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Keine Frage des “ob”, sondern des “wann” Februar 10, 2013, 7:56

Posted by Lila in Presseschau.
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Es mehren sich Stimmen, die einen Angriff an der syrischen Grenze erwarten.

“In my 25 years in the IDF, I’ve never seen such non-combat deployment in the area,” Nahal Commander Colonel Yehuda Fox, whose troops are preparing to relieve Golani troops along the border, told Ynet.

“We’re gearing for all scenarios in the sectors. The build-up is underway. If we do see a complex terror attack on the border, the last thing we could say is that is was a surprise and any such incident would have to be contained very quickly.”

Was sagt Euch der Name Nahal? Richtig, Secundus. Er ist seit zwei Wochen an der syrischen Grenze stationiert, genau dort, wo auch Primus die ruhigsten Monate seines Diensts verbracht hat, und wo wir öfter an Wochenenden mit Körben voll guter Sachen aufgetaucht sind, um Picknick zu machen. Es gibt extra eine Ecke mit Bänken und Tischen für solche Gelegenheiten. Wir haben Romme gespielt und diese stille Grenze kam uns zuverlässig vor. Ich war immer erleichtert, wenn es hieß: Golanhöhen sind die nächste Station.

Ich kann nicht sagen, daß ich von Furcht zerfressen bin. Beide Parteien in der syrischen Bredouille müßten eigentlich daran interessiert sein, daß die Grenze weiter ruhig bleibt. Es muß ihnen auch aufgefallen sein, daß Israel sich raushält, wenn es nicht konkret bedroht wird. Ein richtiges Interesse kann niemand daran haben, daß zusätzlich zu einem Bürgerkrieg im Innern ein Konflikt mit Israel ausbricht. Syrien ist zwar mit Waffen aller Art vollgestopft, aber keiner weiß, ob die syrische Armee funktionsfähig ist. Assad kann froh sein, wenn an der Grenze weiter Ruhe herrscht. Es wären wohl eher Gruppen von außen, die ein Interesse an Chaos und Unruhe hätten.

Assad’s loose grip on the area has made it safe for terror operatives to seek refuge there; and thousands of them – from Saudi, Iraqi and Yemeni al-Qaeda and Islamic Jihad-affiliated groups – are believed to be on the ground.

Wenn, chalila, ein ähnlicher Vorfall wie die Bombardierung von Zarit und Shtula sich in den Golanhöhen wiederholte, mit gleichzeitigem Angriff auf Grenzpatrouillen? Was würden wir machen? Was wäre schädlicher – einen solchen Angriff unbeantwortet lassen oder gezielt zurückzuschlagen, im Bewußtsein, daß wir dann entweder als Opfer dastehen, das weitere Angriffe einlädt, oder in einen unkontrollierbaren Strudel von Schlägen und Gegenschlägen zu schlingern?

Der Artikel erwähnt auch die UN-Truppen, die dort stationiert sind. Würden sie eingreifen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Bisher gibt es dafür keinen Präzendenzfall, oder? Sie haben ja auch im Libanon nicht eingegriffen, wenn Israel angegriffen wurde. Und wenn, dann würden sie wohl eher versuchen, Israel zur Ruhe um jeden Preis zu bewegen.

Bisher sind das nur Gedankenspiele. Es bleibt zu hoffen, daß es nicht dazu kommt, daß in Syrien vielleicht doch ein neues Gleichgewicht entsteht und sich das Land wieder stabilisiert.

Aber das syrische Dilemma zeigt auch deutlich, ähnlich wie Ägypten, wie schwierig es in dieser Gegend ist, verläßliche Verträge abzuschließen. Hätte Israel, wie sowohl Barak als auch Netanyahu schon ganz nah dran waren, die Golanhöhen im Rahmen eines Vertrags zurückgegeben, dann stünde die Grenze jetzt schon in Flammen, dann könnte jeder Scharfschütze sich am Rand des Plateaus gemütlich hinlegen und die Israelis unten einen nach dem anderen erschießen. Wer garantiert uns, daß die Abmachungen mit Ägypten auch in fünf Jahren noch eingehalten werden? Niemand. Wer garantiert uns, daß bei einem Friedensvertrag mit den Palästinensern nicht zwei Tage nach Abzug des letzten Soldaten die Hamas übernimmt und sagt, ätsch-bätsch, alles ungültig?

Niemand, leider. Drum ist uns allen schon seit einiger Zeit unwohl beim Gedanken an die syrische Grenze. Und ich denke auch schon weiter. Was, wenn Jordanien fällt? Ehud Yaari meinte neulich im Fernsehen, daß die Zeit der relativen Stabilität vorbei ist, weil wir bald nicht mehr von Staaten im herkömmlichen Sinne umringt sind, die zwar feindselig, aber berechenbar waren, sondern von rivalisierenden extremistischen Gruppen, die nicht an die Verhaltensregeln von Staaten gebunden sind. Noch funktioniert der Staat Libanon, noch hat Ägypten mit Mursi einen relativ pragmatischen Regierungschef. Wie sieht das in fünf Jahren aus? Oder sobald Pragmatismus Mursi mehr Nach- als Vorteile bringt?

Y. bringt Secundus zum Bus. Sonntagfrüh sind alle Busse und Bahnen voll mit Soldaten und Soldatinnen in sauberen Uniformen. Die Jungens haben sich die Haare mit dem Brrrrr-Maschinchen gestutzt und die Taschen sind vollgestopft mit sauberer Wäsche. Donnerstags und freitags sind die Busse und Bahnen dann voll mit müden Gestalten in olivgrün und beige, die Taschen voll dreckiger Wäsche schleppen. Kämpfende Einheiten schicken die Soldaten nur alle zwei oder drei Wochen nach Hause.

Ich habe vorgestern mit meinem Lieblingsvetter telefoniert. Sein Ältester, ein hochbegabter und sehr netter Junge, ist jetzt achtzehn geworden und überlegt sich, was er studieren soll. Im Sommer ist er mit der Schule fertig. Mein Vetter, der selbst beim Bund war, kann sich kaum vorstellen, wie es wäre, den Jungen für drei Jahre aus dem Lernen zu reißen und ihn in so eine Mühle zu schicken. Ich wünschte so sehr, es wäre nicht nötig. Ich wünschte so sehr, wir kämen mit allen Nachbarn zu einer Übereinkunft: wir lassen euch in Ruhe, ihr laßt uns in Ruhe. Wenn ich an die vielen arabischen Staaten denke, bis an die Zähne bewaffnet – für wen sind ihre Waffen bestimmt? Was ist der gemeinsame Nenner aller zerstrittenen Gruppen? Warum dieser Haß?

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Kommentare

1. Jochen Robert Englert - Februar 10, 2013, 11:36

Sie können nur hassen, weil sie keine Liebe erfuhren. Nicht in ihren Familien und auch nicht anderswo. In Israel gibt es währme in den Herzen, es geht ums Überleben um die Achtung des Lebens. All dies findet man din diesen Ländern weniger. Man sollte dabei ihre Religion nicht ganz unbeachtet lassen.

Aber Israel steht für mich auf der richtigen Seite. Sie sind klug und haben Gottvertrauen. Sie gehen bedacht vor und kennen nicht solche Dinge wie Selbstmordatentäter sie im Sinn haben. Sie haben ihre Familie im Hinterkopf, nicht um sie zu opfern, sondern, weil sie sie lieben und ihnen das Leben wichtig ist. Mein Wunsch das alle Soldaten behütet ihren Dienst tun haben sie. Und wieder auch meinen großen Respekt. Ich wünsche allen viel Kraft und Mut.

2. Paul - Februar 10, 2013, 14:40

Ach Lila, Du machst mir das Herz schwer.
Bis vor einigen Tagen habe ich mich gefreut, dass es jetzt schon ein paar Wochen ohne Raketen auf Israel gab. Dann kam Deine schlechte Nachricht von dem Waffendepot in der Schule. Bei uns wurde auch schon die Möglichkeit, dass es sich um Waffen “normaler” Krimmineller handeln könnte erwähnt. Das erscheint mir unlogisch. Warum sollten die Waffen in einer Schule lagern?
Vor einiger Zeit hast Du die Gefahr aus Syrien schon einmal angesprochen. Jetzt wieder.
Ich möchte Dir so gerne schreiben, dass Du Dich irrst. Dass Du Gespenster siehst wo keine sind. Leider kann ich Dir das nicht schreiben.
Mein Verstand sagt mir, Du könntest recht haben. Mein Herz hofft weiterhin, dass Du Dich irrst.
Herzlich Paul
Mein Gebet begleitet Euch. Mehr kann ich leider nicht für Euch tun.

3. Lila - Februar 10, 2013, 16:06

Das Waffendepot in der Schule kann durchaus kriminellen Hintergrund haben – Waffenschmuggel. Oder eben terroristischen. Ich weiß nicht, ob wir je die Wahrheit hören werden.

Syrien ist schlimm genug, auch wenn wir nicht reingezogen werden. Es ist so nah bei uns, und so viel Leid, seit so vielen Monaten. Und keiner tut was. Der Gedanke daran ist quälend, daß Zivilisten, besonders Kinder, gefoltert und getötet werden. Und wir können nichts tun. Nur stillhalten. Alles andere würde die Lage nur verschärfen. Sich vorzustellen, daß es dort Menschen gibt, deren Leben hätte gerettet werden können, wenn wir, wie die Türken oder Libanesen oder Jordanier, die Grenze hätten öffnen können – schrecklicher Gedanke.

Je aussichtsloser die Lage im gesamten Nahen Osten wird, desto trauriger. Der arabische Frühling, der zu Anfang durchaus positive Seiten hatte (Demonstranten, die Freiheit fordern und Rechte, und das friedlich), wird mehr und mehr zu einem Albtraum. Und wir mittenmang.

Ehrlich, ich fühl mich manchmal wie in Hogwarts unter der Glocke.

Protego maxima. Und man weiß als Zuschauer, daß dieser Schutz nicht ewig halten wird.

Aber vielleicht hab ich ja zu viel Harry Potter gelesen, und der Schutzschild hält doch auf die Dauer – Armee, Abschreckung, Diplomatie, alles zusammen.

4. Kleiner Bruder - Februar 10, 2013, 18:20

Die araber sind vor allem deshalb bis auf die Zähne bewaffnet, weil sie sich gegenseitig misstrauen. Israel ist ein Nebenschauplatz. In den letzten 20 Jahren hatten wir Kriege: Iran gegen Irak, Irak gegen Kuwait, Bürgerkrieg im Libanon, Bürgerkrieg in Syrien, etc, etc…

…und mit allen Waffen “bis auf die Zähne”, haben sie es bis heute nicht geschafft, einen Krieg gegen Israel zu gewinnen. Also entweder hat Israel doppelt so viele Zähne, oder die Araber sind eben doch nicht so hoch gerüstet wie andere Staaten,

5. Stefanie - Februar 11, 2013, 1:37

Es scheint, dass alle irgendwie einen Konflikt mit Syrien auf dem Radar haben. Trotz allem was ich dazu lese, mein Buch sagt mir, es wird der Libanon sein. Keine Ahnung warum. Aber Syrien ist bei mir vom Bauchgefühl her erst einmal keine konkrete militärische Baustelle für Israel. Ich hoffe so sehr, mein Bauch irrt sich oder ich interpretiere irgendwie was falsch und es gibt überhaupt keinen Konflikt.

6. Stefanie - Februar 11, 2013, 1:52

@Syrien ist schlimm genug, auch wenn wir nicht reingezogen werden.

Es ist absolut frustrierend, zu beobachten, was den Menschen da widerfährt. Man scheint nichts tun zu können und muss weiter zusehen.

Da wird einem immer wieder klar, wie viel Glück man hat, auf einem Flecken leben zu dürfen, wo Frieden herrscht. Wie viele Menschen sitzen in Flüchlingslagern und würden gern nach Europa. Wir lassen sie nicht rein. Wir schotten uns ab, um unseren Wohlstand nicht zu riskieren. Es ist schon eine verdammt ungerechte Welt, weil es nicht in der Hand des Individuums liegt, wo es geboren wird, leben darf und sozialisiert wird. Das ist einfach nur Glück oder Pech.

7. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 18:56

“Sein Ältester, ein hochbegabter und sehr netter Junge, ist jetzt achtzehn geworden und überlegt sich, was er studieren soll. Im Sommer ist er mit der Schule fertig. Mein Vetter, der selbst beim Bund war, kann sich kaum vorstellen, wie es wäre, den Jungen für drei Jahre aus dem Lernen zu reißen und ihn in so eine Mühle zu schicken.”

Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, in Deutschland zu bleiben und sich diesen Mühen nicht auszusetzen. Nach damaligem Wissensstand hätte er 15 Monate Armeedienst in Deutschland leisten müssen. Dass das dann 2011 abgeschafft würde, konnte damals ja niemand voraussehen…

Aber kann Secundus sich nicht darauf berufen, dass er die doppelte Staatsbürgerschaft hat und dass er seinen Armeedienst lieber in Deutschland macht, wo er ihn dann nicht machen muss?

8. Lila - Februar 11, 2013, 19:06

Das wäre Secundus wohl kaum sehr lieb, da er im Sommer bereits mit der Armee fertig ist.

Es wäre überhaupt nicht besser für uns gewesen, in Deutschland zu bleiben. Ich habe einen Israeli geheiratet, und für mich heißt es mitgehangen, mitgefangen. Allerdings war es wesentlich einfacher, meinen Mann in Uniform zu sehen als die Kinder (ich habe im Moment zwei in Uniform).

Aber ich habe die Kinder hier großgezogen und würde sie nicht ermutigen, nach Deutschland zu gehen, um sich vor dem Wehrdienst zu drücken, wenn ihre Freunde die drei Jahre machen. Und so schwierig es auch ist – sie lernen auch sehr viel dabei. Darüber habe ich ja schon viel geschrieben. Vielleicht haben meine Kinder Glück gehabt, aber keins von ihnen ist mit Kadavergehorsam, sinnloser Schinderei oder ähnlichen Dingen konfrontiert worden.

Allerdings finde ich, zwei Jahre wären wohl genug. Drei Jahre sind sehr, sehr lang.

Würden sich nicht so viele drücken, wäre das vielleicht möglich. Ich hab gerade einen Eintrag zu dem Thema auf der Wärmplatte…

9. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 19:18

Na ja, es gibt auch Leute, die steigen auf den Mount everest. Aber wenn sie mir dann erzählen, dass es dort kalt ist, habe ich nicht viel Mitleid mit ihnen.

Wer drückt sich vor dem Militärdienst? Ich unterstütze menschen, die sich vor dem Militärdienst drücken uneingeschränkt, da ich selber das gleiche gemacht habe. Armee ist ein unerfreulicher Verein, egal in welchem Land, und je weniger man damit zu tun hat, desto besser…

10. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 19:50

…schon mein Grossvater hat sich vor dem Militärdienst in Israel gedrückt, was ihm übrigens der Rest der Familie sehr übel genommen hat. Das heisst, eigentlich war nicht er es, der sich gedrückt hat, sondern seine Mutter wollte auf keinen Fall, dass er geht. Sie hatte nur diesen Sohn, sie hatten gerade die Shoah überlebt, also ist die Familie einfach zurück nach Österreich, als die Armee begann, junge Leute einzuziehen. In Österreich ins Militär zu gehen wäre noch blöder, also hat das weder mein Vater, noch ich selber gemacht…

11. Lila - Februar 11, 2013, 19:56

Daß Du nicht sehr empathiefähig bist, der Verdacht ist mir allerdings auch schon gekommen :-D

Wer sich vor dem Militärdienst drückt? Och, in Israel eine ganze Menge Leute.

Wenn alle so dächten wie Du und bequem in der Diaspora säßen, dann gäbe es keinen Staat Israel. Ob es Dir allerdings lieb wäre, als Jude unter Nichtjuden zu leben, ohne einen jüdischen Staat im Hintergrund zu haben…? Soweit ich mich erinnere, waren die Erfahrungen des jüdischen Volks nicht durchweg positiv.

Ich bin stolz darauf, daß meine Kinder und mein Mann und eigentlich alle, die ich kenne, das Ihre dazu tun, das Überleben des Staats Israel zu sichern. Das bedeutet aber nicht, daß ich nicht offen darüber spreche, wie schwierig das sein kann.

Auf den Mount Everest klettere ich nicht, weil ich keine moralische Verpflichtung erkennen kann, die diese Strapazen rechtfertigen würden. Der Dienst in der IDF kommt mir damit verglichen sinnvoll vor.

Nota bene: meine Kinder klagen nicht. Nur ich :-D immer frei nach dem Motto: lerne klagen ohne zu leiden.

Ich kenne viele Soldaten, die allein nach Israel gekommen sind, um ihren Militärdienst abzuleisten, obwohl die Eltern woanders leben. Allerdings ist das nciht einfach, und ich kann schon verstehen, daß es nicht jeder tut.

Jedoch aus dem bequemen Österreich nun zu kritisieren, daß ich die Schwierigkeiten nicht verschweige, die damit verbunden sind, daß meine Kinder für Dein Volk Leib und Leben riskieren – die Chuzpe ist bemerkenswert.

12. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 19:57

…nur mein Bruder, der war zu blöd, um sich zu drücken, den haben sie noch mit fast 30 erwischt.

Er hat sich den Militärdienst aber mithilfe von Arzt-Zeugnissen relativ gemütlich eingerichtet, anscheinend war er Chauffeur, hat auch einen Armee-Wagen zu Schrott gefahren… Ich glaube nicht, dass er ein grosses Asset für die Armee war… aber die sind ja selber schuld…

13. Lila - Februar 11, 2013, 20:01

Immerhin habt Ihr die österreichische Armee mit Eurem Einsatz verschont. Auch eine Gnade.

14. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 20:01

“Wenn alle so dächten wie Du und bequem in der Diaspora säßen, dann gäbe es keinen Staat Israel.”
Und wenn alle so dächten wie du (oder dein Mann), dann wäre der Staat Israel auch nicht mehr jüdisch. Erkläre mir also bitte, inwiefern das besser ist.

“Ob es Dir allerdings lieb wäre, als Jude unter Nichtjuden zu leben, ohne einen jüdischen Staat im Hintergrund zu haben…?”

Ich lebe lieber in Europa unter Nichtjuden als in Israel unter Nichtjuden.

“Soweit ich mich erinnere, waren die Erfahrungen des jüdischen Volks nicht durchweg positiv.”

Du sagst es. Da gab es ein sogenanntes deutsches Volk, dem, soviel ich verstanden habe, zufällig gerade du angehörst, das grosse und weitgehend erfolgreiche Anstrengungen unternommen hat, um selbiges jüdische volk, unter anderem auch ein paar Vorfahren von mir, zu vernichten…

15. Lila - Februar 11, 2013, 20:06

Ah, das stört Dich, nicht wahr, daß eine Nichtjüdin mehr Einsatz zeigt als Du? Es sind immer die Diasporajuden, die sich über Nichtjuden in Israel erheben, statt froh zu sein, daß das jüdische Volk auch Freunde findet, die bereit sind, sein Schicksal zu teilen.

Zufällig habe gerade ich die historische Verantwortung, in die ich reingeboren bin, ernstgenommen.

Und wer sagt, daß meine Kinder nicht jüdisch werden können, wenn sie wollen? Aber egal was sie sind – genau wie viele andere nichtjüdische Israelis tun sie das Ihre für den Staat Israel.

Hast Du auch was gegen Araber, oder nur gegen Nichtjuden wie mich?

Wie komme ich übrigens zu der Ehre, daß Du nicht wieder zu unschönen Ausdrücken greifst, um Deiner Verachtung und auch Deiner Kinderstube ein garstig Zeugnis auszustellen…?

16. flx - Februar 11, 2013, 20:10

“Würden sich nicht so viele drücken, wäre das vielleicht möglich. Ich hab gerade einen Eintrag zu dem Thema auf der Wärmplatte…”

Schreibst du zu dem Thema dann auch mal etwas nettes über Lapid? ;)

Zu 7: was meinst du was passieren würde, wenn alle Israelis mit doppelter Staatsbürgerschaft plötzlich Wehrdienst im jeweilig anderen Land leisten wollen? Mal abgesehen davon, dass es ziemlich traurig wäre, wenn noch mehr Leute den Dienst im Land, in dem sie leben verweigern würden, obwohl sie dort ausgebildet und versorgt werden. Man muss auch etwas zurückgeben. 3 Jahre sind vielleicht zu lang und vielleicht ist es auch nicht für jeden das Richtige zur Armee zu gehen, aber dann gibt es immer noch den nationalen Dienst.

“Vielleicht haben meine Kinder Glück gehabt, aber keins von ihnen ist mit Kadavergehorsam, sinnloser Schinderei oder ähnlichen Dingen konfrontiert worden.”

Ich weiß natürlich nicht, wie es um die Religiösität deiner Kinder bestellt ist, aber das ist für mich auch ein Problem. Warum ist es Pflicht am Shabbat beim Essen mit Rabbi teilzunehmen mit Gebeten und allem drum und dran, auch wenn man nicht religiös ist und es vielleicht gar nicht will? In בה”ד 1 gibt es eine Identitätswoche. Was macht man da als Druze, Christ oder Moslem, wenn es nur um jüdische Identität geht?

17. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 20:13

“Hast Du auch was gegen Araber, oder nur gegen Nichtjuden wie mich?”

Nein, wie gesagt, ich habe nur etwas gegen Deutsche. Ansonsten habe ich gegen kein Volk ein negatives Pauschal-Vorurteil.

Allerdings finde ich es auch ganz lustig, wie sich manche Deutsche auf diesem und anderen blogs gegen Araber äussern. Es wirkt so, als hätten sie jetzt endlich ihren goldenen vorwand gefunden, wie sie unter dem Deckmäntelchen des Philosemitismus ihren Rassismus los werden können.

Noch lustiger finde ich, dass du – und auch anderen deutsche Kommentatoren auf diesem blog – Leuten wie mir vorschreiben willst, wie und wo ich zu leben und wie ich zu denken habe.

18. Lila - Februar 11, 2013, 20:16

Vorschreiben? um Gottes willen.

Je weiter weg Du von mir lebst, desto lieber ist´s mir, um es ganz unumwunden zu sagen.

Und denken darfst Du, was Du willst. Du warst es, der sich hier mit Kommentaren gemeldet hat. Glaub mir, auch wenn Du einen Blog hättest, würde ich mich nicht hin verirren. Was Menschen wie Dich dazu bewegt, ihren Senf auf Blogs dazuzugeben, von denen sie doppelt und dreifach genervt sind, werde ich wohl nie verstehen.

19. Silke - Februar 11, 2013, 20:18

Lila

ich würde nicht die Hand dafür ins Feuer legen, aber ich glaube, es wäre mir, aller Unannehmlichkeiten zum Trotz, lieber gewesen, in einem Staat aufzuwachsen, in dem ich für etwas hätte sein können.

Kleiner Bruder scheint mir übrigens ein schlimmer Fall von Standpunktlosigkeit zu sein und ja, ich möchte diese Bemerkung mit der obigen kombiniert wissen.

Ansonsten ist Dir ein sehr hübscher Freud’scher widerfahren:

mitgehangen, mitgefangen

… mal sehen ob Kleiner Bruder drauf anspringt, falls er’s tut, gleich vorweg: in keinem Experiment ist es je gelungen zu beweisen, daß Freud’sche etwas aussagen. Deren Bedeutungslosigkeit wurde allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit etabliert.

20. Lila - Februar 11, 2013, 20:20

Flx. Von der Identitätswoche und Essen mit dem Rabbi weiß ich nichts. Religiöser Zwang ist in Israel verboten.

Christen und Moslems dienen nicht in der Armee. Drusen und Beduinen – da werde ich mal fragen, wie das bei denen ist. Ich kenne ja genügend :-)

Was Nettes über Lapid? Ach Gott………………….. :-D

21. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 20:26

“Es sind immer die Diasporajuden, die sich über Nichtjuden in Israel erheben, statt froh zu sein, daß das jüdische Volk auch Freunde findet, die bereit sind, sein Schicksal zu teilen.”

Na ich weiss nicht. Wenn das die Freunde sind, wozu brauchen wir dann noch Feinde?

Das war jetzt eine typisch Lutherische Reaktion: erst versucht man, sich anzubiedern, und wenn man damit keinen Erfolg hat, wird man plötzlich mächtig böse…

22. flx - Februar 11, 2013, 20:27

Sicher gibt es Christen und Moslems in der Armee. Eine sehr geringe Zahl, aber dennoch…

23. Lila - Februar 11, 2013, 20:31

Ja, aber sie werden nicht eingezogen. Freiwillig können sie sich melden, aber eingezogen werden sie nicht.

Ich frage aber mal die Kinder, die wissen mehr :-)

Kleiner Bruder, Du trollst so sehr, daß Du keine Antwort mehr verdienst. Ich hätte Dich von Anfang an bannen sollen. Du riechst so streng. Ich erkenne Trolle sofort, aber manchmal kann ich nicht widerstehen, jemandem zu antworten, der sich dann Schritt für Schritt demaskiert.

24. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 20:36

“Du riechst so streng.”

Ah, jetzt sind wir wohl beim “stinkenden Juden” angelangt. Oder ist es im sinne Luthers gleich der Jude als Bote des Teufels (tut mir leid, ich kenne mich in der evangelischen Theologie nicht so gut aus).

“Ich erkenne Trolle sofort”

Ach so? Gibt es bei den Deutschen eine eigene Troll-erkennungs-Nase, so wie sie früher die Juden am Geruch (oder an der Nase oder an den Gesichtszügen) zweifelsfrei identifizieren konnten?

25. Lila - Februar 11, 2013, 20:38

:roll:

26. Kleiner Bruder - Februar 11, 2013, 20:39

In irgendeinem Thread hat ein Kommentator geschrieben “Man muss an den deutschen nur ein bisschen kratzen, schon kommt der Nazi zum Vorschein”. Lila muss man nur ein bisschen aus der Reserve locken, schon kommt der Antisemit zum Vorschein. Nein, sie ist nicht gegen alle Juden, nur gegen die Diaspora-Juden, denen seinerzeit schon herzl empfohlen hat, nach Israel zu emigrieren, um die “Judenfrage” zu lösen…

27. Lila - Februar 11, 2013, 20:43

:deadhorse:

28. Jochen Robert Englert - Februar 11, 2013, 20:44

Ich finde das was du zusammen mit deinem Mann und deinen Kindern tust sehr löblich. Es ist eine Chance, die man nicht einfach so bekommt, es ist etwas besonderes! Man kann als Mensch mit deutschen Wurzeln den Pfad verlassen, den unsere Eltern und/oder Großeltern gegangen sind. Einzig unseres Herkunft macht uns nicht schlecht, sondern nur, was wir positives über unsere Geschichte denken. Da gibt es NICHTS, worauf ich stolz bin! Mein Vater freiwillig bei der SS. Zwar jung, aber nicht willenlos. Er war nicht jünger wie die gebrüder Scholl. Er wählte diesen weg und erntete Ablehnung und Verachtung.

Wir Kinder oder Enkel dieser Generation können uns dazu entscheiden einen anderen Weg zu gehen. Den Weg, den du gehst Lila – er ist ein Besonderer! Dieser Blog ist für mich etwas besonderes und ich bin froh hier mitlesen zu dürfen.

In Deutschland ist es nicht besser, ich würde fast sagen: Für deinen Mann und deine Familie hättest du nichts besseres tun können, als nach Israel zu gehen. Die Armee ist für mich die einzige auf der Welt, welcher Lob gebührt!

Ein herzliches Schalom aus Deuschland !

29. willow - Februar 11, 2013, 22:03

Tja, ich wüßte ja eine Antwort auf die Frage, wer die “richtigeren” Schlussfolgerungen aus der Geschichte gezogen hat … genießen sie ihr schönes Leben im sicheren, Nazi- und Rassisten- und Judenhasserfreien Österreich und machen sie sich nur weiter über die lustig, die sich in Israel abrackern und Jahre ihres Lebens für den Erhalt dieses Landes geben.

30. Jakobo - Februar 11, 2013, 23:42

“daß das jüdische Volk auch Freunde findet, die bereit sind, sein Schicksal zu teilen.”

naja in erster linie teilst du ja das schicksal von deinem mann und
deinen kindern alles andere sollte sekundar sein finde ich. und das
ist es ja anscheinend auch sonst waerst du nicht ausgerechnet in
israel gelandet.

J

31. Silke - Februar 12, 2013, 1:02

ich glaube Kleiner Bruder kommentiert mit Hilfe von Textbausteinen und nutzt hier irgendwie das verkehrte Set.

Es kann aber auch sein, daß es um seine Lesefähigkeit besonders schlecht bestellt ist.

32. Lila - Februar 12, 2013, 6:35

Jakobo, natürlich teile ich in erster Linie das Schicksal meines Mannes, aber das hätte ja nicht zwangsläufig in Israel sein müssen. Daß wir in Israel sind, ist unsere Entscheidung.

33. Jochen - Februar 12, 2013, 9:44

Sehr interessanter Blog!
Aber der Austausch hier liest sich eigenartig.

Es ist, als müssten unsere lieben Deutschen wieder aller Welt erklären, was richtig und was falsch ist.

Ich finde es nicht ganz angemessen, wenn man “kleiner bruder” beschimpft, nur weil er gegen Militär ist und nicht in Israel wohnt.

Ich als Deutscher würde mich nicht getrauen, gerade jemandem, Familie in der Shoah verloren hat, die Shoah in dieser form an den Kopf zu werfen.

Jeder interpretiert seine Familiengeschichte auf seine eigene Weise. Als Deutscher zu sagen, dass jetzt alle Jude nach Israel müssen ist genauso falsch, wie Israel vorschriften zu machen, wie es für seine sicherheit sorgen muss.

Auch das Argument, dass die Autorin sich ja für Israel aufopfert finde ich nicht ganz stichhaltig, da sie nicht nach Israel gekommen ist, um sich zu opfern, sondern weil sie sich dort ein glückliches leben mit ihrem Mann versprach.

Ich kann verstehen, dass es in einer kleinen Minderheit wie dem jüdischen Volk, das nur überlebt hat, weil es sich nicht vollständig assimiliert hat, Ehen mit Nichtjuden ein heikles thema sind. Natürlich war das von “kleiner Bruder” nicht sehr taktvoll formuliert, aber die Problematik existiert tatsächlich. Ich weiss es nicht so genau, aber ich glaube, dass die jüdische religion Exogamie verbietet.

34. Lila - Februar 12, 2013, 9:58

Ich habe ihn nicht beschimpft und ihm nichts an den Kopf geworfen. Jeder entscheidet für sich, wie er sein Leben lebt.

Sich als Diasporajude über Leute lustig zu machen, die in der Armee dienen, sich über Nichtjuden in Israel (immerhin ein ziemlich großer Bevölkerungsanteil) lustig zu machen, und das alles in ziemlich pomadigem Ton, finde ich unsympathisch. Ich habe kein einziges Schimpfwort gebraucht, warum sollte ich?

Ich habe nicht gesagt, daß ich mich opfere, sondern daß ich als Deutsche mich bewußt entschieden habe, in Israel zu leben. Mein Mann wäre genauso gern nach Deutschland oder sonstwohin gegangen. Ich bin zufrieden mit dieser Entscheidung, auch wenn sie manchmal schwierig ist. Und ich habe nirgends behauptet, alle Juden müßten nach Israel. Juden können leben, wo sie wollen. Aber sie sollten sich schon darüber klar sein, daß der Staat Israel, auch dank seiner militärischen Stärke, die Sicherheit von Juden in aller Welt garantiert.

Es ist wohl meines Mannes Entscheidung, wen er heiratet. Ebenso wie es die Entscheidung meiner Kinder ist, ob sie jüdisch werden oder nicht.

Und seit wann ist es Deutschen verboten, ihre Meinung zu sagen? Muß ich jetzt in Sack und Asche gehen, weil ich als Deutsche geboren bin? Ich bin nicht dafür verantwortlich, wo und wann ich geboren worden bin, aber sehr wohl dafür, was ich mit meinem Leben seitdem mache.

Und ich kassiere, seit ich diesen Blog habe, von einer bestimmten Sorte Schickse-verachtender Juden aus der deutschsprachigen Diaspora eine bestimmte Sorte hämischer, arroganter Kritik. Die lasse ich mir nicht gefallen. Punkt.

35. Jochen - Februar 12, 2013, 10:05

Ich hatte nicht verstanden, dass er sich lustig macht. So wie ich es lese, vertritt er einfach einen anderen Standpunkt. Seine Familie ist offenbar ein gebranntes Kind mit Militär. Den Standpunkt seiner Urgrossmutter, die den Grossvater nicht ins Militär lassen will, kann ich gut verstehen.

Ich habe den Eindruck, dass du dich so mit deinem Mann und seinem Umfeld identifizierst, dass es dir nicht in den Kopf will, dass es auch Juden mit anderen Standpunkten gibt.

Dass deutsche nicht in Sack und Asche gehen wollen habe ich schon oft gehört, aber ehrlich gesagt hätte ich diese Aussage hier nicht erwartet.

36. Lila - Februar 12, 2013, 10:20

Jochen, gehst Du in Sack und Asche?

Woher erkennst Du, daß ich Juden mit anderen Standpunkten nicht anerkenne? Das ist doch aus der Luft gegriffen. Ich kenne Unmengen von Juden, die außerhalb von Israel wohnen, und habe nicht das geringste Problem damit. Warum sollte ich auch? Das geht mich doch gar nichts an.

Meinem Mann ist das noch egaler.

Ich kann auch verstehen, wenn Eltern ihre Kinder nicht zur Armee schicken wollen. Eine meiner Freundinnen hat ihre ganze Familie nach Kanada umgesiedelt, weil sie den Gedanken nicht ausgehalten hat. Ich verurteile sie dafür nicht. Es ist ihr Leben, ihre Entscheidung.

Das einzige, was ich nicht leiden kann, sind Leute wie Kleiner Bruder, die hier mit “Piefke” und “Germanen” aufschlagen, sich damit brüsten, daß sie es geschafft haben, sich vor Verpflichtungen zu drücken, die andere erfüllen, obwohl sie es nicht müßten, und die meinen, ihre Ressentiments Deutschen gegenüber auszuleben.

Du irrst, wenn Du aus diesem Wortwechsel mit einem Troll, der keine Antwort wert ist, irgendwelche Rückschlüsse auf meine Einstellungen ziehst. Du wirst dafür keine weitere Bestätigung in meinem Blog finden. Jeder tut an seinem Platz das, was er für richtig hält.

Die Familie meiner Schwiegermutter ist grausam dezimiert worden durch den Holocaust, und trotzdem sind alle in die israelische Armee gegangen und viele sind Offiziere geworden. Jede Familie reagiert anders. Aber so wie ich mich nicht über Familien lustig mache, die daraufhin sich der Armee verweigern, so erwarte ich Respekt für die Familie meines Mannes, die sich voll engagiert, Männlein wie Weiblein.

Lies Dir den Wortwechsel noch mal durch. KB ist von Anfang an mit Arroganz und dem Willen zu provozieren aufgetreten. Ich habe ihm von Anfang an scharf geantwortet, weil ich diese Art Frechheit nicht leiden kann, die meint, Deutschen gegenüber geht alles. Und er ist wirklich am Schluß nicht davor zurückgescheut, die Antisemitismuskarte mir gegenüber auszuspielen.

Wie idiotisch kann man sein?

PS: Ich hätte mich aber nicht provozieren lassen sollen, darum lösche ich später diesen Austausch. Verschwendete Lebenszeit. Ich will Dir aber noch Zeit zum Lesen lassen.

37. Jochen - Februar 12, 2013, 10:53

Ja, ich gehe in Sack und Asche. Natürlich nicht physisch. Aber ich bin mir jede Minute meines Daseins bewusst, dass alles, was ich als Deutscher sage woanders im Lichte der Deutschen geschichte aufgenommen werden kann. Und deshalb gibt es themen, zu denen ich lieber schweige und Sachen, die ich nie sagen würde. Ich akzeptiere es, wenn ich im Ausland schief angeguckt werde, denn wenn ich an der Stelle des anderen wäre, würde ich genauso denken.

Ich denke, das mit dem “antisemitismus” ist eher in der hitze des Gefechtes rausgerutscht. Aber als deutscher einem juden sagen, dass es die shoah gegeben hat, und dass er deshalb gefälligst in Israel Militärdienst leisten soll – für mich sprengt das die Grenzen des guten Geschmacks.

38. Lila - Februar 12, 2013, 10:56

Wo hab ich ihm denn gesagt, er soll gefälligst Militärdienst leisten? (Es gibt Leute, die können aus Gesundheitsgründen nicht oder sind befreit – meinst Du, das wüßte ich nicht?) Ich habe nur seine Chuzpe kritisiert. Lies noch mal genau nach.

Ja, es hat die Shoah gegeben, und damit sie nicht noch einmal passiert, muß jeder von uns etwas tun. Ich tue das Meine und maße mir kein Urteil darüber an, was andere tun.

Aber ich lasse mir auch nicht den Mund verbieten. Nur weil ich als Deutsche geboren bin.

39. Jochen - Februar 12, 2013, 11:06

Aber deine These, dass es nur wegen Israel seit 60 Jahren keine Shoa gegeben hat, und dass daher alle Juden Israel im Allgemeinen und Dir im besonderen dankbar sein sollen, weil sie einen jüdischen Staat erhalten, ist doch auch etwas vereinfachend.

Ich habe einen jüdischen Arbeitskollegen, der sich immer wieder anhören muss “was Ihr in Israel da wieder gemacht habt…” Glaubst du, der findet das lustig? er stammt ursprünglich aus der Ukraine, ich weiss nicht, ob er überhaupt je in Israel war, aber alles, was über Israel in der Zeitung steht wird ihm in die Schuhe geschoben. es ist geradezu lächerlich. Genauso wie früher jeder Jude anscheinend für die “Kreuzigung unseres heilands” zur Rechenschaft gezogen wurde, muss sich heute jeder für Israel rechtfertigen. Kannst du dir nicht vorstellen, dass das denen vielleicht auch einmal auf die Nerven geht?

40. Lila - Februar 12, 2013, 11:13

Wo habe ich denn diese These vertreten? Vieles muß zusammenkommen, damit sich Juden sicher fühlen können, und Terror gibt es nach wie vor und Bedrohungen auch. Jeder tut das Seine an seinem Platz, und wenn es Beten ist oder Daumendrücken.

Aber kannst Du wirklich nicht verstehen, wie es mich nervt, wenn dieser spöttische Ton angeschlagen wird und noch damit gestrunzt wird, wie man es schlau geschafft hat, sich zu drücken?

Das hören wir auch hier in Israel oft genug, “Fraierim”, die Doofen, die den Kopf hinhalten. Das geht uns auch gehörig auf die Nerven.

Von mir hat nie jemand, der als Jude im Ausland lebt, einen Vorwurf gehört, warum auch? Weiß ich denn, was er tut und läßt? Ich reagiere nur, wenn ich angegriffen werde. Als nichtjüdische Deutsche in Israel bin ich für viele Juden im AUsland DAS rote Tuch – meinst Du nicht, daß mich das auf die Dauer auch nervt?

Aber wenn Du meinst, der arme KB ist von mir unfair angegriffen worden – unbenommen.

41. Jochen - Februar 12, 2013, 11:16

Aber er hat doch damit gestrunzt, dass er sich in Österreich drückt, bzw. dass sein bruder dort nicht sehr konstruktiv mitgewirkt hat, nicht in Israel. findest du, dass österreichische Juden die Pflicht haben, in Österreich Militärdienst zu leisten? In Deutschland wurde auch die dritte Generation noch befreit.

42. Lila - Februar 12, 2013, 11:21

Willst Du wirklich nicht akzeptieren, daß ich niemandem seine Pflichten vorschreibe?

Findest Du, daß so eine Formulierung angemessen ist:

nur mein Bruder, der war zu blöd, um sich zu drücken, den haben sie noch mit fast 30 erwischt.

Er hat sich den Militärdienst aber mithilfe von Arzt-Zeugnissen relativ gemütlich eingerichtet, anscheinend war er Chauffeur, hat auch einen Armee-Wagen zu Schrott gefahren… Ich glaube nicht, dass er ein grosses Asset für die Armee war… aber die sind ja selber schuld…

Sein Bruder war in Israel Jobnik, weil er so blöd war, sich erwischen zu lassen, hat sich mit ärztlichen Zeugnissen einen bequemen Job zuweisen lassen und noch, ha ha, einen Wagen zu Schrott gefahren.

Und dann meinst Du, ich hätte ihn mit Samthandschuhen anfassen sollen, weil seine Familie die Shoah erlitten hat und er mich sonst Antisemitin ruft?

Na also escht Jung… .

43. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 11:24

Hallo Namensvetter Jochen! Ich will dich mal ganz sachte an deine ersten Worte erinnern. Du schriebst: „Sehr interessanter Blog!“ Ich finde, darauf kommt es an! All die „Aufforderungen“, wenn auch nicht bewusst gewollt, an Lila, sich rechtfertigen zu müssen, finde ich fehl am Platz. Wenn ihr Lila nicht den nötigen Respekt entgegen bringen könnt und ihr Leben in Israel, aus dem all zu „behüteten“ Europa in einem Licht seht, das für mich etwas verzerrt erscheint, dann seid doch einfach still. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber Israel mit seiner Familie zusammen die Treue zu hallten, sollte mehr gewürdigt werden, als all die Angriffe hier abgeben. In „Sack und Asche“ zu gehen finde ich ein Extrem, das ich nicht als erforderlich sehe. Klar zur Geschichte Stellung zu nehmen jedoch schon eher. ABER was kann man mehr tun, als das was Lila tut? Sie ist bereit ihre Kinder in der Israelischen Armee dienen zu lassen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt. Das sind Taten, nicht nur ein inneres „Sack und Asche Leben“. Weiterhin gibt es sie wirklich – die Juden, die diferenzieren und die nicht Nazis mit Menschen wie Lila und mich über einen kamm scheren. Ich verstehe aus der Geschichte heraus, das dies SEHR schwer ist und es ist für mich verständlich, wenn man mich als Juden hasst, weil ich Deutscher bin. Aber deshalb muss ich nicht in „Sack und Asche“ gehen. Ich bin schon etwas neidisch auf Lila ;-) Denn dies zu tun, was sie tat und tut ist eigentlich das Beste, was jeder Deutsche, der seine Geschichte verstanden hat tun kann.

Es ist nicht der einzig mögliche Weg, aber es ist ein sehr Guter, wofür ich dir Lila hiermit weiterhin viel Kraft wünsche. Lass dich nicht unterkriegen von den Absichten einiger Schreiber hier, die für mich schwer nachzuvollziehen sind, aber nun ja, es gibt sie leider.

44. Jochen - Februar 12, 2013, 11:25

Da müsste man nachfragen. Ich hatte verstanden, dass das in Österreich war…

“Und dann meinst Du, ich hätte ihn mit Samthandschuhen anfassen sollen, weil seine Familie die Shoah erlitten hat und er mich sonst Antisemitin ruft?”

du machst, was dir richtig scheint. Ich für mich würde diese Frage eindeutig mit “Ja” beantworten, das habe ich vorher schon gesagt: es gibt Sachen, die ich als Deutscher einfach nicht sagen würde, weil ich die deutsche Geschichte bewusst mit mir herumtrage… Meine Meinung ist: es ist nicht an uns Deutschen, uns selber für die Shoa zu verzeihen.

45. Jochen - Februar 12, 2013, 11:30

“was kann man mehr tun, als das was Lila tut?”

Ich denke, das ist auch ein typisch deutsches Missverständnis. Ich habe es inzwischen nachgelesen: die jüdische Religion verbietet Exogamie (Ehe mit Partnern, die nicht zur gleichen Religion gehören). Warum ist es dann schockierend, dass es Juden oder Israelis gibt, die sagen: “Nein danke, diesen Beitrag wollen wir nicht”.

Ich denke, das geht einfach gegen den Geist der heutigen Zeit, wo es nicht mehr “in” ist “intolerant” zu sein. Aber man sollte doch so viel Grips haben, sich in eine fremde Kultur hineinversetzen zu können, die keine Exogamie will.

46. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 11:31

Jochen, du schriebst: “Genauso wie früher jeder Jude anscheinend für die “Kreuzigung unseres heilands” zur Rechenschaft gezogen wurde, muss sich heute jeder für Israel rechtfertigen. Kannst du dir nicht vorstellen, dass das denen vielleicht auch einmal auf die Nerven geht?”

Es kann einem auch Stolz machen. Wenn man auf die Wahrheit sieht und auch auf die Berichterstattung von Lila hier, dann gibt es in dem Tun nichts, was Israel tut, worüber man sich schämen muss!!! Dieses land verteidigt sich, versucht zu überleben und tut alles um sein Volk zu stützen.

Aber ich denke, du bist wie die meisten Deutschen eher desinformiert und die Berichterstattung der Medien, welche Israel regelmäßig ins schlechte Licht ziehen haben bei dir ihren Efekt bezweckt, der so von den Medien gewollt ist. Traurig aber wahr!

47. Lila - Februar 12, 2013, 11:31

Und das tu ich Deiner Meinung nach. Ich absolviere die Deutschen von der Shoah. Vermutlich handelt mein Blog davon, hm?

Ich glaube, wir werden uns nicht mehr einig.

48. Lila - Februar 12, 2013, 11:33

Jochen O. denkt in Vorschriften und Normen und kann sich nicht vorstellen, daß ich das nicht tue.

Warum sollte ein Mann wie Y., der sich als Israeli fühlt, sich an religiöse Vorschriften gebunden fühlen? Er fährt am Shabat Auto, er ißt am Yom Kippur und hat eine NIchtjüdin geheiratet.

So what? Wen geht das was an?

49. Jochen - Februar 12, 2013, 11:39

Lieber namensvetter, anscheinend war das, was ich geschrieben habe, etwas zu abstrakt.

Ich habe einen jüdischen arbeitskollegen, der ursprünglich aus der ukraine stammt. Jedes mal, wenn Israel in den Medien auftaucht (leider ist die Berichterstattung in letzter Zeit nicht immer positiv) wird er dafür angemauzt, obwohl er damit nichts zu tun hat. Wie er darauf reagiert, ist ihm überlassen. Willst du ihm vorschreiben, dass er stolz darauf sein angemauzt zu werden?

50. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 11:41

Die Shoa ist nicht zu verzeihen, sie ist “nur” anzuerkennen und eine zweite Shoa gilt es zu verhindern. Alles dies tut Lila mit ihrem Leben einen Dienst. Und ich erwarte auch von keinem Juden, dass er mir verzeiht. Solch eine große Schande ist nicht verzeihbar, da kommen wir ehr schon in Bereiche, die G´ttliche Ausmaße haben.

51. Jochen - Februar 12, 2013, 11:44

“So what? Wen geht das was an?”

Auch hier war mein Kommentar wahrscheinlich eine Stufe zu abstrakt. Ich bin der letzte, der deinem Mann (oder dir) vorschreiben wird, was er zu tun hat. Ich sage nur, dass ich es unbillig finde, wenn man nicht versteht, dass nicht jeder denkt, dass “das was Lila tut” das absolut beste ist, was man als Deutscher im Lichte der Shoa tun kann. Ich empfinde diese Meinung, die mein Namensvetter Jochen geäussert hat, als unzumutbare Vereinnahmung.

Man muss auch verstehen, dass es genauso Juden oder Israelis gibt, die zu den Deutschen sagen “lasst uns in Ruhe, wir wollen euch hier nicht”.

Ich fürchte, es war jetzt noch immer zu abstrakt…

52. Kleiner Bruder - Februar 12, 2013, 11:47

Oh, ich sehe,hier diskutiert es munter weiter.

Ich habe über die ganze Sache geschlafen und möchte mich für “Piefke” und “antisemit” entschuldigen.

Trotzdem bleibe ich dabei, dass es mein gutes Recht ist, nicht in Israel zu leben und dort auch keinen Militärdienst zu leisten. Mein Bruder wurde übrigens vom österreichischen Bundesheer erwischt, nicht von der Zahal.

53. Lila - Februar 12, 2013, 11:49

Jochen O., vielleicht lies Dich mal ein bißchen ein, bevor Du meinst, Du verstehst, wie ich ticke?

Ich bin mit 23 Jahren nach Israel gekommen. Inzwischen bin ich fast 49. Ich bin mehr als die Hälfte meines Lebens hier. Allen Ärger und Streß, den wir in der Zwischenzeit hatten, den habe ich auch. Meine Mutter wird in Deutschland genauso angepöbelt wie Dein Kollege und wird für Israels diverse Untaten “zur Rechenschaft gezogen”.

Ich reagiere als Israeli nicht weniger als als Deutsche. Ich bin beides. (Und wäre mir der bürokratische Umstand nicht zuviel, hätte ich längst die israelische Staatsangehörigkeit erworben…)

Und wie wäre es, meine Reaktionen mal ganz unabhängig davon zu beurteilen, ob ich etwas “darf” oder “nicht darf”?

54. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 11:51

Es scheinen aber doch mehr Israelis zu sein, die Lilas Anwesenheit als angenehm empfinden. Aber das kannst du anscheinend besser beurteilen Jochen aus Deutschland ! Und ich bin mir sicher in Ruhe lassen kann man Israelis auch, wenn man dort lebt. Es läßt sich gut leben in Israel, auch als Deutscher. Ein Beispiel: Ein Deutscher hat kürzlich eine Kochmeisterschaft gewonnen. Aber das ist dir Jochen, als gut informierter sicher nicht entgangen. Es scheint mir ja fast eine Zumutung zu sein in Israel zu leben als Deutscher. Aber schön, das es Insider wie Lila gibt, die da wissen, was wirklich Sache ist :-)

55. Lila - Februar 12, 2013, 11:54

KB, selbstverständlich ist es Dein gutes Recht, mit Deinem Leben zu tun, was Du willst. Wenn Y.s Cousine in New York das REcht hat, warum nicht Du?

Nur mach Dich nicht über Leute wie mich, die Dir per Geburt unsympathisch sind, lustig. Jeder tut nach Wissen und Gewissen das Seine.

Ich hatte das so verstanden, daß Dein Bruder IDF einen Wagen zu Schrott gefahren hat.

56. Jochen - Februar 12, 2013, 11:54

Ich will der Autorin dieses blogs beileibe keine vorschriften machen, was sie “darf” oder “nicht darf”. Mir ist nur aufgefallen, dass man da einem Kommentatoren ziemlich vor den karren gefahren ist, und dass alle anderen Kommentatoren und die Autorin sich gleich auf ihn gestürzt haben. So etwas sehe ich nicht gerne. Deshalb wollte ich hier ausdrücken, dass ich seinen Standpunkt verstehen kann.

57. Kleiner Bruder - Februar 12, 2013, 12:02

Tja, es war wahrscheinlich ziemlich taktlos von mir, meine Antipathie gegen deutsche so offen zur Schau zu stellen. Meine Freunde haben schon recht, wenn sie mir sagen, dass man solche sachen denken, aber nicht sagen darf, sonst vermehrt man den Antisemitismus in der Welt. Und es ist auch taktlos, jemandem zu sagen, dass durch den Zuzug von Nichtjuden israel nicht unbedingt in seiner Identität als jüdischer Staat gestärkt wird.

für all das möchte ich mich entschuldigen.

Meine beziehung zu Israel ist eher ambivalent. Ich persönlich möchte nicht unbedingt dort wohnen. Ich verstehe zwar an sich, dass die Armee notwendig ist, aber ich kenne zu viele Israelis, die sich hauptsächlich über ihren Grad in der Armee oder über die Einheit, der sie angehören definieren, und das wäre nichts für mich. Deshalb betrachtet ich die Schulkollegen, die extra nach Israel gingen, um dort Armeedienst zu machen als… na sagen wir es so: ich würde so was nicht machen, ganz abgesehen davon, dass sie dadurch die österreichische Staatsbürgerschaft verlieren können, und die ist als EU-Bürgerschaft doch ganz nützlich.

58. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 12:09

Hier haben sich KEINE Kommentatoren auf jemanden gestürzt.

Jochen lies dir alle Komentare noch ein paar Mal durch. Vielleicht siehst du es dann ein, das das was du da gerade schriebst etwas an den Haaren herbei gezogen ist.

Weiter schriebst du:” Ich sage nur, dass ich es unbillig finde, wenn man nicht versteht, dass nicht jeder denkt, dass “das was Lila tut” das absolut beste ist, was man als Deutscher im Lichte der Shoa tun kann. Ich empfinde diese Meinung, die mein Namensvetter Jochen geäussert hat, als unzumutbare Vereinnahmung.”

Wenn meine Meinung für dich unzumutbar ist, dann ist das ok. DU musst es ihr ja nicht nachmachen. Du könntest nur eine andere Meinung stehen lassen und als EINE Möglichkeit von vielen akzeptieren.

Was für mich die Beste ist muss für dich nicht die Beste sein. Aber ich sehs so und du hast ein Problem damit. Ok. Ich hoffe du lernst es noch anderen Menschen ihr Leben und ihr Tun zu tollerieren. Man muss sich ja fast so fühlen, wenn man deine Worte liest, als ob man das schwerste Verbrechen der Menschheit tut, wenn man solch eine Meinung hat oder so ein Leben führt wie Lila. Du alleine bist nicht der Maßstab ! Dank darüber mal nach… Es gibt auch andere Möglichkeiten und Meinungen im Leben.

59. Lila - Februar 12, 2013, 12:30

Ich habe an jeder Biegung meines Lebens nach bestem Wissen und Gewissen getan, was ich für richtig gehalten habe. Vieles davon war falsch und ich habe mehr Dummheiten in meinem Leben gemacht als viele andere. Mein Leben ist voll Sackgassen, unvollendeter Projekte, unüberlegter Anfänge und nach außen gestülpter Schwächen. Viel mehr, als ich je im Blog zu zeigen mich traue.

Aber was meine Ehe und mein Leben in Israel angeht, da bin ich mir ziemlich sicher, das Richtige getan zu haben.

Als wir uns mit riesiger Naturgewalt ineinander verliebt haben, mußten wir uns fragen: hat die Beziehung eine Chance oder nicht? Wäre Y. aus einer religiösen Familie gekommen, hätte die Frage “konvertieren oder nicht” ein ganz anderes Gewicht gehabt. Da Y. von Anfang an dagegen war (er hätte ja den ganzen Prozeß mitmachen müssen…) und seine Familie sich nicht darum geschert hat, konnte ich die Frage zu Anfang offen lassen und im Laufe der Jahre langsam entscheiden.

Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß ich das Judentum liebe, aber von außen, als Fremde. Ich könnte nicht ehrlichen Herzens konvertieren, meine Bindung an mein Christentum ist, wiewohl loser geworden und keineswegs immer gleich stark, zu stark, um mich davno loszusagen. Dafür müßte ich heucheln, das kann ich nicht, und ich glaube auch nicht, daß dem Judentum damit gedient wäre. Eine Religion verdient Menschen, die aus ehrlicher Begeisterung konvertieren, weil sie, wie manche meiner Freunde, das Gefühl haben, es ist die spirituelle Heimat, die sie lange gesucht haben.

Ich habe aber durch meine Entscheidung, die Kinder hier großzuziehen und sie nicht zu taufen, von Anfang den Weg für sie offengehalten, aus Kenntnis und Heimatgefühl zum Judentum (bzw der Kibbuz-Version des Judentums) eines Tages zu konvertieren. Da ich dieses Thema für sehr privat halte, fühle ich mich nicht befugt, weitere Einzelheiten zu den Entscheidungen meiner erwachsenen Kinder hier zu diskutieren.

Rückblickend bereue ich nicht, in Israel zu leben, auch wenn die Sache mit der Armee für mich schwer zu ertragen ist. Ich möchte eigentlich nicht, daß meine Kinder die Situationen, die sie erleben, erleben müssen. Ich möchte niemanden Feindseligkeit ausgesetzt sehen, ich möchte nicht, daß meine Söhne Festgenommene untersuchen, von denen einige Mörder und Terroristen sind, andere unschuldig Verdächtigte, beides ist grauenhaft. Ich möchte nicht, daß meine Söhne Tote mit Schußverletzungen untersuchen, egal von welcher Kugel sie getroffen wurden.

Niemand möchte sowas für seine Kinder. Wir haben sie in Respekt für unsere arabischen Nachbarn großgezogen, weil wir das für den richtigen Weg halten, und die Konfrontation mit den Bruchlinien des Konflikts ist hart. Ich würde sie lieber selbst aushalten, als meine Kinder dort reinzuschicken. Ich kann nicht beschreiben, was für Schuldgefühle ich deswegen haben.

Jedoch hätte ich auch Schuldgefühle, wenn ich zwar theoretisch sagen würde “ja, die Juden haben das Recht auf einen eigenen Staat, wie die Jordanier und Syrer auch, und sollen bei der postkolonialen Verteilung nicht leer ausgen, und sie brauchen dringend einen Staat als Zuflucht und Garantiemacht” – aber praktisch mein Nest in einem anderen Land gebaut hätte, ohne die Auswirkungen dieser Überzeugung auf mich zu nehmen.

Als wir ein Paar wurden, war Y. gerade von der Armee entlassen worden, nach fünf eisenharten Jahren, größtenteils im Libanon. Der Krieg, den er ganz vorne mitgemacht hat, hat tiefe Spuren hinterlassen. Ich wußte, worauf ich mich einlasse.

Aber hätte ich mit Y. in den ARD-Nachrichten sehen sollen, wie in Haifa Busse explodieren, Shlomi bombardiert wird oder Sderot, und wie seine Freunde in Uniform zum Jeep trotten?

Nein. Sobald mir klar war, daß Y. und ich zusammengehören, mußte ich doch hierbleiben. Ich habe mich außerdem in den Kibbuz, so wie er damals war, verliebt :-) und möchte diese Zeit nicht missen, dieses letzte Abendrot einer Utopie.

Ich hätte vieles in meinem Leben anders machen sollen, Weltmeisterin im ins-eigne-Bein-schießen, die ich bin. Aber in Bezug auf Israel, Y., Armee, Judentum konnte ich nicht anders.

Jeder andere Mensch hätte andere Entscheidungen getroffen, hätte vielleicht auf die Große Liebe verzichtet oder halbherzig konvertiert oder dringender versucht, sich dem Judentum anzunähern, oder wäre in D. geblieben oder was weiß ich. Ich bin weiß Gott der letzte Mensch, der irgendeine Art von Modell sein möchte. Ich kenne so viele Menschen, die aus ähnlichen Grund-Daten ganz andere Lebensläufe gemacht haben, und die genauso dazu stehen wie ich zu meinen.

Aber ich habe es so gemacht, und ich bin überglücklich, daß ich meinen Y. habe, mit dem ich in Harmonie und Glück lebe, und daß ich die Kinder habe, auf die ich stolz bin und die ihre eigenen Entscheidungen treffen müssen.

Wir sind Israelis, ich bin dazu auch noch Deutsche, und einfach ist das nicht, aber was ist schon einfach? Hätt ich im Dorf bleiben sollen und den Hubert heiraten? Ach nee, armer Hubert.

60. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 12:57

Nö, Model musst du nicht sein. Du lebst ein gutes Leben. Bist einfach “nur” Mensch. Ehefrau und Mutter und Israeli. Das klingt gut, nicht überirdisch, aber gut ! :-)

61. Culatello - Februar 12, 2013, 13:07

@Lila # 59

“Aber in Bezug auf Israel, Y., Armee, Judentum konnte ich nicht anders.
…………….und ich bin überglücklich. ”

Das freut mich aufrichtig für Dich.
Du konntest halt überall hin, nach Europa oder nach Israel, je nach Gusto. Und kannst es noch.
Das können manche jungen Frauen und Männer nicht, die müssen eingekesselt leben und es wundert mich, dass Du als Freiheitsliebende dieses immer wieder ignorierst.

62. Silke - Februar 12, 2013, 13:10

die jüdische Religion verbietet Exogamie

ich denke, “verbietet” bedarf hier einer Klärung/Definiton.

Welche Sanktionen durch offizielle Religionsvertreter werden einem Exogamisten auferlegt?

Meines Wissens sind die von der katholischen Kirche Exogamisten auferlegten erheblich, so erheblich, daß ich da “verbietet” als nur minimal übertrieben ansehen würde.

In den USA wird wohl kräftig exogamiert, doch ich kann mich nicht erinnern, je etwas von den katholischen vergleichbaren Sanktionen und/oder Bedingungen für’s Vermeiden derselben gelesen zu haben.

63. Lila - Februar 12, 2013, 13:14

Culatello, ich bitte um Erläuterung. Hier ging es nicht um allgemeine Probleme der Welt, sondern um meine persönlichen Entscheidungen im Leben.

Ich habe auch genug zu essen, Du hoffentlich auch, während andere hungern und in Syrien die Menschen leiden und zu Fuß fliehen oder tot auf der Straße liegen.

Tausende Menschen sterben jährlich beim Versuch, nach Europa zu fliehen, wo Du lebst.

Muß ich daran täglich erinnern? Muß ich als default immer hinzufügen, daß ich mir dessen bewußt bin, wie viel schlechter es anderen geht?

Warum bin ich Deiner Meinung nach dazu verpflichtet, das bei jedem Beitrag mit hinzuschreiben?

64. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 13:25

@Gulatello #61

Du schribst:”Das können manche jungen Frauen und Männer nicht, die müssen eingekesselt leben und es wundert mich, dass Du als Freiheitsliebende dieses immer wieder ignorierst.”

Vielleicht meinst du damit ja den Schutzwall. Leute wie du benutzen oft den falschen Vergleich mit der Berliner Mauer, die dazu diente Menschen einzusperren. Die Mauer in Israel dient zum Schutz der Menschen vor Terroristen ! Dieser kleiner, aber entscheidender Unterschied wird gerne ignoriert. So ist also niemand eingekesselt, richtig würde es lauten: Weil viele in Palestina Israel den Tod wünschen und sich als Selbstmordattentäter dazu opfern wollen gibt es die Mauer. Aber die Grenze zu Ägypten ist offen und es gibt sogar Menschen, die in Israel arbeiten, die aus Palestina kommen. Soo eingekesselt können sie also auch nicht sein ;-) Gäbe es keine Terroranschlage, gäbe es auch keinen Schutzwall, so einfach ist das. Nur ist es für dich auch so einfach zu verstehen ? Wohl nicht, wenn man die Sache von der Falschen Seite betrachtet, die mit Lügen behaftet ist. Palestinenser sind keine Opfer, sie könnten serwohl mit Israel in freiden Leben – wenn sie es denn wollten. Wie gesagt, es sind nicht alle, die Israel von der Landkarte vertilgt sehen wollen.

65. Silke - Februar 12, 2013, 13:26

Und es ist auch taktlos, jemandem zu sagen, dass durch den Zuzug von Nichtjuden israel nicht unbedingt in seiner Identität als jüdischer Staat gestärkt wird.

Ein Ultra-Fundamentalist in der Diaspora – Lila, Lila wie konntest Du es nur wagen, die JüdischStaatlichkeit so furchtbar zu gefährden.

Mon Dieu, Du bist ja ein richtiges U-Boot, Subversivität in Reinkultur, das perfekte Fünfte Kolonne Individuum.

Da Du ja sowieso löschen willst, sage ich’s ungeschminkt, daß ich sowohl KB als auch Jochen für ausgemachte Spinner halte, die sich die Zeit damit vertreiben, provokativ aufzutreten, um sich an den Reaktionen zu ergötzen, anstatt sich mal dem Erwerb einer eigenen Haltung zu widmen.

KB’s Neuestes ist der Beleg, er entschuldigt sich und schiebt dann sorgfältig zweideutig formulierte Beschuldigungen nach.

Sie sind die Netzvariante vom Bösen Friederich und kommen hierher, weil sie zu feinfühlig sind, den Trieb mit HIlfe von FliegenFlügelAusreißen zu befriedigen.

Der F r i e d e r i c h , der Friederich,
Das war ein arger Wüterich !
Er fing die Fliegen in dem Haus
Und riß ihnen die Flügel aus.

Er schlug die Stühl’ und Vögel tot,
Die Katzen litten große Not.
Und höre nur, wie bös er war:
Er peitschte, ach, sein Gretchen gar !

66. Kleiner Bruder - Februar 12, 2013, 13:26

Wenn du in Israel glücklich bist, dann leben ruhig dort, labriut! Aber mir vorzuwerfen, dass ich ein Drückerberger bin wie in:

“Ah, das stört Dich, nicht wahr, daß eine Nichtjüdin mehr Einsatz zeigt als Du?”

oder zu behaupten, dass du statt mir dort die Stellung hältst, das geht mir etwas zu weit. Du tust es nicht für mich, ich habe dich nicht darum gebeten. Ich habe auch meine Schulkollegen nicht darum gebeten, aber ihnen hätte ich noch eher abgenommen, dass sie sich aufopfern als dir. Wenn sie mir mit ihren Alia-missionarischen Tiraden gekommen sind, habe ich jeweils meine Ohren auf Durchzug gestellt und gewartet, bis es vorbei ist…

67. willow - Februar 12, 2013, 13:34

“Das können manche jungen Frauen und Männer nicht, die müssen eingekesselt leben”

Wen konkret meinen sie, Culatello!? Meinen sie Nordkorea, Darfur oder Syrien? Warum sollte Lila dafür die Verantwortung tragen!?

PS – sollten sie Gaza oder Judäa/Samaria meinen … haben die Menschen dort nicht mit ihrer Entscheidung für “gewisse” Anführer ein ganz klein bißchen Mitschuld an ihrer Situation? Vor der Intifada war (außer den Israeli natürlich) Niemand “eingesperrt”. Heute eigentlich auch nicht, es gibt lediglich Einschränkungen, was die Einreise nach Israel angeht – und es gibt sehr gute Gründe für diese Beschränkungen.

68. Silke - Februar 12, 2013, 13:37

Culatello

Lila kann NICHT überallhin, immer noch nicht …

in den 70ern mußten Amis, die mal in Israel waren, einen zweiten Pass haben, wenn sie aus irgendwelchen Gründen nach Ägypten oder in den Irak wollten.

Für Israel brauchten sie keinen zweiten Pass.

Dieses für einen Kämpfer für Gerechtigkeit wie Dich vermutlich vollkommen unwichtige Detail vermittelt mir als ex-Sesselfurzerin den wesentlichen Unterschied ein für allemal.

Die lt. Dir “Eingeschlossenen” haben das verdammte Pech gehabt, sich die Regierung zu wählen, die sie nun haben. Meines Wissens war keineR der Wähler Israeli.

Ich empfinde es als eine besonders fiese Form von Rassismus, wenn man in die Richtung argumentiert, daß die armen armen Häschen ja nix dafür können, daß sie Hamas haben wollten.

Gazaner haben genau wie alle anderen Erwachsenen dieser Welt das Recht, daß über sie wie über Erwachsenen gesprochen wird.

Vielleicht ist Rassismus das falsche Wort, aber Infantilisierungsismus bedarf noch der Politur.

69. Lila - Februar 12, 2013, 13:45

Culatello kann die Palästinenser nicht meinen, denn die sind nicht eingekesselt, es bestehen nur nach Hunderten von Terrorangriffen Einschränkungen für die Einreise nach Israel. Auch ich kann nicht mal von der UB in die Cafeterie gegenüber gehen, ohne kontrolliert zu werden.

http://www.jpost.com/MiddleEast/Article.aspx?id=201949

The Palestinian Authority has released its first every survey of Palestinian emigration, showing that about 7,000 people leave the West Bank and Gaza every year, mostly for economic opportunities rather than to escape the conflict with Israel, according to the Palestinian Central Bureau of Statistics (PCBS).

The PCBS said most of the emigrants were looking for better educational opportunities, improved living conditions and jobs. Most Palestinian emigrants went to neighboring Jordan (24%), the U.S. (22%) and the Arab Gulf states (20%), the survey, released on Tuesday, found.

Yoram Ettinger, a former Israeli government official who has investigated Palestinian demographics, called the PCBS survey “total nonsense.” “It’s another symptom of the lack of reliability, and this is because the Palestinians do not have control of their international passages, which are the venues for immigrants and emigrants,” Ettinger told The Media Line.

Author of ” he Million Person Gap: The Arab Population in the West Bank and Gaza” – a controversial study that claims the number of Palestinians in the PA was 2.5 million and not 3.9 million as the PCBS claims – Ettinger said that in 2009 alone Israeli figures recorded a net emigration of 17,000.

“In 2008, it was 16,000 and in 2007 and 2006 it was 15,000,” Ettinger said.

“This is net emigration.” “Their [PCBS] figures are absolutely out of touch of reality and that is typical of them,” he added. “Unfortunately, demographers take this as a credible source and error devastatingly.”

Ich bin keine Fachfrau, aber soweit ich sehe, besteht nur Streit über die Zahlen, nicht über die Tatsache, daß es sich nicht um eine Einkesselung handelt.

Es reicht, sich die Karte anzugucken. Israel kann die Palästinenser gar nicht einkesseln. Da ist es schon leichter für arabische Staaten, Israel einzukesseln.

Muß bißchen arbeiten….. ähh…..

70. willow - Februar 12, 2013, 13:46

@39. Jochen – Februar 12, 2013, 11:06

“Aber deine These, dass es nur wegen Israel seit 60 Jahren keine Shoa gegeben hat, und dass daher alle Juden Israel im Allgemeinen und Dir im besonderen dankbar sein sollen, weil sie einen jüdischen Staat erhalten, ist doch auch etwas vereinfachend. ”

Sie lesen recht ungenau … das von ihnen Behauptete kann ich in keinem von Lilas Kommentaren finden ;-)

Richtig ist allerdings, daß es nach wie vor Hass und Gewalt gegenüber Juden gibt. Ebenso gibt es nach wie vor viele Juden, die vor diesem Hass und dieser Gewalt fliehen müssen … für Viele ist Israel die einzige Möglichkeit. Oder war etwa Österreich seinerzeit bereit, die von Vernichtung bedrohten Juden aus dem Sudan bei sich aufzunehmen? Hat Deutschland den verfolgten Juden des Jemen eine Zuflucht gegeben!?

Ebenso richtig ist – hätten die Briten nicht entgegen allen Verpflichtungen des von ihnen übernommenen Völkerbundmandates über die “jüdische Heimstätte” in den 30er und 40er Jahren buchstäblich *alles* unternommen, um die Flucht von Juden nach Palästina zu unterbinden, dann hätte es zwar trotzdem die von Deutschen angerichtete fürchterliche Shoa gegeben, aber immerhin wär die Zahl der Opfer wohl geringer ausgefallen. Hätte es “damals” Israel schon gegeben …

Allein schon aus diesem einen Grund – verfolgte Juden haben endlich einen Zufluchtsort – verstehe ich nicht, wie man dem Projekt Israel ablehnend gegenüberstehen kann ….

71. Silke - Februar 12, 2013, 13:53

Lila – 59

wer die große Linie so in sich schlüssig auf die Reihe gekriegt hat wie Du, darf sich gegenüber seinen minderen Fehlentscheidungen sehr sehr großzügig geben

Allein eine Beziehung zu schaffen, die hält und so 4 Kindern ein Heim zum Erwachsenwerden bietet – wer kann das schon vorweisen …

72. Silke - Februar 12, 2013, 13:58

willow

irgendwo habe ich mal gelesen, daß eine Augenkrankheit, die in der ganzen Gegend zum Schicksal gehört, in Israel entweder gar nicht mehr auftritt und wenn doch, gut therapierbar ist.

Seitdem ist meine Lieblingsfrage: wo würdest Du Dich am liebsten am Blindarm operieren lassen – Du hast die uneingeschränkte Wahl in welchen Mittelmeeranrainerstaat Du Dich beamen lassen willst, was die EU-Mitglieder einschließt.

Tja und für diese Leistung in dieser Umgebung soll ich mich nicht begeistern?

73. Lila - Februar 12, 2013, 13:59

Das können recht viele Leute vorweisen :-) und meine minderen Fehlentscheidungen waren ganz schön dämlich :-D

74. Jochen Robert Englert - Februar 12, 2013, 14:06

@Willow # 70

Das sehe ich auch so. Es gibt nur einen – einigermaßen sicheren Ort für Juden auf der Welt und das ist in Israel. Keine Armee der Welt, außer der Israelischen ist bereit Juden zu schützen. Solange man sich in Europa sicher fühlt, ok. Aber man hat eine Option als Jude, welche man nicht wahrnehmen muss, aber kann:-) Dies ist für mich als Deutscher, der ebenfalls bedroht wird nicht so. Wer in Deutschland 100% zu Israel steht, der stellt sich einer Gefahr. Sie mag im Moment noch recht klein sein, aber das wird nicht immer so bleiben, das hab ich schon im Gefühl.

75. Lila - Februar 12, 2013, 14:08

Silke, weswegen sich auch viele Menschen aus Nachbarländern in Israel operieren oder behandeln lassen. Und viele der besten Ärzte und Pfleger sind Araber, wie Dr. Naif, der meine Tertia gerettet hat (in Zusammenarbeit mit einer kleinen Dame namens Dr. Ina, die aus Rußland kam…). Es ist alles möglich – kommt nur darauf an, wo die Gelder hingeleitet werden.

76. Silke - Februar 12, 2013, 14:20

Lila – 75

natürlich sind Gelder wichtig, aber es muß auch der Wille da sein und daß Araber es können, wenn das Umfeld stimmt, erscheint mir DIE selbstverständlichste Selbstverständlichkeit der Welt.

Du bist nicht die einzige, die mich immer wieder daran erinnert, daß jüdische und jüdisch verbandelte Israelis mit “ihren” Arabern zusammen leben WOLLEN.

Wann immer ich Zeit dazu habe und ich in einem Kommentarthread die unreflektierte Hetze ausbrechen sehe, versuche ich einzugreifen. Soweit ich es mitkriege, ist Muslim- und/oder Araber-Bashing un-israelisch und die Botschaft versuche ich zu vermitteln. Hat mir schon mal massives Deutschen-Bashing eingetragen ;-)

willow – 70

Die letzten Juden aus dem Yemen kommen nach Israel – ob die, wie, soweit ich weiß, Juden aus Russland, auch ein Recht auf automatische deutsche Staatsangehörigkeit haben? aka haben die eine Wahl?

http://jewishrefugees.blogspot.de/2013/02/israel-is-safe-haven-for-jews-fleeing.html

77. Silke - Februar 12, 2013, 14:22

Lila – 73
auf’m Dorf gabe es in meiner Altersklasse noch welche, bei den jüngeren nicht, die machten nach 2 oder 3 Schluss – uffe Arbeit kann ich mich nicht erinnern, welche getroffen zu haben

Vielleicht siehst Du da die Welt zu sehr mit israelischen Augen? ;-)

78. Silke - Februar 12, 2013, 14:38

generell zu “ob und wann” – Davutoglu schmust mit Mauritius und da gibt es Diego Marcia – der Bursche treibt sich einfach überall rum – ich warte derzeit u.a. drauf, daß er irgendwas zu Bulgarien macht.

und der Link bei trt-world.com funktioniert nicht mehr

und Richard Cohen erregt sich über Obama wegen Syrien und ich habe keine Ahnung, ob er recht hat, doch seit ich lese, wie Eisenhower mit den Franquisten in Spanien geschmust hat, kann ich dem als Vorbild nicht mehr viel abgewinnen. Solche Unappetitlichkeiten mögen zum Wohle des eigenen Volkes notwendig sein und wenn die USA ein Recht drauf haben, hat Israel es erst recht.

http://www.washingtonpost.com/opinions/richard-cohen-on-syria-obama-looks-the-other-way/2013/02/11/d979eaf0-7478-11e2-aa12-e6cf1d31106b_story.html

79. Silke - Februar 12, 2013, 16:50

noch ne Frage an Lila oder die Alteingesessenen hier, dieses Mal ne feministisch und sesselfurzerisch motivierte:

hat Lila ihre deutsche Staatsbürgerschaft an ihre Kinder vererben können?

wie ist deren Status, müssen die irgendwann wählen oder dürfen die auf ewig 2 behalten und was geschieht, wenn sie sich durch Heirat mit ner 3. Rechte erwerben würden?

80. Lila - Februar 12, 2013, 16:58

Ja, klar, meine Kinder haben alle doppelte Staatsbürgerschaft. Wer sie per Geburt erwirbt, der darf das. Wer sich um eine andere als die deutsche bewirbt, der verliert sie – oder er muß sich die Bewerbung erst genehmigen lassen, angeblich geht das unter bestimmten Bedingungen (die ich zB laut dt. Botschaft erfülle).

Die müssen sich nie entscheiden. Auch Y. könnte sie vermutlich dank Oma und Opa erwerben, aber wir haben den Papierkrieg ebenso gescheut wie im Falle meiner israelischen Staatsbürgerschaft. Wir sind zufrieden, wie wir sind.

Sich per Heirat Rechte auf eine neue Staatsbürgerschaft zu erwerbern ist glaube ich gar nicht so einfach… aber Pässe sammeln wäre natürlich ein interessantes Hobby. Ich wollte mich ja immer mal um die Staatsbürgerschaft im Achzivland bewerben, das ist ja bei mir öm de Eck.

http://en.wikipedia.org/wiki/Akhzivland

81. Silke - Februar 12, 2013, 17:50

huch wie toll und guck mal wie viele es davon weltweit gibt

http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_micronations

in dem Zusammenhang fällt mir gerade wieder ein, daß Deutschland noch eine Reihe von ungelösten Grenzkonflikten hat, von denen einige noch auf den 1. Weltkrieg zurückgehen.

Der einzige, den ich mir gemerkt habe, verläuft irgendwo zwischen den Niederlanden und Deutschland so zwischen Emden und Krummhörn und läßt und läßt und läßt sich anscheinend irgendwie überhaupt nicht beilegen.

Doch Israels Grenzen sind natürlich total und rundum klar und das in ner Welt-Gegend wie Eurer – Schleswig-Holstein war ja, was Besitzerwechsel anlangt auch nicht faul und ich meine da gäbe es auch noch einen unlösbaren mit Dänemark, also ganz im Norden. Ich kann die Liste nicht wiederfinden, aber ich bin sicher, daß es da im Süden auch noch einiges gab.

… und wenn Deutschland mit seinen Nachbarn die Grenzfragen friedlich vor sich hinschlummern lassen kann und damit vermutlich massenweise Beamtenarbeitsplätze sichert, warum dann Israel nicht auch?

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Niederländische_Grenzfrage#Aktueller_Stand
Akut wurde die Frage erneut 2011, als es um die Genehmigung des geplanten Offshore-Windparks Riffgat vor der Insel Borkum ging.[10] Von deutschen Behörden genehmigt für deutsches Gewässergebiet, aber vielleicht in den umstrittenen Gewässerzonen gelegen, wurden Gespräche mit den Niederlanden wieder aktuell.

82. Silke - Februar 12, 2013, 17:58

PS:
als ich mit nem Österreicher verheiratet war, hätte ich seine auf Antrag bekommen können und wäre, glaube ich, meine los gewesen.

Ein weiser Jurist riet mir davon (Staatsangehörigkeiten wechselt man nicht einfach so, das ist eine ernste Sache), denn sonst, schrecklicher Gedanke, hätte ich u.U. auch nach der Scheidung weiter zur Nation “Kamerad Schnürschuh” gehören müssen. Mein Großvater pflegte sie aufgrund WW1 Erfahrungen abwertend so zu nennen. Juden wurden in der gleichen Reminiszenz immer als “das waren feine Kerle” charakterisiert. (Meine Großeltern waren noch sehr Bismarck und Kaiserreich und da war katholisch das Feindlabel Nr. 1)

Tja, die Wurzeln für Vorurteile werden schon im frühesten Kindesalter gepflanzt ;-)

83. Lila - Februar 12, 2013, 19:37

:shock: den Ausdruck hab ich ja noch nie gehört. Was ist denn an einem Schnürschuh so schlimm?

Katholisch war bei meiner Oma auch ein Feindbild, obwohl sie es nie einem Katholiken gegenüber zur Anwendung gebracht hat. Sie hat sich aber nie gewundert, wie es kommt, daß sie so viele nette Katholiken kennt, aber nie einen, der dem Vorurteil auch entspricht :-D

Aber sie hat den unsterblichen Ausspruch getan, “lieber ein Jude als ein Katholik”, als sie von Y. hörte. Und ist seinem männlichen Charme dann sofort erlegen, besonders, da Y. auch einer der Wundermänner ist, die mit Werkzeug umgehen können…

Andere Vorurteile als Omas gegen die abstrakten Katholiken kenne ich aber von zuhause eigentlich nicht. Da meine Familie von jeher ziemlich international geheiratet hat, und ich in einer Stadt aufgewachsen bin, in der es von ausländischen Wissenschaftlern nur so wimmelte, gab es das nicht. Wenn man in meiner Heimatstadt einen Mann mit Turban sah, dann konnte man davon ausgehen, daß es ein genialer Physiker war.

Und meine andere Oma, die überhaupt keine Vorurteile hatte, sondern einer der aufgeschlossensten Menschen war, die ich je getroffen habe, war immer stolz darauf, daß sie einen Enkel in Saudi-Arabien und eine Enkelin in Israel hatte, eine Enkelin, die mit einem Nigerianer verheiratet war und eine andere, die mit einem Griechen verheiratet war. Ich glaube, von Omas Enkeln haben mehr ausländisch geheiratet als heimisch :-) und die Oma war sehr stolz drauf.

Das einzige abfällige Wort, das ich benutze, ist Käsköpp, und das meine ich unendlich liebevoll, da ich seit meiner Kindheit eine Schwäche und große Bewunderung für Volk und Kultur der Niederländer habe. (Auch dort hab ich Verwandte. Entfernte, aber doch Verwandte.)

Irrsinnigerweise, nein logischerweise sprech ich in den Niederlanden nur Englisch. Und Israelis sind dort, meiner Erfahrung nach, beliebter als Deutsche…

84. Silke - Februar 12, 2013, 20:39

guck emol do – ich habe als Opa’s Tonfall seinerzeit richtig gedeutet:

Brigitte Hamann:
In Deutschland schon. Hier hat man die Österreicher – “Kamerad Schnürschuh” – nie ganz für voll genommen, weder im Krieg noch überhaupt.

http://www.welt.de/print-welt/article322721/Kamerad-Schnuerschuh.html

bei Wikipedia steht, das käme daher, weil die keine Knobelbecher trugen.
… und fällt mir gerade auf, daß die Österreicher nicht das gleiche Glück wie wir haben, von englischen und amerikanischen Historikern beackert zu werden. Und ich meine das mit dem Glück ganz unironisch ernst, denn ich glaube dadurch, daß die anderen so auf uns gucken (weil Hitler und die Preußen sich gut verkaufen?), hätte es jeder von unseren eigenen, der mit der Versuchung zum Rumtünen liebäugeln würde, unendlich schwer. (Ich mag Harmann eigentlich gern, aber auf brutal wie in dem Interview verzichte ich bei Historikern gern.)

Familie in dem Sinne wie Du hatte ich nicht, ich bin da viel “moderner” aufgewachsen – die letzten die wohl noch Familie hatten, waren meine Großeltern mütterlicherseits und da hat sich meine Mutter schnell abgenabelt, was wohl das AllerBeste für sie war. (Denn Omas vergötterter Sohn hat ausgerechnet dann mit dem Sterben angefangen, als er bei uns zu Besuch war.) I

ich bin vermutlich die nahezu letzte von einem absterbenden FamilienAst. Mutters Vater hatte wohl einen Bruder, der Kinder hatte, die in Akademia was geworden sind, doch auf meiner Seite herrschte, so lange ich noch Kontakt hatte, kindermäßig gähnende Leere.

Von Vater’s Seite kannte ich nur seine Mutter und zwei ihrer anderen Kinder und ihren Zweitmann und sie selbst war ein reiner Schrecken in ihren Besitzheitsabsolutansprüchen und Onkel und Tante waren nicht viel besser. Onkel hat sich nach Bali gerettet und nach seiner Rückkehr weit weit weg niedergelassen. Ihr Mann schien ganz freundlich, hatte aber weiter nix zu sagen.

PS:
noch was zu Eisenhower – da hat er zig-Tausende seiner Landsleute in “harm’s way” befehligt, um faschistische Regime los zu werden und dann paktiert er, sobald er’s für nützlich hält, mit dem letzten noch auffindbaren faschistischen Diktator.

85. Silke - Februar 12, 2013, 20:47

OT
falls Du noch’n Geschenk für die Säbeltiger in Deiner Familie brauchst
http://selekkt.com/dudes-factory-meat-t-shirt.html

——-
Ich phantasiere mal zu Schnürschuh mit Opas Tonfall im Ohr:

effeminatus ‚verweichlicht‘, ‚weibisch‘.

gehört also in die gleiche Klasse wie Plattfüße in Meyers Lexikon – in jenen Zeiten machten Plattfüße militäruntauglich und da es vermutlich viele wie Opa gab, die meinten “das waren feine Kerle” mußte man da was von hinten durch die Brust gegen machen.

86. Silke - Februar 12, 2013, 20:48

… und ganz praktisch glaubten die deutschen Soldaten vermutlich, daß sie längst in ihren Knobelbechern dem Gegner entgegenstürmten während die Österreicher noch an ihren Schnürungen arbeiteten.

nicht nur Frauen können Zickenkrieg gut …

87. Daniel P. - Februar 13, 2013, 17:44

Als ein in Israel geborener Jude und Zionist,
kann ich nur bestätigen, daß Lila ein
Vorbild jeder jüdischen Mutter sein sollte.

88. G. - Februar 13, 2013, 18:19

>>„In irgendeinem Thread hat ein Kommentator geschrieben “Man muss an den deutschen nur ein bisschen kratzen, schon kommt der Nazi zum Vorschein”.“<<

XXX

Versteh mich bitte richtig.

Ja, @kleiner Bruder, ich mache es mir einfach. Ich habe doch nichts damit zu tun. Es waren doch die, die vor mir da waren. Nicht ich.

Ich distanziere mich davon. Von dieser dunklen Zeit. Mit der ich nichts zu tun habe. Mit der mich nichts verbindet. Das waren andere. Gnade der späten Geburt.

Und den Überlebenden gegenüber lege ich mir ein Schweigegelübde auf. Damit jeder sehen kann, wie ich mich persönlich davon überzeuge, ein deutscher Gutmensch zu sein.

Für diese kolossale Leistung der Selbstverleugnung, der Abspaltung und des Rationalisierens zahle ich gern den Preis. Aggressionsstau, depressive Verstimmungen und mangelnder Antrieb.

Nie werde ich akzeptieren, physisch wie psychisch mich aus der Quelle derer genährt zu haben und nähren zu werden, die es taten. Nie werde ich akzeptieren, dass kein Apfel weit vom Stamm fällt.

Was habe ich denn mit denen zu tun? Mit deren Judenhass, der ihnen anderthalb Jahrtausende gepredigt wurde? Der zutiefst in Geschichte, Sprache, Kultur, Werten und Verhaltensmustern meines Volkes verankert ist? Nichts. Ich existiere völlig losgelöst. Aus mir selbst heraus.

Warum soll ich Verantwortung übernehmen? Auch noch für die eigene Person? Nicht einmal der Papst tut so was. So wie er Dir seinen Heiland, so biete ich Dir meine geballte Güte an!

Verstehe ich nicht, dass Du sie so verstockt ablehnst. Und mir dann auch noch so aufrichtig und nachvollziehbar begegnest? Zum Opfer meines Aggressionsstaus kannst Du so werden. Denn das wissen wir doch beide.

(Der Jude ist schuld.)

So verstehst Du sicher auch meine irren Reden, meine debilen Gedichte, meine aller Wirklichkeit entrückten Appelle. Der Aggressionsstau. Eruptive Entladung in sozial tradierter Richtung.

Nur … @lila … ist die falsche Adressatin. Wir sind andere, wir Gutmenschen. Hier im Blog und andernorts.

Aber … selbstverständlich ist Israel eine Notwendigkeit und der sicherste Platz für Juden(, solange sie nicht selber vor Ort sind). Und ich habe überall zu akzeptieren, dass Menschen los ziehen, um zu erlernen, sich entwürdigen, quälen, töten, verstümmeln oder traumatisieren zu lassen bzw. dies eben anderen antun. Solange sie für die eigene Person einen nachvollziehbaren Sinn darin sehen. Ebenso sollte ich akzeptieren, dass es auch Menschen geben mag, die derartiges für ihre Person ablehnen. Als Gutmensch.

Dir einen schönen Tag, @kleiner Bruder und Danke für Dein Ohr! Unterhaltsamer thread.

89. Lila - Februar 13, 2013, 18:23

zu Daniel – ich erkläre hiermit feierlich, daß ich dieses große und gänzlich unverdiente Kompliment nicht selbst verfaßt habe, sondern es so im Kommentar vorgefunden habe!

zu G. – ich schreib mir gerade ein heißes Gesicht über dieses Thema.

zu Silke – man lernt nie aus! Danke! Das wußte ich alles nicht.

90. Arthur - Februar 13, 2013, 19:14

@g: wieviel Promille alkohol oder THC hattest du im Blut, als du Kommentar 88 verfasst hast? Ich verstehe kein Wort.

91. Silke - Februar 13, 2013, 19:52

Arthur

bist Du Ingenieur?

92. Arthur - Februar 13, 2013, 20:04

@silke
Nein, wieso?

93. Titelt es riesengroß…. « himmel und erde - Februar 16, 2013, 20:39

[...] denke an die Briefschreiberin von Rungholt – in einem ihrer letzten “letters” schrieb sie, dass eines ihrer Kinder genau dort stationiert ist und es würde mich nicht [...]


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