch zugleich ein ehrlicher Mann ;-)

http://opinionator.blogs.nytimes.com/category/errol-morris/

7. Lila - Februar 14, 2013, 13:40

Bei dem Clip war keine andere Interpretation möglich. Der Mann, Anfang 30 und vollkommen kindlich in Körpersprache und Habitus, saß weinend vor Angst in einem Auto der Armee. Die Soldaten lachten, taten so, als würden sie einen Hund auf ihn hetzen – einen gutmütigen Retriever oder Labrador, aber der Palästinenser wimmerte vor Angst. Einer der Soldaten goß ihm ein Glas Wasser über den Kopf.

Ich kann nicht ohne Tränen daran denken. Eine Schande für ihre Erziehung, ihre Eltern, ihr Land sind solche Soldaten.

Mobbing ist widerlich. Ich fand es schon in der Schule ekelhaft. Manchmal liege ich nachts wach und frage mich, ob mich meine Erinnerungen täuschen und ob ich nicht doch mitgemacht habe. Ich weiß, daß ich nicht gemobbt worden bin, aber ich weiß, daß ich zu manchen Kindern ekelhaft war, die mit mir spielen wollten oder meine Freundschaft wollen. Und war es besser, danebenzustehen und zuzugucken, wie über die neonfarbenen Strümpfe eine schüchternen Mitschülers gelacht wurde? Habe ich mitgelacht? Ich liege nachts wach wegen sowas.

Was haben wir Menschen doch für gemeine Tendenzen.

Erwachsenen Menschen, die eine Uniform tragen und damit ihr Land repräsentieren, die Verantwortung tragen für ein Gebiet, das aus vielerlei Gründen noch nicht unabhängig ist, müssen sich vernünftig verhalten. Sie kriegen das auch unermüdlich eingetrimmt bei der Armee – Secundus, der es von zuhause kennt, kann es auswendig.

Und wer sich einem geistig schwachen Menschen gegenüber so verhält – ich konnt es nicht mit ansehen. Ganz, ganz schlimm.

8. Silke - Februar 14, 2013, 13:53

Lila
kam das in Eurem Fernsehen?

zum Mobbing ein andermal (ich war immer die Neue und habe es immer geschafft, nicht gemobbt zu werden, bis auf einmal) – bis dahin, übe Dich im Dir selbst verzeihen

- nur noch eins, was unsere Medien mit Israel machen, erinnert mich an Mobbing, es folgt den gleichen Regeln …

… was die da gemacht haben, war vermutlich schauderhaft, doch nach allem was ich über die Arbeit an Check Points gelesen habe, habe ich großes Verständnis dafür, wenn mal einer durchdreht und bewundere “Euch” sehr dafür, daß es nicht öfter geschieht.

Sollte es, der Himmel verhüte es, einem Deiner Kinder passieren, hoffe ich, daß Du es in Dir findest, ihm/ihr sofort und bedingungslos zu verzeihen.

Um aufs Mobbing zurückzukommen, sehr oft geschieht so was, wenn Gruppendruck/Solidarität/Kameradschaft eine Rolle spielt, Sebastian Haffner schreibt in Der Geschichte eines Deutschen sehr Grundsätzliches dazu, wenn er von seiner Zeit im Trainingslager berichtet. Denn jeder einzelne von uns fürchtet sich sehr vorm Gemobbtwerden …

9. Lila - Februar 14, 2013, 13:58

Oh ja, das kam hier in den Nachrichten, ich hoffe, es wird heute abend nicht noch einmal gesendet.

Wenn eines meiner Kinder sowas täte — vielleicht könnte ich ihm oder ihr verzeihen, aber mir selbst niemals. Es war für mich eines meiner wichtigsten Erziehungsziele, die Kinder gegen üblen Gruppendruck zu stärken. Das ist natürlich nicht einfach. Gott sei Dank war das vielen anderen Eltern auch sehr wichtig im Kibbuz. Wir haben uns sofort kurzgeschlossen, wenn sowas vorkam. Es mag sein, daß uns Fälle entgangen sind, aber ich erinnere mich an mehrere Probleme, wo wir Eltern mit den Erziehern sofort gegengesteuert haben.

Aber irgendwann läßt man die Kinder allein los, und was dann?

10. Hadassa - Februar 14, 2013, 15:24

“Für mich einer der wichtigsten Gründe, FÜR eine Abtretung der Gebiete und eine größtmögliche Trennung zu sein. Wir können uns einfach nicht leisten, über Generationen hinweg Autorität über ein anderes Volk auszuüben. Das korrumpiert moralisch. ”

Wie so oft sprichst du mir aus der Seele. :-(

11. Silke - Februar 14, 2013, 17:19

Lila – 9

… dann “schuldest” Du ihnen und Dir nichts mehr, dann darfst Du nur noch im Hier und Heute – ich finde, wenn Du meinst, Fehler Deiner Kinder Dir selbst und von Dir gemachten Fehlern anlasten zu müssen, dann bürdest Du ihnen Unertragbares auf und bist Dir selbst gegenüber ziemlich überheblich. Auch Mütter sind fehlbare Menschen. Das einzige, was ich rückblickend der meinen übel nehme, ist daß sie mich nie als Erwachsene anerkannt hätte.

denn ab dann sind sie Erwachsene …

und in der Zwischenzeit sei stolz drauf, daß Du in einem Land lebst, daß, soweit ich es mitkriege, nicht nur nix beschönigt, sondern geradezu versessen drauf ist, alles offen zu legen.

Werdet Ihr erfahren, welcher Gruppenprozess da abgelaufen ist? Ich finde die Stelle in Meuterei auf der Bounty, in der der Anwalt den von ihm gerade erfolgreich Verteidigten der üblen Mobberei anklagt, als sehr wahrheitshaltig.

lies Haffner’s Bericht – die Trennlinie ist so dünn – besonders berührt hat mich, daß er nicht sagt, daß er ein Guter war, weil er bei den Mißhandlungen auf der Stube nicht mitgemacht hat, sondern daß er das Glück hatte, den Job des Schmierenstehers zu ergattern. Er lässt es also offen, was er getan hätte, hätte er sich entscheiden müssen. … und dafür schäme ich mich z.B., daß ich ihn, wann immer ich ihn im Fernsehen sah, nur nervig fand und heute gehören mir seine Bücher zu den liebsten, nicht weil ich mit ihm in allem einig gehe, aber weil er über sich selber ehrlich ist.

Robert Graves in “Good bye to all that” sagt für mich ziemlich unverblümt, daß sie, wenn sie nachts allein im Niemandsland auf verwundete Gegner trafen, diese getötet haben (sonst hätten sie sie gefangen nehmen müssen.)

Keiner von uns weiß, was es mit ihm macht, wenn er sein Leben als bedroht erlebt.

Und was das moralische Korrumpiertwerden anlangt, feindliche Nachbarn korrumpieren jeden – es liegt in ihrer Macht diese Art von Ohn-Macht hervorzurufen. Sie sind die Herren des Doppelnelson.

Alan Sillitoe sagt in dem Langstreckenläufer, daß der Gefangenen schlafen kann, der Wächter nie und für Euch, Euren Staat, ist die Sicherheit des Gefangenen derzeit nur erwerbbar, wenn Ihr viele Worte Eurer Nachbarn ausblendet.

Natürlich wäre es schön, wenn Ihr einen gutnachbarlichen Zaun zwischen Euch ziehen könntet und wenn ich das mit Moshe Dayan richtig verstehe, habt Ihr’s ja in aller Ernsthaftigkeit und Großzügigkeit damals und nicht nur damals versucht …

Wenn der Supremazismus-Virus ausbricht, sind die Wahlmöglichkeiten eben sehr begrenzt.

12. Jack - Februar 14, 2013, 19:39

Ja Mobberin 7., volle Gönnung, daß Du deswegen jetzt schlaflos die Nächte durchmachst. Strafe muß sein. Ich hatte damals einigermaßen die Balance gehalten. Mobbing gab’s bei uns eigentlich immer nur in Sachen Jeans-Hosen (und Jacken). Und die Eltern haben tatkräftig, voller Häme und Schadenfreude ihre Kinder den anderen zum Fraß vorgeworfen, um auch mal ihren Spaß zu haben. Jinglers-Jeans mit der Glocke von C&A gegen Levis, Lee, Wrangler und Fiorucci, fieser ging’s kaum. Wir hatten Gesichts- und Bauchschmerzen vor lauter Lachen, wenn z.B. der Vater zu Hause vor den anderen Jugendfreunden auf doof machte und sagte „Wieso, ist doch toll die Jinglers, sieht genauso aus wie eine Levis und ist viel billiger“. Wenn man schlau war, hat man seinen Vater in den Schwitzkasten genommen und er musste vor all den anderen als Zeugen alles wieder zurücknehmen. „Aua aua aua, ja, ich nehm alles zurück. Ja ja, Du bekommst eine Wrangler.“ „Gib Geld!“ :-)

Was gegen Jugend-Mobbing hilft bzw. dies ausschaltet ist ein guter Sportler zu sein. Bist Du im Sport gut, dann können die anderen nichts machen.

Zu Israel – ich weiß nur, daß sich da einige für die anderen geschämt haben und einem das auch zu verstehen gaben im Sinne von ‘ich hab mit dem nichts zu tun, wenn’s nach mir geht usw.’ – wie so oft und quasi überall auf der Welt. Es geht um Macht und Ohnmacht.

Und gewisse Menschen nutzen ihre Macht immer aus, weil sie ansonsten nicht viel drauf haben, sich bestätigen müssen oder Sadisten sind. Bis sie selber auf’s Maul kriegen, was leider viel zu selten passiert. Auch weil man eigentlich keine Böcke auf diese Leute hat.


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